Nummer 221.
1. Siryrgarrg.
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Donnerstag, den 24. August 1911.
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3er Bibersteiner.
Freiherr von Marschall und die Andern.
Es ist uns erzählt worden, der Botschafter am Goldnen Horn, Freiherr Marschall von Biberstetn, habe auf der Rückfahrt Dom Heimaturlaub nur so im Vorübergehen das sommerliche Hoflager in Wilhelmshöhe gestreift, um sich, wie's üblich sei, beim Kaiser vor der Rückkehr ins Reich Osmans zu melden, und es sei lediglich Zufall-Fügung gewesen, daß just zur selben Zeit auch die Herren von Bethmann-Hollweg und von Kiderlcn- Waechter zur Fahrt ins Heflenland rüsteten. Es ist nun einmal fromme und ehrwürdige Hebung unsrer offiziösen Kalendermänner, das natürlichste und selbstverständlichste Ereignis mit den Kurialsttl-Floskeln der Schreiberstube zu verbrämen, gleich, als fürchte man, daß der (immer noch) .beschränkte Untertanenverstand" die gigantische Größe weltgeschichtlicher Momentbildchen nicht ohne Schaden für die Struktur der Vollspsyche zu fassen vermöge. Würde es die Heiligkeit des »grünen Tisch's" profaniert oder das Renommee der Wilhelmstraßen - Strategie gemindert haben, wenn man der (mälig wieder zur Aufmerksamkeit erzognen) Oefsentlichkeit ohne schämig Erröten bekannt hätte: Der hellste Kopf deutscher Diplomatenzunft, der gewiegteste Akteur und erfahrenste Manager des auswärtigen Reichs- geschästs ist zur Kaiserlichen Sommer-Residenz beordert worden, um die Wirrnis des marokkanischen Problems klären und den Kurs des Agadir-Schiffs festlegen zu helfen? Kaum: man würde die Kunde dankbar vernommen nnd dem Abend des Tags in Wilhelmshöhe mit ruhigem Vertrauen entgegengeharrt haben.
Daß dem offiziösen Gewisper eine Kombinations-Epidemie auf dem Fuße folgen werde, war vorauszusehen: Der Bibersteiner ist, wie die »weiße Frau" im Zollernschloß, immer dann in der Heimat zu sehen, wenn Ereignisse sich vorbereiten, die über den Durschschnitt diplomatischer Tagwerkelei hinausreichen und nicht nur »Nerven", sondern auch die gereiste Erfahrung eines in allen Sätteln der Staats- kunst sichern, zielklaren und gewandten Diplomaten heischen. Seit Bismarck grollend in den Tiefen des Sachsenwalds verschwand, hat unsere Diplomatie nur wenige Köpfe in ihren Reihen gesehen, die die Mittellinie west überragten: Bernhard Bülow war ein glänzender Causeur und gewiegter Salon-Politiker, der in den Balkanbergen und am Tiber Zeit und Muße fand, glückliche Gaben zu reicher Entfaltung reifen zu lassen; ohne das Glück des Sonntag-Kinds würde er aber vermutlich nie zu der »steilen Höh'" emporgetragen worden sein, „wo Fürsten steh'n". Alfred von Kiderlen-Waechter wird im Kreis andächtiger Bewunderer als »Bismc hoffnungsvollster Schüler" gefeiert, hat auch (als Nachfolger eines der Tat abholden Zuckerwasser-Diplomaten) in kurzer Zeitspanne mancherlei getan, das auf starke Nerven, Jnitiatwe und Tatkraft schließen läßt, und erfreut sich des Vertrauens, das im Zeitalter frommer Duldsamkeit und seltner Heldentat jeden Mann als Retter begrüßt, dessen Tatvermögen über die Dürftigkeit des diplomatischen Stundenplans hinausreicht. Hat aber die Lorbeeren, die ihm allzu impulsive Dankbarkeit schon am frühen Morgen des ersten Arbeitstags um die Sttrne wand, noch zu verdienen.
