Nr. 189. — I. Jahrgang.
Casseler Neueste Nachrichten
der Provinz werden zahlreiche Todesfälle infolge der Hitze gemeldet, und ein großer Teil des industriellen Verkehrs ist durch die Tropenhitze völlig gehemmt.
merkte und den Zug zum Stehen bringen konnte.
untersucht die Angelegenheit, müht, Ruhr zu schaffen.
Madero ist be-
Maffen-Berbrechen aus Prinzip.
Die Verbrechen sranzöfischcr Saboteure.
Depeschrn aus Paris zufolge ist in der Frühe des letzten Sonnabends bet Choise-le- Roy eine dramatische Jagd auf Saboteure erfolgt. Die Eisenbahnlinie Paris-Orleans ist seit längerer Zeit der Schauplatz zahlreicher Zerstörungsakte, drren Urheber bisher nicht ermittelt werden konnten. Zumeist wurden diese Missetaten Sonnabend nachts oder in der Nacht vor Festtagen ausgeführt, also zu Zeiten großen Verkehrs. Die Polizeibehörden arrangierten nun eine regelrechte Verbrecherjagd, um den Saboteuren endlich auf die Spur zu kommen. Heber das Ergebnis dieser Jagd wird uns berichtet:
PParis, 17. Juli.
(Telegraphische Meldungen.)
' Der Polizeikommissar von Choisy-le-Roi, Kompagnon, mietete für den Sonnabend ein Auto, und, begleitet von zwei Schutzleuten und einem Streckenwärter, patrouillierte er die Eisenbahnstrecke ab. Lautlos glitt das Auto um vier Uhr morgens den Eisenbahndamm entlang, als es plötzlich durch eine große Menge am Boden liegender Drähte aufgehalten wurde. Gleichzeitig bemerkten die Insassen hundert Meter weiter drei Männer, die auf den Telegraphenstangen Drähte durchschnitten. Als die drei das Auto herankommen sahen, kletterten sie von den Stangen herab und ergriffen die Flucht. Es begann nun
eine wilde Jagd auf die Täter entlang der Bahnlinie, doch gelang eS diesen, zu entkommen, da sie einen Vorsprung von einem Kilometer hatten. Sie liefen über eine über die Seine führende Brücke und verschwanden in der Richtung nach Paris. Einer der Saboteure drehte sich bei der Brücke um, gab Revolverschüsse auf seine Verfolge r ab und verschwand dann unter dem Brük- kenbogen. Die Polizisten fanden dort einen Mann liegen, der anscheinend fest schlief. Sie weckten ihn und bemerkten, daß er ganz in Schweiß gebadet war, fo daß seine Behauptung, er habe geschlafen, sofort als Lüge erkannt wurde. Er gab an, der Klempner Gustave Manhes zu fein. Durch seine Vernehmung vor dem Kommissar wurde sestgestellt, daß die Attentäter
massenhaft Telegraphendrähte zerschnitten hatten. In der Wohnung des verhafteten angeblichen Klempners Manhes fand man zahlreiche anarchistische Zeitschriften und Broschüren. Manhes galt als fleißiger Arbeiter, war aber den Behörden als einer der gefährlichsten Anarchisten bekannt. Inzwischen werden neue Akte von Sabotage gemeldet: In Saint Quentin wurden zwei Telegraphenstangen durchsägt und fünfundzwanzig Drähte durchschnitten. Auch in der Gegend von Lille wurden zahlreiche Telephondrähte durchschnitten. Ferner versuchten unbekannte Individuen in der Nähe von Gueret einen E i s e n b l o ck LberdieGleisezulegen, um einen dort passirrenden Schnellzug zum Entgleisen zu bringen. Der verbrecherische Plan wurde jedoch im letzten Augenblick noch vereitelt, da oer Führer des Schnellzuges die Gefahr rechtzeittg be
Paris, 17. Juli. (Telegramm.) Die Sicherheitsbehörde hat ihre tüchtigsten Beamten aufgeboten, um dem Treiben der Saboteure ein Ende zu machen. Insbesondere werden verschiedene anarchistische Gruppen, die im Verdacht stehen, eine Anstifterrolle zu spielen, streng überwacht.
