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vttrmmer 19L u Jahrgang.

Csflrlrr Abendzeitung <1^. hessische Abendzeitung

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Unsere Fugend.

.«Ser die Jugend hat, hat die Zukunft!«

Sm preußischen LultuS.Ministerium finden Mr­zeit Erhebungen und Erwägungen über die Ausge­staltung der öffentliche» Jugendpflege statt, die in erster Linie »ach der stttlichen Sette hi» in Angriff genommen werde» soll. SS ist geplant, die Jugendpflege dem Schulunterricht organisch anzu- glieder» und eine ideale Verbindung der Erziehungs­arbeit von Schul« und HauS anzustrebeu Die Vor­beratungen dürste» im Herbst zum Abschluß gelangt sein und sollen dann einer besonder» «ommisston zur Durcharbeitung überwiese» werden.

Schon als Herr vou Bethmanu Hollweg in der Thronrede, die er tot preußischen Abgeord­netenhause verlas, die Jugendpflege als eine der wichtigsten Aufgaben künftiger preu­ßischer Polittk bezeichnete, hat man diesen Teil seiner Verheißungen als den am meisten er- fteulichen bezeichnen dürfen. Die Presse hat damals schon anerkannt, daß man hier an eine Frage gehen wolle, die jensetts alle« Partei­baders von grundlegender Wichtigkeit für das Wohl der Gefamthett sei, und nur, daß damals lediglich allgemeine Andeutungen gegeben wurden, hat mau bedauert. Den« aus die A r t der Durchführung kommt eS natürlich in erster Linie an. wen« die staatliche Jugend- pflege ihren Zweck erfüllen soll, und in Er­kenntnis dessen hat dann auch daS preußische Kultusministerium in einem ausführlichen Erlasse, der in diesen Tagen als Broschüre herausgekommen ist, sich darüber ausgespro­chen. in welchem Maße es die Million zu ver­wenden gedenkt, die zum ersten Male als Fonds zur Unterstützung der Jugendpflege in den Etat eingestellt ist. Mit einer Million kann man natürlich keine Unternehmungen schäften, die nun ein für allemal dem Uebel steuern könnten. Sie soll nur dazu dienen, die beste­henden Unternehmungen z« stützen, sie in ihren Wirkungen zu stärken und die private Wohl- fahrtpflege anzuregen.

Man kau« in einem Erlaß nicht bis in die letzte» Detalls ein Programm ausarbeiten, daS sich naturgemäß tormer den lokalen Verhältnissen anpaffen muß. Darum ist es auch gut, daß der Erlaß davor warnt, sich bei der Durchführung dieser Maßnahme an bureaukrattsche Schablone zu haften, und daß die Richtlinien, die er für die Mittel der Jugendpflege fltot, so gezeichnet sind, daß sie speziellen Bedürfnissen hinreichenden SpieL. raum lassen. Man will Heime «inrichten, wo sich die Jugend zu Spiel oder Lektüre zusam­menfinde» kann; will zur Geselligkeit Gelegen­heit geben, Wanderungen, Sport und Turne- rei üben; will dort, wo solche Einrichtungen bestehen, sie ausbauen und möglichst die Ju­gend selbst an der Verwaltung teilnehmen las­se«. Ma» will Bürgerkunde, Religion, Na­tur- und Erdkunde pflegen, und nur, daß man in den Vorträgen vor allem Stoffe aus der Kriegsgeschichte wählen will, könnte die Freude an dem guten Willen etwas trüben. Nicht etwa, daß nicht auch die Schilderung krie­gerischer Ereignisse für die Jugend etwas An­ziehendes hätte: Doch da man weiß, wie sol­che Direktiven in Preußen oft ausgelegt wer- den. kann man sich des Verdachts nicht erweh­ren. daß auch hier wieder jene Hurrastim- mung erzeugt werden könnte, die von wah­rer Vaterlandsliebe himmelweit entfeint ist. Alles, was nur irgendwie nach politischer Tendenz aussieht, muß aus der Jugendpflege entfernt werden, wenn sie ihren Zweck rich­tig erfüllen soll.

