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!♦ Beilage.
ftteifaQ, 14. Juli 1911
verhaftet, der kürzlich aus Leipzig mit Hinterlassung einer großen Schuldenlast flüchtig geworden war. Löscher hatte in Leipzig eine Vorbcrcitungsanstalt zur Erlangung der Doktorwürde und des Reifezeugnisses für höhere Schulen und hat durch sein Auftreten eine ganze Reihe von Personen zur Hergabe größerer Darlehen bewogen. Er führte, obgleich er Junggeselle war, ein großes Haus und hielt mehrere Dienstboten. Es steht bisher fest, daß der Verhaftete weder zur Führung des Profestortitels, noch auch der Doktorwürde, die er sich gleichfalls bisweilen beilegte, berechtigt war. Als Löscher von seinen Gläubigern gedrängt wurde, entfernte er sich heimlich von Leipzig, und es Wurde nun gegen ihn Anzeige wegen Betruges erstattet. Die Leipziger .Kriminalpolizei brachte in Erfahrung, daß sich Löscher in Berlin aufhalte und benachrichtigte die dortige Behörde, die nun den Herrn „Professor" in sicheren Gewahrsam genommen hat.
® Unsere vereheliche« Leser mache« wir a«f die i« «nserm Blatte enthaltenen Inserate besonders aufmerksam mit der höflichen Bitte, bei allen Einkäufen, die auf Grund der Ankündigungen in unserer Zeitung gemacht werden, hinzuzufüge«, daß das Inserat in den „Neuesten Nachrichten" gelesen wurde.
Nr. 186.
Erster Jahrgang
Dollar Romantik.
Das Mädchen mit der süßen Stimme.
Manche Leute glauben, das Jahrhundert der Elektrizität und das Land des Dollars sei jeder Romantik.bar. Diese „Weisen" sollten sich durch folgende Geschichte bekehren lassen, die soeben aus St. Louis berichtet wird. War da in der Stadt am „Vater der Gewässer" ein liebliches Mädchen, „Viola Kortkemv geheißen. die ihren Kaugummi und ihre Humpelröcke als Telephonistin verdiente. War da auch ein Handelsherr namens Mac Alpin, der das Del der Erde in Gold zu verwandeln verstand. Denn er war Präsident des „Wa- ters Picnce Oil Comp.", die mit dem Standard Oil Trust aufs engste verwandt ist. Einst trat der Handelsherr wütend an seinen Fernsprecher, um eine ganze Expedition von Delsu- ckern. die er im fernen Texas beschäftigte, aus der Stelle zu entlassen, weil sie Dollars des Trusts in die Erde hinein „gebuddelt" hatten, ohne daß auch nur ein Tropfen Del herausgekommen wäre. .Rr. 3533 San Antonio Te
xas", donnerte der Gewaltige in den Apparat hinein. Im nächsten Augenblick aber verschwanden die Zornsalten von seinem Gesicht und mit sehr sanfter SftmMe bat er die Dame am andern Ende des Drahtes, doch die Nummer noch einmal zu wiederholen, um zu sehen, ob sie ihn auch richtig verstanden hätte. Als er endlich Verbindung erlangte, war . . . sein Zorn verraucht. Er klingelte sofort wieder ab und ließ die Oelsucher weiterbohren.
Vier bis fünf Mal per Tag beschäftigte sich Mac Alpin jetzt mit dem Telephon und versuchte immer und immer wieder die Telephonistin in ein Gespräch zu verwickeln, denn . . . ihre Stimme hatte es ihm angetan. Schließlich bat er sie um eine Unterredung von Angesicht zu Angesicht, aber Miß Kortkemp stellte einfach den Apparat ab, beklagte sich bei ihren Vorgesetzten und tat genau das, was die Heldin im Roman unter solchen Umständen getan hätte: Sie ließ sich versetzen! Zwei Jahre suchte Mac Alpin in allen Tele- vbonstationen nach dem „Mädchen mit der süßen Stimme," aber alle, die das sein wollten, bestanden die Probe nicht. Schon beim ersten „Halloh!" wußte der verliebte Handelsherr. daß man ihn betrügen wollte. Endlich, eines Tages, als er wieder mal an das Telephon trat, flötete es ihm entgegen: „Halloh! welche Nummer?" „Gefunden, gefunden!" jubelte Mac Alpin und setzte schnell hinzu: „Bitte, laufen Sie nicht weg, ich bin der „Del, Vizekönig Mac Alpi n" und bitte Sie, mir zu erlauben, Ihren Vater aufzusuchen." Das „Mädchen mit der süßen Stimme" fing an. in das Telephon zu stottern und wollte schon wieder abklingeln, aber Mac Alpin flehte so herzerweichend, daß sie schließlich nachgab und rhres Vaters Adrefle nannte. Es versteht sich von selbst, daß zu der süßen Stimme auch ein lupes Mädel gehörte, das nunmehr rite Frau Mac Alpin geworden ist. Ihr Mann ist zwar noch kein Multimillionär, aber „wer den Standard Trust zum Vetter bat", braucht nicht zu hungern ... **
uungen immer nur die eine Erwiderung: „Ich kann es nicht!" Aber bald mußte ihr zarter Körper der Gewalt weichen. Man nahm sie auf den Arm und setzte sie im Triumph auf den grünbezogenen Holztisch nieder. Hier faß sie eine ganze Weile stumm und regungslos. Dann betrat der erste Besucher den Saal. Und nun quoll es aus ihr hervor. In leidenschaftlicher Hast preßte sie die Hände vor das erglühende Gesichtchen und mit dem qualvollen Aufschrei: „Ich schäme mich so", brach das unglückliche Geschöpf auf dem Podium zusammen.
