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Nr. Z16. 1. Jahrgang

Casseler Neueste xaajrntjtcK

Freitag, 18. August 1911.

Nationen zeigten die Wirkung der modernen Sprengkörper.

A Im Kampf gegen die Schundliteratur. Im Kaufmann sh aus auf der Hohen- zollernstraße wurde heute eine Ausstel­lung von Musterbüchern eröffnet. Die Ausstellung bietet sehr gutes Material. Be­sonders zahlreich sind die Iugendschriften ver­treten. Sodann sind sehr gute KlassikerauZga- ben sowie Kultur- und volkswirtschaftliche Werke ausgestellt.

A Als Folge der Hitze . . . delikate Reb­hühner! Allen Freunden des Rebhuhns wird es wie Musik in den Ohren klingen, daß die abnorme Hitze der letzten Wochen wenigstens eine gute Folge gehabt hat: das diesjährige Rebhuhn ist hervorragend gediehen. Die Wär­me des Juni und Juli ließ nämlich auf den Feldern die Zahl der Ackerschmarotzer und In­sekten so munter gedeihen, daß die jungen Hühner, die diesmal an sich recht zahlreich sind, nach ihrer Meinungparadiesische Ge­filde" vorsanden. Das junge Huhn ist denn auch prächtig gediehen, und wenn es in Kürze auf den Markt kommen wird, werden wir nur an die bevorstehende Delikateffe des Huhns im Topf, nicht aber an die Sorgen denken, die den Landmann drückten, auf dessen Feldern sich das Huhn für den weniger gut geratenen Sauerkohl heranpäppeln konnte.

A Das Schülerschwimmen auf der Fulda. Alljährlich zur warmen Jahreszeit, wenn der Fulda kühle Fluten zum Bade einladen, unter­nimmt es derCasseler Schwimm- V er- e i n, eine stattliche Anzahl Schüler kostenlos iw Schwimmen auszubilden. Diese Gepflo­genheit entspricht den Zielen und Tendenzen des Vereins. Tagtäglich herrscht daher auf dem Gelände der Badeanstalt des Schwimm-Ver- cins ein reges Leben. Hier üben die Ansän­ger Schwimmbcwegungen als Freiübungen, andere wieder aufSchwimmböcken", während eine dritte Gruppe von Zöglingen bereits im Wasser (noch an der Angel) Uebungen macht. Groß ist die Freude, wenn sich so ein kleiner Kerlfrei geschwommen" hat. Am kommen­den Sonntag Wird nun der Casseler Schwimm- Verein ein Schülerschwimmen veranstalten. Es soll eineAbschlußprüfung" für die Schüler sein. Die Mitglieder des Vereins werden außerdem einige interessante schwimm- sportlichc Vorführungen bieten.

A Die Fernfahrt derSchwaben". In Cassel werden die Fahrten derSchwaben" jetzt um so größerem Interesse begegnen, als das Luftschiff in nicht allzu ferner Zeit auch nach Cassel kommen wird. Heute wird aus Baden-Oos gemeldet: DaS LuftschiffSchwa­ben" ist heute früh gegen 6% Uhr zur Fahrt nach Friedrichshafen aufgestiegen. An der Fahrt nehmen Graf Zeppelin und fünf Passagiere teil. Um 7 Uhr 15 Minuten pas­sierte das Luftschiff Pforzheim, um 7 Uhr 45 Minuten beschrieb es über Stuttgart eine große Acht und setzte die Fahrt nach Friedrichshafen fort, wo das Luftschiff 10.45 Uhr glatt landete.

