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Nr. 184. L Jahrgang.

daß ein Zug aus zwölf Waggons, der von Krasjonarsk mit Kronsmaterial abgesandt worden war, aus geplündert und dann in Brand gesteckt worden war. Es er­weist sich jetzt, daß der Hauptschuldige der den Aug begleitende Beamte war, der die Fracht verkauft und den Zug verbrann thatte, daß fer­ner auch die Eisenbahnkommission, die das .Unglück" untersuchen sollte, sich mit der Fest­stellung der Tatsache begnügt hatte, daßder Aug verbrannt war." An eine Bestrafung des Schuldigen hat niemand gedacht. Es geht eben auch so. Ueberhaupt geht in Rußland alles, wenn man nur will. So hat die Administra­tion von Armawir beschlossen.

die . . . Polizei abzuschaffen.

Der entsprechende Prikas lautet: .Da die Ein­wohner des Dorfes Armawir nicht freiwillig die Kosten des Unterhalts der temporären Po­lizei tragen wollen, so wird der Stellvertreter des Polizeimeisters beauftragt, unverzüglich alle Schutzmänner zu.entlassen und alle Kandi­daten zu Polizeiposten in die Gebietsverwal­tung überzuführen, darunter auch diejenigen, welche die Posten eines Pristaws innehaben. Das Inventar der Polizeiverwaltung und der Polizeiämter ist sorgfältig zu registrieren und gegen Quittung dem Wolostältesten zu überge­ben. ebenso die Summen, welche nach Auflö­sung der Polizei verbleiben . . ." Schon sind alle Schutzmänner von ihren Posten entfernt und haben ihre Waffen abgeliefert. In den nächsten Tagen reisen auch der Polizeimeister nnd der Pristaw ab, nebst den aus Petersburg herbeigeschafften Polizeihunden. Natürlich herrscht darüber bei den Herren Gaunern, Die­ben und sonstigem Gesindel eitel Freude, und die braven Bürger von Armawir werden ihre Sparsamkeit bitter zu büßen haben. So ge­schehen im Reiche des Zaren, anno neunzehn- hundertelf . . , -hgr-

Riesenbrand im Petersburger Hasen.

ffiir (Privat-Telegramm.)

£ Petersburg, 11. Juli.

An der Nacht zum Dienstag brach im Hafen von Petersburg ein gewaltiger Brand aus. Das Feuer fand in den großen Baumwoll­lagern reichliche Nahrung und verbreitete sich mit rasender Schnelligkeit. Zweitausend Ballen Baumwolle wurden völlig vernichtet. Vierzig Firmen sind durch das Feuer schwer geschädigt worden und einige von ihnen werden den Konkurs anmelden müssen. Die Polizei nimmt an, daß der Brand angelegt worden ist, und daß es sich hierbei um einen Racheakt handelt.

Sturm im Seine-Parlament.

Tumultszenen in der französischen Kammer.

(Eigene Drahtmeldung.)

. V Paris, 11. Juli.

' Im Verlaufe der gestrigen Kammer- srtzung kam es in den Abendstunden wäh­rend der Rede des sozialistischen Abgeordneten Colly, der die Regierung wegen ihrer Hal­tung zur Eisenbahnerfrage heftig an- griff, zu wüsten Krawallszenen.

Zwischen den Radikal-Sozialisten und den Unifizierten Sozialisten wurden die ge­wöhnlichsten Schimpfworte ausgetauscht. Der Abgeordnete M a g i n o t sprang auf den Ab­geordneten Lauche zu. Zwischen Beiden kam es zu einem Handgemenge. Freunde der beiden Kämpfenden stürzten sich ebenfalls dazwischen. Die Beamten des Hauses ver­suchten vergebens zu intervenieren. Die Sitzung mußte schließlich aufgehoben und die , Tribünen geräumt werden. Nach Wiederauf-

ReWold Begas.

Der Bildhauer des Kaisers.* (Von unserm Korrespondenten.)

