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Nr. 193. 1. Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Kreuzervon der Tann" kehrte fester in den Hafen von Kiel zurück; et hatte seine Flagge be­reits aus Halbstock gesenkt. Das Schiff ist heute morgen zur Fortsetzung der Schießübun­gen wieder in See gegangen. Wodurch der Zu­sammenstoß zwischen der Jolle und der Bar­kasse herbeigeführt worden ist, konnte noch nicht ermittelt werden; es liegt aber nahe anzuneh­men, daß der hohe Seegang das Unglück verursacht hat. Die leichten Jollen wurden von dem hoben Wellengang hin und her geworfen und in der Dunkelheit der Nacht konnte die Wasserfläche nicht weit hinaus übersehen wer­ben. Bei dem Zusammenstoß mit der Barkasse kenterte die Jolle sofort und die zehn Mann Besatzung stürzten ins Wasser. Durch die dann entstehende Verwirrung wurde das Rettungs- Werk sehr erschwert, und ohne die Hilfe der so­fort in Tätigkeit gesetzten Scheinwerser wäre eine Rettung überhaupt unmöglich gewesen. Das- Marine-Kommando hat über den Un- glücksfall eine eingehende Untersuchung einge­leitet.

gab sich farauf Kislar-Aga zu dem Gold« chmied, um für seine Schwester einen Dia­mantschmuck im Werte von 200 000 Kran (75 000 Mark) zu überreichen. Gleichzeitig kün­dete er an, daß sein erhabener Herr Savura- litsa einzuladen geruhe, einen Monat bei ihm zu verbringen in einer Villa, die er an den Ufern des blauen persischen Golfes besäße. Da der Goldschmied Mitglied der Kaufmannschaft ist, so bereitete er dem Abgesandten des Schahs die beste Aufnahme, aber er bedeutete ihm, daß Savuralitsa mit einem jungen Per- er verlobt sei, und daß die Vorbereitungen zu ihrer Hochzeit ihr sicherlich nicht die Muße lassen würden, den so schmeichelhaften Befeh­len seines kaiserlichen Herrn stattzugeben.

Der Schah war über dieses Ergebnis der Mission seines Vertrauten, wenig erbaut und schob den Mißerfolg der Ungeschicklichkeit sei­nes Beauftragten zu. Er beschloß, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und hatte daber solqenden Einfall: Er konnte nicht daran den­ken, persönlich nach der Straße zu gehen, wo der Goldschmied wohnte. Aber er mußte das Mädchen Wiedersehen. Das einfachste war, daß man das Fe st wiederholte, und zwar nicht in irgend einem Festsaal, sondern in sei­nem eigenen Palaste. Die Gilde der Kauf­mannschaft kam seinem Wunsche nach. _ Man wollte nicht nur eine, sondern zwei Vorstellun­gen veranstalten: Die eine als eine Art Gene­ralprobe vor dem Schah allein, die andere vor der Hofgesellschaft. So sah der Schah dre schöne Savuralitsa wieder, faßte sich ein Herz, nähette sieb ihr und überschüttete sie nut Schmeicheleien und Aufmerksamkeiten. Aber alle Mühe war vergebens: DieKönigen vom Nil" blieb fest! Sie wollte die Hauptstadt nicht verlassen und aus dem Hause ihres Bruders »ur gehen, um in dem ihres Gatten Wolle zu spinnen. Und hier begann der große Gewissenskonflikt, der eine Zeitlang in Teheran alle Köpfe bewegte: Dars die schöne Savuralitsa die 200 000 Kran behalten oder muß sie sie zurückgeben? Tie einen meinten, daß man ein Geschenk, das man von einem Könige erhalten habe, nickt zurückgeben dürfe, ohne sich einer Majestätsbeleidiguna schuldig ,U machen. Die andern waren der Ansicht, daß der Schmuck nur eine Art Vorschuß aus ein Geschäft bedeute, dessen wesentliche Bedingun- gen nicht erfüllt worden seien. Man muß

Perser fein, will man die Verantwortung über­nehmen, in dieser schwierigen Frage zu ent­scheiden, die übrigens durch die plötzliche Kaltstellung des Königs der Könige eine überraschend schnelle Lösung fand. . .

