Aufaabe Problem wenden.
rauf aber daS Augenmerk deS Volkswirts gelenkt werden muß, ist
das Problem der Fleischerzeugung bezw. Fletschernährung. ES mag hier dis doktrinäre Frage, ob sich Deutschlands Fleischproduktion in ausreichender Weise steigern läßt, oder ob zur Deckung des wachsenden Be- darss die Fleischeinfuhr in vergrößertem Matzstabe heranzuziehen ist. ganz autzer Betracht bleiben. Das sind letzten Endes Zweck- mäßigkeitssragen, deren Lösung gewöhnlich außerhalb des theoretischen Raisonnements er- folgt. Uns kommt es hier nur daraus an, zu zeigen, daß hier (in dem Punkt der Fleischver- sorgung) ein volkswirtschaftliches Problem von erheblicher Tragweite liegt. Hier muß der Hebel angesetzt werden, eine Befferung zu erzielen, denn die gesunde und kräftige Ernährung des Volkes muß eine der Hauvtsorgen einer weitschauenden Volkswirtschaft fein Rur ein Volk, das sich aut und kräftig ernähren kann, ist zur Leistung hochwertiger Arbeit fähig. Je weiter aber die Kultur sortschrei- tet. um so mehr wird es auch unerläßliche Aus-
Die Führer der „Schwarzen Hand".
Der Newhorker Polizei ist es nach monate» langem Forschen gelungen, einige Führer der bekannten Verbrecherbande der „Schwarzen Hand" festzunehmen. Die vierundneunzigjährige Millionärin Billings hatte wiederholt Briese mit dem Zeichen bei „Schwarzen Hand", einem Totenkopf und darunter gekreuzten Knochen, erhalten, worin sie zur Zahlung von fünfhunderttausend Dollars ausgefordert wurde, wenn sie nicht ein Attentat auf sich und ihre Angehörigen erwarten wolle. Die Angehörigen wollten die Summe zahlen, die Greisin jedoch verständigte die Polizei und beantwortete zugleich den letzten-Er- presierbrief. in dem sie ausmachte, daß daS Geld bei ihr abgeholt werden könne. Und zwar sollte es in Wertpapieren in einem Bündel alter Kleider verborgen werden, das ein Bote der „Schwarzen Hand" ausgehändigt erhalten sollte. Nach einigen Tagen erschien auch ein Neger im Haus und fragte das Dienstmädchen um Arbeit. Als sie ihn abwies, bat er um einige alte Kleidungsstücke. Sofort benachrichtigte das Dienstmädchen mehrere seit Tagen im Haus verborgene Kriminalbeamte, die den Neger verhafteten. Er gestand ein, ein Bote der „Schwarzen Hand" zu sein und verriet schließlich die Namen mehrerer Führer der Verbrecherbande, von denen einige, darunter ein Deutscher namens Hendricks, bereits verhaftet werden konnten. Im ersten Verhör hüllten sie sich in vollkommenes Schweigen.
eine feine Zunge für Kuchen und Backwerk hat. Seit vielen Jahren versah Charabot das vornehme Viertel mit seinem Kuchen, mit Kirsch-, Aprikosen-, Pflaumen- und Cremetor- ten. Aber eines Morgens, im Jahre neunzehnhundertvier, schickte ihm ein Feinschmecker eine Torte zurück mit der Begründung, sie schmecke nach Raphta oder Petroleum. Desgleichen tat ein zweiter Kunde, der sogar in eigener Person erschien und eine Cremetorte zurückbrachte mit den Worten, Raphta möge ein höchst modernes Parfüm sein, er aber könne keinen Geschmack daran finden. Dann kam ein dritter; ein vierter und ein fünfter telephonierte wütend: und nach einigen Tagen hatten sämtliche Kunden dem Kuchenbäcker seine Ware zurückgeschickt. ,
Schließlich war sogar der ebenfalls in bet Nachbarschaft wohnende Bakteriologe Profesior Metschnikoff, der Letter des Pasteurinstituts, erschienen und hatte dem unglücklichen Herrn Charabot vorgehatten, daß er in einer Torte Mikroben entdeckt habe, die sonst nur ... int Holzpflaster der Straßen zu finden seien. Der Kuchenbäcker war nun auf der rechten Spur: Das ganze Geheimnis des Unglücks mit den Kuchen bestand darin, daß die Rue de Buci seit einigen Wochen aufgerissen war, um neu gepflastert zu werden. Charabot strengte nun sofort eine Klage gegen den Staat an und begründete seine Klage damit, daß seine sämtlichen Geschäftsräume durch Raphta, Teer und Kreosot verpestet seien und der Geruch alle seine Waren durchdringe. Er selbst batte sich, da er mitten in dem Geruch lebte, so daran gewöhnt, daß er den veränderten Geschmack der Kuchen nicht bemertte. Aber in allen Unterinstanzen verlor Charabot seinen Prozeß. Doch er gab nicht nach, und endlich, vor dem höchsten Gericht, hat er seinen Prozeß gewonnen, und ihm sind vierzehn- hundert Mark Schadenersatz zugesprochen worden; außerdem hat der Staat sämtliche Kosten des Verfahrens zu trage'' •*
die nötige Aufmerksamkeit zuzu- Dr. I. K.