Die Berliner Akademie der Künste hat beschlossen, anläßlich des achtzigsten Geburtstages von Professor Begas dessen Büste im großen Sitzungssaal aufzustellen, der bereits eine Reihe von Bildnissen hervorragender Berliner Künstler aus drei Jahrhunderten auftveist. Professor Peter Breuer hat die Büste im Auftrags der Akademie geschaffen. Sie zeigt den Kopf von Begas, wie er etwa vor fünfzehn Jahren ausgesehen hat, als der Künstler noch auf der Höhe seines Schaffens stand. Professor Reinhold Begas, der am fünfzehnten Julitag seinen achtzigsten Ge­burtstag feiert, ist als der zweite Sohn des früheren preußischen Hofmalers und Profes­sors an der Akademie Karl Begas am fünf­zehnten Juli 1831 zu Berlin geboren und emp­fing gleich seinen Brüdern seine erste künst­lerische Vorbildung im Atelier seines Vaters. Seine beiden Brüder Oskar und Adalbert wid­meten sich der Malerei, in welcher Kunst sie bald Treffliches leisteten, Reinhold aber wandte sich der Skulptur zu, besuchte von 1846 bis 1851 die Akademie der Künste in Berlin und bildete sich sodann zuerst im Atelier von Wichmann, dann in demjenigen Rauchs weiter aus. Schon seine erste Arbeit, eine Gruppe in Gvps, Ja gar und Ismael in der Wüste", lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit auf ihn. Nachdem er in den Jahren 1854 bis 1856 selbst­ständig in Berlin gearbeitet hatte, ging er später mit einer Pension der Akademie zur Vollendung seiner Ausbildung nach Rom, wo er bis 1859 verweilte und von wo er das Modell zu seinemPan, die verlassene Psyche t r ö st e n d" mitbrachte, das in Ber­lin, Brüssel und Paris großes Aufsehen er­regte und ihm 1860 eine Berufung als Pro­fessor der Skulvtur an die Kunstschule zu Weimar verschaffte.

In dieser Stellung verblieb Begas bis 1862, lehrte dann wieder nach Rom zurück und ar­beitete hier das Modell zu seinem Schiller­denkmal in Berlin aus, das bei der Kon­kurrenz nach harten Kämpfen und mehreren Modifikationen endlich den Sieg davontrug und ihn wieder nach Berlin zurückführte, um das Modell an Ort und Stelle auszuarbeiten. Dieses Denkmal ziert jetzt den Platz vor dem Königlichen Schauspielhause in Berlin, der seit der am elften November 1871 erfolgten Ent­

Caffeler Neueste Nachrichten

Mittwoch, 12. Juli 1911.

nähme der Sitzung setzte Colly seine heftigen Ausfälle gegen die Regierung fort. Schließlich verlangte Caillaux die ein­fache Tagesordnung und das Vertrauen des Hauses. Letzteres wurde der Regierung mit einer Majorität von 350 Stimmen zu ge­sprochen.

Die Kammersitzung endete gegen elf Uhr abends unter stürmischem Tumult Die Kammer verwarf im Laufe der Sitzung mit 475 gegen 96 Stimmen den Antrag auf Be­gnadigung der wegen der Unruhen in der Champagne Bestraften. Noch in den Wandel­gängen setzte sich der Tumult fort und es wur­den grobe Schimpfworte gewechselt.

*

Man ist sehr befriedigt...?

(Privat-Telegram m.)

N Paris, 11. Juli.

DerM atin" schreibt: Die französische Regierung ist von dem Gang der Unterhand­lungen, die zwischen dem französischen Bot- tchaster C a m b o n und dem deutschen Staats­sekretär des Aeußern, von Kiderlen- Waechter, gepflogen werden, sehr be­friedigt. Nähere Einzelheiten über den Verlauf der Unterredung werden (wie das Blatt weiter schreibt» sür heute erwartet und sind von Herrn Cambon mittelst eines Spezial- Kuriers nach Paris abgesandt worden. In Berlin und Paris ist beschlossen worden, voll- ständiges Geheimnis über das Ergeb­nis der Unterredung zu bewahren. Nichts­destoweniger glaubt derMatin" mitteilen zu können, daß die französische Regierung ent­schlossen ist, hinsichtlich der Kompensatio­nen das größte Entgegenkommen zu zeigen. Der Minister des Aeußern wird (wie uns ein weiteres Telegramm meldet) heute nachmittag in der Kammer eine kurze Erklä­rung über die marokkanische Ange­legenheit abgeben.