Berlin und gedenkt nicht, die Reichshauptstadt in nächster Zeit zu verlassen.

c§3 Die neuesten Spionage Geschichten. Aus Köln wird uns depeschiert: In einem Festungsgraben in dem Vororte Sülz fand am Mittwoch abend eine Militärpatrouille einen Mann, der sich dort versteckt hielt. Der Mann, der anscheinend den bessern Ständen angehört, erklärte, daß eraus Mangel an Mitteln" dort übernachten wollie. Man ver­mutet, daß man es mit einem Spion zu tun hat. Der Mann wurde verhaftet und der Kri­minalpolizei übergeben. Zur Hammel- burger Spionage-Assäre (über die wir gestern bereits eingehend berichtet haben) wird heute aus Würzburg gemeldet: Der K r i e g s m i n i st e r hat die" Akten in der Hammelsprunger Spionageasfäre, in der be­kanntlich ein japanischer Offizier wegen Spio­nageverdachts verhaftet worden ist, zur Unter­suchung eingefordert. Demnach scheint die Aftäre doch nicht so harmlos sein, wie gestern berichtet wurde.

cS Ein Abend in Cardiff. Depeschen aus Cardiff melden: Gestern abend fand hier eine Massenversammlung von Ar­beitern statt, an der etwa fünfzigtausend Personen teilnahmen. Nach der Versammlung wurde überall ein Angriff auf die chinesi­schen Waschanstalten gemacht. Fenster wurden eingeworfen und Geschäftsräume erbrochen. Eine Wäscherei wurde in Brand gesteckt. Da der Angriff fast gleichzeittg erfolgte, war die Polizei nicht überall zur Stelle, bevor Schaden angcrichtet wurde. Die hauptstädtische Polizei ist sofort auf den Schauplatz der Unruhen ge­eilt. Es werden neue ernste Zwischen­fälle befürchtet.

Eine Höllenmaschine als . . . Geschenk. In Brüssel ist gestern mittels einer Höl­lenmaschine ein Attentatsversuch gegen den Untersuchungsrichter Fromes unternommen worden. Diesem ist kürzlich ein Paket zugestellt worden, welches angeblich Konfekt enthalten sollte. Der Untersuchungsrichter ließ das Paket längere Zeit liegen, da er eine Steife vorhatte. Gestern kehrte der Richter zuruck und wollte das Paket öffnen. Er stellte hier­bei jedoch fest, daß es eine Höllenmaschine war. die mehrere Kilogramm Pulver enthielt. Eine Untersuchung ist eingeleitet, um den Ab- ender des Paketes ausfindig zu machen.

xx Das Drama im Marmorbruch. Aus dem Marmorbruch in Carrara (Italien), in dem (wie wir berichteten) vorgestern der verhäng­nisvolle Einsturz erfolgte, sind noch drei Tote und zwei Verwundete geborgen worden. Das Unglück hat demnach jetzt elf Menschenleben ge­fordert.

xx Eine Meuterei an Bord. Aw Bord des DampfersGardenia", der gestern von T r i e st aus nach dem Schwarzen Meere aus- fahrrn wollte, ist es zu einer Meuterei gekom­men. Der Schifsskoch weigerte sich plötzlich, den Osfizieren des Schiffs das Essen zu berei­ten. Als die Offiziere hierauf die Matrosen aufforderten, den Koch zu verhaften, nahmen auch die Matrosen gegen die Ofsiziere eine drohende Haltung ein. Es mußte vom Land aus eine Sicherheitswache an Bord gerufen werden. Die zwei Haupträdelsführer wurden festgcnommen.

