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Nummer 1S6.

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taff der SiraeftE Rachrtchteu- erschein«, wSchenMch sechsmal wch mxa obenb«. 8*r Cbonnementipre« betragt monatlich50Pfg. bet freier Ru. ffenrag ta« e<nt«, Druckerei. Verlag ». Redaktion: Echlachthosstraße 28/30. berliner Vertretung- SW. Friedrichstraße Ich Telephon- Amt IV 676

Hessische Abendzeitung

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JnlerttouSpreise- Die sech-gespaltene Zeile sür einheimische Geschäfte IS Pfg., für auswärtige Inserate 25 Pf. Rellamezeile für einheimische Se- lchaste <0 Pf. sür au-wärtige 60 Pf. Sischäf»stelle: «Slnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW. Friedrichstraße ich Telephon: Amt IV. 676.

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, den 26. Juli 1911.

Feenivrecker 951 und 952.

Bassermann an der Front.

Ein Vertrauensvotum für Kiderlen.

Ein Berliner Noniag-blatt bringt die®nt- hüllung-, daß die nationalltberale Reichs- tags.Traktion im Frühjahr die Absicht gehabt habe. Herrn von Kiderlen-Waechter in der Marokko- Frage zu interpellieren. Abgeordneter Basser- mann fragte bei dem Staatssekretär an. rote er sich zu einer solchen Interpellation stellen werde und er- hielt von Kiderlen-Waechter einen Brief folgenden Inhalts: Man dürfe unbesorgt sein, er werde das R eich Sinter esse zu wahren wissen. Man könne zunächst Frankreich gor nicht genügend gegen die AlgeeiraSakie fündigen lassen. Je mehr es feine Rechte überschreite, um so mehr Ge­wicht erhalle dann die spätere Geltendmachung der deutschen Interessen. Daraufhin sei dann die Marokko-Jnterpellation der nationalliberalen Partei unterblieben.

Um die Juli-Mitte wurde von fortschritt­licher Sette au den nattonalliberalen Partei­chef. Herrn Ernst Bassermann in Mann­heim. die dringliche Anfrage gerichtet, wo in diesen Tagen hitzigster Kämpfe inner- und außerhalb der Reichsgrenze« das nationallibe­rale Heldentum zur Ferienrast weile und wo die Zunge ruhe, die sonst so eilfertig und hurtig in den Tageslampf hineinfuhr, über das Han- sabund- und Marokko-Problem vor nicht lan­ger Zett »och mannhafte Wotte fand und sich des Ruhms erfreute, den bedrückenden Mangel an .rettenden Taten' wenigstens einigermaßen durch bett Rekord »erlösender Wotte' über­tüncht zu haben. Man soll über den Geschmack im politischen Handel nicht rechten und darf im übrigen amh über die Dringlichkeit dieser Apo- strophierung seine eignen Gedanken haben: Herr Ernst Baffermann indessen hat sich beellt, der sommermüden Oeffenüichkeft ein Lebenzet- che« M «eben. Er hat am letzten Sonntag auf Schloß Burg tot rheinischen Wuppertal (wo die Gemeinde der Nattonalliberalen einen Freudentag beging) eine Rede gehalten, deren Echo gestern den deuttchen Blätterwald durch- ballte und deren Rachklang so bald nicht aus der Diskussion der Tagesmeinung entschwinden wird. Herr Bassermann hat zwar den stach- lichten Dornstrauch der Hansa-Sezession nicht gestreift, hat auch Herrn RießerS und seiner Anttpoden Spuren gemieden, und hat doch sdiesmal wirklich!) ein «erlösendWort' ge­sprochen, für das ihm gern und fteudig Dank gezollt sei.