A Im Kampf gegen bureaukratische An­sichten. Ein Kaufmann in N. teilte seinen großen Laden durch Aufstellung eines bis zur Decke reichenden Regales in zwei Abteilungen. Die Ortspolizei erblickte darin die Bewerkstel­ligung eines konzessionspflichtigen Ladenausbaues durch eine hölzerne Scheidewand und verlangte die Entfernung des Regals. Hiergegen protestierte der Kauf­mann im Verwaltungswege. Er bestritt das Vorhandensein einer Wand im bautechnischen Sinne. Das Regal sei ein Gegenstand, der mit keinem der ihn umgebenden Bauteile in fester Verbindung stehe. Er könne in dem Laden, zu dessen Abscheidung es diene, nach Erfordern bewegt werden, ohne daß die Lö­sung irgend welcher Befestigung mit dem Ge­bäude erforderlich sei. Das Regal fei deshalb mit einem Ladenmobiliar, mit einem Schranke im großen, zu vergleichen. Die Polizeibehörde beharrte indessen auf ihrer Forderung, und so durchlief der Prozeß alle Instanzen. Erst das Oberverwaltungsgericht bereitete ihm ein Ende, indem es die Gründe des Kauf­manns anerkannte und die polizeiliche Ver­fügung aufhob.

A Zwei Tage Arrest für einenScherz". Der Sergeant Anton B. von der 7. Kompag­nie des Infanterie-Regiments Nr. 83 hatte sich heute vor dem Kriegsgericht der 22. Division wegen vorschriftswidriger Behandung beziehungsweise mangelhafter Beaufsichtigung von Untergebenen zu verantworten. Dem Angeklagten wurde das beste Führungszeugnis ausgestellt. Ihm wird zur Last gelegt, im Herbst 1910 geduldet zu haben, daß der Musketier H. in einen Sprung­kasten gesteckt wurde, über den die Abteilung alsdann sprang. Der Angeklagte gibt zu, daß das einmal, allerdings im Scherz, vorgekom­men ist. Die Beweisaufnahme ergibt, daß sich derartige Vorfälle oft ereignet haben, daß man sie aber stets als Scherz aufgefaßt habe. Der Vertreter der Anklagebehörde nimmt an, daß vorschriftswidrige Behandlung vorliegt, bit­tet jedoch, den Angeklagten, der bisher nicht vorbestraft ist. mit einer ganz gelinden Arrest­strafe zu belegen. Da. Gericht verurteilte B. nach kurzer Beratung zu zwei Tagen ge­linden Arrest.

A Wer verfteht's . . .? Im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cassel steht in Rr. 29 folgende Bekanntmachung: Griesheim am Main. Die Witwe Heinrich Orth, geb. Plank, in Frankfurt a. M., Seehofstraße 1 (Prozeßbe­vollmächtigter: Rechtsanwalt Müller in Ha­nau) Nagt gegen den Metzger Ferdinand Greu­lich. früher in Hanau, jetzt unbekannten Auf­enthalts unter der Behauptung, daß im ZwangsversteigerungSverfahren bezüglich der ursprünglich auf den Namen der Eheleute Heinrich und Marie AntheS in Griesheim am Main eingetragenen und später an den Be- klagten veräußerten, im Grundbuche von Griesheim am Main Bd. 22 Bl. 536 eingetra­genen Liegenschaften, die Hinterlegung deS auf die Eheleute Anthes wegen der denselben zu- stehcnden. angeblich nicht zur Entstehung ge­langten Sicherungshvpothek von 2000 Mark entfallenden Anteils am Versteigerungserlöse im Betrage pon 1004.51 Mark am S. Januar

1909 durch bas Amtsgericht Höchst am Main angeordnet worden sei, daß die genannte Si- cherungshhpothek in Höhe von 860 Mark an die Klägerin abgetreten worden und daß die Klä­gerin nunmehr, da die Eheleute Anthes durch Urteil des königlichen Landgerichts in Wies­baden vom 22. März 1909 zur Einwilligung in die Auszahlung genannter Hinterlegungs- summe in der angegebenen Höhe verurteilt worden seien, und Beklagter, der als Nächstbe- rechtigter in Betracht käme, mit dem Anträge, den Beklagten durch eine ohne eventuell gegen Sicherheitsleistung vorläufig vollstreckbares Ur­teil kostenfällig zu verurteilen, anzuerkennen, daß bei der Königlichen Regierungshauptkaffe zu Wiesbaden unter Hauptjournal Nr. 3054 vereinnahmte und im Spez.-Manual Bd. 66 Seite 152 eingetragene Betrag von 1004,51 Mk. nebst Depositenzinsen an die Klägerin ausge­zahlt werde.

