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Casseler Neueste Nachrichten

Nr. 20$ i. Jahrgang.

Deutschland von der Hitze heimgesucht werden, genügend Milch für den deutschen Mark produ­zieren. Eine Preissteigerung ist also kaum zu befürchten. Sollte sie doch im Oktober oder November kommen, dann wird sie nur gering sein.

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Sie Milchpreiserhöhung im Westen.

(Privat.Telegramm.)

Im Rhein-, Main- und N e ck a r t a l macht sich der Futtermangel immer mehr be­merkbar. Aus zahlreichen Städten wird daher eine Erhöhung der Milchpreise gemeldet, die auf den Futtermangel zurückzuführen ist. Die Bauern können nur mit Mühe das nötige Fut­ter für die Kühe beschaffen. Viele Tiere wer­den daher von ihnen verkauft, andere, die un­ter der Hitze schwer zu leiden haben, werden geschlachtet oder erliegen dem Hitzschlag. In Frankfurt am Main ist der Preis für den Liter Milch von 21 und 22 auf 24 Pfennig er­höht worden. In Koblenz haben die Milch­lieferanten durch Anschlag an den Plakatsäulen eine Erhöhung von 20 auf 22 Pfennig bekannt gegeben. Auch in Köln, Bonn, Mainz und Wiesbaden ist der Verkaufspreis um zwei Pfennig pro Liter gestiegen. In Mann­heim ist er wie in F r a n k f u r t auf 24 Pfg. erhöht worden.

Spiel um Krieg und Frieden?

Ein Krieg unvermeidlich . . ."

Ein Privattelegramm berichtet uns auS Madrid: Viel kommentiert wird hier ein Artikel desHeralbo". Dieses Blatt ver­öffentlichte ein Schreiben aus Berlin, in dem die Zukunft in sehr schwarzen Farmen gemalt wird. Es heißt in dem Ar­tikel: Man wird dem deutschen Ultimatum Folge leisten müflen, da sonst ein Krieg unvermeidlich ist. Wenn die Diplomatie diesmal noch einen Ausweg findet, um die strittige Angelegenheit beizulegen, so ist es möglich, daß der bewaffnete Friede noch zwei bis drei Jahre dauern wird. Aber ein Krieg ist nach dieser Zeit unvermeidlich, wenn Frankreich und England sich nicht dazu ent­schließen, den Forderungen Deutschlands nach­zugeben. Weiter wird unS berichtet:

§ Wien, 3. August.

(P r t v a t - T e l e g r a m m.)

Bet dem gestrigen Volksbund-Abend in Salzburg hielt Abgeordnetenhaus-Präsident Sylvester eine aufsehenerregende Rede, in der er sagte:Wir stehen in Deutsch-Oesterreich unter dem Einfluß eines genialen Werkes Bismarcks. Wir können uns wieder ent­wickeln in Europa, ja Bismarck hat Europa wieder zu einem Weltteil gemacht, indem er den Dreibund geschaffen hat. Der Drei­bund stellt Europa wieder an die Seite der übrigen Weltteile, ja er befähigt eS, die Füh­rung in der Welt zu übernehmen. Ich war immer ein Anhänger dieses genialen Wer- keS und werde immer diese Gedanken Bis­marcks in Oesterreich vertreten. Wir wollen aber auch eine Harmonie unter den Mittelmeer-Mächten herbeiführen. Ich präge vielleicht zum ersten Male den Gedanken, der möglicherweise in einem Lande, das dem germanisch-deutschen Volle nicht gut gesinnt ist, unangenehm ausgenommen wird. Dieser ®c danke faßt sich in dem Satz zusammen: Das Mittelmeer seinen Anrainern! Dies richtet sich insbesondere gegen eine Macht, die ihre Hände in allen Dingen der Welt hat und die das germanische Deuffchtum zurück- drängen will. Wir lasten uns das nicht bieten

und wir gehen Hand in Hand mit Italienern und Franzosen . .

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Frankreich wird handeln...!

(Eigene Drahtmeldung.)

Wie uns aus Paris depeschiert wird, bringt derMatin" heute eine Mitteilung über den Stand der deutsch-französischen Verhand­lungen, in der er sagt: Tie Forderungen Deutschlands bleiben nach wie vor übertrieben und die Ungewißheit über das Resultat der begonnenen Unterhandlungen dauert fort. Jndeffen werden die Unterredun­gen fortgesetzt. DerMatin" fügt seiner In­formation die Drohung hinzu,wenn sich die Haltung der deutschen Regierung nicht bald ändere, so werde Frankreich ent­sprechend handeln."