Sie Politik der Tage».

cS3 Das Jatho-Urteil des Spruch-Kollegi- unis. Ein Privattelegramm meldet uns aus Berlin: Die Veröffentlichung der Urteilsbegründung im Fall Jatho steht be­vor. Nach Mitteilung des evangelischen Ober­kirchenrats ist die in Sachen Jatho am vier- undzwanzigsten Juni ergangene Entscheidung des Spruchkollegiums für Kirchenlehrangc- legenheiten nunmehr mit den Urteilsgründen ausgeferfigt und soll entsprechend dem Ent­schluß des Spruchkollegiums veröffent­licht werden. Die Veröffentlichung wird in der nächsten, voraussichtlich am Mittwoch, zur Ausgabe gelangenden Nummer des Kirchenge- sctz- und Verordnungsblattes geschehen.

Nachwehen zur Hansa-Sezession. Ein Telegramm unsers Korresponden­tenmeldetuns aus Düsseldorf: Der Streit im Hansabund hat hier in Düsseldorf ein überraschendes Ergebnis gezeitigt: Nach­dem die hiesige Ortsgruppe Geheimrat Rietzer ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen hat, sind jetzt die Mannesmann-Röhrenwerke aus dem Zentralverband Deutscher J^, dustrieller ausgeschieden. Das bedeu­tende Werk sah sich zu diesem Schritt durch das Verhalten des Zentralverbandes gegenüber dem Hansabund veranlaßt. Es ist auch als wahrscheinlich anzunehmen, daß diesem ersten Austritt noch weitere folgen werden, da das Vorgehen des Zentralverbands gegenüber dem Hansabund in den Kreisen der hiesigen Indu­striellen stark verstimmt hat.

Bauarbeiter-Krieg in Paris. Aus P a- ris wird uns depeschiert: Der Ausstand der Bauarbeiter nimmt immer größere Di­mensionen an. Gestern kam es zu einem ern­sten Zusammenstoß, als sich mehrere

hundert Streikende auf einen Neubau begaben, um die dort noch arheitenden Kollegen mit Gewalt zu vertreiben. Polizisten und Mannschaften der Garde Republicaino zu Pferde mutzten einschreiten, und es entspann sich nun zwischen beiden Parteien ein hefti­ger Kampf. Die Ausständigen eröffneten ein Steinbombardement auf die Schutzleute und die Arbeitswilligen, wodurch zwei Mann der Garde Republicaino schwer verwun­det wurden. Schließlich gelang cs der Poli­zeimannschaft, die Angreifer zu zerstreuen. Drei Rädelsführer wurden verhaftet.

Wie römische Blätter melden, hat sich der P a p st bereit erklärt, eine Vermittlung zwi­schen den Mallissoren und der türkischen Regie­rung zur Beilegung des Aufstandes der Alba­nesen zu übernehmen. Er bat diesbezügliche Instruktionen dem Erzbischof von Skutari er- terlt.

Einer Meldung aus M a d r i d zufolge hat gestern in Saragossa der Generalstreik begonnen. Die Mehrzahl der Arbeiter aller Gewerbe hat sich dieser Bewegung angeschlos­sen. Die Ruhe ist bisher nicht gestört worden, man befürchtet aber im weiteren Verlauf des Ausstandes ernste Zwischenfälle.

Neuer vom Tage.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.)

Dieolympische" Tragi-Komödie. De­peschen aus Saloniki melden: Die Ent­führer des Ingenieurs Richter verlangen jetzt statt 50 000 Pfund 150 000 Pfund, gleich 300 000 Mark, Lösegeld. Diese Summe soll in fünf Tagen nach Elsaffona gebracht werden. Richter teilt in einem an das deutsche Konsn- lat gerichteten Brief mit, er sei kränklich. Er beschwört die Behörden, sie möchten die Zah­lung des Lösegeldes beschleunigen, weil die Räuber ihn bedrohen.

XX Räubers Ende . . . Ein verwegener Einbruchsversuch ist auf die russische Gesandtschaftskirche in der Südvor­stadt Dresdens verübt worden. Der Ein­brecher ist am Blitzableiter auf das Dach der Kirche geklettert, ist aber bei dem Versuch,, in das Innere der Kirche zu gelangen, um die mehrere hunderttausend Mark werten kost­baren Geräte zu rauben, aus fünfzehn Meter Höhe durch ein Glasdach abgestürzt und gestern früh schwer verletzt aufaefunden worden. Der Spitzbube ist als der Arbeiter Heinrich Krause aus Lodz festgestellt worden. Der Zustand des Verletzten ist hoff­nungslos.

