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Nr. 190. 1. Jahrgang.

Gaff eiet Neueste Nachrichten

Mittwoch, 19. Jun 1911.

Überschreiben. Es käme vor, daß die höheren Verwaltungsbeamten vielfach gar nicht wüß­te«, was Selbstkosten seien. Von großer Wich- ttgkeit wäre, wenn die Handwerkskammer

die Bestrebungen nach Selbsthilfe tatträftig unterstützen würde. Unter dem festgesetzten Selbstkostenpreise dürfe uirtet tei­lten Umständen eine Arbeit angeboten werden. In Len Innungen müsse für diese Forderung lebhaft agitiert werden. Wenn das geschehe, dann werde eine Besserung zu erwarten fein. Die Gehilfenorganisationen hätten ganz richtig erkannt, daß nur derjenige Meister seinen ta­riflichen Verpflichtungen Nachkommen könne, wenn er keine Arbett unter dem Selbstkosten­preise annehme. Es sei dankend anzuerkennen, daß die Gehilfenorganisattone« so weit in ihren Ansichten geschritten seien. Sie wären auch berett, diejenigen Betriebe, in denen nach den berechtigten Forderungen des Handwerkers nicht verfahren werde, zu sperren. Der Red­ner schloß mit dem Wunsche, nicht zu versagen und nicht in der Arbeit zur Besserung der Lage des Handwerks nachzulaffen. Obermeister Kniest schlug im Anschluß an den Vortrag vor, daß es zweckmäßig sei, wenn eine Innung nach einer erfolgten Ausschreibung eine Pste der Selbstkostenpreise einreiche, nach der die Behörde sich richten könne. Gebe die Behörde trotzdem die Arbeit unter dem Selbstkosten­preise aus, dann müsse der Fall unbedingt

der Oeffentlichkeit mttgeteilt kverden. Glasermeister Spieß teilte einige interessante Fälle von Submissionsblüten mit. Kürzlich sei eine Submission für eine Schule er­folgt. Die Innung habe eine möglichst nie­drige Offerte ohne erheblichen Verdienst abge­geben und doch habe die Arbeit ein Handwer­ker erhalten, der über 250 Mark billiger gewe­sen sei. Beim Elektriziätswerk habe ebenfalls nicht die Innung auf ihre niedrigst gehaltene Offerte den Zuschlag erhalten, sondern ein Meister, der 500 Mark niedriger war (bei einem Objekt von 1800 Mark). Derselbe Mann stehe außerdem noch auf der Liste zur Leistung des Offenbarungseides. Syndikus Thannhei­ser wies darauf hin, daß die behördlichen Be­stimmungen über die Vergebung der Arbeiten ganz gute seien. Die Behörden seien auch sehr vorsichtig. Wenn einmal Unterangebote ein­gereicht würden, so fragten die Behörden stets bei der Handwerkskammer an und zögen Er­kundigungen über die Persönlichkeit dieses Mannes ein. Auch die Innungen könnten in al­len Fällen von Unterangeboten nachdrücklichst Beschwerde einlegen. Schreinermeister Wachs- muth hielt eine Konventionalstrafe als Schutz gegen dieSchmutzkon- k u r r e n z für angezeigt. Zimmermeister E ck - Hardt wies daraf hin, daß vieles zu machen sei, wenn dir

