Nr. ?16. — L Jahrgang.
Casseler Neueste Nachrichten
Welche unfreundliche Haltung Deutsch, land Frankreich gegenüber an den Tag lege.
Ein Privat-Telegramm berichtet uns aus München: Unter dem Verdachte der Spionage wurde in Würzburg ein fremder Kunstmaler verhaftet, der sich mit mehreren Artilleristen über einen neuen Zünder unterhielt und die Leute veranlassen wollte, ihm weitere Auskünfte zu geben.
Depeschen aus Konstantinopel melden: Bei der Verfolgung eines südalbanest- scheu Revolutionärs, der den Mutessarif von Algyrokastro zu ermorden versucht hatte, geriet gestern eine türkische Truppenabteilung in einen Hinterhalt und wurde gefangen genommen.
Die Petersburger „Nowoje Wremja" bestätigt, daß das deutsch-russische Abkommen demnächst unterzeichnet werden wird. Es sei ein vollständiges Einvernehmen erzielt und zwar nach vorheriger Rücksprache mit England und Frankreich, die sich zustimmend geäußert hätten.
Sie Politik der Tages.
s Ein neuer „Fall Iatho"? Meldungen aus Berlin zufolge ist gegen P a st o r D. Fischer von der Berliner Markus-Gemeinde beim Konsistorium der Provinz Brandenburg von zwei Personen, die den Kreisen der Berliner Stadtmission nahcstehen. Beschwerde wegen Irrlehre einqereicht worden. Pastor Fischer soll in zwei Sonntagspredigten über die Person Christi in einer Weise gepredigt haben, die nach Ansicht der Beschwerdeführenden nicht mit dem Bekenntnis der evangelischen Kirche übercinstimme. Ob das Konsistorium dieser Anzeige Folge geben wird, ist nickt festzustellen, da das Konsistorium jede weitere Auskunft in der Angelegenheit verweigert. Pfarrer Fischer hat amtlich noch keine Kenntnis von der gegen ihn erhobenen Anzeige.
Der Leipziger Milchkrieg beendet! Wie uns ein Privattelegramm meldet, bat der Leipziger Milchkrieg gestern seine schnelle Erledigung gefunden. Während noch vor wenigen Tagen die Milchhändler die erhöhten Forderungen der Landwirte glatt ablehnten und dänische Milch einführen wollten, bewilligten sie gestern die erhöhten Preise der Milchproduzenten. Es kam dabei in der Versammlung zu überaus st ü r m i - scheu Szenen und schließlich erklärten zahlreiche Milchhändler ihren Austritt aus dem Zentralverband. Viele Händler fürchten, sie würden von den Landwirten boykottiert werden, die ihre Milch nach Berlin liefern würden, wo gegenwärtig auch Mangel an guter Milch herrsche. In der Tot sollen diesbezügliche Verhandlungen stattgefunden haben.
S3 Die Schwäher von Air les Bains. Aus Paris wird uns depeschiert: Der „Ma- tin" berichtet aus Air les Bains über einen peinlichen Zwischenfall, der sich dort ereignet hat. Zwei französische Offiziere, ein Hauptmann und ein Leutnant, die dort augenblicklich zur Kur weilen, bemerkten gestern nachmittag während eines Spazierganges eine deutsche Flagge, die über einem Restaurant aufgepklanzt war. Beide Offiziere forderten einen Polizeiagenten, der sieb gerade in der Nähe befand, auf. den Wirtschaftinhaber zu'ersuchen, die deutsche Flagge ein« zuziehen. Als ihrer Aufforderung nickt schnell genug Folge geleistet wurde, ergriff einer der Offiziere die Flagge und riß sie unter dem Beifall der Menge herunter. Darauf hielten beide Offiziere eine Ansprache an die Menge, in der sie die gespannten Beziehungen, die augenblicklich zwischen Deutschland und Frankreich beständen, hervorhoben und darauf hinwiesen,
Alles, was sie bis heute getan hat, beschränkte sich darauf, den guten Ruf der Monodie wieder herzustellen. Die Republikaner haben zwanzigmal die Zivilliste verschlungen; alle ihre Reformen bestehen darin, daß sie den Carbonarismus, die Spionage, die Plünderung unterhalten, daß sie die zahllosen Forderungen ihrer hungrigen Spießgesellen erfüllen. Das ist das Mittel, um mit Eleganz den Untergang des Landes herbeizuführen . ..* In diesem Tone geht es weiter, und das Material, daS Christo zu den schwersten Anllagen wider die gegenwärtigen Machthaber der Re- publick in Portugal auffchichtet, ist tatsächlich so schwerwiegend, daß man sich fragt: Kann das alles nur Ausfluß politischen Hasses. Erfindung politischer Leidenschaftlichkeit sein, oder handelt es sich hier um die Aufdeckung von Schandtaten, deren Urheber Christo als „Verbrecher oder Narren" bezeichnet ...?
