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Rmumer 222. I» Jahrgang.

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Freitag, den 25. August 1911.

Richter, der Sltzmdier.

Viertausend Pfund, vier goldne Uhren und Ketten und vier Leibbinden!

Das eine läßt sich nicht bestreiten: Die Her. Ten Räuber vom Olympos sind smarte Geschäftsleute und machen ihre Sache mit noch bessern: Schneid, wie ihre friedlichern (dämm aber um so gefährlichem) Kollegen in den Schweizer Bergen, die zwar keine Bergfahrer mehr rauben, dafür aber den Fremden gegen­über ein Auspressungssystem (Fremden-Jn- dustrie" genannt) anwenden, gegen das die Methode der Olympherren fast naiv anmutet. Seit dem siebenundzwanzigsten Tag der Maien war Herr Ingenieur Eduard Richter aus Jena unfreiwilliger Gast der Gentlemen der olympischen Berge, ist in dieser langen Zeit mit dem würzigen Ziegenkäse und dem harten Brot der Raubgesellen ernährt worden und hat die Romantik des Geraubtseins in aller Süße und in ungeminderter Bitternis durchkosten dürfen. War nahe an drei Monate eine Berühmtheit und erfreute sich des aufrichtigen und vorbe­haltlosen Interesses einer halben Welt. Wenn man das alles zusammenfaßt und beiläufig sich daran erinnert, daß während der drei Monde, die Herr Richter sich der aufmerksamen Für­sorge seiner Wirte zu erfreuen hatte, mnd dreißigtausend Mann türkischer Krieger und Polizisten auf den Beinen gewesen sind: Le­diglich um zu erforschen, wo die Herren Banditen ihren Schützling vor den Augen der Neugier bargen, dann will der Preis, den die betriebsamen Strauchritter für ihre Mühe­waltung verlangt (und erhalten) haben, nicht mal unbescheiden erscheinen.

Viertausend türkische Pfund (achtzig­tausend deutsche Reichsmark), vier goldne Ubren, vier goldne Ketten und vier, für die Recken des Olympos bestimmte Leibbinden: Um diesen Preis hat Herr Eduard Richter aus Jena seine Freiheit zurückerlangt. Als tüchtige Geschäftsleute haben die Raubgenossen sich bei der Regelung der leidigen Mammon-Frage gar nicht erst mit der türkischen Regierung einge­lassen, deren finanzielles Betriebs-Renommee ihnen offenbar nicht ausreichende Gewähr für die prompte Erledigung des Handels bot, son­dern sie haben sich an eine solventere Stelle: Den deutschen Konsul gewandt, durch dessen emsige Vermittlung die viertausend Pfund denn auch bald aufgetrieben wurden. Vermutlich ist der Herr Konsul auch der Liefe­rant der vier goldnen Uhren, der dazu gehöri­gen Ketten und der ebenso unerläßlichen Leib­binden. Dergüldne Zauber" hat also auch im Olymp mehr Wirkung getan, als das feld­marschmäßige Aufgebot eines halben türkischen Armeekorps: Wären die viertausend Pfund nebst Uhren, Ketten und Leibbinden bereits zum Juni-Anfang den Herren Banditen offe­riert worden: Es ist Tausend gegen Eins zu wetten, daß der Jenenser Ingenieur seiner jungen Gattin und den Zeiß-Werken eher wieder zurückgegeben worden wäre. Die Tür­kei hätte dann ihren Kreuzzug wider die Her­ren des Olymps und Deutschland lange Wochen fiebernder Aufregung sparen können. Daß man nicht früher auf den Gedanken gekommen ist, die Olympiadegeschäftsmäßig", etwa wie irgend einen freundschaftlichen Tauschhandel, zu erledigen, ist betrüblich, und man fragt sich, warum unser Konsul in Saloniki (der doch sonst ein sehr rühriger Herr ist) sich so lange trügerischer Hoffnung aus denmilitärischen Effekt" der Tragikomödie bingegeben hat.