Bald darauf war Prinzeffin Liliput abgetan. Ta sie auf die Fragen der Besucher nie mehr mit einer Silbe antwortete, auch nicht mehr sang und scherzte, wurde sie den guten Leuten bald langwellig.
Sie hatte aufgehört, eine Sensatton zu sein, seit sie . . . Mensch geworden war.
— Ende.—
Prinzessin Liliput.
Bo« Anna Julia Wolfs.
Auf einmr grünbezogenen Holzttsch. der fast die ganze Länge des rauchgeschwärzten Raumes einnahm, trippefte sie umher, mit ihrem dünnen Vogelsttmnnhen mechanisch allerlei Voüslieder vor sich hinträllernd. Ihre winzige Gestalt steckte in einem langschleppenden Seidengewand, das schön« weiche Haar, das fast zu schwer für das zierliche Figürchen war, hatte man ihr auf modische Art zurechtgestutzt. So bot sie ein unendlich rührendes Blld, die kleine Zwergin, anziehend in der bewundernswerten Proportion ihres Miniaturkörperchens, und doch wieder abstoßend durch den traurigen Anblick, den die gänzliche Verkümmerung lechftcher und geistiger Entwicklung hervorrief. ^Eine lebendige Puppe" nannten sie entzückt die Kinder, und auch die Erwachsenen sahen selten in ihr etwas anderes, als ein niedliches merkwürdiges Spielzeug. Seit vielen Jahren, sie war jetzt neunzehn, schleppte man sie in der Welt umher, und täglich fast spielte sich ihr Leben in der gleichen Weife ab. Acht Stunden am Tage wurde sie herumgezeigt, und immer waren es dieselben Szenen, die sich dabei ereigneten. Die Menge begaffte und bewunderte sie, man plauderte und scherzte mit ihr, beschenfte sie mit billigem Spielkram und Zuckerwerk und amüsierte sich über die laute, kindliche Art, in der sie ihrer Freude über diese Herrlichkeiten Ausdruck verlieh. So war Prinzeffin Liliput seit vielen Jahren eine der be- stauntesten Sehenswürdigkeiten der Welt, aber kaum je war wohl einem die Idee gekommen, daß dieser bestaunte, lebende Puppenleib möglicherweise eine Seele in sich bergen könne.
Es war ein trüber, regnerischer Spätnachmittag, das Publikum, das sich heute nur spärlich einfand, hatte sich verlausen, der Impresario war ermüdet auf seinem Stuhle einge- sthlasen und Prinzeffin Liliput trippelte um- zrr, sang und lieb gefüllte PralineeL in ihrem
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Der Hoteldieb . . . unterm Bett.
