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Sonntag, den 30. Juli 1911.
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Smprrsfiomn.
Die neueste Phase im Marokko-Spiel.
Mephistopheles Theophile Delcasfö, Frank- reich« Marine-Minister, beim gestrigen Journalisten- Empfang über die Marokko-Frage: , ...Ich war stets überzeugt, daß in der so delikaten marok- konischen Angelegenheit zwei große Nationen rote Frankreich und Deutschland sich am Ende n e r ft ä n- digen müßten. Ich bin auch überzeugt, daß der neue Vertrag die wesentlichen Rechte der Beteiligten respektieren und in Zukunft die Wolken zerstreuen wird, die den Horizont beider Länder oeNnmkeln könnten. Ich bin immer gewöhnt, die Dinge ernst, aber niemals tragisch zu nehmen...."
Es Hilst nichts, Friedenglocken zu läuten und die Schalmeien zu blasen, wen« das Ungewitter schwarz und düster am Himmel steht; eS nutzt anch nichts, die Gefahr hinten» dünnen Vorhang der Gleichgültigkeit zu verbergen und erst dann Oel auf die Wagen zu gießen, wenn der Sturm die Tiefen bereits aufgewühlt Hai. Man mutz (trotz der Glut der Hitzewelle) an diese Ersahrung-Sätze denken, wenn man zurückschaut auf Das, was uns in der letzten Woche kurzer (aber bedeutungvoller) Zeitspanne über das Marokko-Problem von berufner und unberufner Seite erzählt worden ist: Sei's zu dem Zweck, brodelnde Erregung zu sänftigen, oder auch, um kalte Gleichgültigkeit zu ermuntern. Im Anfang der Woche hörte man noch Erfreuliches: Die Verhandlungen zwischen den Herren Cam- bon und Ktderlen-Waechter nehmen (erschwert durch die Schroffheit französischer Stimmung) einen »war langsamen, aber doch befriedigenden Fortgang und eS erscheint die Hoffnung berechtigt, in naher Zeit eine glückliche Lösung zu finden. Und das trotz des .dröhnenden Trompetenstoßes* »er Herrn Llohd George, der in den Sommerfrieden hineinfuhr wie rin mißtönender Gassenhauer in die Feierlichkeit würdigen EhoralgesangS. Um die Wochenmitte (als man in Parts begriffen hatte, was Lloyd George's Gepolter unter Umständen als „Stimmung-Faktor* wiegen konnte) wandelte sich das BUd, und deS Friedens stommer Engel floh erschrocken seitwärts in die Büsche.
Seitdem scheint der Schwerpuntt des Marokkospiels förmlich nach der Londoner Dow- ning-Street verlegt, und von dort aus blies auch der Sturm, der in diesen Tagen durch den internationalen Blätterwald fegte. Et« Genfer Blatt wußte noch am Mittwoch zu erzählen, daß England der stanzösischen Regierung in aller Form dt« Versicherung gegeben habe, Frankreich dürfe im Marokko-Handel unter allen Umständen auf englischen Beistand rechnen, und in Paris sei man entschlossen, diese Versicherung in den Verhandlungen mit Deutsch- land mit gebührendem Nachdruck inS Treffen zu führen. Nachdem dann der Kampf der Get- ster und Federn Formen angenommen hatte, die nicht mehr erfreulich genannt werden konnten«. hat am Donnerstag Herr Asquith tm eng- lischen Unterhaus erklärt, der Streit gehe um deS Kaisers Bart; England habe weder Pflicht noch Neigung, sich störend oder gar hemmend in das friedliche Geplauder der Herren Cambon und Kiderlen einzumischen, es stehe lediglich als aufmerksamer und interessierter Zuschauer zur Seite und wünsche im übrigen, daß die Verhandlungen zwischen den beiden Mächten zu einem ehrenvollen und beide Teile befriedigenden Abschluß kommen möchten. Das Echo der Marokko-Rede darf Herr« Asquith befriedigen: In Berlin sowohl wie in Paris hat man ihm attestiert, daß die (unterm Zwang politischer Notwendigkeit und kluger Takttk ge- sprochnen) Worte den Wolkenberg am europäischen Horizont gescheucht und des Friedens teures Gut aus dem Bereich naher Gefahr gerückt batten.
