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Sonnabend, den 19. August 1911

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Unb dem nun der Lohn seiner Liebe und Treue vielleicht in der Form einesReuegelds" von der gräflich Erbach'schen Rentei-Hauptkasse an- geboten werden wird. Erasmus Erbach ist nicht aus dem Holze der Toskaner geschnitzt, die ihrer Liebe alles: Krönchen, Titel und Sippe opferten; er ist von weicherm Stamm und ist außerdem (wie das Darmstädter Ober-.

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fen, das heut nur noch von den Leute» ernst genommen wird, die an seiner Erhaltung ein wohlverstandnes Interesse haben. Was würde es dem indigo-blauen Blut der Erbach-Erbach geschadet haben, wenn das zwanzigste Jahr­hundert ihm einmal eine wohltuende Auffri­schung und Verjüngung gebracht hätte? Der Stamm würde davon sicherlich nur profitiert haben, und die Kinder der weiland Dora Fi­scher toürben zweifellos ebensoerlaucht^ ge­wesen sein, wie alle früher gebornen Bürger der gräflichen Familienwiege. Der Einfalt des »Ebenbürtigkeit-Prinzips" ist im Lauf der Jahrhunderte mehr Menschenglück geopfert worden, wie irgend einer andern Tradition aus der Zeit primitivster Kulturbegriffe. Trotz­dem hat man selbst im Säkulum der Aufklä­rung und des Fortschritts den Götzen »Eben­bürtigkeit" noch nicht zu entthronen gewagt, und die Welt- und Völkergeschichte wird dem­gemäß immer wieder in mäßigen Intervallen lustig karikiert durch die Komödien (oder bes­ser: Tragikomödien) der »Blut- und Ahnen­probe". Von Sophie Chotek, derunebenbür­tigen" Gattin des österreichischen Thronfolgers bis hinab zu Dora Fischer, der »rechtungilti- gen" Frau des wegen Geisteskrankheit entmün­digten Erbgrafen Erasmus Erbach! Soll man die Tragödie beweinen, oder die Komödie belächeln? Rein, lachen wir lieber! Wir brauchen darum das M i t l e i d mit den armen O P f e r n des Unverstands nicht zu schmälern.

F. H.

dankbar zu sein, denn es ist kaum wahrschein­lich, daß ohne die sündhafte Liebe zur kleinen Wäscherin die Geisteskrankheit des Grasensohns je an den Tag gekommen wäre.

Die Einzigen, die Anlaß baben, dem Schick­sal gram 'zu sein, sind die Angehörigen der gräflich Erbach'schen Nebenlinie, deren Rechtansprüche auf die reichen, im Odenwald gelegnen Erbach'schen Familiengüter ange­sichts der .Unebenbürtigkeit" der Ehe durch ein früheres Gerichturteil (das die Ehe als gültig und rechtmäßig geschlossen anerkannte) außer­ordentlich verbessert worden waren. Ihnen raubt das Urteil des Darmstädter Obcrlandes- gerichts eine schöne Hoffnung, und so ausrichtig sie früher das Erscheinen der Dora Fischer auf der Bildfläche des Erbach-Erbach'fchen Fami­lienschicksals auch begrüßt haben mögen: Der Aktschluß hat das Bild zu stark gewandelt, und der erhoffte Effekt ist in den Aktenbergen der Justiz verkümmert, lieber einer Tragödie und Tragikomödie ist der Vorhang gefallen, und auch nun, da die Mühle der Gerechtigkeit Trotz und Leidenschaft, Liebe und Opfermut gleich, mäßig zwischen den ehernen Walzen des Schicksals zerrieben hat; auch nun bleiben zwei Opfer: Der junge, als geisteskrank ent- mündigte Erbgraf, und das unglückliche Weib, das um seiner Liebe willen die jahrelangen Folterungen des Zweifels und der Sorge ertrug,

Der Generalstreik proklamiert!

(Privat-Tclegramm.) c§3 London, 18. August.

Der Ge neralstreik der englischen Eisenbahner wurde gestern abend kurz nach sechs Uhr nroklamiert. Das Streikkomi­tee gab mit über dreitausend Telegrammen das Signal für den allgemeinen Eisenbahner­streik an die Sekretäre der lokalen Gewerk­schaften. Tie gestrige Konferenz hat zu einer Einigung zwischen den Bahnverwaltungen und den Vertretern der Eisenbahngesellschaften nicht geführt. Der Vorschlag, die Klage der Angestellten durch ein unabhängiges Tribunal untersuchen zu lassen, hatten die Vertreter der Bahnangestellten ohne weiteres angenommen.

vollkommen unabhängig von einander, wenn auch die Ursachen im wesentlichen stets diesel­ben waren, und zwar die denkbar primitiv­sten: Erhöhung der Löhne, Herab­setzung der Arbeitszeit, oder beides zugleich. In diesem Monat haben zwanzig verschiedene Streiks begonnen. Die Ziffer ist hoch, aber im Hinblick auf das letzte Halbjahr nicht besonders ungewöhnlich: viele Streiks betrafen nur einen verschwindend geringen Prozentsatz der>Arbeiterbevölkerung der betres- fenden Städte, zuweilen hundert bis zwei­hundert Mann, zuweilen noch weniger. Einen inneren Zusammenhang haben diese Streiks nicht, mit Ausnahme der Hafenar­beiter, Transportarbeiter und Eifenbahnange­stellten, die freilich der Zahl nach neun Zehntel aller Streikenden ausmachen und die die wirkliche Gefahr bilden. Wie bei allen englischen Arbeitern herrscht auch in diesen drei Klassen heftige Unzufrie­denheit. Seit Jahren kämpfen sie für bes­sere Löhne und Arbeitsbedingungen und Kom­promisse der letzten Zeit haben die Lohnbewe­gungen nicht endgültig zu regeln vermocht. DieLöhnesindgering. Noch heute gibt es viele Tausend Eisenbahnarbeiter. die Frau und Kinder haben, und in der Woche kaum zwanzig Mark verdienen. Als neunzehnhun- dertsieben bereits einmal ein Streik der Eisen­bahner drohte, gelang es Mr. Llohd George, durch die Einrichtung von Einigungsämtern die Gefahr abzuwenden, eine Leistung, die nicht wenig dazu beitrug, ihn zum Schatzkanz­leramt zu bringen. Die Hoffnungen, die die Arbeiter auf diese Kompromisse setzten, schei­nen sich indessen nicht erfüllt zu haben, denn bereits im vergangenen Jahr lohte der Kamp s von neuem auf. ohne aber größern Umfanc, anzunehmen. Bis nun jetzt der Riesenkamp' mit elementarer Gewalt auf der gan­zen Linie ausgebrochen ist. Wie er enden wird, läßt sich noch nicht absehen; beide Par­teien kämpfen mit größter Erbitterung und es ist kaum wahrscheinlich, daß durch eine Ver­ständigung die Gefahren der gewaltigen Kraft­probe noch abgewandt werden können. **

Fn Snsslvnd herrscht Panik!

(Telegraphische Meldung.)

Depeschen aus London zusolge herrscht in ganz England Panik. Von allen Seebä­dern und Vergnügungsorten findet eine flucht­artige Rückkehr der auf Ferien befindlichen Familien nach den Heimatstätten statt. Den Truppen steht eine schwere Ausgabe bevor. Sie haben viertausendsechshundert Meilen Eisen­bahnlinien zu bewachen. Lange kann (so nimmt man an) ein allgemeiner Eisenbahnarbeiter- treik nicht dauern, ohne daß unter den Strei­kenden selbst fürchterliches Elend aus­bricht. Der größte Verband der Eisenbahnan­gestellten hat bei neunzigtausend M ist gliedern eine Streikkasse von neun M i l l i o n e n M a r k, die die Zahlung von Streikgeldern für die Dauer von acht Wo­chen ermöglicht. Da aber infolge des allge­mein,» Streiks in einer Woche schon Hun- gerjnotpreise herrschen müssen, so ergibt ich, daß bei einer Fortdauer des Streiks in Hiriefier Aitft auch die Streikenden dem Hunger aus,geliefert sei« werden,

Alle Räder stehen UHL..!

(Eigene Drahtmeldung.)

Wie uns weiter aus London berichtet wird, ist infolge des Generalstreiks der Eisen­bahner der Verkehr in den Stationen von Bri­stol und Newcastle vollständig einge­stellt worden. In Cardiff ist der Bahnhof seit gestern abend elf Uhr von Hunderten von Streikenden vollständig belagert, und die Po­lizei hat viele Mühen, die Ordnung aufrecht zu erhalten. All« Bahnstationen auf der Linie Monmouthshire sind vom Bahnpersonal ver­lassen. In Wincobank in der Nähe von Shef­field haben die Ausständigen versucht, die Bahngeletse aufzureitzen. Durch rechtzeitiges Eingreifen der Polizei konnte das Attentat indessen verhindert werden. Di« Bäcker in Cardiff haben den Aus st and für nächsten Sonntag verkündet. Die Lage wird stündlich kritischer.

Der erste Generalstreik Tag.

(Eigene Drahtmeldung.)

Weiteren Depeschen aus London zufolge wird der durch den Streik der Eisenbahner ge- schasfenen Lage in allen Kreisen der Regie­rung größte Aufmerksamkeit gewidmet. Der Minister des Innern, Winston Churchill, hat die ganze Nacht im Ministerium des In­nern zugebracht, um Vorbereitungen für die Aufrechterhaltung der Ordnung zu treffen. Der Handelsminister Buxton und der Premier­minister Asquith arbeiten im Handelsmini­sterium bis spät in die Nacht hinein. Die Ran­gierleute der Great Western Eisenbahn im Ha­fen von Swansea haben in einer von mehreren tausend Personen besuchten Versammlung be­schlossen, die Arbeit n i e d e r z u l e g en. Der Verkehr in den Docks ruht voll st än- dig. Die Zugführer der Great Western Eisenbahn traten heute morgen in den Aus­stand. In Norwich und in Lancashire wurde der von dem Streikkomitee ausqegebene Streik­befehl sofort befolgt. Viertausend Mann legten hier die Arbeit nieder. Der Ver­kehr in Ashton, Unber Lyne und in Dukinfield ist vollständig aufgehoben. Wegen der Streik- unruhen hat der DampferAdriatik", der von Rewhork nach Liverpool unterwegs war, den Befehl erhalten, die Post in Queenstown abzugeben.

Dte »VafftlctReuefte «achrtchteu" ertchrtn« wichmMch fctilmalunb paar abend». Xxr «lomtemettSpttl« beträgt monatlich 60 Vf8- bei freier Zu. fteCung tu« Hau«. Druckerei, Verlag u. Redaktion: Schlachthofstraße 28/30. Berliner Vertretung: SW« Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

die Vertreter der Eisenbahngesellschaften

ten ihn aber stritte ab. Unter diesen Umstän­den wurde, trotz der Mahnung der Regierung an die Vertreter der-Eisenbahngesellschaften und an die Gewerkschaften, vom Streittomi- tee zur ultima ratio, zur Proklamierung des Generalstreiks gegrisfen.

Iss MWW in WM.

Der Generalstreik hat begonnen; in England herrscht Panik!

lande ^geeicht sestgestellt hat) geisteskrank. Das mag sein schwächlich Heldentum entschulden!

Der Fall des Erasmus Erbach und der Dora Fischer regt indessen noch zu einigen allgemeiner» Be­trachtungen an: Die eigentliche Ursache des Urteils ist (wieder einmal) die ehrwürdige Emialt des .Eben-ürtiakeft-Prinzips" aewe-

ßtosmus Mach.

Die Tragödie einer Grafenliebe.

DaS Darmstädter Oberländesgericht hat «ach einem langen und zumteil auch beschwer­lichen Verfahren für Recht erkannt, daß der Erbgraf Erasmus zu Erbach-Er­bach geisteskrank ist und infolgedessen zu ent­mündigen sei. Das Urteil des Darmstädter Ge­richts hat sicher manchen Leuten de» bekannten Stein" vom bangen Herzen genommen, denn nun, da eine hohe Gerichtstelle die Gewißheit erbgräflicher Geisteskrank­heit ausgesprochen und den erlauchten Erben der Erbach - Erbach'schen Herr­lichkeit der Verantwortung für seiner Jugend Torheiten entrückt hat, wird's ja auch ver­ständlich, welche seltsam-tollen Umstände vor einigen Jahren den Erstgebornen der Familie ] Erbach bewogen, die Wäscherin Dora , Fischer zu freien, und sie trotz der hellen i Verzweiflung der gräflichen Sippe als sein \ ehelich Gemahl zum Traualtar zu führen: Wenn ein Erbgraf, der schon in den Windeln , erlaucht" ist, trotz sonst normaler Veranlagung hingeht und einem hübschen Wäschermädel sei- . ner ganzen Zukunft Erlauchtigkeit opfert ledig­lich: Weil er das Mädel liebt), und wenn die­ser Grafensohn, aus dessen beiden Augen der ganze Ruhm des stolzen Hauses Erbach-Erbach stand, aller Pön zumtrotz dieser Liebe treublieb und sogar die Rot des Darbens ertrug, bloß um der Erwählten die Treue zu halten, so ist das nach dem übereinstimmenden Urteil unsrer Psychologen zumindest einekrankhafte Nei­gung", und man empfinde,t sicherlich eine ge­wisse Befriedigung über die neueste Ermittlung des Darmstädter Oberlandesgerichts, daß der erbgräfliche und ectauchttge Gatte der Wäsche­rin nicht nur in seinen Neigungen anormal ver­anlagt, sondern direkt geisteskrank ist, und in­folgedessen als dispositionfäbig nicht gelten kann.

Das Erkenntnis klärt die lang unentschieden gebliebne Sachlage, gibt die Erbgrafengattin Dora dem ehrenwerten Stand der Wäscherin­nen und den verlornen Sohn Erasmus dem gräflich Erbach'schen Vaterhaus zurück, und macht durch all das irrige und irrende Gesche­hen, das zwischen der Herzen-Heldentat des erlauchten" jungen Mannes und seiner spät erkannten Geisteskrankhett liegt, von rechtswe- gen einen dicken Strich: Die Ehe des Grasen- sohnes mit der Wäscherin ist, da sieunter Ausschluß der freien Willenbestimmung des männlichen Teils zustandekam", ungilti^; die Liebesirrung des jungen Mannes ist un­geschehen gemacht und Erasmus Erbach bleibt Erbe unb-Anwart auf die Erlauch­tigkeit seines Hauses (denn die Erbfolge und Erbansprüche werden nach dem Hausgesetz der Erbach durch Geisteskrankheit und ähnliche Schwächen nicht beeinträchtigt). Glücklicher­weise sind die Erbach-Erbach im zwanzigsten Jahrhundert nicht mehr mit Regierung- und Herrschersorgen bebürdet, sodaß also die Welt­geschichte von dem Intermezzo im Haus der Erbach unberührt bleibt. Immerhin: Die er- lauchtige Familie des nun Entmündigten hat allen Anlaß, der Wäscherin Dora Fischer für ihr unfreiwilliges Eindringen in den Bann­kreis Erbach-Erbach'scher Geschlecht-Tradition

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hessische pbmcheitung

die Zukunft erschweren würden» wenn sie schon jetzt die Flagge streichen utlb ihre eigene Vorlage verstümmeln wollten. verlange daher, daß der Beschluß des Plenums abgewartet werde; wenn derselbe ein unzulängliches Gesetz ergäbe, so sei es ge­boten, auch dieses anzunehmen . . - Damit stimmt aber das tatsächlich e V er halten Bismarcks nicht überein. Die Schilderung der eigentlichen Kanzlerkrists werde wenig neues bringen, lieber den letzten Mr n r st errat vom siebzehnten März 1890, nachmittags drei Uhr, gibt Poschinger folgende Notiz Bis­marcks die ebenfalls ein Stück der Memoiren bilden werde, wieder:Der Vizepräsi­dent des Staatsministeriums (von Bötticher) erklärte, daß er und seine Kollegen übet meinen Rücktrttt tief betrübt seien. Er habe bis dahin gehofft, daß die einzigen Meinungsverschiedenheiten zwischen Majestät und mir mit der heimischen inneren Politik verbunden seien und datz sich daher das . von

Wie wir schon gestern abend durch Aushang gemeldet haben, ist am Don­nerstag der Generalstreik der Ei­senbahner Englands prokla- miert worden. Um Unruhen zu verhü­ten, hat die Regierung starke Truppen­aufgebote nach de» Eisenbahn-Zentren abkommandiert. Bisher haben sich Zwischenfälle nicht ereignet.

' In den letzten acht Tagen sind in Groß­britannien an allen Enden des Landes Streiks wie Geschwüre ausgebrochen und der erste Gedanke, der sich regt, ist, daß hinter der Bewegung eine Zentralgewalt steckt, die einen Generalstreik sämtlicher organisierter Arbeiter anzufachen versucht, ähnlich wie vor zwei Jahren in Schweden. Diese Vermutung (dies sei gleich von vornherein gesagt) ist indessen unrichtig. Seit mehreren Jahren gährt es überall in der englischen. Arbeiterschaft, und im letzten Jahre war die Unzufriedenheit besonders groß. Im Januar kam es zu zehn, im Februar zu elf, im März zu sieben, im April zu zwei, im Mai zu drei, im Juni zu fünf und im Juli zu neun Streiks. Die meisten dieser Streiks entstanden

Bismarcks Memoirr«.

Mitteilungen von Heinrich von Poschinger.

Aus dem Nachlaß des dieser Tage ver­storbenen Heinrich von Poschinger werden soeben in der Presse Mitteilungen über den noch nicht erschienen:, dritte» Band von BismarcksGedanken und Erinne­rungen" veröffentlicht, über dessen Inhalt Poschinger einige positive Angaben macht. Es wird durchaus bestritten, daß dieser Band noch zu Lebzeiten Wilhelms des Zweiten erscheinen werde. Das gehe nicht nur au8 eigenen Aeuße- rungen Bismarcks hervor, sondern auch aus einer Aeußerung seines Sohnes Herbert Po­ckinger gegenüber, die lautete:Der Schlutz- band ist unter sicherem Verschluß. Er wird er- cheinen; aber Sie sehen selbst ein, daß es auch die elementarsten Regeln des politischen Tak­tes verbieten, so lange der Kaiser lebt, damit herauSzukommen . . ." Poschinger wendet sich auch gegen die Annahme, daß erst im dritten ' Bande das Schlutzsazit und die letzte Nutzan­wendung von Bismarcks geschichtlichen Erfah­rungen liegen, und daß er ab irato geschrieben ei. Bismarck habe es Wilhelm dem Zweiten nicht einmal übel genommen, daß er sich von ihm trennen wollte, nur die Modalität, unter der sich

seine unfreiwillige Enttaffung vollzog, habe bei ihm ein Gefühl der Verstimmung hin­terlassen. Das interessanteste Kapitel werde jedenfalls das sein, das sich mit der Regierung des Kaisers bis zum Beginne des gegen Bis­marck gerichteten Intrigenspiels, also etwa dte Zeit seiner Rückkehr von Friedrichsruh (24. Januar 1890), beschäftigte. Die Situation War damals von dem Gesetzentwurf über dte Ver­längerung des Sozialistengesetzes beherrscht Darüber teilt Poschinger folgende Aufzeichnung Bismarcks mit, die ein Stück aus seinen Memoiren datstelle:Ein definiti­ver Beschluß des Reichstags lag noch nicht vor, nur der Bericht über die Verhandlungen der Kommission, nach dem die unveränderte Annahme des Gesetzes nicht zu erwarten war. Wie ich seit Jahrzehnten gegen die Neigung von Kommiffarien und Ministern, dte Regie­rungsvorlagen im Lauf von Kommissionsver­handlungen und unter Kulisseneinflüssen der Fraktionsführer zu ändern und abzuschwachen, gekämpft hatte, so hielt ick auch in diesem Falle daran fest, daß die verbündeten Regterun- gen sich