Sie Politik des Zages.
s Sonntag in Breslau. Ein Privat- Telegramm berichtet uns aus Breslau: Rach Schluß einer von mehreren Tausend Personen besuchten, gestern mittag unter freiem Himmel abgehaltenen sozialdemokratischen Versammlung, in der der Reichstagsabgeordnete Fritz Kuhnert über das Thema: .Der sterbende Reichstag und das verweigerte Wahlrecht" sprach, war an mehreren Straßenkreuzungen der Weg nach der inneren Stadt durch starke Schutzmannsaufgebote abgesperrt. Die Versammlungsteilnehmer mußten infolgedessen Nebenstraßen passieren, wobei es zu mehrfachen Zusammenstößen mitderPolizei kam. Drei Personen wurden verhaftet.
cS3 Marokkanische „Intimitäten". Aus Paris wird uns depeschiert: Wie weit die spanisch-französischen Gehässigkeiten gehen, beweist folgende Nachricht aus Tanger: In Melilla erscheint ein Blatt, betitelt: .Telegramme vom Riff", das von spanischen Ossizieren geleitet wird. In diesem Blatt stand in der letzten Nummer die schwere Anschuldigung gegen den französischen Hauptmann Morreaux, denselben, der die im Gharb-Ge- biete stehende Sultans-Mahalla befehligt, daß er nämlich aus den Kassen des Sultans z w c i- hunderttausend Francs unterschlagen habe, die dazu bestimmt waren, der Eingeborenentruppe als Sold ausbezahlt zu werden. In der spanischen Gesandtschaft zu Tanger soll man durch diesen Preßangriff sehr niedergedrückt sein und in amtlichen Pariser Kreisen herrscht namenlose Erbitterung darüber.
iS Die Perser-Revolution. Depeschen aus L o n d on zufolge liegen dort über die Situation in Persien folgende Mitteilungen vor: Salan es Dauleh proklamierte seinen Bruder, den abgesetzten Schah Mohammed Ali zum Schah und schickte von seiner dreitausend Mann starken Truppe achthundert Reiter ab, um Hamadan zu besetzen. In Teheran herrscht eine dem Parlament feindliche Stimmung, und man rechnet mit dem Ausbruch von Unruhen. Der Medschlis hat über die Lage beraten und einstimmig beschlossen, Sada- Assad sofort zurückzurufen, damit er mit den Führern der Rebellen verhandle. Im Zusammenhang hiermit meldet uns ein Privat- Telegramm aus Wien: Der ab g e- setzte Schah von Persien, der augenblicklich incognito unter dem Namen Kahlil in Marien- bad zur Kur weilt, hat nickt die Absicht, wieder nach Rußland zurückzukehren, da er sich dort .nicht sicher vor anarchistischen Anschlägen fühle". Es scheint, daß diese plötzliche .Erkenntnis" mit der Revolution in Persien in Zusammenhang zu bringen ist.
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Aus Barcelona wird berichtet: Nach einer von Republikanern und Sozialisten abgehaltenen Versammlung kam es gestern nachmittag zu Zusammenstößen mit der Polizei. Mehrere Personen wurden durch Schüsse verletzt und etwa zwanzig wurden verhaftet.
Ein Privattelegramm meldet uns aus Newyork: Die Unruhen in Mexiko erregen hier Besorgnis. Die Zahl der in den Kämpfen bei Puebla getöteten Deutschen beträgt drei. Das dortige deutsche Konsulat
Neuer turnt Tage.
(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.)