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Furcht vor äußern Feinde« her Grund, weshalb die Republik ihre Gefängnisse anfüllt und alle Tage drakonische und despotische Verordnungen erläßt? Man soll angehlich der Republik nichts vorzuwerfen haben, aber eS ist doch schon mehr als genug, wenn die Wahlen erst acht Monate nach der Proklamatton der Republik stattfanden. und wenn die Diktatur nach den Wahlen fortdauerte. Alle Grenzen aber übersteigt es, daß heute, wo die gesetzgebende Versammlung tagt, die Dittatur sich verewigt. Und im gegenwärtigen Augenblick noch gibt es weder Preßfreiheit, noch Vereins- oder Versammlungsfreiheit; weder Freiheit des Kultus, noch Sicherheit für den Bürger und sein Heim! Tag und Nacht verhaftet man, verhaftet man ohne gerichtlichen Befehl. Man hält die Gefangenen tagelang in Geheimhaft, obwohl das Gesetz besagt, daß solche Hast höchstens zwei Tage dauern darf. Man hält die Angeklagten vierzig,
fünfzig Tage lang in dunkler Hast, ohne sie vor den Richter zu führen, während das Gesetz ausdrücklich gewährleistet, daß niemand über acht Tage sestgehalten werden darf, wenn seine Strafbarkeit nicht festgestellt ist. Man geht in dem Mißbrauch so weit, daß man die Leute nach vierzehntägiger bis zwanzigtägiger Einkerkerung entläßt, ohne sie zu befragen oder über den Grund ihrer Festnahme aufzullären. Was soll man von einer Ge- betmgesellschaft sagen, die unter der Nase der gesetzgebenden Versammlung in meinem Lande kommandiert? Diese Gesellschaft übt alle Gewalt selber aus: Die richterliche, die gesetzgebende, die exekutive. Man muß wissen, daß einer der Arftkel in den Satzungen der Carbonaires verpflichtet, die soaenannten Verräter mit Dolch, Feuer oder Gift zu töten. Man mutz wissen, daß die republikanischen Briganten, die unter der Monarchie ungestraft wühlten, heute die ihrerseits wühlenden
Reu« vom Tage.
(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.!
itr Der Techniker als Strotzenräuber. Der Teckniker Max Bun sch aus Berlin ist in Düsseldorf wegen Straßenraubs verhaftet worden. Er hatte in einem Hausflur des Düsseldorfer Cityhauses einer Kontoristin eine Mappe mit 1280 Mark Inhalt entrissen und war damit geflüchtet.
Ar Der Leichenfund am Kalker Schlachtbof. Zu dem bereits gestern aus Kalk gemeldeten grauenhaften Fund einzelner Leichenteile eines menschlichen Körpers erfahren wir. daß es sich höchstwahrscheinlich um keine weibliche, sondern eine männliche Leiche handelt. Die Suche nach den übrigen Leichenteilen wird eifrig fortgesetzt.
ja; Eine Autokatastrovbe in Westfalen In der Ortschaft H e e ß e n bei Hamm in Westfalen rannte ein Automobil mit mehreren Insassen gegen einen Baum. Der Bankvorsteher Hermeling von der märkischen Bank in Beckum wurde herausgeschleudert und auf der Stelle getötet. Die übrigen Insassen blieben unverletzt.
Ar Unter Trümmern begraben. Auf dem Chemnitzer Sportplatz, wo zurzeit der Riese Machnow zur Schau gestellt wird, stürzte gestern mittag infolge des starken Sturmes die Bretterbude ein und begrub eine Anzahl Schaulustiger unter sich. Eine Frau und drei Kinder wurden schwer, mehrere Kinder leicht verletzt.
