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Casseler Neueste Nachrichten

Dienstag, 11. Juli 1911.

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dem Grafen Zeppelin zu verkaufen, der dem Aufsichtsrat vorsaß. Am elften Ok­tober 1902 ist die Liquidation beendet und die Firma erloschen. Frau Schwarz hat neuntau­send Mark erhalten; die ins Statut der Aktien­gesellschaft aufgenommene Verpflichtung, den Erben David Schwarz außerdem noch sechs­tausend Mark und von jedem der dreißig ersten verkauften Luftschiffe zehntausend Mark zu be­zahlen, ist nicht erfüllt worden. Die Entschlei­erung dieses Tatbestandes ergänzt dieAufklä- rung" des Grafen Zeppelin. Er hat sie auf das Jahr 1894 beschränkt ut>b die Meinung zurück­gewiesen, »daß er von Schwarz Anregungen für den Bau seiner Luftschiffe bekommen ha­ben könnte". Seine Energieleistung soll nicht geschmälert, noch die Selbständigkeit seiner er­sten Pläne bestritten werden. Erweislich und erwiesen ist aber, daß er erst lange nach Schwarz das Aluminium als Baumaterial gewählt und SchwärzensErfindungen und Erfahrungen" durch Vertrag und um den Preis der Verpflichtung, die Erben des genialen Agramcrs enffchädigen zu lassen, seiner Gesell­schaft gesichert hat. Wie. lieber Leser, denkst I du nun über die Historiogravhie des Herrn Colsman, der doch, als Schwiegersohn Bergs, die im Jahre 1898 abgeschlossenen Verträge l kennen müßte und sich trotzdem hier mit der im- > merbin ffüchtigen Angabe begnügte, die Ein- I zelteile beider Lufffchiffe seien in der Fabrik von Karl Berg hergestellt worden? Mir batte er vorgeworfen, ich sucheder Oeffentlichkett Sand in die Augen zu streuen" . . .

nem als Maschinenschlosser ausgebildeten Un­teroffizier bemannt hätte?

Graf Setbiitanb Zeppelin

batte auf dem Tempelhofer Selbe den Aufstieg gesehen. Sein Patent vom 31. August 1895 spricht weder von Aluminium noch von einer Verbindung der beiden Gondeln (die, ge­nau vier Monate danach, einem Amerikaner patentiert wurde)' Er hat erst nach Schwärzens Tod ein Lufffchiff gebaut; vorher nur Pläne entworfen. Er hat dann das Alumlnmm, wie Schwarz, von Karl Berg aus Lüdenscheid, die Propeller, wie Schwarz von Georg Kiefer aus Feuerbach bezogen (ein Mo- dell des für Schwärzens Luftschiff gelieferten Propellers ist im Münchener Deuffchen Museum zu sehen. Graf Zeppelin und Kommerzien­rat Berg haben Frau Schwarz nach Stuttgart gerufen und mit ihr verhandelt. Am 10. Fe­bruar 1898 wurden zwei Verträge geschlossen. Der erste Vertrag betraf eine Vereinbarung zwischen den Erben David Schwarz's und dem Kommerzienrat Berg in Lüdenscheid und bezog ich auf die Verwertung der Schwarz'schen Konstruktionsidee durch Berg. Der zweite Vertrag wurde zwischen den Erben Schwarz einerseits und dem Grafen Zeppelin und Kommerzienrat Kuhn anderseits geschlos- en, und enthielt nach Hardens wörtlicher Mit­

teilung folgende

BertragL-JestrmmuKgen:

!rm Baugewerbe ist gestern beschlossen worden, da die Unternehmer sich weigerten, den Reunstunden-Tag zu bewilligen. In einer von --- -- ten Versammlung der Arbei­

ter aller Baugewerbe wiederholten die Red­ner unter einmütigem Beifall der Versammel­ten den Inhalt der gestern überall in Paris angehefteten Anschlagzettel:Für die Füchse, für die Gelben, für die Arbeitgeber, für die Verräter keine Gnade. Wir schwören, sie mitleidslos niederzusäbeln Der erste und zweite Sekretär des Baugewer­bes smd gestern verhaftet und ins Gefäng­nis emgefiefert worden. Sie sind beschuldigt Soldaten in der Ausübung ihrer Pflicht ge­hindert zu haben.

