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Nr. ?16. L Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Welche unfreundliche Haltung Deutsch, land Frankreich gegenüber an den Tag lege.

Ein Privat-Telegramm berichtet uns aus München: Unter dem Verdachte der Spionage wurde in Würzburg ein frem­der Kunstmaler verhaftet, der sich mit mehreren Artilleristen über einen neuen Zün­der unterhielt und die Leute veranlassen wollte, ihm weitere Auskünfte zu geben.

Depeschen aus Konstantinopel mel­den: Bei der Verfolgung eines südalbanest- scheu Revolutionärs, der den Mutessarif von Algyrokastro zu ermorden versucht hatte, geriet gestern eine türkische Truppenabteilung in ei­nen Hinterhalt und wurde gefangen genommen.

Die PetersburgerNowoje Wremja" bestätigt, daß das deutsch-russische Ab­kommen demnächst unterzeichnet werden wird. Es sei ein vollständiges Einvernehmen erzielt und zwar nach vorheriger Rücksprache mit England und Frankreich, die sich zustim­mend geäußert hätten.

Sie Politik der Tages.

s Ein neuerFall Iatho"? Meldungen aus Berlin zufolge ist gegen P a st o r D. Fischer von der Berliner Markus-Gemeinde beim Konsistorium der Provinz Brandenburg von zwei Personen, die den Kreisen der Ber­liner Stadtmission nahcstehen. Beschwerde wegen Irrlehre einqereicht worden. Pa­stor Fischer soll in zwei Sonntagspredigten über die Person Christi in einer Weise gepre­digt haben, die nach Ansicht der Beschwerde­führenden nicht mit dem Bekenntnis der evan­gelischen Kirche übercinstimme. Ob das Kon­sistorium dieser Anzeige Folge geben wird, ist nickt festzustellen, da das Konsistorium jede weitere Auskunft in der Angelegenheit ver­weigert. Pfarrer Fischer hat amtlich noch keine Kenntnis von der gegen ihn erhobenen Anzeige.

Der Leipziger Milchkrieg beendet! Wie uns ein Privattelegramm meldet, bat der Leipziger Milchkrieg gestern seine schnelle Erledigung gefunden. Während noch vor wenigen Tagen die Milchhändler die er­höhten Forderungen der Landwirte glatt ab­lehnten und dänische Milch einführen wollten, bewilligten sie gestern die erhöhten Preise der Milchproduzenten. Es kam dabei in der Versammlung zu überaus st ü r m i - scheu Szenen und schließlich erklärten zahl­reiche Milchhändler ihren Austritt aus dem Zentralverband. Viele Händler fürchten, sie würden von den Landwirten boykottiert wer­den, die ihre Milch nach Berlin liefern würden, wo gegenwärtig auch Mangel an gu­ter Milch herrsche. In der Tot sollen diesbe­zügliche Verhandlungen stattgefunden haben.

S3 Die Schwäher von Air les Bains. Aus Paris wird uns depeschiert: DerMa- tin" berichtet aus Air les Bains über einen peinlichen Zwischenfall, der sich dort ereignet hat. Zwei französische Offiziere, ein Hauptmann und ein Leutnant, die dort augenblicklich zur Kur weilen, bemerkten gestern nachmittag während eines Spaziergan­ges eine deutsche Flagge, die über einem Re­staurant aufgepklanzt war. Beide Offiziere forderten einen Polizeiagenten, der sieb gerade in der Nähe befand, auf. den Wirtschaftinhaber zu'ersuchen, die deutsche Flagge ein« zuziehen. Als ihrer Aufforderung nickt schnell genug Folge geleistet wurde, ergriff einer der Offiziere die Flagge und riß sie unter dem Beifall der Menge herunter. Darauf hielten beide Offiziere eine Ansprache an die Menge, in der sie die gespannten Beziehungen, die augen­blicklich zwischen Deutschland und Frankreich beständen, hervorhoben und darauf hinwiesen,

Alles, was sie bis heute getan hat, beschränkte sich darauf, den guten Ruf der Monodie wie­der herzustellen. Die Republikaner haben zwanzigmal die Zivilliste verschlungen; alle ihre Reformen bestehen darin, daß sie den Carbonarismus, die Spionage, die Plünde­rung unterhalten, daß sie die zahllosen Forde­rungen ihrer hungrigen Spießgesellen erfüllen. Das ist das Mittel, um mit Eleganz den Un­tergang des Landes herbeizuführen . ..* In diesem Tone geht es weiter, und das Mate­rial, daS Christo zu den schwersten Anllagen wider die gegenwärtigen Machthaber der Re- publick in Portugal auffchichtet, ist tatsächlich so schwerwiegend, daß man sich fragt: Kann das alles nur Ausfluß politischen Hasses. Er­findung politischer Leidenschaftlichkeit sein, oder handelt es sich hier um die Aufdeckung von Schandtaten, deren Urheber Christo alsVerbrecher oder Narren" bezeichnet ...?

