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hessische Mendzkitung

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Lüffrirr fidrndzrltung

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Frrmvrrcher 351 trab 952.

D^enStag, den 1. Angnst 1911

fferBfjrrerber 951 «ab 952.

Neueste« Nachrichten.)

wor­

den.

Aeus-rung einer der Wilhelmstraße nahestehen

Amts dem Kaiser Vortrag gehalten, und

zwar dürsten sich die Besprechungen der beiden den Persönlichkeit vor, die sich über den Stand Staatsmänner mir dem Kaiser in erster Linie der Tinge folgendermaßen ausläßt: Die lei en-

rokko nicht doch seiner

um die M a r o k k o f r a g e gedreht haben. Ueber das Resultat des Vortrags ist bisher niL.s bekannt geworden, dagegen liegt di«

W* JMM«rlH**<b We*tU6t««* «rf*«tncn wich «Mich stthtm-l tm» nur aioti ter «l«mnncnt*ytitl beträgt monatlich 60 Psg. M krtn Zu. ftetaag tat Hau« Druckerei. Vertag u Rebottton > vchluchthofltraK, 28/80 vertiere, Vertretung SW. Friebrichfirah, 14 ttiwboni tont IV. «7«.

der Brand wenig geschadet, dagegen find die gesamten Vorräte des erst kürzlich ein- gefahrenen Getreides, sowie die gesamten Gummiwaren vollständig vernichtet

»sine sich i$- rierrstcn zu

Sie neueste Kombination.

(Eigene Drahtmeldung.)

Wie aus Paris berichtet wird, konstatiert der der Regierung nahestehendeTemps", daß daS plötzliche, aus der Tonart der Berliner Presse ersichtliche © eigen des politischen Baro­meters zusammenfalle mit der Ankunft des Kaisers in Swinemünde. Den Besprechun­gen des Kaisers mit dem Kanzler und dem Staatssekretär des Aeußereu wird eine ent­scheidende Bedeutung für den Aus­gang der Berliner Verhandlungen beigelegt. Ueber die wahrscheinlichen Kompensationen will derTemps" erfahren haben:

Deutschland erklärt, politisch in Ma-

rropenhitze in Prag.

(Eigene Drahtmeldung.)

A Prag, 31. Juli.

In Prag, wo die Hitze gestern nachmit­tag zweiunddreißig Grad im Norv- schatten erreichte, mußte dir Rettungsgrsell- schast in neunzehn Fällen von H i tz s ch l ä - .gen eingreifen: zwei Personen starben während' des Transportes ins Krankenhaus. Infolge der Hitze brach in der Lochowitzer Walzmühle eist Feuer auS, daS das große Etablissement vollständig ein äscherte, ebenso den benachbarten Wald. Auch der fürst­lich Hanau'sche Meierhof in Horschowttz ist mitsamt den Vorräten niedergebrannt. Ans dem Lande werden ebenfalls zahlreiche Brände infolge der Hitze gemeldet, und durch Blitz­schläge wurden in den letzten drei Tagen in Böhmen zweiundzwanzig Personen ge­tötet. Dir Ente ist infolge der andauernden Hitze stark gefährdet.

den *c;:faicn und französischen Staatsmänner sind v. selbstverständlich der ungeheuren Be r a a / ,v o r t u n g, die in Verfolg der ge-

Hitze-Katastrophen!

UngwcksMe und Snmdkatastrophen infolge der Hitze.

Heidebrmd infolge der Hitze.

(Privat-Telegramm.)

$ Hannover, 31. Juli.

In dem Rehburger Moor zwischen Maar­dorf und Schneeren ist gestern durch die Hitze ein großer Moor- und Heidebrand zum Ausbruch gekommen, dem biS jetzt fünf­hundert Morgen zum Opfer gefallen sind. Um zu verhüten, daß das Feuer auf die fiskalischen Forsten übergreist, sind über zweihun­dert Personen auS Limburg und Um­gegend mit dem Aufwerfen eines breiten Gra­ben- beschäftigt. Mißlingt der Versuch, so ist ein großer Waldbrand zu befürchten. In Hannover und der Nachbarstadt Linden sind in der letzten Woche sechSunddrei- ßig Kinder ein Opfer der Hitze geworden. Zwanzig von ihnen sind an Magen- und Darmkatarrh gestorben. Auch zahlreiche andere Personen sind infolge der Hitze schwer erkrankt.

