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Nummer 186

i. Jahrgang

MckrAmste MchnchM

Casseler Utimüieitung

hessische fldenüieitung

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, den 14. Juli 1911

Fernsprecher 951 und 952.

.taff der rieuetle Ruchrichtal- erscheinen wLchenMch sechsmal und p»ar abend». Der «dounementSprei» betrLgt monatlich 50 Pfg. bet tretet Zu. (ieonnfl in» Hau«. Druckerei. Verlag u. RedaMon: SchlachthofslrLtze 28/30. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 18, Telephon: Amt IV, 676.

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M Storno voo WM.

Sie bxplofions-Katastrophe in der Würgendorser Dynamit-Fabrik.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.)

High Life.

Randglossen zum Wolff-Metternich-Prozeß.

Der junge Mann, der soeben vor den Schran­ken des Berliner Strafgerichts als Fälscher und Betrüger seines Urteils harrt, zählt kaum vierundzwanzig Lenze, und blickt (trotz der Flaumbartjahre) schon auf eine .Vergan­genheit" zurück, wie sie wechselvoller und schick­salbunter nicht manchem Lebegreis in des Da­seins Abendschatten beschieden ist. Feudale Kinderstube, standesgemäße Erziehung, weit­reichende Versippung, einflußreiche Protettion und mancherlei Vorzüge persönlicher Art: Und dennoch schon im dritten Jahrzehnt des Lebens tat Sumpf der .Gesellschaft" untergetaucht bis zu den tiefsten Tiefen, bemakelt mit dem dringenden Verdacht ehrlosen bandelns, und gewerbmäßigen Falschspielern und Hochstap­lern als würdiger Kumpan gesellt! Die Er­mittlungen in der Sensationsaffäre des Gra­sen Gisbert Wolff-Metternich ha­ben selttame Bilder aus dem toll-romantischen Dasein moderner Industrie-Ritter entrollt, ha­ben wunderliche Associationen verbrecherischer Instinkte unter der Spezies der sogenannten »Herrenmenschen" offenbart und die.Aristo­kratie des Verbrechens" in ihren charatteristisch- sten Exemplaren entlarvt. Sodaß der Wolff- Metternich-Prozeß nicht nur für den Krimina­listen, sondern mehr fast noch für den Sozia l- Pspchologen außerordentlich interessante und fesselnde Momente bietet.

An Gisbert Wolff-Metternich hat sich der Erfahrungsatz bewährt, daß der Weg zum Laster nur ein .Ruck des Leichttinns" ist. Aus Kinderstube und Schul-Hut ging der Sproß ei­nes guten Hauses sicher so unverdorben hervor und unberührt vom Gift der Sünde, wie Tau­fend Andre, die gleich ihm auf diesem Weg ins Leben schritten. Die erste freie Regung eigner Schicksalgestaltung aber trieb den kaum zum Mann Gereiften in die Schlingen des Leicht­sinns, und als das wirtschaftliche Fundament ungebändigter Genußsucht unterm Druck der Lasten erzitterte, bannte das Schicksal den Ver­zweifelnden in den dunstigen Kreis toller Spiel-Leidenschaft, wo die Jugend den Stroh­halm des Glücks suchte, der sie aus dem Meer der Sorgen zum grünenden Ufer neuer Hoff­nung tragen sollte. Dem Träger klangvoller Namen fiel's nicht schwer, die spekulative Näch­stenliebe unternehmunglustiger .Gönner" zu wecken: Man bot dem Leichtsinn unbeschräntten Kredit und geschäftige Hände waren bereits dabei, dem Grafensohn und Botschafterneffen unter den goldglänzendsten Töchtern der Me- tropole eine Daseinsgefährtin zu vermitteln, deren Millionenbesitz Gewähr dafür bot, daß die Schicksalwunden leichttebiger Genußjahre vernarben dursten, ohne schmerzende Nachwe­hen zu hinterlassen. Die Nemesis indessen war rascher als des Glückes Schmiede: Das Karten­haus glänzenden Elends brach zusammen und Gisbert Wolst-Metternich schüttelte den Staub der Heimat von den Füßen. Um bald darauf, als ein vom Arm der Gerechtigkeit Ereilter, wieder heimzukehren.

