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I. Jahrgang.

Nummer 203

hessische Menchritung

Casseler pbenLzritung

I

Donnerstag, den 3. August 1911.

Feimsprecher 951 und 952.

wort zu:

Oos, 2. August.

F. H.

Reich nur frommen!

e t

®t«Tagtler Neueste Nachrichten' erscheinen ir-chentstch sechsmal und zwar abendL Der AbonnementSpreiS beirigt monatlich SVPfg. bet freier Zu- Peilung ins Hau«. Druckerei. Verlag u. Redaktion: Schlachlhosstratz« 28.30 Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

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Die Vollstreckung des Urteils tunlichst bald herbeizuführen. da er die See- lenfolter nicht mehr ertragen könne.

Abschwächung der optimistischen Auffassung, die noch gestern bemerkbar war, sestzustellen.

Gegenliebe, aber die Anerkennung eiutrug, daß der Deutsche des zwanzigsten Jahrhunderts sichtlich nächstenliebender geworden sei als der Vorfahr, der sich in stolzer Stärke auch einsam sicher wußte; es genüg» die Erinnerung an die Legion von Kondolenz-Depeschen und Heldenkränzen, . die der Republik hin.erm Vogesenberg in ver­schwenderischer Fülle gespendet wurden, und die beim westlichen Nachbar doch kein andres Emp finden weckten, als die Erinnerung an die Ver gangenheit, die ihn unter die Faust desBar baren" beugte. Von anderm mild zu schwei­gen ...!

Vor Jahren, als (schon einmal) in erregter Stunde Marokko-Sorgen die Sommer-Ruhe scheuchten, sollim Interesse des Friedens" das Wort gesprochen worden sein:Innerhalb acht­undvierzig Stunden wünsche ich den leidigen Handel erledigt!" Das Wort ist apokryph, fällt aber hinsichtlich der Zeit des Ausspruchs mit dem raschen Abschluß des Marokko-Abkommens von ncunzehnhundertneuu zusammen, das in der Sprache offiziöser Schreiber als kluge Hel­dentat friedenftarter Politik gefeiert, vom Ur­teil besonnener Kritik aber als planloser Rück­zug deutscher Schwäche und als Verlegenhei!- Tal stümpernder Diplomatie gebrandmarkt worden ist. Es ist sicher heut kein Anlaß zu neuen Besorgnissen der Art gegeben: Statt des Tändel-Diplomaten Schoen steht der derbe Schwabe Kiderlen-Waechter am Steuer des auswärtigen Reichgeschäfts, und man darf zu ihm das Vertrauen haben, daß er, unbeirrt von frommem Wunsch und romantischem Ein- tracht-Sehnen zum Ziel sich durchkämpfen wird. Immerhin: Die (uns Deutsche leis Hxschä­mende) Zuversicht auf des Kaisers Friedenliebe bei nnietn Gegnern im Marokko-Spiel gibt mancherlei zu denken, weckt die Erinne­rung an ein im intimen Kreis gesprochnes Wort des siebenten Eduard von England über dieRomantik in der Werkstatt der Weltge­schichte" und legt die Frage nah, ob eine Macht von der Riesenkraft deutscher Volkheit, die fünf Millionen Elitetruppen als entscheidendes Gewicht in bU Wagschale des Völkerschicksals werfen kann,aus Gründen der Frieüenpoli- tik" unter allen Umständen verpflichtet ist, ge­genüber nachbarlicher Rückstchtlosigkeit milde Duldsamkeit und (oft bespöt.elte) Nach­sicht zu üben. Der Lorbeerkranz eines still- verträumten Frieden-Säkulums ist nicht so kostbar, tote das stolze Bewußtsein mannhafter Stärke, das weder Unbill noch feigen Hohn straflos duldet. Wenn man beim Swinemün- der Rendezvous an Bord der Kaiserjacht auch darüber sich klar geworden ist, kann's dem

DerTemps", dessen Auslandpolitik sich heute in Widerspruch mit der des Quai d'Orsay befindet, bestreitet der Regierung das Recht, sich auf dem Weg der BerlinerVer- handlungen zur Verletzung der AlgeLi­ra s - A k t e verleiten zu lassen, dieFrank­reichs bester Schirm" sei. Falls Deutsch­land die Liquidation der Algcciras-Akte ver­lange, dürse das nur unter Mitwirkung aller Signaturmächte durch eine Konferenz geschehen, nicht durch eine französisch-deutsche Zwie­sprache und gegenseitige Zugeständniffe.