Ar Die Falsckmünzer auf der Kirchweih. Bei der Kirchweih in Altdorf bei Nürnberg wurden z w ei F a l s ch m ü n z er auf der Festwiese verhaftet. Die Verhafteten haben die Falschmünzerei seit langem betrieben und bereits eine Menge falscher Zweimarkstücke in Umlauf gesetzt.
Ar Franz Josefs Jagdpartie. Auf einer Iagdpartie in Ischl scheuten gestern Mötzlich die Pferde des Wagens, in dem der österreichische Kaiser mit dem Prinzen Leopold von Bayern saß. Da der Wagen nicht halten konnte, mutzte der Kaiser im Fahren heraus- springen. Inzwischen waren die Pferde beruhigt worden und der Kaiser bestand darauf, in demselben Wagen die Fahrt fortzusetzen. Bei der Rückkehr nack Ischl wurde der Kaiser vom Publikum stürmisch begrützt.
Ar Verschwundene Kronjuwelen? In P r a g geht seit längerer Zeit das Gerücht um, datz die in der Schatzkammer des St. Veit-Turmes aufbewahrten böhmischen Kronjuwelen nicht mehr vorhanden seien. Um den
)at durch den „Liberal" verkünden lassen, die Republik sei in Portugal fest und endgültig erachtet. Es gibt nun kein st erbendes Regiment, von dem man nicht das gleiche ver- pchert hätte. Wenn aber die Regierung „fest sind endgültig errichtet" ist, warum hält man die gehässigste und tyrannischste der Diktaturen aufrecht? Der portugiesische Vertteter gibt zu, datz die Regierung mächtige Feinde hat, draußen weit mehr als drinnen. Vst also die
Mißvergnügten und Monarchisten des Verrats anllagen. Man muß wissen, daß es verboten ist, die Todesursache anzugeben, wenn der Tod erfolgt ist infolge von Gewalt in Gefängnissen oder Zuchthäusern. Ich frage also: Wenn die Republik ihre politischen Gefangenen nicht ermordet hat, toantnt verbietet sie dann, daß die Ursache des im Gefängnis erfolgten Todes angegeben wird? Die in* Gefängnis gestorbenen politischen Gefangenen sind tatsächlich ermordet worden. Auch weiß ganz Portugal, daß ich bei bei meiner Ankunft am Bahnhof in Lissabon hätte ermordet werden sollen. Nur wunderbaren Umständen habe ich es zu verdanken, datz ick dem Tode entronnen bin. Als Ferrer nach einem regelrechten Urteil auf Grund geltender Gesetze verutteilt wurde, da wollte man allen Grund haben, Spanien blutig zu schmähen. Heute aber ist es eine rein demokratische Lehre, Gefangene
zu foltern und zu vergiften und für polittsche Delikte wieder die Todesstrafe einzusetzen. Die Republick geht unter! Aber sie geht nicht unter durch ihre Gegner, sondern durch ihre eigene Schuld.
______________________Freitag, 18. August 1911.
wahren Sachverhalt zu ermitteln, wird morgen unter dem Vorsitz des Kardinals Fürsterzbischof von Prag, Dr. Freiherr Skrbinsky von Hristi«, Primas von Böhmen, eine Sitzung von sieben Würdenträgern, denen die Obhut über die Schlüssel der Schatzkammer obliegt, stattfinden. Es soll in dieser Sitzung der Tag festgesetzt werden, an welchem die Schatzkammer geöffnet und untersucht werden soll.
Ar Portugal im Erdbeben. Seit den letzten Tagen werden in Portugal größere E r d st o ß e verspürt. Sie richten überall viel Schaden an. Die Bevölkerung ist in großer Aufregung und teilweise herrscht schon eine rechte Not.
Ar Für hunderttausend Mark Diamanten gestohlen. Der russische Edelsteinhändler Leon Grusmark unterschlug in Antwerpen für hunderttausend Mark Diamanten und wurde darauf mit feiner Geliebten flüchtig. Man vermutet, daß er sich nach Berlin gewasidt hat.
Ar Eine fchwere Brandkatastrophe in Oberitalien Ein erschütterndes Brandunglück ereignete sich in Lugano. Dort hatte ein spielendes Kind einen Holzstoß in Flammen gesetzt und kam darin um. Ein siebzigjähriger Greis, der dem Kinde zu Hilfe kommen wollte, verbrannte fo schwer, daß er im Sterben liegt. Zwei Oheime des Kindes erlitten ebenfalls schwere Brandwunden, die Mutter wurde vor Schreck wahnsinnig.