Dank deshalb, wett der Bankettredner von Schloß Burg ausgesprochen hat, was in Mil­lionen deuttcher Herzen als ErketmtnteS na- tionale» Pflichtgebots wohnt, waS in Worten geschliffner Phrase und heiliger Einfalt fett Monden in Nord und Süd, Ost und West alsForderung des Tags erörtert worden und was ttotzdem immer nur mit einem Gemisch von Bangen über die Lippen gedrängt wurde: Herr Bassermann hat der Re­gierung für ihr entschiednes Eingreifen ins Marottospiel vorbehalttose Anerkennung ge­zollt und an diese Zustimmung die Erwartung geknüpft, daß die so rüstig begonnene Aktion nicht auf halbem Wege beendet, und die deut- sche Betteidigung internationaler Gerechtigkeit im Völkerhandel nicht durch ein paar billige .Konzessionen' ttgendwo im Sande AftikaS illusorisch gemacht werd«. Die Regierung wer­de .die ganze Nation hinter sich haben, wenn sie nicht zurückweichen und sich nicht mit küm­merlichen Abschlagzahlungen zweifelhaften Wetts begnügen werde'. Deutschland habe .ein berechtigtes und auch wirtschastpolittsch wohlbegründetes Interesse daran, sich den Zu- weg zu Marokko offen zu erhalten'. Soll man diese Wotte (gesprochen in einer Zeit, in der jenseits der Vogesen nach leidlicher Ouvertüre im Marokkospiel der Groll über .Deutschlands polttische Begehrlichkeit' üble Dissonan­zen auslöst) als Mahnung oder als ermun­ternde Kundgabe, als Zwischenatt-Geplaude'- uationalliberaler Politik oder als tiefgründige Interpretation nationalen Empfindens deu­ten?

Das norddeuffch-allgemeine Kanzlerblatt hat sich erst dieser Tage mit feierlicher Hm- ständlichkett dagegen verwahrt, daß in der Presse über den gegenwärtigen Stand der zwischen den Herren Jules Cambon und Ki­derlen Wächter gepflognen Pourparlers Mit- teilungen austauchen, die .den Anschein er­wecken könnten, als seien sie von amtlicher Seite aus iitfgiriert*. Eine solche .Inspira­tion' finde nämlich nicht statt (und habe auch nicht stattgefunden), und eS fei deshalb .vor­eilig. über vermeinttiche offiziöse Angaben Be­friedigung oder Euttüstung zu äußern'. Dieses (etwas ungelenke) Pronunziamenw der Wil- helmstraße bezieht sich auf das Preßgeflüster, das in den zwei letzten Wochen über die an­

geblichen .Kompensattons - Forderungen' Deutschlands an Frankreich in in- und auslän­dischen Blättern bis zum Ueberdruß zu hören war und das selffamerweise auch noch so tief­sinnig kommentiert wurde, als seien die beiden Manager des Marokko-Handels grade dabei, das fertige Vertrags-Pergament mit der Streusand-Büchse zu sanktionieren. Daß es sich hierbei ausnahmslos um rein problemati­sche Ideen handelte, wat nicht schwer zu er­raten, und es ist denn auch charakteristisch, daß die Mehrzahl aller dieserzuverlässigen Infor­mationen' aus den Berliner Reöaktions- stübchen der Pariser Boulevardpresse stammt, sodaß bei der Einfalt der Eindruck erweckt wer­den mußte, Herr Alfred von Kiderlen-Wächter vergnüge sich nach Feierabend mit dem nicht ganz uninteressanten Sport, französischen Re- pottern diplomatische Märchen zu erzählen.

Daß dann hierzuland die billig erhaschte Weisheit der Pariser Sensation- und Hetzpresse erregt erörtert und bekrittelt wurde, kann weiter nicht verwundern: Es gehört mit zur Eigenart unsres nationalen Temperaments, uns über nachbarliche Migräne mehr zu erre­gen, als über todbringende Epidemie im eignen Haus, lieber Eines darf man demnach im Klaren sein: Das, was uns bisher über den .afrikanischen Sandküsten-Hunger' deutscher Marokkopolitik erzählt worden, hat erst unter des Sommers borrenbet Glut seine schreckhafte Gestalt gewonnen und braucht füglich nicht zu ängstigen. Herr von Kiderlen müßte nicht der Politiker kühler Berechnung und nüchterner Kalkulation fein, wenn et das gewichtige In­teresse Deutfchlands im Maurenland um das Linfengericht einer Landstreifenüberlassung am Kongo oder in Togo Preisgeben wollte: Um bieftn Karnevalpreis wär's wirklich nicht vonnöten gewesen, die deutsche Seemacht zu bemühen, und die Welt mitten im tiefsten Sommerfchlaf aus süßem Fttedenttaum zur Wirklichkeit aufzuschrecken. Man darf zum Lei­ter unfrer auswärtigen Politik das Pettrauen haben, daß et den schönen Augen und der de- mosthenifchen Berebtsamkeit des Herrn Jules Cambon gegenüber klar und kühl beim Prinzip gerechten und gebotnen Handels bleiben und die Verhandlungen über Marokkos Schicksal zu einem Ende führen wirb, bas uns nicht be­schämt nnb ben Partner nicht unnütz bemüttgt. Daß das deutsche Volk die Regierung in diesem Verlangen fteudig unterstützt, hat Herr Bassermann in kritischer Zett mit wuch­tigen Motten ausgesprochen und damit vor aller Welt offenbart, was die deutsche Seele bewegt. Derfuror teutonicus regt sich: Nicht in phrasensattet CHauvinisten-Stimmung, son­dern in stolzer Erkenntnis deutscher Wür­de. die mannhaft Ha n del n, nicht kleinlich.Feilschen heischt!

