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Sonntag, 13* August 1911

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K. B. ,

anders werden . . .?

Kassel ohne Asphalt.

Die Stadt Cassel erfreut sich in ganz Deutschland des Rufes einer Perle des Rei­ches. Und mit schönen Gefühlen kommt man­cher Besucher hierher, um die reichen Schön­heiten unseres Ortes zu genießen. Freudig kann man auch sehen, daß Cassel in seinem Gesamtbild eine rechte Großstadt darstellt, in der auch die Natur mit ihren Gaben nicht ge­geizt hat. Architektur und gesunder Kunstsinn tragen nicht am wenigsten dazu bei, das An­sehen der Stadt zu heben. Prächtige Alleen und schöne Straßen drücken Cassel den Stem­pel einer Durchaus vornehmen Stadt auf. Pri­vathäuser und öffentliche Gebäude konkurrieren miteinander in ästhetischer Auffassung und ide­aler Bauart. Aber das schöne Cassel ist doch nicht ohne Fehler. Und da ist es ein großer Mangel, der den nicht gerade aus der Klein­stadt kommenden Fremden ganz besonders un­angenehm auffällt. Mag Cassel auch eine noch so reiche Fülle bieten, den Asphalt, der das laute Hasten und Jagen in nicht geringem Maße dämvst, sucht man hier vergebens. Wie lange noch? Es sollte mit aller Kraft dahin gestrebt werden, daß dem steuerzahlenden Bür- ger au ch in dieser Weise eine Erleichterung für seine Nerven geschaffen und die Hauptstraßen Cassels bald, recht bald mit Asphalt versehen werden. B. A.

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Sie .Pest" in Bettenhaufen!

Ja! Taffächlich könnte man so ausrufen, wenn man jetzt des Abends an der Losse ent­lang pilgert. Vor einigen Woche wurde der in der Losse angesammelte Schlamm aus­gehoben, leider aber nur an dem Wehr vor der Wohnung des Herrn Stadtrats Schwinning. Hier wurde der bestialische Gestank, der diesem Gewässer, Losse genannt, entsteigt, gemindert. Kommt man aber an der Insel Helgoland vor­bei nach der die Losse kreuzenden Osterholz- straße, dann ist's vorbei. Tte Anwohner der Osterholzstraße, die die 'weren Steuern ebenso pünktlich zahlen be 9. zahlen müssen, können nicht einmal nachts die Fenster offen

halten, ohne Gefahr zu laufen, durch die Aus­dünstungen sich eine Krankheit zuzuziehen. Am Tage ist das Oeffnen der Fenster schon wegen der groben Hitze unmöglich. Deshalb seien die hierzu berufenen Personen ebenso höffich wie energisch ersucht, sich die Brühe im Loffebett. von der Brücke an der Osterholzstraße aus, ein­mal des Abends genau anzusehen und dabei kräftige Atemzüge zu tun. Vielleicht werden sie dann den Wunsch der Anwohner gerechtfer­tigt finden. Ferner wird höflichst angefragt, ob dem Stadtbauamt bekannt ist, daß die F ä - kalien aus den Häusern Osterholzstraße 21 bis 27 in einem Kanal der Losse zugeführt werden. Da Bettenhausen noch nicht kanalisiert ist, müßten doch Senkgruben vorhanden sein Es ist verwunderlich, daß bei der Abnahme die. ser neugebauten vier Häuser dies nicht öemerb worden ist. P. 0.

sen überprüden Moralisten, sich das nächste Mal vordem Theaterbesuch über den Charak­ter des zur Aufführung kommenden Stückes zu informieren, damit sie nicht nötig haben, das weniger moralische Publikum mitten im Spiel zu stören. Dr. F. K.