Vor einigen Tagen wurde in dem kleinen ostpreußischen Städtchen Schippenbeil im Kreis Bartenstein von einem internationalen Hoteldieb ein Diebstahl ausgeführt, deffen Einzelheiten an Schilderungen aus modernen Kriminalromanen erinnern. In einem Schippen- beiler Hotel hatte sich ein reicher ostpreutzischer Engrosviehhändler, der den großen Viehmarkt des Städtchens regelmäßig zu besuchen vflegte, einlogiert. Als er abends zu Bett ging und sich auskleidete, hörte er unter dem Bett ein Geräusch. Da er kurz vorher eine Maus durchs Zimmer hatte lausen sehen, glaubte er, das Geräusch rühre von dem Tiere her, und kümmerte sich nicht weiter darum. Als vorsichtiger Mann legte er seine Weste, in der sich ein Portefeuille mit zehntausend M a r k in Banknoten befand, unter das Kopfkiffcn, während er seine Beinkleider, in denen sein Portemonnaie mit etwa dreihundert Mark in Gold und Silbergeld steckte, über die Lehne eines dicht am Bett stehenden Stuhles hängte. Da er den Tag über angestrengt geschäftlich tätig gewesen war, hatte er einen festen Schlaf und erwachte erst ziemlich spät am nächsten Morgen. Während des Ankleidens entdeckte er zu seinem Entsetzen, daß die Weste, die er am Abend vorher unter die Kopfkissen gelegt hatte, aus ihrem Versteck hervorgezogen worden war und am Bett herunterhing. Ein Griff nach der Tasche, in der sich das Portefeuille befunden hatte, belehrte ihn, daß dieses sich nicht mehr in der Tasche befand. Bei näherem Zusehen entdeckte er, daß die Tasche, die durch mehrere Knöpfe verschlossen gewesen war, mit einer Schere oder einem Messer auf- geschnitten worden war. Nachdem er sich dann überzeugt hatte, daß auch sein Portemonnaie aus der Hosentasche verschwunden war, alarmierte er das Hotelpersonal. Niemand erinnerte sich jedoch, einen verdächtigen Fremden im Hause gesehen zu haben. Alle Nachforschungen der Polizei nach dem Dieb blieben his jetzt erfolglos. Es wurde aber festgestellt, daß der Diebstahl nur von einer Person ausgeführt worden sein konnte, die sich in das Zimmer des Viehhändlers eingeschlichen hatte, bevor sich dieser abends zur Ruhe begab. Der Bestohlene erinnerte sich denn auch des verdächtigen Geräusches unter dem Bett. Es unterliegt keinem Zweisel, daß sich der Dieb unterdemBett versteckt hatte. Die Polizei nimmt an. daß der Räuber sich nach Berlin gewandt hat. Seine Ermittlung wird aber sehr schwer fallen, da jede Kenntnis seines Aussehens und seiner Persönlichkeit fehlt.
In den Tod getrieben?
Wir berichteten gestern im Depeschenteil eingehend über eine mysteriöse Giftmord- affäre, die sich in Leipzig ereignet hat. Wie uns jetzt dazu aus Leipzig berichtet wird, liegt der Angelegenheit folgender Sachverhalt zugrunde: In einer Familie in der Baherschen Straße ereigneten sich vor reichlich Jahresfrist mehrere Todesfälle. In verschiedenen anonymen Schreiben, die an die Staatsanwaltschaft gerichtet waren, wurde der Verdacht ausgesprochen, daß die Ehefrau des vor einem Jahre 'verstorbenen Mannes ihre Angehörigen durch Beibringung von Gift aus der Welt geschafft habe. Es betraf das vor allem den Tod eines ziemlich vierzehnjährigen Knaben der verdächtigten Ehefrau, der voriges Jahr plötzlich (nach dem ärztlichen Gutachten an Schlaganfall) starb, und den vor kurzem erfolgten Tod eines zehnjährigen Mädchens. Die Staatsanwaltschaft nahm auf die Anzeige hin in der Wohnung der Angeschuldigten eine Haussuchung vor, beschlagnahmte verschiedene Sachen und verfügte die Ausgrabung und Untersuchung der so plötzlich verschiedene» beiden Kinder. Die Frau wurde schließlich in Haft genommen, aber schon nach wenigen Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt. Was die Ausgrabungen ergeben haben, darüber wird zwar seitens der Behörde nichts ausgesagt, doch ist nach Lage der ganzen Sache anzunehmen, daß die Denunziatton der Frau zu Unrecht erfolgte. Der Familie sind wenigstens vor einiger Zeit die beschlagnahmten Sachen zurückgegeben worden.. Dieser Tage nun hat sich die so schwer verdächtigte Frau selbst durch Leuchtgas vergiftet. Die Ursache dazu ist, daß die Frau aus Verzweiflung über die Verdächtigung bett Schritt getan hat. Die Mutter soll mit großer Liebe an den beiden verstorbenen Kindern, die im allgemeinen eine schwächliche Konstitution hatten und öfters krank waren, gehangen haben; dem ärztlichen Attest nach ist der Tod des Mädchens infolge von Magenkrämpfen erfolgt.