der Apparat Wittensteins, der in die Ilmenau siel, hat dadurch einen wesentlichen Schaden nicht genommen. Trotzdem aber wird man die Gesamtschäden, die durch die Apparate verur­sacht worden sind, auf 100 000 bis 150 000 Mark berechnen müssen. Es ergibt sich also daraus eine Gesamtausgabe bon "einer runden Million Mark. Man wird aber sagen dürfen, daß diese Million vorzüglich angewandt wor­den ist, denn zum ersten Mal hat die deutsche Flugtechnik gezeigt, daß sie große Aufgaben er­füllen kann, und daß sie der Flugtechnik der anderen Länder völlig gewachsen ist. Die Flie­ger haben die Belohnung von 500 000 Mark, die ihnen zugefallen ist, redlich verdient, da sie der Flugkunst zu diesem imposanten Erfolge verhalfen. =Or=

Kleines Feuilleton.

~ Feuer im Varietee. Wie uns aus H a m- bürg depeschiert wird, ist das bärtige Ham­man i a - V a r i e t e e, eines ber größten Etablissements seiner Art in Hamburg, am Sonnabend abend völlig eingeäschert worden. Auf irgend eine bis jetzt noch nicht geklärte Ursache brach in dem Theater ein Brand aus, der sich bei dem reichen Kulissen­material außerordentlich schnell verbreiten kannte und das aanze Varietee in wenigen

zinslichen Jahresraten fünfzehntausend Mark und weiterhin, im Fall des gewerbsmäßigen Baues ^von Luftfahrzeugen durch die Akttenge- I Reunstunden-Tag ; sellschaft eine Abgabe von je zehntausend Mark Tausenden besucht, sur die ersten dreißig zum Verkauf ~ ~ gelangenden Luftschiffe zu bezahlen". Diese vom Grafen Zeppelin und von den Kommerzienräten Berg und Kuhn übernomme- ?e£jB,ert,fIictltun9en aehen auf die Akttenge- sellschast,als weiterer Gründungaufwand" über.Herr Kommerzienrat Berg hat sich, im Zusammenhang mit dieser Vereinbarung, bereit erklärt, der Gesellschaft zur Förderung der Lustschiffahrt in Stuttgart die ihm hin- sichllich der Erbauung von Lustschiffen gehöri­gen Erfahrungen und Erfindungen, mögen sie talentiert sein oder nicht, ohne besonderen Ent­gelt zur Verfügung zu stellen." Die dem Kom­merzienrat gehörigen Erfindungen und Erfah­rungen waren Schwärzens, der jede gelungene und jede geplante Konstruktion mit Berg besprochen hatte. Am zweiten Juli 1910 lieg Zeppelin zum ersten Male auf; sein Lust- chiff stürzte in den Bodensee und wurde, arg beschädigt, von Dampfern in die Bergehalle zurückgeschleppt. Zwei Unfälle folgen noch im Oktober. Am fünfzehnten November wird die Auflösung der Gesellschaft beschlos­sen und Herr Ernst Uhland zum Liquidator bestellt. Am neunzehnten Februar 1901 be­schließt die Gesellschaft, das Luftschiff für hun­dertzwanzigtausend Mark