Unsre Zeit ist nicht so schlecht, wie sie von gewissen Sittlichkeitsfanatirern gemacht wird. Darum, daß unsre Begriffe vom Moralischen sich von Muckerei emanzipiert haben, daß sie, dem allgemeinen Zug unsrer Tage folgend, freier geworden sind, sind sie nicht auch leichter en ethischem Gewicht geworden. Ter morali­sche Verfall, mit dem bösartige Philister ihre Geschäfte im Lande treiben, ist nicht zu verspü­ren bei einer Ration, die sich dessen bewußt ist, daß sie ihre physischen, geistigen und sittlichen Kräfte braucht, um stark zu sein und stark zu bleiben. Gerade darum wird aber auch, wer sich von jeder falschen Moralbewertung frei weiß, das Wort von der »Verwahrlosung der Jugend« in seinem ganzen Ernst, in seiner ganzen Bedeutung erfassen müssen. Denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß eine sol­che Verwahrlosung besteht und daß sie im­mer stärker wird, weil . . . ihre Voraus­setzungen immer starker werden. Diese Vor­aussetzungen liegen in der sozialen und wirt­schaftlichen Entwickelung: darin, daß die Indu­strie wächst, die Neigung zur Konzentration nach der Großstadt immer stärker wird, darin, daß vor allem die F a m i l i e immer mehr von

jener bindenden Kraft verftert. die in frühern Tagen ihre Glieder zusammengehatte« hat. In früher« Epochen durfte der Staat die Sorge um die kommende Generatton dem Hause überlassen, da die Wirtschaftverfassung die Möglichkeit gab, daß daS HauS diese Aufgabe erfüllt. Heute kann es das nicht mehr, heute ist der Vater, der in dämmernder Morgenfrühe an die Arbeit geht, nicht mehr imstande, seine Kinder mit sorgender Teilnahme zu umgeben, ihnen seine Zeit und seine Liebe zu widmen.

Und auch der Mutter Schuld ist es nicht, daß sie deS Lebens harte Notdurft vom häus­lichen Herd forttreibt in die Fabrik, oder daß sie den lange» Tag über ihre Heimarbeit ge­bückt sitzen muß. Das sind Folgen einer mit grattsamer Notwendigkeit eingetretenen Ent­wicklung. und ohne daß man dem Staat die Schuld zuschreiben möchte, muß man doch for­dern. daß er die Aufgabe übernimmt, soweit Vater und Mutter sie nicht mehr erfüllen kön­nen. Nicht nur aus stttlichen Gründen, sondern aus seinem eigne« elementarste« Le­bensinteresse. Wie unsre Jugend ist, so ist unsre Zukunft, und wen« unsre Ju- gend nicht besser wird, haben wir keinen An­laß. mtt froher Hoffnung in die kommenden Tage zu sehen. Die Zahle«, die die Stattstik über die BeteMgung der Jugend an Sittlich- keits- und Rohheitsdelikten, an Ausschreitun­gen und an schweren Verbrechen gibt, spreche« eine schauerliche Sprache und die Klagen ein- sichttger Pädagoflen mahnen dringend zu Ent­schlüssen. Daß sich der preußische Staat ihnen nicht verschlossen hat. soll man ohne weiteres anerkennen; daß er im allgemeinen durchaus moderne und anttbureaukrattsche Prinzipien für die Durchführung der Jugendpflege ausge» stellt hat, soll man rückhaltlos loben. Nicht auf der Schulbank nur dürfen wir unsere Jugend großziehen, wir müssen ihr Freude geben an Natur und Geist, an Spiel und Geselligkeit. Ein Staat, der das anerkennt, schafft sich gute Fundamente ffii seine Zukunft; andere Staaten aber solle« an feinem Beftpiele lernen, -ot-

Die Memoiren der Unverstandenen.

Deuftche Maßnahmen gegen Fra« Toselll?

(Vo« unser« Korrespondenten.)

