Nummer 229.
1. Jahrgang.
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Sonnabend, den 2. September 1911.
Sena in Rot.
Die kommende Heerschau der deutschen Sozialdemokratie in Jena.
Wenn des Herbstwinds erster Hauch über die Stoppelfelder fährt, pflegt die Partei der „roten Internationale" ihre Legionen zur alljährlichen Heerschau zusammenzurufen, und man hat sich daran gewöhnt, den Verhandlungen der sozialdemokratischen Parteitage mit Aufmerksamkeit zu folgen. Weniger aus Neugier als aus Interesse an der Entwicklung, die die Partei der sozialen Demokratie im Widerstreit der eignen Geister durchläuft Mit be- sonderm Stolz Verzeichnet diesmal der Rechenschaftsbericht für das kommende Rendezvous in Je n a einen Mitgliederzuwachs (im verflossenen Jahr) von 116 524 neuen Genossen. Dieser bisher beispiellose Agitationserfolg steigert die Zahl der in den Listen der roten Partei eingeschriebnen politischen Kämpfer au 836 562: Die Million wird also bald erreicht sein. Keine bürgerliche Partei dürfte einen auch nur annähernd gleichen Zuwachs ihrer Anhängerschaft aufzuweisen haben. Relativ triumphiert also die Sozialdemokratie. Wenn man aber die mehrere Millionen umfassende Masse der sich abseits von der Parteipolitik haltenden Wähler in Betracht zieht (aus denen wohl jede bürgerliche Partei, mit alleiniger Ausnahme des Zentrums, Wahlreserven heranzuholen imstande ist), dann läßt sich der sozialdemokratische Vormarsch in seiner Bedeutung sür die politische Praxis weniger sensationell an.
Es ist übrigens auch ein anderes Moment, das zur Beachtung zwingt: Die radikalste Partei hat ihre Werbekraft mit ungewöhnlichem Erfolg erpröbt in einer Zeit, die nicht mehr un-' mittelbar unter dem Eindruck des Haders wegen der F i n a n z r e f o r m mit ihren verbitternden Steuergesetzen stand. Es müssen also noch andere gewichtige Ursachen dazu beigetragen haben, den Zustrom zur roten Fahne zu begünstigen. Teilweise mag sich der Erfolg der Agitation daraus erflären, daß Mitglieder der freien Gewerkschaften, die vordem noch nicht eingeschriebne Anhänger der Partei waren, offiziell in die Reihen der Sozialdemokratie eingetreten sind. Der verhältnismäßig große Parteigewinn im Bezirk des Niederrheins (nach der Einzelaufstellung im Vorstandsbericht reicht er fast an den in Groß-Berlin erzielten heran) könnte auch vermuten lassen, daß die Partei Bebel unter den christlich- gewerkschaftlich organisierten Arbeitern moralische Eroberungen gemacht hat. Doch diese Kalkulationen sind nicht ausreichend zur Erklärung des ganzen agitatorischen Erfolges. Es ist.wohl vor allem der in den Besitz der Staatsbürgerrechte gelangte Nachwuchs der Arbeiterschaft, aus dem die Partei ihren Heerbann vervollständigen konnte, und wenn es sich in Wirklichkeit so verhält, dann hat sich der durch gesetzliche und Derwaltungsmaßregeln gegen die sozialdemokratische Jugendbewegung geführte Kampf am Ende im wesentlichen als ein Schlag ins Wasser erwiesen, eine Tatsache übrigens, die von Kundigen längst vorausgesagt worden ist.