Zer Papst bedenMch erkrankt!

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

M Rom, 3. August.

Wie hier aus autoritativer Quelle verlautet, gibt man sich im Vatikan über das Befinden des Papstes schwerer Sorge bin. Trotzdem der Papst heute früh noch in seiner Privatkapelle die Messe zelebrieren konnte, hat sich bis zum Mittag das Befinden so bedrohlich verschlechtert, daß auf längere Zeit jedes Arrangement umgestoßen werden mußte. Es ist Atemnot, u n r u h i- ger Puls und starke Herzbeklem­mung eingetreten. Es wird jetzt auch in der Kanzlei Merry bei Vals nicht mehr abgeleug­net, daß das Leiden des Papstes schon seit längerer Zeit stationär ist, und daß sich die Schwächezustände zusehends häufen. Man macht sich im Vatikan für die nächsten Tage bei dem hohen Alter des Patienten auf das Schlimmste gefaßt, schon weil die Geduld, mit der der Papst bis jetzt seine Krank­heit ertrug und bekämpfte, erheblich nachzu­lassen beginnt. Die morgen zur Versendung kommende Beruhigungsnote kann an der wahren Sachlage kaum etwas ändern.

Sie Politik der Tages.

tS> Luitpold, der Neunzigjährige. Depe­schen aus M ün ch e n zufolge ist der Beginn der Hochaebirgsjagden, der ursprünglich auf nächsten Freitag festgesetzt war, und an denen der Prinzregent teilnehmen wollte, mit Rück­sicht auf den ungünstigen Gesund­heitszustand des greisen Prinzregenten auf ärztliches Anraten vorläufig verscho­ben worden, lieber das Befinden des Prinz­regenten teilt der diensttuende Leibarzt mit, daß mit der Abnahme der großen Hitze in den letzten Tagen eine Besserung eingetreten sei. Die Nachtruhe sei wenig gestört, der Appetit gleichmäßig gut! Trotzdem wollen in Mün­chen, wie in Nahem überhaupt, die Gerüchte nicht verstummen, die von ernstlichen Besorg­nissen wegen des Gesundheitszustandes des Prinzregenten zu berichten wissen.

S> Die Eisenbahner vom Maß. Ein Privattelegramm berichtet uns aus Straßburg i. E.: Die hiesige Sozialdemo­kratie veranstaltete gestem eine Protrstversamm- lung gegen die Entlassung von vier Eisen» bahnarbeitern wegen ihrer Zugehörig­keit zum elsaß-lothringischen Eisenbahnarbeiter- verbande. Es wurde eine Resolution ange­nommen, in der gegen die von der General­direktion der Elsässischen Eisenbahnen vorge­nommenen Entlassungen protestiert und

für die Eisenbahnarbeiter die Sicherstellung ihrer Ttaatsbürgerrechte, insbesondere das Recht, sich zu koalisieren, mit Einschluß des Rechts der Arbeitsverweigerung gefordert wird. Im Reichstag ft'll die Angelegen­heit im Wege einer Interpellation zur Sprache gebracht werden. Die Geueraldirektion hatte in den Arbeitsräumen der Eisenbahnwerlstätten einen Anschlag anbringen lassen, worin der Besuch der Versammlung alsnicht mit den Pflichten der Eisenbahner im Einklang stehend" bezeichnet und auf die Folgen des Besuches hingewiesen wurde.

cä3 Tie Reger-Revolution. Wie uns ein Privattelegramm aus Newyork meldet, haben die Revolutionäre auf Haiti gesiegt. Präsident Simon, der in der Hauptstadt Port au Prince nur noch über eine geringe Truppenmacht verfügt, hat eingesehen, daß jeder weitere Widerstand unnütz ist, und will die Insel auf einem fremden Schiff verlassen. Weiteren Depeschen zu­folge hat sich Präsident Simon auf einen ameri­kanischen Schoner geflüchtet, von dem aus er an Bord eines haitianischen Kreuzers gegan­gen ist. Während der Flucht wurde der Kam­merdiener des Präsidenten getötet und seine Tochter leicht verletzt. Das Sicherheitskomitee überwacht die Stadt. Die Fremden befinden sich offenbar in Sicherheit.