Sie Lebensmittel-Preise. ; .verelendmtgStheorie" n. „Fleischnotrummel". (Von unferm volkswirtschaftlichen Mitarbeiter s 1 Der amtliche Nachweis über di« ' Preisbewegung der wichtigsten Lebensmittel vährend deS Jahres neunzehnhundert,ebn ist In vieler Linstcht von Interesse; einmal, weil rr geeignet ist, der übertriebenen Aus- schlachtung der Verelendungs- th eo ri e sehr bestimmte grenzen zu ziehen, bann aber auch, weil er zur Evidenz ergibt, daß eS sich bei den immer häufiger werdenden Klagen über hohe Fleischpreise tatsächlich nicht nur um einen sogenannten .Fleischnotrummel" handelt, der künstlich inszeniert ist. sondern um eine sehr ernste Frage, die eingehendster Beachtung wert ist. Die Zusam- menfteffuna ergibt zunächst, daß mit nur wenig Ausnahmen überall das Rindsleisch schon im Beginn des Berichtsjahres höher stand, als im ganzen vorigen Jahre, und im weiteren Verlaufe noch mehr im Preise stieg. Das gleiche gilt Mr K a l b - und Hammel- fleisch. Nur beim Schweine fleisch ließ sich eine geringe Verbilligung gegen das Vorjahr nachweisen. Im Westen Deutschlands standen die Preise für Rindfleisch am höchsten, ebenso für Kalb- und Hammelfleisch. Die süddeut- sch«n Großstädte hatten durchweg die niedrigsten Preise zu verzeichnen.
Eine DurchschnittS-Berechnung nach den Angaben von sünfzkg preußischen Städten ergibt dabei folgende Kleinhandelspreise. Es kostete im Jahresdurchschnitt das Kilo: Rindfleisch 1,61 Mark (1,61 Mark im Jahre 1909), Kalbfleisch 1,82 Mark (1,74 Mark). Hammelfleisch 1,72 Mark (1,66 Mark), Schwei- nesleisch 1.63 Mark (1,61 Mark) und Roßsletsch 0,76 Mark (0,74 Mark). Wie ersichtlich, sind sämtliche Fleischsorten im Preise gestiegen, und wenn auch das Anziehen der Preise beim Schweinefleisch im Vergleich mit den anderen nur minimal war, so ist auch dieser Prets- stand schon an sich besorgniserregend hoch zu nennen. Dennoch ist der Fleischverbrauch gestiegen. Während nämlich der Fleischverbrauch 1906 insgesamt 37,6 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung betrug, stieg er trotz der erhöhten Preise und trotz der zunehmenden Bevölkerung auf 40,9 Kilogramm im Jahre 1910. Die Ziffern aber erhöhen sich noch um ein beträchtlc- ches, wenn man zu den gewerblichen Schlachtungen noch das Gewicht aus den H a u s schlachtungen hinzurechnet; es steigt dann von 46,3 im Jahre 1906 auf 49,5 Kilogramm im Jahre 1910. Bringt man dann schließlich noch die Mengen des von auswärts eingeführten Fleisches hinzu, so erhalten wir einen Gesamtfleischverbrauch im Jahre 1906 von 50,4 und 1910 von 51,5 Kilo- yramm.
