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hessische Abendzeitung

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Stwftrret^er 951 Lad 952.

Donnerstag, den 13. Zuli 1911

SVerntoretSes 951 und 952,

WW-KMW ID Mio.

Dreißig Zote, über siebzig Schwerverletzte, Millionen an Schaden!

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.)

N e w y o r 1, 12. Juli. (Telegramm.) Ein Schnellzug der Newhaven-Bahn entgleiste gestern, als er auf der Fahrt von Washington nach Boston die Stadt Bridge-

Siefta-zeit.

Politische Sommertage in Hohenfinon».

Seit einigen Tagen weilt nun der Kanzler des Reichs in der Stille von Hohenfinow, und wenn im Abendwind die hohen Pappeln der brandenburger Mark leise rauschen, mag der Gutsherr sinnend von den Tagen träumen, da er (zum erstenmal seit dem Werden seines Kanzlertums) des Ruhmes Süße kosten, und sich an der Bewundrung eines der Heldentat fast entwöhnten Volkes laben durste. Die Zeit der Siesta int stillen Frieden ländlichen Som­merglücks darf man dem Emsigen gönnen, der nach überlanger Dürre endlich aus dem ma- zern Acker deutscher Reichspolitik die ersten Früchte sprießen sah und sich im Anblick jungen Hoffnung-Grüns berauschte. Seit Bernhard Bülow zur Villa Malta zog, hat sich die vater­ländische Atmosphäre ersichtlich gewandelt, ist die Physiognomie des politischen Geschäfts durch einen grärnlich-düstern Zug der letzten Spuren muntrer Zuversicht beraubt worden, und da die Volkseele sich leicht der herrschen­den Stimmung anzupassen pflegt und über Per­sönlichkeitwert selbst dann dankend guittiert, wenn der Wertgehalt nicht über ein paar Sor­genfalten auf schmaler Kleinmutstirn hinaus­reicht, so hatten wir uns mit'bem Wandel der Dinge leidlich abgefunden und wurden nur .bann noch flüchtig an die schön're, bess're Zeit erinnert, wenn in der Lindenblüte Tagen der »Privatier der Villa Malta" zum deut­schen Nordseestrande baden kam.

An das alles wird, auf der schattigen Ter­rasse des märker Herrenhauses einsam träu­mend, Herr von Bethmann Hollweg mit der zufriednen Ruhe und der überlegnen Sicherheit des Mannes denken, dem aus den Mühen recht- schastner Arbeit erst spät die Früchte reisten, der aber nun, da das Werk getan, sich des Be­wußtseins freuen darf, Nützliches urib Er­sprießliches geleistet zu haben. Daß das Baro­meter des Volkempfindens, das noch zur Len­zenmitte Sturm und Wetterschlag als nahe Katastrophe kündete, so rasch zu seinen Gunsten sprach, darf der Kanzler als Zeugnis vorbe­haltloser Tatwertung deuten, und er darf dar­aus ferner den Schluß ziehen, daß der schäu­mendste Groll im politischen Leben ebenso­wenig auf Flaschen gezogen werden kann, wie die lohcndste Begeisterung. Herr von Beth- mann Hollweg müßte nicht zu Füßen ruhmge- kränzter Philosophen gesessen haben, wenn er nicht Neigung spüren würde, auS dieser Er­kenntnis die logische Nutzanwendung zu ziehen. Dem greisen Reichstag hat er im Schweiß des Angesichts das reichsländische Re- sormwerk und das gewaltige Sozialgesetz der Reichsversicherung abgerungen; des Landtags Pforten verriegelte er in demselben Moment, da der Parlamentarismus zur üblen Komödie zu werden drohte: Kann ein Mann dieses Schlags noch als Schattenbild, als Instrument willkürlicher Jnteressenpolitik belächelt und ge­höhnt werden . . .?