«r Die olympische Tragikomödie. Aus Saloniki wird uns depeschiert: Die Räuber des Ingenieurs Richter scheinen vorläufig keine Lust zu haben, mit den behördlichen Organen über die Freilassung zu verhandeln. Darüber verbreitete Meldungen, Hamid Bey habe die Zuversicht, Richter bald befreien zu können, sind verfrüht. Ueber den wirklichen Aufenthalt der Räuber bestehen immer nur Vermutungen. Trotz aller Anstrengungen hat Hamid Bey bisher nichts Greifbares erreicht.
xx Im Straßengewühl. Im Norden Berlins stießen gestern ein Straßenbahnwagen und ein A u to m o b i l so heftig zusammen, daß letzteres vollständig zertrümmert wurde. Die Insassen, zwei Damen, wurden bewußtlos und blutüberströmt nach dem Krankenhaus gebracht.
xx Stern und Band gefällig . . .? Die Berliner Kriminalpolizei ist vor einiger Zeit einer Gesellschafi internationaler Orden s s ch w i n d l e r auf die Spur gekommen, die von Berlin aus nach ganz Deutschland und dem Ausland an ordenshungrige Herren und Damen angebliche spanische Ordensauszeichnungen versandte.
rr Das Ende einer „Spritztour". Gestern Abend unternahm der Chauffeur Wehmeier aus H a g e n i. W„ ohne Wissen seines Dienstherrn mit dessen Automobil, in Begleitung seiner Freunde eine Spritztour nach Hombruck. Bei einer Fahrt durck den Ort geriet das Automobil in einen Graben. Die Insassen wurden herausgeschleudert, einer derselben erlitt einen Schädelbruch und war sofort tot. Ein Dienstmädchen, das sich ebenfalls an der Fahrt beteiligte, stürzte aus dem Wagen und zog sick einen schweren Schädel- bruch zu. Die Aerzte hegen die Hoffnung, das Mädchen am Leben zu erhalten. Der Chauffeur wurde verhaftet.
s Die Tragödie einer jungen Liebe. Aus verschmähter Liebe feuerte gestern der achtzehnjährige Mechaniker Biber in Duisburg auf eine seckzehnjährige Verkäuferin in einer hiesigen Bäckerei zwei Schüsse ab. Eine Kugel durchbohrte den Leib des Mädchens, die andere ging durch das Handgelenk. Der Täter tötete sich darauf durch einen Schuß in den Kopf. Der Zustand des Mädchens ist besorgniserregend.
~9lu6 den Tiefen des Lebens. In der Klosterhofstraße 15 in Stettin spielte sich gestern morgen eine Tragödie ab. Der dort im Keller wohnende Arbeiter Walter erdrosselte seine Wirfichafterin, eine Frau von zweifelhaftem Ruf. Darauf ging Walter zur Polizei und erklärte, die Frau sei vergiftet worden. Bei der Untersuchung fand man am Halse Strangulationsmerkmale. Walter wurde darauf festgenommen. Er bestreitet aber die Schuld. Zweifellos hat er die Tat in der Trunkenheit verübt.
xx Schuld und Sühne. Ein schwerer Raubmordversuch wurde in Hamburg von einem Wäscher gegen die Witwe Dreyer verübt. Der Täter versuchte, die wehrlose Frau mit einem Hammer niederzuschlagen, wurde dabei jedoch überrascht und verhaftet. Auf der Polizeiwache machte er einen vergeblichen Ausbruchversuch. Schließlich wollte er sich durch Erhängen das Leben nehmen, wurde aber noch rechtzeitig abgeschnitten und nach dem Krankenhaus gebracht.
xx Ein ganzes Regiment unter ärztlicher Kontrolle. Man depeschiert uns aus Naumburg: Infolge der zahlreichen Erkrankungen der Mannschaften des hiesigen Feldartil
Ticnötag. 18. Juli 1911.
lerieregiments an Diphtheritis, Typhus und Scharlach ist heute, um jede nur erdenkliche Vorsichtsmaßregel gegen die Weiterverbreiwng innerhalb des Regiments und zur Verhütung der Uebcrtragung auf die Zivilbevölkerung anzuwenden, das ganze Regiment unter ärztliche Kontrolle gestellt worden.
22 Die Tat eines Dreizehnjährigen. In Altrahlstedt bei Hamburg hat ein dreizehnjähriger Schulknabe ein fünfzehnjähriges Dienstmädchen, mit dem er in einen Streit geraten war, erstochen. Der Junge sprang auf das Mädchen zu und versetzte rhm einen Stich in die linke Halsschlagader. Das Mädchen brach sofort tot zusammen. Der Junge gab die Tat zu, verweigette aber die Angabe des Mottvs.