Wie wir schon mitgeteW haben, ist die Ver­öffentlichung der »Memoiren« der Frau To- srlli, der ehemaligen Kronprinzessin vo« Sach­sen, von einem Londoner Verlag für Mitte September angekündigt worden. Trotzdem ist es (tote uns von vertrauenswürdiger Sette geschtteben wird) noch keineswegs sicher, daß daS Buch Wittlich der Oeffentlich- feit zugänglich gemacht werden wird. Die vorläufigen Versuche, die Publikation zu ver­hindern, scheinen allerdings geschettert zu sei«. Denn die Eile, mit der der Verlag Fisher Un- Win die Meldung von dem Besuch des Königs August bei der Mutter der Prinzessin, der Grotzhetzogin-Witwe von Toskana, durch Be­kanntgabe des Erscheimrnastermins der »Me­moiren« beantwortete, läßt dir unzweideutige Solgrrung zu, daß Fra« Toselli sich in ihrem ntschluß nicht wankend machen lassen Will.

Da die Drohung mit der Entziehung der jährliche« Rente vo« vierzigtausend Mark nichts gefruchtet hat, ist es wahrscheinlich, daß die Publikation des Wettes auf anderm Wege verhindert wirb. Eine Handhabe bie­ten folgende Erwägungen: Das Vorwort deS Buches, in dem Frau Toselli ihren Schritt, sich an die Oeffentlichkeit zu wenden, begründet, trägt die Unterschrift:Luise von Toseana, Erkronprinzessin von Sachsen". Auf diesen Titel hat Frau Toselli aber keinen Anspruch mehr.

Durch ein vom siebenundzwanziasten Ja­nuar 1903 gezeichnetes Dekret des Kaisers -Franz Josef wird der Prinzessin unter­sagt, »den Namen des nicht regierenden Han- ses^von Toseana zu tragen noch Anspruch aus Rang und Titel einer österreichischen Erzherzo­gin zu erheben oder das Wappen der kaiser­lichen Familie zu gebrauchen". Am elften Fe­bruar 1903 bestätigte der König von Sachsen das Dekret, indem der Prinzessin gleichzeitig Name und Rang einer Gräfin von Mon­ti g n o s o angewiesen wurde. Die nnberech- tigte Führung des Namens Toseana dürste hinreichen, um ein Verbot des Buches zu rech'fertigen. Wie verlautet, sind bereits dar­auf bezügliche Schritte eingeleitet und es ist deshalb wahrscheinlich, daß gleich nach Erschei­nen der »Memoiren" ein Verbot des Ver­triebs für Deutschland tote Oesterreich Un­garn erfolgen wird. -ä-

Paris, 19. Juli. (Eigene Drabt- meldung.i Räch dem »Temps« ist es trotz aller Dementis sicher, daß die Memoiren der früheren Kronprinzessin Luise von Sachsen

im September to einem Londoner Verlage er­scheinen werden. DaS Buch ist mit der Wid­mung versehen: »Für meine Kinder, wenn sie erwachsen sind.« Der Londo­ner Verlag Nash, der die Memoiren der ehe­malige« Kronprinzessin herausgibt, hat (wie hier verlautet) den zuständigen Stellen in Wien und Dresden bereits vor längerer Zett Kor­rekturbogen des Wettes übermitteln las­sen, und weder in Wien noch in Dresden soll gegen die Form des Inhalts Einspruch erho­ben worden sein.

Sie Müllheimer Katastrophe.

Zweihunderttausend Matt Materialschaden.

Ein Privattelegramm meldet uns aus Karlsruhe t SS.: Der preußische Eisen­bahnminister von Breitenbach und der württembergische Minister der öffentlichen Ar­beiten Dr. von Weizsäcker haben dem ba­dischen Finanzminister von Reinbold ihre leb­hafte Teilnahme an dem Eisenbahnun­glück in Müllheim ausgesprochen. Der Finanz­minister vo« Reinbold hat an den zurzeit in Königstein im Taunus weilenden Großherzog vo« Baden einen telegraphischen Bericht ge­sandt. In dem Bericht wird die Ursache des Unglücks auf vorfchriftSwidrig ra­sches Fahren über die Baustelle auf dem statt gekrümmten Gleise innerhalb der Stadt Müllheim in Verbindung mit plötzlichem schar­fen Bremsen zurückgeführt. Im Zusammen­hang hiermtt wird uns weiter bettchtet:

S Müllheim, 19. Juli.

