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Nummer 21S.

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hessische pbtnöjtitnng

Lssseler pbrnbjtitung

Fernivrecker 951 und 952.

Donnerstag, den 17. August 1911

Fernsprecher 951 und 952.

®WNafselrr Neueste Nachrichteu" erscheinen wöchentlich sechsmal unk zwar 6«»b<. Ter ebotmtmentiprtU beträgt monatlich soPsg. bei freier Zu- fteCttng in« Haus. Druckerei, Verlag u. Redaktion: Echlachthofiiraße 28/30. Berliner Vertretung: SW. Friedrichstraße ich Telephon: Amt IV, 676.

JnsertionSpreise: Di« sechs gespaltene Zeile für einheimische »eschäste 15 Pf», für auswärtige Inserat, 25 Pf. Reklame,eil« sür einheimisch« Se- schäfte 40 Pf. für auswärtige 60 Pf. Geschäftsstelle: «Slnische Straß« 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV. 676.

Fata Moraana?

,Die Besprechungen werden fortgesetzt!"

ZettungS-Nottzen; lieber die deutsch, französischen M arokko < B er Handlungen hat daS französisch« Ministerium des Aeußern gestern mittag folgende Note auSgegeben: Im verlaufe einer neuen Unterhaltung, die am Montag stattfand, haben die Herren Tambon und von Kiderlen-Waechter fortgefahren, die Unterlagen der Verhandlungen auszuarbeiten... Ferner aus Berlin: Entgegen Pariser Erwartungen stellt derBörsen - Courier" fest, daß man im Berliner Auswärtigen Amte nicht daran denkt, Mitteilungen über den Stand der Marokko-Verhandlungen durch eine Note zu machen. Die BerlinerRational-Zeitung", von der tie Rede geht, daß ihres Daseins Abendschat- ien durch das freundliche Interesse des Herrn Alfred von Kiderlen-Waechter, des Staatssekretärs im Deutschen Auswärtigen Amt versonnt werde, erzählte am Montag abend, der Herr Staatssekretär des Auswärti­gen Reichgeschäfts rüste zur Fahrt gen Wil- helmshöhe, um dem im Hessenland zur Ferienrast weilenden Kaiser über den Stand des (nun schon überlang ausgedehnten) Marokko-Geplauders Bericht zu erstatten. Hell­hörige Leute wollten daraus schließen dürfen, daß die mit bewundernswerter Ausdauer im­mer wieder alsnormal" gepriesnen Verhand­lungen zwischen den Herren Kiderlen und Cam- bon nunmehr nahk vorm Abschluß ständen, und Herr von Kiderlen lediglich deshalb zur Fahrt nach Wilhelmshöhe rüste, um für das Resultat des wochenlangen Handels die allerhöchste Sanktion zu erbitten. Daß zum letzten Geplarz- der der beiden Marottq-Manager auch der Kanzler des Reichs aus der Stille von Ho­henfinow nach der Wilhelmstraße geeilt war, wurde von denselben Propheten als Be­weis nahen Aktschlusses gedeutet, und der Pa­riserMatin" war denn auch bereits in der an­genehmen Lage, den Grundriß des freund- nachbarlichen Abkommens zwischen den Rei­chen ost- und westwärts der Vogesen zu offen­baren, während das Organ der berliner Wil­helmstraße, dieNorddeutsche Allgemeine Zei­tung", stch bisher damit begnügt hat, sestzustel- len, daß die deutsche Presse während des errig- nisbunten Marokko-Handelskühl und ver­trauend geblieben" sei.

