1. Jahrgang
Nummer 204.
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hessische Mmdzeitung
Csffklrr pbenvzeitung
Fernfvreiber 951 «ad 952.
Freitag, den 4. August 1911
^tTttftnredier 951 und 952.
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keit durckfnbr. Gegen die Annahme sind ge-
^(tbrfäfnnteit oder des Leichtsinns im langen Dienst des einzigen bescheidnen Beamten für ungezählte Leben haben müßte, deren Schicksal ohne andre als moralische Sicherung in die Hand dieses einen Menschen gelegt ist! Der Lokomotivführer Vlatten, deffen Seele die Verantwortung für das Drama von Müllheim belastet, soll (nach dem Zeugnis seiner Berufkollegen) geistig krank gewesen sein, als er die Schicksal-Kurve mit voller Geschwindig-
Auch in der M i l ch k u r a n st a l t am Ber- — ’ ,ark ist man der Ansicht, daß eine Mchnot vor September nicht ein-
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in Nieder-GSrSdorf nicht beachtet worden ist, ist erst Gegenstand der amllichen Untersuchung. Tatsache ist. daß. als sich der D-Zug der Station Nieder-GSrsdorf naherte- die Weichen nicht für ihn, sondern für den Gü- termg gestellt waren. Der D^Zug fuhr infol- gedeffen in voller Geschwtnbigkeit auf daS foaenannte UeberholungSgleiS. da der Lokomotivführer die falsche Weichenstellung nicht rechtzeitig bemerkte, nickt bremsen und in- folqedeffen auck den Zug nickt zum Halten bringen konnte. DaS UeberholungSgleiS mün- bet wieder ins HauptgleiS. war aber durch die Weiche nickt mit ihm verbunden, sodaß der D-Zug entgleiste und in eine etwa anderthalb Meter Hobe Bösckung hineinrannte. DaS erfolgte mit fo ungeheurer Wuckt, daß die Lokomotive sick formltck bineingrub. Der Packwagen, der sick hinter der Lokomotive befand, wurde auf die Lokomotive hinaufgeschoben und türmte sich auf sie 'hinauf,
fünf Personenwagen entgleisten, blieben aber wunderbarer Weife auf dem Gleis stehen. Durch den Zusammenprall wurden an den Personenwagen nur die Puffer abgebrochen und die Wagen arg beschädigt, ttu- weife auck zertrümmert. Die Wirkung der Ent- oleisung war für das Zugpersonal, das sick zum Teil auf der Lokomotive, zum Teil im folgenden Packwagen befand, eine fürchterliche. -r>er Lokomotivführer wurde förmlich zerquetscht. Der Packmeister wurde auS dem Packwagen herausgesckleudert und erlitt dabei schwere Kopfverletzungen. Zum Teil wurden die Verunglückten auck durck den aus den Siederobren der Lokomotive ausströmenden Dampf schwer verbrüht. Auch der Zugführer, der sick in dem Packwagen befand, sowie der Heizer erlitten schwere Kopfverletzungen- Arm- und Beinbrüche. Während aber die drei andern sofort getötet wurden und nur noch als Leichen
unter den Trümmern hervorgezogen werden kannten, war der Heiezr. als man ihn hervorholte, noch am Leben. Er wurde ins
(Depefchen der Casseler
Wie die Casseler Neuesten Rackrichten bereits in einem Teil der gestrigen AuS- gäbe meldeten, entgleiste gestern nachmittag 2.15 Uhr infolge falfcher Wei- chenstelluna bei Station Nieder-GörS- dorf in der Nähe von Jüterbog der D» Zug 47 Leipzig-Berlin. Bon Jüterbog und Wittenberg gingen fofort HilfSzüge mit Aerzten und zahlreichen Arbeitern nach der Unfallftelle, die etwa dreihundert Meter vor der Statton liegt, ab. Drei Personen, sämtlich Zugbeamte, sind sofort getötet, und ein Heizer f» schwer verletzt worden, daß er bald dar- auf starb. Zahlreiche Reisende kamen mit unerheblichen Verletzungen davon.