Prinzregent Luitpold erkrankt!

Am Krankenlager des Neunzigjährigen.

Wie wir gestern schon berichtet haben, gibt bet ungünstige Gesundheitszustand des grei­sen Prinzregenten von Bayern in bet letzten Zett zu ernsten Befürchtungen An­laß. unb wenn man, um in bet Oeffentlichkeit Beunruhigung zu vetmeiben, offiziösetfetts alle Bedenken zu zetftteuen sucht, so kann es doch keinem Zweifel unterliegen, baß auch in Hofkreifen Sorge um das Leben des Neunzig­jährigen herrscht, dessen kräftige Konstitution bisher den Schwächen des Alters so mannhaft gettotzt hat. Hebet die Ertränkung des Prinz- reaenten, die sich als ernster erweist, wie an­fänglich angenommen worden war, wird uns berichtet:"' "" """

<? München, 25. Juli.

(Eigene Drahtmeldung.)

Es fcheint kaum noch ein Zweifel daran möglich, daß das Beftnden des greifen Verwe­sers des Königreichs Bayern trotz her ihm stets nachgerühmten Rüstigkeit mancherlei zu wünschen übrig läßt. Professor von Ange- ret. der vom Hoflager des Prinzregenten in Hohenschwangau gestern nachmittag nach Mün­chen zutückkehten sollte, hat feinen Aufenthalt dort verlängert. Der Prinzregent wird eben­falls bis Mitte August in Hohenschwangau bleiben. Der dem Hose nahestehende Bayerische Kurier bestätigt, daß der Prinzregent in letz­ter Zett starke Kampsereinsptitzun- gen zur Hebung der Herztätigkeit erhalten mußte. Auch schon früher (so am Sil­vesterabend) hat der Prinzregent seht schwere Schwächeanfälle erlitten, sodaß man sich schon damals aus alle Eventualitäten gefaßt machte. Damals war aber der Umgebung dringend Stillschweigen auferlegt worden. Drei Tage vor feinem neunzigsten Geburtstage

(im März) erlitt der Prinzregent einen fo star­ken Ohnmachtsanfall, daß wiederholt Kamp­fereinspritzungen angewandt werden mußten. Auch damals war man auf alles vorbereitet aetoefen, bis sich am neunzigsten Geburtstag des greifen Fürsten Zustand erheblich besserte. Seit voriger Woche treten nun wieder öfters leichte Ohnmachtsanfälle ein, fodaß die nähere Umgebung des betagten Fürsten ernste Besorgnisse hegt. Gestern hatte der Prinzregent wieder Gäste bei sich gesehen und sich mit ihnen lebhaft unterhalten. Bei dem hohen Alter des Prinzregenten scheinen indes­sen nach Lage der Sache ernsteste Besorgnisse gerechffertigt zu fein, unb es ist benn auch in eingeweihten Kreisen kein Geheimnis, baß man am Hofe selbst mit allen Eventualitäten rechnet.

Sturm im Unterhaus.

England im Kampf gegen die Lords.