den Erfinder aus Wien nach Berlin zurück. In fröhlicher Stimmung ging, nach dem Empfang der ersehnten Depesche, Schwarz zur Mahlzeit; kam aber nicht bis an dieses nahe Ziel. Ein Herzschlag hat ihn auf ber 'Straße getötet. Die Freube, selbst den ersten Aufstieg seines Schiffes zu leiten, wirb dem genialen Mann versagt. Seine Witwe, Frau Melanie Schwarz, bie mit brei unver­sorgten Kinbern zurückblieb, hat tapfer für bas Lebenswerk bes Gatten gekämpft. Ihr wurde (aus Befehl des Kaisers) die Vorarbeit und Demonstration im Lufffchifferpark anver­traut. Zwei Freunde Schwärzens gaben das nötige Geld und am dritten November 1897 konnte das Luftschiff auffieigen. Dreihundert Meter hoch stieg es, fuhr gegen den Wind, um das Tempelhofer Feld, sank dann allzu rasch und wurde bei der Landung zerstört. Da Offi­zieren die Führung nicht erlaubt worden war, batte Frau Schwarz sie einem jungen, noch von ihrem Manne angestellten Maschinisten Über­lassen. Der sagte, weil der Treibriemen des Motors von der Welle abgeglitten sei, habe er das Ventil geöffnet und das Gas ausströmen lassen. Die von Schwarz ersonnene n Lan- dungbehelfe wurden nicht angewandt und die Aussage des Schiffsführers, der allein aufge­stiegen war, ließ sich nicht nachprüfen. Diese Demonstration hatte keine Beweiskraft. Was wäre aus anderen Luftschiffen geworden, wenn man sie beim ersten Ausstieg nur mit ei-

Weites vom Zage.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.)

8indpiri«t»er über dm Rundsiug.

(Von unserm Korresvondenten.)

Der Rundflug-Teilnehmer Lindpaint- n e r, der bereits am Sonnabend in Berlin weilte (da er die Teilnahme an den letzten Strecken des Deutschen Rundfluges aufgegeben hat) machte unserm Berliner s>-Mit- arbeiter folgende Mitteilungen' über den Deutfchen Rundflug: Nach den Meldungen ber Zeitungen habe es so ausgesehen, als habe er Casselfluchtartig" verlassen, um vom Fluge nichts mehr zu sehen und zu hören. Diese Angaben entsprächen aber nicht ber Wahrheit. Er habe sich bei seinem Unfall den linken Arm verstaucht und bei ber Lan­dung in einem Roggenfelde seinen Farman- Doppeldecker so beschädigt, daß die Reparatur wenigstens zwei Tage gedauert hätte. Die Re­serveapparate waren nicht so schnell herbeizu­schaffen, und da ein Wechsel des Apparats erst in der nächsten Etappenstation möglich war, so war ihm der erste und zweite Platz verloren, und Dritter zu werden, daran - lag ihm nichts. Er sei außerdem durch die letzten Etappen, an denen er teilnahm. doch recht an­gestrengt gewesen; dreitägige Ruhe habe ihn aber wieder vollkommen gestärkt. Die letzten Etappen, selbst der Harzflug, seien, bei dem schönen Wetter in den letzten Tagen, Kinderspiel gewesen gegen die frühem, besonders gegen den Flug über die Lünebur­ger Heide. Er habe während dieser Strecken unter dem böigen Wind, unter Nebel und Re­gen, viel zu leiden gehabt, und er hätte mit dem verletzten Arm bei weiterem Fluge sicher große Schwierigkeiten gehabt. Uebriaens sei

£2 Das Geständnis eines Mörders. In yrattffurf a. M. wurde ein siebzehnjähri­ger Chauffeur verhaftet, weil er verdäch­tig war, den Mord an der Frau Walter in Niedermörlen begangen zu haben. Er I 'tan d das Verbrechen ein. Sein Komplize, ebenfalls ein Chauffeur, ist entflohen.

m tw NächtlicherBesuch" beim Juwelier. Am Sonnabend abend drangen Diebe von einer leerstehenden Wohnung aus durch die Decke m ent Uhren- und Juweliergeschäft am Montzplatz in Berlin ein und erbeuteten Uhren und Goldwaren im Werte von mehreren tau­send Mark. Von den Dieben fehlt jede Spur.