Denn eine Tragikomödie ist die Richter­fahrt zum Olymp nun doch einmal, und der Speer und die Gattling-Kanone waren dabei auf der Szene nicht vonnöten. Man denke: Drei Monde fast durchforscht eine türkische Truppenmacht in einer Stärke, die zur Not sogar für eine kleine Revolution ausreichte, je­den Winkel, jede Schlucht und jeden Busch im Olvmp, marschiert wochenlang spähend auf der Banditen Spuren durchsGebirge, arbeitet völlig kriegsgemäß" mit Patrouillen, Vorposten und Deckungen und . . . muß schließlich feststellen, daß es selbst einem Armeekorps nicht möglich sein würde, vier wackre Olympier zu erwischen, die der schönen Hoffnung leben, für den Fang einer geschickt genutzten Stunde ein ansehnliches Lösegeld zu erlangen. Daß westeuropäischem Empfinden die olympische Komödie befremdlich erschien, ist nicht zu verwundern, beim die prompten Berichte über die Erfolglosigkeit der Bemühungen der vortrefflichen Herren Hamid- Bey und Halmi-Be.y wirkten auf die Dauer ärgerlich. Wenn es allein an der türkischen Truppenmacht gelegen hätte, würde Herr Edu­ard Richter aus Jena vermutlich noch die yjten Frühlingsbltzmchen in den Bergen des

Olympos haben sprießen sehen, und es ist des­halb das einzig versöhnende und lichte Mo­ment in dieser märchenhaften Komödie der Irrungen, daß der deutsche Konsul schließlich auf den glücklichen Gedanken kam, das olym­pische Abenteuer des deutschen Reichsangehöri­gen Richter nicht alsstaatsrechtliche Macht-, Rechts- oder Ansehensfrage", sondern als Ge­schäftsproblem zu behandeln. Der Erfolg hat ihm Recht gegeben.

Die achtzigtausend Mark, die (außer den Uhren, Ketten und Leibbinden) den Olymp- Banditen als Preis der Großmut und der Hel­dentat überwiesen worden sind, sollen (wie man hört) aus den Sammlungen gedeckt werden, die angeblich in Deutschland veran­staltet werden sollen. Ob die Meldung zutrifft, läßt sich im Augenblick nicht nachprüfen; ent­spricht sie aber den Tatsachen und besteht wirk­lich die Absicht, das Lösegeld für den Olympier Richter durch die Inanspruchnahme deutscher Hülfsfreudigkeit aufzubringen (vielmehr: Die bereits gezahlte Summe aus dem Erlös einer solchen Sammlung zu decken), dann ist unsres Erachtens Anlaß zu schärfstem Protest gegeben: Richt die deutsche Oeffentlichkeit und das deutsche Mitleid sind schuld an der skan­dalösen Geschichte, sondern verantwortlich und schuldig ist allein die kümmerliche Verwal­tungsorganisation der Türkei, die weder über die Macht, noch über die Energie verfügt, um die Sicherheit der das Land Osmans bereisen­den Fremden zu gewährleisten. Daß der Je­nenser Ingenieur leichtsinnig gehandelt hat, als er unter den wärmenden Strahlen der Maien­sonne mit unzulänglichem Geleit zu den Höhen des Olympos emporstieg, ist schon früher an dieser Stelle ausgeführt worden. Aber auch dieser Umstand kann die Lässigkeit der türki­schen Behörden nicht entschulden, und es ist deshalb eine selbstverständliche Forderung in­ternationaler Gerechtigkeit, daß die Türkei (wenn auch seufzend) die achtzigtausend Silberlinge samt denNebenspesen" ersetzt. Eine Heimsuchung der Art wird auf die Braven Allahs nachdrücklicher einwirken wie die grol- lendste Rote unsrer Diplomatie! F. H.

*

Das 6titie der Slympiade.

(Eigene Drahtmeldung.)

Konstantinopel, 24. August.