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Depeschen aus Petersburg berichten: Der Streik der Hafenarbeiter dauert an. Die Gesamtzahl der Streikenden beträgt gegen­wärtig 12000, während 4000 weiterarbeiten. Auf 65 von den 95 im Hafen liegenden Damp­fern wird nicht gearbeitet. Der Streik verläuft ruhig.

Aus Konstantinopel wird uns ge­meldet: Der Wali von Janina berichtet über einen Zusammenstoß zwischen einer neunzig Mann starken Truppenabteilung und einer Bande aus Muharrem Reschide von zweihun­dert Mann bei Filat. Der Ausgang des Kamp­fes ist mcht bekannt. Aus Prevesa und Delsino sind Verstärkungen enffandt.

Reue» vom Toge.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.)

~ Panik beim Ringkampf. Aus Magde­burg meldet man uns: Auf dem Roten Horn, dem Schützenfestplatz von Magdeburg, nahm gestern der Arbeiter Röder die Herausforde- rung eines Ringkämpfers, der sich dort produ­zierte, zu einem Ringkampf an. Plötzlich stürzte während des Kampfes der Arbeiter mit gebrochenem Genick tot zu Boden. Der Zuschauer, die mit wachsender Erregung dem Kampfe zngesehen hatten, bemächtigte sich eine Panik. Die Polizei mußte die erregte Menge auseinandertreiben. Die Staatsan­waltschaft leitete eine Untersuchung ein.

Eine Tragödie im Gasthaus. Vergangene Nacht weilten in einem Dortmunder Restau­rant verschiedene Gäste, die sich ungebührlich benahmen und sich hartnäckig weigerten, das Lokal zu verlassen. Da alles nichts nutzte, holte der Wirt einen Revolver, schoß und ver­letzte einen der Gäste so schwer, daß er bald darauf im Spitale starb.

~ DaS Unglück im Bergwerk. Auf Schacht eins und zwei der ZecheNordstern" bei Gel­senkirchen wurde der Bergmann Kastenski, als er mit dem Abkippen von Steinen beschäftigt war, durch einen Blitzschlag getötet. Auf der ZecheSchlägel und Eisen" in Reck­linghausen stürzte ein 17jähriger Schlepper 50 Meter tief in einen sogenannten Stapel. Er wurde als Leiche geborgen.

~ Zwei Kinder verschüttet. In Gerthe bei Bochum waren an dem Klänmgsbecken der ZecheLothringen" sechs Kinder damit be­

Freitag, 4. August 1911.

| schäftigt, Kohlcnschlamm sür Brennzwecke zn holen, als ein Gewitter losbrach. Die Kinder suchten Scbutz in einer ausgehöltcn Kohlen­schlammgrube, die aber zusammenbrach. Fünf Kinder wurden verschüttet, während es dem sechsten gelang, sich in Sicherheit zu bringen und Hilfe zu holen. Bei den Rettungsarbei­ten wurden zwei Kinder im Alter von zwölf und dreizehn Jahren erstickt aufgesunden. Auch die andern Kinder waren bewußtlos und dem Ersticken nahe, doch waren bei ihnen die ange- stellten Wiederbelebungsversuche erfolgreich.

~ Die Schreckenstat einer Mutter. Heute früh sieben Uhr versuchte die Frau eines Bahn­beamten in Berlin ibre beiden Kinder, ei­nen Knaben und ein Mädchen zu ermor­den. In Abwesenheit ihres Mannes trat sie an das Bett ihrer noch schlafenden Kinder und verletzte ihren dreizehnjährigen Sohn durch Beilhiebe so erheblich am Kopf, daß er schwer verletzt nach der Unfallstation gebracht werden mußte. Die Mutter wurde zur nächsten Poli­zeiwache abgeführt. Das Motiv zu der entsetz­lichen Tat ist noch unbekannt.

~ Kinder, die mit Feuer spielen. In dem Hofe eines Hauses in Charlottenburg amüsierten sich mehrere Kinder damit, einen Haufen Stroh und Heu in Brand zu stecken. Es gelang ihnen auch, ein ganz ansehnliches Feu- erchen zu erzielen. Ein kleiner Junge von zwei Jahren hatte jedoch das Unglück, in die Flammen zu stolpern. Er wurde nur in gräß­lich verbranntem Zustand herausgeholt und starb einige Augenblicke später an den erlitte­nen Brandwunden.