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Furcht vor äußern Feinde« her Grund, weshalb die Republik ihre Ge­fängnisse anfüllt und alle Tage drako­nische und despotische Verordnungen erläßt? Man soll angehlich der Republik nichts vorzu­werfen haben, aber eS ist doch schon mehr als genug, wenn die Wahlen erst acht Monate nach der Proklamatton der Republik stattfan­den. und wenn die Diktatur nach den Wahlen fortdauerte. Alle Grenzen aber übersteigt es, daß heute, wo die gesetzgebende Versammlung tagt, die Dittatur sich verewigt. Und im ge­genwärtigen Augenblick noch gibt es weder Preßfreiheit, noch Vereins- oder Versamm­lungsfreiheit; weder Freiheit des Kultus, noch Sicherheit für den Bürger und sein Heim! Tag und Nacht verhaftet man, verhaftet man ohne gerichtlichen Befehl. Man hält die Gefangenen tagelang in Ge­heimhaft, obwohl das Gesetz besagt, daß solche Hast höchstens zwei Tage dauern darf. Man hält die Angeklagten vierzig,

fünfzig Tage lang in dunkler Hast, ohne sie vor den Richter zu führen, während das Gesetz ausdrücklich gewährleistet, daß nie­mand über acht Tage sestgehalten werden darf, wenn seine Strafbarkeit nicht festgestellt ist. Man geht in dem Mißbrauch so weit, daß man die Leute nach vierzehntägiger bis zwanzig­tägiger Einkerkerung entläßt, ohne sie zu be­fragen oder über den Grund ihrer Festnahme aufzullären. Was soll man von einer Ge- betmgesellschaft sagen, die unter der Nase der gesetzgebenden Versammlung in meinem Lande kommandiert? Diese Gesellschaft übt alle Gewalt selber aus: Die richter­liche, die gesetzgebende, die exekutive. Man muß wissen, daß einer der Arftkel in den Satzungen der Carbonaires verpflichtet, die soaenannten Verräter mit Dolch, Feuer oder Gift zu töten. Man mutz wissen, daß die repu­blikanischen Briganten, die unter der Monar­chie ungestraft wühlten, heute die ihrerseits wühlenden

Reu« vom Tage.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.!

itr Der Techniker als Strotzenräuber. Der Teckniker Max Bun sch aus Berlin ist in Düsseldorf wegen Straßenraubs verhaftet worden. Er hatte in einem Hausflur des Düsseldorfer Cityhauses einer Kontoristin eine Mappe mit 1280 Mark Inhalt entrissen und war damit geflüchtet.

Ar Der Leichenfund am Kalker Schlachtbof. Zu dem bereits gestern aus Kalk gemelde­ten grauenhaften Fund einzelner Leichen­teile eines menschlichen Körpers erfahren wir. daß es sich höchstwahrscheinlich um keine weibliche, sondern eine männliche Leiche handelt. Die Suche nach den übrigen Leichen­teilen wird eifrig fortgesetzt.

ja; Eine Autokatastrovbe in Westfalen In der Ortschaft H e e ß e n bei Hamm in Westfalen rannte ein Automobil mit mehreren In­sassen gegen einen Baum. Der Bankvorsteher Hermeling von der märkischen Bank in Beckum wurde herausgeschleudert und auf der Stelle getötet. Die übrigen Insassen blieben unver­letzt.

Ar Unter Trümmern begraben. Auf dem Chemnitzer Sportplatz, wo zurzeit der Riese Machnow zur Schau gestellt wird, stürzte gestern mittag infolge des starken Sturmes die Bretterbude ein und begrub eine Anzahl Schaulustiger unter sich. Eine Frau und drei Kinder wurden schwer, mehrere Kin­der leicht verletzt.

Ar Die Falsckmünzer auf der Kirchweih. Bei der Kirchweih in Altdorf bei Nürnberg wurden z w ei F a l s ch m ü n z er auf der Fest­wiese verhaftet. Die Verhafteten haben die Falschmünzerei seit langem betrieben und be­reits eine Menge falscher Zweimarkstücke in Umlauf gesetzt.

Ar Franz Josefs Jagdpartie. Auf einer Iagdpartie in Ischl scheuten gestern Mötz­lich die Pferde des Wagens, in dem der österreichische Kaiser mit dem Prinzen Leopold von Bayern saß. Da der Wagen nicht halten konnte, mutzte der Kaiser im Fahren heraus- springen. Inzwischen waren die Pferde be­ruhigt worden und der Kaiser bestand darauf, in demselben Wagen die Fahrt fortzusetzen. Bei der Rückkehr nack Ischl wurde der Kaiser vom Publikum stürmisch begrützt.

Ar Verschwundene Kronjuwelen? In P r a g geht seit längerer Zeit das Gerücht um, datz die in der Schatzkammer des St. Veit-Turmes aufbewahrten böhmischen Kronjuwelen nicht mehr vorhanden seien. Um den

)at durch denLiberal" verkünden lassen, die Republik sei in Portugal fest und endgültig er­achtet. Es gibt nun kein st erbendes Re­giment, von dem man nicht das gleiche ver- pchert hätte. Wenn aber die Regierungfest sind endgültig errichtet" ist, warum hält man die gehässigste und tyrannischste der Diktaturen aufrecht? Der portugiesische Vertteter gibt zu, datz die Regierung mächtige Feinde hat, draußen weit mehr als drinnen. Vst also die

Mißvergnügten und Monarchisten des Verrats anllagen. Man muß wissen, daß es verboten ist, die Todesursache anzugeben, wenn der Tod erfolgt ist infolge von Gewalt in Gefängnissen oder Zuchthäusern. Ich frage also: Wenn die Republik ihre politischen Ge­fangenen nicht ermordet hat, toantnt ver­bietet sie dann, daß die Ursache des im Ge­fängnis erfolgten Todes angegeben wird? Die in* Gefängnis gestorbenen politischen Gefan­genen sind tatsächlich ermordet wor­den. Auch weiß ganz Portugal, daß ich bei bei meiner Ankunft am Bahnhof in Lissabon hätte ermordet werden sollen. Nur wunder­baren Umständen habe ich es zu verdanken, datz ick dem Tode entronnen bin. Als Ferrer nach einem regelrechten Urteil auf Grund gel­tender Gesetze verutteilt wurde, da wollte man allen Grund haben, Spanien blutig zu schmähen. Heute aber ist es eine rein demo­kratische Lehre, Gefangene

zu foltern und zu vergiften und für polittsche Delikte wieder die Todes­strafe einzusetzen. Die Republick geht unter! Aber sie geht nicht unter durch ihre Gegner, sondern durch ihre eigene Schuld.

______________________Freitag, 18. August 1911.

wahren Sachverhalt zu ermitteln, wird mor­gen unter dem Vorsitz des Kardinals Fürsterz­bischof von Prag, Dr. Freiherr Skrbinsky von Hristi«, Primas von Böhmen, eine Sitzung von sieben Würdenträgern, denen die Obhut über die Schlüssel der Schatzkammer obliegt, stattfinden. Es soll in dieser Sitzung der Tag festgesetzt werden, an welchem die Schatzkam­mer geöffnet und untersucht werden soll.

Ar Portugal im Erdbeben. Seit den letz­ten Tagen werden in Portugal größere E r d st o ß e verspürt. Sie richten überall viel Schaden an. Die Bevölkerung ist in großer Aufregung und teilweise herrscht schon eine rechte Not.

Ar Für hunderttausend Mark Diamanten gestohlen. Der russische Edelsteinhändler Leon Grusmark unterschlug in Antwer­pen für hunderttausend Mark Dia­manten und wurde darauf mit feiner Ge­liebten flüchtig. Man vermutet, daß er sich nach Berlin gewasidt hat.

Ar Eine fchwere Brandkatastrophe in Ober­italien Ein erschütterndes Brandunglück ereig­nete sich in Lugano. Dort hatte ein spielen­des Kind einen Holzstoß in Flammen gesetzt und kam darin um. Ein siebzigjähriger Greis, der dem Kinde zu Hilfe kommen wollte, ver­brannte fo schwer, daß er im Sterben liegt. Zwei Oheime des Kindes erlitten ebenfalls schwere Brandwunden, die Mutter wurde vor Schreck wahnsinnig.

Ar Die Cholera am Goldnen Horn. Gestern sind in Konstantinopel mehr als sechzig Cholerafälle vorgekommen. In Angora und Umgegend sind gestern und vor­gestern achtzig Cholerafälle festgestellt worden, von denen sechzig tödlich verliefen; auch in anderen Provinzen Anatoliens dauert die Cholera fort.

Ar Noch immer keine Spur von Richter! Aus Saloniki telegraphiert man uns: Fervet Bey, der Kommandant von Ko- sana, kehrte nack Elassona zurück und erllärte, er sehe keine Möglichkeit, die Entführer Richters im Bereich des Olymp zu finden. Der deutsche Konsul rief seinen nach Elassona ge­sandten Vertrauensmann zurück, weil er nichts ausrichten könne, wenn die Räuber nicht an ihn herantreten. Wegen des bevorstehenden Fastenmonats Ramadan dürften die Nachfor­schungen bald ganz aufhören.

Das Neueste am Taste',

bin Stratzenbaukostenprozeß.

Das Oberverwaltungsgericht har eine Entscheidung getroffen, die in allen Casseler Haus- und Grundbesitzer-Kreisen lebhaftem Interesse begegnen wird. Es han­delt sich dabei um das Casseler Ortssta- tut betreffend die Heranziehung zu den Straßenbaukosten. Unser Ber­liner Vertreter übermittelt uns über die Oberverwaltungsgerichts-Entscheidung folgen­den ausführlichen Berickt: Durch Ortsstatut kann auf Grund des Fluchtliniengesetzes in Ge­meinden bestimmt werden, daß bei der Anle­gung einer neuen Straße von den angrenzen­den Eigentümern, sobald sie Gebäude an der neuen Straße errichten, die Kosten für die Freilegung der Straße, ihre erste Einrichtung, der Entwässerung und der Beleuchtungsvor­richtung gefordert werden. In Cassel ist ein derartiges Ortsstatut erlassen worden. Als .an der Straße errichtet" gelten nack der kündigen Rechffpreckung des Oberverwal- ungsgerichts Gebäude nicht nur dann, wenn ie direkt an der betreffenden Straße liegen, andern es genügt, wenn sie

wirtschaftliche Beziehungen zur Straße haben. Solche hat der Gerichtshof oft schon

Beterin md wir.

(Sht deutsches Dichter-Denkmal für Waterloo!

Man fchreibt uns: Viktor Hugo soll bekanntlich auf dem Schlachtfelde von Wa­terloo ein Denkmal erhalten. Aber auch die Engländer wollen ihren Dichter aus der Zeit der Befreiungskriege, Byron, dort, wo Wel­lington und Blücher den großen Korsen besieg­ten, verewigen. Wenigstens geht das aus dem Ausruf hervor, mit dem sich das Komitee zur Errichtung eines Denkmals für Viktor Hugo bei Belle-Alliance an die Oeffentlichkeit wen­det. Es heißt darin: Mit der Wiederkeh» des hundertsten Jahrestages der tragischen Schlacht vom achtzehnten Juni 1815 ist die Erinnerung an Viktor Hugo untrennbar verbunden. Ließ sich doch der Dichter im Juni 1861 in der .- stern Ebene" zu zweimonatigem Aufenthalt nieder, der der französischen Kunst und Poesie das erste Buch des zweiten Teils des .Mise­rables" und das nunmehr klassische Gedicht aus den .Chatiments" schenkte. Einig« Schriftsteller, Dichter und Historiker haben nun gemeint, daß dieser große Augenblick un­seres nationalen Genies auf den berühmten Gefilden, wo der Geist der Erinnerung den Dichter infpirierte. gefeiert werden könnte, auf dem Schlachtfelde, wo drei fremde Monumen­te den kriegerischen Heroismus, den Triumph der Gewalt verherrlichen, während kein einzi­ger Stein die Souveränität des Gedankens, die Revanche der Poesie an dem brutalen Mui verkörpert. Ein solckes Monument muß nüch­tern und erhaben fein: Eine mächtige, grani­tene Säule, auf welcher der wundervolle galli­sche Hahn des Meisters Auguste Cain krähen wird.