Der Bibersteiner ist von anderm Schlag: Nicht „vom Bau", nicht mal bervorgegangen aus der fast als unerläßlich erachteten Schema- Schule: dennoch ein Diplomat von selMen Qualitäten, ein gewiegter Taktiker und kluger Menschenkenner, der auf dem weit vorgeschob- aen Posten am Bosporus-Gewäffer in hitzigen Kampfestagen fürs Reich wertvollere Arbeit geleistet hat, als das rasche Auge der Gegenwart zu erkennen vermag. Dem Bibersteiner danken wir's, daß unser Einfluß im Reich des Halbmonds trotz englischer Kabalen und Jntriguen nicht gemindert worden ist und der Uebergang von der alten zur neuen Türkei ohne Schaden für die Interessen Deutschlands in Osmanien sich vollzog. Daß es sich dabei nicht um ein Kinderspiel gehandelt hat, läßt sich leicht ermessen, wenn man sich erinnert, wie eng die Politik des dritten Kaisers mit Abdul Hamid liiert war, und wie schrill die abendländischen Freundschaftbeteuerungen sür den Hagern Despoten im Aildiz-Kiosk den neuen Machthabern am Goldnen Horn noch im Obr klangen, als die Kaiserlich Deutsche Regierung sich nach der Iungtürken-Revolu- tion mühte, der naturnotwendigen Entwicklung der Dinae (trptz der oft beteuerten Svmvatbie
ür den nun hinter den Mauern der Villa Al- atini Verbannten) Rechnung zu tragen. Mar- chall von Biberstein bat mit kluger Hand die Stirnen geglättet, als aus der Erinnerung vergangner Tage im Türkenherzen der Groll emporquoll, und hat in langer, konsequenter Arbeit die neue Türkei dem Deutschland Wilhelms des Zweiten versöhnt.
Ein Mann der Art würde auch an andrer Stelle wertvolle Arbeit zu leisten vermögen, würde in Paris. London oder Petersburg eine Kraft unersetzlichen Werts sein und die be- cheidne Fertigkeit diplomatischer Handwerker als Künstler internationaler Politik sicher himmelweit überragen. Es scheint indessen, daß an entscheidender Stelle die Absicht besteht, die Kraft des Bibersteiners für eine besondre Gelegenheit aufzusparen. Daß anläßlich der Konferenz in Wilhelmshöhe (und wohl als Deutung des Momentbildchens, das uns die Herren Kiderlen und Marschall im Fond der Hofkarosse auf der Fahrt gen Wilhelmshöhe zeigte) durch den Blätterwald das Geraune ging, Marschall von Biberstein werde Kiderlen- Waechter ablösen, falls es ihm nicht gelingen ollte, das Marokko-Problem befriedigender Lösung entgegenzuführen, haben Kundige kaum ernst genommen: Nach den (seit Schoen's be- cheidnen Tatversuchen billig. gewordnen) Lor- ieeren der Wilhelmstraße trägt der Mann vom Goldnen Horn kein Verlangen, hätte, wenn er danach geizte, seine Anwartschaft schon früher zur Geltung bringen können und (vermutlich) auch Herrn Alfred von Kiderlen als Konkurrenten nicht zu fürchten brauchen. Kundige Zeichendeuter sehen in der Anwesenheit des Bibersteiners in Wilhelmshöhe den Beweis, daß man deutscherseits im Marokko- Handel mit allen (selbst den entferntesten^ Eventualitäten rechnet und entschlossen ist. die Fahrt nach Agadir rechtschaffen zum Ende zu führen. Wie . . .? Das ist im Augenblick noch nicht klar; aber schon der Entschluß ist erfreulich. Und erfreuend ist auch die Gewißheit, daß in ernster' Stunde der Rat von Männern zur Verfügung steht, die (wie Marschall von Biberstein) von der „Romanttk" unsrer Weltpolitik unberiihrt geblieben sind und mit kühlem Kopf und Hellem Auge die Distanz zwischen hallenden Worten und . . . entsthloflnen Taten messen.F- H-
Das große Rätsel.
Das „Marokko-Problem" gelöst?
