vrrrmrrrer 198.
1. Zayrgarrg.
COltrNeMk llndjiidjtcn
Esffrlrr pbrnLzritung
»eaffelerReuefte Nachrichten" erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abend», »er «bonnementSpretS beträgt monatlich 50 Pfg. bet freier Zu- fiellung in» Hau». Druckerei, Verlag u. Medaltion: Schlachthofstraße 28/30. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.
tzrsflschr Ilbmüslitung
JnserttonSpreise: Die sechSgespaltene Seile für einheimische Geschäfte 15 Pfg, füt auswärtig« Inserate 25 Pf, Reklamezeile für einheimische we- schäft« 40 Pf. für auswärtige 60 Pf. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV. 676.
Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, den 28. Juli 1911.
Ferntvrecher 951 ttnb 952.
Gewitter im Anzug...?
Achtzerchundertsiebzig und neunzehnhundertelf.
Berlin, 27. Juli. (Telegramm un - sers Korrespondenten.) An der gestrigen Berliner Börse waren beunruhigende Gerüchte im Umlauf, aus denen zu entnehmen war, daß das Deutsche Auswärtige Amt einigen hervorragenden Finanziers beunruhigendeRachrich- ten über Marokko habe zugehen lassen. Die Gerüchte find zwar später dementiert worden, es besteht aber deffenunge- achtet in finanziellen Kreisen die Ueber- zeugung, daß man auch in der Berliner Wilhelmstraße die Marokko-Frage als sehr ernst und kritisch betrachtet und mit der Möglichkeit weiterer Komplikationen rechnet.
Am morgigen Freitag soll in der Berliner Hasenheide eine sozialdemokratische Massen- demonstration veranstaltet werden, die sich (wie's in den Ankündigungen heißt) gegen den „weltpolitischen Hundstag- Koller des Marokko-Rummel richtet. Was damit bezweckt werden soll, ist angesichts der beunruhigenden Wetterzeichen im Marokkospiel nicht ganz klar, und es ist auch nicht sonderlich überzeugend, wenn der „Vorwärts" unter spöttischer Anspielung aus den Fürsten Bülow (der einmal im Reichstag ausrief: lieber Krieg und Frieden werde nicht in Vollversammlungen in der Hasenheide entschieden) erklärt: Die „Hasenbeide-Potttik" werde jetzt respektiert werden müssen. Es find für die morgige Versammlung zwar nur Redner von erprobter Besonnenheit ausgewählt worden, aber es ist dennoch mit der Möglichkeit zu rechnen, daß das „Meeting gegen den Hundstag-Koller" dem Ausland Anlaß zu billiger Schadenfreude bieten wird. Eins indessen sollten die Wortfiihrer der „Dreimil- lionen-Partei" beim morgigen Hasenheide- RendezvouS nickt vergessen: Ihren sranzöfl- ichen Gesinnunggenossen zu sagen, daß an der bedenklichen Zuspitzung der internationalen Lage einzig und allein die brutale Abenteurerpolitik Frankreichs die Schuld trägt! Die sozialdemokratische Parteileitung würde sich in Widerspruch mit dem Empfinden des deutschen Volks (die großstädtische Arbeiterschaft nicht ausgenommen) setzen, wenn sie die Reichsregierung verantwortlich machen wollte für den Ernst der großpolitischen Situation. Täuscht sich doch selbst der „Vorwärts" nicht darüber, daß das Marokko-Ge- witter noch nie in so drohender Form am Horizont gestanden hat wie heut. Daran ist aber die Reichsregierung genau so wenig schuld, wie die Sozialdemokratie. Die gegenwärtige Situation hat in der Tat eine gewisse Aehnlichkeit mit den Frühsommertagen von achtzehnhundertsiebzig, was besonders durch die (offiziös inspiriertes Andeutung der Kölnischen Zeitung bekräftigt wird: „Nicht unsre wirtschaftlichen Interessen bildeten die Hauptsckwierigkeit bei den Berliner diplomatischen Verhandlungen; der heikle Punkt liege vielmehr in der Kompensationsfrage als Ausgleich für den von Frankreich in Rordafrika beanspruchten Machtzuwachs, und es handle sich um eine M a ch t f r a g e, die in Europa zum Austrag kommen müsse . . ."