Wohl nicht ganz ohne Grund: Man braucht die Ruhe und Zurückhaltung der Presse noch rin Weilchen, und heute vielleicht mehr denn je. So spielt man frfere couchon, schlägt ihr leutselig und begütigend aus die Schulter und spricht:Oes, seid's stad. Als­dann ... wartet's noch a bisserl!" In Wirk­lichkeit nämlich war vonKühle" undVer­trauen" in den letzten Wochen kaum mehr viel zu spüren. Höchstens von jenem kühlen Ver­trauen, von dem zumeist der davon Betroffne sich nicht gerade geehrt zu fühlen pflegt. Man hatte in breiten Schichten der Nation denhe­roischen Gestus von Agadir" doch wohl nicht ganz verstanden. Oder richtiger: Man hatte ihn heroischer aufgefaßt, als er von Herrn von Kiderlen offenbar gemeint war. Der hatte (wir haben aus leidlicher Kenntnis dieser Dinge, auch der hinter den Kulissen spielenden, hier schon mehrfach andeutend dar­auf hingewiesen) ohne Gemütswallungen und Pathos ein ganz nüchternes Handelsgeschäft mit Frankreich abschließen wollen. Dieser ma­rokkanische Sprudel, der bald heiß empor zischte, bald mit unruhigem Brodem die Luft erfüllte, sollte ein für allemal verstopft werden. Dafür sollte Frankreich etwas zahlen; dafür »ar aber auch vom Anbeginn an Herr von Ki- »erlen Opfer zu bringen bereit, und daß er die Schiffe nach Agadir dirigierte, geschah wohl nur, um die Herren, die nach Pichon in schnel­lem Wechsel die französischen auswärtigen Ge­schäfte leiteten, und die sick gar zu begriffsstutzig zeigten, auf «ine mehr eindringliche als höf­liche Art von der Notwendigkeit der Verhand­lungen zu überzeugen. Bei diesem Kalkül scheint Herrn von Kiderlen nun ein Irrtum unterlaufen zu sein. Er mochte geglaubt ha­ben: Die Franzosen würden in dem Augenblick, wo sie erkannten, daß wir's nicht auf Marokko abgesehen hatten, uns vor Freude um den Hals fallen und alles bewilligen, was wir sonst nur irgendwie forderten.

Aus solchen hoffnungfreudigen Stimmun­gen sind dann wohl auch jene abenteuerlich- feltsamen Gerüchte über dasgroße Ko­lonialreich" entstanden, die vor einigen Wochen durch die Blätter zogen. Indessen fan­den wir dann ja bekanntlich die französischen Kolonialinteressenten und vor allem Eng­land auf unserm Wege» und so zerrann der stolze Traum von dem Zentralafrikani­schen Reich, das vom Kongo und Deutsch- lüdwelt bis nach Dftaftifa reichen sollte, in

eitel Nebeldunst. Nach Marokko selber, gar nach irgend einem Teil von ihm oder auch nur nach einer Einflußsphäre in ihm hat Herr von Kiderlen und haben Kaiser und Kanzler (leider wird das immer klarer!) kaum in irgend einem Stadium der Angelegenheit gestrebt. Deshalb ist es auch vielleicht eine Uebertret- bung, zu sagen: Wir hätten unsfeig geduckt" und seien vor den FranzosenSchritt für Schritt zurückgewichen". Unsre leitenden Politiker haben offenbar gar nicht erst zu wagen gewagt. Für den Staatssekre­tär hat die Concordien-Formel vielleicht nur gelautet: Wirtschaftliche Garantien und dazu noch die sogenannten Kompensationen. Viel­leicht ist aber das Erzielte (oder das, was dem­nächst erzielt werden wird) auch bei unsrer übergroßen Bescheidenheit noch nicht genügend. Wir, die wir bei unsren kolonialen Abmachun­gen eigentlich noch nie von überschweng­lichem Glück verfolgt wurden, laufen jedenfalls auch diesmal Gefahr, den Kürzern zu ziehen. Natürlich muß man abwarten, was das Ab­kommen uns bietet, und erst dann je nach Be­darf und Temperament die hohenpriesterlichen Gewänder zerreißen und den Zorn des Höch­sten auf die Allerhöchsten herabslchen. Aber die erbitterte Stimmung ist schon da und durchwühlt neben den rauhen Schwätzern von derPost"°Couleur auch vielfach unsre besten Patrioten.