Cin Ende mit Schrecken. In einer Lau­benkolonie bei Berlin wurde am Sonnabend morgen ein Mann angetroffen, der lichterloh brannte. Er hatte sich vorn Kopf bis zu den Fußen mit Petroleum begossen und ange­steckt. Es handelte sich um einen Nervenkran­ken, der aus der Charit« entlassen worden war. Weil er das Leiden für unheilbar hielt, hatte er beschlossen, seinem Leben ein Ende zu ma­chen. Er starb bald daraus im Krankenhaus

Der Typhus in Schneidemühl. Die Typhuseprdemie in Schneidemühl scheint ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Die Seuche Hal bis letzt elf Opfer gefordert, die Gesamt­zahl der bisher Erkrankten beträgt zweihun­dertvierundfünfzig. Die Zahl der tödlich ver- lausenden Erkrankungen ist zurückgegangen: festem starben em dreijähriges Kind und ein siebzehniahnger Lehrling.

Stunden gänzlich zerstörte. Menschen sind bei dem Brandunglück nicht zu Schaden gekommen.

Johann Orth's Hinterlassenschaft. Aus Wien wird uns depeschiert: Am Sonnabend wnd in dem bei Wien gelegenen Schloß Gmund die Inventaraufnahme des Be­sitzes des ehemaligen Erzherzogs Johann Salvator, alias Johann Orth, statt. Das Schloß umfaßt sechzig Zimmer, an deren Aus­stattung man überall das hohe Kunstempsin- den des frühem Erzherzogs wahmehmen kann. Zahlreiche Bilder der Ludmilla Stubel, der Geliebten Johann Otth's, schmücken die Wände, auch das Klavier fft noch vorhanden, an dem der verschollene Erzherzog zahlreiche Kompositionen verfaßt hat.

-Q- DieKultur der Beredsamkeit. Vom akademischen Senat der Wiener Univer­sität geht auf Anregung des Rektors Mag- nificus Hofrates Professors Dr. Bernatzik eine groß angelegteAktion zur Hebung der Kunst der öffentlichen Rede in Oesterreich aus. Bernatzik hat dem Senat ein eingehendes Memorandum über das Darniederliegen der öffentlichen Be­redsamkeit in Oesterreich überreicht, in dem er einen Antrag auf Errichtung einer Lehrkan­zel für Rhetorik vorderhand an der Wiener Universität begründet. Er schlägt vor, zunächst an der Wiener Universität die Schaf­fung von Seminarie.n für Rede und Sprech­kunst ins Auge zu fassen, womit gleichzeitig oder später die Errichtung einer besonderen Lehrkanzel zu verbinden wäre. Diese Lehr­kanzel wäre jener Fakultät anzugliedern, der die in Aussicht genommene Lehrkraft angehört: eventuell wäre sie der philosophischen Fakuftät zu inkorporieren. Ferner soll an den Minister- brajtbenten em Gesuch gerichtet werden, auch bte Beamten auf die Bedeutung der Redekunst aufmerksam zu machen.

der Flug über den Harz keine so be­sonders hervorstechende Leistung, denn während der frühem Etappen hätte man gleich hohe Gebirge während der ungünstigsten Witterungsverhältnisse zu überfliegen gehabt.

Nach seiner Meinung über den jetzigen Stand der deutschen Flugtechnik be­fragt, erklärte Lindpaintner: Zweifellos seien die Franzosen uns auf dem Gebiete des Flug­wesens, besonders in konstruktiver Hinsicht, noch weit überlegen. Ein Flugzeug (wie fein Far- man-Doppeldecker) ohne vorderes Höhensteuer hätten wir in Deutschland nicht. Diese Tat­sache sei auch vom französischen Kriegsmini- fterium dadurch anerkannt worden, daß es gleich nach Fertigstellung des ersten Probe- apparates fünfundzwanzig gleiche Fahrzeuge sur die Heeresverwaltung bestellt habe. Der erste Apparat dieses Tvps sei der an ihn, Lindpaintner. gelieferte Apparat, darum habe man von Leistungen der französischen Zivil­flieger mit diesem Apparat noch wenig gehört. Uebrigens seien die französischen Offizierflieger «wie er während seiner letzten Aufenthalte in Frankreich hinreichend zu sehen Gelegenheit batte» noch erheblich besser, als die, wenn auch berühmten, Zivilflieger. Und die großen Appa­ratebestellung bei Farman beweise, wie ganz anders die französische Heeresverwaltung die Einführung des Flugwesens im Heere auffasse, als die deutsche. Von den deutschen Appa­raten fei der beste Zweidecker der Aviatik- Zweidecker. der beste Eindecker die Taube" von Etrich-Rurnpler. Es sei nicht ausgeschlossen, daß er auch einmal ein deut­sches Flugzeug fliegen werde. Er beabsichtige aber nicht, künftig weiter an großen Wettbe­werben teilzunehmen, sondern nur gelegentlich noch einmal einekleine Sache" zu fliegen. Im übrigen aber werde er den Flug nur noch als svort und zu seinem Vergnügen be­treiben. _or.

