Nummer 17S.
1. Jahrgang.
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Li« Kasseler Sleutfl« «achrichte»" erschein«, wichenwch sechsmal und zwar «b eud t. Der ALonnementkvreii beträgt moniMch50Pfg. bet freier Zu- ftellung tat Hau«. Druckerei, Verlag u. Redaktion: Schlachthofuraße 28/30. Berliner Vertretung: sw, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.
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Fernsprecher 951 und 952.
Donnerstag, den 6. Juli 1911.
Fernsprecher 951 und 952.
Und nm...?
Statt „Panther": „Berlin" vor Agadirs Offiziös wird bekannt: Das Kanonenboot „Panther", das bekanntlich auf der Heimreise von Südwestafrika Teneriffa angelaufen hatte und von dort nach Agadir erttsandt wurde, wird nunmehr durch den Kreuzer „Berlin" abgelöst werden, da seine Rückkehr zu gründlicher Reparatur im Dock nicht länger aufschiebbar erscheint.
Die Kunde gibt zu denken: Daß der .Panther" reparaturbedürftig ist, braucht nicht bestritten zu werden; daß er aber s o dringlich der Reparatur bedarf, um kurz nach dem Einlauf in den Hafen von Agadir gleich durch den viel größer» und kriegstüchtigern Kreuzer .Berlin" abgelöst zu werden, will nicht recht einleuchten. Man schickt in Zonen, in denen deutsche Macht deutsche Interessen schützen soll, doch sonst nicht invalide Kähne^sondern Schiffe, deren Seetüchtigkeit allen Eventualitäten, die stch aus der Durchführung der Mission etwa ergeben können, gewachsen ist. Es ist deshalb auch nicht Schwarzsehrei, wenn ernste Leute in der raschen Ablösung des'kleinen Kanonenboots durch den großen Kreuzer einen Beweis für die Annahme erblicken, daß man in der Berliner Wilhelmstraße der Marokko-Aktion doch eine viel größere politischeBedeutung beimißt,und das Risiko der Aktion beträchtlich höher einschätzt, als es nach den Verlautbarungen aus offiziösen Schreibstuben den Anschein gewinnt. Zwar hören wir (so ganz beiläufig), daß der Kanzellar gedenkt, sich in den nächsten Tagen nach Hohenfinow zu begeben, um dort, im Schatten hoher Pappeln, sich von den ermattenden Strapazen der letzten Monde zw erholen; vernehmen die beruhigende Erklärung, daß des Kaisers Nordlandfahrt lediglich deshalb um ein paar Tage verschoben worden sei, weil es dem Wettergott gefiel, die See im Nebelkleide zu verbergen, und werden gleichzeitig aus Wil- helmintje's Stadt durch die Boffchaft erfreut, daß der vortreffliche alte Herr Armand Falliö- res dort Visite macht und über den herzlichen Empfang der begeisterten Holländer erfreut ist.