Am aller Welt.
Pariser Drplornaten-Abertteirer.
(Telegraphische Meldungen.)
Paris, 13. Juli. (Telegramm.) Das „Journal" weiß von einer Ehebruchsaffäre zu berichten, durch die ein bekannter Diplomat und eine Gräfin, die in der Gesellschaft eine große Rolle spielen, schwer kompromittiert sind. Das Delikt wurde in flagranti in einer in der Umgebung von Paris liegenden Gemeinde durch die Ortsbchörde sestaestellt. Als die Behörden in das Schloß eindrängen, wo das Liebespaar wohnte, wies der Diplomat sehr erregt auf seine Unverletzlichkeit als Diplomat hin.
lieber die aufsehenerregende Affäre werden noch folgende Einzelheiten berichtet: Ein feit langen Jahren in Paris aflrebitierter Diplomat, ber bort ein (sagen wir) recht lustiges Leben fühtte, überwarf sich mit seiner Frau; diese verlangte auf Grunb seines Lebenswan- bels bie Ehescheidung, auf bie ihr Gemahl anscheinend nicht eingehen wollte. Nun erfuhr bie Frau unlängst, baß ihr Gemahl seit kurzer Zeit in einem Schlosse unweit Paris mit einer reijenben, blonden, jungen Dame (wie verlautet, einer Gräfin) zusammenlebe. Die Frau engagierte den Pariser Advokaten Charles Philippe und fuhr mit ihm nach ber Ortschaft, in ber das Schloß liegt. Von dem Maire, zwei Gendarmen und einem Schlosser begleitet, begab sie sich nach dem Schlosse und erzwang sich Eintritt. Der Diplomat trat ihnen im Morgenanzug entgegen und protestierte gegen das Eindringen des Bürgermeisters. Er berief sich
winzigen Mäulchen verschwinden. Da kam ein lunger Mensch in den Saal hineingestürmt, er hatte sich Wohl vor dem schlechten Wetter hierher geflüchtet, denn seine Kleidung war von dem Regen stark mitgenommen. Dies schien aber auf seine Stimmung keinen Einfluß zu üben, denn seine Augen leuchteten hell und jugendftoh, und mit einem fröhlichen Lacken wandte er sich an das kleine Wesen. „Also, so siehst Du aus, Prinzeßchen, nun, Du bist ja eigentlich ein ganz allerliebstes Geschöpf." „Hast Du mir nichts mitgebracht?" war die Erwiderung der jungen Dame. Er lachte ftöhlich und löste von seiner Uhr ein kleines Verlogne. Dann plaudette er mit ihr. Sie beantwortete seine Fragen in ihrer gewöhnlichen, unbeholfenen Art, aber durch geschicktes Eingehen auf ihr Wesen hatte er «S doch erreicht, daß sie allmählich wärmer und zuttau- licher wurde. Und nun enttollte sich ihm ein Bild dieses seltsamen Lebens, daS diesem Begriff in erschreckender Weise Hohn sprach. Ein unsägliches Mitleid mit der gemarterten Kreatur ergriff ihn, leise und zärtlich nahm er sie in die Arme und drückte einen Kuß auf die rosigen, winzigen Lippen. Sie schaute ihn an mit großen entsetzten Augen, instinktiv preßte sie die Hand auf das junge, zuckende Herz, und ein einziger weher Schrei „Richt Weggehen, ach, nicht Weggehen", entrang sich ihrem Innern. Er hatte den bangen Ruf ber zarten Stimme nicht mehr gehört, der Saal war leer — Prinzessin Liliput war allein. . . .