. Dazu bemerkt Harden: Der zweite Vertrag zeigt die (vom ftuttgarter Rechtsanwalt Dr. Steiner beglaubigte) Unterschrift des Grafen Ferdinand Zeppelin. Er war Mitgründer derGesellschaft für Lustschif- nhrt", die ein Aktienkapital von achthunbert- tansend Mark hatte und in bereit Statut (§ 25) die Verpflichtung erwähnt war,den Erben des Ingenieurs David Schwarz in drei unver-

Rmdslug Miszellen.

Eine Million Mark Gesamtkosten! (Von unferm Korrespondenten.) s> Berlin, 10. Juli.

Der Deutsche Rundflug hat nicht nur in physischer und technischer, sondern auch tn finanzieller Beziehung enorme An­forderungen an dieLeistungsfähigkeit der Betei­ligten gestellt, denn wenn man die Preise, die von dem interessierten Verlag, vom Kriegs- Ministerium und von den einzelnen Städten und Körperschaften in einer Gesamthöhe von mnd 500 000 Mark gestiftet wurden, zu den Unkosten des Rundsluges hinzurechnet, bann erhält man bie runbe Summe von einer Million Mark, bie zum Besten ber deut­schen Flugkunst ausgewenbet worden sind. Die Berliner Organisation des Fluges, die schwe­rer und umfassender war, als man anzuneh- men geneigt ist, kostete bie runbe Summe von 100 000 Mark. In diese Summe sind bie Kosten für Menschen imb Automobile, für Korrespon- benten und Telegramme, sowie für den ganzen Nachrichtendienst miteinberechnet. Die Organi­sation der einzelnen Städte, die für ihre Flüge allein sorgen mußten, kostete für jede Stadt nicht so viel, wie für Berlin. Trotzdem aber batten die 17 Städte, in denen Landungen ober Schauflüge vorgesehen waren, Unkosten in Höhe von 250 000 Mark. Dabei sind bie Preise, bie bie einzelnen Städte gestiftet ha­ben. nicht mit eingerechnet. Die Unkosten ber Flieger, bie ja eigentlich nur Preise bekom­men sollten, waren auch recht beträchtlich. Die Renngelber, bie beim ersten Rennungstermin 500 Mark und beim zweiten Nennungstermin 750 Mark betrugen, kosteten insgesamt runb 15 000 Mark. Darin sind bie Nenngelber ber- jenigen Flieger einberechnet, bie nur für ein­zelne Etappen gemelbct hatten, unb bie für diese Meldungen 200 Mark bezahlen mußten.

Die Unkosten, die die F a b r i f c n mit ber Bereitstellung ber nottoenbigen Flugapparate hatten, können nicht als eigentliche Unkosten bes Runbflugs angesehen werden, da bie Flug­apparate ja noch vorhanben sinb unb ihren Wert behalten. Man kann nur bie mannig­fachen Schöben berechnen, bte während des Rundsluges den einzelnen Fliegern (wie zum Beispiel Lindpaintner und Thelen, Wiencziers, Büchner und Wittenstein) zustießen. Im all­gemeinen waren es keine schweren Schädigun­gen ber Apparate, die habet erfolgten. Auch