~ Keine Cholera in Hamburg. Aus Ham­burg meldet uns ein Telegramm un­seres Korrespondenten: Die aus­wärts verbreitete Meldung, daß in Ham­burg elf Todesfälle infolge Cholera zu verzeichnen seien, wird durch eine amtliche Er­klärung des Medizinalamts widerlegt, Nicht eine einzige choleraverdächtige Erkran­kung ist erfolgt.

Die neueste Auto-Katastrophe. Bei Holz- apfelkreuth in der Nähe von München ist das Automobil des Direktors Schmidt von den keramischen Werken in München-Herr­sching, das er selbst steuerte, mit dem Automo­bil des Ingenieurs Kitt zusammenge­stoßen. Direktor Schmidt und die Frau des Ingenieurs Kitt erlitten schwere Gehirner­schütterungen und wurden in die Klinik nach München gebracht. Leichter verletzt ist Schmidts Chauffeur.

Looping the Loop". Der Attist Willi Dyk,Mister Diabolo" mit seinem Künstler­namen, erlitt gestern im VarieteeVenedig" in Wien einen schweren Sturz, der eine Panik unter den Zuschauern zur Folge hatte. Der Attist, der schon im vorigen Jahre in München beimLooping the Loop" mit dem Zweirad einen ähnlichen Sturz erlitt, scheint jedoch mit einer zwar sehr schmerzhaften, aber nicht le- bensgefährlichen Verletzung am Kopf davon­gekommen zu fein. Nicht ausgeschlossen ist je­doch. daß noch eine Gehirnerschütterung dazu kommt.

x Sein eigener Richter ... In Thorn war vor kurzem in dem dortigen Infanterie­regiment 61 ein Diebstahl entdeckt worden. Der Verdacht lenkte sich auf einen Feldwe­bel, der daraufhin verhaftet wurde. Das Kttegsgericht sollte sich in Kürze mit dem Fall beschäftigen. Es braucht dies nun nicht mehr zu tun, da der Feldwebel sich gestern erschos­sen Hai.

~ Wenn die Felsen stürzen . .. In G rand- ville (Frankreich) stürzte ein Teil des Kü­stenfelsens in der Nähe des Kasinos ab. Er versperrte den Zugang zum Kasino vollstän- big. Eine Anzahl Telephon- unb Telegra- phenstangen wurden umgerissen. Glücklicher­

fflie lange lebt man...?

In Deutschland: Vierzig Jahre und sieben Monate!

(Von unferm Korrefpondenten.) $ Berlin, 3. August.

Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des MailänderSecolo" sucht die Durchschnitts­dauer des menschlichen Lebens festzu­stellen und kommt zu folgenden Ergebnissen: Die mittlere Dauer des Menschenlebens be­trägt in Schweden 64 Jahre, in Dänemark 63, In Norwegen 62%, in Belgien 57 und vier Monate, in Irland 56 Jahre und 9 Monate, in England 54 Jahre, in Italien 53, in den Niederlanden 52 Jahre und acht Monate, in der Schweiz 52 Jahre und zwei Monate, in Oesterreich 43 Jahre unb vier Monate, in Deutschlanb 40 Jahre unb sieben Mo­nate, in Frankreich 56 Jabre unb sieben Mo­nate. Man sieht, baß wir von ber Lebens- dauer, die (nach den Berechnungen der Ge­lehrten) von den Menschen erreicht werden müßte, noch sehr weit entfernt sind. Der vielseitige Zoolog Weismann sucht übri­gens in feinen Abhandlungen über dieDauer des Lebens" unb bieEwigkeit des Lebens" auf Grund zahlreicher Beobachtungen nachzu­weifen, daß bie Dauer bes menschlichen Le­bens in birettem Verhältnis steht zu ber Zeit, bie bas Knochengerüst des Menschen braucht, um sich vollständig zu entwickeln. Rach Buf­fon wäre dieses Verhältnis gleich 1:6 oder 1:7, nach Haller 1:8. Da nun das menschliche Knochengerüst erst nach 25 oder 30 Lebens­jahren vollständig ausgebaut ist, müßte der Mensch nach Buffon 175 bis 210, nach Haller aber 200 bis 240 Jahre leben.