Daß der' auf der Tagung in Jena obwaltende Geist ein der Parteileitung erwünschter sein wird, dafür, scheinen in der Tat mancherlei Voraussetzungen gegeben. Im Mittelpunkt der Verhandlungen wird „Altmeister" Bebels Referat über dir Reichstagswahlen stehen. August Bebel hat sich auf Dutzenden von Parteitagen mit den Revisionisten herumschlagen müssen, ist aber nun auf seine alten Tage den Gedankengängen seiner Gegner so weit nahe gekommen, daß tiefgehende Meinungsverschiedenheiten kaum noch auszutragen sein werden und speziell das Einvernehmen betteffs der Marschroute für die Reichstagswahlen als gesichert gelten kann. Einerseits wird eben durch die Aufstellung sozialdemokratischer Kandidaten in fast allen Wahlkreisen dem alten Bebrl'schen Standpunkt, der weniger Gewicht auf die Zahl der zu erringenden Mandate als auf die der aufzubringenden roten Stimmzettel legt, Rechnung getragen, und andrerseits bedeutet es eine Konzession an die „Großblock"-Anschauungen der Revisionisten, daß eine allgemeine Stichwahlparole zugunsten linksstehender bürgerlichenKandidaten ausgegeben werden soll. Sie würde natürlich an Wirkungskraft gewinnen infolge des Mitgliederzuwachses der sozialdemokratischen Partei, mit dem obendrein die Entwicklung der freien Gewerkschaften parallel geht. Alles Dinge, die geeignet sind, die „Jenrnier Mocks" freundlicher zu gestalten, als
es seit einem halben Jahrzehnt irgend einem Patteitag beschieden gewesen ist.
Daß der Marokkokonflikt den Parteitag in Jena lange beschäftigen wird, ist schwerlich anzunehmen: Eine glatte Niederlage der Richtung Maurenbrecher und ihrer Resolution zugunsten einer gewissen deutsch-imperialistischen Politik ist so gut wie sicher (der schneidende Hohn, mit dem der Vorwärts diese „Neutöner" abgefertigt hat, läßt daran keinen Zweifel). Gleichwohl hätte auch der Parteitag Anlaß, wenigstens der Tatsache gerecht zu werden, daß immer noch eilt gründlicher Unterschied besteht zwischen „Kriegshetzern profitgieriger Hebet» Patrioten" und dem unabweisbaren, loyal zur Geltung gebrachten Erfordernis der Gewinnung neuer Auslandmärkte und Rohstoff-Bezuggebiete. Indem die Reichsregierung in letzterer Hinsicht das Mögliche zu erreichen trachtet, handelt sie nicht zuletzt im Interesse der deutschen Industriearbeiter, und ein schwachherziges Sichbescheiden wäre Verrat an diesen Arbeiterinteressen. Das wird auch von einem großen (und grade dem intellektuell reifsten) Teil der Sozialdemokratie erkannt, und es ist deshalb kaum anzunehmen, daß der Theater- Donner gegen den „Marokko-Rummel", der in den vergangnen Wochen grade von sozialdemokratischer Seite mit beträchtlicher Ausdauer inszeniert worden ist, auch beim Jenenser Rendezvous die Gemüter erschrecken wird. Im übrigen wird nach den Sturmtagungen der letzten Jahre die Heerschau im Thüringerland vermutlich vom Sonnenstrahl trauten Friedens erwärmt werden. Die nahenden Reichstagswahlen mit dem (von Bülow prophezeiten) „Tag von Philipppi" haben den Hader im roten Lager gescheucht und dort, wo früher wild die Schwerter aufemanderprällteif, 'herrscht heute heil'ge Eintracht, süßer Friede: Jena neunzehnhundertelf! **
Fuffuff Zzzedm m Berlm.
Der türttsche Thronfolger als Gast des Kaisers.
Der türkische Thronfolger Jussuff Jzzedin ist gestern nachmittag um halb fünf Uhr mittels Extrazuges aus Breslau auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin eingetroffen. Zum Empfang war der Kaiser erschienen, der den Prinzen herzlichst begrüßte. Kaiser und Prinz fuhren alsdann int Viererzug nach dem Königlichen Schloß, wo der Thronfolger während seines Berliner Aufenthaltes wohnen wird. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Schwarzen Adlerorden an den türkischen Thronfolger und den Sultan.