Depeschen aus Berlin berichten uns: Gestern nachmittag nach fünf Uhr haben im Auswärtigen Amt abermals längere Be­sprechungen zwischen Herrn von Ki­derlen-Waechter und dem französischen Botschafter C a m b o n stattgesunden. Die Deutsche Kolonialgesellschaft veröffentlicht eine Erklärung, in der sie für Deutschland Kompensationen in Marokko fordert. Die Kolonial-Gesell- schaft (deren Vorsitzender bekanntlich der Her­zog-Regent Johann Albrecht von Braun­schweig ist) erhebt gegen die Abtretung Togos an Frankreich energisch Einspruch. Schließlich wird uns noch aus Paris de­peschiert: In den heutigen Zeitungskommenta­ren über die deutsch-französischen Marokko- Verhandlungen macht sich eine wach­sende nervöse Ungeduld bemerkbar. Es wird der dringende Wunsch ausgesprochen, daß die Wartezeit endlich zu Ende gehe, und daß das Publikum irgendwelche Ausklärung über das Ergebnis der Verhandlungen erhält. Gleichzeitig warnen die inspirierten Blätter nachdrücklich vor den Phantasienach­richten, die üppiger denn je sich in der Pa­riser Presse entfalten, 3m allgemeinen ist eine

Frankreichs bester Schirm."

(Eigene Drahtmeldung.)

V Paris, 2. August.

zevvelin in AW!

Die FriedrichshafenerDelag" an die Caffeler Neuesten Nachrichten.

In Bälde wird nun auch die Residenzstadt Cassel ihrenZeppelin-Tag" haben: Das LuftschiffSchwaben" der Deutschen Luftschiff-Aktiengesellschaft wird unserer Stadt einen Besuch abstatten. DieSchwaben", die bekanntlich nach den glänzend verlaufettctt Probefahrten uachBaden-Qos übergeführt wor­den ist und dort auf einige Wochen stationiert bleibt, soll im Monat September einen Flug nach Gotha und Berlin antreten. Da Cassel, nicht weit vom Wege liegt, haben dieCasse­ler Neueste Nachrichten" Veranlassung genommen, eine telegraphische An­frage an dieDelag" zu richten, ob auf der Fahrt nach Gotha die Möglichkeit gegeben sei, daß Gaffel überflogen werden könnte. In freunbliajfier Weife hat die Gesellschaft sofort geantwortet, und zwar in einem für Gaffel günstigen Sinne. DieGaffeter Neuesten Nach­richten" depeschierten gestern an dieDelag :

Luftschiffhalle Baden-Oos.

Fragen an, ob Möglichkeit gegeben, daß bei geplanter FahrtSchwaben" nach Gotha auch die Stadt Gaffel berührt werden kann?

Von der Deutschen Luftschiff-Aktiengesell­schaft ging den Casseler Neuesten Nachrichten daraushiu heute folgende telegraphische Ant-

Auf Hin- oder Rückfahrt derSchwaben" soll die Stadt Cassel überflogen werden. Delag.

Irr Friedens-Kaiser.

Wilhelm der Zweite und die Politik.

Seltsam: Als die weiße Zollemjacht des Kai­sers, von der Nordlandsahrt heimwärts damp­fend, der deutschen Küste näher kam, stieg an der Seine und am Themse-User die Hoffnung aus einen friedlichen und gedeihlichen Ausgang der -(tags zuvor noch fo unheilvoll drohenden) Marokko-Kampagne wie vom Zauberstab be­rührt, und französische Blätter sprachen es offen aus, daß sie von der Heimkehr Wilhelms des Zweiten für die Verständigung-Aktion mehr Förderung erwarteten, wie vom Diplo­matengeplauder eines ganzen Monats. In­zwischen hat sich nun der Kaiser mit den Her­ren von Bethmann Hollweg und vvn Kiderlen- Waechter an Bord derHohenzollern" in zwei­stündiger Audienz über alle Einzelheiten des Marottoproblems unterhalten, und wie Lon­doner und Pariser Depeschen übereinstimmend melden, betrachtet man an Themse und Seine nunmehr die um die Mitte der versloffnen Woche noch so verworrene Frage mit der Zu­versicht, die die Gewißheit eines gedeihlichen Resultats verleiht. Im politischen Geschäfts­betrieb hat sich inbeffen zwischen Heut und Ge- ftem nichts ereignet, das diesen Optimismus zu rechtfertigen vermöchte: Die Richtlinie un­srer Tattik ist dieselbe geblieben, und auch beim Partner hat sich weder Auffassung noch Nei­gung gewandelt. Und dennoch: Der Opti­mismus siegt ...!