Weitere Depeschen vom Schauplatz der Katastrophe berichten uns über daS Unglück folgende Einzelheiten: DaS Eisenbahnunglück bei Nieder-Görsdorf hat insgesamt vier To- desopfer geordert. Getötet wurden: Lo- komottvftihrer Gommert aus Leipzig, der Packmeister M ü l l e r aus Bitterfeld, bei Zug- ührer und der Heizer Höpfner aus Leipzig. Die Katasttophe hat sich in folgender Weise abgespielt: Dicht vor dem D-Zug Nr. 47, der, aus Leipzig kommend, ohne anzuhalten Nieder-Görsdorf und dann Jüterbog paffiert, kommt ein Güterzug, der auf ein sogenanntes Ueberholungsgleis gefahren wird, um den D- Zug dort abzuwarten. Nun ist gestern nachmittag der Güterzug auS irgend welchen Gründen in der Station Blönsdors, etwa fünf Kilometer von Nieder-Görsdorf angehalten worden und nickt abgefahren. Ob man es in der Station Blönsdorf unterlassen hat. davon die Station Nieder-Görsdorf gleichzei- ttg zu verständigen, oder ob diese Verständigung erfolgt, aber
Rach Müllheim: Jüterbog!
Katastrophen ohne Ende.
Kaum sind die Unglückbotsckasten über
Ein Augenzeuge der Katastrophe schildert daS Bild der Zerstörung folgendermaßen: Als wir uns ans den entgleisten Wagen befreit hatten, bot sich uns ein Anblick grauenhafter Verwüstung. Die Maschine unseres Zuges war (wir es hieß: Infolge falscher Weichenstellung) auf ein totes Gleis gefahren, aus bei Fahlbahn gesprungen, hatte den Sand der Bösckung aufgewühlt und sich dann vermutlich infolge eines kräftigen Bremsens des Zugführers in letzter Minute quer umqeleai. Die Personenwagen standen in Zickzacklinie, mit dem Unterbau in den Sand der niedrigen Böschung gebohrt. Durch die Entgleisung war nicht nur der Unterbau der Wagen, sondern auck deren Stirnseiten mehr ober weniger beschädigt. An den Verbindungsgängen zwischen den einzelnen Wagen konnte ick große Zersplitterungen f-ststellen. Die Sckienen des Nebengleises waren zum Teil recht stark verbogen. Einige starke und kräftige Telegraphenstanqen waren wie Streickhölzer geknickt, umaescklaqen. Ueber der Unglücksstätte lagerte h e i ß e G l u t, als die
Passagiere aus den Wagen flüchteten.
ES gehörte viel Nervenkraft dazu, daS unsagbare Gemisch von Schreckens - und Angst- rufen, Freude- und DankeSausbrü- cken der Geretteten nihig zu ertraaen. Von ben Passagieren war niemand ernstlich verletzt. Viele batten kleine Quetschungen und Saut-, Ritz- und Stotzwunden erlitten. Im übrigen haben aber natürlich alle eine tüchtige Rervenersckütterung dovonge- ttagen. Am Fenster der nmae»ürzten Lokomo- ttve gewahrte ick das sckmerzverzerrte. bleiche Antlitz des toten Lokomotivführers Während nach Löschung des Masckinenfeuers aus dem Gepäckwagen einzelne Geväckstücke durch herbeiaeeiltes Bahnversvnal und einige Landleute auS der Umgebung heransgehoben wurden und ein zufäll'g im Zug anwesender Arzt ben in der Blvckftatton untergebrachten schwerverletzten Heizer untersuchte, standen die übrigen nock starr und erschüttert von dem graustgen, sich tief inS Gedächtnis grabenden Erlebnis . . .
am Schauplatz deS Unglücks ein, ebenso eine Sanitäiskolonnr aus Wittenberg. Von . der Jüterboger Sckietzschule traf außerdem mili- täriscke Hilfeleistung ein. Nachdem die Leichen der Verunglückten im Spritzenhaus geborgen worden waren, ging man daran, das eine Ferngleis, das durch die Entgleisung gesperrt war, frei zu machen. Dies gelang auch nach zweistündigen Bemühungen, sodaß der Verkehr nach vier Uhr wieder zweigleisig ausgenommen werden konnte. Etwa zwanzig Reisende haben l e ich t e V e r l e tz un g e n durch Quetschungen und Stürze erlitten. Die Unfallstelle liegt ungefähr dreihundert Meter von der Station, an der Einfahrtsweiche von Wittenberg. Die Lokomotive und der Packwagen wurden in den Acker hineingerollt, und haben sich tief in das Erdreich hineingewühlt. L'tt angerlchtetr Materialschaden beziffert sich nach vorläufiger Schätzung aus etwa hun- dertsünfzigtausend Mark.