allzu weit von der Wirklichkeit abweichendes Phantasiegemälde davon schaffen kann. Um so eigentümlicher wirkt es. wenn Leute sich .Das Pttnzchen" ansehen wollen und dann, wenn die Sache ein wenig .pikant" zu werden anfängt, mitten im Stück ostentativ den Zuschauerraum verlassen. Und das konnte man neulich Abend im Residenztheater erleben. Saßen da in der dritten oder vierten Reihe zwei Damen und ein Herr, deren zarte Seelchen schaudernd gegen Robert Misch's slottes Werk aufbegehrten. In­mitten des zweiten Aktes erhoben sie sich mit allen Zeichen moralischer Entrüstung und . . - verschwanden auf Nimmerwiedersehen. .Herr Misch, wie können Sie aber auch einen solchen Schwank dem Publikum vorführen und die keuschen Seelen unschuldsvoller Menschenkinder in Versuchung bringen?" . . . Beinahe sollte man zu der Ansicht kommen: Alle Die. die der einer solchen Gelegenheit ihre moralische Ent­rüstung nicht auffällig genug zur Schau tragen können, sind . . .! Nun, ich will nichts weiter gesagt haben, Emviekl-n aber möchte ich die-

Nr. 212.

Erster Jahrgang

Roch einmal: DieHhgierre aufdemWochenmarkt.

Der Einsender des unter obiger Ueber- schrift im »Publikum" der Casseler Neuesten Nachrichten veröffentlichten Artikels hat an­scheinend keine Ahnung von den Casseldr But- tervcrhältnissen. Man muß die Butter einfach probieren: denn wer die Butterwirtschaft kennt, weiß genau, wie selten man gute Butter bekommt. 8 bis 14 Tage alter Rahm wird oft in kleinen Wirtschaften verbuttert, sodaß die Butter einen seifenähnlichen Geschmack an­nimmt. Bei Süßrahmbutter ist der Wasserge­halt meist ein viel zu großer, der Fettgehalt dagegen oft sehr gering. Die Hausfrau klagt dann wohl, daß die Süßrahmbutter sich zu rasch wcgstreiche. Ist die wasserhaltige Butter zwei Tage alt. so hat sie schon erheblich an Gewicht verloren, denn das Wasser verdunstet bekannt­lich. Andere Butter wieder enthält Butter­milch. Man kann es den Hausfrauen also wirklich nicht verdenken, wenn sie sich, bevor sie die teure Butter kaufen, auch vergewissern wol­len. daß ihnen gute Ware eingehändigt wird.

C. S.

Das Publikum und »Dao Prinzchertt.

Auf der Bühne des zweiten Theaters unse­rer Residenz dominiert in diesen Tagen som­merlicher Tropenglut .Das Prinzchen", Robert Misch's dreiakttger. graziöser Liebes­schwank. Schon der Untertitel »Ein Liebes- schwank"sollte einem nichkAllzuunkundigen wohl verraten, daß er es hier nicht mit einer ernste»» künstlerischen Offenbarung, sondern mit einem Stück, das amüsieren will, zu tun hat. Man darf deshalb auch an dieses Kind der Misch'- schen Muse keinen allzu strengen Maßstab anle­gen. Nebenbei ist der Inhalt des Stückchens in den hiesigen Tageszeitungen genügend glos- siett, sodaß man, auch wenn man das Stück poch nicht gesehen, sich einigermaßen einnicht

Bitte, recht» gehe»!

Verschiedentlich schon haben die »Casseler " Neueste Nachrichten" diesem Noffchrei in den Spalten ihres .Publikum" Aufnahme gewährt. Der Erfolg der vielen Ermahnungen und Bit­ten ist aber bis heute, wie's den Anschein hat, - nur ein recht minimaler gewesen. Immer' wieder fällt einem das fonderbare Durcheinandergeschiebe des Publi­kums in den belebten Straßen auf, immer wieder kann man kleine Verkehrsstockungen, die durch das sinnlose Durcheinandergelaufe fier= vorgerufen werden, beobachten. Beinahe sollte man meinen, das Publikum könne eS elnsach nicht begreifen, daß man rechts gehen müsse. Daß es aber doch rechts gehen kann, beweist es auf den verschiedenen Drücken (wo Schilder es noch besonders aufmerksam machen), und am allerbesten ... bei den verschiedenen Pro­menadenkonzerten. Sonntags mittag- auf dem Fri-dnchsplatz weiß mit einem Male alles, was es bedeutet, rechts zu gehen; da kann man wohl kaum einen ertappen, der ander- läuft Was aber auf den Brücken und bei den Pro- menadenkonzerten möglich ist, sollte auf der Straße und bei minder wichtigen G»eg«»> heilen, als es die Promenadenkonzert« sind, doch wohl auch nicht ganz zu den Unmöglich­keiten gehören. M. w.

Unreifes Lbft auf Dem Wochenmarkt.

Unreifes Obst auf dem Wochen- m a r k t, das klingt bei der tropischen Hitze des diesjährigen Sommers fast wie ein Märchen. Und doch ist es so; die Hausfrauen, die vor einigen Tagen den Wochenmarkt besuchten, um ihre Einkäufe zu machen, werden sich sicherlich über die rotenBrombeeren und die bei­nahe noch weißen Preißelbeeren ge­wundert haben, und ich glaube kaum, daß die Verkäufer dieser unreifen Früchte güte Ge­schäfte gemacht haben. Wenn ein nasser, sonnen­loser Sommer nichts reifen läßt, wundert man sich schließlich nicht, wenn dem Publikum halb- reife oder unreife Früchte zum Verkauf ange­boten werden, aber bei der diesfommerlichen Temperatur ist es doch eine etwas hahnebüchene Zumutung an das Publikum, unreife Früchte kaufen zu sollen. Ein paar Tage genügen ja doch schon, wenn die Früchte erst einmal ausgr- wachfen sind, die Vollreife eintreten zu lassen, und diese paar Tage könnten die übereifrigen Verkäufer wohl noch abwarten. Vielleicht ist es auch ganz angebracht, wenn die Marktpolizei einmal ihr Augenmerk etwas auf die Qualität der zum Verkauf ausgestellten Früchte richtet, damit Waren, die eventuell zu einer gesundheit-, lichen Schädigung des kaufenden Publikums führen könnten, in Zukunft vom öffentlichen Verkauf ausgeschlossen werden. Ph. L.

Hessische 28anderungen

4. Ruine Kugelberg.

r Lsffelrr Murste Nachrichten

Die Unterrichtszeit in unseren Bürgerschulen.

Infolge der andauernden Hitze ist jetzt nach den Sommerserien der Beginn des Schulun­terrichts auf 7 Uhr festgesetzt und damit der Unterricht in die früheren kühlen Morgenstun­den verlegt. Es wird allgemein begrüßt, daß der Unterricht um 7 Uhr bezw. für die Kleinsü um 8 Uhr beginnt. Diese Anordnung gibt An­laß, einmal auf die Unterrichtszeit in ande­ren Städten hinzuweisen. In vielen Städten ist bereits seit Jahren die bei den höheren Schulen übliche sogenannte ungeteilte Un­terrichtszeit eingeführt, d. h., die Schul­stunden sind bis zu 5 Stunden täglich auf den Vormittag gelegt. Diese Einrichtung ist viel­fach nach eingehender Prüfung mit Rücksicht auf die Eltern eingeführt. Durch di? Kinder sind bei den Eltern mittels Stimmzettel die Ent­scheidungen für ober wider den Nachmittags­unterricht eingeholt. Die Resultate waren über­raschend. So erklärten sich in Hannover 85 Prozent der Eltern, in Leipzig gar 90 Prozent für die ungeteilte Unterrichtszeit. Die Vorteile liegen ja auch auf der Hand. Die Eltern haben ihre Kinder längere Zeit für häusliche Bedürf­nisse: Beaussichtigung kleinerer Geschwister: in den Vororten für Handreichungen in der Gartenwirtschaft. Viele Kinder, die nachmit­tags Laus- oder Wartestellen haben, gewinnen Zeit-für ihre Schularbeiten des nächsten Tages. Gewiß sollen auch entgegenstehende Bedenken nicht verkannt werben, doch treten die wohl an Bedeutung zurück. Der Einwurf, daß die Kin­der in fünf aufeinanderfolgenden Stunden er­müden. wird durch ärztliche Urteile widerlegt; denn Messungen sind stets zu Ungunsten des Nachmittagsunterrichts ausgefallen. Zudem hat sich dieser ungeteilte Unterricht in vielen Stäben gar bald besondere Vorliebe erworbeq. In der Stadt Hannover wird zum Beispiel dar Unterricht im Sommer von 754 bis 1254, im Winter von 8 bis 1 Uhr erteilt. Am ungünstig­sten ist allerdings diese Einrichtung für die Lehrkräfte, da sie große Kraftaufwendung ver­langt. Doch dürfte auch hier di« längere Arbeit durch längere Ruhepausen ausgeglichen wer­den. P. J.

tapulte den Zweck hatten, schwere Steine ge­gen die Burg zu werfen. Diese Steine waren meistens rund behauen und finden sich heute noch in und bei den Ruinen der Burgen in Ssßer Zahl. War durch eine ausgiebige Be- ießung die Uebergabe nicht zu erreichen, so suchte man unter gedeckten Schutzdächern von Holz, die langsam vorgeschoben wurden, an den Fuß der Mauer zu gelangen, die man zu durchbrechen sich bemühte, oder aber man rich­tete von unten nach oben aufbauend unter dem Schutze des genannten Daches Holztürme auf, von denen man die Zinnen der Mauern zu er­reichen suchte. Arn meisten angewendet wur­de wohl der Leitersturm, indem möglichst bei Nacht an so viel Stellen, wie es nur irgend möglich war, die Belagerer gleichzeitig, ge­deckt mit schweren Schilden und Topfhelmen, emporstiegen.

Waren Angreifer genügend zur Stelle, dann hatten die Verteidiger einen schweren Stand, und der Angriff konnte Erfolg haben. In diesem Falle räumten die Belagerten schnell den Zwinger und zogen sich nach dem Hoch­schlosse zurück, dessen Belagerung nun von Neuem beginnen mußte. Wenn schließlich auch das Hochschloß nicht' mehr gehalten werden konnte, dann zogen sich die Verteidiger zurück in den Bergfried, dessen hochgelegener Eingang leicht verteidigt werden konnte. War auch die­ser genommen, dann ging es auf schwanken Holzleitern zur leytenZufluchtsstätte hinaus aus die Plattform, zu der man nur durch ein enges Schlupfloch gelangen konnte.

War ein solcher Bergfried gar nicht zu neh­men, dann suchte man durch Untergraben den Turm zum Einsturz zu bringen. Besonders gut verwahrt waren die Türen, die sich stets nach innen öffneten. Damit der Feind das Holz derselben nicht mit Beilen angreifen konnte, waren dieselben außen mit Nägeln be­schlagen. Damit sie gegen die Stöße schwerer Rammbalken Widerstand leisten konnten, waren hinter dem Tor schwere Riegelbalken vorgeschoben, die sich tief in die Mauer einleg- ten. Auf der Kogelburq standen über der Rampe, die zum inneren Tore führte, in einem ousgekragten Holzbau Verteidiger, die mit schweren Steinen, siedendem Oel usw. die Be­lagerer angriffen. In der höchsten Not warf inan auch Bienenstöcke zwischen die Feinde, deren Insassen sich in solchem Falle als gute Bundesgenossen bewährten.

Im Jahre 1304 wurde die Hälfte des Ko- gelberges vervsändet, es war dieses vermutlich der Eberstein'sche Anteil, der an Cöln kam, das von nun ab in dauerndem Mitbesitz blieb und später der alleinige Inhaber der Burg und Stadt Volkmarsen wurde. Erzbischof Walram belehnte im Jahre 1332 die Brüder Rabe und Herbold von Papenheim mit der Burg. Die­ses Geschlecht wohnte daselbst bis 1503, doch hielt sich Köln neben denselben eigene Burg- tnannen, die auch die Gerichtsbarkeit ausübten. Ein'weiterer Teil der Burg gehörte noch im­mer der Abtei Corvei, die ihn weiter verpfän­det hatte. Dieses Beispiel ist für das Besitz­wesen . der mittelalterlichen Burgen sehr be­zeichnend, da oft vier und weit mehr Besitzer, bezw. deren Burgmannen eine Burg gleichzei­tig bewohnten.

Die gleichzettiaen Bewohner einer Burg nannte man die Ganerben. Das Leben auf der Burg war geregelt durch eine gemeinschaftliche Hausordnung, den Burgfrieden, die alle Rechts- verbältnisse regelte und bei gemeinsamer Ver­teidigung die Rollen anwies. In der Kölner Stiftsfehde wurde die durch Rabe von Papen­heim verteidigte Burg am 23. Mai 1475 von den Hessen eingenommen, und als Standplatz für die Belagerung der Stadt Volkmarsen aus­gerüstet. Zwei Jahre später erfolgte die Be­schießung der Stadt mit Kugeln und Feuer- vfeilen. Im Jahre 1503 verpfändete Corvei seinen Anteil an der Burg um 4323% Gold- gulden an Köln, und als im Jahre 1802 die geistlichen Fürstentümer aufgehoben worden, da kam Volkmarsen mit der Burg an Hessen.

Die Burg war noch bis Ende des siebzehn­ten Jahrhunderts von dem kölnischen Rent­meister bewohnt und wurde schließlich wie die meisten Burgen verlassen, weil das Wohnen auf den Bergen doch mit vielen Unbequemlich- keiten verknüpft war. Die Zeiten des Faust- rechtes waren dahin, und eine neue Zeit brachte neue Anschauungen und Einrichtungen. Die Burg blieb sich selbst überlassen und kam in Verfall. Am meisten jedoch haben ihr Men­schenhände geschadet, die in der Ruine einen beauemen Steinbruch fanden. So ist die Ku­gelburg am meisten an der zugänglichen Ost-, nicht aber an der dem Wetter mehr, ausgesetz­ten Westseite zerstött.

E. Happel-Cassel.

Im Wesertale liegt die alte Reichsabtei Korvev, deren letzte Bewohner jedoch schon lange das Zeitliche gesegnet haben, deren Ar­chiv indessen teilweise für die deutsche Geschichte gerettet worden ist. In diesem Archive, das zurzeit in Minden und Münster i. W. lagert, finden sich noch wertvolle Beiträge, die uns über die Besitzverhältnifle des Klosters Aufschluß geben. In einem Güterverzeichnis, das Abt Sarcho von Corvei zwischen den Jahren 1056 bis 1071 ausstellte, finden sich in der Gegend der heutigen Stadt Volkmarsen die . Dörfer Witt­mar, Volkmarsen selbst und Benvelt aufgeführt. Die Besitzungen der Abtei müssen jedoch mit der Zeit noch weit größeren Umfang angenom­men haben, und die Abtei scheint auf diese Be­sitzungen (neben denen sie auch politische Rechte, wie die Gerichtsbarkeit ausübte) immer größe­ren Wert gelegt zu haben, denn sie entschloß sich zur Sicherung und Festigung dieses Be­sitzes auch zu einemBurgenbau, dessen malerische Ruinen heute noch, nach etwa 720 Jahren, gar trotzig vom »Hagen" bei Volkmatten herab- schauen.

Es war im Jahre 1196, als Abt Wittekind, Herr von Spiegel zum Desenberg. der dreißig­ste Abt von Corvei, den Bau der Burg begann, zur gleichen Zeit, als er auch auf anderen Ber­gen. so zum Beispiel auf dem Lichtenfels, Bur­gen erbaute und herstellte. Nach damaligem Brauche währte der Alleinbesitz der Burg je­doch nicht allzu lange und schon bald saßen ne­ben den Burgmannen der Asttei auch solche des Grasen von Eber st ein, die ebenfalls in dieser Gegend begütert waren. Aber auch der geistliche Mitbewerber ließ nicht lange auf sich warten, wie wir noch sehen werden. Eine Ur­kunde des Papstes Gregor des Neunten vom Jahre 1233 bestätigt den Corvei'schen Besitz am Kogelnberge. Als Burgmänner des letztem sind genannt: Im Jahre 1234 Herbold Rabe und Anton Allenhusen, 1288 Alexander von Esck- berg und Dietrich von Medrike. Dieser letztere hatte seinen Burgsitz noch 1318 inne. Die Burg Mederich, von der jener. Dietrich abstammte, lag nordwestlich von Volkmarsen, hinter der Kirche des ehemaligen Dorfes Mederich. die heute noch als Ziel der Prozessionen von Volk­marsen dient. Die ehemalige Burgstelle liegt jetzt ganz im bebauten Acker, am linken Ufer eins Baches, der ehemals den Burggraben speiste.

Die Burgmänner auf dem Kogelberge be­nahmen sich ost gegen ihre Landesherren feind­selig und kündigten letzteren den schuldigen Ge­horsam. Bei einer solchen Gelegenheit taten sich im Jahre 1260 der Erzbischof Conrad von Cöln, Themo. Abt von Cyrtzei und Herzog Al­brecht von Braunschweig im Lager zu Volk- ntotfen zusammen und beschlossen die Einnah­me des Kogelberges, die ihnen auch gelang. Bon einer neuen Fehde berichtet dasJahr 1297, als das Gericht auf dem Kogelberge einen Manu für vogelfrei erklärt hatte, der vom Gra­sen von Waldeck Schuß und Unterkunft erhielt. Hier sehen wir einen Streitfall, der im Mittel- alter in ganz Deutschland reckt oft vorkam. Dtr Graf von Waldeck wollte offenbar die Ur- teilsfvrücke des Corvei'schen Vogtes für sein Gobi"* nickt gelten lassen.

Eine Delaaeruna in damaliger Zett erfor­derte für die Eingeschlossenen natürlich Een gewissen Vorrat an Lebensmitteln, einschließ­lich des Wassers, das nicht immer vom Scklotz- brunnen geliefert wurde. War dieses nicht der Fall, so stand das Wasser in den kühlen Kel­lern in großen Steinkrügen die bis zu einemMe- ier hoch waren und 200 Liter fassen konnten. Auch Getreide wurde in solchen Krügen aufbe­wahrt. Gemüse und schließlich auch schlacht- vieb, Hühner nicht zu vergessen, wurden m aus­reichender Menge bereit gehalten. Die Stal­lungen standen meist in den Zwingern, die ter­rassenartig das Hochschloß umlagerten und nach einander Abschnitte bildeten, die zuvor, ehe man an das Hochschloß heran konnte, ge­nommen werden mußten. Die ganze. Burgbe- sgtzuna auf einem Schlösse, wie etwa Kogel- berg, hat höchstens 25 bis 30 Mann betragen. Diese geringe Zahl der Verteidiger war aller­dings so günstig über den Belagerern ausge­stellt, daß die Belagerer mindestens drei- bis viermal so stark sein mußten, wenn sie einen Sturmangriff mit Ettolg ausführen wollten.

Gab die Lag« der Burg durch ihre Festig­keit nur geringe Aussichten für einen Ettolg, so legte man in nächster Nähe der Burg ein be­seitigtes Lager an und suchte den Gegner durch Aushungern zur Uebergabe zu zwingen, in­dem jede Verbindung der Burg nach außen unterbunden wurde. Ging man jedoch zum ak­tiven Angriff über, so wurden an der Seite, die eine Annäherung am besten gestattete,Wurf­maschinen ausgestellt, die als Stieben ober Ka-

Jas Publikum

£ie Rubrik: »Das thtfctotm* fielt bte '.iv» der Ceffentltdjtett «um allgemeine» MevrunaSausia. ich zur Verfügung, flute dafür bestimmten Einsendungen müsse» die genaue abreffe bei Berfafferl tragen (her Namc bei Einsenders bleibt Redaktionlaeheimnil); auch rönnen bei der Veröffentlichung nur Einsendungen sachlichen Inhalts berücksichtigt werden und die Redaktion übernimmt dafür | chyur di^yretzLesetzliche Verantwortung. -

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Sie Reklamewut auf den Straßen.

Man muß eS gestehen: Cassel hat schöne Sttaßen, sehr schöne, regelmäßige Straßen. Man braucht gar nicht burch bie Wilhelmshö- her Allee, diesem Liebling bet Kommunalver­waltung, zu Wanbern, auch auf anberen Stra­ßen und Plätzen freut man sich an bem schönen Ebenbild der Stadt. Doch plötzlich, als lege sich ein häßlicher Nebel in bas klare Bilb. är­gert man sich unb stampft mit bem Fuß auf, Wenn man Temperament hat. Links unb rechts unb guer hinüber ziehen sich lange, farbige, geradezu schreiende Reklameschilber, bie bem Publikum aufdringlich erzählen. Was es bei ihnen nicht alles zu kaufen gibt. Wie ein unliebfamer Mensch, den man gar zu gerne ab­schütteln möchte, so drängen sie sich überall auf. Und kein Mittel scheint sich einem zu bieten, diese lästigen Plagegeister abzuschütteln. Wo­hin das Auge auch wandert, erblickt es Plakate, einen Wald von Plakaten. Hier rühmt einer sein Seifenpulver an, dort ein anderer seine echte, beste und allerbeste Pneumatiks, hier ei­ner seine Schokolade, da drüben ein vierter feine Ztzlinderhüte. Du lieber Gott, man weiß es doch schließlich, wohin man zu gehen hat, wenn man sich für zwanzig Pfennige Schoko­lade lauft. Läuft man da etwa in ein Seifen­geschäft oder in einen Zigarrenladen? Warum denn also diese wahnwitzige Reklame? Und bas schlimmste ist, baß sich bas Publikum da- ran gewöhnt unb nicht mehr empfinbet, in welch aerobem erbärmlicher Weise baburch das sonst so vornehme und schöne Straßeubild | verschandelt wird.

Wie kann man sich nun gegen eine solche Verschandelung wehren? Zunächst, indem man sich an das ästhetische Empfinden unb den Schönheitssinn der Geschäfts­inhaber wendet. Dann aber gibt es nock eine andere Möglichkeit. Einen Schritt zu einer künstlerischen Reklame hat man bereits durch die D a r st e l lu n g in den Pausen der Kino­vorstellungen gemacht. Auf diesem Wege ließe sich vielleicht etwas Gutes, erreichen. Auf je­den Fall aber müssen die ellenlangen und me­terbreiten Schilder weg. die einem bei Schritt und Tritt an amerikanische Verhältnisse erin­nern, nur mit dem Unterschied, daß man jn Amerika schon mehr Kunstsinn in die Reklame- ? Wut gebracht hat. Wir leben dock im zwanzig­sten Jahrhundert.. und das mögen auck Die bedenken, die die manckmal geradezu kindische Reklame auf den Straßen betreiben. Ein be­herzter, vornehmer Geschäftsmann möge den Anfang zum Guten machen, und bald werden | sich seine Kollegen anschließen, und wir werden > auf diesem Wege wieder ein schönes, gleichmjp ßiges Straßenbild, erhalten. Doch das ist wohl nur Zukunftsmusik eines törichten Optimisten. Oder sollte es wirklich in dieser Hinsicht einmal