Jntereffelosigkeit der Handwerker Nicht eine so große wäre. lieber die Ergeb­nisse der Gesellenprüfung berichtete Malermeister Mink le y. Der Redner kam zu dem Schluß,daß das Resultat der Prüfun­gen ein nicht besonders günstiges sei. Die Fortbildungsschule in der heutigen Form entspreche nicht den notwendigsten Bedürfnis­sen. Zu wünschen wäre, daß die Fordern«, gen der Handwerker mehr Berücksichtigung fänden: Zu fordern sei der Sonntagsunter­richt. Bei der Zwangsfortbildungsschule könne das Unterrichtsgeld auch nicht vom Handwer­ker gefordert werden, da sich das nicht mit dem Charakter der Schule vertrage. Ferner müßte das Handwerk im Schulvorstand mehr vettre- ten sein. Syndikus Thannheiser be­merkte: Wenn aber ein großer Prozentsatz der Schuler aus der Volksschule herauskäme, ohne das Ziel erreicht zu haben, so könne die Fort­bildungsschule daran keineswegs etwas än­dern. Die Fortbildungsschule könne doch nur dazu da sein, den Lehrlingen das beizubringen, was sie in der Werkstätte des Meisters nicht er­lernen können. Fortbildungsschullehrer R o - s e n k ra n z teilt mit, daß das Schülermaterial

vielfach ein schlechtes sei. Der Handwerksmei- ster sei schließlich selbst schuld daran, wenn et wenig geistig regsame junge Leute in die Lehre nehmen. Die Lehrer feien bestrebt, ihre Pflicht zu tun und

dem Handwerk zu bienen.

Der Redner verwahrte sich entfchleden gegen die Vorwürfe, daß die Lehrlinge in der Fort- bildungsfchule nichts lernten. Vor allem kom­me es auch darauf an, den Lehrling nicht mit dem Gedanken in die Schule gehen zu lassen: Dort lernst du nicht-! Wenn die Handwerker so schroffe Urteile fällten, wie Herr Minkley, dann müsse die Schule darauf Wert legen, daß die Jungen die Schulstunden auch regelmäßig besuchten und die Schule könne keine Rücksicht auf das Handwerk nehmen. Frau Holzapfel bedauette, daß den weiblichen Gehilfinnen der Genuß eines Fortbildungsunterrichts nicht zuteil werde. Die Freie Vereinigung der Mei­sterinnen habe deshalb aus eigenen Mitteln eine Fachschule eingerichtet, die außerordent­lich gut besucht werde. In einem Schlutzwott verteidigt Herr Minkley nochmals seinen Standpunkt und erklärt, daß er die Fortbil­dungsschullehrer keineswegs habe treffen wol­len: er hätte sich nur gegen das System ge­wandt. Dann verhandelte man noch über die beabsichtigte Ausstellung der Handwerksmeister, die etwa im November stattfinden sollte. Ein Beschluß wurde jedoch noch nicht gesaßt. Ei­nige auf der Tagesordnung noch verzeichnete Gegenstände mußten Infolge der vorgerückten Zeit und in der Voraussicht, daß sie eine län­gere Debatte Hervorrufen würden, bis zur nächsten Versammlung zurückgestellt werden.

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Sie Politik des Tages.

cs AachenerRathaus-Revolution"? Aus Aachen wird uns depeschiert: Der hiesige Oberbürgermeister Seltmann beabsichtigt infolge des Mißtrauensvotums der Zentrums­partei auf seine Eigenschaft als Herren­hausmitglied zu verzichten. Wie die Kölnische Volkszeitung' meldet, wird die Folge dieses Schrittes sein, daß von katholi­scher Seite künftigzur Bildung eines zuver­lässigen Gegengewichts gegen die Neft gungen liberalisierender Bürger- meister' für das Herrenhaus Mitglieder des Stadtverordnetenkollegiums prä­sentiert werden,von denen man bestimmt weiß, daß sie nicht mit der Auffassung der durch sie vertretenen Städte in Widerspruch stehen.

