Nummer 216.
1. Jahrgang.
hessische Abendzeitung
Csflrler Abendzeitung
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Freitag, den 18. August 1911.
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Alte md neue Welt.
Mn kultureller Riesenkampf in Belgien.
Brüssel, 17. August. (Telegramm unsers Korrespondenten.) Analog der am letzten Dienstag im hiesigen GilleS-Park veranstalteten Riesen-Demonstration für das allgemeine Wahlrecht und die Schulreform, sollen auch in den übrigen großen Städten des Landes Masseu- Demonstrationen veranstaltet werden. Das nächste Riesen-Meeting ist in Antwerpen geplant und soll am nächsten Sonntag stattfinden. Die Brüffeler Kundgebung am letzten Dienstag hat im ganzen Lande große Begeisterung geweckt und bedeutet den Beginn des belgischen Kulturkampfes.
Die vorgestrige Riesen-Demonstra- kkon der Dreihunderttausend in der belgischen Hauptstadt bildete die Einleitung zu einem noch unabsehbaren Kampf zwischen der zurzeit herrschenden reaktionären Regierung und den zum Sturz des Kabinetts ber« bundnen Parteien der Linken. Wie es der vereinten Kraft der Liberalen und der Sozialisten in England gelang, die Macht der konservativen Partei zu brechen, so soll nun auch Belgien ein neuer Geist durchdringen, damit die allgemeine Bildung im Volk auf eine höhere Stufe gebracht wird. Drei Dinge waren es schon immer, die in Belgien zur Ursache der heftigsten Fehden wurden: Das allgemeine und gleiche Wahlrecht, die allgemeine und persönliche Wehrpflicht und der obligatorische Schulunterricht. Von diesen strittigen Punkten sind die ersten beiden in den jüngsten Jahren zumteil im Sinne einer liberalen Weltanschauung erledigt worden, die Volkmehrheit verlangt indessen eine völlige Durchsetzung der ausgestellten Forderungen, damit auch der letzte Rest des alten Regimes beseitigt werde. Die gewaltige Manifestation galt jetzt in erster Linie der Beseitigung des Plural Wahlrechts, von dem die am Ruder befindliche Partei unter keinen Umständen lassen will. Ein Organ der Regierung verspottet heut die Riesen - Kundgebung der Dreihnnderttausend, weil sie „die Sturmglocke ohne Not gezogen habe", aber der Eindruck der Zusammenkunft wird sich bald im ganzen belgischen Land geltend machen: Die neue Zeit klopft auch in Belgien gebieterisch an die Pforten der Regierenden, und die Grundmauern veralteter Tradition erzittern in ihrem Gefüge vorm Anprall des Fortschritts und der Kultur.
Belgien darf sich glücklich schätzen, daß es in König Albert ein durchaus modern empfindendes Staatsoberhaupt mit gesunden, freimütigen Anschauungen besitzt, das gleichfalls von der Steigerung der Volkbildung eine Stärkung des belgischen Staats erwartet. Schon in seiner ersten Thronrede sagte der König: „Um das Niveau der nationalen Erziehung zu heben, die die fruchtbarste Quelle der Produktivität ist, darf das Land vor keinem Opfer zuröckschrecken. Ich werde stets bereit sein, die Bemühungen Derer zu unterstützen, die das intellektuelle und moralische Wesen heben, Unterricht und Erziehung verbessern wollen .. .1“ Durch die Mauer des Pluralwahl- rechls von der politischen Einflußsphäre gehemmt, vermag die Linke nicht in den Besitz einer parlamentarischen Mehrheit zu gelangen, mit der sie die Erfüllung der Wünsche des Königs durchsetzen kann, und deshalb soll eine Umformung des Wahlsystems vorgenommen werden. Das Pluralwahlrecht (mit einer pro« portionellen Vertretung der Minderheit) gestattet zwar auch dem dritten Stand, einigen Einfluß auf die Gesetzgebung zu üben, aber es hat sich doch nicht in der erwarteten Weise bewährt. So lange die gesetzgebenden Körperschaften noch ganz in den Händen der Reaktion sind, ist nach Ansicht der Linken eine gründliche Besserung nicht zu erwarten, und deshalb soll erst aus dem völligen Zusammenbruch der reaktionären Herrschaft die neue Saat belgischer Volkkultur emporsprietzen.