Wie uns aus P a r i s depeschiert wird, er folgt die Rückkehr des Botschafters Jules C a m b o n nach Berlin in der Nacht zum Montag. Das Programm der französischen Forderungen betreffe (so berichtet die „Liberte") die Anerkennung des französischen Protektorats über Marokko, ähnlich demjenigen, das Frankreich über Tunesien besitzt. Von der Zustimmung Deutschlands hängt das Abtreten eines Teiles des französisch e n K o n g o s ab. In den letzten Tagen fanden im Auswärtigen Amt zahlreiche Konferenzen in dieser Angelegenheit statt. Sobald das endgültige französische Programm in allen seinen Einzelheiten ausgearbeitet sein wird, wird es vom Minister des Auswärtigen dem Ministerrat zur Genehmigung unterbreitet und durch Vermittelung des deutschen Botschafters dem deutschen Auswärttgen Amt zugestellt werden. Eine andere Lösung der Kompensations-Frage wird aus Wien gemeldet:
* Wien, 23. August.
(Eigene Drahtmeldung.)
Nach einer Pariser Meldung der Wiener Allgemeinen Zeitung soll gegenwärtig in Paris zwischen C a m b o n und dem sranzösischen Kabinett solgende Anregung in Erwägung gezogen werden: Spanien tritt an Frankreich die zwischen Französisch-Kongo und Kamerun gelegene Kolonie Rio Muni und die Kamerun vorgelegene Insel Fernando Po ab. Frankreich cediert diese Besitzungen Deutschland und tritt ferner einen Teil der französischen Kolonie Mittelkongo an Deutschland ab. Frankreich erkennt den nördlichen Teil Marokkos, der gegen Süden bin durch den Tebufluß begrenzt wird, einschließlich Tanger, als spanische Interessensphäre an. Ein solches Arrangement, wodurch Tanger nicht in die Hand einer europäischen Großmacht fiele, würde auch Englands Wünschen entsprechen. Das ganze übrige Marokko wird als französische Interessensphäre erklärt. Deutschland würde durch dieses Arrangement in Afrika rund 230000 Quadratkilometer mit rund 1200 000 Einwohnern gewinnen.
*
Paris, 23. August. (Privat-Tele- gramm.) An zuständiger Stelle erklärt man, daß n i ch t s die beunruhigenden Gerückte recht
fertige, die wegen der deutsch-französischen Unterhandlungen bezüglich Marokkos im Umlauf seien. In hiesigen politischen Kreisen ist man überzeugt, daß ein Abschluß zustande kommt, vorausgesetzt, daß Deutschland seine Ansprüche in mäßigen Grenzen hält und die Rechte Frankreichs in Marokko anerkennt, damit in Zukunft weiteren Schwierigkeiten in dieser Frage vorgebeugt werde.
Vom Kampfplatz der Arbett.
Deutsche und englische Arbeitskämpse.
Wie aus Erfurt berichtet wird, bat der Verband Tbüringischer Metalliudustrieller bei dem Gesamtverbande Deutscher Metall- industrieller eine Generalaussperrung beantragt, um die Stellung der Industriellen im Lohnkampf in der Thüringer Metall-Industrie zu stärken. Daß der Gesamt- Verband Deutscher Metall-Industrieller dem Antrag des Thüringer Verbandes stattgeben wird, ist indessen nickt anzunehmen, da eine derartige Riesenaussperrung unabsehbare Folgen haben würde. Es handelt sich bei dem Antrag des Thüringer Verbandes offenbar auch nur um einen Schreckschuß, dessen Wirkungen abzuwarten sind. Uebör weitere Lohnkämpfe im In- und Ausland liegen uns folgende Telegramme vor:
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Berlin, 23. August.
Dreitausend Ele-ktromonteurc und -Gehilfen Berlins und Umgegend, die im Deutschen Metallarbeiterverband organisiert sind, lehnten in einer gestern abend abgehalte- nen Versammlung die Zugeständnisse der Arbeitgeber als ungenügend ab. Etwa sechshundert Elektromonteure werden bereits heute die Arbeit niederlegen. Der Rest w'rd wahrscheinlich beute oder morgen folgen.
‘ Saarbrücken, 23. August.