S> Oesterreichs neues Parlament. Ein Privattelegramm meldet uns aus Wien: Die gestrige erste Sitzung des neuen Abgeordnetenhauses ist ohne den ge­ringsten Zwischenfall in bester Ruhe verlaufen, doch ist man in parlamentarischen Kreisen der Ansicht, daß die Lebensdauer des Abgeordne­tenhauses keine allzu lange sein wird. Aus den Erklärungen einzelner Parteiführer gegen­über dem Ministerpräsidenten ist zu entnehmen, daß ein Eingehen des neuen Hauses in positive Arbeit von Bedingungen abhängig gemacht wird, deren Erfüllung kaum zu erwarten sei. Im Gegensatz zu der friedlichen Premiere im neuen österreichischen Parlament ist es gestern im ungarischen Abgeordnetenhaus abprmals zu Skandalen gekommen, die schließlich derart ausarteten, daß die Sitzung geschlossen werden mußte.

cS> Ruffische Idylle. Wie ein Telegramm aus Moskau meldet, hat in dem Prozeß gegen die Milttärintendanturbeamten und dir Firma Thiel das Militärgericht gestern fünf Angeklagte zum Verlust von Rang und Orden, sowie anderer Rechte und zu drei Jahren Korrektionsgefängnis ver­urteilt, ferner einen anderen Angeklagten zu zweieinhalb Jahren, einen zu zwanzig Mona­ten, acht zu je anderthalb Jahren, fünfunddrei­ßig zu je einem Jahr, zwei zu neun Monaten und einen zu einem Monat Korrektionsgefäng­nis. Sieben Angeklagte wurden freigesprochen,

darunter der Bertteter der Firma Thiel. Die Bestechungsgelder find zurückzuzahlen und solle« für wohltättge Zwecke verwendet werde«.

Neuer vom Tage.

(Depeschen bet Gaff eiet Neuesten Nachrichten.)

rs Neues von RichtersOlympiade". Ans Saloniki wird berichtet: Infolge des neuen Schreibens der Räuber Richters hat sich Hamid Bey bereit erklätt, zusammen mit einem Vettrauensmann, den das deutsche Kon­sulat nach Elassona entsenden soll, in das Ge­birge zu gehen, um durch Vermittlung bet bei­den Hirten eine Verbindung mit den Räubern herzustellen.

Lr TyphuSepidemie in bet Irren-Anstalt. In der Irrenanstalt Konradstein bei Danzig ist unter den Kranken eine Typhus- epidemie ausgebrochen. Bis jetzt sind hereits dreiundneunzig Personen erkrankt und von ihnen acht gestorben.

zs Dem Verdienste seine Krone . . . Eine ungewöhnliche Ehrung erwiesen die Frauen von Kaltenwestheim in Thüringen der dortigen Hebamme anläßlich ihres 25 jährigen Dienstjubiläums. In dankbarer Anerkennung der vielen von ihr während eines Viertel- jahrhundetts geleisteten Dienste vereinigten sich über hundert Frauen mit der Jubi­larin im Ortswirtshause zu einer zwanglosen Unterhaltung, wobei die Verdienste der »wei­sen Frau' natürlich gebührend hervorgehoben wurden. Im Anschluß an diese Unterhaltung fand sodann ein festlicher Umzug durch den Ort statt. An der Spitze des Zuges marschierte eine Musikkapelle, der sich die Frauen, mit der Jubilarin voran, anschlossen.

ttr Ei» Drama auf bet Schlotzwache. Der Grenadier Brüttner vom Leibgrenadier- Regiment in Karlsruhe wurde bei einem Diebstahl in der Militärbadeanstalt ertappt. Nachdem er auf die Schloßwache gebracht wor­den war, rannte er sich sein Seitengewehr mit solcher Gewalt durch die Brust, daß die Spitze aus dem Rücken wieder herauskam und der Tod auf der Stelle eintrat.

zs Eine dunkle Tat. Der Mitinhaber einer Pilsener Manufakturfirma, Rudolph Levy, hat seine Wirtschafterin durch zwei Re- volverschüsse lebensgefährlich verletzt und sich bann felbst erschossen. Das Motiv zur Tat ist noch unaufgeklärt.