Ser Kaiser rmb Marokko.

(Privat-Telegram m.)

In Swinemünde haben am'Sonnabend nachmittag der Reichskanzler und der Staatssekretär des Auswärtigen

genwärtigeu Verhandlungen auf ihren Schul­tern liegt, voll bewußt. Sie handeln auf bei­den Seiten in dem Bewußtsein, daß ein an­drer Austrag der bestehenden Differenzen als der aus friedlichem Wege von unabsehba- rerTragweite wäre, und daß sie bei ihrem Bestreben, eine friedliche, beide Teile be­friedigende Lösung der schwebenden Fragen herbeizuführen, ihr gesamtes Volk hinter stck haben. Daß eine derartige Lösung sehr wohl möglich ist, und voraussichtlich i n allerkürzester Zeit herbeigefübrt wird, dafür dürfte Wohl der Umstand sprechen, daß die Nordlandreise des Kaisers nicht abge­kürzt worden ist. und daß der Reichskanzler und der Staatssekretär des Auswärtigen Amts erst einen vollen Tag nach der Ankunft des Kaisers in Swinemünde zum Vortrag besoh­len worden sind. Was ferner die in einem Teil der französischen Presse besprochene eventuelle Abtretung der deutschen Kolonie Togo an Frankreich betrifft, so glaube ich (es ist dies jedoch nur meine persönliche Meinung), daß hierüber Wohl nicht verhandelt worden sein dürfte. Denn Politik ist schließlich kein gewöhnliches Tauschgeschäft, und es spie­len bei derartigen Fragen nicht nur Momente materieller NatUr, sondern wesentlich auch solche ideeller Natur mit.

( Glut-Sonntag ta Berlin.

(Eigene Drahtmeldung.)

cS> Berlin, 31. Juli.

Die abnorme Hitze der letzten Tage in Berlin hat auch am gestrigen Sonntag mit kaum verminderter Stärke angehalten. In Berlin und Umgebung herrschten nahezu die gleichen Verhältnisse, wie man sie vor kurzem aus Newyork und London mit Schaudern ver­nommen Hat. Ein besonders tragischer Fall ereignete sich in der Joachimstraße in Char- lotteuburg. Dort erlag eine Dame, die verwitwete Justiz rät in Möller, bei der hohen Temperatur einem Herzschlag, und idre achtzehnjährige Tochter geriet darüber in solche Verzweiflung, daß sie sich auS dem Fenster stürzte. Auch sie blieb aus der stelle tot. Die Mehr^hl der Unfälle ereig­nete sich im Freien am Wasser. Von den Tau­senden, die sich auS dem Bereich der glühenden Häusermassen flüchteten, um sich an einem küh­len Bach zu erfreuen, wurden die meisten Opfer gefordert. Richt weniger als acht Personen starben während deS Badens, größtenteils infolge HitzschlageS. Auch die Zahl der Waldbrände war wieder sehr groß und die verschiedeen Wehren hatten den ganzen Tag über zu arbeiten, um die Brände zu be- wältigen.

*

SrohfMer tat Leipziger Bahnhof!

(Eigene Drahtmeldungen.)

Leipzig, 31. Juli. (Privattele- gramm.) Gestern mittag brannten aus dem im Neubau befindlichen Zent r al - bahnhofe vier Speicher, die zur Güter­abfertigung gehörten und an Privatper­sonen vermietet waren, nieder. Die Spei­cher enthielten reiche Vorräte an Getreide, Mehl und Gummiwaren. Der Brand ist wahrscheinlich auf eine infolge der Hitze hervorgerufene Selbstentzündung zurück- zuführen. Der Schaden ist sehr groß.