Auf welche Weise könnte man nun aber ein solches Älter erreichen? Darüber schweigt sich die Wissenschaft in allen Sprachen aus, und bie Lebenssysteme der Menschen, die hundert Jabre und älter werden lauf zweihun- dett Jahre hat es, soviel wir wissen, noch nie­mand gebracht), widersprechen sich in geradezu heilloser Weise. Soll man Wein oder Wasser trinken? Der heilige Antonius erreichte bei Brot, Salz. Wurzeln und Wasser ein Alter von 105 Jahren; wogegen ein gewisser Brown, ber ein Alter von 120 Jahren erreicht bot, sein ganzes Leben lang ans den Räuschen nicht herauskam und, als er endlich von seinen An­gehörigen dahin gebracht wurde, daß er Maß iu halten begann und Wasser in seinen Wein

goß, infolge rapiden Kräfteverfalls sozusagen vor ber Zeit" starb. Ferner:Du sollst nicht rauchen, auf baß bn lange lebest auf Er­ben," sagen bie Aerzte: John Wecks aber rauchte vom Morgen bis zum Abenb unb vom Abenb bis zum Morgen unb brachte es auf 114 Jahre; er starb in voller Rüstigkeit, mit ber geliebten Pfeife im Munde, unb hatte bis zuletzt volles, pechschwarzes Haar.

Man trinke keinen Kaffee! Kaffee ist Gift!" heißt es weiter. Der berühmte fran­zösische Fabelbichier Lafontaine trank Kaffee in unheimlichen Mengen unb antwor­tete als Achtzigjäbriger einem Manne, ber ihn von ber Giftigkeit des Kaffees zu überzeugen suchte:Es muß aber ein sehr langsam wir­kendes Gift sein, toetm es mich nach achtzig Jahren noch nicht umgebracht hat!" Und Elifa- beth Durieur, eine Dame, die sich mit bundert Jahren noch jung füblte, trank täglich an vierzig Tassen Kaffee und lieferte hierdurch gewissermaßen einen ironischen Kom­mentar zu der Lehre von der Schädlichkeit des Kaffees. Es gibt also keine einheitliche Lebensmethode für Leute, die die Absicht haben, die von Buffon und Haller in Aussicht gestellten 200 Lebensjahre zu erreichen. Wenn schon eine Regel aufgestellt werden, soll, so kann sie nur so lauten: Man lebe metho­disch nach einer bestimmten Lebens- ordnung, welcher Art sie auch sein mag, gebe feine Gewobnheiten nicht auf und be­wahre sich vor allem die Ruhe des Gei­stes; denn seelische Aufregungen sind meist weit gefährlicher, als alle Verstöße gegen Rauch- und Trinkverbote. Unter den Leuten, die es auf weit über hundert Jahre gebracht haben und für ihr hohes Alter auch Beweise erbringen konnten, seien erwähnt: H. Jen- kin, der im Alter von 170 Jahren infolge einer Erkältung starb; Thomas P a r r e, der 157 Jahre alt wurde, nachdem er im Alter von 120 Jahren eine junge Witwe geheiratet und . . . glücklich gemacht hatte; und endlich Hassan Heia Bei, der im Alter von 148 Jahren Spazierritte machte und infolge eines Sturzes zu Tode kam ... Dr. A. 8.

Humperdmcks Rhemfage.

Rheinsagc unb Marienkult in Noten.

Engelbert Humperdinck, der gegen» wattig an der Musik zu der gewaltigen Pan­tomime arbeitet, die Max Reinhardt in der kommenden Saison zuerst in London auf­

führen will, hat sich einem englischen Korre­spondenten gegenüber über dies fein neuestes Wett und die Eigenart der ihm dabei gestellten Arffgabe gräubert. Erst feit vierzehn Tagen (sagte der Schöpfer vonHänfel unb Gretel") ist bet Vertrag zwischen einem Komitee von Lonboner Herren ein-rseitS unb Reinharbi unb mir andererseits perfekt geworden, und ich bin deshalb erst wenig über die Vorbereitungen zu meiner Arbeit herausgekommen. Die Auf­gabe, die ich mir gestellt sehe, ist eine ganz neue, unb erfordert eine ganz neue unb originelle Behanblung. DaS Prob­lem ist eine pantomimische Dar stel- lung musikalisch z u illustrieren, die in ihrer Wesensart ganz verschieben ist von ftühereu Vorführungen, auS benen der Ge­brauch der menfchlichen Stimme verbannt war. Bisher waren solche Vorstihrungen meist Bal­letts, in denen eine Tanzmusik bie wichtigste Rolle spielte, ober pantomimische Revuen, in denen ebenfalls ber Tanz eins ber wichtigsten Darstellungsmittel ist. Gewiß sind Legenden- stoffe auch schon früher in Musik gesetzt wor­den. ar er in bicsem Falle ist der Stoff völlig verschieden seiner Natur nach von allen frühe­ren Behandlungen solcher Themen.