Daß Ramsav Macdonalds (des fingen Genossenführers) scharfe Absage an den Polterer Lloyd George in derselben Sitzung des Unterhauses von Liberalen und Unionisten wild niedergebrüllt wurde, daß Balfours mephistophelische Zunge die Hymne des Friedens gistig parodierte: Das alles hat den überlauten Beifall für Asquiths .rettende Tat* kaum gemindert, dem Ueberschwang des Lobes nicht Einhalt getan. Und doch konnte Mister Asquith, wenn er mit dem Schwert des Verhängnisses nicht lässig spielen wollte, nicht anders spreche«, als er am Donnerstag gesprochen hat; durfte, ohne schwerwiegende Konsequenzen auf Downtng-Stteet zu laden, nicht daS leiseste Deutelwort den Lippe« entfliehen lassen, und war (von der hochgehenden See der Erregung hüben und drüben über die Nähe der Gefahr rechtzeittg orientiert) g e - Swunge», »t« »rodelnd« Flut rasch und
wuchtig einzudämmen. Fand daneben aber noch erwünschte Gelegenheit, vor aller Welt Ohren das „natürliche Interesse* Englands an einer etwaigen Machtverschiebung im Norden des schwarzen Erdteils zu präzisieren. Konnte ein Minister des King mehr tun, stärker« Eindruck zeugen und das Schwergewicht des Marokko-Problems sicherer auf englischen Boden zwingen? Die freundlichen Randglossen der französischen und deutschen Presse zu seinem Marokko-Speech im Unterhaus werden Herrn Asquith vielleicht ein wenig überrascht haben, weil selbst der Opttmismus diesen Effekt nicht ahnen konnte. Jedenfalls aber darf er vom Erfolg des Schachzugs befriedigt sein, denn Argwohn und gefährliche Hast sind (für's erste wenigstens) aus des Pulverfasses nächster Nähe gebannt.
Inzwischen hat King Georg den Botschafter Britanniens in Paris, Sir Francis Bertie zu langer Audienz empfangen, und es ist Wohl nicht anzunehmen, daß die beiden Herren sich über die Rennen zu Godwood oder die Regatten zu Cowes unterhalten haben, denn Sir Francis Bertie gilt als eigentlicher Manager der englischen Marokko-Politik, ward in Paris schon zu Pichon's Zeiten in alle Jn- ttmitäten französischen Sehnens eingeweiht, und spinnt als Geschäftsträger Großbritanniens beim Elysee weiter an den Fäden, die des siebenten Eduard geschickte Hand im Allerheiligsten des Quay d'Orsay anzuknüpfen verstand. Sir Francis bekennt sich offen und überzeugt zum politischen System des toten King; Sympathie für Deutschland und die Deutschen ist ihm fremd, und er hat nie ein Hehl daraus gemacht, daß er das Ideal seiner Botschafter-Mission in der Schaffung einer innigen und allgemeinen franco-enstlischen Iitter- essengemetnschaft erblickt. Wäre also aus Mister Asquith's Donnerstag-Rede eine Kundgabe gegen die von Sir Francis Bertie betriebne antideutsche Politik herauszuhören gewesen, dann hätte man dem King vermutlich das stundenlange Geplauder mit dem Ratgeber seines Vaters erspart. Das alles sind zwar nur Momentbilder, Impressionen und Stim- mung-Reflexe, aber es zeigt sich auch hier, daß unter Umständen rin einziges Schlaglicht die Situation schärfer beleuchtet, als das ganze Blinfieuerwerk offizieller und offiziöser Politik. Deutschland hat jedenfalls begründeten Anlaß, auf diese Wetterzeichen zu achten, und man darf deshalb auch annehmen, das Herr von Ktderlen-Waechter. der in diesen Tagen in Swinemünde an Bord der „Hohen- zollern* dem Kaiser seine Aufwartung macht, die flüchtigen Momentbilder im Hintergrund der Szene nicht übersehen wird: Impressionen föhnen hier wertvoller sein, als die ausgeklügeltsten und erkünsteltsten (wenn auch noch so wuchtigen) Eflette! F. H.