Ein Telegramm unseres Korre­spondenten berichtet uns über den Brand noch folgende Einzelheiten: Gestern mittag brach in dem Schuppen fünf des Freilade- babnhofeS cm der Frankenburgerstraße ein Feuer auS, das Güter im Werte von acht­zigtausend Mark vernichtete. Das La­ger enthält sieben Abteilungen, die in sich ab­geschlossen und an Private vermietet sind. Gabnbeamte bemerkten, daß auS den Fenstern des Lagers einer Gummisabrtk Rauchwolken drangen. Die Beamten alarmierten die Feuer- wehr, die sofort ausrückte. Die Feuerwehr konnte den Brand erst aber nur wenig angrei­fen. da die Schuppen durch eiserne Türen ab­geschlossen sind. Man konnte deshalb das Feuer zunächst nur durch die Gitterfenster be­kämpfen. Unterdessen hatten die Flammen auch auf die Abteilungen anderer Firmen überge- griffen, die mit Getreide gefüllt waren. Erst als die Schlüssel herbeigeschafft waren und die Türen geöffnet werden konnten, war die Webr in der Lage, das Feuer energischer an­greifen zu können. Dem Gebäude selbst hat

Politik und BMenecht-

Bo* Professor Dr. Niemeyer-Kiel.

ru Sage tu Marokko, wlt

fW bxrd) M* .Ktttxmtn btt »tttchtebrn« Macht« ta b«r tetttn g-tt sich h«rmre,«bttdet bat, untersucht btt »«könnt« k»«ht«lrhrtt ProfessorDr. Sltemiser. KM ta ttattti Ärtttet .Marokko tmb ba» Völkerrecht- tn b«t D«rtsch«n gurtstrnzetrunz, tn bem « bte v«r- f*tabe«e *bäf«n her «ntwicklrm, btt marokkanischen Ara-« »am, ftaattz- tmb völkerrechtlichem Staub- jmnft ans kritisch untersucht und bann M folgenden SchkNÜ-rlnSflihrungen gelangt:

vom objektiven Standpunkt der poltttschen Entwicklungsgeschichte betrachtet, stellen sich dir «enesten Ereignisse der Marofloange- legen-eft all die naturgemäße Fortsetzung der mit dem Jahre achtzehnhundertachrztg begonne­nen europäischen Afrikapolitik dar. Durch den Ausstand Arabi PaschaS und Englands Ein­greifen in Aegypten war daS Signal zu jenem kolonialpolttifche« Wettlauf gegeben, der Eng­land nach Aegypten und dem Sudan, Fraukretch nach Tunt«, Madagaskar und Marokko, Jt a l i t« nach Eritrea, Deutsch- l a n d »ach Südwest- und Ostafrika führte, zu dem Wettlauf, in dessen Folg« England und Fraukretch bei Faschoda aufeinander prallten, durch den dann ferner die Herrschaft England» tn Südafrika durch de» vurenkrieg und die jüngst erfolgt« fübafrtkantsche Union gerettet, durch die neuste Phase der brttifchen ReichSkon- ferenzen aber wiederum ernstlich beschränkt worbe« ist. Di« englisch-französische Abma- chung vom achte« April 1904 ist nur eine Phase in dieser Gesamtentwicklung, durch die Marokko de« Franzose», Aegypten den Engländern überantwortet werde« sollte. Die Landung deS Kaiser» ta Tanger und die Einsprache Deutsch- land» gegen jene» Sonderabkommen lagen in derselben Richtung, wie die Bemühungen der Berliner Kongonkouferenz im Jahre 1885, de- tat auSgleichende Tendenz und Wirkung tn Atzeeires neunzehnhundertfechS ihre Fortset- zung und Anwendung auf Marokko fand. Auch heut« (und zwar heute erst recht) bleibt es da­bei, daß eS in Algecira» weder Sieger noch Besiegte gegeben hat, sondern daß daS wohl- verftandne Interesse aller an der Afrikapolitik betelltgieu und interessierten Staaten gefördert wurde, indem die Diagonale im Paralle­logramm der Interessen gesucht und tat wesent­liche« gefunden wurde. Die Regierung und die Bevölkerung Maroflo» haben durch Bruder­krieg, AuWände und Fremdenverfolgungen aus» neue die Intervention der Kulturstaaten herautgefordert.