baS furchtbare Drama bei Müllheim ver- stummt, daS siebzehn Meufchen-Opfer forderte, «och ist nicht einmal die Schuldfrage aufgeklärt, ob der Lokomotivführer Platten wirklich in fahrlässiger Vernachlässigung seiner Dienstpflichten das schwere Unglück verschuldet hat, und schon trägt wiederum der Telegraph, der Bringer aller schlimmen und guten Botschaften, die Meldung von einem neuenEisen- bahnunglück aus deutschem Boden durch die Lande. Die von den unablässigen Unglück- nachrichten über Folgen der entsetzlichen Som- merhitze dieses Jahres ermatteten Gemüter horchen auf: Ein v-Zug ist bei Jüter- bog entgleist und vier wackre Eisenbahnbeamte haben im Dienst einen jähen Tod ge- funden. Daß die Katasttophe nicht mehr Opfer gefordert hat, ist eine selbst im Unglück noch freundliche Fügung deS Schicksals und ein Zufall, der die Hand der Vorsehung spüren läßt. Wie daS Unglück entstand? Falsche Weichenstellung, Irrtum deS diensthabenden Be- , amten, Ueberhastung infolge der Riesenarbeit , anstrengenden Sommerdienstes: Wer weiß es? 1 Vorläufig ist nur festgestellt, daß bet entgleiste Zug, als er sich ber Unglück-Stelle näherte, in I voller Geschwindigkeit auf ein Ueberholungs- 1 gleis fuhr, daß also die Weichen nicht richttg gestellt waren und infolgedessen eine Kata- strophe unabwendbar wurde. Wem die Schuld an diesem verhängnisvollen Irrtum beizumes- sen ist, wer hier gefehlt und durch unentschuld- bare (ober boch zu entschuldigende?) Fahrlässigkeit dem Schicksal vier Menschenleben ge- opfett hat, wird, erst durch die Unter- suchung des Falles ermittelt werden können: Das Verhängnis hat wieder Ernte gehalten und die strafende Gerechtigkeit kann wohl ahnden, aber auch sie vermag die Tragweite der Tragödie und die Schwere bei Verlusts nicht zu mindern.
Daß nicht ein unglücklicher Zufall, sondern die Fahrlässigkeit irgend eines Schuldigen die Katasttophe herbeigeführt hat: DaS wenigstens steht fest, und es ergibt sich aus dieser Tatsache von selbst die näckfie Frage: Welche Umstände haben dazu geführt, daß ein vielleicht durch Jahrzehnte in anstrengendem Dienst bewährter und in Ehren ergrauter Beamter in einem einzigen flüchtigen Moment die pünktliche Erfüllung schwerwiegender Pflicht vernachlässigte und dadurch Hunderte von Menschenleben in schwere Gefahr brachte? Es ist eine durch die düstre Stattstik der Eisenbahn-Katastrophen längst erwiesne Tatsache, daß die meisten Tragödien auf den Schienen sich hn Frühling und Sommer, also in der Zeit des stärksten Reiseverkehrs, ereignen, und ein großer Prozentsatz ber schwersten Katastrophen fällt charakteristischerweise mit der stärksten Anspannung bes Eisenbahn-Verkehrs in der Zeit ber Hoch-Frequenz an den Hauptfesttagen zusammen. Man darf daraus den naheliegenden Schluß ziehen, daß die Leistungfähigkeit des personalen Apparats im Eisenbahnbetrieb für die Verkehr-Sicherheit auf den Schienen die wichtigste und ausschlaggebendste Voraussetzung ist, und daß diese Sicherheit gemindert wird, wenn die gehäuften Anforderungen des Dienstes (namenttich in Zeiten der Verkehr- Flut) die natürlich-normale Leisttmgfähigkeit des Menschenapparats übersteigen. Kommt zu der starken dienstlichen Inanspruchnahme der Beamtenschaft noch elementarer Einfluß hinzu, wie er jetzt, in der Zeit der Hitzewelle, unabwendbar ist, bann liegt die natürliche Erklä- rung verhängnisvoller Schwächen, Irrtümer oder Fahrlässigkeiten nicht weit.