Man erkennt allgemein: Wir haben zu lange eine auswärtige Politik grundsatzloser Schwäche getrieben, haben mit lautem Ge­töse die unliebsame Aufmerksamkeit der gan­zen Welt auf uns gelenkt und im entscheiden­den Moment doch immer wieder uns als Schnock, der Schreiner, entpuppt. Sind dabei aus einer Position nach der andern verdrängt worden und haben Haß gesät, ohne Furcht, geschweige denn Achtung zu ernten. Das alles drückt auf uns und macht uns unwirsch: läßt im Verein mit dem Wettersturz, der auf die erste Agadirer Hoffnung gefolgt ist, und der auf die Dauer lähmenden Ungewißheit ein Gefühl tiefen Unbehagens aufkommen, und alle die wilden Meldungen französischer Blätter für bare Münze nehmen. Wie kläg­lich nehmen sich gegenüber dieser Stimmung die Argumente der Negierung aus: Wir ver- handeln noch immer; unterhandeln heute auf aussichtsreichrer Basis als je zuvor. Herr Ju­les Cambon gibt sich ehrliche Mühe, etwas zu­stande zu bringen. Sollen wir ihm, der es ohnehin schwer hat, sein Werk noch mehr erschweren? In einem Moment, wo die Dinge sich endlich zum Guten zu neigen beginnen, durch Anrufung der Oeffentlichkeit die ganze unsäglich mühsame Einigung aufs Spiel set­zen? Aber leider: Für unsere Regierung (oder: Gott sei Dank, vom Standpunkt der all­gemeinen Politisierung des deutschen Volks aus betrachtet) verfangen solche Argumente nicht mehr und man würde nun nach der letz­ten Wochen überlanger Plage endlich befreit aufatmen, wenn Herr Alfred von Kiderlen- Waechter in diesen Tagen nach Wilhelmshöhe käme mit der prompten Meldung:Marok­ko ex! Der Handel ist erledigt!" Und wenn er dabei jene schöne Genugtuung empfinden dürfte, die die Gewißheit klugen Han­delns nach langen Enttäuschung-Tagen um­so wertvoller macht . . .! **

3er Krach von Medernwdau.

Achthunderttaufend Mark unterschlagen!

Darmstadt, 15. August. (Tele­gramm.) Bei dem Versuch, den Spar- und Kreditv erein, e. G. m. u. H Riedermodau, zu sanieren, ergab sich ein Fehlbetrag von achthundert­tausend Mark Bereits vor drei Fah­ren wurde ein Fehlbetrag von 398 000 Mark fefigestellt, der aber gedeckt worden ist. Für den neuerlichen Fehlbetrag ist zweifellos der Kassierer Adam verant­wortlich zu machen, da er eine große Zahl von Einnahmeposten nicht gebucht hat. Adamistflüchtig. Der Fehlbetrag soll durch die Mitglieder gedeckt werden.

Heber die aufsehenerregenden Uitterschiesse werden uns von unserm Darmstädter Korrespondenten folgende Einzelheiten berichtet: Di« Finanzkatastrophe erregt in dem kleinen, kaum vierhundert Seelen zählenden Orte Riedermodau ungeheures Aufsehen, da auch schon früher Unterschlagungen in der Kasse des Spar - und Kreditvereins vorge­kommen waren. Die Landwirtschaft­liche Genossenschaftsbank in Darm­stadt hatte seinerzeit mit Hilfe der hessischen Landwirtschaftlichen Genossen­schaft eine Sanieruna der Kasse in die

Wege geleitet. Der Kassierer Philipp Adam wurde zur Niederlegung seines Postens veran­laßt. Seitdem war er mit den Prüfungen der Zahlungen und Bücher beschäftigt. Die erneute Revision der ganzen Kassenverhältnisse hat nun­mehr ergeben, daß Veruntreuungen in Höhe von über einer halben Million vor­handen waren, die dadurch entstanden sind, daß der Rechner einfach große Annahmepo- sten nicht gebucht hat. Diese Tatsache wurde in der vorgestrigen Generalversamm­lung zur Kenntnis der bestürzten Mitglieder gebracht. Wie verstchett wird, hat sich der Auf­sichtsrat bereits zur Deckung eines Betrages bis zu dreihunderttausend Mark bereit erklärt, auch ist aus dem P r i v a t b e - sitz des Rechners eine größere Summe zu erwarten. Für den Rest von mehreren hun­derttausend Mark werden die Genossen­schaftsmitglieder haftbar gemacht, sodaß ein Ruin zahlreicher Land­wirt« der Gegend befürchtet wird. Der un­getreue Kassierer ist spurlos verschwunden, doch hat die Staatsanwaltschaft die nötigen Schritte zu feiner Ermittelung bereits eingeleitet.