Das sind messerscharfe Worte, die jeden Zweifel verdrängen. Herr von Kider- len-Waechter braucht öffentlich und offiziell zurzeit nichts zu sagen, denn in jedes Deutschen Brust ist die Empfindung rege, daß jetzt die nationale Ehre mitten auf der Szene steht und der Gefahr, angerührt zu werden, mehr ausgesetzt ist. als in den letztvergangnen Wochen und in den jüngsten Jahren überhaupt. Das Wetterglas der Wettpolitik weist also auf Sturm, und zwar zeigt dieser Sturm die meteorologischen Eigenschaften des Taifuns, dessen Nahen gleichfalls durch eine unheimliche, bleischwere atmosphärische Stille sich ankündet. Bei solcher Sachlage wird nun in den nächsten Tagen der Kaiser, von der Nordlandfahrt heimkebrend, in Swinemünde eintreffen und sofort die Vorträge des Reichskanzlers und des Staatssekretärs des Auswär- ttgen Amts entgegennehmen. Wenn man(wie es den Anschein hat) französischerseits hofft, daß das Konzept Kiderlen's alsbald durch den Kaiser im Sinne einer Milderung des deutschen Standpunkts korrigiert werden wird, sodaß sich dann der Marokkokonfltkt „im Hundumdre- herl" aus der Welt schafien lassen werde, dann
dürfte die Enttäuschung prompt sich einstellen. Deutschlands Langmut hat eine Grenze: Diese Grenze ist jetzt erreicht und es geht allem Anschein nach „Hart aus Hart". Mögen Die die schwere Verantwortung sür das Kommende tragen, die den Konflikt heraufbeschworen haben: Uns kann diese Verantwortung nicht treffen, denn Deutschland hat im Marokkospiel eine Geduld und Langmut offenbart, die fast als Schwäche gedeutet werden konnten, und die im Herzen der besten Deutschen umso peinlicher empfunden wurden, als sie sich anreihten an eine lange Kette früherer Versäumnisse, Unterlassungen und unverantwortlicher Fehler. Glaubt man am Pariser Quay d'Orsay und in der Londoner Downing-Street, mit deutscher Geduld lächelnd spielen zu können, dann wird man sich getäuscht sehen: Selten, daß die Stimmung der germanischen Volkheit in einer Frage internationalen Gewichts so einmütig und geschlossen hinter der Regierung stand; selten, daß das Volk-Empfinden sich so restlos mit den Maßnahmen der Wilhelmstraße deckte, und diese Einheit, diese Uebereinstimmung der Empfindungen vom Nord zum Süd. vom Osten zum Westen berechtigt uns auch heut, im Angesicht naher Gefahr, zu dem stolzen Germanen-Bekenntnis: Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt . . .! fh.
Man beschwichtigt!
(Telegraph ische Meldung.)
Wie das der englischen Regierung nahestehende Londoner Reuter-Bureau „aus Erkundigungen in diplomatischen Kreisen" erfährt, istkeinneuerFaktor aufgetaucht, der den Verlaus der jetzt zwischen Frankreich und Deutschland im Gange befindlichen Verhandlungen über Marokko stören könnte. Die vorgestrige Konferenz im Londoner Auswärtigen Amt (der bekanntlich der Botschafter Bettie beiwohnte) sei auf den Wunsch der leitenden Mitglieder der Regierung zurückzuführen, sich aus erster Hand über die Fattoren des Problems und den Fortschtttt der Verhandlungen zu unterrichten. Es sei dazu zu bemerken, daß die Erklärung des Premierministers Asquith im Unterhaus, alsdiedeutscheAktionin Agadir bekannt wurde, sich auf die n e u g e - schaffen« Situation in Marofto bezog und auf die Absicht der Regierung, alle britischen Interessen zu schützen, die berührt werden könnten. Man hege keinen Zweifel, daß, wenn irgend eine Lösung außerhalb Marok- k o S gefunden werde, die Franfteick befriedige, diese sich für die brittschen Interessen nicht als schädlich erweisen werde. Es sei auch vollkommen unrichtig, anzunehmen, daß die britische Regierung in irgend einer Weise den Verhandlungen eineSchrankezu setzen suche, abge- fehen von den Erwägungen, die in der Erklärung des Premierministers im Unterhaus auseinandergesetzt worden seien.
