Nummer 184. 1. Jahrgang.
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Mittwoch, den 12. Juli 1911.
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Kaftro-Bonalunte.
Vom Viehtreiber zum Reich-Eroberer.
Caracas, 1L Juli. (Privat ■ Telegramm). Die Landung Castro» aus südamerifantschem Boden macht stch bereits auch hier, in der Hauptstadt Venezuelas, bemerkbar. Gestern kam es zu einer
Zeppelin gegen Harden.
Eine Rechtsertigimgsschrist Direktor Solsrnans.
gegen die jetzige Regierung gerichteten Auf. standSbswegung, in deren Verlauf eS acht Tote und fünfzehn Verwundete gab. Es gewinnt den Anschein, daß Castros Anhängerschaft stch immer mehr vergrößert und die Gefahr eines Staatsstreichs des Exprästdenten in nächste Nähe gerückt ist.
Dem venezolanischen Expräsidenten Cipriano Castro hat es in seiner europäischen Verbannung keine Ruhe gelaffen: Er fühlt sich zum Herrschen berufen und kann sich so wenig in die Rolle des Privatmanns finden wie einst Napoleon Bonaparte. Diesem seinem großen Vorbild hat er auch das Rezept entlehnt, wie man aus der Verbannung entwischt. Es war für Castro nicht allzu schwierig, ein Schiff zu finden, das ihn an die amerikanische Küste brachte. Die Begeisterung, mit der ihn die Venezolaner aufnahmen, ist zwar nicht ganz so groß, wie man sie Napoleon entgegenbrachte, dessen Marsch nach Paris einem Triumphzuge glich, aber immerhin ist es doch dem venezolanischen Exprästdenten gelungen, zweitausend Anhänger um sich zu scharen, und schon rechnet man stark mit dem Sturz der Regierung. Sie hat es ebensowenig verstanden, sich in den zwei Jahren, seit Castro das Land verließ, die Sympathie der Bevölkerung zu gewinnen, wie einst die zurückgekehrten Bourbonen. Etwas ist faul im Staate Venezuela, und so begrüßt man in dem zurückgekehrten venezolanischen Bonaparte den .starken Mann", der es stets verstanden hat, eine Politik zu treiben, bk, hey Eigenliebe de- Venezolaner schmeichelte, wenn sie allerdings auch dazu angetan war, den Staat fortgesetzt in Konflikte mit europäischen Großmächten zu bringen. Auch darin ähnelt Cipriano Castro, der ehemalige Bauernsohn und Maultiertreiber, seinem großen Vorbild: Konflikte.sind ihm Bedürfnis, und auf die Politik der Konflikte gründete er seine Pläne.
Ein solcher Konflikt war es auch, der seinerzeit das meiste zum Sturz Castros beige- tragen hat: Ende neunzehnhundertacht hatte sich die venezolanische Regierung (wie das so ihre Art War) Hebergriffe gegen Holland erlaubt. Da die niederländische Regierung auf andre Art keine Genugtuung erhalten konnte, nahm sie einige der fragwürdigen Kähne weg, die die venezolanische „Seemacht" bildeten. Dies schlug dem Faß den Boden aus, und als Castro grade damals eine Europareise antrat, um sich in Berlin in der Klinik Professor Israels einer Operation zu unterziehen, benutzte man die günstige Gelegenheit, um ihn abzusägen. Schon vor her war Castro wiederholt mit andern Staaten in Konflikt geraten, so auch mit Deutschland und vor allem mit Frankreich. Es handelte sich dabei fast durchweg um die Verletzung der wirtschaftlichen Interessen der betreffenden Staaten. In Venezuela ist viel fremdes Kapital investiert, und zur Erschließung der reichen Hilfsquellen des Landes ist das auch notwendig. Castro hat denn auch stets die Beteiligung ausländischen Kapitals an wirtschaftlichen Unternehmungen gern gesehen. Hinterher aber ignorierte er einfach alle den Ausländern erteilten Konzessionen und Rechte in einer Weise, die wider die einfachsten Regeln von Treu und Glauben verstieß. Er offenbarte eben auch hier den Gewaltmenschen, dem kein Mittel zu bedenklich, kein Zweck zu gewagt war, wenn es galt, Ziele zu erreichen: Der einstige Maultiertreiber war als Politiker so gewissensfrei, wie der Cowboy in den Pampas, und das machte ihn zur Gefahr für den Völkerfrieden.