Junge Liebe... In Naumburg hat gestern eine aufsehenerregende, die Neugier auf das Lebhafteste herausfordernde Trau­ung stattgefunden: Sie fand statt zwischen dem vierundachtzigjährigen Ober- schlotzhauptmann Oberleutnant von Kracht aus Altenburg und seiner Nichte, einer sieb­zigjährigen Greisin. Hier kann man hof­fentlich sagen: Alt gefreit, hat noch niemand gereut . . .!

ZX Eine Tragödie auf See. Der der Elbin- ger Schichau-Reederei gehörige Dampfer ..Elbing 8" ist gestern nachmittag 53 Grad 39 Min. nördlicher Breite und 5 Grad 19 Min. östlicher Länge gekentert. Drei Mann der Besatzung, die sich an Schiffstrümmer ge­klammert hatten, wurden von dem Hamburger DampferPortia" gerettet. Die übrige Be­satzung dürfte ertrunken sein. Die Frau des Kapitäns wurde neben dem Dampfer als Leiche aufgefischt.

rrr Im Streit erschlagen. In der vergange­nen Nacht zogen in Wattenscheid die Bergleute Frank und Brocker singend durch die Straßen. Von zwei Schutzleuten angehalten,

ergriff Frank die Flucht, während Broeker sich zur Wehr fetzte. Mit seinem Stocke schlug er auf die Schutzleute ein, worauf diese von ihrer Waffe Gebrauch machten und Broeker so schwere Verletzungen beibrachten, daß er an den Folgen starb.

rn: Großfeuer in Marseille. Eine verhee­rende Feuersbrunst entstand gestern in einem Lebensmittelmagazin auf der Place d'Aix in Marseille und griff mit solcher Schnelligkeit um sich, daß bei Eintreffen der Feuerwehr noch einige andere Lebensmittel­häuser in Mitleidenschaft gezogen waren. Erst nach großer Mühe gelang es, des Feuers Herr zu werden. Der angerichtete Schaden beträgt mehr als s ech s Hund ertt a usen d Francs

zz Der Untergang einer ganzen Familie. In Z a a n d a m bei Amsterdam brach aus noch nicht aufgeklärter Ursache ein vernichtender Brand aus. Infolge des herrschenden Win­des sprangen die Flammen schnell auf einige benachbarte Häuser über, von denen einige vollständig zerstört wurden. Leider sind auch Menschenleben bei dem Unglück zu beklagen Eine ganze F am i l i e von sechs Personen, Vater, Mutter und vier Kinder, kamen in den Flammen um.

az Auf der Reise verunglückt. In der Nähe der Station Habnof bei Budapest fuhren zwei mit Reisenden gefüllte Wagen gegen einen Packwagen. Sie stürzten um und be­gruben die Reisenden unter sich. Einer wurde schwer, neun andere leichter verletzt.

trr Wo ist der Dieb . . .? Im Kontor einer Bank in Stockholm wurde gestern mittag ein Paket mit 31 000 Rubelscheinen ge­stohlen. Das Geld lag auf einem Tisch, der zwei Meter vom Publikum entfernt stand. Vom Täter fehlt bisher jede Spur.

zzz Straßcnkampf zwischen Polizei und Kamorristen. Als gestern in Neapel zwei Schutzleute einen gefährlichen Kamoristen ins Gefängnis ablieferten, wurden sie von bewaff­neten Kamorristen angegriffen. Die Beamten machten von ihren Revolvern Gebrauch. Es wurden ungefähr zwanzig Schüsse gewechselt, durch die fünf Kamorristen und ein Schutzmann schwer verwundet Ivurden.

zx Ein Mord aus Politik. In P is a wurde gestern ein furchtbares politisches Ver­brechen verübt. Der Präsident der gro­ßen Schiffbauer-Gewerkschaft, Baracchi- n i. wurde auf offener Landstraße von acht In­dividuen gestellt. Die Leute, die Arbefter oder Gegner der Gewerkschaft waren, gaben fünf­undzwanzig Revolverschüsse ab, die ibn töte­ten. Die Mörder enfflohen, wurden aber spä­ter verhaftet und in das Untersuchungsgefäng­nis gebracht.

zx Die Cholera in Rußland In Nikoljew im Gouvernement Semera (Rußland) sind in den letzten fünf Tagen fünfzehn Cholerafälle vorgekommen, von denen einer tödlich verlau­fen ist. Je ein Cholerafall ereignete sich im Kreise Sepel, Gouvernement Witebek. Komo- demjenak, Gouvernement Kasa, Pirjatin, Gou­vernement Poltawa und in Baku.

Iar Neueste aus Kassel.

Um dreihunderttauseud Mark.

In dem Versicherungsprozeß gegen den Fabrikanten Jakoh V o l m a r und dessen Pro­kuristin Ernstine Margraf mußte die auf gestern nachmittag vertagte Verhandlung we­gen Unwohlseins der Angeklagten M. auf heute morgen 8 Uhr vertagt werden. In der heu­tigen Verhandlung besprach man zunächst den dritten Punkt der Anklage, nämlich die soge­nannten Haderlisten. In einer ist an Fracht für eine Sendung an einen Kunden in Eschwege der Betrag von 95,65 Mark liqui­

hüllung des Standbildes den NamenSchiller­platz" führt. Seither hat Reinhold Begas eine Reihe von schönen und gehaltvollen Kunstwer­ken geschaffen, so die Städtefiguren Straß- burg und Metz für die große Dekoration beim Stegeseinzug der heimkehrenden Truppen im Juli 1871, ferner dieFaunenfamilie", die GruppeVenus, die den von einer Biene verwundeten Amor tröstet", die zuerst auf der Pariser Weltausstellung von ihm ausgestellte Kolossalgruppe desRaubes der Sabi­ne rinnen", die Statue desReichtums" im Festsaal der Berliner Reichsbank, die Modelle zu den Denkmälern von Wilhelm und Aleran- der von Humboldt für den Vorgatten der Ber­liner Universität, die großartigeCentau- rengruppc"auf der Berliner Kunstausstel­lung von 1881, und eine ganze Reihe höchst lebens- und ausdrucksvoller charatteristtscher Porträtbüsten berühmter Zeitgenossen, wie Moltke (auf der Berliner Ausstellung von 1879), Adolph Menzel und andere.

" Die populärste Schöpfung, die Begas Ber­lin gegeben hat, ist aber der 1891 aufgestellte, den Namen des Künstlers tragende Brun­nen auf dem Schloßplatz in Berlin. Einer weniger günstigen Aufnahme hatten sich die nächsten größeren Werke Begas' zu er» freuen: Das Nationaldenkmal für Kaiser Wil­helm den Ersten an der Schloßfreiheit, das in den Jahren 1893 bis 1897 errichtet wurde, und das 1901 enthüllte Nationaldenkmal für Bis- marck vor dem Rcichstagsgebäude. Mit der Aufzählung dieser Arbeiten ist jedoch das Le­benswerk des Künstlers keineswegs erschöpft. Seine geniale Eigenart kommt überdies nicht in der monumentalen Plastik, als vielmehr in der Porträtbildnerei zur Entfaltung. Hier ist er einer der bedeutendsten Meister und hat durch seine geistvolle Auffassung, verbun­den mit gesunder Naturwahrheit, wie durch die malerische Behandlung der Plastik nicht wenig dazu beigetragen, der neueren deutschen Bildhauerkunst eine frischere und wirksamere Riastung zu geben. Reinhold Begas ist ein reiches, großartiges Talent von lebendiger Phantasie und verbindtt mit der packendsten dramattschen Energie der Komposition noch eine Feinheit der Tetailbehandlung, die na­mentlich seinen Potträtbüsten und Köpfen einen erhöhten Reiz leiht. Seit mehreren Jahrzehnten ist Reinhold Begas Professor an der Akademie der Künste in Berlin, wo er als einer bei beliebtesten und anregendsten Lehrer

der Presse die auch von uns übernommene Nachricht, daß Hedwig Mangel niemals zur Bühne zurückkehren werde, weil sie in ein Klo­ster gegangen sei. Wie jetzt aus Düssel­dorf berichtet wird, befindet sich die ehemals so geschätzte Schuspielerin nicht im Kloster, sondern sie wittt als Haushaltungs­schwester in der evangelischen Erziehungs­anstalt zu Neukirchen am Niederrhein.' Sie fühlt sich in diesem Beruf sehr glücklich.

dL SchönhcrrSGlaube und Heimat" in Linz verboten. Aus Wien wird uns berichtet: Der klettkale Landesausschuß hat vor einiger Zeit die Aufführung von SchönherrsGlau­be und Heimat" verboten. Nun wollte Exls Bauerntheater das Stück im Linzer Ko­losseum aufführen. Die Sadthalterei verweigerte aber die Bewilligung des Gastspiels, angeblich weil der bauliche Zustand des Kolosseums den polizeilichen Anforderun­gen nicht entspreche. Unter der Bevölkerung herrscht hierüber Entrüstung, um so mehr, als ein reichsdeutsches Ensemble jüngst im Ko­losseum Vorstellungen gab, ohne daß Ein­wendungen erhoben wurden.