Nach der uns vorliegenden (nebenstehend mitgeteilten) Schilderung der Einzelheiten der gestrigen Katastrophe gewinnt es ben Anschein, daß bie schwerste Verantwortung ben Weichensteller der Unglück-Station Nieder- Görsdorf trifft, der es unterlassen zu haben scheint, das Einfahrt-Gleis für den heran- brausenden (die kleine Statton in voller Ge- schwindi^eit durcksahrenden) v-Zug freizumachen. Wer hat, im Eilzug durch die Landschaft sausend, nicht schon aus dem Fenster des Zugs den einsamen Mann vorm kleinen Bahnwärter-Haus gesehen, dessen Hand mit einem einzigen Hebeldruck Hunderte von Men- schen-Schicksalen lenkt! Und wer ist, wenn der moderne Nunzig-Kilometei-Zug mit schwindelerregender Schnelle an dem kleinen Sckick- salpünktchen der Weickeustellung vorüberraste, nicht schon erschauert bei dem Gedanken an die furchtbaren Wirkungen, die ein einziger
Neuesten Nachrichten.)
Krankenhaus transportiert, starb aber schon auf dem Wege. Daß die Reisenden des Unglückszuges verhältnismäßig gut davonge- kommen sind, ist dem wunderbaren Zufall zu verdanken, daß von den fünf entgleisten Personenwagen keiner um gestürzt ist. Die Katastrophe hat sich so rasch abgespielt (innerhalb weniger Sekunden), daß man erst zur Besinnung kam, als alles schon vorüber war. Die Reisenden wußten im ersten Augenblick nicht, was mit ihnen geschah. Dann hörte man auS den Wagen Angst - und Hilfe- rufe, und durch die zeittümmerten Fensterscheiben sah man angstverzerrte Gesichter. Die wenigen Menschen, die sich auf dem Bahnhof Niedergörsdorf befanden, eilten zu Hilfe. Em Hilfszug und ein Santtätszug trafen etwa
eine Stunde nach ber Katastrophe
wirkliche^ . ...
treten wird, selbst dann kann aber die Lage nicht beföiHMerregend werden, da Holland und Dänemark, die nickt in dem Maße wie
UUMil-UAWWAMU
Mer Todesopfer; falsche Welcheuftelluag als Ursache!
Was Boüe sagt.
(Piivat-Telegra m^n.)
Dr Krüger, der Direktor ber Berliner Groß-Meierei C. Bolle A.-G., erflärt, daß man von einer Milchnot gegenwärtig nicht sprechen könne. In jedem Jahr sei bie Milchproduktton während der heißen Jahreszeit geringer als im Winter und Frühjahr. In diesem Jahr sei sie allerdings um 25 Prozent geringer als bie größte Milckproduktion während des Jahres im Monat Mai. Dazu komme, daß die Händler jetzt viel Milch erhalten, die zum Verkauf nickt geeignet ist, da sie bereits während des Transportes sauer geworden ist. ober fo verdorben ist, daß sie beim Kochen zusammenläuft.
Dr. Krüger sieht dagegen für ben Herbst eine Gefahr darin, daß die deuttcken Viehbestände infolge des Futtermangels zurück- gehen können, wie dies bereits vor mehreren Jahren einmal der Fall war. Tann würde eine Preiserhöhung eintreten, die sich zuerst im September bemerkbar machen dürfte.
Milchnot und Milchvieis.
Besteht in Cassel eine Milchnot?