Daß Castro so lange diese eigenmächtige Politik treiben konnte, verdankt er in erster Linie der Monroe-Doktrin, nach der das Recht, die mißratnen Sprößlinge de« Mutter Amerika zu züchtigen, nur Uncle Sam zusteht. Dieser pflegt aber sehr langmütig zu fein, solange nicht sein eignes Interesse in Frage kommt. Die kleinen mittel- und südamerikanischen Raubstaaten wissen diesen Vorteil zu
Wir gaben gestern die Auslassungen wieder, die Maximilian Harden, der Herausgeber der .Zukunft", im neuesten Heft seiner Zeitschrift gegen die Priorität des Grafen Zeppelin als Erfinder des ersten lenkbaren Aluminium-Luftschiffs veröffentlichte und in denen er durch die Bekanntgabe von Vertragsbestimmungen darzutun versuchte, daß nicht Graf Zeppelin, sondern der Agramer Ingenieur David Schwarz zuerst den Gedanken eines lenkbaren Luftschiffs aus Aluminium in die Tat umgesetzt habe. Gegen die neuesten Veröffentlichungen Hardens wendet sich nun der Direktor A. C o l s m a n von der Luftschiffbaugesellschaft Zeppelin in einer eingehenden Zuschrift an die Presse. Direktor Colsman hat schon früher mit Maximilian Harden in der Angelegenheit lebbafte Auseinandersetzungen gepflogen und seine jetzigen Darlegungen wecken umso größeres Interesse, als sie stch auf die frühere Verbindung des Grafen Zeppelin mit den Erben des Luftschiff- Konstrukteurs Schwarz beziehen.
Direttvr Eolsman
schreibt: Auf die (in der Hardenschen „Zukunft") auf Grund einseitiger Mitteilung der Erben Schwarz wiedergegebenen Darstellungen der Vorgänge gehe ich nicht ein. Die mitgeteilten Verträge bezweckten, wie jeder leicht erkennen kann, den an David Schwarz gebundenen, damals alleinigen Großfabrikan- ten von Aluminiumfabrikaten, den Kommerzienrat Berg, frei zu bekommen, damit er auch dem Grafen Zeppelin Material liefern könne. Es iststn diesen Verträgen nicht ausgedrückt, daß Erfahrungen und Patente des Schwarz zur Verwendung kommen sollten, und wenn diese Abs'cku bei einigen Aktionären (besonders im Anfang bei Karl Berg) bestand, so hat sich Graf Zepvelin, wie aus Briefen mit klassischer Deutlichkeit hervorgeht, dem energisch widersetzt und auch Berg von der Unbrauchbarkeit der Schwarzschen Idee überzeugt. Am 8. Dezember 1897 richtete Graf Zeppelin an den Kommerzienrat Berg ein länaeres Schreiben, das diese Tatsachen beweist.