Die Berliner haben gestern das Schauspiel erlebt, in ihrer Stadt den türkischen Thron er den als Gast des Kaisers zu sehen. Zum ersten Mal ist ein Mitglied des türkischen Herrscherhauses in die Reichshauptstadt eingezogen. So lange es auch schon gute Beziehungen zwischen Deuffchland und der Türkei und einst früher zwischen den Preußen und Osmanen gegeben hat, so konnte diese Ei- uigkeit doch nie auch äußerlich durch gegenseitige Fürstenbesuche ausgedrückt werden. Allerdings bat Wilhelm der Zweite persönlich seine freundschaftliche Gesinnung der Türkei gegenüber in Konstantinopel Abdul Ha- m i d bezeugt, doch dieser wagte es nicht, einen Eisenbahnzug zu besteigen, um sich nach Berlin zu begeben, aus Furcht vor Anschlägen gegen ein Leben, die allerdings diesem grausamen Despoten leicht drohen konnten. Erst der Sturz der türkischen Tyrannei und die Ein- iihrung einer konstitutionellen Verfassungsform hat auch in dieser Beziehung Wandel geschaffen. So hat bereits Sultan Mehmed Albanien persönlich ausgesucht und jetzt auch dem Thronfolger Jussuff Jzzedin Efsendi ge- tattet. der Einladung des Deutschen Kaisers Folge zu leisten. Es ist selbstver- tändliÄ, daß dieser Besuch schon durch seine Seltenheit auch eine politische Bedeutung besitzt. Diese wird noch erhöht durch die Tatsache, daß der Thronfolger auf seiner Reise nach Berlin zuerst Rumänien und von hier aus,wiederum Wien aufsuchen soll. So werden die drei Mächte, die sicherlich die reundschastlichsten Gesinnungen gegenüber der Türkei hegen, auch äußerlich zu einer Einheit zusammengefaßt. Es wird freilich damit nur eine längst bekannte politische Taffache von neuem konstatiert, aber man weiß, daß gerade olche Wiederholungen keinen geringen Wert haben. Denn allen Neidern und Zweiflern zum Trotz muß die politische Welt erkennen, daß die Freundschaftsbezeugungen zwischen diesen vier Staaten keine Phrasen sind, sondern auf gesunder Basis ruhen. **
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Wie uns ein Telegramm aus Berlin meldet, fand beute vormittag auf dem Tempel-
Hofer Felde die große Parade über das Garde-Korps statt. Die Truppen hatten tote immer in zwei Treffen Ausstellung genommen. Im erften Treffen stand die Infanterie, im zweiten die berittenen Truppen. Die Parade befehligte bet Kommandierende General der Infanterie, von Loewenfeld. Eine große Anzahl von Fürstlichkeiten wohnte der Parade bei. Ferner waren zahlreiche höhere Offiziere geladen.
Polizei-Zkandal in Berlin? „Amtliche Verfehlungen von Sitten-Beamten".
Wie Berliner Blätter berichten, hat sich in der reichshauptstädtischen Polizei-Verwaltung ein Fall ereignet, der großes Aussehen hervortust. Acht Kriminalbeamte der Berliner Sittenpolizei wurden wegen umfangreicher Delikte und zahlloser Vergehen im Amte (sie ließen sich von Dirnen bestechen, brachten anständige Mädchen, die von ihnen nichts wissen wollten, unter Kontrolle, und begingen verwerfliche Ausschreitungen), von ihrer' Stellung suspendiert. Der Polizei- Präsident von Jagow hat die Akten selbst der Staatsanwaltschaft übergeben. Heber die sensationelle Affäre wird uns weiter berichtet:
S3 Berlin, 1. September. (Eigene Drahtmeldung.)