m $ Unglüd dreier Offiziere. In der Nahe von Pasing bei München fuhr am Sonnabend nachmittag das mit drei Offizieren vom neunten bayerischen Feldartillerieregiment ""s Landsberg am ge$ besetzte Privatauto- mobtt des Leutnants Gullmann von diesem Regiment bei einer scharfen Kurve gegen eine Telegraphenstange, die umgerissen wurde. Das Automobil stürzte sich überschlagend in den 'Straßengraben und wurde zertrümmert. Leitt- ! nant König wurde getötet, die Mitfahrenden, Leutnant Gullmann unb Leutnant ber Reserve Lemke, sowie ber Chauffeur wurden schwer verletzt unb rnS Rote Kreuzspftal nach München gebracht.

Dächer seiner Ehre. Gestern früh entdeckte der heimkehrende Münchener Musiker Utz, daß ferne Ehefrau sich im Zimmer seines Chambregarnisten befinde und mit diesem ehe­brecherischen Umgang pflege. Als bie Frau ans bem Zimmer herauskam, schlug ber Mann auf sie em unb geriet bann mit bem Chambre-

Stich ln den Kopf, fodatz er alsbald verstarb. m2L£t?tet wurde verhaftet und beruft sich auf Notwehr. 1 w '

m; ??^ie "eiche im Wald. Im Walde von Piesbach tm Streife Saarlouis wurde am ©onnabenb die Leiche eines elfjährigen Mädchens mit etner Schußwunde an der rech-

Zwischen den Erben des David Schwarz aus Agram und den Herren Exzellenz @ra : von Zeppelin, Generalleutnant a. D., und Kommerzienrat Kuhn wird hierdurch unter ber Voraussetzung, baß a) ber zwischen Herrn Karl Berg und ben Schwarz'schen Erben projektterie Vertrag rechtsgiltig zu- stanbe kommt unb b) Herr Berg innerhalb her Frist von vier Wochen vom Tag bes rechtskräftigen Abschlusses bes vorgenannten Vertrages an sich an bem Unternehmen ber Gesellschaft zur Förberung ber Luftschiffahrt" burch Zeichnung von Aktien beteiligt, folgenbe Vereinbarung ge­troffen: Die Herren Graf Zeppelin unb Kom­merzienrat Kuhn verpflichten sich (jeboch unter Vorbehalt des künftigen Ersatzanspru­ches an bieGesellschaft zur Förberung ber Luftschisfahrt"), an bie schwärzlichen Erben zu Hänben ber Frau Schwarz bie Summe von neuittaufenb Mark in brei un­verzinslichen Jahresraten ä breiiaufenb (unb zwar Herr Graf Zeppelin haftenb für sechstaufenb, Herr Kommerzienrat Kuhn für breitaufenb) Mark zu zahlen unb fernerhin nach Kräften bahin zu wirken, baß bieGesellschaft zur Förberung ber Luftschiffahrt" alsbald nach bereu rechtsgiltiger Konstituierung bie Verpflichtung übernimmt, ben schwarzischen Erben bie weitere Summe von breitaufenb Mark in brei gleichen unverzinslichen Raten zu bezahlen, unter ber Voraussetzung, baß Frau Schwarz bez. bie schwarzischen Erben ber genannten Gesellschaft bei Verwertung ber ihnen außerhalb bes Deutschen Reiches bezüglich ber Erbauung von Luftschiffen unb ber auf biefetn Gebiete gemachten, ihnen ge­hörigen Patentierten unb nicht pa­tentierten Ersinbungen zuftehenben Rechts das Vorkaufsrecht mit einmonatiger Frist für dessen Ausübung einräumen.

Sie Politik des Zages.