Die Zuversicht gründet sich (in den Stim­men der pariser und londoner Prefle wirds er» kennbar) auf die p e rs ö nlich e Friedens­liebe Wilhelms des Zweiten, von dem (im Gegensatz zu frühere?- Auffassung) im Ausland die Rede geht, daß et den Ruhm sei­nes Kaisertums darin erblicke, allzeit ein starker und gewissenhafter Hüter des Friedens zu sein. Diese Friedenliebe ist im ureigensten Wesen des dritten deutschen Kaisers begründet: Sie gehört mit zum Charakterbild Wilhelms des Zweiten, und wie alles Psychologische in der Art dieses Fürsten, prägt auch sie sich scharf und bestimmt ans und hat sich selbst bann Geltung zu verschaffen gewußt, wenn das Staatsintereffe eine weniger bestimmte Be­tonung bes Friedenwillens wünschenswert er­scheinen lassen mochte, und gegen die Form der Kundgabe sich sogar Bedenken kluger Vor­sicht und weiser Mäßigung erhoben. An sich er­scheint der scharf ausgeprägte yriebenbrang im Charakterbild des sonst rein-soldatisch empfin­denden Kaisers nicht einmal als harmonische Tönung, und wenn man nach einer psycholo­gischen Erklärung der Frieden-Stimmung im Charakter Wilhelms des Zweiten sucht, mag sie vielleicht in dem scharf ausgeprägten Ver­antwortlichkeitgefühl des Trägers der Kaiserkrone zu suchen sein, dem das Wort vomInstrument des Herrn" in den dreiund- zwanzig Jahren seiner Regierung stets mehr als bloßer Begriff, mehr als fürstliche Tradi­tion gewesen ist; in der Erkenntnis des Werts des Völkerfriedens und vielleicht auch in der Abneigung gegen den Lorbeer des Er­oberers, den der Argwohn des Auslands dem Neunundzwanzigjährigen beim Antritt seines Kaisertums als Ziel jugendlichen Ehr­geizes um den Triumphbogen beklommnen Willkommens wand.

Das Wort vomsozialen Kaiser" (das im ersten Dezennium der Regierung Wil­helms des Zweiten von freundlicher Dankbar­keit geprägt wurde) ist in den Blättern der Ge­schichte nicht haften geblieben, fiel dem Ver­gessen zum Opfer und wird vielleicht erst spä- ter, wenn Licht und Schatten von der Weltge- schichte einwandfrei gemessen, wieder Geltung und dauernden Wert sinden: Um den Ruhm desFri'edenskaisers" indessen ringen die starke Individualität und der beschwingte Idealismus Wilhelms des Zweiten einen ho­hen (manchmal auch verzweifelten) Kampf, und eben aus diesem Ringen heraus wurde manche Handlung geboren, die dem Empfinden des Volks und der Stimmung des Herzens wohl verständlich und menschlich-edel erschien, gleich­wohl aber im kritischen Urteil nüchterner Po­litik harte Verurteilung gesunden hat. Es braucht nicht erst an die ideale Hast des Krü­ger-Telegramms erinnert zu werden (von dem offiziöse Chronisten, spät erst, be­hauptet haben, daß die Geschichte feiner Ent­stehung in der Oeffentlichkeit tendenziös ent­stellt worden sei): Es genügt der Hinweis aus die Flut der Frieden-Sehnsucht, die zwei Jahr­zehnte hindurch über den Kanal zu den Ge­raden Albion» rauschte, und uns drüben keine

Franffurt a. M., 2. August. (Telegramm unseres Korrespondenten.) Die Zu­rücknahme des Gnadengesuchs des zum Tode verurteilten Feldwebels Müller ist noch gestern abend den zuständigen Stellen telegraphisch mitfleteilt worden und die Staatsanwaltschaft hat bereits die Vorkehrungen für die Vollstrek- kung des Urteils getroffen. Die Hinrichtung Müllers wird jedenfalls schon am Freitag in der Morgenfrühe stattsinden. Müller hat gestern abend mehrere Briese an seine Ange­hörigen geschrieben, die ihnen nach seinem Tode ausgehändigt werden sollen.

Mond bau Phrmant.

Keine Unterbrechung des Bade-BetriebS!

(Telegraphische Meldungen.)

Tie Kurverwaltung von Pyrmont hat gestern nach dein Brande einen An­schlag veröffentlicht, in dem mitgeteilt wird, daß leine Verletzungen vorgekom- men sind, und daß es gelungen ist, die im Kurhotel untergebrachten Altertümer zu retten. Die Ursache sei aus Kurz­schluß oder Moorentzündung zu- rückzusühren. Tas Inhalatorium sowie die Maschinen des Badehauses sind gänz­lich unbeschädigt. Die Stahlbäder konnten bis auf wenige gerettet werden; auch ein großer Teil der Solbäder ist erhalten.

lieber die Brand-Katastrophe (über die wir bereits gestern nach Depeschen unsers Korrespondenten berichtet hatten) wer- den uns telegraphisch folgende wettere Etnzel- beiten gemeldet: Wie jetzt festgestellt tst, ent­stand das Feuer im Dach des Anbaues des Badehauses. Da der geringe Wasser- druck die Löschung undurchführbar machte, konme das Uebergreifen des Feuers nach dem Kurhotel nicht vermieden werden. Um vier Uhr morgens erfolgte eine Detonation, die angeblich von den in der Nähe des Kur­hauses in einem Moorschuppen aufbewahrten Feuerwerkskörpern hermhrte. Diese erplädierten und wurden durch das Dach geschleudert. Die Unglücksstelle liegt tm Hofraum, der mit einem Gebäudekompler eng bebaut ist, sodaß das Feuer sofort rasend um sich griff. Die Bewohner des großen Bade- Hotels sahen nach dem Knall, wie die Reste der Feuerwerkskörper hinausgeschleudert wurden und alarmierten die Feuerwehr. Als nach einer Stunde der den kleinen Verhältnissen Pyrmonts angepaßte städtische Feuerwehrap- parat in Betrieb gesetzt werden konnte, hatten die Flammen bereits

sämtliche Dachgeschosse ergriffen.

Man entschloß sich dann zu einem telephoni- scheu Hilferuf an die Stadt Hanno­ver um die Stellung einer Dampfspritze, die aber erst nach zehn Uhr morgens eintraf, als der Brand in der Hauptsache bereits gefascht war. Die Gäste des vollbesetzten Fürstlichen Badehotels konnten sich sämtlich in Ruhe und Ordnung aus dem Haus ent­fernen. Allerdings war vorher eine Pa- n i k ausgebrochen, und die Gäste waren nur notdürftig bekleidet voller Angst aus ihren Zimmern geflüchtet. Das ausgebrannte zweite Geschoß ist vom Erdgeschoß durch eme Beton- decke getrennt, so daß der Brandherd auf daS Obergefchoß beschränkt blieb. Fünf Moorbad­zellen sind zerstört, jedoch über hundert ötabt» badezellen erhalten. Der Schaden, den die Gäste des Hotels erleiden, durfte nicht allzu hoch fein, da die meisten nur das Notdürftigste an Gegenständen im Kurhaus leibst unterge­bracht hatten. Gegen elf Uhr vormittags ge­lang es endlich, den Brand zum Stillstand zu bringen. Die unteren Räume des Komplexes können aller Voraussicht nach in einigen Tagen wieder hergerichtet und der ganze Badebetrieb wieder aufgenommen wer­den, da