zs Des Lebens Rot . . . Eine furchtbare Familientragödte hat sich gestern mor- gen in Lemberg abgespielt. Der jüdische Schneidermeister Taube hatte beschlossen, wegen Nahrungssorgen gemeinfam mit seiner Frau und acht Kindern im Alter von fünf bis sieb­zehn Fahren in den Tod zu gehen. Zu diesem Zwecke nahm er mit seiner Familie Ratten­gift. Nachbarn, die die Unglücklichen stöhnen hörten, benachrichtigten die Rettungsgesell­schaft, der es gelang, den Mann und fünf Kin­der soweit wieder herzustellen, daß sie mit dem Leben davonkommen dürften. Die Mutter und die drei anderen Kinder dagegen ringen mit dem Tode.

zs Das Ende beS Anarchisten. In Lo- vrana ei Abazzia erschoß sich ein Hörer bei Wiener Universität namens Markowitsch. Seine Geliebte gab auf bet Polizei bas Motiv bes Selbstmorbes an. Markowitsch sei Anar­chist gewesen unb habe von seinen Gesinnungs­genossen unter Todesdrohungen einen Auftrag erhalten, zu Hessen Ausführung er nicht ben Mut gehabt habe. Deshalb habe er freiwillig ben Tob gesucht.

zs Die Erbe bebt... Jn Kecskemet (Ungarn) erfolgte gestern abermals ein starker Erdstoß, bet große Verwüstungen anrich­tete. Die Kuppel bes israelitischen Tempels ist eingestürzt. Ministerpräsibent Khuen-Heder- vary tn Begleitung des Justizministers unb zahlreicher Abgeordneten erschien in Kecske- met. Der Ministerpräsident stellte bet Stabt»

Verwaltung ausgiebigst Handelsschiffe in Aus. sicht. Don den 10 321 Häusem der Stadt sind 6986 sehr schwer beschädigt. Der größte Teil deS Hafens muß neu gebaut werden.

zs Kämpfe zwischen Arbeitswilligen unb Streikende«. In Hostiwitz bei Tetschen kam e8 gestern zwischen Arbeitswilligen unb strei­kenden Arbeitern bei Schraubensabrik Starneck u. Ponse z« schweren Zusammenstößen. Dadurch wurden drei Arbeiter lebensgefährlich verletzt. Die Gendarmerie «ahm fünfzehn Verhaftungen vor.

zs Bier Kinder verbrannt. In der Woh- ttuitg einer Arbeiterfamilie in Fontaine- bleau (Fraickreich) entstand gestern in Ab­wesenheit der Eltern eine Feuersbrunst, die rasch um sich griff. Drei von vier tn der Woh­nung sich befindenden Kindern konnten nur als Leichen geborgen werden. DaS vierte Kind starb auf dem Transpott nach dem Kranken­haufe.

zs Die neueste Autokatastrophe. Zwischen Chladowo und Dythia (Frankreich) fuhr gestern ein Automobil gegen einen Saum. Der Benzinbehälter explodierte und das Auto ver­brannte völlig. Die Insassen erlitten schwere Brandwünden.

zs Großfeuer in einem holländischen Dorf. In dem Dorfe B r ak e I in der Provinz Gel­derland (Holland) brach in der letzten Nacht eine verheerende Feuersbrunst aus. Sle- benundvierzlg Häuser brannten bis auf die Grundmauern nieder. Der angerichtete Schaden beträgt mehr als zweihundetttaufend Francs. Wie bis jetzt feftgefteHt werden konnte, sind Personen dabei nicht verunglückt.

zs Straßenkampf in Amsterdam. Aus Amsterdam wird uns depefchiett: Zwei Militärradfahrer, die gestern abend einen Last- karren begleiteten, wurden von Leuten aus dem Publikum belästigt. Als eine Abteilung von Polizeibeamten unb Genbarmen ben Rad­fahrern, deren Räber zerschlagen würben, zur Hilfe kam, würben sie mit Steinen beworfen. Ein Genbarm gab mehrere Schüsse ab, woburch ein Mäbchen v er l e tz t würbe. Die Polizei­beamten zogen blank unb zerstreuten ble Menge.

tsz Hungerburger Kurbab-Geschlchten. Im Kurott Hungerburg bei Narva (Rußlanb) fanb im Kurfaal unter einer angeheiterten Gesell­schaft von Marineoffizieren eine blutige Schlägerei statt, in bereit Verlauf bet Ma­rineleutnant Gruben mehrere Schüsse abfeuette. Verschiedene Perfonen würbe« badurch ver­letzt.