Der Brief Heyvelins an Kommerzienrat Berg enthält unter anderm folgende charakteristischen Sätze:
Der früher» Einladung, mich an dem Bau des Schwarz'schen Luftschiffs zu beteiligen, hohe ich nicht zu folgen vermocht, weil dieses mir (wie ich im einzelnen nachwies) nichtdienötige Sicherheit zu einem künftigen allgemeinen Gebrauch bot. Ew. Hochwohlgeboren haben schon damals die Vorzüge meines Entwurfs anerkannt, waren aber gebunden, zunächst einen entscheidenden Versuch mit j e n e m Fahrzeug abzuwarten. Dieser hat die eine Seite meiner Behauptung: Das Blechkastensh st em sei nicht entwicklungsfähig, nur zu schnell erwiesen. Ew. Hochwohlgeboren haben diese Nachteile so vollkommen erkannt, da Sie auf das Bestimmteste erklärten, niemals mehr nach dem Schwarz'schen System bauen zu wollen. Auf der andern Seite haben Sie durch eigene Kenntnisnahme meiner Entwürfe und deren genauere Prüfung durch Ihren Ingenieur, Herrn T e n z e r, die Ueberzeugung gewonnen, daß nach diesen gebaute Fahrzeuge aller denkbaren Wahrscheinlichkeit nach, bei großer Betriebssicherheit langdauernde Fahrten unter Mitnahme bedeutender Lasten ermöglichen werden, d. h.: Daß mit ihnen die Frage der nutzbaren Luftschiffahrt gelöst sein würde. Euer Hochwohlgeboren Anerbietung, mit Frau Schwarz zusammen nunmehr gemeinsam mit mir vorzugehen, bin ich gerne entgegengekommen. Dagegen muß ich Euer Hochwohlgeboren daran erinnern, daß aus unserer Erörterung dessen, was von Ihrem Luftschiff für das meinige anwendbar wäre, nichts übrig blieb, als vielleicht die Schwarzsche Gitterkonstruktion zur Befestigung der Gondel
am Ballon. Diese mag besser fein, als diejenige meines Entwurfs, aber sicher ist die letztere, weil von praktischen und erfahrenen Ingenieuren angeordnet und geprüft, vollkommen genügend.
Dazu bemerkt Herr Colsman: Es ist also erwiesen, daß Konstruktionsteile des Schwarz- fchen Luftschiffes nicht übernommen wurden. Uebrigens nicht von David Schwarz, sondern von den Ingenieuren Bergs, den Herren Lenzer und von Watzesch, sind die Einzelheiten des Schwarzschen Luftschiffes konstruiert. Schwarz war der Bringer der Idee, kein Konstrukteur. Daß er ein Luftschiff in Rußland gebaut habe, konnte er nie beweisen und wurde ihm nie geglaubt. Aber Herr Harden behauptet mit Wichtigkeit, der Graf sei überhaupt zur Verwendung des Aluminiums erst durch die Schwarzschen Versuche angeregt worden. Diese Behauptung ist unrichtig und wäre, wenn sie zuträfe, ohne Bedeutung; denn wenn man überhaupt ein starres Luftschiff plante, so war man auf die Anwendung des leichten Metalls genau so angewiesen, wie etwa auf die Verwendung des Wasterstosf- gases.
*
Zeppelin und David Schwarz.
Direktor Colsmann kommt dann auf die (gestern von uns mitgeteilten Verträge zu sprechen und schreibt: Als die Aktiengesellschaft, für die die Verträge bindend waren, aufhörte zu sein, bestand weder für Berg noch für den Zsraken Zeppelin eine Verpflichtung '^qenüber den Erben des Schwarz. Von feiten des Grafen umso weniger, weil dieser von vornherein an der Konstruktion des Schwarzschen Schiffes nichts Brauchbares für seine Zwecke gefunden hatte. Lediglich der oben angeführte Gitterträger (der nicht von Schwarz, sondern von Herrn von Watzesch konstruiert war, und der zur Verbindung der Gondel mit dem Laufgang benutzt wurde) war beiden Konstruktionen gemeinsam, und ist, wie ich schon früher fchrieb, nur bei dem ersten Zeppelin-Schiff verwandt worden, um dann dem jetzt noch benützten Dreieckstrüger Platz zu machen. Was nun hätte den Grafen, als er nach Aus- löfung der Aktiengesellschaft mit eigenen Konstrukteuren und eigenen Mitteln von neuem zu bauen begann, an David Schwarz gebunden? Die Darstellung der Vorgänge, die Herr Harden gibt, kann und soll vielleicht den Schein erwecken, als sei den Erben des Schwarz Unrecht geschehen, als habe Graf Zeppelin auf K o st e n anderer sein Ziel erreicht.