Im übrigen keine Büste und keine Statue, ftitr ein Name und ein Datum. Dieser fran­zösische Stein wird nicht nur den epischen Dich­ter der .Miserables" verherrlicken. sondern alle Künstler der Feder oder des Pinsels, die Wa­terloo befunden haben: Beranger, Mery und Barthelemv, wie " Casimir Delavigne, Raffet oder Charlet, die alle Frankreick über seine Niederlage trösteten, indem sie sie verherrlich­ten und ihrer Rasse die Hoffnung auf die Zu­kunft Wiedergaben. Dieser Gedanke hat das Denkmalskomitee geleitet, mit diesem speziell französischen Programm, das über jede Politik erhaben ist, wendet es sich an alle, die in ihrem Herzen noch die Flamme der Begeisterung und der Erinnerung spüren. Im übrigen vergesse statt nickt, daß sich in England soeben ein Ko­

mitee gebildet hat, das die Errichtung eines Denkmals für Bryon in Waterloo an- ftrebt. Sollen wir gegen die großen Geister unseres Landes weniger dankbar sein, als die andern Nationen, und muß es immer das Ausland sein, von dem wir Beispiele und Lehren entgegennehmen müssen . . .? Das Terrain, auf dem sich das Denkmal für Viktor Huao erheben wird, ist dem Komitee unent- aeltlick zur Verfügung gestellt worden. Mit den Arbeiten soll sobald als möglich begon­nen werden, da die Enthüllung des Standbil­des bereits für neunzehnhundertzwölf in Aus­sicht genommen worden ist.

Und Deutschland? Haben wir keine Sänger des Befreiungskrieges? Würde sich ein Denkmal für Körner. Arndt. Schenkendorf neben dem Viktor Hugos und Byrons nicht sehen lassen können? Oder: ..Sollen wir gegen die großen Geister unseres Landes weniger dankbar sein als die andern Nationen, und mutz es immer das Ausland fein, von dem wir Beispiele und Lehren ent- gegennehmen müssen. . ." -ng.

Nervöse Traume.

Die Geheimnisse der Menschenseele.

Man schreibt uns: Die Ergebnisse der zahl­reichen Untersuckungen, welche die noch iunge Wissenschaft der erperimeniellen Psychologie in den letzten Jahren über die Natur der krankhaften Träume angestellt bat, werden von Professor Horaee Sniders in der .Nature" in folgendem zusammengefaßt: Wenn man den ziemlich umfangreichen Kom­plex der Träume der Herzkranken ausscheidet, bei denen als Ursache der furchtbaren Angstzu­stände das unregelmäßige Funktionieren des Herzens und feiner Klappen klar zutage liegt, kann man je nach den Grundursachen, der Hy - ft e r i e, der Epilepsie und der Neu­rasthenie drei große Gruppen von nervösen Träumen unterscheiden, zwischen die sich selbst­verständlich bei gleichzeitigem Vorhandensein mehrere Ursachen sehr zahlreiche und verschie­dene Zwischenformen einschieben. Der nament­lich bei Frauen häufige hysterische Traum kennzeichnet sich deutlich durch das auffallende Symptom, daß die Träumenden am nächsten Tage nicht mehr unterscheiden können, ob der sie erregende Vorgang ein wirkliches Erlebnis ober nur ein Traumbild war.

So legt zum Beispiel eine hysterische Dame, die nackts von furchtbarem Zahnreißen ge­

träumt hat, am nächsten Tage ein heftig schmer­zendes Zahnpflaster hinter das Ohr, obwohl sie sich kerngesund fühlt und, in die Enge ge­trieben, zugibt, daß alles nur ein Traum ge­wesen fern könne. Den Alko h o ld elir i en chronischer Säufer ähnelt der hysterische Traum insofern, als in ihm häufig widerwärtige Tiere, Scharen von Ratten und Mäusen, Krö­ten, Schlangen und anderen Ungeheuern, die mit aufgefberrtem Rachen den Träumenden zu verschlingen drohen, eine große Rolle spielen, woraus das Erwachen plötzlich und jäh erfolgt und die Nachwirkung des Traumes auch am Tage in Gestalt erhöhter, nerööfer Erregbar­keit andauert . Der Traum des Epilepti­kers hat fast immer einen schreckhaften Inhalt und ist oft der Vorbote eines nahen Anfalls, wobei bemerkenswerterweife meistens die Er­innerung an den Anfall gänzlich verschwunden fein kann.