Im englischen Unterhaus ist es gestern bei der Eröffnung der Debatte über die Veto-Bill zu großen Tumulten ge­kommen, die sich schließlich so lärmend gestal­teten, daß Ministerpräsident ASquith seine Rede unterbrechen mußte. Als sich Asquith er­hob, um eine Erklärung abzugeben, wurde der RufVerräter" von einigen Plätzen der Opposition vernommen. Der Lärm wurde schließlich so groß, daß die weitere Verhand­lung auf Dienstag vertagt werden mußte. Heber die Demonstrations-Sitzung wird uns berichtet:

tS= London, 25. Juli.

(Eigene Drahtmeldung.)

Beim Beginn der gestrigen HnterhauS- debatte über die Aenderungsanträge der Lords zur Vetobill war das Haus überfüllt. Die Opposition zeigte bereits zu Beginn der Sitzung große Untube und begann sofort zu demonstrieren und zu schreien, als der Premierminister Asquith zur Beantwor­tung einer Frage fehlte. Asquith erschien gegen halb vier Uhr unb wurde von seiner Partei stehend und mit Enthusiasmus empfan­gen. Dazwischen erklangen von den Bänken der Opposition schneidende Rufe: Veräter! Als der Premierminister sich erhob, um die Stellung der Regierung zu den Amendements des Oberhauses zur Vetobill zu begründen, entstand neuer Lärm, unb vergebens bat bet Sprecher die Opposition, den Premier­minister ruhig anzuhören. Der Lärm dauerte über eine halbe Stunde. Siebenmal nahm der Minister seinen Sitz ein unb erhob sich wieder zum Reben, stets von ber Opposition daran gehindert. Als nach dem siebenten Rebeversuch Balfour erklärte, et be­antrage wegen bet Obstruktion gegen Asquith Vertagung bet Sitzung, erhob sich neuer Lärm. Abgeorbneter Smith wollte irotzbem reben, würbe aber niedergeschrien, und unter lautem Getöse vertagte dann der Sprechet die Verhandlung auf Dienstag. Un­ter höchster Erregung verließen die Mitglieder das Haus, wobei Rufe wie .Feigling!' undVerräter!' gegen Asquith laut wur­den, vermischt mit Gegenrusen der Regierungs­anhänger,

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London, 25. Juli. (Privat-Tele- gramm.) Die gestern nachmittag im Unter- haus gegen den Premierminister veranstaltete Kundgebung wat von etwa dreißig unversöhnlichen Unionisten vorbe­reitet. Sie wftd von den Parteien allge­mein verurteilt. Die Unionisten unter­zeichneten eine Adresse für Asquith, in der sie die dem Premierminister ertoiefene Unhöflich, kett bedauern. Trotzdem erwartet man für heute neue Demonstrationen und es sind deshalb bereits Vorkehrungen gettoffen worden, um die Ordnung im Hause aufrecht er­halten zu können.

Flelschnot-Krieg in Wien!

Die Wiener demonstrieren.

(Privat» Telegramm.)

Aus Wien wird uns berichtet: Gestern abend fanden hier zahlreiche sozialistifchr und christlich-soziale Versammlungen statt, die sich gegen das Verbot der Fleischsinfuhr in Argentinien richteten. In allen Ver­sammlungen wurde die gleichlautende Resolu­tion angenommen, nämlich:Ceffmtng der Grenzen für die Einfuhr argentinischen Flei­sches!" Nach den Versammlungen zogen die Teilnehmer, teilweise in geordneten Reihen, durch die Straßen ber Stadt. Dabei kam es zu verschiedenen Zusammenstößen mit der Polizei, die die Ordnung aufrecht zu erhal­ten suchte. Die Tellnehmer an der christlich- lozialen Versammlung im Dollshause zogen

unter Schmährufen auf die Juden nach dem deutschen Volksplatz, wo sie vor dem Gebäude des sozialistischen Parteiblattes Volksblatt" eine Demonstration veranstalteten. Die Polizei sah sich genötigt, zahlreiche Ruhestörer zu verhaften. Bei den Zusammenstößen der Polizei mit den Demon­stranten wurden elf Personen durch Säbelhiebe verletzt. Die Demonstrati­onen dauer en bis in die frühen Morgenstun­den fort, bis es der Polizei schließlich gelang, die Teilnehmer zu zerstreuen. Tatsächlich herrscht in Wien infolge der Grenzsperre große Fleisch not, und die Preise für Fleisch haben eine außerordentliche Hohe er­reicht, sodaß die ärmere Bevölkerung schon feit Wochen auf den Fleischgenuß gänzlich hat ver- zichten müssen.