J'-. Ein neues System drahtloser Telegra­phie. Wie uns ein Privat-Telegramm aus London meldet, wird seit einigen Tagen von der englischen Armeebehörde in Aldershot ein neues System drahtloser Telegraphie aus- probiett. Es handelt sich um ein neues Pa­tent des Kriegsamtes. Die erzielten Resultate sollen sehr befriedigende sein. Mit dem neuen Apparat ist es gelungen, eine ganze Anzahl Botschaften aufzufangen, unter anderen auch eine solche von einer deutschen Station, die die Zeit von Greenwich übermittelte.

-ci- Kurze Notizen. Karl Franke, das älteste Mitglied des Weimarer Hostheaters, ist nach längerer Krankheit in Weimar gestor­ben. Er gehörte seit 1878 ununterbrochen der Weimarer Hofbühne an und war ein hervor- ragender Vertreter des komischen Faches. Franke war vordem längere Zeit am Wallner- theaier in Berlin und am Tivolitheater in Hannover tätig. Der allftawische I o u r n a- listenkongreß ist gestern unter Teilnahme von etwa dreihundert slawischen Journalisten in Belgrad eröffnet worden. Aus Ncw - York wird berichtet: Die Künstlerin Miß K. Lesser hat die Importeure der neuen deut­schen Biskuitpuppen wegen Uebertre- tung des Urheberrechts verklagt. Sie verlangt für jede importierte Puvve fünf Dollars.

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und Meister eines Meister^telicrs eine große Zahl trefflicher Schüler herangebildet hat.

Kleines Feuilleton.

Das Schuh'sche Quartett in Cassel. Das bekannte Schuh'sche Künstlerquartett (hestehend aus Mitgliedern der Königlichen Hosoper in Wiesbaden), das seit Jahren im Rheinland sowie in den größeren Städten und Badeorten Bayerns, Württembergs und Badens mit außerordentlichem Erfolge gastierte, wird hier vom 18. bis inklusive 22. Juli im Grand- Hotel Wilhelmshöhe (Konzertgarten) und im S t a d t p a r k Konzerte veranstalten. Bei ungünstiger Witterung finden die Konzerte im Saal statt.

Adickes und Trott zu Solz. Aus Ber­lin wird uns depeschiett: Die Verhandlungen zwischen dem Kultusminister und dem Ober­bürgermeister Adickes wegen Errichtung einer Universität in Frankfurt sind in voriger Woche nach kurzer Beratung abgebrochen wor­den. da der Minister seinen Urlaub - antreten wollte. Bei den Verhandlungen sind die Fra­gen. die für und gegen die Errichtung einer Universität sprechen, eingehend erörtert wor­den. haben jedoch zu einem Resultat nicht geführt. Die Verhandlungen werden voraus­sichtlich erst anfang September fortgefetzt wer­den.

tGs Mit dem Hute aus dem Kopf . . . Prin- zesfin August Wilhelm von Preußen war dieser Tage im Neuen Schauspielhaus in Ber­lin. um sichDie keusche Susanne" anzusehen und anzuhören. Fräulein Sari von Petras; sana die Titelrolle und gefiel der prinzlichen Zuschauerin auf das Beste. Noch besser aber gefiel ihr . . . der Hui, den Fräulein von Pe­tras; trug, ein ganz unwahrscheinlich herrlicher Hut der neuesten, also der größten Fasson. Kurz enffchlossen ließ sich Prinzessin August Wilhelm die scharmante Soubrette in die Loge kommen, beglückwünschte sie auf das herzlichste sowohl zu ihrer schauspielerischen Leistung, als auch zu ihrem Prachthut, und ließ sich die Adresse der betreffenden Hutmacherin geben. Nur Frauen können entscheiden, worüber sich Fräulein von Petras; mehr gefreut haben wird: Ob über das Lob ihrer Kunst oder... über das Lob ihres Hutes.

Hedwig Mangel nicht im Kloster. Vor einigen Tagen ging durch einen großen Teil