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einmal bei mir zu melden.
Es könnte
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nicht sonderlich erfreut, in einer Angelegenheit, die ihm schon so viele Scherereien verursacht hatte, abermals behelligt zu werden, und er erteilte die erbetene Auskunft mürrischer und kürzer, als es dem Affeffor erwünscht fein konnte.
Nack seiner Beschreibung war der Verkäufer des verdächtigen Wertpapiers ein hochqewach- sener. schlanker Herr gewesen, den er für einen anaehenden Dreißiger gehalten. Einen Bart hatte er nicht getragen, und sein scharf geschnittenes. ziemlich hageres Gesicht hatte ihm das Aussehen eines Ausländers gegeben.
Aber er war doch se'"er Sprache nach unzweifelhaft ein Deutscher ... wie der Bankier aus Grund einiger Dialcktanklänge vermutete, vielleicht ein Lcklesier — gewesen. Seine Haltung wie sein überaus sicheres Auftreten hatten de» Geschäftsmann auf den Gedanken gebracht, einen Offizier in Zivil vor sich zu haben und wahrscheinlich hatte er sich c-rabe deshalb statt nach einer Legitimation zu fraaen, mit der einfachen Namensnennung begnügt. Im Lause der kurzen Unterhaltung, die er mit ihm geführt, » tte der fremde geäußert, daß er sich nur vo übergebend in Hohenberge aufhalte. Der Bankier war bantm etwas verwundert gewesen, ihm im Laufe der nächsten Tage noch zweimal zu begegnen, als er fk'1 abends nach Schluß der Gesckäftsssnnben in seine Pri- vatwohnnng begab. Natürlich sei das geschehen. bevor ihm von der Polizei -er Laufzettel mit den» Verzeichnis der geltoblencn Effekten zugeüellt worden war. Seit jenem Tage habe er den Mann, den er bei einer nochmaligen Begegnung selbstverständlich angehalten haben würde, nicht mehr gesehen, und es sei wohl zu vermuten, daß er die Stadt inzwischen verlassen habe.
Das war im Grunde nickt viel mehr, als der Assessor bereits gewußt hatte. Der einzige neue Fingerzeig, den er als einen sehr zweifelhaften Gewinn der Unterredung davontrug. war die Angabe der Straße, in der die zweimalige Begegnung des Bankiers mit dem angeblichen Mayring stattgefunden. sowie die Mitteilung, daß er bei dem zweiten Zusammentreffen plötzlich verschwunden gewesen sei. sich also wahrscheinlich in ein Haus der betreffenden Straße begeben habe
Auf eine wesentlick größere Ausbeute aber war der Affeffor auck gar nickt gefaßt gewesen Er setzte seine Hoffnung weit mehr auf das Ergebnis der Nachforschungen. die er am nächsten Tage in den Hotels und Gasthäusern der Stadt anzustellen beabsichtigte. Heute war es für derartige Maßnahmen zu spät geworden, und er fühlte, daß nach all den Aufregungen und Anstrengungen, die ihm dieser Tag gebrockt. die Spannkraft seiner Nerven nachzulassen begann.
Er strebte also seinem Hotel zu. Aber als er an der nächsten Kreuzung den Namen der Straße las. die ibm der Bankier bezeichnet hatte, konnte er sich's doch nicht versagen, die
Die Gewalt der Sonnenstrahlen.
Dje Naturkraft beweist sich oft in scheinbar geringfügigen Vorgängen in einer ganz überraschenden Macht. Namentlich die Wirkung der T e m p e.r a t u r s ch w a n k u n g e n arrf die Ausdehnung beziehungsweise Zusammenziehung der Körper ist von geradezu unwiderstehlicher Wirkung. Das hat man in diesem Sommer an vielen Orten erfahren, nirgends aber vielleicht ausdrücklicher als in der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington. Dort steht vor dem Kapitol das kolossale Denkmal des Mannes, dem die Einigung der nordamerikanischen Staaten hauptsächlich zu danken gewesen und nach dem infolgedessen auch die Hauptstadt benannt worden ist. Der Scheitel dieses Denkmals liegt 165 Meter über dem Erdboden und danach kann man sich eine Vorstellung von feinen ungeheuren Ausmaßen machen, da diese Höhe die der Türme des Kölner Doms noch um sieben Meter übertrifft. Man sollte meinen, daß außer einem Erdbeben keine Naturkrast hinreicken würde, diesen Koloß zu bewegen, und doch bringt das ein heißer Sommertag fertig. Freilich bedarf es eigener Mittel, um die Schwankungen dieses Riesen bemerkbar zu machen. Das ist geschehen, indem man einen 50 Meter langen Kupserdraht in dem hohlen Innern des Denkmals hat herab- hängen lassen. Es hat sich gezeigt, daß um di» Mittagsstunde in den heißen Tagen dieses Sommers eine deutliche Ablenkung dieses Drahtes erfolgte, die mit einer Biegung des ganzen Denkmals gleichbedeutend war. Allerdings war diese sehr gering und betrug für den Scheitel der sitzenden Figur nur einige Millimeter. Ilebrigens führen auch besonders starke Winde Bewegungen des Kolosses herbei.