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Berliner Lssiziosa.
(Telegramm unsers Korrespondenten).
Köln, 29. Juli.
Die „Kölnische Zeitung* versichert (offenbar „offiziös inspiriert*), daß in Berliner maßgebenden Kreisen der Fortgang der französisch-deutschen Verhandlungen keineswegs mit besonderem Optimismus erfülle. Tie Rückkehr des . Kaisers werde an der gegenwärtigen Situation absolut nichts ändern. Die Deutsche Regierung werde ihre bisherigen Forderungen verteidigen, hoffe aber immerhin auch heute noch, zu einem beide Teile befriedigenden Abschluß mit Frankreich zu gelangen. Die gegenwärtige Lage wird offiziös folgendermaßen darge- tellt: Einigen sich Deutschland und Frankreich über die Kompensationen, dann wird England sich damit zufrieden geben. Einigen sie sich nicht, dann zieht England aus seiner Eigenschaft' als Unterzeichner der Algeciras- Akte die berechtigte Konsequenz und will auch mit bei der Partie sein. Damit aber ist Frankreich in eine unbequeme Lage versetzt und muß dann ein noch wesentlich größeres Interesse an einer Verständigung mit Deutschland haben, als bisher: Muß es doch befürchten. daß im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen auch England noch seine Rechnung präsentieren wird. So ist unsere Position auf Grund der englischen Er fiärnngen eine noch viel stärkere geworden, denn wir können es schließlich darauf ankom- men lassen, daß die Verhandlungen ergebnislos verlaufen, da wir die Alaeciras-Akte hinter uns stehen haben und uns damit zufrieden geben werden, wenn unsere Schiffe einfach in Agadir bleiben.
Paris, 29. Juli. (Privat-Tele- gram m.) Rach einer Meldung deS „Echo de Pari»" aus Tanger geht in Agadir das Gerücht, daß demnächst »wet wettere deut
sche Kriegsschiffe im Hafen cintreffen werden. Zwei deutsche Inspektoren uno vier Beamte der Mannesmann-Gesellschaft sind gestern in Agadir eingeirosfen.
Krieg dem Kriege!
Das Marofio-Meeting in der Hasenheide.
Im Riesensaal der „Neuen Welt* in der Hasenheide bei Berlin hat gestern abend das sozialdemokratische Massenmeeting gegen den „Hundsftag-Koller des Ma - r o k k o - R u m m e l s* stattgefunden. Die Versammlung, die offiziell als eine „Besprechung über die Solidarität der Völker Deutschlands und Frankreichs" gedacht War, wies trotz der herrschenden Gluthitze einen riesigen Besuch auf, uno schon lange vor der Eröffnung drängte sich in dem gewaltigen Saal Kopf an Kopf. Weit über zweitausend Personen nahmen an der Versammlung teil, die im übrigen ruhig und ungestört verlief .Ein weiterer Bericht meldet uns:
Berlin, 29. Juli.
(Privat-Telegram m.)
Die gestrige Massenversammlung in der Berliner Hasenheide verlief durchaus ruhig, und die Redner befleißigten sich in ihren Ausführungen einer verständigen Mäßigung. Unter lautem Beifall wurde einstimmig eine Resolution augenommeir, in der es heißt: Die versammelte Berliner Arbeiterfthaft begrüßt die -Vertreier der französischen Arbeiterschaft und dankt ihnen für den Beweis internationaler Kameradschaft und brüderlicher Friedensliebe. Die Versammelten erklären, daß sie sich eins fühlen mit der Arbeiterschaft Frankreichs wie auch der andern Länder, in dem Bestreben, den Völkern he« Frieden zu erhal und allen Machinationen der zum Kriege drängenden herrschenden Klassen entgegen zu treten. Der Krieg dient nur dem Machtraub und den P r o - fitgelüsten einer kleinen Minderheit, während die große Mehrheit aller Völker den Frieden will, da sie allein die Opfer der Kriege zu tragen Hai. Die Versammelten fordern die Arbeiter Deutschlands tote Frankreichs auf, angesichts der gegenwärtigen drohenden Kriegsgefahr jederzeit auf dem Posten zu fein und ihren ganzen Einfluß zur Verhinderung deS Krieges aufzubieten. Sie fordern die Einberufung der verantwort- lichen Volksvertretung, um dieser die Mitentscheidung über die Lösung internationaler Konflikte zu ermöglichen. Die Versammlung protestiert gegen die Ausweisung des französischen Kameraden D v e t o t, dessen Rede im Gewerkschaftshause lediglich von der ehrlichen Absicht geleitet war, dem Frieden zu dienen.
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Wie uns ein weiteres Privat-Tele- gramm aus Berlin meldet, werden die herausfordernden und verunglimpfenden Aeuße- rungen des ausqewieseiten französischen Radikal-Sozialisten P v e t o t (über die wir berichtet haben) der Berliner Polizei Anlaß geben, zukünftig die in der Reichshauptstadt weilenden ausländischen Sozialisten schärfer zu überwachen, um eine Wiederholung aufreizender und das deutsche Ansehen herabsetzenden Reden zu verhüten. Das Ministerium des Innern wird einen darauf bezüglichen Erlaß auch an die übrigen preußischen Polizei- Verwaltungen richten.
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Londsrrer Frermdschasts Bankett.
(Telegraphischer Bericht.)
In einer Versamlung der englisch-deutschen Freundschaftsgesellschaft. die gestern nachmittag unter dem Vorsitz von Sir Francis Lascelles in London abgehalten wurde, gelangte folgende Resolution zur Annahme: Die englisch-deutsche Freundschaftsgesellschaft betrachtet mit Besorgnis die Meinungsverschiedenheiten, die bezüglich Marokkos entstanden sind, und wünscht ihrer aufrichtigen Hoffnung Ausdruck zu geben, daß die öffentliche Meinung in England und Deutschland während des Verlaufs der Verhandlungen eine Haltung ruhiger Erwägung der auf beiden Seiten vertretenen Ansichten bewahre, und daß sie alles in -hrer Macht stehende tun werde, um die herzlichen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland zu erhalten.
Mma Betsera.
Eine kanadische Sensations-Affäre.
In Montreal (Kanada) erregt ein Fall großes Aufsehen, in den eine junge Dam« verwickelt ist, die behauptet, eine natürliche Tochter de» Kronprinzen Rudolf
von Oesterreich zu sein, und die eilte Schicksalsgeschichte erzählt, die recht abe' uerlich klingt und den kanadischen Behörden Anlaß zu einer eingehenden Untersuchung gegeben hat. Die Dame behauptet, Dokumente zu besitzen, die ihre Abstammung einwandfrei beweisen würden. Ueber die Affäre, die in gesellschaftlichen Kreisen großes Aufsehen erregt, werden uns folgende Einzelheiten berichtet:
$ Montreal, 29. Juli.
(Privat-Telegram m.)