Wie der Berliner Morgenpost von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, haben sich mehrere Beamte der Berliner Sittenpolizei in ihrem amtlichen Wirkungskreis derartig schwerer amtlicher Verfehlungen schuldig gemacht, daß sich der Polizeipräsident von Jagow veranlaßt gesehen hat, nachdem die amtlichen Ermittlungen abgeschlossen worden waren, das ganze Material der Staats- aAw-eltschäft zu unterbreiten. In Krügen Fällen sollen sich die Beamten mit Vigilant innen, deren sie sich bedienten, in einen unerlaubten Verkehr eingelassen haben. Andererseits aber sollen Beamte von solchen Halbweltlerinnen, die eigentlich ihrer Kontrolle unterstanden haben, Geschenke für sich und sogar für ihre Frauen entgegengenommen haben, wofür sie sich» dadurch erkenntlich zeigten, daß sie diese Mädchen anderen gegenüber begünstigten und mitunter „ein Auge zudrückten". Auch in anderer Form sollen die Beamten ihre Amtsgewalt in einer sehr häßlichen Weise mißbraucht haben, insofern, als sie durch Höch st verwerfliche Tricks Mädchen unter sittenpolizeiliche Kontrolle zu bringen versucht haben, die durchaus anständig waren. Polizeipräsident von Jagow bat selbst die Unter« suchung in der Angelegenheit geführt und ist mit rücksichtsloser Strenge gegen die Schuldigen vorgegangen.
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Berlin, 1. September. (Eigene Drahtmeldung.) Wie die Untersuchung gegen die acht vom Dienst suSpendietten Stt- trn-Schutzleute ergeben hat, reichen die dienstlichen Versehlungen bei den meisten von ihnen schon Jahre zuttick. und es gewinnt den Anschein, daß die pflichtvergessenen Beamten bei den Amtsmißbräuchen förmlich systematisch vorgegangen sind. Die Schandtaten wurden durch eine Anzeige aufgedeckt, die dem Polizeipräsidenten dirett zuging, worauf Herr von Jagow unverzüglich eine strenge Untersuchung einleitete, die dann das belastende Matettal zutage fördette.
Fm Kampf ums Bror.
Teuerungskrawalle in Belgien und Frankreich.
Ein Privattelegramm meldet uns aus Brüssel: Aus verschiedenen Provinz- ftäbten laufen fortgesetzt Meldungen über ernste Kundgebungen gegen die Lebens- mittelteuerung ein. Besonders in den wallonischen Provinzen waren diese Zwischenfälle sehr ernster Natur, und die Krawalle machten wiederholt das Einschreiten von Gendarmen notwendig. In Eguossinnes und E n g h i e n zerstörten die Kundgeber die Waren der Landwirte, die in den Läden aufge- stapelt waren und mißhandelten die Verkäufer. Ernste Zwischenfälle haben sich auch in der Mehrzahl der Orffchaften längs der französischen Grenze zugetragen. In Haut- mont veranstalteten dreitausend Personen eine Kundgebung, an der sich die Einwohner ver- chiedener Ortschaften beteiligten. Die Manifestanten drangen in mehrere Läden ein und zerstörten die dott aufgestapelten Vorräte an Butter und Eiern. Zahlreiche Personen wurden verhaftet.
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Depeschen aus _ Paris zufolge ist es in Saint Quentin, wo dieser Tage schon Teuerungskrawalle ausgebrochen waren, auch wieder zu ernsten Zwischenfällen gestern gekommen. Fast alle Fleischer- und Bäcker
läden wurden geplündert und verwüstet. Trotzdem Polizei und Truppen aufgeboten waren, steckten die Ruhestörer das Haus eines Kaufmanns, das sie ausgeplündert hatten, und mehrere Läden von Pächtern in Brand. Die Ausschreitungen nahmen gestern erst in den späten Abendstunden ein Ende, als Reiterei und Truppen aufgeboten wurden, um die Straßen zu säubern. In einem Stadtteil versuchte der Pöbel eine Kolonial- warenhandlung zu stürmen, doch wurde er daran durch die Truppen verhindert. In Douais schlossen die Fleischer und Kaufleute ihre Läden aus Furcht vor Plünderungen und verkauften nur an bekannte Kunden. Aehnliche Vorkommnisse werden auch aus anderen Orten gemeldet. In A i n i ch e wurden die Fleischer beim Verlassen des Schlachthofs von einer großen Menschenmenge eingeschlossen und beschimpft. Mehrere der Ruhestörer hielten mit Petroleum gefüllte Spritzen bereit, um Brandstiftungen vorzunehmen.