Ar Die Cholera am Goldnen Horn. Gestern sind in Konstantinopel mehr als sechzig Cholerafälle vorgekommen. In Angora und Umgegend sind gestern und vorgestern achtzig Cholerafälle festgestellt worden, von denen sechzig tödlich verliefen; auch in anderen Provinzen Anatoliens dauert die Cholera fort.
Ar Noch immer keine Spur von Richter! Aus Saloniki telegraphiert man uns: Fervet Bey, der Kommandant von Ko- sana, kehrte nack Elassona zurück und erllärte, er sehe keine Möglichkeit, die Entführer Richters im Bereich des Olymp zu finden. Der deutsche Konsul rief seinen nach Elassona gesandten Vertrauensmann zurück, weil er nichts ausrichten könne, wenn die Räuber nicht an ihn herantreten. Wegen des bevorstehenden Fastenmonats Ramadan dürften die Nachforschungen bald ganz aufhören.
Das Neueste am Taste',
bin Stratzenbaukostenprozeß.
Das Oberverwaltungsgericht har eine Entscheidung getroffen, die in allen Casseler Haus- und Grundbesitzer-Kreisen lebhaftem Interesse begegnen wird. Es handelt sich dabei um das Casseler Ortssta- tut betreffend die Heranziehung zu den Straßenbaukosten. Unser Berliner Vertreter übermittelt uns über die Oberverwaltungsgerichts-Entscheidung folgenden ausführlichen Berickt: Durch Ortsstatut kann auf Grund des Fluchtliniengesetzes in Gemeinden bestimmt werden, daß bei der Anlegung einer neuen Straße von den angrenzenden Eigentümern, sobald sie Gebäude an der neuen Straße errichten, die Kosten für die Freilegung der Straße, ihre erste Einrichtung, der Entwässerung und der Beleuchtungsvorrichtung gefordert werden. In Cassel ist ein derartiges Ortsstatut erlassen worden. Als .an der Straße errichtet" gelten nack der kündigen Rechffpreckung des Oberverwal- ungsgerichts Gebäude nicht nur dann, wenn ie direkt an der betreffenden Straße liegen, andern es genügt, wenn sie
wirtschaftliche Beziehungen zur Straße haben. Solche hat der Gerichtshof oft schon
Beterin md wir.
(Sht deutsches Dichter-Denkmal für Waterloo!
Man fchreibt uns: Viktor Hugo soll bekanntlich auf dem Schlachtfelde von Waterloo ein Denkmal erhalten. Aber auch die Engländer wollen ihren Dichter aus der Zeit der Befreiungskriege, Byron, dort, wo Wellington und Blücher den großen Korsen besiegten, verewigen. Wenigstens geht das aus dem Ausruf hervor, mit dem sich das Komitee zur Errichtung eines Denkmals für Viktor Hugo bei Belle-Alliance an die Oeffentlichkeit wendet. Es heißt darin: Mit der Wiederkeh» des hundertsten Jahrestages der tragischen Schlacht vom achtzehnten Juni 1815 ist die Erinnerung an Viktor Hugo untrennbar verbunden. Ließ sich doch der Dichter im Juni 1861 in der .dü- stern Ebene" zu zweimonatigem Aufenthalt nieder, der der französischen Kunst und Poesie das erste Buch des zweiten Teils des .Miserables" und das nunmehr klassische Gedicht aus den .Chatiments" schenkte. Einig« Schriftsteller, Dichter und Historiker haben nun gemeint, daß dieser große Augenblick unseres nationalen Genies auf den berühmten Gefilden, wo der Geist der Erinnerung den Dichter infpirierte. gefeiert werden könnte, auf dem Schlachtfelde, wo drei fremde Monumente den kriegerischen Heroismus, den Triumph der Gewalt verherrlichen, während kein einziger Stein die Souveränität des Gedankens, die Revanche der Poesie an dem brutalen Mui verkörpert. Ein solckes Monument muß nüchtern und erhaben fein: Eine mächtige, granitene Säule, auf welcher der wundervolle gallische Hahn des Meisters Auguste Cain krähen wird.