A Die Reform des Schulgesangunterrichts. Im preußischen Kultusministerium geht man mit der Absicht um, den Gesangsunter­richt auf höheren und niederen Schulen an­ders zu g est alten. Zu diesem Zwecke wird eine Kommission eingesetzt werden, in der neben dem Dezernenten des Kultusministeri­ums Gesanglehrer und praktische Musiker ver­treten sein werden. Die Kommission wird in diesen Tagen unter dem Vorsitz des Kultus­ministers ihre erste Sitzung haben.

A Um ein Paar Stiefel . . .! Der Muske­tier Alfred F. vom Infanterie-Regiment Nr. 83 aus Meiningen hatte sich heute vor dem Kriegsgericht wegen schweren Dieb- stahls zu verantworten. Der Angeklagte ist schon als zwölfjähriger Junge wegen Dieb­stahls und Betrugs mit fünf Wochen Gefäng­nis bestraft worden. Später erhielt er noch­mals wegen Betrugs und Bctrugsversuchs ins- gefamt vier Wochen Gefängnis. Heute wird dem Angeklagten schwerer Kameradeu- diebstahl zur Last gelegt. Der Angeklagte gibt zu, aus einer Geschirrkammer mittels Nachschließens ein paar Stiesel genommen zu haben, jedoch in der Absicht, sie nach Gebrauch wieder zurückzustellen. Er hat die Stiesel aber in einen Pappkarton gepackt und den Karton verschnürt in seinem Spind untergebracht. Be­lastend sür den Angeklagten ist, daß er am nächsten Tage in Urlaub fahren wollte. Der Vertreter der Anllagebehörde hält den F. für überführt und beantragt unter Zubilligung mildernder Umstände vier Monate Gefängnis. Verfetzung in die zweite Klaffe des Soldaten­standes und Anrechnung der Untersuchungs- haft in Höhe von zwei Wochen. Der Verteidi­ger des Angeklagten bittet, nicht über das Strasminimum von drei Monaten hinauszu­gehen und auch nicht aus Versetzung in die zweite Klaffe des Soldatenstandes zu erken­nen. Das Kriegsgericht verkündet nach ganz kurzer Beratung folgendes Urteil: Der An­geklagte wird neben Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes mit drei Monaten und vierzehn Tagen Gefängnis bestraft. Vierzehn Tage der erlittenen Untersuchungshaft werden dem An­geklagten aus die Strafe angerechnet.

A Das Konzert des Caffeler Liedervereins. Ein frischer Wind wehte schon durch den mit buntfarbigen Lampions geschmückten Garten des Tivoli-Restaurants. Trotzdem hatten sich gestern abend viele Freunde zum angekündig­ten Konzert des Liedervereins eingefunden. Das Programm zeigte von vornherein das edle Bestreben, das deutsche Volkslied zu feiern, und diese schlichten Melodien fanden auch hier wie immer gebührende Anerkennung, besonders wenn sie von einem wohlabgetönten Vokalkörper vorgetragen werden, wie ihn der ungefähr hundert Mann starke Liederverein aufweist. Sämtliche Chöre wurden mit voll­ständig reiner Tongebung gesungen. Es ist schwer, besondere Einzelheiten hervorzuheben. Sowohl das Sturz'sche Landsknechtslied, wieHeut scheid ich" von Jsenmann und das VolksliedDas Lieben bringt groß' Freud" kamen klangschön zur Geltung. Die deutliche Textaussprache, die gute Tonbildung und die wohlgelungenen, ausgefeilten Stärke­grade vom ff bis zum pp erhöhten ständig den Gesamteindruck. Etwas über das Niveau des Volksliedes erhoben sich die ChöreLenzlob" von Bergenroth undHeimkehr" von G e l b k e. Dafür erfreuten uns dann wieder die volkstümlichen Klänge im Lewalter- schenAbfchied". Eine Abwechslung bot der Chorleiter des Vereins, Herr Hoffmann, mit seinem frisch gesungenenJuchhe" und mit P fe il'sBeim Liebchen zu Haus" und den in den Bäffen angenehm wechselnden Schlußfigu- ren war das Programm beendigt. Die prä­zisen, sauberen Darbietungen, die der Verein nur dem Wirken seines tüchtigen Leiters, Herrn Fritz Hoffmann, verdankt, fanden stets wohlverdienten Beifall.