ßtembttl nach dem Vmnde.

Die Opfer der Riesen-Katastrophe.

Den letzten Depeschen aus Konstantinopel zufolge, sind der vorgestrigen und gestrigen Brand-Katastrophe in Stambul ins­gesamt etwa neuntausendachthundert Häuser zum Opfer gefallen, darunter zahlreiche Monumentalbauten und öffentliche Gebäude. Die Ursache des Riesenbrandes ist noch im­mer ungeklärt und die darüber in Umlauf befindlichen Gerüchte widersprechen einander völlig. So weit bis jetzt bekannt, sind über viertausend Familien obdachlos unb bei bei herrschenden furchtbaren Hitze ist das Elend der Obdachlosen unbeschreiblich. Von heute früh wird uns berichtet:

Konstantinopel, 25. Juli.

(P r i v a t - T e l e g r a m m.)

Der gestern nachmitag neu ausgebrochene Brand im Stadtteil Balatsch nahm seinen Ausgang vom südlichen Hospital. Er teilte sich von hier aus in zwei Herde, von denen der eine bereits über das Viertel Loudscha hinaus nach dem Adrianopeler Tor zu weiter um sich griff, sodaß man für dieses ganze Viertel Stambuls fürchten mußte. Erst gegen Mitter­nacht konnte der Brand gelöscht werden, nach­dem das Feuer etwa sechshundert Häu­ser eingeäschert hatte. Ein neues Feuer ist in Anssuff Pascha angelegt worden, wo zwei Griechen ein großes Haus angezündet hatten, aber sofort ergriffen io er­ben konnten. Unter ben etwa zweihun­dert Verhafteten befinben sich viele Hellenen und einige Kurden. Der Großwefir hält daran fest, daßdie Brände alle Zufall feien' und die offiziöse Dar- Rettung befagt, das Feuer sei in der Bude eines Persers in der Nähe des Kriegsministeriums ausgekommen, und zwar dadurch, daß einige Perfer sich beim brennenden Samowar schla­fen legten unb der Wind die Funken der Holzkohle Überall herumwarf. Dieser Dar­stellung widerspricht aber der Umstand, daß die Polizeibeamten die Brandstifter verhafteten. Die Bevölkerung von ganz Konstantinopel ist von panikartiger Be­wegung befalle». Der Kriegsmtoister emp­fing gestern abend den Kondolenzbefuch fämt- licher Botschafter. Wie verlautet, brach der Sultan auf der Terrasse seines Palastes beim Anblick der in Flammen gehüllten Stadt in heftiges Weine» aus. Rach Sltttet* lungen, die von privater Seite stamme», solle» bei dem Brand über fünfzig Menschen umgekommen fein, doch wird diese Nach­richt offiziös als unzutteffend erklärt, mit dem Hinzufügen, daß Menschenleben bei der Kata­strophe nicht zu Schaden gekommen seien.

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Konstantinopel, 25. Juli. (Eigests Drahtmeldung.) Die offiziöse» Nach­richten über die angeblicheZufälligkeit" des Riesenbrandes in Stambul begegnen ta unterrichteten Kreisen immer stärkeren Zwei­fel» und es gewinnt die Heberzeugung Raum, daß die Beschwichtigungen nur erfolge», um die Erregung unter der Bevölkerung einzu- bämmen. In Wirtlichkeit kann eS keinem Zweifel mehr unterliegen, daß der Riefen­brand tatsächlich von regierungsfeind­licher Seite als Demonstration gegen das Nationalfest des jungtürkifchen Staats­streichs angelegt worden ist.

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Stambul tu der Schreckeusuacht.

(Don einem Augenzeugen.)

Ein in Konstantinopel weilender Zeitung?« Korrespondent gibt von der Schreckens» nacht des Riesenbrandes folgende Schilderung:Ich umfuhr mit großen Schwie- rigkeiten in zwei Stunden den ganzen Brand­herd, der im Hellen Lichte des klaren Sommer- tages noch alle Befürchtungen übertrifft, die diese schreckliche Nacht erweckte. Als ich einen Polizisten fragte, wo der Brand fei, sagte er: