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Sonnabend, den 26* August 1911*

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Wo bleibt der Reichstag...? Das deutsche Volk, die deutsche« Diplomaten und das Krifengeslüster.

Der zweifelhafte und jedenfalls nicht gefahrlose Stand der Mar okkv - V erh and langen zwischen Deutschland uud Frankreich hat in den letzten Lagen zu einer lebhaften Erörterung der Frage geführt, ob es angesichts der Schwierigkeften der Situation nicht Notwendigkeitsgebot sei, den Reichstag un­verzüglich einzuberufen und die weitere Behandlung der Angelegenheit im Einverständnis mit der verfassungsmäßig Beauftragten Vertretung der Volksgemeinschaft zu führen. Zu dem Thema: W o bleibt der Reichstag?" wird uns jetzt von einem bekannten, gemäßigt liberalen Parlamen­tarier geschrieben:

Gegenüber dem Chaos von K r i e g g e - rüchten, die in England und Frankreich im Umlauf sind, und deren Rückwirkungen bereits an den deutschen Börsen vielfache Kursrück - g ä n g e herbeigeführt haben, von denen be­dauerlicherweise gerade die Staatsanleihen am meisten betroffen wurden, verlangt die Oef- sentlichkeit gebieterisch eine freimütige Aufklä- rung. Die Ansprache des Kaisers an seine Reiterregimenter auf dem Uebimgplatz in Pom­mern, die mit den Worten endete: .Der Feind möge nur kommen, wir sind bereit, stimmt kei­neswegs mit den beruhigenden, aber immerhin zweideutigen Kundgebungen der halb­amtlichen Presie überein. Die Kölnische Zei­tung (die auf dem Gebie'e der auswärtigen Angelegenheiten bisher gute Fühlung mit der Berliner Wilhelmstraße zu haben pflegte) meint zwar,wir könnten die Dinge ruhig an uns herankommen lassen, und es liege vielleicht ein Vorteil darin, daß der Aufschub die Mög­lichkeit gewähre, die öffentliche Meinung in Deutschland sich klären zu lassen, aber in der seit Beginn der deuisch-iran.öflfthen Marokko- Verhandlungen geübten Weise erfolgt keine Klärung, sondern (wie die Tatsachen beweisen) nur eine Trübung der Gedanken, und wir können dem rheinischen Blatt durchaus in der Meinung beistimmcn, cs fei besser, wenn die deutschen verantwortlichen Stellen rechtzeitig die Oeffentlichkeit in gebührendem Umsang über den Verlauf der Berliner Konferenzen unterrichteten.

Das deutsche Volk und auch seine parla­mentarischen Vertreter haben wahr­lich eine himmlische Geduld gegenüber allen den Nachrichten geübt, die als Enthüllungen von der Themse und der Seine zu uns herüber drangen, weil man in Deutschland die Ueber- zcugung hegt, daß die Diplomatie zu ihren schwierigen Arbeiten der Ruhe bedarf. Da aber die Verwirrung immer toller wird und uns be­reits erhebliche volkswirtschaftliche Schäden zufugt, so verlangt man mit gutem Recht zu wissen, wie es um Deutschlands Sache eigent­lich steht. Es genügt doch nicht, daß aus der Schweizerreise des Herrn von Kiderlen-Waech- ter der Schluß gezogen werden kann, der Friede sei nicht gefährdet, da der Kurs der Reichsan­leihe weicht, in Frankreich die Reserven zurück- behaltcn und die Manöver (angeblich wegen der Maul- uud Klauenseuche) abbcstellt wer­den. Tatsächlich handelt es sich darum, daß die Truppen im Falle einer Mobilmachung in ihren Garnisonen sind und schnell an die Grenze geworfen werden können. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß die deutsche Heeressüh- rung den französischen Maßnahmen mit schar­fen und wachsamen Augen folgt, doch auch das deutsche Volk will nicht in Stumpfheit verhar­ren, wenn sein Geschick auf des Degens Spitze stcht.