A Die Bürgerbrüderschaft der Stadt Cassel. Die Sterbekasse der Ersten großen Bür­gerbrüderschaft hat, wie ans dem Anzeigenteil der heutigen Nummer derCasseler Neuesten Nachrichten" zu ersehen ist, einen zweiten Na ch i r a g zur Statutenänderung der Para­graphen 2 biF 5. 19 und 22 herausgegeben. Dieser Nachtrag betrifft alle vor 1908 freige­steuerten Mitglieder der Kasse, die gebeten werden, sich die neuen Bestimmungen von der im Inserat angegebenen Adresse abzuholen.

A Kleine Tageschronik Die Orgel­vorträge in der Christuskirche müs­sen bis auf weiteres ausfallen, da die Orgel völlig unbrauchbar geworden ist und vor einer durchgreifenden Ausbesserung nicht wieder in Benutzung genommen werden kann. In der Söbre entstand gestern nachmittag ein Waldbrand, dem einige Hektar Wald zum Opfer fielen. Auf der Naumburger Straße wurde gestern mittag das Kind eines Post­schaffners von einem Bäckerwagen übersah- ren. glücklicherweise aber nur leicht verletzt. Auf dem Sommerweg wurde gestern abend ein Angestellter der Bahn unter dem Verdacht, sich eines Sittlichkeitsverbrechens schuldig ge­macht zu haben, verhaftet.

A DaS Wetter am Freitag. Der amtliche Wetterbericht sagt für Freitag für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Zeitweise heiter, tagsüber etwas toärmer, sonst vorläufig meist tiodcn.

Letzte Telegramme.

(Nach Schluß der Redattiou eingegangen.)

Die Nationalliberaleu und Kiderlen.

(Eigene Drahtmeldung.)

§ Dresden, 17. August.

Der gesamte Vorstand deS Rational- liberalen Deutschen Reichsver­ein s zu Dresden hat in einer gestern abend abgehaltenen Sitzung nach kurzer Debatte (an der sich auch der Reichstagsabgeordnete Land- gcrichtspräsident Dr. Heintze und die Land- tagSabgeordneten Hettner und Dr. Kayser be­teiligten) einstimmig nachstehende Resolu- lntion angenommen: Der Reichsregierung spricht der Nationallibcrale Deutsche Reichs- Verein zu Dresden die vertrauensvolle Erwar­tung aus, daß sie bei Lösung der marokkani­schen Frage mit Zähigkeit und Ausdauer den bedeutsamen wirtschaftlichen und ko­lonialen Interessen Deutschlands zu ihrem Rechte verhelfen und weder auf eine L a nd e r w e r b un g in Marokko ver­zichten, noch gar aus eine Abtretung deutscher Kolonien sich einlassen werde, daß sie aber gegenüber der Haltung der Westmächte das Ansehen des Reichs mit der­jenigen Tatkraft und Sicherheit wahren wird, die Deutschlands starke Machtmit­tel und die Gewißheit der freudigen Zustim­mung aller politisch denkenden Kreise des deut­schen Volkes rechtfertigen.