Man sieht denn auch bereits geschäftiges Regen zu neuer Tat: Während die Kaiserjacht in stolzer Fahrt die Majestät zu des Nordlands felsigen Küsten trägt, gedenkt Herr von Beth- mann Hollweg in der Einsamkeit von Hohen­finow traulicher Zwiesprache mit den im Wal- lothaus Maßgeblichen zu Pflegen, um (wie's im unbeholfnen Jargon der Schreiberstube heißt)Material zu einem Vortrag zu ge­winnen, dem der Herr Kanzler dem Träger der Krone nach der Heimkehr von der Nordland­fahrt über die innerpolitische Situation zu halten gedenkt". DaS heißt mit andern, das Tatsächliche schärfer betonenden Worten: Herr von Bethmann spinnt auch in der Ferien­zeit emsig an den Fäden weiter, deren Bin­dung ihm im Lenz so überraschend schnell ge­lang, und er scheint entschlossen, es nicht bei halber Arbeit bewenden zu lassen. Wer die Herren sind, die der Kanzler sich zum Rendez­vous in Hohenfinow bestellt hat, ist noch nicht bekannt: es ist indessen anzunehmen, daß Herr Doktor Ernst von Heydebrand und der Lasa sich nicht unter Denen befinden wird, die in diesen Tagen mit dem Gutsherrn von Hohen­finow zu Tische sitzen werden, und schon aus dieser Tatsache allein darf mancherlei ge­schlossen werden, denn bis zum Herbst ist's nicht mehr weit, und Herr von Bethmann Holl­weg hegt das begreifliche Verlangen, bis zum Beginn der Spätabendtagung im Reichshaus die Situation geklärt zu sehen.

Daß es gelingen könnte, zwischen dem Kanzler und den Konservativen das brüsk zerschnittne Tischuch bis zum Beginn der par­lamentarischen Herbtzarbeit leidlich zu flicken.

Port (Connecticut) durchfuhr, und stürzte von einer dreißig Fuß hohen Böschung auf die Straße hinab. Die Pull- manwagen gerieten in Brand. Bisher wur­den dreißig Tote aus den Trümmern gezogen und über siebzig Verletzte, von de­nen die meisten tödlich verletzt find. Die Ursache der Katastrophe war eine offene Weiche.

Weitere Depeschen aus R e w h o r k berich­ten uns über die furchtbare Katastrophe fol­gende Einzelheiten: Bei Bridgeport, der am Eingang der Mündung des Pequeenek in den Lang Island Sund gelegenen Hauptstadt des Staates Connecticut, hat sich gestern in den Spätnachmittagsiunden ein schweres Eisen­bahnunglück ereignet. Ein Schnellzug der Newyork-Rewhaven-Bahn, der die Linie Wa­shington-Boston fuhr, entgleiste, 'als er einen dreißig Meter hohen Viadukt passierte. Der Zug sprang aus den Schienen und stürzte die Böschung hinab. Dreißig Personen waren sofort tot. Unter den Trümmern zog man zahlreiche schwerverletzte Passagiere her­vor, von denen die meisten kaum mit dem Le­ben davonkommen dürsten,. Sechs von den neun Waggons des Zuges sind derart demoliert, noch zweihundert Fuß von dem Gleise entfernt Trümmer gefunden wurden. Hundertfünfzig Personen befanden sich im Zuge, von denen (nach einer späteren Meldung) nur wenige un­versehrt geblieben sind. Der Zug fuhr, als das Unglück sich ereignete, mit vollster Ge­schwindigkeit, und die Wagen flogen förmlich im hohen Bogen in die Tiefe, wo sie völlig zertrümmert wurden. Der Schauplatz der Katastrophe bot ein furchtbares Bild: Ueberall lagen Trümmer und Leichenteile um­her, und die Splitter der zerstörten Wagen wa­ren über und über mit dem Blut der Opfer be­spritzt. Die Furchtbarkeit des Bildes steigerte sich noch, als gleich nach dem Absturz des Zuges die Trümmer in Brand gerieten und hohe Flammen aus dem blutigen ChaoS emporzüngelten. Die meisten der Leichen wa­ren schon stark verkohlt, als man sie end­lich aus den Trümmern bergen könnte. Alle wa­ren bis zur Unkenntlichkeit aufs gräß­lich ste verstümmelt, so daß es bisher nicht möglich gewesen ist, die Identität der To­ten sestzustellen. Am Schauplatz des Unglücks spielten sich herzzerreißende Szenen ab, als die zwischen beiob rennend en Trümmern eingeklemmten Schwerverletzten flehten, man möge sie doch töten, damit sie von ihren furchtbaren Qualen erlöst würden.