Wir werden in dem Sensationsprozeß, der nun um das Schicksal des Vierundzwanzigjäh­rigen spielt, mancherlei erfahren, das unserm Moral-Empfinden als untrügliches Zeichen ge­sellschaftlicher Degeneration erscheint, und aus dem man wird schließen mögen, daß der Ele­gant auf der Anklagebank imgrunde doch nur als ein Opfer der Verhältnisse zu be­klagen sei, die ihn, abwärts vom Pfad der Pflicht und Ehrbarkeit, in die Niederungen der Leidenschaften trieben. Man wird darauf Hin­weisen, daß schon das Milieu, in dem das Unkraut wucherte, schwere Gefahren für die Ju­gend berge und die stohe Lebenslust der zum Daseinkampf heranreifender Generation allzu­rasch dem Leichtsinn und der Leidenschaft aus- liefre. Entschuldungen der Art werden ver­mutlich auch die Richter des Sünders bestim­men, ihm mildernde Umstände zuzubilligen und des Gesetzes schroffste Härte von ihm abzu­wenden. Vom strafrechtlichen Standpunkt aus betrachtet, wäre dies lediglich eine Vermensch­lichung harter Gerechtigkeit, unterm Gesichts-

DieCasseler Neuesten Nach­richten" berichteten bereits gestern durch Extrablatt: In der Tynamitfabrik Würgendors bei Bürbach (Siegen) er­folgte am Mittwoch vormittag aus bisher noch unbekannter Ursache eine furcht­bare Ecplosion. Sechzehn Patronen- häuser und die Fabrikräume sind in die Luft geflogen und der ganze Betrieb ist vollständig zerstört. Acht Arbeiter find tot, gegen zwanzig wurden schwer verletzt.

Privattelegramme berichten uns aus Siegen über die Katastrophe noch fol­gende Einzelheiten: Durch die Explosion in der Dvnamstfabrik von Würgendors wurden, wie jetzt ermittelt ist, acht Personen, fast alle arme Familienväter, getötet. Tue meisten von ihnen waren buchstäblich i n Stücke zerrissen. Dreizehn andere Ar­beiter wurden so schwer verletzt, daß sie ins Burbacher Krankenhaus geschafft werden muß­ten. Die meisten von ihnen ringen mit dem Tode. Sie haben schwere Brandwunden im Gesicht und an den Armen erlitten. Die erste Explosion erfolgte um elf Uhr vormittags im Mengehaus mit donnerartigem Getöse. Sie griff auf das erste Oellager über und wenige Minuten später erfolgte eine Explosion tat zweiten Oellager. »Die letzte Explosion war so stark, daß sich bei Arbeitern auf dem Felde die Werke aus den Taschenuhren lösten.

Sämtliche Ardertsräume unter der 6tbe sind total zertrümmert. Die Ursache der Explosion ist noch nicht bekannt geworden. In Würgendors sind sämtliche Fensterscheiben zertrümmert. In den drei Kilometer entfernt gelegenen Ortschaften war der Luftdruck so stark, daß die Leute zu Boden geschleu­dert wurden. Selbst in Siegen, das etwa sechs Kilometer vom Schauplatz der Katastro­phe entfernt ist, machte sich die Explosion derart bemerkbar, daß die Leute an ein Erdbeben glaubten. Die Leichen sind durch die Gewalt der Explosion zerrissen worden, daß ihre Iden­tität nicht mehr festgestellt werden konnte. Die Unfallstelle wurde sofort behördlicherseits ab­gesperrt, da wettere Explosionen be­fürchtet wurden. Bis jetzt sind aber noch keine weiteren Explosionen erfolgt.

*

Die Lpfer der Katastrophe.

(Eigene Drahtmeldung.)

<? Siegen, 13. Juli.