Brudermord aus Bruderliebe...?

Trier, 17. August.

(Telegramm unseres Korrespondenten.)

Ter wegen Ermordung seines Bruders, des Leutnants Scharnier Gliszinsky, verhaftete Kaufmann Schamier-GliSzinsky, hat bei sei­ner heutigen Vernehmung angegeben, er habe seinen Bruder aetötet, um ihn vor einer dunklen Zukunft zu bewahren. Sein Brnder habe vor der Dienstentlassung gestan­den und nicht gewußt, was er zukünftig begin­nen sollte. Der Täter wird als ein Mensch von krankhaftem Ehrgeiz geschildert. Es bestätigt sich, daß der Erschossene derienige Offizier ist. der vor einiger Zeit in Berlin in den Landwehrkanal gesvrungen war. Bei seinen Untergebenen galt Leutnant Schamier-Gliszinsk» schon lange als ein Mann, der feiner Sinne nicht völlig mächtig war. In der Familie fallen schon früher ver­schiedene Fälle von Geisteskrankheit vorgekom­men sein. Wenn die Untersuchung des Falles keine besonderen Schwierigkeiten bietet, dann wird sich der Täter schon in der nächsten Schwurgerichtöperiode, die am 28. Sevtember beginnt, zu verantworten haben. (S. auch: Aus aller Welt.)

Der Kamvf hat begonnen r (Eigene Drahtmeldung) tS3 London, 17. August.

Heute morgen um acht Uhr begann der Streik der Eisenbahnorbeiter. Der Arbeitersekretär batte telegravstisch nachts die Arbeiter aufgefnrber1, die Arbeit einrustellen. Man ist in den fei «enden Steifen der Eisenbahn ziemlich ovtimistisch gestimmt, da die Regie­rung ausreichenden Schutz zur Verfü­gung gestellt hat. lieber zehntausend Soldaten sind nach Liverpool. Manchester und andern Eifenbahnzentren unterwegs. Alle größeren Eifenbahnstriche sind militärisch besetzt. Der Eisenbahnverkehr wird, wenn auch vermindert, aufrecht erhalten.

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London, 17. August. (Privat-Tele- gramm.) Die Lebensmittelpreise in London und in Manchester steigen ganz enorm. In Liverpool und Manchester macht sich bereits Mangel in den Devots der Anstal­ten für Säuglingsschutz bemerkbar. Das Feue­rungsmaterial nimmt zusehends ab und die genannten Anstalten konnten ihren Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten, und mutzten ge­schloffen werden. Die Eier- und Butterpreise haben eine außerordentliche Steigerung um 40 bezw. 20 Pfennig erfahren.

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Manchester, 17. August. (Privat- Telegramm.) Gestern kam es in fpäter Abendstunde zu wüsten Schlägereien, als ein mit Gütern beladener Wagen, der von Polizisten eskortiert war, durch die Stad« fuhr. Die Menge griff die Beamten an. die sich mit ihren Knütteln verteidigten. Ein Hagel von Steinen, Flaschenstücken und Laten sauste auf die Polizisten herab. Bier Beamte wurden schwer verletzt und mutzten ins Hospital geschafft werden. An ihrem Auf­kommen wird gezweisel«. Auch zahlreiche De­monstranten wurden fchwer verletzt.

Der Leichensund in Kalk.

Köln, 17. August. (Privat- Tele- gram m.) Die Untersuchung des Leichen- s n n d e s in Kalk bei Köln hat ergeben, datz es sich nicht um eine Frauenleiche, sondern um eine Leiche eines erwachsenen Man­nes handelt. Der Mann ist jedenfalls in einem benachbarten Haufe ermordet wor­den. Die Leiche ist in möglichst viele Teile zer­legt worden, nm unauffällig fortgefchafft wer­den zu können.