Was nun in den kommenden Stunden die iunae Seele erzittern machte, das war so gewaltig, daß es Worte nickt wiederzugeben vermögen. Die so lange zu Boden getretene Menschheit schrie in ihr auf und verlangte in wilder Ohnmacht »ach ihrem Rechte. Konnte es ihr werden? Arme Heine Prinzeffin. Am andern Morgen spielte. sich in dem Zimmer des Impresario eine bewegte Szene ab. Tic Zwergin weigerte sich mit einer unnatürlichen Entsckicdenheit, sich dem Publikum zu zeigen, und batte auf alle Vorstellungen und Ermah-
darauf, daß er alS Diplomat Immunität genieße. Der Bürgermeister begab sich, ohne den Protest des Diplomaten zu beachten, in das Zimmer und nannte seinen Namen und amtliche Eigenschaft. Dort tauchte jetzt ein rei- zendes Blondköpfchen auf, das den Matte drohenden Auges anblickte. Dieser richtete an die junge Dame einige Fragen. „Antworten Sie nicht, Madame," rief der Diplomat dazwiscken; „niemand hat das Reckt, Sie auszufragen. I ch werde darüber meiner Regierung berichten . . . Zornig warf nun die legitime Gattin des Diplomaten ein: „Mit Ihnen, mein Herr, Hobe ich nichts zu schaffen, aber diese Dame da wird sich vor Gericht zu verantworten haben." Nun richtete sich die reizende Blondine auf und sprach lachend zu der Frau: „Wer sind Sie denn eigentlich, Madame . . .?" „Ich bin die Gattin Ihres Geliebten, Verehrteste!" rief diese aus. Der Diplomat hatte sich inzwischen aus dem Staube gemacht. Er war in den Stall geeilt und hatte ein Pferd bestiegen, um sich bei einem Spazierritt durch die frische Morgenluft von der ausgestandenen Aufregung zu erholen. Die Komtesse erhob sich schließlich, legte vor den Augen der obrigkeitlichen Kommission einen rosafarbigen Schlafrock an und begleitete, fortwährend lachend und ihre blinkenden Zähne zeigend, die Gesellschaft zur Türe hinaus. Der Diplomat hat beim französischen Minister des Aeußern in aller Form einen Protest gegeübte Verletzung bet Immunität in seinem Schlosse eingelegt. Gleichwohl führt bie Gerichtsbehörde der in den Blättern nicht genannten Stadt die Untersuchung gegen ihn und seine Genossin weiter, um Material für den von seiner Gattin angestrengten Ehescheidungsprozeß zu beschaffen.
zu bessern. Es wäre verfrüht, über die Erfolge dieser Arbeit schon jetzt ein Urteil abzugeben. Wo oft jahrzehntelang dem Laster Raum gegeben war, sich der Seele eines Menschen zu bemächtigen, ba fmb zwölf Monate nicht ausreichend, um den Willen zum Kampf mit dem Uebel stark zu machen und zum Sieg darüber zu verhelfen. Eine Anzahl Frauen haben von ber Besserung ihres Mannes berichten können. Auch als Vermittlungsstelle zwischen den alkoholgegnerischen Vereinen und den in Betracht kommenden Behörden konnte sich die Auskunststelle wiederholt nützlich erweisen. Die Einleitung des Entmündigungsverfahrens wurde nur in wenigen Fällen beanttagt. Die Auskunft stelle für Frauenberufe wurde von 35 jungen Mädchen bezw. ihren Eltern in Anspruch genommen. Um für die wichtige Frage der Wahl eines geeigneten Berufes weitere Kreise zu interessieren, um namentlich den Eltern klar zu machen, daß eine längere Lehrzeit bei einer tüchtigen Meisterin sich ttotz aller Unkosten und Beschwerden im späteren Leben lohnt und daß auch eine gute hauswirtschastliche Unterweisung ber jungen Mädchen nicht aus dem Auge gelassen werde» sollte, wurde Anfang Januar
der erste Etternabend
veranstaltet, bei sich eines überaus reichen Be- wches erfreute. Die Gesellschaft ist aber auch dazu übergegangen, ben Eltern von schulentlassenen jungen Männern bei ber schwierigen Berufswahl zur Seite zu stehen. Diese Tätigkeit hat ste vor Ostern namentlich in zahlreichen
Fällen ausgeübt. Sie soll in ber Zukunft noch durch ein engeres Anschließen an die Handwerkskammer und durch kostenlose ärztliche Untersuchung der Jugendlichen mit Rücksicht auf den von ihnen gewählten Berns weiter ausgebaut werden. DerAusschußzurFörde- rung von Leibesübungen und Wanderungen begaiM seine Tätigkeit mit der Veranstaltung eines Kursus für Jünglings-, Gesellen- und Lehrlingsvereinen in der Anleitung und Durchführung von neuen und alten Spielen. Die Leitung hatte in freundlicher Weise Oberrealschullehrer K ü n e m u t b übernommen. Sein besonderes Augenmerk richtete der Ausschuß auf die S p i e l p l a tz s r a g.e, die von alle» Seiten als höchst dringlich empfunden wird. Wenn das Königliche Generalkommando in dankenswerter Weise dem Ausschuß auch dadurch eutgegengekommen ist, daß es den angeschlossenen Vereinen alle militärischen Plätze mit Ausnahme der geschloffenen Kasernenhöfe zur Verfügung stellte, so ist damit doch
die Spielplatzfrage nicht gelöst.