~ Amerikanische Eisenbahnräuber. Drei Räuber überfielen den Northern Pacific Expreßzug in der Nähe von Buffalo, beraub­ten alle Passagiere, verwundeten den Lokomo­tivführer, um ihn zum Halten zu zwingen, und entflohen dann im Automobil.

XX Die olympische Tragikomödie. Wie uns ein Privattelegramm aus Saloniki meldet, haben die mit der Verfolgung der Entführer Richters Beauftragten nähere Anhalts­punkte dafür, daß Richter in die Gegend von K o k o v a geschleppt worden ist. Kokova liegt in der Umgebung von Karaverias, am rechten Ufer der Distritza. Die Umgebung besitzt dichte, fast unzugängliche Wälder, in denen sich die Schafhürden befinden, wo die Schafzüchter mit ihren Herden überwintern. Die Verfolgung der Räuber wird deshalb in der Richtung nach Kokova cingelcitct.

Sos Neueste aus Kassel.

Eine Dampferfahrt auf der Fulda.

. . . Wieder einmal hatte ich Schiffsplanken unter den Füßen; weißgescheuette. Schiffs- planken, die mir so lieb und tiertraut sind, wie alte Bekannte. Ich hatte Muße, mit den Bau, in dem diese Schiffsplanken eingefügt waten, anzusehen, da die Zeit der Abfahrt noch nicht drängte und es an Bord noch ziem­lich leer war. Stolz liegt der Salondampser Wilhelmshöhe", mit den Farben des Deutschen Reiches am Flaggenstock, an der kleinen Anlegebrücke Hinterm RestaurantZum Hafen", unterhalb der eisernen Fuldabrückc. Breit und behäbig drückt sich das große am Heck angebrachte Schaufelrad ins Wasser, und das hochgebaute Sonnendeck läd' zum freund­lichen Verweilen ein. Längs der Reeling hat man bunte Lampions aufgehängt, die tm ler-

Ein Privattelcgramm meldet uns aus Berlin: Wie amtlich mitgeteilt wird, ist zwischen dem Preußischen Kultusministerium und der hessischen Regierung ein Abkommen wegen gegenseitiger Anerkennung der Prü­fungszeugnisse für das Lehramt an hö­heren Schulen getroffen worden.

Depeschen aus Kiew zufolge hat dort in der letzten Nacht wegen revolutionärer Um« triebe die Geheimpolizei dreißig Verhaf­tungen und zahlreiche Haussuchungen vor­genommen. Weitere Verhaftungen stehen be­vor.

Wie . aus Konstantinopel gemeldet wird, hat gestern in der Umgebung von Ipek ein Kampf zwischen türkischen Truppen und einer albaneflschen Bande stattgefunden, dir nach dreistündigem Kampfe unter Zurücklassung von vierzig Toten floh. Auf türkischer Seite fielen zwei Ofsiziere und acht Mann.

fuhr sich sest, sein Boot kenterte und er fand den Tod in den Wellen.

s Am Grabe der Mutter gestorben. Nach der Beerdigung einer älteren Frau, die ge­stern auf dem Schöneberger Friedhof in B er- l i u stattsand, wurde die Schwiegertochter der Verstorbenen von einem Herzschlag betrof­fen und fant tot am Grabe der Mutter nieder. Die junge Frau war erst feit kurzem verheira­tet. ein Umstand, der die Tragik des Todes für die Hinterbliebenen wefentlich erhöht.

Der Typhus in Schneidemühl. Die T Y- phusepidemie, die nun schon seit Wo­chen in Schneidemühl grassiert, ist noch immer nicht erloschen. Bis jetzt haben sich 268 Erkran­kungen und 18 Todessälle zugetragen.