Am weitesten verbreitet ist der krankhafte Traum der Neurastheniker, der bei vielen Nervenschwachen fast Nacht für Nacht mit denselben, natürlich stets unangenehmen Bil­dern. auftritt. Bei dem angstvollen Traumer­lebnis, in dem Räuber, Mörder und Einbre­cher, auf den Träumenden losfahrendeLokomoti- ven, Stürze aus dem Luftballon oder von steilen Bergwänden und hohen Gebäuden eine große Rolle spielen, ist der Geängstigte immer der unterliegende Teil. Die reizbare Schwäche des Neurasthenikers, der schon geringen Sckmerzeindrücken gegenüber empfindlich ist, bringt cs dabei oft mit sich, daß ein im An­rücken begriffenes liebel, das im Wachen noch nicht gefühlt wird, mit allen Ueberireibungen des Traumlebens als ein schreckliches Ereignis erlebt wird, und daß zum Beispiel ein in der ersten Entwickelung befindlicher, unbedeutender Abszeß am Arm ,m Traum als eine schwere Armamputation gedeutet wird. Vollständig sinnlos endlich sind die Träume der schwer Geisteskranken, bei denen das der Kontrolle des erkennenden Verstandes völlig entrückte Ge­hirn zum Tummelplatz wahlloser Vorstellungen wird. -ko-

Siebtes Feuilleton.

Feuer in der Technischen Hochschule in Hannover. Wie uns aus Hannover de- peschiert wird, wurden der physikalische Hör­saal und das physikalische Laboratorium der dorttgen Technischen Hochschule in der »ergan­genen Nacht durch Feuer zerstört. Die

Feuerwehr konnte nach zweistündiger Arbeit das Feuer auf feinen Herd beschränken. Der Schaden ist beträchtlich, da wertvolle Einrich­tungen mitverbrannt sind. Die Entstehungs­ursache des Brandes ist noch unbekannt.

-2- Wehe, wenn er losgelösten ... Ein Dichter" läßt sich im NimptscherLands­mann" aus Anlaß der Anwesenheit des Kronprinzen also vernehmen:

Hurra! man ruft und Hüte schwinget, O Freud'! ... der Himmel hat sich aufge­macht ...

Ein Liebesband den Thron und Volk um­schlinget,

Der Kronprinz dankt und jugendfreundlich lacht!

Ein'n Mädchenmund hört man vor Freude stöhn'n:

Der Kronprinz lacht, ach ist das schön!" Wenn Fürst zum Polk fo freundlich blicket, Das Volk vertrauensvoll sich freut, Mein Vaterland, dann fei beglücket, Vor solchem Bollwerk jeder Feind sich scheut, Denn Frau'n und Mädchen freudig stöhn'n: Der Kronprinz lacht, ach das ist schön!"

Wir haben uns daraus beschränkt, die bei­den letzten Strophen wiederzugeben, da wir bei Abdruck des ganzen Poems befürchten mußten, datz unsere Leser es den Frau'n und Mädchen von Nimptsch nachtun und . . . stöhn'n" würden.

Immer noch: Bismarck am Rhein. Die fünfzehn preisgekrönten und fünf zum Ankauf empfohlenen Entwürfe für das B is ma r ck - Nationaldenkmal in Bingerbrück, die jetzt von ihren Entwerfern einer Umarbeitung unterzögen werden, gehen von Düsseldorf nach Köln, um dort abermals ausgestellt zu werden. Die übrigen Entwürfe gehen jetzt an die Künstler zurück.

Kurze Notizen. Depeschen aus St. Blasien (Schweiz) zufolge ist dort der be­kannte Hüttenbesitzer von Popelins, Mit­lied des preuhiscken Herrenhauses, gestern abend gestorben. In Budapest verstarb gestern der bekannte und hervorragende Pro­fessor der Chirurgie, Jonas Baron, der seit langen Jahren der Budapester Universität angehörte. Nach einer Meldung aus Lon­don hat die Lloydsgesellschaft das Monopol für drahtlose Telegraphie in Aegyp­ten erhalten. Sie wird eine sehr starke Station in Port Said errichten, die imstande fein wird, Telegramme bis nach Malta und Aden zu senden, und auch Nachrichten von Kriegsschif­fen aller Rattonen entaeaennebmen wird.