Ich bin mit Herrn Uhland, dem Sekretär des Grafen Zeuge gewesen, wie Frau Melanie Schwarz und ihr Schwiegersohn, ein Rechtsanwalt, und ihre Tochter, beim Grafen Zeppelin, in dessen Zimmer im Deutschen Haus durch Drohung versuchten, vom Grafen Geld zu erlangen. Sic wurde auf den Rechtsweg verwiesen. Als sie sahen, daß Drohungen nicht halfen, versuchte Frau Schwarz, durch Bitten den Grafen zu bewegen, ihr aus der Spende eine Summe zukommen zu lassen. Alle Künste der Heber- redung, die einer lebhaften und klugen Frau zur Verfügung stehen, wurden aufgeboten. Als es schien, daß Graf Zeppelin geneigt wäre, den Bitten nachzugeben, haben Herr Uhland und ich ihn in Gegenwart der andern Partei dringend gewarnt und auf die Folgen hingewiesen, die entstehen könnten, wenn er der Frau Schwarz eine noch so geringe Summe schenke.
Später haben sich die Erben Schwarz an alle die gewandt, von denen sie vermuteten, daß sie Gegner des Grafen seien und haben ihnen das Material angebotcn, das jetzt . . . Herr Harden verwendet. Würde Gras Zeppelin der Frau Schwarz nur tausend Mark gegeben haben, heute würde das den Neidern der Beweis sein, Graf Zeppelin habe wichtige Teile seines Systems von dem Oesterreicher Schwarz übernommen („wie ernste Männer behaupten"). Unser Schild aber ist blank, wir brauchen auch die Angriffe eines Harden nicht zu scheuen...
nutzen, und so hat stch in Amerika eine Situation herausgebildet, die stark an die Lage im Balkan erinnert, und die man passend das siecht des Schwachem" nennen könnte. Woher nahm Serbien den Mut, Oesterreich- ^ingarn zu trotzen? Weshalb darf Montenegro
wagen, der Türkei die Stirn zu bieten und eine Sprache zu führen, wie sie sich keine Groß- macht herausnehmen würde? Weil sie wissen, daß der Heuschober, den sie anzuzünden dro
hen, leicht ganz Europa in Brand setzen könnte. Es ist genau die gleiche Taktik, die Castro gegenüber den europäischen Mächten einschlug, und die er sicherlich auch wieder befolgen wird, falls es ihm gelingt, seine alte Macht wiederzugewinnen. Eine neue Präsidentschaft Castros bedeutet daher eine stän - dige Gefahr für die guten Beziehungen zwischen Europa und den als Protektor hinter
Venezuela stehenden Vereinigten Staaten, und die Regierung in Washington hat deshalb allen Anlaß, den Vorgängen in Venezuela größte Aufmerksamkeit zu widmen.
Die Monroe-Doktrin legt den Vereinigten Staaten nämlich nicht nur die Pflicht aus, dafür zu sorgen, daß sich kein europäischer Staat Uebergriffe gegen Amerika erlaubt, sondern sie verpflichtet die Union auch zur Sicherung der
„guten Kinderstube" in der Politik des mittel- und südamerikanischen Staatengewirrs. Nur dann können die Amerikaner verlangen, daß sich Europa nicht in amerikanische Angelegenheiten mischt. • Am besten wäre es daher gewesen, man hätte Castro gar nicht erst wieder ins Land gelassen. Jetzt, nachdem das Unglück einmal geschehen ist, wird man wenigstens erwarten dürfen, daß man in Washington dem ehemaligen Maultierfuhrmann scharf aus di« Finger sieht. Daß Castro irgend einen Gewaltstreich plant, darüber ist man im Weißen Haus in Washington sicher längst im Klaren; das kürzliche „mexikanische Abenteuer" hat aber auch die Union zur Vorsicht gemahnt, und man ist deshalb nicht sonderlich begeistert von einer etwaigen Aktion gegen Cipriano Castro, der es bisher immer noch verstanden hat, sich im Bau zu verkriechen, wenn Feinde auf seiner Fährte waren. Und deshalb ist's nicht ausgeschlossen, daß uns vielleicht die nächsten Tage schon die überraschende Kunde vom andern Teil des Erdrunds bringen werden: Cipriano Castro, der „Bonaparte der neuen Welt", herrscht wieder im Land, und der tolle Scherz der Weltgeschichte ist zur üblen Burleske geworden. . **
Russische Idylle.