XX Der Falschmünzer im bunten Rock. In einem Privatlogis in Hamburg wurde ge­stern ein Deserteur verhaftet, der ieinem Regiment in Celle entsprungen war. In seinem Koffer fand man Silbersachen, über deren Her­kommen er keinen Ausweis erbringen konnte. Während der Haussuchung verschwand die Ge­liebte des Deserteurs mit dem Koffer durch eine andere Tür. Der Koffer barg 148 falsche Zweimarkstücke. Man hosft bestimmt, hinter das Geheimnis einer großen Falschmünzer­bande zu kommen.

Mohamed Ali, der Intrigant.

Ter Ex-Schah marschiert nach Teheran.

Wie der Petersburger Telegraphen-Agen- fur aus Asterabad vom Mittwoch gemeldet wird, ist der frühere Schah Mohamed A l i in dem etwa zwanzig Werst von Asterabad entfernt liegenden Omtschali eingetroffen und gedenkt heute feinen Marfch auf Teheran zu fortzufetzen. Weitere Depeschen melden:

»!* Teheran, 21. Juli.

(Telegraphische Meldung.)

Die persische Regierung hat die Absicht, dem englischen und russischen Ge­sandten eine energische Note zu überrei­chen, in der sie der häufigen Vorstellungen bei dem englischen und russischen Gesandten in An­gelegenheit der Umtriebe des früheren Schahs seit dessen Abreise aus Persien Erwähnung tut und ihre Ueberraschung und ihr Bedauern ausdrückt, daß die russischen Behörden es ver­säumt hätten, das Versprechen einzuhalten, das im Artikel elf des Protokolls vom August 1909 enthalten ist. Die persische Regierung erklärt, daß Rußland die Verantwortung für alle Unruhen und Verluste an Eigentum trage, die aus der Landung des früheren Schahs entstehen können.

Wien, 21. Juli. (Privat-Tele- g r a m m.) Wie dieNeue Freie Presse" mel­det, nimmt man in den hiesigen Kreisen, die über die Vorgänge in Persien gut in­formiert sind, an, daß sich Mohamed Ali nicht nur auf die Hilfe Rußlands verlassen könne, fondern daß sich auch England mit feiner Rückkehr abgefunden habe. Bei dem Einvernehmen, das zwischen den beiden Mach­ten besteht, fei dies sehr wahrscheinlich. Es fei fogar möglich, daß Ex-Schah Mohamed der englischen Diplomatie auch gewisse Ver­sprechungen gegeben habe, die für Eng­land äußerst wertvoll seien.

Sie Königin vom Nil.

Als Mohammed Ali liebte . . .

(Von unserm Korrespondenten.)

** Petersburg, 19. Juli.

Mohammed Ali, der Exschah von Per­sien, dessen Rückkehr in seine Heimat soeben durch Teheraner Meldungen angekündigt wird, wurde eines Tages von einer Leidenschaft er­faßt, die nur mit der Liebe verglichen werden kann, von der König David ergriffen wurde, als er zum ersten Male die junge Abigail er­blickte. Es gefchah auf einem Ball, der dem Monarchen von der Elite der Teheraner Kaufmannschaft gegeben wurde. Die Veran­stalter des Festes batten unter anderem ein wundervolles Ballett arrangiert, bei dem die ersten Künstler Teherans mitwirkten. Jede Quadrille stellte fymbolisch eine der Raffen der Welt dar. Unter den jungen Mädchen, die am Ballet teilnahmen, erregte eine die beson­dere Aufmerksamkeit des Schahs. Satiuia« litfa war in der Tat eine Erscheinung von seltener Schönheit, deren Reize zu beschreiben selbst ein orientalischer Dichter mit seinem Wortschwall in Verlegenheit gekommen Ware. Sagen wir also: Sie glich mit jedem Zuge je­ner Nymphe Erylesis, die kein Sterblicher zu Gesicht bekommen hat, weil Venus ne aus Eifersucht töten liefe. Der Schah, der am sei­nem Throne von Sammet und Gold dem Tanz zuschaute, war von der Schönheit der Perserin so betrosfeu, dafe er, als sie sich im Zuge na« herte, den Tänzern Einhalt gebot.