Zwei Arbeiter waren zur Zeit der Ex­plosion in der Dhnamitfabrik Würgendors in einem Pulverhaus beschäftigt. Sie schildern den Unglücksfall folgendermaßen: Wir befan­den uns in den unter der Erde gelegenen Ar­beitsräumen, als plötzlich ein donnerähn­licher Knall ertönte und alles rings um uns finster wurde. Wir sprangen durch die Schutzfenster hinaus und flüchteten ins Freie. Hier gewahrten wir, daß das Mengehaus in die Luft geflogen war. Kaum waren wir in Sicherheit, da erfolgte im Oelhaus eine zweite Explosion, durch die sämtliche unterirdischen Räume zerstört wur­den. Die in den Arbeitsräumen beschäftigten Arbeiter, meist Familienväter im Atter von dreißig bis vierzig Jahren, wurden entweder sofort getötet oder erlitten furchtbare Brand­wunden am ganzen Körper. Zunächst wurde der Arbeiter Kreuz, der sich außerhalb des Oelhauses aufgehalten hatte, tot aufgefunden. Eta großes Holzstück war ihm in den Kopf ge­drungen. Einen anderen Arbeiter fand man vollständig zerschmettert auf.

Au» den Trümmern bes Werkes ragten blutige Körperteile, ein einzelner Fuß und der Rumpf eines Arbeiters ohne Kopf her­

vor. Die Unglücksstätte wurde sofort durch Po­lizei abgesperrt, und gestern nachmittag ist mit den Aufräumungsarbeiten begonnen worden. Vor zwei Jahren hatte sich in der gleichen Fabrik schon einmal eine Explosion ereignet, bei der zwei Mann getötet wurden. Die Fabrik gehört der Gewerkschaft Weißenburg. Eine Ge- richtskommission, sowie der Landrat des Krei­ses Siegen begaben sich unverzüglich an die Unfallstelle, um die erste Untersuchung über die Ursache der Explostonskatastrophe und die Ret- tungs- und Bergungsmaßnahmen einzuleiten. Die Unglücksstelle ist von einer großen Men­schenmenge umlagert, da gestern abend hier das Gerücht ging, die Katastrophe sei durch man­gelhafte Betriebseinrichtungen herbeige­führt worden und die Werkverwaltung habe es unterlassen, für genügende Sicherung zu sorgen.

Unvorsichtigkeit als Ursache?

(Eigene Drahtmeldung.)

<? Siegen, 13. Juli.

Die Untersuchung über die eigentliche Ur­sache der Würgendorser Explosionskatastrophe ist zwar noch nicht abgeschlossen, doch besteht (wie ich an amtlicher Stelle erfahre) kein Zwei­fel mehr darüber, daß das Unglück durch Un­vorsichtigkeit und Nichtbeachtung der be­stehenden Unfallverhütungsvorschriften herbei­geführt worden ist. Das Gerücht, das gestern abend hier und in der Umgegend verbreitet war: Daß die Katastrophe durch Mängel der Betriebseinrichtungen verursacht worden fei, trifft jedenfalls nicht zu, da das Würgendorser Werk durchaus modern einge­richtet war und seitens der Verwaltung ener­gisch auf die sorgfältige Beachtung der auf die Unfallverhütung bezüglichen Betriebsvorschrif­ten gedrängt wurde. Es gewinnt den Anschein, daß bei den Arbeiten in dem Mengehaus, in dem die einzelnen Bestandteile des Dynamits zur fertigen Masse verarbeitet werden, nickt mit der nötigen Vorsicht verfahren worden und

dadurch das Unglück verursacht

worden ist. Im Dorfe selbst ist derSchaden nicht bedeutend. In Stegen wurden durch die Luft­erschütterung in den Schaufenstern die Gegen­stände umgestürzt. Die schwerverletzten Arbei­ter wurden teils nach Siegen, teils nach Bür­bach gebracht. Bis heute konnten erst sieben Leichen agnosziert »erben, bei dem achten To- ten war die Feststellung der Persönlichkeit noch nicht möglich, da von bet Leiche nur noch Teile vorhanben sinb. Das Waschhaus, bas Scheibenhaus unb daS Nitrierhaus sind voll­ständig zerstört worden. Merkwürdiger Weise blieben die drei großen Fabrikschlote stehen. Man schätzt den durch die Explosion angerich­teten Schaden auf mindestens eine Million Mark. Von den in den Krankenhäusern un­tergebrachten Arbeitern dürften nur wenige mit dem Leben davonkommen; die meisten sind derart verstümmelt und verbrannt, daß die Aerzte alle Hoffnung aufgegeben haben.