Die Straßenbahner haben in einer gestern abend abgebalteneu Versammlung beschlossen, die Arbeit heute wieder auszuneh- mens. Es ist ihnen eine elfstündige Arbeitszeit und eine Lohnerhöhung bewilligt worden. Der Straßenbahnverkehr wurde heute morgen in vollem Umfang wieder ausgenommen. Zwischenfälle haben sich nicht ereignet. Di« Streikenden wurden sämtlich wieder eingestellt.
Wien, 23. August.
Wie die »Reue Freie Presse" aus Triest meldet, ruht dort seit gestern der Straßen- bahnverkebr, da gestern srüh die Stra- stenbahnbediensteten in den Ausstand getreten sind, nachdem ihre Forderungen betreffend Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit seit neun Monaten abschlägig beschieden worden waren. An dem Streik sind rund zweitausend Mann beteiligt. Einigungsverhand- lungen sind bisher erfolglos geblieben.
London, 23. August.
Das Komitee der Reeder in Liverpool beschloß, daß vorläufig keine Wiederaufnahme der Arbeit stattfinden soll. Die Miß- helligkeiten an der Middland-Eisenbahn und bei der Nordostbabn sind in befriedigender Weise gelöst worden. Die Arbeiter wollen die Arbeit wieder aufnehmen. Etwa sechshundert Quaiarbeiter, die auf den Werften in der Nähe der Towerbrücke in London beschäftigt sind, sind heute früh in den Ausstand getreten.
London, 23. August.
In dem Grubengebiet von Monmouthshire kam es gestern abend neuerlich zu U n r u h e n. von denen hauptsächlich die Städte E b b - Valle». Rhvmnev und Tredegar betroffen wurden. In Ebbvalle sah die Lage so drohend aus, daß die Aufruhrakte verlesen wurden, und das herbeigerufene Militär zu einem Bajonettangriff vorgehen mußte. Auch nach Crown und Brvnmawre mußten Truppen entsandt werden.
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Rach neueren Meldungen über die Ausschreitungen in Tredegar, Ebbvalle und Rhtzm- neh plünderten die Aufrührer zunächst Häuser von Juden, da gegen die Juden, die beträchtlichen Grundstücksbesitz in den drei Stäb ten haben, feit langem wegen hoher Woh- nnngSmieten ein Groll besteht. Später griff das Volk, das auch über die durch den Eisenbahnerausstand hervorgerufene L e - bensmittelteuerung erbittert ist. noch andre Gebäude an. In Tredegar wurden über dreißig Personen ins Hospital gebracht, die bei dem Zusammenstoß mit der Polizei schwer verwundet worden waren. Die Menge ist immer noch erregt und droht mit neuen Gewalttaten.
ßaffels Hostheater als Vorbild.
Branddirektor Bahrdt über Cassels Hoftheater.
Der Leiter der Charlottenburger Feuerwehr, Branddirettor Bahrdt, ist von einer Studienreise, die.er im Auftrag der Stadt
Charlottenburg nach C a s M l unternahm, wieder nach Charlottenburg zurückgekehrt. Wie berichtet wird, steht die Reise mit dem Bau der neuenDeutschenOper zuCarlottenburgin Verbindung, die int September nächsten Jahres eröffnet werden soll. Branddirektor Bahrdt äußerte sich einem Vertreter der Presse gegenüber über die Eindrücke, die er im Casseler Hostheater gewonnen hat, sehr anerkennend.
tS> Berlin, 23. August.
(Von unferm Korrespondenten.)