(Eigene Drahtmeldung.)

lieber die Ursache des Eftenbahnunglücks befragt, ettlären Bahnbedienstete, daß der Lo- komottvführer zu spät gesehen habe, daß der Zug auf, einem falschen Geleise fahre. In­folge des plötzlichen Bremsens erfolgte rin z u starker Ruck; die Wagen liefen übereinan­der und stürzten in die Unterführung, die ge- genwärttg auf dem hiesigen Bahnhof neu ein­gerichtet wird. Von den schwerverletzten Per­sonen, di« im hiesige« Krankenhaus «nterge- bracht fitto, liegen vier im Sterben. Am schwersten bettoffen ist der württembergische Missionar Pfleiderer, der sich mit fei­ner ganzen Famflie im Zuge befand. Sein einziger Sohn ist tot, zwei Töchter sind schwer und eine Verwandte tödlich verletzt. Der Mis­sionar selbst ist unverletzt, aber vor Schmerz völlig gebrochen. Im badischen Eftenbahmni- nisterium wird ettlätt, daß die genaue Ursache des Eftenbahnunglücks noch immer nicht fest­stehe. Man ist aber der Ansicht, daß die Lo­komotive zu schwer war und deshalb an der Unglücksstelle durchbrach. Die Ansicht, daß dem Lokomotivführer eine Schuld bei- zumessen sei, scheint demnach fallen gelassen zu fein. Die amtlichen Feststellungen über den durch die Katastrophe verursachten Schaden ha­ben allein den Materialschaden in Höhe von mindestens 200 000 Matt ermittelt.

London, 19. Juli. (Privat-Tele- gramm.) Ein Telegramm aus Newyott mel­det, daß bei Morelia in Mexiko infolge fal scher Weichenstellung ein Zusammenstoß zweier Eisenbahnzüge stattfand, wobei vier­zig Passagiere getötet und über sech­zig verletzt worden fei« solle«. Einzelheiten über die Katastrophe stehe« «och aus. Die Trümmer der verunglückten Züge geriete« in Brand und wurde« völlig zerstört.

Wiesbaden und der Kaiser.

Doch ei« neues Kofferschloß?

Wie uns auf Anfrage an unterrichteter und zuständiger Stelle bestätigt wird, denken die städtischen Behörden Wiesbadens aller­dings daran, dem Kaiser als Ersatz für das alte Schloß am Markt, das für die Hofhaltung des Kaisers nicht mehr recht geeignet ist, in ab­sehbarer Zeit ein n e u e s S ch l o tz zu er­bauen, für das geeignetes Terrain am Nero- berg reichlich zur Verfügung stehen würde. Ueber die darauf bezüglichen Erwägungen in­nerhalb der Wiesbadener städtischen Kollegien wird uns von zuverlässiger Seite berichtet:

»-» Wiesbaden, 19. Juli.

(Eigene Drahtmeldung.)

Es besteht in den städtischen Körperschaften Wiesbadens kein Zweifel darüber, daß der riesige Aufschwung, den Wiesbaden als Stadt und als Kurott in den letzten zwanzig Jahren nehmen konnte, haupftächlich dem In­teresse zu danken ist, das der K a i s e r der Stadt entgegenbrachte. Durch dieses Interesse, und durch die zahlreichen Besuche, die der Kaiser der Stadt abgestattet hat, wurde erst der inter­nationale Fremdenstrom nach Wiesbaden ge- lentt. der es jetzt in jedem Sommer bevölkert. Das alte Schloß, das dem Kaiser heute zur

Verfügung steht, wirft aber auch sonst wenig repräsentattv für eine Weltkurstadt wie Wies­baden. Die einzigen größern Bedenken gegen einen angemessenen Neubau könnten nur darin liegen, daß die Finanzen Wiesbadens (die in den letzten Jahren eine sparsame Lei­tung verlangten) durch diese Ausgabe zu sehr in Mitteidenschasten gezogen werden könnten. Diese Erscheinung dürfte jedoch deswegen kaum eintreten, weil man aus dem Verkauf des alten Schlaffes, das einen sehr wertvol­len Platz hat, sowie durch Veräußerung des Paulinenschlößchens genügend Mittel flüssig machen kann, um de« Rest ohne Beschwerde für die Stadt ttagen zu können. In einer der nächsten Sitzungen der städtischen Behörden wird der neue Schloßbau Uttache einer ver­traulichen Beratung sein, und es wird sich dann auch entscheiden, wie die Frage ge­löst werden soll. Die jüngsten Dementis der Angelegenheit haben in unterrichteten Kreisen einigermaßen überrascht, und sie lassen sich auch daraus erklären, daß im Augenblick bestimmte Pläne noch nicht vorliegen. Daß die Frage eines Schlotz-ReubaueS aber tot Schoß der städtischen Kollegien erörtert worden ist und auch weiter ventiliert werden wird: Diese Tatsache kann durch kein De­menti erschüttert werden.