Savuralitsa stand vor dem Herrscher auf­recht und stolz in ihrem langen, wie eine Mee­reswelle dahinsliefeenden, goldschuppigen Kin­de, Kleopatta gleich, der Königin des Rus; dann verneigte sie sich leicht gegen den Monar­chen und man fah, wie der Schah einen Augen­blick wie geblendet die Augen fchloß. Tann gab er das Zeichen, den Tanz fortzmetzcu. aber nock lange verfolgte er die schritte des Mädchens, dessen flüchtige Erscheinung ,em Her; zittern gemacht hatte. Am nächsten Tage ließ er Nachsorschungen anstcllen. wer das Mädchen gewesen sei . Ter erste Eunnche be- lcbrtc ibn. daß Savuralitsa eine Waiie sei. die in Teheran mit ihrem älteren Bruder lebte, bet eine Goldfckmiedewerkstatt in der Mauke- roa-Nphor besitzt. Ans Beschl des Schahs bc-

~ Die Straßenschlachl in Ottensen. Im Altonaer Stadtteil Ottensen übersielen streikende Bauarbeiter ihre arbeitswilligen Kollegen. Drei der Arbeiter wurden schwer verletzt und mußten in das Krankenhaus ge­schasst werden; einer davon liegt int Sterben.

xz Das Unglück beim Spatzenschießen. Aus Usedom (Pommern) meldet man uns: Der Arbeiter Fröhlich, der mit einem Gewehr Spatzen aus einem Kirschbaum vertreiben wollte, erschoß aus Unvorsichtigkeit sein eigenes Kind, ein Mädchen von zweieinhalb Jahren.

xz Die Ursache der Müllheimer Katastrophe. Der Lokomotivführer Platten des bei Müllheim verunglückten Zuges ist gestern abend aufs neue verhaftet worden, da die bisherige Untersuchung eine grobe Fahr­lässigkeit auf seiner Seite ergeben hat. Nach den Mitteilungen der Staatsanwaltschaft sind irgendwelche Mängel in der Technik des Betriebes nicht sestgestellt worden. Das Be­finden der Verletzten ist soweit zufriedenstel­lend.

XXDas Blümchen Edelweiß ..." Der Student Friedrich Strohschneider aus Mün­chen stürzte gestern beim Edelweißpflücken vom Aggenstein im Allgäu ab und blieb am Fuße des Berges mit zerschmetterten Gliedern liegen.

xz Die Tat eines Wahnsinnigen. In der Nähe von Bern spielte sich gestern abend eine entsetzliche Szene ab. Der Provisionsreisende Aeberhard aus Bern begab sich mit seinen drei Knaben im Alter von sieben bis elf Jahren in einen benachbarten Wald, um Kirschen zu pflücken. Im Gehölz zog er plötzlich den Re­volver und eröffnete ein Feuer auf seine Kin­der, von denen zwei tot zu Boden sielen. Der älteste Knabe vermochte zu entfliehen. Er erstattete der Polizei Anzeige, die sofort meh­rere Beamte in den Wald sandte. Inzwischen traf die Meldung ein. daß Aeberhard nach ei­ner benachbarten Ferienkolonie geeilt fei, um dort feine Tochter zu erfchießen. In der Tat wurde er auf dem Wege dorthin verhaftet. Zweifellos ist der Unglückliche von einem plötzlichen Wahnsinnsanfall gepackt worden.

~ Der Tod im Hochgebirge. Im Schlern- gebict (Tirol) ist ein Realschüler abgestürzt. Er blieb schwer verletzt die ganze Nacht über liegen. Beim Wegebau in Gailbach wurde der Landwehrinfanterist Goellnig von einem ab« stürzenden Felsstück erschlagen. Er war sosort tot. Der Fabrikbesitzer Rabenhorst aus Oste­rode am Harz, der eine Bergtour machte, wird vermißt.

xx Hundertfünfzehn Häuser niedergebrannt. Gestern brach in der Ortschaft Uggowitz im Ka-

Sie Politik des Soges.