* englische Flotten-Plane? (Privat-Telegram m.)
Wie das Reutersche Bureau weiter erfährt, ist infolge einer Aenderung in dem Programm der Bewegung der Heimats» und der atlantischen Flotte vor einigen Tagen beschlossen worden, den Plan eines Besuchs der atlantischen Flotte in den schwedischen und norwegischen Häfen fallen zu lassen. Man cr- klätt indessen, daß diese Aenderung „keinerlei Beziehungen zu den jüngsten Ereignissen in Marokko habe". Aus London wird uns dazu berichtet:
London, 27. Juli.
Die Admiralität lehnt es ab, irgend welche Mitteilung über die Bewegung der Kriegsschiffe zu geben und verweist nur auf die offiziöse Erklärung, daß „die Reiseänderung des nach Norwegen bestimmten Geschwaders in keinerlei Zusammenhang mit der marokkanischen Frage stehe." Gleichzeitig wird aber die Tatsache, daß diese Reiseänderung mit der jetzigen politischen Lage in Zusammenhang stehe, von der öffentlichen Meinung im ernsten Sinne aufgefaßt. Sie fcheint jedenfalls ein Anzeichen dafür zu sein, daß die Unterredungen in Berlin zwischen Sibirien und Cambon augenblicklich das Hauptinteresse des englischen Kabinetts bilden. In der heutigen Unterhaussttzung will der Kabinettschef auf die Frage antworten, die ihm von Balfour bezüglich Marokkos gestellt werden wird.
★
Konferenzen in Downing-Street.
(Eigene Drahtmeldung.)
Wie uns aus London depeschiert wird, soll in der heuttaen Unterbaus-Sitzuna vor der
Abgabe der Erklärung des Premierministers über die diplomatische Lage an Sir Edward Grey die Frage gerichtet werden, welch deutschen Kriegsschiffe seit dem fünfzehnten Juli in Agadir feien, ob er ein briti- f ch e s K r ie g s s ch i f f zum Schutze der britischen Interessen in diesen Hasen senden werde, und ob in Agadir kürzlich deutsche Matrosen gelandet seien. Premierminister Asquith sprach gestern abend im Auswärttgen Amt vor und konferierte eine Stunde lang mit Sir Edward Grey. Weiter suchten der erste Lord der Admiralität, Mc. Kenna, der französische Botschafter und Lord Kitchener Sir Edward Grey auf. Mehrere Boten verkehrten eifrig zwischen dem Buckinghampalast und der Downing-Street. Der König hat seinen Besuch bei den Rennen zu Goodwood definitiv abgesagt und man bringt in unterrichteten Kreisen diese plötzliche Absage mit der Zuspitzung der marokkanischen Frage in direkten Zusammenhang. Nach einer amtlichen Meldung werden die Atlantische Flotte und das fünfte Kreu- zergefchwader wahrscheinlich demnächst nach Gibraltar, ihrer Flottenbasis, gehen. Auch diese Maßnahme bringt man in Verbindung mit der Marokkofrage.
★
London, 27.Juli. (Privattelegramm.) Die „Westminster - Gazette" schreibt: Während es sich von selbst versiebt, daß die marokkanische Frage eine vorsichtige Behandlung erfordert, lehnen wir entschieden den alarmierenden Ton ab, mit dem die Frage in gewissen Kreisen behandelt wird. In einer Zeit wie dieser kommen natürlich Uebertrei- bunaen und Alarmnachrichten vor, aber wir werden gut daran tun, ruhig zu bleiben und die Lage nach den berechenbaren Wahrscheinlichkeiten des Falles zu beurteilen.