Baron Gumvenberg.

Aus dem Leben eines Leutnants.

(Von unferm Korrespondenten.)

Berlin, 19. Juli. (Eigene Draht­meldung.) Vor dem ObettriegSgericht der Berliner Kommandantur begann heute vormittag um zehn Uhr die Berufungs- Verhandlung gegen den Leutnant Fret- herrn von Gumpenberg, der wegen verfuchter Notzucht angeklagt ist. Es sind zu dem Prozeß zahlreiche Zeuge« geladen. Als medizinischer Sachverständi­ger wohnt Geheimrat Leppmann der Ver­handlung bei, die unter völligem Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt wird.

Ein Seitenstück zu dem Prozeß wider de« Grafen Metternich bildet die Anklage, die heute vor dem ObettriegSgericht deS Berliner Kommandanturgertchts zur Verhandlung steht. Der zweiundzwanzigiährige Leut­nant Freiherr Ottomar Hubert von Gum­penberg hatte von seinem RegimentSchef Urlaub erhalten, um zwecks Beruhigung seiner Nerven im Pattsanatorium zu Pankow bei Berlin eine Zeit lang Aufenthalt zu nehmen. Vor einiger Zeit suchte Freiherr von Gumpen­berg erst in früher Morgenstunde das Pattsa- natorium in Pankow auf. Er hatte die ganze Nacht hindurch in den verfchiedensten Lokalen Berlins, in denen sich die jeunesse dorSe mcht langweitt, gezecht. Er behauptet, statt ange- ttunken nach Hause gekommen zu fein. I« diesem Zustand drang er

in daS unverschlossene Schlafzimmer

einer jungen, im Sanatorium angeftellte« Turnlehrerin. Er foll den Versuch unternom­men haben, die Turnlehrerin zu vergewal­tigen Erst als die junge Dame um Hilfe schrie und die nebenan schlafende Oberin er­schien, soll er den Rückzug angetteten haben. Die Turnlehrerin erstattete Anzeige, und es wurde deshalb gegen von Gumpenberg An­klage erhoben. Im Dezember vorigen Jahres wurde von Gumpenberg vom Divisionsgericht des Berliner Kommandanturgerichts wegen versuchter Notzucht zu sieben Monate« Gefängnis und Dienstentlasfung verurteilt und sofort verhaftet. Gegen dieses Urteil hat sowohl der Gerichtsherr, als auch der Angeklagte Berufung eingelegt. Die Sache Wird deshalb das Oberkriegsgericht be- schäftigen. Auf Anttag des Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. Barnau ist der junge Frei­herr zunächst von Militärärzten, später von dem Gerichtsarzt Med.-Rat Dr. Leppmann be­obachtet worden. Die Aerzte baben begutach­tet, daß der Angeklagte

sehr schwer erblich belastet

ist. Der Vater war hoher Offizier, aber Al« koholiker. In der Familie sind mehrere Geisteskrankheiten vorgekommen. Er selbst bat als Knabe infolge eines Unfalls eine Gehirnerschütterung erlitten. Er ist das einzige Kind seiner in München lebenden Mutter, deren Vermögen auf weit über eine Million Mark geschätzt wird. Er ist zunächst von Haus- lcbrern unterrichtet worden. Alsdann kam er auf die Jesuitenschule. Einige Monate war er Schüler des Kadettenkorps. Dort konnte er sich indessen mit den Kameraden nicht vertra­ge«, da er die Kadetten bürgerlicher Abkunft und die von niederem Adel mit Verachtung behandelte. Er ist schließlich auf verschiedenen Offizierspressen" gewesen, um sich zum Fäbnrich-Eramen vorbereiten zu lassen. Er ist