Unter einem großen Teil der deutschen Par­teien (so führt die Kölnische Zeitung weiter aus) herrscht eine äußerst erregte Stim­mung, in der sich die seit Jahren erwachsene Anschauung ausdrückt, daß Deutschland wesent­lich durch die Schuld seiner Diploma­tie in jeder internationalen Verwicklung von vornherein als der zurückweichende Teil ge­kennzeichnet sei. Diese Anklage ist nicht in Kürze zu beantworten, sondern es muß die Aufgabe des Reichstags sein, darüber zu befinden, ob die Interessen des Reichs in ge­botener Weise wahrgcnommcn worden sind oder nicht. Das Bedürfnis nach Aufklärung macht sich so stark im Volk geltend, daß bereits öffentliche Versammlungen in Aussicht genom­men worden sind, in denen der deutsch-franzö­sische Konflikt behandelt werden soll. Zum dreißigsten August ist nach Berlin eine derartige Versammlung bereits einberufen. Die Ansich­ten sind noch darüber geteilt, ob dies der rich­tige Weg zum Ziel ist, jedenfalls beweist das Vorgehen aber, wie tief im Volkempfinden die Sorge wurzelt. Unter Parteiführer« des Reichstags hat bereits ein lebhafter Ge- danünanstaujch tzajigeiunden. obdirEinbent-

sung des Reich-Parlaments der Regierung zu empfehlen fei. Dem größten Teil des Volks würde der Zusammentritt des Reichstags wohl als das geeigneiste Mittel erscheinen, eine Auf­klärung über die verworrene Lage herbeizufüh­ren: Wenn also die Regierung die Ration fest und sicher führen will, dann möge die V o l k - Vertretung rechtzeitig ins Vertrauen ge­zogen werden.

Dinge, die die öffentliche Verhandlung nicht vertragen, kann man nach geschästSordnungs- mäßigem Brauch der Kommission übergeben. Ein geschickter Staatsmann, wie Herr von Ki- derlen-Waechter es doch sein soll, vermag in den Reichstaasverhandlungen starke Stützen für seine Politik zu gewinnen. DieFurcht vor der Organisation dürste also nicht berech­tigt sein, denn'selbst die Vertreter der sozialde­mokratischen Partei bewilligten vor einigen Jähren die plötzliche Verstärkung der Artille­rie, als der Kriegsminister in geheimer Sitzung die erforderlichen Aufklärungen gegeben hatte. Wenn es sich um das Vaterland handelt, treten alle Parteifragen zurück. Das wird auch die Regierung erfahren, wenn sie sich in schick­salsschwerer Stunde mit Vertrauen an die Volksvertretung wendet. Es ist kein leichter Entschluß, den Reichstag inmitten der Ferien einzuberufen, doch ist die Notwendigkeit einer solchen Maßnahme kaum mehr zu umgehen, namentlich angesichts der Tatsache, daß in Frankreich und England die Sammer« sich be­reits mit dem Marokkokonflikte befaßt haben. Der deutsche Reichstag wird das deutsche Volk sicher stolz und würdig vertreten, sobald von aller Welt auf feine Stimme gelauscht wird. Warum zögert also die Regierung, und warum läßt sie im Reich die Erregung bis zum Gipfth steigen? Alle offiziösen Beschwichtigungen kön­nen nicht darüber hinwegiäuschen, daß die Stunde ernst ist. Und in solch ernster Stunde ist in allererster Linie die Frage am Platze: Wo bleibt der Reichstag? »em«

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Köln, 25. August. (Telegramm un- sers Korrespondenten.) Seit gestern macht sich in der westdentschen Geschäftswelt eine hoffnungsvollere Stimmung geltend, angeblich auk Grund anthentischer Meldungen ans holländischen und belgischen Negierungskreisen, wonach dort amtliche Be­richte ans Paris eingelaufen sind, die die Möglichkeit eines deutsch-französi­schen Marokkokriegs als vollstän­dig ausgeschlossen erklären. Speziell die belgische Regierung hatte schon Maßnah men beschlossen, die im Falle eines Krieges nö­tig waren, die aber nun unterbleiben, da die amtlichen Informationen aus Paris die Kriegs­gefahr als außerhalb des Bereichs der Wahrscheinlichkeit stehend bezeichnet haben.