XX Eine Autokatastrophe in Oberschlesten. Sonntag früh widerfuhr in der Nähe von Nie- derwilza in Oberschlesien einer aus mehreren Personen bestehenden Jagdgesellschaft ein schwerer Unfall. Das Automobil, in dem sich die Gesellschaft befand, fuhr eine abschüssige Straße hinab und rannte gegen einen Baumstamm. Der Wagen wurde vollständig zerschellt und die Insassen herausgeschleudert. Zwei von ihnen sind schwer verletzt. Der Chauffeur flüchtete und konnte bisher nicht aufgefunden werden.
XX Im Land der schwarzen Diamanten. Die Unterschleife in den oberschlesischen Hüttenwerken haben einen großen Umfang angenommen. Gestern wurde ein Lagerhalter der Hohenlohe-Werke, der sich angeblich hat bestechen lassen, verhaftet. Man ist auf die weitere Entwickelung der Dinge sehr gespannt und rechnet mit einem großen Skandalprozeß.
XX Das Opfer ihrer Pflicht. Ein Privattelegramm meldet uns aus Brünn in Oesterreich: Bei einer militärischen Eisenbabnübung, die auf der Strecke Percau-Polom stattfand, ereignete sich ein schweres Unglück. Drei Reservisten hatten den Befehl erhalten, die Strecke an einer scharfen Biegung zu beobachten. Als der Zug herankam, sprangen alle drei auf das zweite Gleis. In diesem Augenblick kam aus der entgegengesetzten Richtung der Schnellzug, der alle drei Soldaten überfuhr und auf der Stelle tötete. Vor einigen Tagen wurden auf derselben Strecke bei einer Erscnbahnübung gleichfalls drei.Reservisten getötet.
xx Die neueste Gruben-Katastrophe. Im Kaskadenbergwerk von Sykes- ville bei Duboie (Pennsylvanien) ereignete sich gestern ein schweres Unglück. Einer bis jetzt noch nicht aufgeklärten Explosion fielen zweiundzwanzig Bergleute zum Opser. Man ist tatkräfttg beschäftigt, die Leichen zu bergen, doch ist dieses nur erst teilweise gelungen. Siebzehn verschüttete Leichen hat man zu Tage gefördert, über das Schicksal der anderen herrscht vorläufig noch Ungewißheit.
Das Seaefte aus Kassel.
Die Tragödie eines Regierungsrats.
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
AuS Höchst a. M. übermittelte uns der Draht heute früh die Kunde von dem Selbstmord eines Verwaltungsbeamten von der königlichen Regierung in Cassel. Von unferm Höchster Korrespondenten erfahren wir darüber folgende Einzelheiten: Regierungsrat von Bülow aus Cassel hatte seit einiger Zeit wegen Nervenüberreizung ein Sanatorium in Hofheim im Taunus aufgesucht. Am Sonnabend nachmittag machte er mit mehreren Herren einen Spaziergang. Plötzlich brach er die Unterhaltung ab und stürzte auf einen in der Nähe befindlichen Bahndamm zu, auf dem
Raturkunst in Waldeck.
Die Naturbühne in Pyrmont.
(Von unserm Korrespondenten.) 8 Pyrmont, 17. Juli.
Der zweite diesjährige Chclus der Vorstellungen auf der Naturbühne ist vorbei. Gegeben wurden Shakespeares .Was ihr wollt", Rostands „Die Romantischen", in der Uebersetzung von Ludwig Fulda, und Hauptmanns .Versunkene Glocke. Kein Platz ist wohl für eine Freilichtbühne so geeignet, wie die „Dunsthöhle". Ein freier Platz, umstanden von Buchen und hohen Fichten, dahinter ringsherum ein Hügel, der „Helvetinshügel". Im Vordergründe eine hohe Linde, die ihre Aeste beschirmend über den Platz hält, dazu ein Wetter, das einzig für solche Vorstellungen ge- schafscn zu sein schien. Famos gegeben wurden .Die Romantischen" und .Was ihr wollt". Für wirkungsvolle Szenerie hatte Direktor Dr. Ä l t m a n n, zugleich Direktor des Hannoverschen Deutschen Theaters und des Fürstlichen Schauspielhauses zu Pyrmont, im Verein mit Baukommissar Riemenschneider und Hofgartendirektor Dircks, gesorgt. Die Schauspieler und Schauspielerinnen gaben ihr Allerbestes. Aber die Krone war doch Hauptmanns .Versunkene Glocke". Märchenstimmung: Windeswehen, Bäumerauschen, Vogelgezwitscher, goldiger Sonnenschein.