Der Gouverneur von Serfidschee richtete an den Minister des Innern über die Freilassung des Ingenieurs Richter folgendes Te­legramm:

Ingenieur Richter ist in der Rächt zum Mittwoch um halb zehn Uhr türkischer Zeit im Wachhaus von Melona auf der grie­chisch-türkischen Grenze allein einge­troffen und um halb elf Uhr unter starker militärischer Bedeckung nach Elaffona ge­schickt worden. Rach seiner Erklärung ist er fünf Tage, nachdem er in die Hände der Räuber gefallen war, beim Kloster Sparmos geblieben und danach in griechische Dörfer gebracht worden, wo er bis jetzt verblieb. Am Dienstag abend hat man Richter in die Nähe des griechischen Dorfes Karadschoel ge­führt und ihm den Weg zum türkischen Wach­haus Melona gezeigt woraus man ihn allein ließ. Richter ging darauf die Chaussee ent­lang zum Wachhaus, wo er dann Aufnahme fand.

Die Räuber behaupteten Richter gegenüber, kein Lösegeld bekommen zu haben, und nahmen ihm das Versprechen ab, daß er nach der Rückkehr in die Heimat für die UebermiU- lung eines entsprechenden Betrages an die Räuber sorgen werde, widrigenfalls die Räu­ber Richters Frau, die augenblicklich in Griechenland sei, ermorden würden. In Wirk­lichkeit befindet sich die Frau Richters in Jena. Auch erfolgte die Freilassung Richters gegen Hinterlegung eines Lösegeldes von vier­tausend türkischen Pfund, welcher Betrag aus den in Deutschland veranstalteten Sammlungen gedeckt werden soll. Außerdem erhielten die Räuber vier gol­dene Uhren, vier goldene Ketten und vier Leibbinden. Die Unterhand­lungen mit den Räubern wurde unabhängig von den Behörden durch eine geeigne e Mit­telsperson des deutschen K o n s u l a t s ge­führt. Richter soll sehr niedergeschla­gen fein.

Jena, 24. August. (Privat-Tele- g r a m m.) Hier ist von dem Befreiten bisher noch keine Nachricht eingetroffen, weder an seine Familie noch an die Firma Zeitz, Dagegen veröffentlicheu die Zeitz.-Werke (in deren Diensten Richter steht) folgende Er­klärung:Wir sind davon benachrichtig wor­den, datz Richter über Saloniki nach Jena wohlbehalten zurückkebren wird. Wo und wie

Richter aufgefunben worden ist, ist uns noch nicht bekannt." Richters Frau war beim Eintreffen der Nachricht von der Auffindung ihres Gatten sehr gefasst, da sie stets an seine baldige Befreiung geglaubt hatte. Tief erschüt­tert war seine achtzigjährige Mutter, die un er der quälenden Ungewißheit sehr gelitten hatte. Sie hatte berei s den Entschluß gefasst, trotz ihres hohen Alters selbst nach Saloniki zu fahren.

Das Geheimnis des Louvre.

Noch keine Spur vomMona Lifa"-Rüuber!

Wie uns aus Paris depeschiert wird, ist der sensationelle Diebstahl im Louvre, der die ganze zivilisierte Welt aufregt (Siehe auch: Erste Beilage), merkwürdigerweise auch im Verlaufe des gestrigen Tages und bis heute mittag noch nicht aufgeklärt worden, obgleich in Paris alle Behörden auf der Suche nach dem Täter sind. Die Aufregung in Paris über diesen Diebstahl ist sehr groß. Sämtliche Blätter beschäftigen sich in spaltenlangen Ar­tikeln mit ihm und es gewinnt den Anschein, daß die Affäre sich zu einem regelrechten Skandal entwickeln wird. Es wird uns darüber berichtet:

W Paris, 24. August.

(Privat-Telegramm.)