Las Neueste aus staffel.

Ne Einigung im Handwerk.

Erst beute wirb bekannt, baß vor einige« Tagen in Cassel eine bebeutungsvolle Ser» fammlung von Sertretem des ganzen deut­schen Handwerks stattgesunden hat. Die ver­traulich gefühtten Serhandlungen fanden im HotelKaiserhof" statt, sie waren durch den Handwerkerbund der Provinz Hannover, bef* fen Vorsitzender das Herrenhausmitglied Oberinnungsmeistet Plate ist,veranlaßt wor­den. Der Zweck der Versammlung war, im Hinblick aus die bevorstehenden Reichstags- Wahlen eine einheitliche Haltung bet deutschen Handwetterbünde in politischen Fragen zu er­streben. Vertreten waren bet hannoversche, westfälische, bayrische unb lippesche Handwer- kerbund, ferner der deutsche Handwetterbund zu Lüneburg; bet rheinische Handwetterbunb batte eine Zustimmungserklärung gesandt. Die Die Beratung schloß mit folgender, einstimmig angenommenen Entschließung:

Die in Cassel versammelten Vettreter deutscher Handwetterbünde sind der Mei­nung, daß die gegenwärtige Zer» fplitterung in vettchiedene Bünde den wirtschaftlichen Forderungen deS deutschen Handwetts sehr schädlich und bald-

zwischen den Seifen.

Lose Blätter aus dem Leben.

Aus dem Inseratenteil des »Fremdenblatt' Vom 2. März.

»Jene Dame in blau, welche der Vorstellung der Hofopcr am 1. März beiwohnte, wird von dem sie bewundernden Herrn inständigst gebe­ten, auf diesem Wege unter Chiffre:Arthur 32' bekannt zu geben, ob ehrbare Annäherung möglich.'

Fremdenblatt' vom 4. März 1902.

Arthur 32 wird gebeten, Brief Hauptpost- kagcrnd zu beheben. Anna.'

Fremdenblatt' vom 20. Juni 1902.

»Anna 21.Mein teueres Lieb! Habe Dich an Drei Tagen vergeblich erwartet. Soll­test Du auch morgen verhindert fein zu kom­men, bitte ick Dich, mir wenigstens zu schrei­ben, sonst gehe ich an Sehnsucht zu Grunde. Tausend heiße Küsse von Deinem ewig-treuen

Arthur.

Fremdenblatt vom 22. Juni 1902.

Arthur 32.Erwarte mich heute abcnt an bewußter Stelle. Anna.

Fremdenblatt Pom 26. Juli 1903.

Anna 21." »Herzliche Gratulation zum Namensfcst. Konnte weder schr. noch ". V*rz mir. Arthur.

Aus dem Inseratenteil derNeuen Freien Presse' vom 28. Infi 1903.

Ein junger Mann von angenehmem Aeußeren, aus fcbr guter Familie, 33 Jahre alt. Privaibeamter, mit hohem G.halt, sucht auf diesem, nicht mehr ungewöhnlichen Wege, ein Fräulein, das im Besitz von 80 000 bis 100 000 Kronen ist, zu ehelichen. Selbiger wurde auch in ein Geschäft einheira­ten. Diskretion Ehrensache. Zuschriften er­beten unter Chiffre:Arthur L. 33, Wien, Hauptvostlagernd.

Neues Wiener Tageblatt vom 30. Okto­ber 1903. Eingerückt:

Heute findet hier die Trauung des Fräu­lein Marie Heuberger, Tochter des Großindu­striellen unb Stabtöerorbnetcn Herrn Joses Heuberger, mit dem Privatbeamten Herrn Ättbnr Lerch statt.