Im übrigen keine Büste und keine Statue, ftitr ein Name und ein Datum. Dieser französische Stein wird nicht nur den epischen Dichter der .Miserables" verherrlicken. sondern alle Künstler der Feder oder des Pinsels, die Waterloo befunden haben: Beranger, Mery und Barthelemv, wie " Casimir Delavigne, Raffet oder Charlet, die alle Frankreick über seine Niederlage trösteten, indem sie sie verherrlichten und ihrer Rasse die Hoffnung auf die Zukunft Wiedergaben. Dieser Gedanke hat das Denkmalskomitee geleitet, mit diesem speziell französischen Programm, das über jede Politik erhaben ist, wendet es sich an alle, die in ihrem Herzen noch die Flamme der Begeisterung und der Erinnerung spüren. Im übrigen vergesse statt nickt, daß sich in England soeben ein Ko
mitee gebildet hat, das die Errichtung eines Denkmals für Bryon in Waterloo an- ftrebt. Sollen wir gegen die großen Geister unseres Landes weniger dankbar sein, als die andern Nationen, und muß es immer das Ausland sein, von dem wir Beispiele und Lehren entgegennehmen müssen . . .? Das Terrain, auf dem sich das Denkmal für Viktor Huao erheben wird, ist dem Komitee unent- aeltlick zur Verfügung gestellt worden. Mit den Arbeiten soll sobald als möglich begonnen werden, da die Enthüllung des Standbildes bereits für neunzehnhundertzwölf in Aussicht genommen worden ist.
Und Deutschland? Haben wir keine Sänger des Befreiungskrieges? Würde sich ein Denkmal für Körner. Arndt. Schenkendorf neben dem Viktor Hugos und Byrons nicht sehen lassen können? Oder: ..Sollen wir gegen die großen Geister unseres Landes weniger dankbar sein als die andern Nationen, und mutz es immer das Ausland fein, von dem wir Beispiele und Lehren ent- gegennehmen müssen. . ." -ng.
Nervöse Traume.
Die Geheimnisse der Menschenseele.
Man schreibt uns: Die Ergebnisse der zahlreichen Untersuckungen, welche die noch iunge Wissenschaft der erperimeniellen Psychologie in den letzten Jahren über die Natur der krankhaften Träume angestellt bat, werden von Professor Horaee Sniders in der .Nature" in folgendem zusammengefaßt: Wenn man den ziemlich umfangreichen Komplex der Träume der Herzkranken ausscheidet, bei denen als Ursache der furchtbaren Angstzustände das unregelmäßige Funktionieren des Herzens und feiner Klappen klar zutage liegt, kann man je nach den Grundursachen, der Hy - ft e r i e, der Epilepsie und der Neurasthenie drei große Gruppen von nervösen Träumen unterscheiden, zwischen die sich selbstverständlich bei gleichzeitigem Vorhandensein mehrere Ursachen sehr zahlreiche und verschiedene Zwischenformen einschieben. Der namentlich bei Frauen häufige hysterische Traum kennzeichnet sich deutlich durch das auffallende Symptom, daß die Träumenden am nächsten Tage nicht mehr unterscheiden können, ob der sie erregende Vorgang ein wirkliches Erlebnis ober nur ein Traumbild war.
So legt zum Beispiel eine hysterische Dame, die nackts von furchtbarem Zahnreißen ge
träumt hat, am nächsten Tage ein heftig schmerzendes Zahnpflaster hinter das Ohr, obwohl sie sich kerngesund fühlt und, in die Enge getrieben, zugibt, daß alles nur ein Traum gewesen fern könne. Den Alko h o ld elir i en chronischer Säufer ähnelt der hysterische Traum insofern, als in ihm häufig widerwärtige Tiere, Scharen von Ratten und Mäusen, Kröten, Schlangen und anderen Ungeheuern, die mit aufgefberrtem Rachen den Träumenden zu verschlingen drohen, eine große Rolle spielen, woraus das Erwachen plötzlich und jäh erfolgt und die Nachwirkung des Traumes auch am Tage in Gestalt erhöhter, nerööfer Erregbarkeit andauert . Der Traum des Epileptikers hat fast immer einen schreckhaften Inhalt und ist oft der Vorbote eines nahen Anfalls, wobei bemerkenswerterweife meistens die Erinnerung an den Anfall gänzlich verschwunden fein kann.