Siegen, 13. Juli. (Telegramm unsers Korrespondenten.) Die Na­men der bei der Würgendorser Katastrophe G e- töten find: Diehl ans Bürbach, Ae h l und Kreuz aus BirkeSdorf, Schnell aus Ullen­dorf, Heupel aus Steincbruch, Engel aus Kaltliche und Brück aus Holzhausen. Eine Leiche konnte bisher nicht identtfiziert werden, da von ihr nur der Rumpf übrig geblieben ist. Fortgesetzt findet man noch in der näheren und weiteren Umgebung der Fabrik einzelne Körperteile. Infolge der Explosion hat die Fabrik sich genötigt gesehen, den Betrieb einzustellen. Es ist auch ftaglich, ob das Werk wieder aufgebaut werden wird.

winkel sozial-ethischer Wertung der Dinge gewinnt indessen das Bild ein ander Aussehen: Man fragt nach den Ursachen des Falles, nach den treibenden Kräften und den Motiven, die den Sproß eines glänzenden unb vom Ruhm großer Vergan­genheit umrankten Hauses bewogen, den Schild der Väter mit dem Makel unehrenhaften Wan­dels zu beflecken. Und als Antwort grinst das

Gespenst des High life, das .Standesbewußt- fein", aus der Kerkerzelle.

Gisbert Wolff-Metternich würde vermutlich nickt im Moabiter Kriminalgericht auf der An­klagebank sitzen, wenn er als gefestigter und in der Erkenntnis der Daseinspflicht gereifter Cha­rakter ins Leben getreten wäre: es würde ihm wohl auch erspart geblieben sein, das Erbe

seiner Väter im tollen Wirbel der Orgien und Bacchanale zu verschleudern, wenn der Zwang zum Broterwerb ihn früh des Lebens düstern Ernst hätten spüren lassen, und er würde auch, als der schwachgefügte Bau des Leichtsinns zu- sammenbruch kaum zu Hazard und Falsch­spiel seine Zuflucht genommen haben, wenn er die Kraft und den Mut besessen hätte, durch

ehrliche Arbeit die Sünden verbummelter und verlorner Jahre wieder gut zu machen, und ein zwar arbeitendes und um fein Schick­sal ringendes, aber auch achtbares und ehren- bastes Mitglied seines Hauses zu bleiben. Gisbert Wolfs-Metternich ist (leider) nicht der Einzige dieses Typs: Jahr um Jahr trägt der Ozean Hunderte zerbrochner Existenzen übers Meer,, nimmt Deutsch-Südwest oder ein ande­rer Erdenwinkel fern der Heimat Dutzende von Gescheiterten auf, die gleich dem viernndzwan- zigjährigen Grafensproß am Wege stolperten und nun von der Scham oder von der Reue hinausgetrieben werden in die Wett, dort, wo man das Brandmal nicht schaut, das an ihrer Stirne haftet. Sie alle sind »Opfer der Verhältnisse", und ihnen allen wird man auch menschlich Mitleid nicht versagen können. Ihr Verhängnis war ihre Schwäche gegenüber dem Leben, und ihr Unheil war das Vorur­teil ihres Standes: Hätten sie um ihr Brot in harter Arbeit ringen müssen, würden sie dem ersten Wellenschlag des Schicksals kaum erlegen sein. So aber fegte sie die Sturzwelle des Leichtsinns rasch hinweg, und aus dem Abgrund des Schicksals klingt nur noch, dumpf und mahnend, der Urteilspruch strafender Gerechtigkeit an's Ohr ... F. H.

Helgoland.

Der neue Fels im deutschen Meer.