Momentbilder aus dem Zarenland.
(Von unserm Korrespondenten.)
£ Petersburg, 9. Juli.
Sobald das nasse Frühjahr durch den Sommer verdrängt wird und es der Sonne gelungen ist, die vielen Holzbauten und Strohdächer der Hütten einigermaßen auszutrocknen, dann beginnt es an allen Ecken und Enden Ruhla n d s zu b r e n n e n. So sind in der vorletzten Woche nicht weniger als 389 Bauernwirtschaften mit allem beweglichen Eigentum, allem Vieh und Getreidevorräten niedergebrannt. Ihnen folgten 507 auf Stadtgrund liegende kleine Höfe, eine Mühle, eine Glasfabrik, eine Bierbrauerei und ein Dampfboot. Neunundfünfzig Menschen fanden dabei ihren Tod in den Flammen. In der letzten Woche wurden sogar 1118 Bauenhöfe, eine Mühle, ein Speicher, acht Warenniederlagen, eine Plüschfabrik und eine Kirche ein Raub der Flammen. Fünf Menschen verbrannten in dieser Zeit. So wurden im Verlaufe von kaum 14 Tagen 9000 Bauern und 2500 Städter obdachlos, ganz abgesehen von den Verlusten, die das Feuer der Handelswelt zufügte. Trotz dieser sprechenden Zahlen, die keinen Anspruch auf Genauigkeit machen und
in Wirklichkeit weit höher liegen, kümmert sich die Reichsduma nicht im geringsten um die wichtige Frage der Verhütung der Dorfbrände. Vielleicht rührt diese Sorglosigkeit daher, daß die Duma selbst noch kein rechtes Obdach gefunden hat, denn auf Anordnung des Verwaltungskomitees des Parlaments ist eine Untersuchung vorgenommen worden, die die vollständige B a u - fälligkeit des Taurischen Palais .erwiesen hat. Dem endgültigen Verfall des Gebäudes könnte nur dadurch vorgebeugt werden. daß sämtliche Holzbalken durch solche aus Eisen ersetzt würden, was jedoch eine Summe von einer halben Million verschlingen würde. Es wurde daher beschlossen, nur in denjenigen Räumlichkeiten eine Reparatur vorzunehmen, die ihrer ganz besonders bedürftig sind, was ungefähr 10 000 Rubel kosten dürfte. Hebet den Zustand des Dumagebäudes wird dem Dumavräsidenten Bericht erstattet werden, der der Plenarversammlung dann die Frage zur Entscheidung vorlegen wird, ob der
Bau eines neuen Tumagebäudes in Angriff zu nehmen fei. Im Anschluß hieran dürfte es am Platze sein, daran zu erinnern, daß erst im vorigen Jahre eine Reparatur des Taurischen Palais stattgefunden hat, die bet» nahe eine halbe Million gekostet hat! Noch einige andere Stücklein der russischen Bureau- kratie seien hier erzählt: Dieser Tage lief der Dampfer der Freiwiligen Flotte, „Prosper" auf der Fahrt nach Nikolajewsk auf Sand auf. Ma» erinnerte sich nun an Bord des Schiffes, daß sich unweit am Ufer ein Telegraphenhäuschen befinden müsse und beschloß, von dort aus nach Nikolajewsk zu telegraphieren. Als man jedoch das Häuschen betrat, fand man dort den einzigen Telegraphisten halh bewußt- los, vom Hunger entkräftet, daliegen. Es stellte sich heraus, daß die Existenz dieses Tclegraphenbeamten von seiner Obrigkeit einfach .. . vergessen worden war: Man hatte ihm fchon
mehrere Tage keinen Proviant gefchickt. Als der Telegraphist den Dampfer „Prosper" erblickte, wollte er ihm signalisieren, doch reichten feine Strafte nicht dazu aus. Charakteristifch ist auch die Gefchichte vom verbrannten Eisenbahn zug : Bekanntlich hat die Se- natsrevision des Grasen Medem festaestellt.