Aus den vermischten Nachrichten des Neuen Wiener Journals vorn L November 1903:

In Nutzdorf stürzte sich gestern abend ein Mädchen von ungefähr zwanzig Jahren in die Donau, wurde aber noch rechtzeitig von "inem Flößer gerettet. Das bedauernswerte Mäd­chen wurde später als die Tochter Anna des Gymnasiallehrers M. agnosziert und in die elterliche Wohnung gebracht."

Wiener Zeitung" vom 2. Januar 1905. Firma-Protokollierungen:

. . . . Vie Firma Josef Heuberger, Cherni- kallenfabrik, im Register für Einzelfirmen ge­löscht, unb Umwanblung derselben in Heuber­ger u. Lerch ..."

Aus dem »Kleinen Anzeiger derNeuen Freien Presse vom 30. April 1906:

»Eine hübsche Villa mit Gatten in der Umgebung Wiens (Pcrchtelsdorf oder Möd­ling bevorzugt) wird zu kaufen gesucht. Preis 4050 000 Kronen. Vermittler ausgeschlossen. Zuschriften zu richten an Arthur L., 6. Bezirk, postlagernd.

WienerAllgemeine Zeitung" vom 12. September 1908. Personalnachrichten:

Adelsverleihung. Dem Großhändler Herrn Arthur Lerch, Mitches der Firma Heu­berger u. Lerch, wurde der Ädelstand mit dem EhrenworteEdler" verliehen.

Neue Freie Presse vom 6. Februar 1909:

Ball desWeißen Kreuzes . .. Fran von Lerch-Heuberger eine weiße Moirö-Robe mit Brüsseler Spitzen und Zobelbesatz. kostbarer Diamanten- und Sapbirschmuck . . .'

Neues Wiener Tageblatt" vom 22. Mai 1909:

Blnmenkorso ... das Automobil des Herrn Arthur von Lerch mit Matschal-Riel- Rosen und Veilchen . . .'

Hamburger Nachrichten" vom 7. Juni 1910. Lokalchronik:

Gestern erfolgte hier die Verbaftting des ehemaligen Fabrikbesitzers Arthur von L. aus Wien in demselben Augenblick, als er auf dem DampferUrania* nach Amerika flüchten wollte. Wie verlautet, bat er sich feit längerer Zelt Börsenschwindeleien ,u schulden kommen lassen, um ein Leben des Luxus unb Genusses führen zu können."

Wiener Extrablatt" vorn 11. Juni 1910. Vermischte Nachrichten:

Ein seltenes Glück wiberfuhr der als Wärterin am Allgemeinen Krankenhaufe angr-

stellten Anna M., indem der Haupttreffer ter Wiener Armen-Lotterie im Bettage von 80 000 Kronen ihr zufiel. Der wackeren Frau, deren seltene Pflichttreue und Aufopferung bekannt sind, düttie wohl kein Einziger diese plötzliche Huld Fortttnens mißgönnen."

Irene, Baronin Enis.

Die letzten Eisenbahn-Katastrophen.

Das Unglück auf deutschen Eisenbahnen.

Aus der Chronik der Eisenbahnun­fälle in Deutschland seien (anläßlich der ge­strigen Katastrophe bei Müllheim in Baden) aus den letzten Jahren folgende Un­glücksfälle in Erinnerung gebracht: Am 8. No­vember 1900 fuhr bei Offenbach am Main ein Lokalzug auf ben Berliner v-Zug auf; burch Explosion gerieten zwei Wagen in Branb, unb zwölf Personen fanben ben Tob in ben Flammen. Infolge Ausfahrens eines Zuges auf einen haltenben Schnellzug verloren weiterhin am 20. Dezember 1901 bei Alten­beken in Westfalen zwölf Reisende ihr Leben. Ganz in der Räbe dieser Unfallstelle verun­glückte dann im Jahre 1905 ein Zug dadurch, daß er im Tunnel von herabstürzenden Fels- tnauern verschüttet wurde, dreizehn Personen wurden dabei verletzt. Im Mai 1902 ent­gleiste der München-Berliner v-Zug bei Schortau in Sachsen, wobei zwei seiner In­sassen getötet wurden. Im August desselben Jahres erlitt der Berlin-Kölner v-Zug bei Braunschweig einen Radreifenbruch, der zur Entgleisung führte, wobei vier Passagiere schwere Verletzungen erlitten. Auch am 6. August 1907 wurde Entgleisung die Ursache - ner Katastrophe für den Schnellzug B^'>n- Evdtkuhnen bei T r e rn e s s e n; hier zählte man acht Tote und vier Schwerverletzte.