und es muß gehofft werden, daß die Stadt sich zur Hergabe eines geeigneten Platzes bereit finden wird, wenn nicht die königliche Regierung den Vereinen den Bowlinggreen zur Verfügung stellt. Eine fruchtbringende Arbeit hat die Gesellschaft in dem Verband zum Schutze ber gefäbrbeten Jugend verrichten können. Durch Verhandlungen mit dem Jugendrichter, der Staatsagwaltschaft und der Königlichen Polizeibirektion wurde für bie Tätigkeit des Verbandes eine Grundlage geschaffen, die ermöglichte, die Arbeit an der gefährdeten Jugend erfolgreich zu betreiben. Der Verband übt heute die Kontrolle über 289 Jugendliche aus, davon sind 223 männlichen und 66 weiblichen Geschlechts. Diese Aufsicht wird durch 48 Damen und Herren betätigt. Reue Aufgaben erwachsen ber Gesellschaft für Gemeinwohl im Jahre 1911 auf dem Gebiet ber Jugendpflege, die durch Begründung eines Ausschusses für Jugendpflege nun eingeleitet ist. Der Bericht schließt mit einem Appell an alle Freunde der Gesellschaft und fordert diejenigen Kreise, die der Gesellschaft bisher fern stehen, auf, die Aufgaben ber Gesellschaft burch Beitritt und fortlaufenden Beittag. dessen Mindestsatz 5 Mark jährlich beträgt, fördern zu helfen.
„Professor Kurt von Löscher."
Auf Ersuchen ber Leipziger Kriminalpolizei wurde in Charlottenburg der angebliche „Professor" Kurt von Löscher aus Rumänien
Goffelet Fürsorgetätigkeit.
Die Bilanz bet Gesellschaft für Gemeinwohl.
Die Gesellschaft für Gemeinwohl hat soeben ihren Bericht für 1910 herausgegeben, ber an ben im Juni 1910 erstatteten ausführlichen Bericht anknüpft, in dem über die Organisation und die bis dahin reichende Tätigkeit Rechenschaft gegeben wurde. Aus diesem Bericht ging hervor, daß die Arbeiten bis zum Frühjahr des vorigen Jahres hauptsäcklich organisatorischer Natur waren. Erst nach Begründung der verschiedenen Abteilungen konnte in die praktische Arbeit eingetreten werden, über bie der Jahresbericht für 1910 Mitteilung madjt und dem wir folgendes entnehmen: Die Zentrale für werktätige Hilfe dient als Vermittlungsstelle zwischen den Armen und Hilfesuchenden auf ber einen unb den Vereinen und einzelnen Wohltätern auf der anderen Seite. Die Bitffteller werben burch die Zentrale gleich an bie richtige Stelle gewiesen. Auch ben Vereinen erwächst daraus eine Arbeitserleichtc- rung. Um ein möglichst vollständiges Material für die bedürftigen Familien zu erhalten, ist eine
Verständigung mit der Armendirektion ber Stadt Cassel dahin erzielt worden, daß diese ihr reichhaltiges Archiv der Gesellschaft zu je= derzeitiger Einsicht überläßt. Als Auskunftstellc ist die Zentrale in 270 Fällen in Anspruch genommen. In jedem Falle wurden dir Verhältnisse ber Bedürftigen vor Zuwerftmg an einen Verein ober private Wohltäter festgestellt. Die Zentrale, konnte 23 halbinvaliden Terfonen eine Stellung verschaffen. Die Zentrale wurde auch sonst für bie verschiedensten Fälle, Unterstützung von Bewerbungen, Beratung verlassener Ehefrauen, Beschaffung von Reisegeld zwecks Annahme einer auswärtigen Stelle, Vermittlung von Stipendien an junge Lehrer und fo weiter von zahlreichen Personen in Anspruch genommen. Die A u s k u n f t st e l l e für Trinkerfürsorge behandelte 58 Fälle. Die Auskunftstelle bringt die Trinker, von denen sie oftmals auch durch ihre anderen Abteilungen Kunde erhält, zur Kenntnis der alkoholgegnerischen Vereine, doch sucht ste gegebenenfalls auch von sich aus, durch Vermittelung der tti Betracht kommenden Wohlfahrts- verrine, durch verschiedene Mittel (Unterstützung mit Lebensmitteln, Geld, Möbeln usw., Beeinflussung der Frau, dem Mann das Heim angenehm zu machen usw.)
die.Lage der Trinkerfamilien