(Von unserm militärischen Mitarbeiter.)' Helgoland, 13. Juli. «Privat. Telegramm.) Neber die Art der Befestigungen auf Helgoland wird im Interesse der Landesverteidigung strengstes Ge- hetmniS bewahrt. Welchen Umfang diese Geheim­haltung hat, geht daraus hervor, daß die Arbeiten durch einen hohen Bauzaun vor unberufenen Blicken abgefperrt werden. Dtefer Bauzaun ist, um auch die geringsten Einblicke in die Befestigung«, arbeiten zu verwehren, auherdem noch durch besonders DtchtungSmastregeln geschützt. Ebenso werden die artilleristischen Bauarbeiten auf der Insel streng geheim gehauen.

Einundzwanzig Jahre sind es jetzt her, daß wir von England die Insel Helgoland als Gegenwert gegen afrikanisches Besitztum er­warben, und bis in die letzte Zeit hinein hat eS in Deutschland nicht an Stimmen gefehlt, die diese Erwerbung Deutschlands als ein schlech­tes Geschäft bezeichneten, an dem nur bet Kontrahent Englanb seine Freube gehabt habe, um im Stillen übet bie vergebliche Liebesmüh' bet Deutschen, das Eiland vor dem völligen Versinken zu retten, zu lacken. Heute und schon vor längerer Zeit ist die Wertung Helgolands in England ganz umgeschlagen, und man kann sogar behaupten, daß die englische Admiralität nichts dagegen einzuwenden hätte, wenn Eng­lanb für bie kleine Insel, bie noch nicht einmal die Ausdehnung eines halben Quadratkilome­ters hat, den zehnsachenPteiSbei einem eventuellen Rückkauf zahle« würde. In aller Stille und mit einet seltnen Unbeirrt«eit hat dir Regierung, an ihrer Spitze in diesem Fall« in erster Linie Prinz Heinrich,

am Ausbau Helgolands gearbeitet, und wenn der Kaiser in den nächsten Tage« auf der Nordlandreise die Mitglieder bet neuen selbständigenFortisikation Helgoland" ernen­nen wird, dann rangiert Helgoland nicht nur an der Seite von Danzig, Pillan, Königsberg, Cuxhaven, Geestemünde, Friedrichsort, Swine- münbe und Wilhelmshaven, sondern es hat sich auch eine Hoffnung erfüllt, an deren Verwirk­lichung nur ein beschränkter Kreis der besser Orientierten fest glaubte: Helgoland konnte zu einer selb ständigen Fortisikation ausgebaut werden, zu einem mächtigen Bollwerk gegen jede Gefahr, die von der Nordsee her im Kriege drohen könnte. Natürlich ist bis zum heutigen Stand der Be­festigung Helgolands ein äußerst schwer zu be­schreitender Weg vorgezeichnet gewesen. Die durch die Brandung schnell abbröckelnde Insel mußte vor weiterer Bodenverminberung ge­schützt werben, was burch Mauern aus großen Granitblöcken in Verbindung mit Beton in jahrelanger Arbeit so vollkommen geschah, daß

bie Zerstörungsatbeit beS Meeres (hauptsächlich im Westen) als nahezu ausgeho­ben bezeichnet werden kann. Daneben hatte man aber bei dem Ausbau Helgolands damit zu rechnen, daß die Insel im Eventualfälle eines Kriegs in der ersten Zeit ganz auf sich allein angewiesen sein werde, aus welchem Grunde man sie auf eigne Füße stellen mußte. Heute ist denn auck Helgoland im tiefsten Frie­den kampfbereit, die Munition ist auf Kriegs­stärke gebracht, 15 bis 20 Kilometer weittra­gende Geschütze beherrschen einen beträchtlichen Umkreis der Insel und überstreichen ungefähr ein Drittel der Entsernung, die Helgoland vom Festland trennt. Helgolands Ausrüstung ist wohl das Modernste, was aus dem Gebiete der Armierung von Küstenbefestigungen bisher er­richtet ist. Panzerbatterien, Panzerkasematten, bombensichere Kasernements mit drehbaren