Einen Monat später, am 4. September des­selben Jahres, ereignete sich dann vor den To­ren Berlins, bei Strausberg, jenes Ei­senbahnunglück. das auf einen verbrecherischen Anschlag zurückgefühtt wurde: Der Jnsterbur- aer Schnellzug entgleiste und geriet in Brand. Acht Reisende wurden schwer verletzt unb nach Tagen fand man bei ben Aufräumungsarbeiten noch bie Ueberreste eines Passagiers, ber hilf­los im Zuge verbrannt war. Ein paar Jahre vergingen nun ohne größere Unfälle, bis dann

am 30. März 1910 bie furchtbare Katast^phe bei Mülheim a. Rh. eintrat. bie noch tn frischer Erinnerung ist. Infolge Ausfahrens bes Hamburg-Genua-Expreßzuges auf einen Mllitärurlauberzug würben 23 Soldaten goto, tet. über dreißig schwer unb «egen frtttbert leicht verletzt. Es folgte ber Augzusammenstotz beim Baumschnlenweg in Berlin am 6 Februar dieses Jahres, wobei neun Fahr­gäste schwer unb neun leichter verletzt wurden Das letzte Unglück ereignete sich am 6. Mai 1911 in ber Nähe ber Station R a t v bei D ü s- felborf, wo ber sogenannteBottenzug entgleiste: ber Lokomotivführer wurde getötet, zwei Passagiere erlitten schwere und eine ganze Anzahl der Reisenden leichtere Verletzungen.

Kleines Feuilleton.

Lty Die kommende Frankfurter Universität Ein Privattelegramm meldet uns aus Frankfurt a. M.: Zur Besprechung der Frage ber Errichtung ber Frankfurter Stift tungsuniversität werden sich Oberbürgermei­ster Dr Adickes unb bie Stadtverordneten und Landtagsabgeordneten Funck und Dr. Heil­bronn. Stadwerordneter von Lasaulx unb ber sozialdemokratische Stadtverordnete Rudolf nach Berlin begeben und dort eine Unterre­dung mit dem Kultusminister haben.

Kurze Notizen. Nach einer Meldung der »Rewyork World" hat P ierv ont Mogan dem Kaifer F r a n z I o f e f vier Millio­nen Mark für den Tbronvorhang und andere Andenken an Mathias Corvinns. den König, der Ungarn im fünfzehnten Jahrhundert be- berrfchte, geboten. Morgan foll auch ein An­gebot auf das feudale Schloß von Galgoc, ge­macht haben. Das 7-urfttiche Schauspielhaus in Putbus auf Rügen, das seit 1898 unter Leitung des Direktors Adalbert Stefster steht, wurde gestern mit Viktor LeonsDer große Name", und dasReue Kurhaustheater in Binz mit der GesangspossePolnische Witt- schaft eröffnet. Aus Rom wird uns be­richtet: Mii Rücksicht auf Organifations- und Mitarbeiterschaftsfragen ist entfprechend einem Wunsech des ausländischen Komitees der In­ternationale Anti-Tnberkillose-Kongreß, der im September ds. Js. in Rom ftattfinben sollte, auf den April nächsten Jahres verschoben worden.