ÖP Marokko-Enten. Ein Privattelc- gramm meldet uns aus Berlin: An der gestrigen Börse war das Gerücht verbreitet, daß der Staatssekretär des Auswärtigen Am­tes, von Kiderlen-Waechter, nach Nor­wegen reife, um dem Kaiser über die Ma­rokko-Angelegenheit Bericht zu erstatten. Man wollte daraus schließen, daß die Verhandlun­gen einen ungünstigen Verlauf nehmen. Wie hierzu von amtlicher Stelle verlautet, beruht diese Nachricht auf Schwindel. Der Staats­sekretär von Kiderlen-Waechter befindet sich in

Neues Hom Soge.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.) rx Explosions-Katastrophe in Köln. Eine schwere Benzin-Explosion erfolgte ge­stern nachmittag in der Wäfcherei und Färbe­rei von Gibmanns in Köln. Zwei Arbeiter wurden fchwer verletzt ins Hofpital geschafft, das Fabrikgebäude ist stark bcfchädigt. In dcmfelben Betriebe sand voriges Jahr eine ähnliche Explosion statt, wobei der Sohn des Besitzers getötet wurde.

xx Opfer des Rheins. In der jetzigen hei­ßen Jahreszeit, wo ein jeder das lebhafteste Bedürfnis nach einem kalten Bad verspürt, sor- dern die Ströme und Flüsse zahlreicher wie sonst ihre Opfer. Besonders häufen sich die Unglücksmeldungen am Rhein. So wird uns heute aus Köln depeschiert: In Poll bei Köln ertrank der Stuckateur Nikolaus Snüttgen, der sich beim Baden zu weit in den offenen Strom hineingewagt hatte. Der Ertrunkene war verheiratet und Vater dreier Kinder. Ebenfalls in der Nähe von Köln ertrank ein junger Mann, der abends eine Bootspartie auf den Rhein hinaus unternommen hatte. Er

Kleines Feuilleton.

«Ä)Das Priuzchen" im Residenz-Theater. Der reizende Schwank von Robert Misch, der eine so liebevolle Ausnahme beim hiesigen Pu­blikum gesunden hat, soll (wie uns die Direk­tion mitteilt) im Residenztheater noch einige weitere Ausführungen erleben. Man ist dabei besonders der Geschäftswelt entgegcngekom- men, indem man den Beginn der Vorstellun­gen aufackteinhalb Uhr gelegt hat.

«tl Ein echter Dürer in Frankfurt a. M? Unter den von Maler Ball in bei Renovie­rungsarbeiten in der Deutschordenskirche zu Frankfurt a. M.-Sachsenhausen aufgesnndenen Gemälden fall sich eines als echter Dürer herausgestellt haben. Es handelt sich um ein Selbstporträt des Meisters mit federgeschmück­tem Barett mit Unterschrift Dürers und der Jahreszahl 1525. Ob ein Original ober (was wahrscheinlicher sein dürste) eine Kopie vor- liegt muß der näheren Untersuchung Vorbehal­ten bleiben.

-a. Das Riederwald Denkmal wirdmo­dernisiert!" Sie uns ein Privattelegramm berichtet, soll das Niederwald Den k- mal aus Privatmitteln zur Erhöhung der Fernwirkung einen großartig geplanten Ter­rassenvorplatz erhalten, der etwa zehntausend Personen Raum bietet. Vor der Terrasse wer­den sechs Meter Hobe Reiterstandbilder der Kaiser Wilhelm des Ersten und Friedrick des Dritten, sowie der Könige von Sachsen. Würt­temberg und Bayern und des alten Großher- zogs von Baden zur Aufstellung gelangen. Heber diesen .Erweiterungsplyn" kann man allerdings sehr geteilter Meinung sein.