Nachdem die ftanzstsche Aktion und deren Verkleinerte spanische Nachbildung diese Inter­vention eingeleftet haben, hat mit der Entsen­dung bei .Panther" da» Deutsche Reich den Aetgestager erhoben und mit ruhiger, aber deutlicher Gebärde auf die europäische Jrtter- effensolidarttät und die Notwendigkeit völ­kerrecht-gemäßer Behandlung der Ma» roftoftage al» eine» Abschnitt» bet gesamten Asrtkalage hingewiesen. Daß bte» ta lediglich platonischem Sinne geschehe, wird nie- mand glauben oder fordern: Nur wer Karten ta der Hand hat, kann mitspielen; wer keine Realbeglaubigung beibringt, dem fehlt hier die Sachlegitimatton. Selbstverständilch fordert da» Deutsche Reich nicht nur theoretische Anerkennung der offnen Tür, sondern in irgend einer Form deren praktische Gewähr- le ist un g. Deutschland darf aber nach seiner Mitwirkung bei der Kongo- und Algexirasakte für sich die Präsumtion beanspruchen, daß es auch seine besonder» Interessen lediglich im Zusammenhang der internationalen Kultur- und RechtSgemeinfchaft zur Geltung bringen will, die mit gesamter Hand die Afrikafrage zu regeln berufen ist. Nur diejenige Jnterven- tton ist erfolgreich und darum berechtigt, die an die Stelle der bestehenden Staats- und Rechts- sormen wirklich Besseres fetzt und den Bestand rechtlicher Ordnung gewährleistet. Ord­nung und Gerechttgkeit sind die ewig giltigen Kennzeichen wie allen Rech'S, so auch des Völ­kerrechts. Die Diplomatie wird hier neue For­men internationaler Vergesell­schaftung zu suchen haben und sie nach dem Prinzip der Kultursolidarität und ge­mäß den guten oder schlechten Erfahrungen in­ternationaler Spezialorganisa.ionen (vor allem aber in der organischen Fortbildung und Er- Weiterung der durch die Algecirasafte geschaff­nen Verhältnisse) zu finden wissen.

begeben und erhält dafür als Kompensation eine sehr günstige Regulierung b er deutschen Kamerungrenze. Dazu tritt eine koloniale Konven - tion zwischen beiden Staaten, nach der Deutschland seine Kolonie Togo für einen Teil von Gabun eintauscht, doch wahrt sich Frankreich einen Teil der Atlantischen Küste und einen Teil von Gabun als einen freien Zugang zu seiner Besitzung.

Im übrigen hält in Paris die fett einigen Tagen entgehe: ene optimistische Auffassung der Loge an, und es wird in den Blättern dar­aus hingewieien, daß nunmehr die Basis für eine Verständigung gesunden zu sein scheint, und daß die deutschen An­sprüche sich verringert haben. Auch in London macht sich eine zuversichtlichere Be- urteilung der Situation bemerkbar, und man rechnet bestimmt mit einer befriedigen­den Lösung

Sie Werra-Kanalisierung.

Generalversammlung des Vereins für die

Werra - Sck iff barma chung.

(Von unserm Korrespondenten.)

<? Coburg, 31. Juli.

Der Verein für Schiffbarma­chung der Werra hielt am Sonnabend seine Hauptversammlung in Coburg ab. Nach­dem der Vorsitzende, Senator M e y e r, die An­wesenden begrüß: bat'te, erstattete Ingenieur A b s h o ff - Hannover den Jahresbericht, wo­raus bervorzubeben ist. daß die preußische S'aatSregiernng vorläufig nicht für die Wer- rakanalisternng ;u haben rst, da die Berechnun­gen, die der Verein in Bezug auf Kosten und Rentabilität aufgestellt habe, nicht günstig seien. Der Verein ist noch nicht vorstellig ge­worden. Regierungsbaumeister C o n t a g wünschte in der Debatte, daß zunächst einige Talsperren ausgeführt würden. Dem widersprachen aber Dr. Wendlandt- Esch- wege, Oberbürgermeister Schmieder-Eise­nach und Bürgermeister Weißker -Hannov.- Münden, welche vor einer Trennung der Pro­jekte Werrakanalisierung und Talsperrenbau warnten. Bürgermeister Dr. M a r ch u s - Bre­men wünscht, daß die Kanalisierung sowie

die Verbindung mit dem Main in denkbar größtem Maß stabe ausgeführt werde, da kleine Projekte nicht rentabel seien. Dann hielt Tr. Wolff einen Vortrag über die im Werragebiet geplanten 23 Talsperren, die zusammen 88 Millionen Kubikmeter Wasser aufspeichern und 51 Millionen Pferdekraft liefern sollen. An der sich daran anschließenden Sitzung des großen Ans schu sse s r B in­nen sch iffahrt nahmen der Herzog von Coburg-Gotha und Prinz Ludwig von Bayern teil. Baurat Contag-Ber­lin hielt einen Vortrag über dir Werraka- nalisieruna und den Ma in-Werra-

Atze-Katastrovhen ta Holland.

(Privat-Telegramm.)

£ Amsterdam, 31. Juli.

Au» allen Teilen Hollands werden Kala­mitäten infolge der großen Hitze gemeldet. Im Smalinger Lande (Provinz FrieS- land) starben vier Landarbeiter auf dem Felde an Hitzschlag. In Nieuwendyk (Provinz Süd­holland) wurden bei einem Leichenbegängnis drei Personen vor Hitze bewußtlos. In Sin­nen zündete der Blitz in einer Ziegelei, zwei­undzwanzig Häuser wurden eingeäfchert. Die Ernte der Zuckerrüben gilt als verloren, da die Hitze alles ausgedorrt bat und die Felder aus­sehen wie nach einem Brande. Alles Grün ist von der seit zwei Wochen ununterbrochen an­dauernden Gluthitze verbrannt und auf den Feldern klaffen infolge der langen Trockenheit breite Risse. Der Schaden an Ernte-Verlusten beziffert sich auf Millionen.

*

Wahnsinn als Folge der Hitze.

(Privat-Telegramm.)

£ Amsterdam, 31. Juli.

In Wormeveer (Holland) hat gestern die Fran eines Buchbinders im Wahnsinn infolge der schädlichen Einwirkung der Hitze eine gräßliche Tat begangen. Das neunjährige Mädchen eines Arztes erschien im Laden, um für ihren Vater etwa? zu holen. Die Frau lockte das Kind tn ihr Wobnztm.mer und wollte es hier mit einem Küchenmesser er­stechen. Aus das laute Geschrei des Mäd­chens eilten Nachbarn herbei, die die verschlos­sene Tür einstießen, und das Opfer der Frau befreiten. Die beiden Arme der Kleinen, die sich verzweifelt gegen die Sticke der Frau ge­wehrt hatte, waren vollständig zer­fleischt. Auch die Wütende selbst hatte sich beim blinden Darauflosstechen zahlreiche Wun­den zugefügt, sodaß beide ins Krankenhaus ge- sckaflt werden mußten, wo die Derzte feststell­ten, daß die unglückliche Frau infolge der Hitze wahn sinnig geworden war.

sDepesche« bet Casseler

In Cassel hat die H i tz t ebensowenig nach­gelassen, tote in den anderen Orten de» Rei- che». Gestern stieg die Temperatur wieder bi» auf -f- 38 Grad Celsius und auch in der Nacht war von einer größeren Kühle nichts zu verspüren. Die niedrigste Temperatur betrug 4- 21 Grad. Heute mittag um rin Uhr ver­zeichnete da» Thermometer wieder + 36 Grad Celsius. Der amtliche Wetterbericht für den Dienstag läßt allrrdtag» eine kleine Abkühlung erhoffen, denn et be­sagt:

Meist heiter; ober vielenorts Gewitter, »der Gewitterregen, «nd allgemein et» we­nig kühler.

Glücklicherweise ist der gestrigen Sonntag, an dem trotz der enormen Hitze viele Menschen ihre gewohnien Ausflüge unternahmen, vorüberge- gangen, ohne besondere Unfälle im Gefolge gehabt zu haben, wenn man von einigen leich­ten Ohnmachtsanfällen, die infolge der Hitze bei einzelnen Personen auf:raten, absehen will. Auch ist Cassel bisher von andern schlimmen Nachwirkungen der Hitze, wie sie andernorts leider eingetreten sind, verschont geblieben.