Die musikalifche Atmosphäre muß demnach in einer aan; anderen Form und mit aanz anderen Mitteln geschaffen werden, als sie bis­her üblich waren. Der Tett ZU meiner Musik (ber von Vollmöller verfaßt ist) beruht auf einer alten Rbeinsage, beten Schau­platz zum größten Teil in einem Kloster liegt unb in dem ber Marienkult das Leitmotiv ist. Eine sehr wichtige Aufgabe wird ber Or­gel zufallen: Die große moderne Konzertorgel ist ein Instrument, dessen tünftleriidfte Möglich­keiten hisber noch nicht in erschöpfendem Maße genutzt worben sind. Weitere Einzel­heiten kann ick aegentoärtig nicht mitteilen. Soaar der Titel des Werkes ist noch nickt end­gültig festgesetzt. ... Humperdinck sprach bann noch von ber Londoner Ausführung: er wirb den lebten Proben und ber ersten Vorstelluna veriönlick beiwohnen. Vorher aber ist noch eine Schwierigkeit zn beseitigen, bie ihn bereit» in ben nächsten Wochen nach London führen wirb. Et fürchtet nämlich, daß die iie»ae Glas- und Eisenkonstruktion ber Olympia Hall, in der die Aufführungen statt- finben sollen, keine gute Akustik bieten wird. Das soll nun erst ausgeprobt. werben, unb wenn sich bie Akustik als befriedigenb erweist,

wirb Reinharbt sogleich mit bem Bau einer befonberen Bühne beginnen, in ber alle Forffchritte ber nwbertten Theatertechnik bertoertbet und ausgenützt werden sollen. =as«

Kleines Feuilleton.

Die Welt ohne Männer" im Residenz» theater. Wie uns aus dem Theaterbureau mitgeteilt wird, wird in der heute abenb statt- finbenben Premiere bes Schwanks:Die Welt ohne Männer" in bet Besetzung ber Rollen eine Aenbentng eintreten: Die Rolle ber Gusti Branbl wird von Fräulein Irma Staat unb bie Rolle bet Christine von Sophie Fignet gespielt werben.

trtd Hartungs Abbe-Bild gestohlen! Aus Jena wirb uns telegraphisch gemelbet: Aus bem großen Hörsaal ber Universttt würbe Ernst Abbes Mosaikbilb. ein Geschenk bes einheimi­schen Künstlers Otto Hartung, gestoh­len. Das Bilb war aus mehreren taufenb farbigen guabratischen Steinen zusammen­gesetzt.

Ein neues Wett von Otto Emst. Otto E r n st hat ein neues Bühnenwerk mit bem TitelDie Liebe höret nimmer auf vollendet. Das Stück, eine Tragikomödie aus der Boheme, wurde alsbald nach seinem Er­scheinen vom Hof- unb National-Tbeater in Mannheim, vom Stadttheater in Köln, vom Thaliatheater in Hamburg, vom Deutschen Lanbestheater in Prag, vom Resibenztheater in Hannover unb vom Hofburg-Theater in Wien zur Aufführung erworben.

Ein neues Mittel gegen Cholera? De­peschen aus Rom berichten, baß ber in Italien bekannte Chemiker G u e t z o n i ein Mittel gegen bie Cholera erfunben hat, das demnächst unter dem NamenVitotiolisin" in den Handel gebracht werden wird. In einer gan­zen Reihe von Cholerafällen soll bas neue Heilmittel ausgezeichnete Erfolge aufzuweisen haben. Die italienische Regierung hat weitere. Versuche angeordnet.

s£s Tic König Eduard-Gedenktafel in Homburg. Ein Privattelegramm mel- bet uns aus Homburg v. b. H.: Die Weibe ber Gedenktafel für König Eduard in der englischen Kirche ist auf Wunsch des Kaisers auf ben 13. August festgesetzt worben. Die Marmortafel zeigt das Reliesbildnis des Kö­nigs. Der Kaiser, der von Schloß Friedrichs- hos kommt, wohnt ber Feier bei.