Branddirektor Bahrdt sprach sich einem Vertreter des Berliner Tageblatts gegenüber über seine Wahrnehmungen bei der Besichtigung des Casseler Hoftheaters folgendermaßen aus: „Ich habe d'as Casseler Hoftheater eingehend ftubiert und gefunden, daß dort die Einrichtungen für die Sicherheit der Besucher außerordentlich günstig sind. Einmal ist dies begründet in einer Sicherheitsgasse, die sich quer durch das Theater vor dem Bühnenraum hinzieht. Diese Gasse liegt also zwischen Zuschauerraum und Bühnenhaus unmittelbar am eisernen Vorhang und ist über zwei Dieter breit. Bricht auf der Bühne Feuer aus, so wird von einem Feuerwehrmann ein Hebel umgelegt. Dieser eine Handgriff genügt, um mit Hilfe einer hydraulischen Maschine innerhalb zehn Sekunden gleichzeitig den eisernen Vorhang herunterzulassen und das Dach des Theaters über der Sicherheitsgasse weit zu öffnen. Dadurch wird der Rauch, der etwa von der Bühne in den Zuschauerraum dringen will, sofort nach oben gerissen, sodaß die Zuschauer durch den Qualm gar nicht belästigt werden. Zu gleicher Zeit springt eine Anzahl Sicherheitstüren auf, die eine sehr rasche Entleerung des Theaters auf die Straße hinaus ermöglichen. Auch von den Rängen aus gelangen die Zufchaner fofort und direkt ins Freie, da an alle Etagen sehr weiträumige Balkons angebaut sind, die sämtliche Rangbe- fucher aufnehmen können. Von den Balkons führen breite Treppen hinunter auf die Straße. Mit Rücksicht auf die vorzügliche Entleerungs- föhigkeit konnte in Cassel von einer Regenvorrichtung Abstand genommen werden. Dafür hat das Casseler Hoftheater in der Höhe von etwa dreizehn Metern über dem Bühnenpodium zwei sogenannte Arbettsgalerien, auf denen je sechs „Wenderohre" sich befinden. Mit Hilfe dieser Rohre, die nach allen Richtungen drehbar sind, können alle Teile der Bühne und deS Zuschauerraumes bespritzt werden. Zur Bedienung dieser zwölf Rohre sind nur zwei Mann nötig. Der Vorzug der Regenvorrichtung besteht darin, daß sie von unten bedient werden kann, während bei der Einrichtung der Wenderohre keine Garantie dafür geboten werden kann, daß die beiden Leute, die gerade den Apparat bedienen, nicht durch Rauch ober andere Umstände gezwungen werden, ihren Standpunkt zu verlassen, und dadurch daS Theater preiszugeben. Manche Neuerungen des Casseler Theaters, namentlich einige vortreffliche Alarm-Einrichtungen werden in der neuen Charlottenburger Oper Verwendung finden können. -os-
3er Sltzmvier befreit!
„Ingenieur Richter wohlbehalten aufgefunden".
Ein Telegramm aus Saloniki berichtet: Der entführte Ingenieur Richter ist wohlbehalten aufgefunben worden. Er wird über Cosan nach Saloniki gebracht werden. Nähere Einzelheiten über die Befreiung fehlen noch.
So ist also das Schicksal des entführten Ingenieurs Richter, der feit Anfang des Jahres im Auftrage seiner Firma in Jena in der Türkei weilte, entschieden: Er ist aus den Händen der Räuberbanden befreit, in denen er Mona-e geschmachtet und mehrfach zwischen Tod und Leben geschwebt hat. Eines Tages überraschte die Welt die Kunde, daß in den von Räuberhorden durchzogenen Gebirgsgegenden auf der Balkanhalbinsel der Jenen- fer Ingenieur Richter entführt worden fei, und daß seine Auslieferung nur gegen Zahlung eines stattlichen Lösegeldes erfolgen werde. Die Angehörigen Richters waren in großer Sorge und fürchteten für das Leben des Gefangenen. Die Behörden wurden in Bewegung gesetzt und endlich bequemte sich die türkische Regierung dazu, die V er so Igun g der Räuber aufzunehmen. Die Räuber waren jedoch schlauer als die türkischen Soldaten, denn ... sie ließen sich nicht erwischen. Von Zeit zu Zeit gelangte wohl eine Nachricht von ihnen nach Saloniki, worin sie um baldige Erlegung des Lösegeldes ersuchten, andernfalls die Stunden des Gefangenen gezählt seien; näheres war aber nicht zu ermitteln. Als bann festgestellt wurde, daß die Räuber auf griechisches Gebiet übergeireten seien, war die türkische Regierung sroh, der Sorge wegen der Zahlung des Lösegeldes enthoben zu sein. Inzwischen hatte auch Richter einige Briefe an die Behörden gesandt, in denen er bat, seine „Enthaftung" zu beschleunigen. Da ert aber absolut