*

Wie uns ein weiteres Telegramm, unseres Korrespondenten berichtet, war Adam auch Rechner bei der Orts- und Kirchengemeinde. Die Revision dieser beiden Kaffen findet zwar erst heute statt, je­doch verlautet bereits, daß auch in diesen Kassen Unterschleife vorgekommen sind. Heber die Höhe der in diesen Kaffen un­terschlagenen Summen wird nach der Revision näheres zu erfahren fein.

Einbrecher im Finanz-Ministerium.

Köpenickiade oder Schildbürgerstreich?

Fm Finanzministerium in Ber- l i n ist (wie wir schon durch Aushang berich­tet haben) gestern ein frecher Einbruch verübt worden. Ein Mann, der sich als Bote der Warenhausfirma Israel ausgab, e r - brach das Türfchloß zur Silberkammer des Ministeriums, begab stch von dott in die Mäd- chenstube und stahl dort einen Geldbetrag von hundertzwanzig Mark. Der Tä­ter ist entkommen, trotzdem er von Beamten des Ministeriums als verdächtig angehalten worden war. Es handelt sich offenbar um ei­nen raffinierten Gauner, der es nur seiner Kaltblütigkeit und feinem sichern Auftreten zu danken hat, daß er entkommen konnte. Zu der auffehenerregenden Affäre werben uns fol­gende Einzelheiten gemeldet:

-- Berlin, 16. August.

(Eigene Drahtmeldung.)

~ Kurz nach ein Uhr mittags sah gestern her Silberdiener des Finanzministeriums an der Tür d er Silberkammer, in der außer dem Bargeldvorrat des Finanzministeriums sich auch daS Privateigentum und bk Wertfachen des Finanzmtni stets befinden, einen unbekannten Mann. Die Tür zu der SUberkammer, die der Silber­diener kurz vorher geschlossen hatte, war ge­öffnet. Der Hnbekannte tat, als ob er sich in der Tür geirrt habe und schrie den Diener an, warum er denn die Tür zn der Silber­kammer nicht geschlossen habe. Der Diener war im ersten Moment so verblüfft, daß er zu­nächst annahm, der Mann lei ein Angestellter jener Firmen, die für das Finanzministerium Lieferungen haben. Er schloß die Silberkam­mer ab und ließ den Unbekannten unbehel­ligt ziehen. Der Dieb hatte nun die Frech­heit, anstatt sich aus dem Staube zu machen, noch in die Küche zu gehen und sich dort mit dem Küchenpersonal zu unterhalten. Von der Küche ging er dann in die Mädchenstube und stahl dort aus einer Truhe, die er er­brach, hundertzwanzig Mark und einige Wertsachen. Als er sich nun entfernen wollte, wurde er von einem andern Diener angehalten, der ihn fragte,was er denn suche" ? Der Unbekannte antwortete, er fei von der Firma Israel wegen eines Teppichs geschickt worden. Dem Diener aber kam die Sache sonderbar vor. Er verständigte den Kastellan, und dieser wieder brachte den Mann zu einem Geheimrat des Finanz­ministeriums. Dem Geheimrat gab der Unbekannte dieselbe Erklärung. Nun war zu­fälligerweise tassächlich die Anschaffung eines neuen Teppichs geplant, sodaß die Aufklärung genügend erfchien. Der Mann wurde deshalb entlassen und verließ das Gebäude. Erst einige Minuten fpäter wurde der Diebstahl in der Mädchenstube entdeckt, und nun schöpfte man Verdacht. Eine Anfrage bei der Firma Israel ergab, daß man dort keinen Angestell­ten rum Finanzministerium geschickt habe. Die

Ermittelungen nach dem Einbrecher sind bis­her erfolglos geblieben.

Generalstreik in England?

Essenbahner-, Straßenbahner- und Poststreik.

Depeschen aus London zvfolge ist es in der verflossenen Nacht in Liverpool aber­mals zu schweren Unruhen gekommen, «Wobei die zur Aufrechterhaltung der Ordnung herangezogenen Truppen auf die Menge Feuer gaben. Ein Streikender wurde ge­tötet und zwanzig Perfonen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Die Müller haben den Lordmavor darauf aufmerksam ge­macht, daß. wenn die augenblickliche Lage noch länger anhalte, Liverpool in wenigen Tagen ohne Brot fein würde. In den Kranken­häusern macht stch der Mangel an Le- bensmitteln schon recht fühlbar. Weiter« Depeschen melden:

o°o London, 16. August.