Die Erregung unter den Streitern wird allerdings begreiflich, wenn man sich den niedrigen Stand der V o l k b i l d u n g in Belgien vergegenwärtigt: Erst jüngst ist ans Grund einer zuverlässigen militärischen Statistik fest- gestellt worden, daß noch heute gegen zwanzig vom Hundert der Rekruten weder lesen noch schreiben können. Obwohl der Rückstand in der Bildung auch von allen vorurteilfreien Anhängern der Rechten eingeräumt wird, geschieht doch nichts Ernstliches, um einen Wandel eintreten zu lassen. Das Schulpflichtgesetz (das erst nach schweren Kämpfen durchgesetzt werden konnte) wird wieder durch allerlei Ränke
hinfällig gemacht, und die Allgemeinheit ist in Belgien so dumm wie zuvor. Die Gegner der Volkbildung fürchten aus ihr „die Entchrist- lidjung", und deshalb wird der Weg znr organischen Ausbildung des Schulwesens immer wieder verrarnmt. Nun bereitet sich ein ung e« heures Ringen zwischen der veralteten Weltanschauung und der modernen Zeit vor, und das an Erschütterungen und leidenschaftliche Parteikämpfe gewöhnte Land geht Ereignissen entgegen, wie sie nach dem Urteil belgischer Politik selbst in Belgien noch nicht erlebt sind. Eingedenk des bekannten Satzes, daß, wer die Jngend hinter sich hat, leicht Herrscher des Volks sein kann, werden die Waffen zum Entscheidungkampf um Schule und Wahlreform geschmiedet, und dieser Kampf wird hüben und drüben mit einer Leidenschaftlichkeit geführt werden, die leicht katastrophale Ereignisse von unabsehbarer Tragweite heraufbeschwören kann.
Das Land wird vor die politische Probe gestellt: Ob es reif ist, sich fein ferneres Schicksal ohne revolutionäre Ausschreitungen selbst zu bereiten, oder ob es (wie bisher) des Gängelbands kultureller Reaktion bedarf. Durch die Massenkundgebungen im Gilles-Park sind die Kämpfe jetzt aus dem Parlament auf die Straße getragen, und nach Brüssel sollen sich die Manifestationen an allen größeren Orten des belgischen Staates fortsetzen. Man will keine Ruhe mehr eintreten lassen, bis das jetzige Kabinett gestürzt ist und ein liberal- radikales Ministerium berufen wird. Das französische Vorbild soll also in Belgien regelrecht nachgeahmt werden: Die Sturmglocke erschallt, und gegen die Angriffe der Linken wird das Slwccckgefpenst des „Kampfes gegen Gott" ins Feld geführt. Alte und neue Welt ringen einen verzweifelten Kampf, einen Kampf, von dessen Ausgang die kulturelle und geistige Zukunft des belgischen Volks abhängig ist und dessen Endwirkungen heut noch nicht abzuschen sind. Belgien, das Land der Massen-Jndustrie unb des hochentwickelten technischen Fortschritts, ist (was die allgemeine Volkbildung anbelangt) Rußland nicht weit überlegen, und dieser schrosse Gegensatz zwischen Volk-Intellekt und wirtschaftlicher Entwicklung ist die Frucht des herrschenden politischen Systems, das die große Masse des Volks von der Anteilnahme an der Gestaltung der Landesgeschicke brutal ausschließt und die Massen auch jeder Gelegenheit beraubt, das Niveau der Volkbildung durch die Erziehungarbeit der modernen Schule zu heben. Der beginnende Riesenkampf zwischen alter und neuer Welt ist also letzten Endes ein Ringen um Kul - t u r und Entwicklung, und wie es überall geschehen, wo der Geist der neuen Zeit wider die überlebte Dürftigkeit kulturarmer Vergangenheit rang, wird hoffentlich auch Belgien ein glücklicher Ausgang des Kampfs beschieden fein: Ein Sieg der Kultur! **
Wilhelmshöhe und Marokko?