Eine außerordentliche Belastung
gäbe eines Volkes fein, durch Qualitätsware also durch hochwertige Arbeit, den Weltmarkt zu beherrschen. Es will uns aber Meinen, als ob man an vielen Stellen diese tiefqrei- enbe Wichtigkeit der Fleischversorgungsfrage noch nicht gebührenb gewürdigt habe. Es wird einsichtsvoller Politiker sein, diesem
Wieder tasteten sich ihre Blicke zu ihm. Ein scheues, banges Flackern war in ihren Augen wie das Aufzucken einer Flamme, die sterben muß und nicht sterben will.
Er sprang auf. Ein heißes, wildes Gefühl hatte ihm plötzlich an die Kehle gegriffen. Wir ein Blitz der Erkenntnis hatte es sein Inneres durchlodert. Ein wahnsinniger Groll packte ihn über sein verlorenes Leben an der Seite einer herzlosen Puppe, die er geliebt hatte und immer wieder liebte, wenn er ihre Berührung fühlte. Aber alles, was schön und gut und groß in ihm war, batte sie nicht zum Tönen bringen können. Die blaffe, zarte Frau, die dort vor ihm saß, wäre seines Lebens Sonne geworden!
Er stand dicht vor ihr. Stoßweise preßte er zwischen den Zähnen hervor: „3ete Ehe ... den Keim des Unglücks ..
Da wurde die Tür aufgestoßen. Zwei wilde, blondhaarige Buben, denen die Lebenslust aus den Augen blickte, stürmten herein und prallten verlegen zurück, als sie den unbekannten Besucher sahen.
Frau Irma aber beschattete ihre Augen mit der Hand. Um ihre Lippen war wieder jenes stille, gute Lächeln wie zuerst, aber in ihren Augen ein wehes Flimmern ...
,... und des Glückes ..." flüsterte sie leise.
bringen die hohen Preise, für die Massen der wenig Bemittelten naturgemäß mit sich, aber eine direkte Entziehung des Fleischgenus ses ist damit keineswegs veranlaßt. Werfen wir noch einen Blick auf die übrigen wichtigsten Nahrungsmittel, so finden wir auch Bei diesen eine Preisbewegung in steigender Richtung. Denn wenn auch die Preiserhöhung bei K a r t o s f e l n pro Kilo nur we- nige Bruchteile eines Pfennigs ergab, so mach- te sie sich zum Beispiel für Butter um so mehr geltend; das Kilo Butter wurde 1909 noch mit 2.64 Mark bezahlt, während es 1Ü10 auf 2.74 Mark im Durchschnitt stieg. Ebenso stieg der Preis für das Schock Eier von 1,76 Mark im Jahre 1909 auf 4,92 Mark tm Jahre 1910. Immerhin ist die Steigerung hier lange nicht so stark und daher auch wirtschaftlich nicht so bedeutungsvoll, wie beim Fleischkonsum. Hält man sich zudem die Tatsache. vor Augen, daß anerkanntermaßen ge- rahe in Deutschland die Eierproduktton durch rationelle Anlage von Hübnerzuchtanstalten noch ganz außerordentlich gesteigert werden könnte, so erscheint die Preissteigerung gerade auf diesem Gebiet als wenig von Belang. Mo
dem Weichen schönen Körper und ... der kalten, leeren Seele.
Ihre Gedanken aber flogen zu ihrem Gatten, dem gutmütigen, blonden Riesen, der ihr zitterndes Herz mit den tausend quälenden ungelösten Fragen und Zweifeln wie ein närrisches Kinderspielzeug lächelnd beiseite schob und nur von ihren Lippen das Feuer ihrer Leidenschaft schlürfen wollte, wie ein Kenner ein Gläschen köstlichen Weins.
Es War still zwischen beiden geworden -.. Rur die kleine marmorne Standuhr auf dem Schreibtisch pendelte gleichgültig und eilig durch das Schweigen.
Sein Auge ruhte jetzt auch auf ihr.. Er hatte sie anders wieder zu finden gehofft, lebhafter, wärmer, reger. Ihm schwebte die lebendige Frische, die überraschende Denkkraft der Zwanzigjährigen in ter Erinnerung. Was er hier sand, schien ein verkümmertes Durchschnittsfrauchen zu fein. Oder vielleicht doch nicht? Wie jetzt die Sonne das feine Profil beleuchtete, schien es ibm plötzlich von wunderbarer marmorner Schönheit.