(Privat-Telegramm.)

Die Londoner Telephon- und TeIe« graphen-Beamten haben vom General- postmeister noch keine Antwort auf ihre Forde­rungen erhalten. Wenn die Antwort ungünstig ausfällt, sollen sofort Massenversamm­lungen einberufen werden. Es heißt, daß eS in allen Gruppen des PostperfonalS gährt, so daß es möglicherweise mit dem Straßenbah­ner- und Eisenbahnerstreik auch zu einem Poststreik kommt. In einer gestern abend abgehaltenen Versammlung der Eisenbahuan- gestellten wurde der Beschluß gefaßt, im gan­zen Lande den Generalstreik zu proklamieren, wenn die Eisenbahn-Ge­sellschaften sich binnen vierundzwanzig Stun­den nicht bereit erklärten, mit den ®retteten« bet Eisenbahner in Verhandlungen übet deren Forderungen einzutreten. Im Distrikt Sheffield sind he»> beinahe sämtliche Signalbeamte in den Ausstand getre­ten, so daß der Zugdienst erheblich einge­schränkt werden mußte.

*

Manchester, 16. August. (Privat-Tele- g r a m m.) Auch hier ist seit gestern abend die Sage kritisch geworden. Der abendliche Zugverkehr mußte gänzlich eingestellt werden und die Geschäftsleute, die in den Vorstädten wohnen, mußten zu Fuß nach Hanse wandern. Die Nahrungsmitte lvorräte der Stadt werden als sehr knapp bezeichnet und die Händler haben sich an den Minister des Innern um Schutz gewandt. In Cardiff beträgt die Zahl der ausständigen Hafenarbei­ter mindestens achtzehnhundert, unter denen große Not herrscht. In Liverpool hat das Ausstandskomitee den Generalstreik für sämtliche Transportarbeiter, einschließlich der Eisenbahnangestellten, proklamiert.

Heimweh...!

Die Krankheit Pius' des Zehnten.

Rom, 16. August. (Privat-Te- legramm.) Der Papst verbrachte den gestrigen Tag größtenteils außerhalb des Bettes und fühlte sich verhältnismäßig wohl. Damit wirb bas Eintreten bes im­mer noch gefürchteten Rückfalls wiebe- rum in weite Ensscrnung gerückt. Der Papst würbe in bett letzten Tagen fehr vom Heimweh nach Benebig ge- plagt uttb hatte unter bet dadurch hervor­gerufenen feelifchen Depression schwer zu leiben.

Zu der Erkrankung des Papstes wird uns ans Rom geschrieben: Eine bockgestellte Per- sönlickkeit der vatikanischen Welt unterhielt sich dieser Tage mit dem römischen Berichterstatter derStampa" über die Krankheit des Papstes in ihren Urfatbett und in ihrem Verlaus und sagte, nachdem sie ausdrücklich versichert batte, daß Plus der Zehnte sich wieder auf dem Wege der Besserung befinde, toörtlich fol­gendes:Die Genesung dürfte überaus lang­sam von statten gehen, weil der Papst sehr schwach ist und die verlorenen Kräfte so bald nickt wiedererlangen dürste. Dazu kommt noch, daß der Heilige Vater nicht bloß unter einer pbvfischen, sondern auck unter einer seeli­schen Depression zu leiden hatte: Während jene sich in besorgniserregender Weise in dem anormalen Funktionieren des Herzens äußer- te, trat diese als Heimweh in die Erschei­nung. Ein scharf ausgeprägtes, rührendes

Heimweh nach feinem Venedig zeigte sich bei ihm schon längere Zeit vor feiner Erkrankung, und zwar so deutlich, daß es feiner ganzen Umgebung auffiel. In welcher Gemüts­verfassung der Papst sich befand, ergibt sich aus einem Vorgang, der sich in jenen ernsten Tagen absplelte: Ein Venezianer, der sich schon seit langer Zelt des be; andern Wohlwollens des Papstes erfreut, wurde vor etwa einem Monat