*

Wer trägt die Schuld?

(Eigene Drahtmeldung.>

S> Newyork, 12. JuN.

Die Katastrophe von Bridgeport ist nicht (wie man zuerst annahm) durch offene Weichen- stclluna verursacht worden, sondern die Unter­suchung der Bahnverwaltung hat ergeben, daß der Lokomotivführer eine vorschriftswi­drige Geschwindigkeit eingehalten hatte. Er hatte versucht, die versäumte Zeit einzuholen und ließ infolgedessen den Zug mit achtzig Kilometer Geschwindig­keit an der gefahrvollen Stelle fahren, an der vorschriftsmäßig nur fünfundzwanzig Kilome­ter eingehalten werden sollen. Dadurch wur­den die Lokomotive und sechs Wagen aus dem Gleis geworsen. Furchtbare Minuten hatten die Reisenden eines Wagens durchzumachen, der nicht herabgestürzt war, sondern nur teil­weise vom Viadukt herabhing. Sie glaubten jeden Augenblick in die Tiefe stürzen zu müssen. Das Rettungswerk war mit großer Gefahr verknüpft, da die Wagen beim Herabstürzen mehrere elektrische Lichtdrähte durchschnitten hatten, die vom Viadukt herabhingen, einen Funkenregen entsandten und die Trümmer in Brand setzten. Der Brand wurde jedoch bald gelöscht. Die genaue Zahl der Toten und Verwundeten läßt sich noch nicht feststellen, da noch fortwährend Leichen unter den Trümmern bervoraezoarn werden. Es haben aber minde­

stens dreißig Personen bei der Kata­strophe ihr Leben eingebützt und über sieb­zig andere sind schwer verletzt worden, von denen die meisten in den Spitälern mit dem Tode ringen.

*

Sm MgeMrek des VrrMS».

(Eigene Drahtmeldung.)

Newyork, 12. Juli.

Ein Passagier des verunglückten Zuges, der in einem der Wagen saß. die nach der Entglei­sung in die Tiefe stürzten, schildert den Her­gang der Katastrophe folgeydermaßen: Wir hatten auf der Fahrt von Washington nach Bo­ston unterwegs eine halbe Stunde Verspätung erlitten, da infolge des großen Verkehrs ein Geleise für Sonderzüge freigehalten werden mußte. Der Lokomotivführer versuchte des­halb, durch schnellere Fahrt die Zeitdifferenz wieder einzuholen, um in Boston rechtzeitig einzutreffen. Kurz vor Bridgeport fuhr der Zug mit Volldampf, hatte aber keine grö­ßere Geschwindigkeit, als sie gewöhnlich von amerikanischen Expreßzügen gefahren wird. Dennoch bemächtigte sich der Passagiere eine starke Unruhe, da die Strecke vor und hinter Bridgeport zahlreiche scharfe Kurven und Ueberführungen hat, die gemäß der Betriebs- vorschrift in langsamem Tempo überfahren werden sollen. Unser Zug sauste aber mit größ­ter Geschwindigkeit durch ein Payr Kurven und die Wagen kamen dabei stark ins Schwan­ken.