„Sie haben recht," erwiderte sie mit reiner, leidenschaftsloser Stimme, „das ist die große Tragik und Grausamkeit der Liebe. Sie zertritt unsere Persönlichkeit und unser Lebensglück. Beim Weibe noch tausendmal unerbittlicher als beim Manne. Der Mann hat vieles andere:, er hat seinen Beruf, seine Kunst oder die Politik .. das Weib hat nur die Liebe. Die Liebe aber vereint ziellos, oder . . . mit grausamer Zielsicherheit, wenn Sie wollen ... sie vermch- tet das Individuum, um die Gattung zu erhalten. Sie ist die große erbarmungslose Zerstörerin des Lebens.die mit geschloffenen Augen und einem Sphinxläckeln die Erde durchwandert von einem Ende zum andern, um vernichtend die große Allerschafferin des Lebens zu werden ..."
Ihre Stimme wurde leiser und leiser wie ein ersterbender Glockenton: „Darum trägt jede Ehe, die auf Liebe gegründet ist, den Keim des Unglücks in sich."
der jünger« Bruder der Ansicht war, daß der ältere Bruder selbst daran schuld sei, daß er den Abschied nehmen müsse. Zwischen de« beiden sollen deshalb schon öfter erregte Aus- einanderfetzungen stattgefunden haben. lieber die Vorgänge bei der Ermordung seines Bruders hat Ukko von Chamier im Verhör sol- gende Mitteilungen gemacht: Vor einigen Tagen sei er nach Trier gekommen und itt der Wohnung des Leutnants abgestiegen, Vorgestern morgen verkaufte er einen Teil der Wohnungseinrichtung an einen Althändler, einen anderen Teil sandte er an einen auswärts wohnenden Onkel. Nachmittags besuchte Ukko seinen Bruder im Garnisonlazarett, nachdem er vorher testen Dienstrevolver zu sich gesteckt hatte. Er suchte feinen Bruder zu bestimmen, mit ihm nach Kanada oder nach Argentinien auszuwandern, um sich dort eine neue Existenz zu schassen. Der Leutnant, der jegliche Energie verloren Hatte, gab zunächst keine bestimmte Antwort, schließlich aber lehnte er ab. Dabei stand der Offizier, den Rücken dem Zimmer zugewendet, mit den Händen in den Hosentaschen, am Fenster. Sein Bruder trat hinter ihn und gab aus nächster Nähe den tödlichen Schuß auf ihn ab. Ohne einen Laut fiel der Getroffene ins Zimmer. Die Untersuchung des Falles wird von der Staatsanwaltschaft Trier geführt. >
Pariser Kucheukrieg.
Auch eine Wirkung des „StraßenbuddeluS".
Der Kuchenbäcker Charabot in der Rue te Buci tut Pariser Studentenviertel wird dort jetzt als Held und Sieger gefeiert Nach siebenjährigem Leiden und Mühen hat er endlich einen Prozeß gewonnen, den er im Jahre neunzehnhundertvier gegen den französischen Staat angestrengt hatte. Die Rue de Buci liegt gerade am Rande ter Vorstadt Saint-Germain, des langsam verschwindenden Viertels ter alten Pariser Aristokratie, die mehr und mehr ihren Einfluß verliert, aber neben anderen rühmlichen Eigenschaften noch
Haupffächlich aber strebt die Verächterin der modernen Gesellschaft danach, die Amerikanerin vor der eigenen Verderbnis zu bewahren. Hef- ttg tabelt sie die unter bemittelten Leuten verbreitete Methode, die Mädchen zu Luxus« geschöpfeu zu erziehen, anstatt sie die Liebe ■ tut Arbeit zu lehren. Man züchtet in ihnen )en Hang zur Untätigkeit, ter mtt allerlei Lastern Hand in Hand geht. Die Zigarette und der Cocktail sind schließlich noch die beiden harmlosesten Passionen der jungen Mädchen im freien Kolumbia. Dem Beifpiel ter reichen Nichtstuerinnen folgen nur zu gern die Töchter der Handwerker und kleinen Beamten. In ihrer Zukunftskolonie will Mrs. Farnham ihre Geschlechtsgenossinncn davon überzeugen, daß sie sich viel Wohler und glücklicher fühlen werden, wenn sie auf Panzerkorsett und Schminkst ist verzichten, ihre sinnlichen Liebhabereien aufgeben und ein vernünftiges Leber beginnen...
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Ter „Hellseher" von Buxtehude.