*
Kein Grund zur Besorgnis...?
(Eigene Drahtmeldung.)
V Paris, 27. Juli.
Der Minister des Aeußeren, De Selbes, erklärte auf eine Anftage über die Situation in Marokko (die ihm gestern während des dip- lomatifchen Empfangs gestellt wurde) „eS liege kein Grund vor, die Lage besorgt anzusehen". Die Verhandlungen in Berlin würden auf der Basis der bisherigen Vorschläge wettergefühtt, und sowohl Deutschland wie auch Frankreich seien dabei von dem austtchtigen Stieben geleitet, eine besriedigmde und glückliche Lösung zu finden. Der Minister sprach sich schließlich scharf gegen die Alarm-Nachrichten eine- Teils der Presse aus, durch die unnötige Erregung hervorgerufen werde, und die den gedeihlichen Fottgang der Berliner Verhandlungen erfchwetten.
ßholem in Weftdrenßen?
Fünf Cholerakranke in Marienwerder.
Depeschen aus Danzig berichteten von heute früh: In das Krankenhaus von Marienwerder wurden gestern abend zwei Frauen aus dem Kreise Stuhm einge- liefett, die an Cholera erkranft find. Ferner wurden in demselben Kreise drei Personen unter Beobachtung gestellt. Umfangreiche Vorsichtsmaßregeln find getroffen.
Weitere Depeschen aus Danzig berichten- uns dazu: In Westpreußen ist ganz plötzlich die Cholera ausgebrochen. Es handelt sich vorläufig nur um einzelne Fälle und die sanitären Maßnahmen sind im weitesten Umfang getroffen, um eine Weiterverbreitung der Seuche zu verhindern. In das Krankenhaus zu Marienwerder wurden gestern zwei Frauen aus dem Kreise Stuhm eingeliefert, die an Cholera erkrankt sind. Ferner sind aus diefem Kreife drei andere Personen unter Beobachtung gestellt worden. Die Untersuchungen dauern fort, und es läßt sich noch nicht beurteilen. ob es sich bei den in das Krankenhaus eingelieferten Personen tatsächlich um asiatische Cholera oder um eine ungefährlichere cholera-ähnlich Erkrankungen handelt. Die Erkrankten sind in Isolier-Baracken untergebracht.
★
Nur ein kholera Fall!
(Telegramm unseres Korrespondenten.)
L Marienwerder, 27. Juli.
Nach den bis heute mittag gemachten ärztlichen Feststellungen kann in den fünf Erkrankungsfällen nur bei einer der ins Krankenhaus eingelieferten Frauen Cholera in Frage kommen. Die übriaen unter Beobach
tung gestellten Personen sind nicht cholerakrank, sondern leiden an starkem Brechdurchfall. Die cholerakranke Frau ist eine Ta- gelöhnersfran aus einem Keinen Oertchen im Kreise Stuhm, und es ist wahrscheinlich, daß dort die Cholera durch russische Arbeiter, die vor einigen Tagen in dem Dörfchen weilten, eingefchleppt worden ist. Grund zu Besorgnissen ist jedenfalls nicht vorhanden, da alle geeigneten Vorsichtsmaßregeln getroffen find. Das Befinden der Kranken läßt die Hoffnung auf Wiederherstellung zu.
Prinzregmt Lmtvolv.
Die Erkrankung des bayerischen Prinzregenten.
Die Gerüchte über die Verschlimmerung im Befinden des greisen Prinzregenten vonBayern wollen trotz aller höfischen und offiziösen Beschwichtigungen nicht verstummen, und in der öffentlichen Meinung Bayerns macht sich angesichts der sich widersprechenden Meldungen über den Gesundheitszustand des Prinzregenten eine immer schärfer hervortretende Beunruhigung bemerkbar, die alle neuen Momente in den ärztlichen Maßnahmen für den greisen Fürsten als Bestätigung der gehegten Besorgnisse deutet. Aus München wird uns dazu berichtet:
£ München, 27: Jutt.