Sie schwantten auch noch, als wir vor dem Viadukt dicht vor Bridgeport anlang- ten. Die Strecke beschreibt hier eine 8-siir- migc Kurve, in die der Zug mit voller Fahrt einfuhr. Plötzlich gab es eine furchtbare Erschütterung: Die Wagen schienen einen Moment in der Luft zu schweben, die Passagiere wurden durcheinander geworfen und dann folgte ein donnerähnlicher Krach: Der Zug war in die Tiefe gestürzt und die sechs Pullmanwagen bildeten einen einzi­gen Trümmerhaufen, aus dem die Schreie der Verunglückten gräßlich ans Ohr klangen. Ich befand mich im vorletzten Wa­gen, der nur zum Teil zerstört wurde, und hatte bei dem Sturz in die Tiefe nur einige leichte Kontusionen erlitten.

Als ich mich mit Mühe aus dem Wagen befreit hatte, sah ich um mich herum ein wüstes Chaos von rauchenden und brennenden Trüm­mern. Dazwischen zischte der Dampf der eben­falls abgestürzten Lokomotive, deren Kessel bei dem Sturz explodiert war. Im ersten Augen­blick dachte keiner der dem Tode Entronnenen an die eigene Rettung: Unter den Trümmern der e.rsten beiden Wagen lagen zahlreiche Tot«. Fast sämt­liche Insassen dieser Wagen sind dem Un­glück zum Opfer gefallen; die meisten wurden zwischen den Trümmern der Wagen zermalmt, die andern wurden zwischen den Wagenteilen eingeklemmt und starben eines qualvollen Todes. Im nächsten Moment stürzten Tau­sende von Menschen zur Unglücksstätte, um den Opfern der Katastrophe helfend beizustehen; aber es dauerte fast eine halbe Stunde, ehe den zahlreichen Schwerverletzten die erste ärztliche Hülfe zuteil wurde. Eine junge Frau, die Gattin eines Bankdirektors in Chicago, die wie durch ein Wunder dem Tode entgangen war, aber ihren Gatten und ihr Kind tot unter den Trümmern wußte, wurde angesichts der furcht- baren Katastrophe wahnsinnig, verfiel in Tobsucht und konnte nur mit Mühe davon ab­gehalten werden, sich in die brennenden Trümmerzustürzen. Es waren Augen­blicke, so furchtbar, wie ich sie in meinem gan­zen Leben nie durchzittert habe ..,

Newyork, 12. Juli. (Privat-Tele- gramm.) Bis heute mittag waren an Toten an der Stätte der Katastrophe von Bridgeport geborgen: Dreiunddreißig, zum Teil noch unbekannte Personen. In den Kranken­häusern sind insgesamt vierundachtzig Verletzte untergebracht, von denen die Mehrzahl nicht mit dem Leben davonlommcn dürste. Unter den Toten befindet sich auch der Lokomotivführer, der das Unglück ver­schuldet hat. Der Materialschaden beziffert sich auf dreiMill tonen Dollars.

wagen selbst Die nicht anzunehmen, die bei Seelenverwandtschast" zwischen dem fünften Kanzler und den Getreuen des Herrn von Hey­debrand sonst unbeschränkte Wunderkraft zu­trauen: Die Kluft ist zu tief gegraben, und was die Partei noch unberührt gelassen, hat die konservattve Presse im Aufschäumen des Grolls mit dem Dynamit der Leidenschaft ge­sprengt. Die Eigenart der so geschaffnen Lage mag Herrn von Bethmann Hollweg etwas un­bequem und auch kaum als normal erscheinen; aber die Tage politischer Gluthitze, als er mit­ten im Kreuzfeuer konservativer Bannstrahlen stand, werden seine politische Aesthetik vermut­lich geläutert und von dem peinlichen Kummer-Rest kleinlichen Vorurteils befreit haben. Sodaß er's nun mit der Würde seiner Kanzlerschaft nicht mehr als unvereinbar er­achtet, links am Weg mit den Nachbarn zu plaudern und mit den Herren Bassermann und Gothein als willkommnen Gästen im märker Sommerhaus Gruß und Handschlag zu tau­schen. In den Augusttagen kehrt der Kaiser heim von der Nordlandfahrt, und man darf die Hoffnung hegen, daß in der Stille von Hohenfinow bis dahin kluge Arbeit so weit ge­diehen sein wird, um die Bilanz nicht meh, fürchten zu müssen. Die Zeitspanne, die uns noch vomTag von Philippi" trennt, wird immer kürzer, und wenn Herr von Bethmann Hollweg den spät ihm gewordnen Lorbeer nicht welken lassen will, mutz et endlich offen­baren, ob er auch für diese Feuerprobe aus­reichend gerüstet ist. F. H.