Das Jungdeutsche Opern Preisaus­schreiben Rack Beendigung der Prüsnngsar- beiten haben die Preisrichter der Endkornmis-

als beachtenswert aus dem Ausschreiben her­vor:Des Teufels Pergament", Text von Ar­thur O st e r m a n n, Musik von Alfred Schattmann;Der Weg zum Licht", Text von Hans Heinz Ewers, Musik von Gustav St rumbiege I;Kain", Text nach Byron von Marx Möller. Musik von Alfred Sor - mann. Der Veranstalter des Preisausjchrei« bens hat diese Werke unter Aussetzung eines Förderungshonorars von je 2500 Mark erwor­ben. lieber die Uraufführung der drei Opern wird weiteres bekannt gegeben werden.

--- D'Annnnzios neuestes Werk. Der Ver­fasser des höflich ober kühl abgelehntenHeili­gen Sebastian" benutzt die Muße des Som- mers, um an neuen Werken zu arbeiten. Rach derItalic" schreibt D'Aununzio gegentoärtig eine Tragödie, die für S n z a n n e D e spss, die bekannte Pariser Schauspielcrm bestimmt ist und den TitelLa Hache" (Dir Axt") sührt. Wie derHeilig- Sebastian", so ist auchDie Axt" in sranzösischer Sprache ge­schrieben und wird im Herbst bei Pierre Lasittr herauskommen. Auch ein neuer Roman ist cm- gekündigt, der gleichzeitig in französischer und italienischer Sprache erscheinen soll. Der Titel dieses Werkes ist noch nicht bestimmt; es hat dii moderne italienische Frau zum Vor- Wurf und wird ebenfalls zu Beginn des Herb­stes auf den Büchermarkt gelangen.

Kurze Notizen. Für die Errichtung ei­nes neuen Schaufpielhanfes in Halle find bis jetzt 335 000 Mark gezeichnet worden. Das Theater baut der Berliner Architekt von Goedecke. Ein amerikanisches Konsortium beabsichtigt, in Berlin ein eigenes Opern­haus zu errickien. Als Träger des Planes werden I. Gould und C. W. Tast, ein Bruder des Präsidenten, genannt. Rektor und Se­nat der Charlottenburger Technischen Hoch­schule haben dem Mitinhaber der Firma Dvckerhosf & Söhne in Amöneburg, Eu­gen Dvckerhoss, die Würde eines Dr. ing. hon. causa verliehen wegen feiner Verdienste um die wissenfchastliche Erforschung und praktisch« Anwendung des Beton- und Eifenbetonbaues Franz von Stuck' s BildOrest und di« Erinnticn", das im deutschen Pavillon aus dei Internationalen Kunstausstelluna in Rom aus­gestellt ist. wurde der italienischen Rcgicrunx vom Oberkunstrat zum Ankauf empfohlen,

non für das In ngdentschc Opern- Prcisaus schreiben «Richard Strauß, Ernst von Schuch, Leo Bleck. Gustav Brecher) keinem der cingercichten Werke einen Preis zuerkannt. Folgende drei Werke jedoch gingen ;

_______________Sonnabend, 22. Juki 1911 naltal (Oesterreichs ein gewaltiges Feuer aus. Nahezu die ganze Ortschaft ist eingeaschert worden. Im ganzen sind hundertsunszehn Häuser niedergebrannt. Der Bahnhos, das Pfarrhaus und das Schulgebäude konnten ie- doch gerettet werden.

Der Augenarzt als Hoteldieb. In dem Badeort Vichy (Frankreich) wurde gestern der fünfundzwanzig Jahre alte Augenarzt Dr. Z v- lies verhaftet, weil er in den vornehmen Ho­tels, in denen er logierte, bedeutende Juwelcn- diebstähle begangen hatte.