Der Tod im Wasser.

Genua, 17. August. (Privat-Tele- gramm.) Nach dem Genuß von Wasser aus einem unreinen Brunnen sind in Sori bei Ge­nua fünfzehn Perfonen an Typhus ae ft o r 6 e n. Zahlreiche andere Personen sind schwer erkrankt.

DerLynch-Hauptmann" von Coatesville.

Newyork, 17. August. (Privat-Te» le gramnt) Der Anführer der Lyncher von EoäteSville (Pennsylvania), die, wie wir be­richteten, einen Neger lebendig ver­brannten wurde unter bet Anklage befi MordeS verhaftet.

IWMMnilMImMlVkelN

dann angenommen, wenn das Gebäude (fei es auch in der Entfernung von einigen Me­iern) Fenster nach der Straße zu hatte, durch die es Lust und Licht von der Straße bezog. Die Zugänglichkeit eines Gebäudes von der Straße her ist das bedeutsamste seiner Ad- jazenz an der Straße. Immer ist das nicht so zu verstehen, als ob nun jedes von einer be­stimmten Straße her zuaängige Gebäude nun auch ohne weiteres als an der Straße errichtet anzusehen sei. Das ist vielmehr nach der Lage des Falles unter Berücksichtigung der Ver- kehrsbeziehnngen und der örtlichen Lage des Gebäudes auf dem Grundstück zu beurteilen. Die Firma M. und I. K a tz e n st e i n zu Cassel wurde zu 4400 Mark Straßenbauko­sten für den West ring herangezogen. Das Grundstück wird von der Wolfhager st ra- 6 e und dem Westring begrenzt. Das Gebäude liegt etwa

zwanzig Meter vom Weftring entfernt und die Front des Hauses an der Wolfhagerstraße. Nun konstruierte der Ge­meindevorstand die wirtschaftlichen Beziehun­gen des Gebäudes zum Westring durch eine Toreinfahrt, die das Grundstück nach dieser Straße zu hat. K. hielt die Heranzie­hung für ungerechtfertigt und erhob nach fruchtlosem Einspruch Klage im Verwal­tung s st r e i t v e r s a h r e n. Der Bezirks- Ausschuß zu Cassel stellte ihn seinem Anträge gemäß frei. Die Heranziehung sei deshalb nicht gerechtfertigt, weil das Gebäude nicht alsan dem Westrina errichtet" anzuseheu fei Zuaänaia sei es lediglich von der Wolfhager­straße aus und die Toranssahrt, die lediglich als Waggondurchlaß diene, schaffe keine wirtschaftlichen Beziehungen. Das Ober­verwaltungsgericht bestätigte die Vorentscheidung, da sie keinen Rechtsirrtum erkennen lasse. Insbesondere habe der Richter den Begriff desErrichtens eines Gebäudes an der Straße" nicht verkannt. Die Torein­fahrt fei nicht als Zugang zu erachten, der wirtfchaftliche Beziehungen zur Straße schaffe.

G. L.

Das August-Programm der Kaisersäle.

Das neue Programm der zweiten Au­gust Hälfte unterfcheidet sich von den Vor­gängern dadurch, daß es außerordentlich viel neues und interessantes bietet. Besonders der zweite Teil zeigt eine Steigerung von Num­mer zu Nummer. Dora und Willi Marg- will sind in Cassel alte und gern gesehene Bekannte, die in ihrem VerwandlungsattDer Amerikaner" brillieren. Mit fabelhafter Schnel­ligkeit verschwinden sie in einer Uhr, in einem Kleiderschrank oder einer Tür, um im nächsten Augenblick durch die Nebentür als andere Per­sonen wieder auf die Bühne zu treten. So ist es ihnen möglich, ein kleines Theaterstück, in dem fünf Personen mitwirken müssen, zu zweien aufzuführen. Dem Künstlerpaar ist mehr zuzutrauen, und es wäre erwünscht, wenn sie dem großen Bernardo Bernardini nach- eiferten, der allein ein ganzes Varietee-Pro- zramm zur Vorführung bringt. Außerordent­lich wirkungsvoll ist das Kunstgesang-Bieder- meier-Duett von Dr. Erwin Hemmer und Frau. Auch die Kölner Künstler-Vereinigung Le Diodatti erzielt mit ihren plasttschen Darstellungen berühmter Meisterwerke großen Beifall.

Dann feien die Akrobaten genannt. The great Otznot's (ohne fremdländische Na- mensbezeichnung geht es nun einmal nicht) nennen sich komische Attobaten, weil sie ihre Arbeit" in humorvoller Weise ausführen. Ihre Produktionen zeichnen sich dadurch aus, daß sie mit grotzer Exaktheit und in einer solchen Weise ansgeführt werden, die den Anschein erwecken mutz, als seien sie kinderleicht. Dann kommen die Trapez- und Leiterkünstler E r w e n t und Floretti und schließlich Pia und Bal, genannt die akrobatischen Tänzer. Walter V a l t o ist eine Spezies für sich, der (gleich seinem Kollegen Leo Erichsen) kn Rechenkunst­stückchenmacht" und Proben seiner Gedächt­niskunst ablegt. Gestern abend scheitette der Versuch an der Haltung eines Teils des- Pub­likums, das die gewünschten Zurufe durchein­ander ausführte. Da es nicht gelang, ein plan­mäßiges Zurufen von Wörtern zu erzielen, er­klärte Vatta, unter solchen Umständen nicht arbeiten zu können, und er trat mit einer kur­zen Verbeugung ab. Na, hoffentlich geht's heute besser. Lissa Strauß-Krauß singt die Soubrettenpartie und Max Frey humor­volle Couplets. So bietet das gegenwärtige Programm für jeden etwas, und wer sich für kinematographische Vorstellungen interessiert, braucht am Schluffe nur ein wenig ausharren und die Bilder von Droeses Kinomatographen werden ihm das Erwünschte bringen, -ss-

A Die Gäste des Kaiserpaares. Zur heu­tigen Frühstückstafel beim Kaiservaar waren geladen Oberreaierungsrat Dr. Blanken­horn, erster Staatsanwalt Ganslandt, Oberlandesgericktsrat Dr. Sommer, Ober- landesgerichtsrat Dr. Klepper und Professor Knackfu ß.

A Tie Felddiensiübnngen imferer Drei- undacktziger. Das hiesige Infanterie-Regi­ment 83 und die Maschinengewehr-Kompagnie, sowie das dritte Bataillon des Regiments aus Arolsen hielten gestern bei Wolfbaaen eine Uebung im feldmäßigen Schlackten, Kocken und Braten ab. Ein schwerer Ochse im respektablen Gewicht von sechzehn Zentnern wurde von Mannschaften des Regiments etwa drei Kilo­meter von hier, an der Straße nach Bründer­sen, geschlachtet und portionsweise an die Mannschaften verausgabt, die nun in Kockge­schirren die verschiedensten Gerichte berstellten. Insbesondere wurde Gewicht auf solcke Ge­richte gelegt, die von unfern braven südwest- afrikaniscken Schutztrupplern genügend ervrobt waren. Die Uebung hatte den Zweck, die Feld­truppen von Magazinen unabhängig zu macken und sie in die Lage zu versetzen, im Felde warme, schmackhafte Kost herzustellen. Der Uebung wohnte eine große Zahl Zuschauer bei. Gestern abend um 8 Uhr fand auf dem Exer­zierplatz bei Waldau vor einer großen Anzahl höherer Vorgesetzter von im Vionierdienst ausgebildeten Mannschaften der hiesigen Gar­nison eine interessante Uebung im Spren­gen statt. Mächtige Staubwolken und Deto-