Bethmann und Kiderlen beim Kaiser.
Reichskanzler von Bethmann
H o l l w e g trifft heute abend um 7.56 Uhr aus Berlin mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Am s, von Kiderlen- W a e ch t e r, aus Schloß Wilhelms- Höhe ein. In der Gesellschaft der beiden Herren befindet sich auch der deutsche Botschafter in Konstantinopel, Freiherr von Marschall.
Offiziell wirb bie Reise ber drei Staatsmänner noch Wilhelmshöhe damit begründet, daß am Freitag mittag im Schloß Wilhelmshöhe anläßlich des Geburtstags des Kaisers von Oesterreich Galatafel stattfin- bet, zu der sowohl der Reichskanzler, wie auch der Staatssekretär des Auswärtigen Amts befohlen worden seien. Und bezüglich der Reise des Botschafters Freiherrn von Marschall wird daraus hingewiesen, daß der Botschafter sich „wie üblich, vor der Rückkehr auf feinen Posten in Konstantinopel beim Kaiser zu melden pflege". Daß indessen die hier angeführten Umstände die einzigen Ursachen der Staatsmännerfahrt nach Wilhelmshöhe sind, ist kaum anzunehmen, es dürste vielmehr die Auffassung berechtigt fein, daß die Reise der drei Diplomaten mit den Marokko-Verhandlungen in Zusammenhang zu bringen ist Daraus deutet auch der Umstand hin, daß Freiherr von Marschall (der bei allen „großen Fragen" unsrer auswärtigen Politik ein sehr beachteter Ratgeber zu sein vflegt) mit Bethmann und Kiderlen z u s a m = m e h die Fahrt nach Wilhelmshöhe angetreten bat lieber bie Verhandlungen in Wilhelms-
Höhe liegt übrigens bereits eine offiziöse Auslassung vor:
es3 Berlin, 17. August.
(Eigene Drahtmeldung.)
Anscheinend offiziös schreibt der „Lokal-Anzeiger": Französische Blätter haben ber Meinung Ausdruck gegeben, von ber in Schloß Wilhelmshöhe bevorstehenden Begegnung bes Kaisers mit bem Kanzler unb dem Staatssekretär des Aeußereu werde ber Abschluß des Marokko-Abkomm e.ns abhängen. Diese Ansicht ist unzutreffenb. Die Verhandlungen sind nochnichtsoweit gediehen, daß die Zustimmung des Kaisers zu ihrem Abschluß eingeholt werden könnte. Sollte der Aeußerung der ftanzösischen Presse die Absicht zugrunde liegen, den Kaiser zum pe r f ö n= lichen Eingreifen zu veranlassen, so wäre dies ein nutzlofes Beginnen. Der Monarch ist immer auf dem Laufenden und mit ber Behandlung ber Angelegenheit durch seine Beauftragten einverstanden.
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lieber den augenblicklichen Stand ber Marokkofrage erklärt ber „Lokalanzeiger", baß Herr von Kiderlen unb Herr Jules Cam- hon immer noch bemüht sinb, über bie allgemeinen Grundlagen bes Abkommens zu einer Einigung zu gelangen. Eine volle Verstänbigung hierüber ist aber noch nicht erzielt, und man werde sich also gedulden müf« fen. Augenscheinlich lege Frankreich kein großes Gewicht auf die deutsche Kolonie Togo, sodaß über die Abtretung dieser Kolonie (von der in früheren Stadien der Verhandlung wohl gesprochen wurdet nicht mehr beraten werde. Man scheine jetzt hauptsächlich über das Hinterland von Kamerun zu sprechen, und wieweit Teile von ihm als Kompensation für Deutschland in Frage kommen könnten.