Polnische Enten*

DieKatastrophe" von Bieniew.

Die Berliner Morgenblätter brachte« heute folgende sensationelle Meldung aus Posen: In Bieniew (Posens stürzte gestern während des Gottesdienstes der Chor ein und begrub zweiundachtzig Personen, davon wurden dreiundzwanzig erdrückt und neun» und fünfzig erlitten teils schwere, teils leichte Verletzungen. Der Geistliche wurde ohnmäch­tig. An der ganzen Hiobspost ist glücklicher­weise kein wahres Wort.

A, Posen. 25. August.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Die Nachricht von der angeblichen Einsturz- Katastrophe in der Kirche von Bieniew ent­puppt sich glücklicherweise als . . . posnische Ente. Ein Unfall der Art hat überhaupt nickt stattgefunden und die Meldung (die von hier aus an die Berliner Presse wei­ter gegeben worden ift) entstammt einem klei­nen polnischen Wockcnblättchen, dos offenbar von irgend einer Seite mhstifiziert worden ist. In Bieniew, wo ich soeben telegraphisch an- frug. bat kein Mensch eine Ahnung von einem Unglücksfall der Art Und das einzig wahre an der ganze« Nachricht ist. daß gestern früh in Bieniew. wie alltäglich, in der katholischen Kirche Frühgottesdienst stattgefunden hat. Ir­gend ein Unfall hat sich dabei aber nickt ereig­net, und es ist deshalb unerfindlich, wie die sensationelle Nachricht über dieKatastrophe von Bieniew ohne Nachprüfung den Weg in die Berliner. Presse finden konnte.

Arriaga, Präsident von Portugal.

Die gestrige Präsidentenwahl in Portugal.

In Portugal fand gestern die Wahl des neuen Präsidenten der Republik statt Infolgepes Verzichts Magalbac» Limas, der

die Aussichtslosigkeit seiner Kandidatur einge­sehen hatte, war der Wahlakt wesentlich verein­facht. Da nur noch Machado und d'Arriaga als Kandidaten ausgestellt waren, erhielte« Ber­nardo Machado 86 und Manuel d'Arri­aga 121 Stimmen. Arriaga ist somit zum Präsidenten der Republik gewählt. Weitere De­peschen berichten:

<? Lissabon, 25. August.

(Telegraphische Meldungen.)

An der Wohl des Präsidenten der Republik nähme« zweihundcrtvierzebn Deputierte teil. Kurz vor vier Uhr verkündete Präsident Brom- comp das Resultat der Wahl, und erklärte Ar­riaga unter dem Jubel der Deputierten und der Zuschauer als zum Präsidenten der Republik gewählt. Bramcamv forderte darauf Arriaga auf. sich auf die Verfassung zu vereidigen, was dieser mit der Erklärung tat:Ich ver­sichere feierlich bei meiner Ehre, die Verfassung der Republik aufrecht zu erhalten und in Treue zu bewahren und zu beobachten, sowie das Wohlergehen der Ration zu fördern und die Integrität und die Unabhängigkeit des portu- aiesischen Baterlandes zu verteidigen..Nach­dem er den Eid auf die Verfassung geleistet hatte, hielt Präsident Arriaga eine kurze An­sprach e, in der er riet, dieJrrungender Vorfahren z u vergessen, und in der er die republikanische Partei aufforderte, einig zu fein zum Wohle des Vaterlandes und zur Aufrechterhaltung des neuen Regi­mes. Der neugewählte Präsident erklärte nach seiner Wahl einem Berichterstatter desMa- tin, daß er volles Vertrauen zu den Tugen­den des portugiesischen Volkes habe und überzeugt fei, daß diesem eine, den Ueberlieferungen der Vorfahren würdige Zu­kunft beschieden fei.

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Samuel d'Arriaga, der neugewählte Präsi­dent, war früher Rechtsanwalt, Er ist ein Mann von fünfundsiebzig Jahren, der als Politiker immer um die repuülikanischen Ideale gekämpft hat und im bürgerlichen Berufe zumeist als Rechtsanwalt tätig war. Seit dem fünften Oktober vorigen Jahres be­kleidete er das Amt eines portugiesischen Ge- neralproklirators und hat es als solcher verstanden, sich durch feine Geschäftsführung das Vertrauen weiter Kreise Portugals zu er­werben.