Vor einigen Tagen brachten wir bie für die Hausfrauen wenig erfreuliche Mitteilung, daß in Cassel der M i l ch p i e i s pro Liter um zwei Pfennig gestiegen fei, und daß an einzelnen Stellen sogar fünfPfennig Auf- schlag gefordert würden. Nun hat der Vor- tanb des Vereins Casseler Milchbänd l e r in der gestrigen Nummer der Casse- er Neuesten Nachrichten eine Erklärung veröffentlicht, in ber von einem Milchmangel, aber nicht von einer M ilchp rei s er h ö - hung gesprochen wird. Warum hat sich der Verein über die Erhöhung ausgeschwie- gen? Zu hoffen ist jedenfalls, daß die Milch- ,reise wieder auf den alten Satz reduziert werden, wenn die Zustände sich bessern. Cassel ist übrigens nicht die einzige Stadt, die unter Milchmangel zu leiden hat. Auch im übrigen Deutschland macht sich der gleiche Uebelstand, der mit einer Preiserhöhung verbunden ist, bemerkbar, und man kann mit einigem Recht von einer förmlichen M i l ch n o t sprechen, die infolge des durch die Hitze verursachten Futtermangels entstanden ist, und deren nächste Folgen sich in einer Heraufsetzung der Preise äußern. So lange die Hitze anhält und eine Besserung im Stand der Futtermittel nicht ein- triti, wird auch kaum mit einem Nachlassen der Milchnot und mit einer Ermäßigung der Milchpreise zu rechnen sein, und unsre Hausftauen müssen sich also fürs erste auf ein Andauern der „teuren Zeit« gefaßt machen. Daß die Milchpreiseihöhung indessen keine dauernde sein wird, ist schon dadurch gewährleistet, daß bei einem Nachlassen des Futtermangels das Angebot direkt vom Lande wieder so stark sein wird, daß dadurch der Milchhandel v o n s e 1 b st zu einer Herabsetzung bei Pieise auf ben normalen Stand veranlaßt werden wird. Es handelt sich eben zurzeit um einen „Ausnahmezustand«, wie er durch die andauernde Tropenhitze auf dem Lebens- mittrlmartt überhaupt geschaffen worden ist.
Die Milchnot in »erlitt-
(Telegraphische Meldung.)
Die Preß-Centrale hat eine Rundfrage an die Großmeiereien in Berlin gerichtet und sie über den Milckmangel und die Aussichten für den Winter befragt. Das Ergebnis ist das folgende gewesen: Der „Sch wetz er Hof« teilt mit, daß zwar ein beträchtlicher Milch mangel sich unangenehm fühlbar macht, daß aber in Berlin eine Preissteigerung gegenwärtig nicht zu erwarten ist, da die Gutsbesitzer und Bauern noch bis zum 1. Oktober dieses Jahres auf Grund der bestehenden Abschlüsse zu dem bisherigen Preis liefern müssen. Im Winter freilich wird wohl eine Preiserhöhung vermutlich um zwei Pfennig pro Liter eintre- ten. Bei dem großen Futtermangel müssen die Bauern bereits jetzt dem Vietz Winterfutter verabreichen, so daß sie sich in einigen Monaten genötigt sehen werden, Futtervorräte zu erhöhtem Preis einzukausen. Die Gutsbesitzer, die nicht durch Abschlüsse mit Meiereien an einen festen Preis gebunden sind, versuchen natürlich schon jetzt, Nutzen aus dem Milchmangel zu ziehen. Die Folge davon ist, daß auf ben Bahnhöfen bei Ankunft der Milchtransporte ein scharfer Preiskampf bei Händler entsteht. Dock kann dieser Konkurrenzkampf vorläufig den Verkaufspreis der Milch nickt: be-
Moment ber Schwache, des Vergessens, der wickttqe Bedenken erhoben toorben, aber man _ _ — - -- c « n.txu:—- muß hier bie Frage geltenb macken: Ist Plat
ten infolge dienstlicker U eb er anftr en- g u n g seelisch überreizt und infolaedesien nickt in der Lage gewesen, di- Tragweite seiner Handlung zu übersehen, oder war seine Willenskraft (wie es behauptet worden istt durw Alkoholgenuß gesckwäcki? Nur diese Frage ist zulässig und eine bestimmte Antwort darauf wird boffentlich nicht auf sich warten lassen. Und der Weichensteller von Nieder-Görsdorf...? F. H.