Her Frankfurter Presse Skandal.
Endlich eine Erklärung!
Nachdem nun bald eine Woche feit der Veröffentlichung der schweren Anklagen gegen den „Frankfurter General-Anzeiger" durch die „Frankfurter Nachrichten" vergangen, veröftentlicht der beschuldete „General-Anzeiger" eine Erklärung, in der er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als unwahr bezeichnet. Der „General-Anzeiger" erklärt als „völlig unwahr alles, was von den „Frankfurter Nachrichten" über alle angeblichen Beziehungen bes „General-Änzeigers" ober seines Verlegers zu ber „Fackel" gesagt würbe". Unwahr sei speziell die Behauptung über den intimen persönlichen Verkehr des Verlegers des „General-Anzeigers" mit dem Herausgeber der „Fackel". Unwahr sei ferner auch die Behauptung, daß die Verösfent- lichungen in der „Fackel" vom Verleger des „General-Anzeigers" bestellt waren, oder daß der „Fackel" dafür vom „General-Anzeiger" oder seinem Verleger irgendwelche Belohnung gegeben, versprochen oder in Aussicht gestellt worden sei. Der „General-Anzeiger" teilt schließlich mit, daß er gegen die Urheber der Beschuldigungen Strafantrag gestellt habe.
Den Kernpunkt der Dinge, daß bie Angriffartikel der „Fackel" gegen die „Frankfurter Nachrichten" in der Redaktion des „General-Anzeigers" geschrieben und von Redakteuren unb Beamten bes „General-Anzeigers" verfaßt worben sinb, vermag der „General-Anzeiger" charakteristischer- weise nicht zu bestreite». Er sagt nur: „Wahr ist ferner, daß einzelne Angestellte des „Frankfurter General Anzeiger" ohne Auftrag unb ohne Mitwirkung des Verlegers ober des Verlages auf eigene Faust und aus einem gewissen lieber» eifer heraus der „Fackel" zu ihrem Vorgehen gegen den unlautcrn Wettbewerb der „Frankfurter Nachrichten" weiteres Material zur Verfügung gestellt haben."
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Baptist und Fritz.
Als Antwort auf die Erklärung bes „General-Anzeigers veröffentlichen bie „Frankfurter Nachrichten" heute das Faksimile eines Briefes, den der Chefredakteur des „General-Anzeigers, Fritz Mathern an den Herausgeber ber „Fackel", Baptist Müller-Her- furth, gerichtet hat. Dieses interessante Briefchen hat folgende» Wortlaut: „Lieber Baptist! Anbei eine Kleinigkeit. Hoffentlich kannst Du es noch unterbringen. Besten Gruß! Fritz." Sind das „die Angestellten des General-Änzeigers, die aus einem gewissen Uebereifer heraus dem Fackel Mann Material zur Verfügung gestellt haben"? Ferner veröffentlichen die „Frankfurter Nachrichten" bas Faksimile einer Quittung bes „Fackel"-Herausgebers über das vom General-Anreiaer bezogene „Propeganda-
Material". Im übrigen halten die „Frankfurter Nachrichten" sämtliche von ihnen gegen den „General-Änzeiger" erhobenen Beschuldigungen ausrecht und erklären: „Das ganze Bedrohungs-System Müller-Horstmann soll ausgedeckt werben. Pardon wird nicht gegeben!" Die mitgeteilten Proben genügen, um zu zeigen, wie tief ber Sumpf ist, ber ba (endlich!) aufgedeckt worden ist. **
Streit Md Hungersnot.
Der soziale Riesenkampf in England.