Der Kanzler daheim. Ein Tele­gramm unsers Korrespondenten meldet uns aus Berlin: Herr von Beth- mann Hollweg, der jetzt zum Ferienaufenthalt in Hohenfinow eingetroffen ist, wird (wie an unterrichteter Stelle verlautet) in den ersten Tagen des August unb vor ber Rückkehr bes Kaisers von ber Norblanbreise mit einigen maßgebenben Parlamentariern in der Sommerfrische kurze Unterredungen pflegen, um sich über bie Haltung ber Parteien ben schwebenben Fragen gegenüber zu einem Vortrag beim Kaiser genauer zu orientieren.

Bauarbeiter-Krieg in Paris. Aus Pa­ris wirb uns bepeschiert: Der Au s st a n b

Nr. 183. 1. Jahrgang.______________

Berichtigungsschreiben, dessen Inhalt wir im Eingang der Artikels wiedergeben. Im neu­esten Heft feinetZukunft" äußert sich nun Garden zu biefen Berichtigungen wie folgt: Den Wunsch Seiner Exzellenz habe ich um so lieber Erfüllt, als er ja zeigt, baß bie von mit er­wähnte Meinung wirklichverbtettef ist. Daß sie entstehen mußte, wird Sehet begreifen, bet Silber des ersten Aluminiumluftschiffes, bes fhegenben und des aus ber Höhe aeftürv ten, denen bet Z^Schisse vergleicht: Die äußere Aehnlrchkeit ist unbeftreit« bar. David Schwarz war Holzhänbler ge­wesen, hatte, in Gemeinschaft mit Wilhelm SSerhahn, Faßdauben fabriziert unb, als ein technisch ungemein begabter Mann, die Pläne zu Sägewerken und aitderen Bettiebseinrich- tungen selbst entworfen. Aus dieser Tätigkeit riß ihn die Hoffnung, ein

lenkbares Luftschiff au8 starrem Stoff bauen zu können. Nur dieser Hoffnung hat er seitdem gelebt. Er studierte alle ihm zu­gänglichen Aluminiumfabriken, verpflichtete sich einer als Arbeiter, machte heimlich Haltbar­keitproben unb legte im Jahre 1890 seine Er- flnbung bem österreichischen Kriegsminister zur Prüfung vor. Der fanb bie Pläne brauchbar, riet aber, ba bie Regierung für solche Zwecke kein Gelb habe, Privatmittel für ben Bau auf­zubringen. Schwarz ging nach Petersburg, gewann mit seinen Plänen ben Beifall ber Militärverwaltung, in bereit Dienst er, als Ingenieur, trat, und baute, mit bem von Karl Berg gelieferten Aluminium, fein erstes Luft­schiff, das 1892 ferig war, doch nicht mii Gas gefüllt werden konnte, weil bie russischen Offi­ziere, nach alter Gewöhnung, für ihre Tasche gesorgt unb alles ihnen Ueberlassene aus bil­ligstem Zeug hergestellt hatten. In Berlin war bem Oesterreicher bas Glück holbcr als bem schwäbischen Grasen: Die zur Prüfung berufene Kommission fanb Schwärzens Plan, aus A l u m i n i u m ein achtzig Meter langes, zwölf Meter breites Luftschiff zu bauen, aus­führbar unb bie Militärbehörbe wollte sich ver- pflchten, für das erste Luftschiffnach Einhal­tung ber versprochenen Leistung", ben Herren Schwarz unb Berg breihunberttaufenb Mark zu zahlen. Die Konstruktion würbe im Jahre 1896 bcenbet. Am breizehnten Januar 1897 rief die telegraphische Meldung, das Gas zur Füllung sei bereit.

Kurze Notizen. Gerhard Haupl- manns KomödieRatten" wird durch Bionstock unb Henri Guilbeaur ins Fran- zoiilche übersetzt. Im kommenden Winter ,oll es auf einer Pariser Bühne zur Aufführung gelangen. In der nächsten sai;on wirb im Berliner Kleinen The­ater wieder ein abendfüllendes Stück von Ludwig Thoma in Szene gehen. Der Titel der Komödie steht noch nicht fest. Direttor Barnowsky hat ferner außer dem neuesten ShawFannys erstes Stück" ein Lustspiel von Alfred CapusSchwache Stun- hen" iur Aufführung angenommen.