Ein Leser unseres Blattes, bet seine Ferien an bet Wasserkante verbringt, chreibt uns aus Bu x t e h u d e: Nach bei großen Feuersbrunst, die am letzten Montag in Buxtehude einunddreißig Wohnhäuser nebst sämtlichen Nebengebäuden, außerdem das Rathaus mit zahlreichen Museumsschätzen und die Kirche einäscherte, hat sich der Bevölkerung des Städtchens eine große Angst bemächtigt, weil man befürchtet, daß am kommenden Sonntage ein noch größeres Feuer aus- brechen wird. Es war nämlich einige Tage vor Ausbruch der verheerenden Feuersbrunst von" einem Burtehuder Lumpensammler, der beim Volke im Ruf eines „Hellsehers" steht, bestimmt prophezeit worden, daß am vierzehnten August das große Feuerunglück übet die Stadt hereinbrechen werde. Da sich die Vorhersage so genau erfüllt hat, halten viele den Mann für einen „Propheten". Nun ist dieser Prophet aber schon wieher mit einer neuen Unglücksbotschaft auf getreten: Er hak nämlich erklärt, daß am kommenden Sonntag eine neue Feuersbrunst ausbrechen werde, die einen noch größeren Umfang als die erste haben würde. Darüber ist man natürlich in weitesten Kreisen sehr erschrocken. Die Untersuchungen werden ergeben müssen, was für eist Bewenden es mit den „Prophezeiungen" aus sich hat. Die Ursache des Feuerausbruchs ist b's jetzt unaufgeklärt geblieben.
Ein Abend in Berlin.
Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Berlin: Bei der Festnahme und Verletzung eines Fürsorgezöglings durch einen Schutzmann kam es hier gestern abend zu schweren Ausschreitungen. Es handelt sich um den Fürforgezögling Bruno Treptow, der aus einer Zwangserziehungs-Anstalt ausgebrochen war. Er setzte sich dem Schutzmann, der ihn wieder festnehmen wollte, zur Wehr und eine Rotte halbwüchsiger Burschen half ihm dabei. Ein dem Beamten zu Hilfe eilender Kollege f ch o ß den Fürforgezögling nieder, der schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Am Tatorte hatte sich eine nach vielen Hunderten zählende Menschenmenge eingefunden, die eine drohende Haltung gegen die Beamten einnahm. Ein zur Hilfe ge- rusenes Schutzmannsaufgebot mußte blank ziehen, um die Menge zurückzutreiben. Der angegriffene Schutzmann hat Verletzungen am Kopf, im Gesicht und am Unterleib davongetragen. Das Befinden des schwer verletzten, im Krankenhaus liegenden Treptow ist hoffnungslos.
Ein Wiedeffehen.
Bo« Gertrud Westphal.
Die saßen sich gegenüber. Jugendfreunde. Nach zwanzig Jahren. An beider Hand der goldene Schicksalsreif. Er em dunkeläugiger Italiener mit leidenschaftdurchwühltem Mar- tyrergesicht, sie eine stille blasse Blondine mit; ernstem, gütigem Frauenlächeln und grauen verschleierten Augen, hinter denen man nichts oder unendlich viel ahnen konnte ... Warm und voll ruhte ter Sonnenschein auf der ruhigen Vornehmheit des Zimmers.
Sie sprachen über die Ehe ... im allgemeinen. Das Problem war ihm interessant. Er redete lebhaft, feurig ■ auf sie ein, wie er. der berühmte Redner, vielleicht in einer öffentlichen Versammlung über dies Thema gesprochen hätte. Sie hörte ihm zu wie einem Fremden, als ginge sie alles Persönliche gar nichts an. Doch ihr Ange suchte heimlich tastend in seinen Zügen, in dem leidenschaftlichen Glühen seiner Augen.
Die unerschütteflichen Naturgesetze ter Liebe fragen nicht nach dem Glück des Individuums. Sie streben nur, die Gattung zu erhalten und die Paarung der Geschleckter in einem für die künftige Generation günstigen Sinne zu erzielen. Das ist die gebewifte Ursache des reizvollen Gegensatzspiels in der Liebe. Fänden sich nur Individuen mtt gleicher Eigenart zusammen, so würde sich bald in den kommenden Generationen eine sehr schroffe Einseitigkeit nach dieser Richtung hin zeigen. Darum verlieben sich so häufig fein empfindende sensible Frauennaturen in kräftige, stark sinnliche Männer, darum auch übt gerade auf den starken Denker stets von neuem das Weib, das nur Weib fein will, Weib mit allen seinen Schwächen und seinen Reizen, einen für Außenstehende unerklärlichen Zauber aus.