Dlplomaten'RenÄezdous r

Herr von Kiderlen und Herr von Schoen.

Telegramm aus Paris: In mini­steriellen Kreisen gilt infolge der vorgest­rigen längeren Unterredung des Ministers des Aeußeren, de Selves, mit dem deut­sche« Botschafter von Schoen eine Begegnung Schoens mit Kider­len vor dessen Rückfahrt nach Berlin für wünschenswert, da Schoens mündlicher Bericht dazu beitragen könnte, manche U «- klarheit zu beseitigen.

Weitere Depeschen berichten «ns aus Pa­ris: In der gestrigen Unterredung des Bot­schafters von Schoen mit dem Minister des Aeußeren, Selbes, wurden die vorgestrigen Besprechungen der beiden Herren fortgesetzt. Unmittelbar, nachdem Herr von Schoen das Arbeitskabinctt des Ministers verlassen hatte, wurde der Botschafter Cambon von Herrn des Selves empsangen. Letzterer wird im heutigen Kabinettsrat den von ihm eor\u« legenden Instruktionen von Eambon einige, die allgemeine Sittlation kennzeichnende Wor­te voranschicken und dabei aus seiner vorgest­rigen und gestrigen Unterredung des Herrn von Schoen die wichtigsten Ergebnisse mittet len. Offiziös wird gemeldet, daß der Mini­sterpräsident <ia i 11 a u r sich gestern nach Rambouillet zum Präsidenten Falli^res begeben und mit ibni eine längere Unterredung über die deutsch-französische Marokkoangelegen beit gehabt habe Botschafter Cambon ist feit gestern abend etwas leidend und muß das Bett hüten. Man bösst indessen, daß das Unwohlsein bald behoben sein wird und ihn nicht hindern werde, seiner Absicht gemäß an­fangs nächster Woche nach Berlin zurückzu­kehren. Depeschen aus Genf zufolge hat Staatssekretär von Kiderlen-Waechter sich auf feiner. Schweizerreife noch Chamounir be­geben, und es ist wahrscheinlich, daß am Sonn­tag zwischen ifim und dem deutschen Botschaf­ter in Paris, Herrn van Schoen, eine Be- ge gnunfl zmn Zweck einer Aussprache über den Stand der Marokko-Berhand- l u n g e n stattfinden wird.

An Geschenk für den Kaiser*

Das neue Offizier-Genesungs-Heim.

Zu der gestrigen telegraphischen Meldung, daß die Witwe des Generals Jsenbart zwei Millionen Mark dem Kaiser zur Errich­tung eines Offizier-Genesungs­heims übergeben wolle, wird bekannt, daß es sich bei der Millionen-Atiftuna um das

Offizier-Genesungsheim in der Rühe des Kur­hauses Oberplättig handelt, von dem schon früher einmal berichtet wurde. Für den Bau ist ein Grundstück in der Größe von hun­dert Hektar vorgesehen worden und durch seine hervorragende Lage ist das Grundstück aller­dings vorzüglich für die Zwecke eines Gene­sungsheimes geeignet. Ueber die Einzelheiten der Stiftung wird uns berichtet:

«L Berlin, 25. August.

(Von unserm Korrespondenten.)