hundert Badezellen intakt geblieben sind. Der prachtvoll eingerichtete Konzertsaal ist vom Feuer völlig zerstört worden, utoo die üblichen Kur-Konzerte muffen deshcckb bls auf weiteres aussallen. Der Gesamtschaden be­ziffert sich nach den neuesten Schatzungen ans etwa eine Million Mark, der indessen durch Versicherung völlig gedeckt ist. Mit den Vorarbeiten zum Wiederaufbau des Kurhauses ist der Landesdirektor des Fürsten von Wal­deck §>err von Glasenapp, tn Arolsen, beauftragt Sen. Der Badebetrieb wickelte sich bereits heute wieder in durchaus normaler Form ab. Eine Anzahl von Kurgästen ist nach der Brand-Katastrophe zwar ab gereist, doch ist anzunebmen, daß die Saison keine Einbuße erleiden wird. Die grq§e Mehrzahl der Kur­gäste ist in Hotels und Privatquartieren im* hergebracht worden und es machen sich infolge­dessen keinerlei Schwierigkeiten in der Unter- : bringung der Fremden bemerkbar. Da Mi

Der genaue Termin der Fahrt nach Gotha ist noch nicht festgelegt; in Aussicht genommen ist aber die erste Woche im Monat Sep­tember. Die Frage, ob das Luftschiff Schwaden" über Gaffel nur kreuzen oder aber, ob es eine Zwischenlandung vorneh­men wird, ist noch offen. An dem Magistrat und an dem Fremden- und Verkehrsverein wird es nun liegen, Maßnahmen zu treffen, um den Casseler Zeppelin-Tag in entsprechender Weise vorzubereiten. Tas ge­eignete Gelände für eine Zwischenlandung ist auf dem Forst vorhanden und die Vorberei­tungen für eine Landung sind nur unbedeuten­der Art. Da unsere städtischen Körperschaften ja selbst vor einiger Zeit den Wunsch ausge­sprochen hatten, es möge auch einmal ein Zeppe­lin-Kreuzer nach Gaffel kommen, dürste es ihnen nicht schwer fallen, nun dafür zu sorgen, daß dieSchwaben" uns auch wirklich be­sucht und Gaffel nicht nur eineVisite im Vorüberfliegen" abstattet.

Feldwebel Müller am llnde

Keine Gnade, sondern Tod!

Wir berichteten vor einiger Zeit, daß der wegen Ermordung seiner Geliebten, einer Hanauer Verkäuferin, zum Tode verurteilte sseugfeldwebel Müller von der Ha­nauer Pulverfabrik kurz vor der bereits festge­setzten Hinrichtung ein Gnadengesuch an den Kaiser gerichtet habe und infolgedessen die Vollstreckung des Urteils bis zum Eingang der kaiserlichen Entscheidung über das Gnadenge­such aufgeschoben worden sei. Der zum Tode Verurteilte hat nun aber sein Schicksal selbst besiegelt: Er hat das Gnadengesuch zurück­gezogen. Aus Frankfurt wird uns darüber berichtet:

»-» Frankfurt a. M 2. August.

(Telegramm unseres Korrespondenten.)

Zeugfeldwebel Müller von der Pulverfabrik Hanau, der wegen Ermordung seiner Gelieb­ten vom Oberkriegsgericht des achtzehnten Ar­meekorps zum Tode verurteilt worden war und sich erst beharrlich weigerte, ein Gnaden­gesuch einzureichen, bann aber am Tage vor feiner Hinrichtung doch ein solches Gesuch an den Kaiser richtete, hat jetzt dieses Gna­dengesuch wieder zurückgezogen. Er will sobald als tunlich hinge­richtet werden. Müller erklärte im Ge­fängnis. er habe mit dem Leben abgeschlossen und wolle feine Tat mit dem Tode büßen. Seit der Absendung des Gnadengesuchs an den Kaiser legte Müller eine immer mehr sich stei­gernde Unruhe an den Tag, und es war ihm deutlich anzumerken, daß er schwere inne­re Kämpfe überwand. Gestern abend er­klärte er dann dem Direktor des Gefängnisses in Preungesheim, er habe sich nun entschlossen, nicht um Gnade zu bitten; er wolle hingerich­tet werden und habe nur noch die eine Bitte;

Fernsprecher 951 und 952.

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