2. Beilage.
Dienstag, 5. September 1911
werde," versicherte er. .Sobald ich von Herrn Untersuchungsrichter entlassen sein de, gebe ick auf die Reise."
.Ich möchte Sie ersuchen, sich vorher
Nr. 231.
Erster Jahrgang
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«uunui w, ..... zu uiuu.il. Es könnte fein, daß ich Ihnen einige nicht ganz wertlose In-
Wenn Frauen HM».
Roman, von Lothar Brenkendorff.
SS) < Nachdruck .erboten)
Wenn der Assessor auch vollkommen begriff, laß er den überraschenden Vorschlag des Ti- reliors vornehmlich als einen Ausdruck seiner außergewöhnlichen Teilnahme an dem Schicksal feines Bruders anzusehen habe, so empfand ex darum doch nicht weniger tief, einen wie großen Beweis hochsinnigen Vertrauens Wöll- mer ihm selbst damit gab. Mit all der Wärme eines Menschen, der in gehobener Stimmung pon den heiligsten Vorsätzen und von hohem Vertrauen auf sich selbst erfüllt ist. erklärte er sick bereit, den Rat seines Vorgesetzten zu befolgen. .Ich denke, eifriger soll noch nie ein - Detektiv auf der Spur eines Verbrechers gewesen sein, als ich diesem Mavring nachspüren
langgestreckte und ziemlich schmale Straße langsam hinabzuschlendern.
Daraus, daß ihm etwa der geheimnisvolle Herr Mayring in die Hände laufen würde, hatte er selbstverständlich nicht gerechnet. Ebensowenig aber war er darauf gefaßt gewesen, sich plötzlich angeredet zu hören.
„Guten Abends Herr Polizeirat! — Es ist doch nicht vielleicht wegen meiner, daß Sie hier in Hohenberge sind?"
Er wandte den Kopf und sah sich einer jungen Frauensperson gegenüber, . die barhaupt und mit einem Henkelkorbe am Arm quer über die Straße auf ibn zugelaufen war. Das Gesicht kam ihm wohl bekannt vor. aber er wußte doch nicht sogleich, wen er vor sich hatte.
„Ihretwegen wohl kaum. — Ick muß näm-, lich gestehen daß ick im Augenblick wirklich' nicht weiß, wer Sie sind."
„Ick bin die Frau Mattusck, mit bet Sie am letzten Sonntag so freundlich gesprochen haben. Sie wissen dock — wegen dein Kind."
Nun erinnerte der Assessor rx allerdings an die Fran wie an ihr Anliegen, das er um feiner offenkundigen Bedeutungslosigkeit willen dienstlick nickt weiter verfolgt hatte. Unter anderen Verhältnissen würde er sie ohne Zweifel mit einer kurzen Erklärung abgefer- tigt haben in diesem Augenblick aber mußte ihm jede Beziehung wertvoll erfcbeinen, die er hier in Hohenberge anknüpfen konnte.
„Gewiß. Frau Mattusch." sagte er, „ich entsinne mich jetzt ganz genau. — Nun, wie steht denn die Sache? Haben Sie den Kleinen immer noch auf dem Hälfe?*
„Ach ja, Herr Polizeirat — noch immer. Die Mutter antwortet ja auf keinen der Briese, die ich an sie geschrieben habe. Und hier auf der Polizei, wo sie mit uns kleinen Leuten gar nicht so nett sind wie bei Ihnen, haben sie mich beinahe hinausgeworsen, als ick in meiner Ratlosigkeit zum zweiten Male hin- fam Ich sollte zusehen, wie ick das Kind an die wutter ober an den Vater los würde, die Polizei hatte mehr zu tun, als sich mit solchen Geschickten zu befassen."