Es ist bisher nicht gelungen, irgend eine Spur von dem Diebe zu entdecken. Gewiß scheint nur, daß das Bild nicht von einem gewöhnlichen Besucher entwendet worden ist, da der Diebstahl unzweifelhaft am Montag ausgeführt worden ist, an welchem Tage der Louvre wegen der Reinigung der Säle für das große Publikum geschlossen war. Man ist hier entrüstet darüber, daß Gegen­stände ohne Legitimationsschein überhaupt aus dem Louvre hinausgetragen werden dürfen. Hätte eine solche Anordnung bestanden, so wäre der Diebstahl unmöglich gewesen. Inzwischen zirkulieren hier die tollsten Vermutun­gen über die Person des Diebes. Die Ansicht, daß es sich um einen schlechten Scherz handele, der die schlechte Ueberwachung der Louvre­schätze bartun sollte, hält man nicht mehr auf­recht. Sämtliche Sensationsblätter, die für einen solchenScherz" in Betracht kommen könnten, stellen feierlich fest, daß sie daran nicht gedacht haben. Man vermutet, daß es sich um den Racheakt eines entlassenen Dieners handele, der sich an der ^cuseums- verwaltung rächen wollte. Mehr noch ist man der Meinung, daß ein Irrsinniger, viel­leicht ein Kunstmonomane, die Tat verübt habe. An die Irrenhäuser ist bereits eine Aufforde­rung ergangen, ein Verzeichnis der vor kurzem entlassenen Kranken und deren geistiger Defekte einzusenden. Man hofft hierdurch vielleicht einen Anhaltspunkt zu bekommen, wer einer solchen Tat fähig sein könnte. Seit gestern ist der Louvre geschlossen und eine große Menschenmenge hält sich ständig vor dem Aus­gang auf, um näheres zu erfahren. Der be­kannte Unterstaatssekretär für die schönen Künste, du Jardiu-Beaumetz, über des­sen Haupt der Sturm in der Kammer Wohl am meisten herabbrausen dürfte, kehrte gestern von einer Reise nach Paris zurück, um die Untersuchung selbst In die Hand zu nehmen.

*

F-n Opfer des Leichtsinns?

(Telegraphische Meldung.)

Wie weiter aus Paris berichtet wird, hat die über den Diebstahl im Louvre einge­leitete Untersuchung ergeben, daß der Dieb ober die Diebe durch eine für jedermann offene Tür, die das Museum mit dem Saal der Gipsabdrücke verbindet, ungestört in das Freie gelangen konnten. Durch einen Versuch wurde festgestellt, daß ein geschickter Arbeiter ein Bild von der Größe der Giaeonda in zwei Minuten von der Wand ent­fernen kann. Die ZeitschriftIllustration" schreibt einen Preis von zehntausend Francs für Denjenigen aus, der es durch seine Angaben ermöglicht, den Ort ausfindig zu machen, wo das Bild gegenwärtig versteckt ist, und ferner einen Preis von vierzigtan- send Francs für Den, der das Bild der Leitung derIllustration" überbringt. Falls dies noch vor dem ersten September geschehen sollte, werde der Preis auf fündundvier- zigtausend F rancs erhöht werden.

Neue Uurutzeu in England.

Juden Verfolgungen und Streik-Krawalle.

Wie uns aus London berichtet wird, ist es in Südwales, besonders in Monmouttz- shire, neuerdings zu starken Ausschrei- tungen des Pöbels gekommen. In Mon­mouthshire wurden Plünderungszüge in großem Maßstäbe unteruomemn und viele Personen mißhandelt. Das Londoner Komitee der britischen Juden machte im Ministerium des Innern Vorstellungen und erhielt das Verivre-

chen, daß weitere Truppen nach Monmouth­shire abgehen würden, um die Ruhe wieder herzusteüen. Eine weitere Meldung besagt:

s London, 24 August.

(Privat-Telegramm.)

Im Orte Bargoed in Monmou hshire fanden in der vergangenen Nacht Ausschrei­tungen statt, bei denen etwa ein Dutzend Läden geplündert und demoliert wurden. Es wurde Militär dorthin entsandt. An anderen Orten des Distrikts haben keine Unruhen statt- gefunden, jedoch sind die Truppen aus Trede- gar und Rhymncy wegen der drohenden Haltung der Menge noch nicht zurückge­zogen. *

Neuer Generalstreik in Sicht?

(Privat-Telegram m.)