Nach den bisherigen Bestimmungen (die übrigens noch nicht endgültig sind) sollen vor­aussichtlich vierzig Offiziere in dem Ge­nesungsheim Unterkunft finden. Das Heim ist nur für deutsche Offiziere bestimmt. Es sind dem' Vernehmen nach die Pläne frü den Bau bereits ausgearbeitet worden und zwar stam­men sie von dem bekannten Architekten Profes- sor Kreis- Düsseldorf, der sich in der weiter« Oeffentlichkeit bereits durch seine Bismarck- Türme einen Namen gemacht hat. Gemäß sei­ner Bestimmung als Offiziers-Genesungsheim wird der neue Bau alle Einrichtungen erhalten, die für ein derartiges Institut vorgesehen sind. Die Leitung des Genesungsheimes wird in den Händen eines Arztes liegen. Die Vorbereitun­gen sind bereits so weit gediehen, daß der Ban schon im Frühjahr des übernächsten Jahres sei­ner Bestimmung übergeben werden tarnt. Der Kaiser hat bisher zu der Stiftung noch nicht Stellung genommen. Es ist aber zu erwarten, daß er die Stiftung annimmt, wenn die Be­stätigung nicht in der Zwischenzeit schon erfolgt ist. Maßgebend dafür ist der Umstand, daß es sich um eine Reugründung handelt, die den kranken Offizieren zugute komme« soll. Bei derartigen wohltätigen Stiftungen pflegt der Kaiser stets die Genehmigung zu erteilen. Man erinnert sich noch des Interesses, das der Kai­ser dem Ban se§ Offizier-Genesungsheimes im Taunus prrS entgegenbrachte unb noch heut bewahrt. -vr-

Limdon atmet mtf!

August-Brief aus der Themse-Metropole. (Von unferm Korrespondenten.) cSP London, Ende August.

ZweiErlösungen auf einmal: Der Streik ist vorüber, und endlich ist über das i« Sonnenglut schmachtende London das erste rechte Donnerwetter dieses Sommers niedergegangen. Die abgewandte Gefahr der Hungersnot und daS Ende derindischen Hitze wirke« wirklich wie eine Erlösung. Alles at­met auf, die Lethargie schwindet, und endlich kommt das Vergnügen wieder zu seinem Rechte. Für das sommerliche London des Jahres neunzehnhundertelf ist nicht allein die Streikgefahr und die Sonnenglut charakteri­stisch: Den ganze« August hindurch halte« diesmal Theater und Varietees ihre Psortcn geöffnet. Man rechnet auf den Zuzug der nach den Nöten der letzten Wochen abwechslungs- dürftige« Provinzler und diesmal ist es M a r Reinhardt, der den Theater« Altenglands das Signal zur neuen Kampagne gibt. Im Colisenm eröffnet die Frecksasche Pantomime Sumura die Saison, ein zweites Gast­spiel des Reinhardt-Ensembles. Es begann mit einem rauschenden Empfang, und obgleich das Werk aus Zeitgründen stark gekürzt wurde, wirken feine zahllosen Schönheiten und seine Farbenpracht in unverminderter Kraft. Der Darstellung zollt diesmal die ganze Presse ein­stimmiges Lob:

Die Saison ift eröffnet!

Jnzwifchen wird in einem der fchönsten Teile des modernen London, in Kingswah, voll raffiniert Eifers an dem neuen Musentempel gebaut und gezimmert, in dem OscarHam­me r st e i n voll Enthusiasmus und Unterneh- inunasgeist die Erziehung der Londoner für die Over wagen will. Fast der ganze gewal­tige Bau, der sich fchon jetzt äußerst impofant ausnimmt, besteht aus britischem Mate­rial und ist nach den Plänen eines briti­schen Architekten von britischen Ar­beitern ausgeführt worden. Chor, Orche­ster. Ballett, Kulissenschieber. Bühnenarbeiter und Kosiumiers bestehen gleichfalls nur ans Engländern! Als aber Solisten an die Reihe kamen, mußte Mr. Hammerstein doch zum Ausland feine Zuflucht nehmen. Bei aller Ach­tung vor dem mufiktreibenden Albion: To weit reicht es denn doch noch nicht! Schon das Aeußere des Hauses mit seiner klassische« Front wirkt höchst anziehend. Der Jnnen- raum ist mit einem Lurus. einer Pracht und Bequemlichkeit ausgestaitet. wie sie nur im rei­chen England entfaltet werden können. Frei­lich wird man einwenden, daß den Bedürsnis- fen der Snobs im weitesten Sinne des Wortes Rechnung getragen wird.. So ist es auch. Ab­gesehen von

prunkendem Gold und schillernde» Seide, dem gleißenden Samt der Ausstattung haben alte Stühle Armlehnen. Diese. Sessel sind der­artig Weir eingericktet, daß der nach Geschäfts- nunben .by. Trägheit verfallende Londoner ück