Er sprach zwar allgemein; aber er dachte dabei doch an sein .Weibchen" zu Hanse mtt
Eine „Predigerin in der Wüste".
Wie aus New York berichtet wird, ist im Westen ter Vereinigten Staaten eine Malerin namens Beatrice Farnham-Otto im Begriff, mit Hilfe ihres Keinen Privatvermögens eine Kolonie zu gründen, in der Frauen um d Mädchen ei«. Leden ter Tätigkeit und Befriedigung, vor allem aber der Gesundheit führen sollen. Die "Vertreterinnen aller Gesellschaftsklaffen, von der Dollarplutokratin bis herab zur Fabrikarbeiterin, können dort Aufnahme finden. Mrs. Farnham gehörte einst zu den Leuchten der Kun st- kreise Bostons. Doch angewidert von dem Tun und Treiben ter Gesellschaft, zog sich die Künstlerin vor wenigen Jahren von jedem Verkehr zurück und versuchte es, mitten unter den Indianern von Neu-Mexiko und Arizona zu leben. Das Resultat dieses Versuches ist die Idee zur Gründung der erwähnten Frauenkolonie. Ihre Ansichten über daS Leben in den beiden Sphären faßte sie in folgendes scharfe Urteil zusammen: „Ich würde eher dem unkultiviertesten Indianer verftauen, als einem jener Herren, die sich zur Elfte Bostons, Newvorks oder Chicagos zählen. Die Frau von heute hat weit mehr Aussichten, unter den für roh und ungebildet geltenden, schwer arbeitenden Männern des wilden Westens ehrerbietig und rücksichtsvoll behandelt zu werden, als in den Salons ter Millionäre int Osten."
Am tiler Welt.
Sie Trierer Sffizier Tragödie.
(Telegraphifche Meldungen.)
Trier, 18. August. (Telegramm unsers Korrespondenten.) Der wegen der Ermordung seines Bruders, des Leutnants von Chamier-Gliszinski, verhaftete Kausinann von Chamier-Gliszinski aus Hannover hat bei seiner gestrigen Vernehmen gestanden, seinen Bruder erschossen zu haben, weil er sich weigerte, mit ihm nach Argentinien oder Kanada zu gehen, um dort eine neue Existenz zu gründen.
Der erschossene Leutnant von Chamier-Gliszinski vom Infanterie-Regiment von Horn (3. Rheinisches) Rr. 29, der vor drei Jahren Offizier geworden war, stand im fünfundzwanzigsten Lebensjahr und lag seit dem neunten August im Trierer Lazarett krank. Er stand kurz vor seinem Abschied, den er zu nehmen gezwungen war, weil er anscheinend geistig nicht ganz gesund war. Der junge Mann scheint durch pekuniäre Schwierigkeiten und andere Sckicksals- schläge schon seit längerer Zeit das seelische Gleichgewicht verloren zu haben. Als er Mitte Mai einen breimonafigen Erholungsurlaub nach Bad Wildungen erhalten hatte, war er, ohne die Erlaubnis hierzu zu haben, nach Berlin gefahren, wo Verwandte von ihm leben. Er stieg am sechzehnten Mai im Hotel Monopol ab. In der Nacht zum siebzehnten Mai irrte er in Zivil planlos in den Straßen Berlins umher und sprang schließlich in den Landwehrkanal. Er wurde jedoch von einem Schutzmann mitt Hilfe von Paffanten gerettet und ins Garnisonlazarett nach Tempelbof gebrackt. Auf dem Transport dahin verfuckte er sich zu e r f ck i e ß e n, woran er aber rechtzeitig verhindert wurde, von Cba- mier erhielt zur Wiederherstellung seiner Gesundheit einen längeren Erholungsurlaub und kehrte dann zu seinem Regiment zurück, wo er neuerdings wieder erkrankte. Er war deshalb gezwungen, seinen Abschied zu nehmen. Sein jüngerer Bruder, der erst neunzehn Jahre alt ist und in Hannover eine kaufmännische Stellung innehatte, besuchte am Mittwoch mittag seinen im Lazarett liegenden Bruder. Zwischen den Brüdern kam es zu ernsten Differenzen. Es Meint, daß