Nach einer uns aus London zugehenben Meldung gestaltet sich in Liverpool die Lage immer ernst er. Das Streik-Komitee hat folgenden Ausruf erlassen:Die Unterhandlun­gen mit den Arbeitgebern haben bis jetzt zu keinem Resultat geführt. Die Straßenbahnge- sellschasten weigern sich, die Ausständigen wie­der einzustellen. Unter diesen Umständen bleibt uns nichts anderes übrig, als den Kampf mit der größten Energie fortzusetzen. Wir stehen augenblicklich in Beziehungen zu dem nationa­len Verbände der Tansportarbeiter und dem Executö ComitS der Straßenbahner, zu dem Zweck, den Generalstreik zu proklamieren, der sich auf alle Gewerkschaften wieder ausdehnen wird. Kein Mann darf die Arbeit wieder aufnehmen, solange er hierzu nicht vom Streik- Komitee ermächtigt wird ..." Die Veröffent­lichung dieses Ausrufes hat allenthalben großes Aufsehen erregt, da nach der Verkündigung eines Generalst.Äk. durch den Transportar- beiterverband die Arbeiter in sämtlichen Kotz- len d i st r i k t e n Englands, die dem Verband angehören, die Arbeit einstellen würden.

3er Kamps des Handwerk.

Der Deutsche Handwerker- und Gewerbe­kammertag in Düsseldorf.

(Bericht unseres Korrespondenten.)

22 Düsseldorf, 24. August.

In der gestrigen zweiten und letzten Haupt­versammlung des zwölften Deutschen Hand' Werks- und Gewerbekammertags wurde zunächst über die Gründung von Einziehungsgenossen­schaften verhandelt, worüber Handwerkskam­mersekretär D. W i l d e n - Hannover referierte. Es wurde hierzu folgende Resolution ange­nommen:Der Deutsche Handwerks- und Ge- werbekammertag erblickt in der Gründung und Unterstützung von Einziehungsgenos- senschaften nach dem in Hannover gegebe­nen Muster ein empfehlenswertes Mittel, um das Borgunwesen im Handwerk zu bekämpfen und das Gewerbe zu fördern. Er verspricht sich einen besonders nachhaltigen Er­folg von derartigen Einrichtungen, wenn sie von vornherein möglichst einheitlich ausgestal­tet und zu einem Verband zur gegenseitigen Unterstützung zusammengeschlossen werden. An zweiter Stelle referierte Handwerkskammer- syndikus Dr. P u r p u s - Augsburg überAr­beitslosenversicherung". Er erkannte die Rotwenbigkeii der Fürsorge für Arbeiter an, meinte aber, man müsse zu der Ansicht hin- neigen, daß die Sozialpolitik immer mehr zu einem

Steckenpferd der Sozialdemokratie geworden sei. Gewiß habe der Gedanke bet Arbeitslosenversicherung zunächst etwas Beste­chendes, es ergäben sich aber doch mancherlei Bedenken. Der Redner legfe schließlich folgende Leitsätze vor: Der Deuische Handwerks- und Gewerbekammertag verwirft prinzipiell jede Arbeitslosenversicherung, die auf einer an­dern Basis als der der Se l b st h i! f e beruht. Er hält insbesondere die Verwendung ge­meindlicher Mittel für eine Ungerechtigkeit gegenüber denjenigen Ständen, die wie der Handwerker und der Kleingewerbetreibende noch schwerer um ihre Existenz ringen, als der gewerbliche gelernte Arbeiter. Im Spe­ziellen verwirf: er die Anwendung des soge­nannten G e n e r Systems, das nicht nur eine einseitige Bevorzugung der organisierten Arbeiter bedeutet, sondern auch eine direkte Förderung der den Arbeitgebern schroff gegen­überstehenden Craanifationen der Arbeitneh­mer mit sich bringt. Den Schutz gegen Arbeits­losigkeit und die Fürsorge für die Arbeitslosen sieht das deutsche Handwerk in anderen Maß­nahmen, die einen vorbeugenden Charakter tragen, und das Uebel an der Wurzel fassen. Hierher gehört ii} erster Linie eine sorgfältige Pflege und ein systematischer Ausbau des Ar­beitsnachweises, sowie die Bereitstellung

öffentlicher Mittel zu Rotstandsarbeiten. Die Resolution wurde angenommen. An letzter SMe sprach Svdikns Dr. Pfeiff er-Straß-