Am weitesten verbreitet ist der krankhafte Traum der Neurastheniker, der bei vielen Nervenschwachen fast Nacht für Nacht mit denselben, natürlich stets unangenehmen Bildern. auftritt. Bei dem angstvollen Traumerlebnis, in dem Räuber, Mörder und Einbrecher, auf den Träumenden losfahrendeLokomoti- ven, Stürze aus dem Luftballon oder von steilen Bergwänden und hohen Gebäuden eine große Rolle spielen, ist der Geängstigte immer der unterliegende Teil. Die reizbare Schwäche des Neurasthenikers, der schon geringen Sckmerzeindrücken gegenüber empfindlich ist, bringt cs dabei oft mit sich, daß ein im Anrücken begriffenes liebel, das im Wachen noch nicht gefühlt wird, mit allen Ueberireibungen des Traumlebens als ein schreckliches Ereignis erlebt wird, und daß zum Beispiel ein in der ersten Entwickelung befindlicher, unbedeutender Abszeß am Arm ,m Traum als eine schwere Armamputation gedeutet wird. Vollständig sinnlos endlich sind die Träume der schwer Geisteskranken, bei denen das der Kontrolle des erkennenden Verstandes völlig entrückte Gehirn zum Tummelplatz wahlloser Vorstellungen wird. -ko-
Siebtes Feuilleton.
Feuer in der Technischen Hochschule in Hannover. Wie uns aus Hannover de- peschiert wird, wurden der physikalische Hörsaal und das physikalische Laboratorium der dorttgen Technischen Hochschule in der »ergangenen Nacht durch Feuer zerstört. Die
Feuerwehr konnte nach zweistündiger Arbeit das Feuer auf feinen Herd beschränken. Der Schaden ist beträchtlich, da wertvolle Einrichtungen mitverbrannt sind. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch unbekannt.
-2- Wehe, wenn er losgelösten ... Ein „Dichter" läßt sich im Nimptscher „Landsmann" aus Anlaß der Anwesenheit des Kronprinzen also vernehmen:
Hurra! man ruft und Hüte schwinget, O Freud'! ... der Himmel hat sich aufgemacht ...
Ein Liebesband den Thron und Volk umschlinget,
Der Kronprinz dankt und jugendfreundlich lacht!
Ein'n Mädchenmund hört man vor Freude stöhn'n:
„Der Kronprinz lacht, ach ist das schön!" Wenn Fürst zum Polk fo freundlich blicket, Das Volk vertrauensvoll sich freut, Mein Vaterland, dann fei beglücket, Vor solchem Bollwerk jeder Feind sich scheut, Denn Frau'n und Mädchen freudig stöhn'n: „Der Kronprinz lacht, ach das ist schön!"
Wir haben uns daraus beschränkt, die beiden letzten Strophen wiederzugeben, da wir bei Abdruck des ganzen Poems befürchten mußten, datz unsere Leser es den Frau'n und Mädchen von Nimptsch nachtun und . . . „stöhn'n" würden.
Immer noch: Bismarck am Rhein. Die fünfzehn preisgekrönten und fünf zum Ankauf empfohlenen Entwürfe für das B is ma r ck - Nationaldenkmal in Bingerbrück, die jetzt von ihren Entwerfern einer Umarbeitung unterzögen werden, gehen von Düsseldorf nach Köln, um dort abermals ausgestellt zu werden. Die übrigen Entwürfe gehen jetzt an die Künstler zurück.
Kurze Notizen. Depeschen aus St. Blasien (Schweiz) zufolge ist dort der bekannte Hüttenbesitzer von Popelins, Mitlied des preuhiscken Herrenhauses, gestern abend gestorben. — In Budapest verstarb gestern der bekannte und hervorragende Professor der Chirurgie, Jonas Baron, der seit langen Jahren der Budapester Universität angehörte. — Nach einer Meldung aus London hat die Lloydsgesellschaft das Monopol für drahtlose Telegraphie in Aegypten erhalten. Sie wird eine sehr starke Station in Port Said errichten, die imstande fein wird, Telegramme bis nach Malta und Aden zu senden, und auch Nachrichten von Kriegsschiffen aller Rattonen entaeaennebmen wird.