(Eigene Drahtmeldung.)
Prinzregent Luitpold fuhr sonst alle Jahr« im Anfang August zu seiner betagtenSchwester, der Herzogin Modena nach Schloß Wittenwart im Singau. Er wollte auch diesmal nicht von der Gepflogenheit ablassen, doch haben ihm die Aerzte diese Reise nach einer gemeinsamen Beratung direkt untersagt. Di« öffentliche Meinung Bayerns schließt daraus, daß es mtt dem Gesundheitszustand des Regenten schlecht b e st eilt sein müsse, was auch noch daraus hervorgehe, daß der greise Fürst trotz der prächtigen Hochgebirgsluft in Hohenschwangau unter der sommerlichen Hitze sehr zu leiden hab«. Die Besorgnisse in der Oeffentlichkeit werden deshalb täglich ernster und die offiziellen Mitteilungen über den Gesundheitszustand des Prinzregenten faßt man nur noch als Mittel zur Beruhigung der öffentlichen Meinung auf. Aus Hofkreisen wird demgegenüber nach wie vor versichert, daS Befinden des greifen Fürsten fei, den Umstünden entsprechend, nicht ungünstig und gebe jedenfalls nicht direkt Anlaß zu Besorgnissen.
Sie Svltze« der Herzogin.
Ein Sensationsprozeß nm die Spitzen-Toilette einer Herzogin.
(Bericht unfer8 Korrespondenten.) Weimar, 27. Juli.
Unter großem Ändrange des Publikums fand gestern vor der zweiten Straflammer des Großherzoglichen Landgerichts Weimar die Verhandlung gegen den Schriftsteller Dr. Julius Wernsdorf -Jena statt, der unter der Anklage der versuchten Erpressung und Beleidigung steht. Der Angeklagte fungierte als Rechtsbeistand der Baronin Brink en in einem Zivilstreitversahren, das dies« gegen die verwitwete Herzogin Marie von Koburg-Gotha führt«. Die Baronin hatte der Herzogin eine wertvolle Spitzentoilette geliefert, war aber wegen des Kaufpreises mit ihr in Differenzen geraten. Schließlich erftritt die Herzogin ein Endurteil dahin, daß die Baronin die Toilette Kurückzunehmen habe, und im übrigen mit ihren Ansprüchen abgewiesen wurde. Als Rechtsbeistand der Baronin richtete nun der Angeklagte an den Vertreter der Herzogin, Baron Mengden, einen Brief, in dem er für den Fall der nicht gütlichen Einigung
mit einem Eklat drohte.
In diesem Briefe wird der Moment der Erpressung erblickt. Außerdem soll der Angeklagte in einem Schriftsatz die Richter des Oberlandesgerichts Jena schwer beleidigt haben, indem er sie eines „Cliquenverbrechens bet Justiz" beschuldigte. Der Angeklagte, ein neun- undvierzigjähriger Mann, der bereits wegen Beleidigung mit einem Jahr neun Monaten Gefängnis vorbestraft ist, erklärt bei seiner S3er- nehmung. es habe ihm durchaus fern gelegen, die Mitglieder des Oberlandesgerichts Jena zu beleidigen. Der Vorwurf der Rechtsbeugung richte sich nur gegen di« an dem Zivilstreitver- sahren beteiligt gewesenen Rechtsanwälte, namentlich den ehemaligen Rechtsbeistand der Baronin Brinken, den Rechtsanwalt Haensell-Jena. Im Uebttgen steh« er auf dem Standpunkt, daß der Baronin Brinken fchweres Unrecht getan fei und werde den Wahrheitsbeweis hierfür führen. Als Rechtsbeistand der Baronin sei er auch befugt gewesen, den fraglichen Brief an den Baron Mengden zu schreiben, der durchaus