Und dann das „Rautendelein" (Alrce Altmann-Hall), ein Märchenwesen in seiner Schönheit und Unschuld, daß man es verstehen kann, wie sie dem Glockengießer (Julius Arnfeld) Weib und Kinder vergessen läßt, daß er ihr folgt in die Einsamkeit des Waldes. Beides: „Rautendelein" und Glockengießer waren ganz hervorragende Leistungen. Alle Zuschauer folgten gespannt bis zum Schluß den Vorgängen auf der Bühne. Der „Nickelmann" des Herrn Büller, der „Waldsckratt" des Herrn Müller und die alte „Wittichen" der Frl. Helene Rietz, die alle achtungsvolle Leistungen boten, sollen nicht vergessen sein. Wundervoll, bestrahlt vom Abendsonnenschein unter rauschenden Wipfeln, hoch oben auf dem Helvetinshügel im Hintergründe, war der Rixentanz, ergreifend die Klage der Elfen und der Tod Baldurs am Brunnen. Mia Helmuth verstand in dieser, wenn auch noch so kurzen Szene ihr großes Talent zu entfalten, und vor allem mtt wundervoller Sprache zu klagen. Jubelnd klingts am Schluß aus, trotz Baldurs
Tod: „Die Sonne kommt, sie kommt!" Und sie kam. Vorher durch Wolken verschleiert, brach sie am Schluß durch und vergoldete die Schlußszene mit goldenem Schein als Bestätigung: Die Sonne kommt. Alles in allem: eine sehr bemerkenswerte Aufführung. Im August findet der letzte Vorstellungscyclus statt. -r-
Mines Feuilleton.
tü Die neue Saison im Casseler Residenz- Theater. Wie wir schon kurz berichtet haben, beginnt am kommenden Mittwoch im Casseler Residenztheater ein Gastspiel des Ensembles des Geraer Residenztheaters, das aus Mitgliedern bekannter Bühnen besteht und sich eines guten künstlerischen Russ erfreut. Das Gastspiel bringt eine, der interessantesten und amüsantesten Neuheiten der verflossenen Spielzeit, den dreiaktigen Schwank von Robert Misch: „Das Prin zch en", das feit Monaten im Berliner Trianontheater mit großem Erfolg gespielt wird. Die Vorstellungen beginnen regelmäßig um halb neun Uhr.
Um Felix Mottl's Erbe. Aus München wird uns gemeldet: Nicht weniger als zehn Kandidaten werden heute als Nackfolger Mottl's genannt, darunter Max Schillings. Weingartner, Otto Lohse, Becher, Toscanini, Hertz. Es kommen aber nur, wie uns aus bester Quelle versichert wird, Schillings und Lohse in Frage. Die Entscheidung dürfte erst nach den Mozatt- und Wagnerfestspielen im September fallen. Fest steht jedoch fchon jetzt, daß der künftige Generalmusikdirektor vorerst wichtige Gesamtbefugnisse, wie Engagements und Urlaubserteilungen nicht eingeräumt erhalten wird. Die Hostheater-Jn- tendanz wird die Befugnisse erst fpäter dem neuen Leiter znerkennen. Die Intendanz wird auch vorläufig nicht einen Generalmusikdirektor der Hofoper, fondern nur einen Hofoperndirektor engagieren. Die von Felix Mottl bezogene hohe Gage fall indessen dem künftigen Leiter zufallen.