Wolfs-Metternich.

Ein neuer Berliner Sensations-Prozeß. (Von unferm Korrespondenten.) i*i- Berkin, 12. Juli.

Vor der zehnten Straflammer des Land­gerichts Berlin 1 beginnt morgen der Pro­zeß gegen den Grafen Gisbert Wolff. Metternich, der sich wegen verschiedener Hochstapeleien und schwindelhafter Kre­ditoperationen zu verantworten hat. Der jetzt vierundzwanzig Jahre alte Graf ist der Sproß einer alten deutschen Adelsfamilie und Neffe des deutschen Botschafters in Lon­don. Er hat sich vor kurzem mit der Wiener Schauspielerin Claire Valentin verhei­ratet, die in Künstlerkreisen ein gutes Renom­mee hat. In Men erfolgte auch die Verhaf- tung des Grafen, und zwar auf Antrag der preußischen Behörden, die auch seine Ausliefe­rung nach Berlin durchsetzten. Dem Grafen wird nachgesagt, daß er schon seit einiger Zeit seinen Lebensunterhalt als gewerbSmä- ßiger Spieler verdiente und Mitglied einet

internationalen Falschspieler-Gesellschaft war, zu deren Mitgliedern auch der vor einigen Tagen in Frankfurt am Main verurteilte Freiherr Schenk zu Schwein-berg gehörte. Vor ungefähr einem Jahre weilte Graf Wolff-Metternich in DuenoS-AireS und verkehrte dort in der besten Gesellschaft. Nach­dem er viele Oesterreicher und Deutsche unter allerlei Vorspiegelungen angeborgt hatte, ging er mit vielen Tausend Mark Schulden auf und davon. Wenige Tage vor seiner Abreise borgte er sich noch unter dem Vorwande, daß er an das Krankenbett feiner totkranken Mutter ge­rufen worden fei, von einem Hamburger Kauf­mann tausend Mark. In Berlin verkehtte der Graf vorwiegend in den Kreisen junger Finanzleute; er stand auch vor der Verlobung mit

einer der reichsten Erbinnen Berlins,

einer jungen, aber bereits geschiedenen Dam«. Das Heiratsprojekt zerschlug sich aber und Wolff-Metternich geriet in eine Gefellfchaft ehemaliger Offtziexe, sowie von Geld- und Heiratsvermittlern, die ihn als willkommenes Objekt mit klangvollem Namen in alle mögli­chen Geschäfte zu verwickeln suchten. AlS er sich in Berlin nicht mehr halten konnte, fiebelte er nach Wien über. Der Auslieserungsantrag der preußischen Behörde wurde gestellt auf An­zeige eines Leutnants Backhaus hin, der mit dem Grafen Wolff-Metternich und andern Mitgliedern der internationalen Spie­lergesellschaft in Berliner Hotels verkehtt hatte. In seiner Anzeige teilte der Leutnant mit, daß zunächst auch Graf- Wolfs-Metternich immer verloren habe, sodaß der Anschein erweckt wurde, als sei auch er

ein Opfer der Falschspieler.

Schließlich sei ihm aber doch der Verdacht auf» gestiegen, daß alle Mitglieder der Bande un­ter einer Decke steckten und mit verteil­ten Rollen spielten. Für die Spielverluste, die insgesamt über achtzigtausend Mark betrugen, wurden von dem Leutnant Backhaus Wechsel ausgestellt. Als der Leutnant sich den Zahlungsbedingungen der Spieler nicht fügen wollte, erhielt er von ihnen fortgesetzt D r o - Hungen mit einer Anzeige bet seinem Regiment, worauf rr schlietzkich Anzeige bei der