Die angebliche Tochter des so tragisch geendeten Kronprinzen Rudolf von Oesterreich, die eine große Schönheit fein soll, erklärt, daß sie nach der bekannten Katastrophe von Meyerling im Auftrage der österreichischen Regierung nach Amerika gesandt worden sei. Ein Priester hätte sie begleitet, sei aber dann mit dem für sie bestimmten Gelde durchgebrannt. Sie selbst nannte sich Alma Vetsera und heiratete endlich einen Makler in Toronto namens Hayne, mit dem sie zusammen nach Oesterreich fuhr, um als T och- ter des Kronprinzen anerkannt zu werden. Als ihr dies nicht gelang, kehrten die Beiden nach Kanada zurück. Rach der Geburt eines Kindes verliebte sich ein junger Herr aus Montreal, M c. D o u g a l d, in die Mrs. Hahne, und infolgedessen wurden von beide« Seiten Scheidungsprozesse eingeleitet. Während der Prozesse erschien der Vater des junge« Mc. Dougald und sperrte feinen Sohn in eine Nervenheilanstalt in Montreal ein. Freunde des jungen Mannes, angeblich von Mrs. Hahne beeinflußt, versuchten ihn mit Gewalt zu befreien und einem wurde ein Ohr abgeschossen. Mrs. Hahne reichte nun einen habens eorpus-Antrag ein, um Mc. Dougald zu befreien, der sich dann freiwillig entschloß, in der Anstalt zu bleiben und sich dem Willen seines Vaters zu fügen. Der Fall erregt Aufsehen infolge der angeblichen Abstammung Alma Vetseras..Ueber ihr eigentliches Vorleben ist nichtsGewisses bekannt; es ist bisher nur festgestellt worden, daß die angebliche Alma Vetsera vor etwa einem Jahrzehnt aus Oesterreich einwanderte. Ob sie tatsächlich Vetsera heißt und wirklich eine Tochter des österreichischen Kronprinzen ist, wird erst die weitere Untersuchung des Falles ergebe«.
Ser Roman des Verbrechers. Aus dem Leben eines „geborenen" Verbrechers.
(Von unferm Korrespondenten.)
ä*i Elbing, 29. Juli.
Mit der Ergreifung des seit fast zwei Jahren vergeblich gesuchten Raubmörders Stolze beginnt das letzte Kapitel eines der schwersten Kapitalverbrechen der letzten Zeit. Die angestrengten, von der Staatsanwaltschaft immer wieder einaeschärf- ten Verfolgungen des Verbrechers haben den Mann mürbe gemacht, so daß et bei seiner Verhaftung ein Geständnis ablegte. Wie noch erinnerlich, wurde am neunten Oktober 1909, früh morgens, im Vogelfänger Walde am Abertsteg der fünfzig Jahre alte prattische ArztErnst Krause von einer Reisigsammlerin tot aufgefuuden. Die Leiche war noch warm, so daß der Tot erst vor kurzer Zeit eingetreten sein konnte. Bei näherer Besichtigung zeigte es sich, daß der Körper einen Schuß im Kopf auftoies, außerdem war der Schädel eingeschlagen und schließlich fand man einen Stich im Genick, der das verlängerte Rückenmark getroffen hatte. Der Schauplatz des Verbrechens zeigte, daß der Mörder mit seinem Opfer
einen verzweifelten Kampf geführt
hatte. Der Verdacht der Täterschaft heftete sich an verschiedene Personen, die aber bald wieder entlassen werden mußten, und blieb schließlich an einem Mane hängen, der sich seit ungefähr einem Jahre in Elbing unter dem Namen Zander aufgehalten hatte. Er wohnte im Hotel Reichshof und verfügte anscheinend, trotzdem er keine Beschäftigung batte, über ausreichende Geldmittel. In Lokalen mit Damenbedienung war er ein häufiger Gast. Kellnerinnen, die ihm gefielen, bezahlte er das Glas Bier mit einer Mark; mitunter machte er an einem Vormittag eine Zeche von fünfundsiebzig Mark. Wie sich später herausstellte, hat Zander auch in Kreise Eingang gefunden, die sonst ihren Verkehr ehr ängstlich prüfen. Diesen Leuten gegenüber war er ebenfalls freigiebig und half ihnen mit baren Darlehen aus der Verlegenheit. Eine ganze Anzahl der Kellnerinnen hatte et ich als „Bräut e* beigelegt. I« der letzten Zeit befand er sich aber anscheinend in Geldverlegenheit, da er im Hotel „Reichshof* ein« Rechnung von etwa hundert Mark nicht begabten konnte. Um sich Kredit zu verschaffe«, erzählte er, daß er noch
ein großes Vermögen zu erwarten habe, das ihm von Verwandten zufallen müsse. Als man sich mit der Person dieses Zander näher beschäftigte, stellte es sich heraus, daß man es mit dem jetzt siebenundzwanzig Jahre alten Lebrer Karl Hermann Stolz« zu tun hatte. Stolze war in Dörtngshgen un