Nachdenken ist schädlich... In einer Theaterkritik eines sächsischen Blättchens, die die Aufführung eines Lustspiels in Dürren- berg behandelt, heißt es unter anbertn: „Das Stück war zwar Unsinn, aber blühender, und an diesen Blüten erheiterte sick das Publikum, das seiner Dankbarkeit lauten Ausdruck verlieh. Ueber die Möglichkeit des Jnbalts durfte man
freilich nicht nachdenken. Aber Nachdenken ist überhaupt fchädlich. denn es nützt das Gehirn ab . . ."
Ein BonifaziuS-Denkmal im Thüringer Wald. Im Thüringer Wald steht ein Denkmal, das feiner eigentümlichen Form wegen der
Das Thüringer Bouifazius Denkmal.
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„Kandelaber" genannt wird. Das Denkmal steht jetzt gerade hundert Jahre und wurde zur Erinnerung an die Bekehrnngstätigkeit des heiligen Bonifazius errichtet. Das Denkmal ist noch heute ein Wallfahrtsort vieler Gläubigen, die dem ehrwürdigen Bonifazius dankbar sind, daß er das Christentum in jene Gegenden gebracht hat.
-rs- Die Berliner Goldenen Medaillen. Wie aus Berlin berichtet wird, hat der Kaifer aus Anlaß der diesjährigen Großen Berliner Kunstausstellung die Große Goldene Medaille für Kunst verliehen, und zwar dem Bildhauer Reinhold Felderhoff in Charlottenburg. Gleichzeittg find auch die Kleinen Goldenen Medaillen vom Kaifer verteilt worden. Sic erhielten folgende Künstler: Der Maler Karl
Kayfer-Eichberg. Steglitz; der Graphiker Erich Wolfs seid, Charlottenburg; der Maler Mar Schlichting, Berlin; der Ma- ler Professor August vonBrandis, Aachen; der Bildhauer Charles I ä ck l e, München und der Architekt Stadtbaurat Reinhold Kiehl- Rixdorf.
t&i Sechs Millionen für Porzellan. Die Richard - Bennett-Sammlung von altem chinesifchen Porzellan, wohl die vollkommenste Sammlung dieser Art auf der Welt, die bisher im Besitz des Amerikaners Edgar Gorer war und gegenwärttg in feinen Ausstellungsräumen zu fehen ist, ist ungeteilt an einen reichen englischen Privatmann verkauft worden, der sie demnächst in feine Heimat überführen will. Der gegenwärtige für die Sammlung erzielte Preis ist nicht offiziell mitgeteilt worden, er foll jedoch mindestens fechs Millionen Mark betragen.
Das Sckachfpiel als Unterrichtsgegenstand. Der Pariser Schachverein stellt mit Bedauern fest, daß das Mittelfchul- programm eine bedenkliche Lücke auf weist, da es keine Lehrstunde für das Sckachfpiel enthält. Er wurde beim Unterrichtsminister dahin vorstellig, daß es nicht angehe, die franzö- scke Jugend ohne Unterweisung in diesem wicktiaen Fache zu lassen. Der Unter« ricktsminister scheint das eingesehen zu haben, denn er versprach, das Schachspiel mindestens als Wahlfach am Gymnasium einzuführen.
Kurze Notizen. In München ist am Sonnabend der bekannte Landschaftsmaler Professor Palmis an Herzschlag gestorben. — Ein Privattelegramm meldet uns aus Calais: Im Bezirk der Gemeinde Barra- aues ist gestern an der Stelle, wo der „Kanalflieger B l e r i o t zu feinem Fluge .infgestie- gen war, ein D e n k rn a l zu Ehren des kühnen Aviatikers feierlich enthüllt worden. .— Depeschen aus Petersburg zufolge ist die dortige Literarische Gesellschaft von der Polizei unterdrückt worden, weil sie vor Monaten einen Protest gegen die Professoren erlassen hatte, die trotz des Studentenstreiks Vorlesungen hielten. — In Boulogne für Marne (Frankreich) sand gestern in Gegenwart des Unterstaatssekretärs im Ministerium der Schönen Künste die feierliche Enthüllung des Denkmals für die beiden Schauspieler C o q u o l i n patt.