„Hat denn der onaehlicke Vater des kleinen Adolf nichts mehr von sich bitten lassen?"
„Otto heißt er. Herr Polizeirat!"
„Wer? — Der Vater?"
„Rein, der Kleine. Ja. und der Vater ist freilick noch einmal dagewesen, enteil Tausend- marksckein hat er vor meinen Mann auf den Tisch gelegt, daß er ibm das Kind gleich mit« geben sollte, und in dem Briefe, den wir heute aus Danzig von ihm gekrieett haben, hat er sogar von zweitausend geschrieben."
sFortsetzung folgt.)
Simtes «Derlei
Wie erreicht man ein hohes Atter?
„Wollen Sie wissen, wie man lange und glücklich leben kann? Guten Freunden teile
' strnkttonen ... oder vielleicht Ratschläge, da Sie ja nicht dienstlich voraeben sollen ... mit auf den Weg zu geben habe."
Der Affessor war zunächst entlassen, und ttotz der furchtbaren Gefahr, die über seinem Haupte schwebte, trotz der Gewißheit, daß selbst der glücklichste Ausgang der Dinge für ihn noch immer die Vernichtung seiner aus- sicktsreick begonnenen Lausbahn bedeuten würde, hatte er sick seit langem nicht mehr ko leickt und frei und zuversichtlich gekühlt, als in dieser Stunde. Er sah eine Ausgabe vor sich und ein Ziel, an dessen Erreicknmg er alle feine Kräfte und ©abert setzen durfte. Nickt nur die bürgerliche Ehre feiges Bruders aalt es zu retten, sondern es galt auch, ihn brrrh die Enthüllung ihrer ganzen Verworsenbeit aus den Schlingen zu befreien, mit denen die gewissenlofe Komödianttn ihn umgarnt hatte. Erft wenn ihm d"s gelungen war. durste er sick sagen, daß seine Sckuld zu einem guten Teile aetilat sei. und er konnte das. was über ihn selbst verhängt fein würde, mit dem getrosten Mute eines wenigstens von feiner schwersten Last befreiten Gewissens tragen.
Neunzehntes Kapitel.
Nach einer sechsstündigen Eifenbab"fghrt deren Eintönigkeit ihm Zeit genug gelaffen hatte, seinen Gedanken nachzuhängen, war beT Assessor noch am Abend des nämlichen Taaes in Hohenberge einaetioffen. Um nichts von feiner kostharen Zeit zu verlieren, beeilte er sich, fein Gepäck in einem Hotel unterzubringen. bevor er die Wechselstube euffuc&te, deren Inhaber für ihn natürlich zunächst die Wichtigste Perfönlickfoit in Hohenberge war.
Das Gefckäftslokal war glücklicherweife noch nickt gefchloffen. aber der Mann zeigte sich
ich dieses Geheimnis gern mit. Studium und regelmäßige, normale Arbeit sind es nickt, die bas Altwerben beschleunigen. Ick studiere mit Leidenschaft, gönne mir keine Ruhe und fühle mich frisch wie mit zwanzig Jahren. Tie Gebrecken des Alters treffen gewöhnlich nur Diejenigen, die vor Ehrgeiz und Streber« tum nicht schlafen können. Ter Ehrgeiz (und ick verstehe darunter alle Stimulationen,welchen die modernen Menschen gehorchen) gießt ein schleichendes Gift ins Herz und zerfrißt das Nervensystem. Wieviel schlaflose Nächte verbringen nicht viele meiner Kollegen, um einen Titel ober "eine Stellung zu erobern! Auch ick wache häufig, aber meinem Wachen folgt immer ein gesunder Schlaf. Wer erregte Nerven hat, kann nicht ruhig schlafen, und gute Nerven sind ein Unterpfand langen Lebens. Meiden Sie, so weit es in Ihrer Macht liegt, jede Erschütterung, und Sie werden das kostbarste Ingendelirier besitzen. Seien Sie mit Ihrem Schicksal zufrieden: Das ist das ganze Geheimnis." Also sprach dieser Tage zu einem - Pariser Journalisten der berühmte Astronom Camille Flammarion.
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