Der englische Arbeitskampf nimmt immer bedrohlichere Formen an und die Gefahr einer wirtschaftlichen Katast r o p h e ist in allernächste Nähe gerückt. Falls es nicht gelingt, noch in letzter Stunde eine Verständigung herbeizuführen, müssen fchon die nächsten Tage den Ausbruch eines Stampfet auf ber ganzen Linie bringen. Gestern abenb trat in London der Ausschuß der Gewerkschaften zu einer Beratung zusammen, ohne aber bestimmte Beschlüsse zu fassen. Die eigentliche Entscheidung wird erst heute fallen. Die Hoffnung auf die Möglichkeit einer Verständigung ist aber so gut tote geschwunden und die Presse beurteilt die Sage allgemein sehr pessimistisch, lieber de» augenblicklichen Stand der Dinge berichten uns
Sie neuesten Depeschen:
Liverpool, 17. August.
Gestern abend kam es im Scotland RoaK Distrikt abermals zu tumultuösen Sze«, nen. Die Polizei machte einen Knüttel-, a n q r i f f auf bie Menge unb mußte schließlich Mannschaften des Warwikshire - Regiment- requirieren. Die Truppen biwakierten in de», Straßen unb bie Tumultuanten zerstreuter, sich hierauf. Wie sich herausstellte, befanber, sich unter ben Demonstranten nur wenige Streikende, das Hauptkontingent stellte vielmehr der Janhagel, bet bie Lage für sich auszunutzen sucht.
Manchester, 17. August.
Die Sage in Manchester wirb immer vev^ zw eise11er. Die Hungersnot, mit bet in ben letzten Tagen wiederholt gedroht worden ist, ist seit gestern mittag zur Tatsache geworden. Selbst zu den höchsten Preisen kann man kein frisches Gemüse oder Fleisch auftreiben. Die wohlhabenderen Leute können vorläufig noch ihre Zuflucht zu Konserven nehmen, dagegen ist bie ärmere Bevölkerung direkt dem Hunger preisgegeben, und es macht sich allgemein ein tatsächlicher Notstand bemerkbar.
London, 17. August.
Nach einer Unterredung im Handelsamte erklärte gestern der Beauftragte der Midland- Eisenbahn, nachdem bie Regierung ben Eisen- bahngefellschasten weitgehenden Sch u tz zugesichert habe, feien die Gesellschaften bereit, im Streikfalle einen brauchbaren, wenn auch eingeschränkten Dienst durchzuführen. Der Streik werde insolgedessen den Verkehr zwar erschweren, ihn aber nicht l ahm - legen können, und damit fei bie größte Geßahr beseitigt.
Wie ein weiteres Telegramm aufr London berichtet, teilte nach Schluß der gestrigen Sitzung des Unterhauses Schatzkanzler Lloyd George mit, daß der Handels- miniftet gestern eine Besprechung mit den Vertretern der Eisenbahngesellschaften und ihren Angestellten gehabt habe. Er habe die Angestellten für Donnerstag zu einer neuen Zusammenkunft eingeladen und hoffe zuversichtlich, daß sich in diesen Verbandluu- gen eine Beilegung des K onflikts erzielen lassen werde.
Verbrecher oder Narren?
Machthaber der portugiesischen Republfl.
(Von unferm Korrefpondenten.)
Der portugiesische Republikaner und Journalist HomemEhristo.der einer Derjenigen war, die den Sturz König Manuels am lautesten ge- predigt haben, befindet sich jetzt vor seinen eigenen früheren Freunden, die ihm nach dem Leben trachten, aus der Flucht und hat soeben in einem massenhaft verbreiteten Ausruf mit dem Titel: „Das Regiment von Verbrechern und Narren am Tajoschwere Anklagen gegen die portugiesische Regierung gerichtet. Es wird uns darüber geschrieben:
Christo wehrt sich in einem Vorworte dieses Aufrufs (ber in Portugal sofort konfisziert würbe) bagegen, daß er mit feinen Anklagen etwa Schriitmacherdienste für bie Roy allsten machen möchte, unb er bekennt sich augenblicklich beshalb als Feind der herrschenden republikanischen Strömung, weil er eingesehen hat, daß sie für das Land ebenso unheilvoll ist, wie das frühere Königreich. Es verlohnt sich, aus dem Aufruf einige interessante Streiflichter im Wortlaut toiederzugebeu. So heißt es da: .Der portugiesische Vertreter in Madrid