Sie 6|ione hon Kiel.
Die Rätsel der lebten Spionage-Affäre.
Wie uns ans Kiel berichtet wird, ist die Kieler Spionage-Affäre trotz aller offiziösen Dementis des Wolss'schen Telegraphenbureaus doch nicht so harmlos. Das genannte Bureau hat sich selbst dementiert: Zuerst meldete es. die betreffenden Personen seien „weder angehalten noch verhört worden", mußte diese Tatsache aber am nächsten Tage selbst zugeben. Ganz genau so lag bet Fall der Bremer Spionage. Hier melbete basselbe Bureau, baß von einer Verhaftung eines englischen Spions ben zustänbigen Be- hörben absolut „nichw bekannt" sei. Heber die Spione von Kiel erfährt unser Kieler Korresponbent aufgrund zuverlässiger Informationen folgende authentischen Mitteilungen, . L Lj
-T itü. 1. September, i
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
Die beiden in Kiel angehaltenen Engländer heißen W a c e und Hagg. An Bord des dänischen Bootes wurden photographische Platten mit Kriegsschiffen der Son- betburger Marine st ation gefunben, ferner optische Instrumente von außergewöhnlicher Schärfe. Bereits seit vierzehn Tagen kreuzten die beiben Engländer in der Ostsee umher und hatten augenscheinlich auch die Absicht, durch den Kaiser Wilhelm-Kanal nach der Nordsee zu fahren. Verdächtig erscheint auch die Angabe der Engländer, daß es sich um eine Erholungsreise handle, weil die Einrichtung des Motorbootes für solche Zwecke völlig ungeeignet war. Der Wohnraum, der zugleich als Küche diente, war so klein, daß sich dort kaum drei Menschen ausstrecken konnten. Nach einer Vorgefundenen Rechnung sind die Engländer schon wochenlang in Kolding gewesen und haben einem dortigen Hotelwitt dreihundett Kronen bezahlt. Der Behauptung der Engländer, Lehrer zu fein, stand als Verdachtsmoment eine Rechnung gegenüber, die von einem Londoner Offizierskasino über 97 Schilling auf. den Namen Waee ausgestellt war. Ware er« klärte denn schließlich auch bei der Vernehmung. er fei englischer Reserveoffizier und Leiter einer Jugendwehr. Wenn die Engländer schließlich wieder entlassen wurden, so geschah dies nur, weil die Verdachtsmo- mente nicht ausreichten, um sie wegen Spionage sestzuhalten. Damit ist aber nicht erwiesen, daß die Engländer keine Spionage getrieben haben: Sie können bas erlangte Ma- teriab bei ihrer Verhaftung schon längst nach Englanb abgeschickt haben, eine Annahme übrigens, die auch von der Unter» suchungsbehörde geteilt wird.
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Die Kieler Polizei hat übrigens bereits vor einiger Zeit verdächtige Motorboote im Kieler Hasen beobachtet, so vor einigen Wochen das dänische Motorboot „Frosch", das ebenfalls zwei Engländer an Bord hatte. Die Fälle Trench, Brandon, Stewart und Schultz haben bewiesen, daß England mit planmäßigen Mitteln die deutschen Küstenbefestigungen aus- pionieren läßt. Wie sehr aber die deutsche Polizei in allen unseren Seefestungen auf der Hut ist, beweisen die zahlrei-^en Verhaftungen der letzten Zeit, die naturgemäß zu noch chärferen Maßnahmen gegen auswär- tige Spione führen werden.
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Ein Prlvattelearamm meldet uns a«I Straßburg i <?.: Zwei zurzeit in ben Vogesen sich aufhaltende französische Stube nt e n wurden unter Spionageverdacht verhaftet und unter militärischer Bedeckung nach der Festung Mutei verbracht. Sie