Alles: „Oelzweige im Rosenschnabel der Friedenstaube!" Kein Unheil weit und breit, und das .Bißchen Agadir" kann nur als anregendes Intermezzo nach überlanger Siesta gelten. Die heller Blickenden sehen indeflcn den Himmel weniger blau, hören aus der lauten Stimme der Pariser Presie das Grollen verletzter Eitelkeit und deuten das Gewisper im internationalen Blätterwald nicht als Fricdens- kunde. Daß Frankreich nicht .allein steht", haben die Stimmen von der Newa und vom Thcmse- strcmd bereits deutlich erkennbar werden lassen, und wenn auch der Wunsch als Vater des Gedankens noch nicht bestimmte Entschlüsse gezeugt hat, so ist doch das Agadir-Abenteuer (dessen man sich weder in Paris, noch in London oder Petersburg versehen hatte) im alten Conzern des toten King zum mindesten als eine üble Ruhestörung des deutschen Ouitsidcrs empfunden worden,und es müßte seltsam scheinen, wenn aus diesem Empfinden Picht irgend eine T a t emporwachsen würde, die im Augenblick allgemeiner Hochspannung mancherlei Konsequenzen haben könnte. Wir dürfen zu der staatsmännischen Strategie der Berliner Wilhelm- ftraße das Vertrauen haben, daß sie den nun einmal aufgegriffnen Faden nicht wieder aus der Hand lassen wird, bevor das erhoffte Resultat erzielt ist. Es ist Herrn von Kiderlen in der Pariser Boulevard-Presse nachgerühmt worden, er geize nach Bismarck'scken Lorbeeren und seine Agadir-Aktion sei ein Streich aus dem Hinterhalt, ganz nach Bismarck'schem Rezept. Die grollende Anerkennung Kiderlen'scher Staatskunst ist nicht unberechtigt: Sie beweist, daß der Schachzug als Werk einer starken Hand gewertet wird, and das ist (nach überlangem Zaudern) der größte Gewinn der Aktion. Man steht uns wieder einmal aktiv ins Räderge- trieb internationaler Politik eingreisen, und diese Festigung unsres weltpolitschen Renommees ist mit einigen Tagen internationaler Sorge sicher nicht zu teuer erkauft. F. H.
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Kabinettsryt in Paris.
(Privat-Telcgramm.)
Wie uns aus Paris berichtet wird, berief Kabinettschef Caillaux für gestern mittag vor Beginn der Kammersitzung einen Ministerrat ein, um ihn über das Ergebnis des gestern mit Petersburg und London stattgchabten Meinungsaustausches zu informieren. Der KaLmittSrat war indessen nur kurz. Die end
gütige Antwort der englischen Regierung zur deutschen Intervention lag noch nicht vor, weil in London selbst ein Kabinettsrat zur Verhandlung anberaumt war. Infolgedessen wurde auch keinerlei offizielle Note über die Beratung des französischen Ministeriums ausgegeben. Offiziös wird jedoch versichert, daß nach den bisher aus London und Petersburg eingetrofsenen Berichten keinerlei Grund vorliege, an der vollkommenen U Übereinstimmung der englischen und russischen Regierung mit derjenigen der französischen Republik zu zweifeln. Der italienische Botschafter Tittoni hatte gestern nachmittag dem Ministerpräsidenten Caillaux einen Besuch abgestattet.
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KsmbinattoneN...!
(Privat-Telegram m.)
Aus Paris wird uns weiter gemeldet: Der „Matin" will bereits wissen, daß der englische Minister des Aeußern dem sranzöstschen Botschafter gestern die unbedingte Unterstützung Englands zusicherte. England sei der Meinung, daß der Anwesenheit des deutschen Kriegsschiffes vor Agadir keine allzu große Bedeutung beigemessen werden dürfe, solange sie zeitlich begrenzt sei. Das .Journal" betont jedoch seinerseits, daß die englischen Liberalen, die gegenwärtig die Regierung bilden, jedem Konflikt mit Deutschland aus dem Wege geh en und daß andererseits in Marokko ein Widerspruch zwischen den Interessen Frankreichs und denjenigen Spaniens bestehe, sodaß man auch in-Frankreich nicht unbedingt auf die Sympathie der englischen Regierung rechnen dürfe. Frankreich werde am besten tun, wenn es als Unterlage für eine Aussprache mit Deutschland lediglich das deutsch-französische Abkommen vom Februar neunzehnhundertneun nehme.
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Weitere Kriegsschiffe vor Agadir 1 (Privat-Telegram m.)
Nach einer aus Tanger in Paris eingetroffenen Privatmeldung gilt die Entsendung eines französischen und eines englischen Kreuzers nach der atlantischen Küste als bevorstehend. Die Bewegungen der beiden Schiffe sollen sich bis Agadir erstrecken. Die Schiffe sollen mit dem deutschen Schiff den üblichen Salut austauschen. Ueberhaupt wollen Frankreich und England alles vermeiden, was dieser beiderseitigen Entsendung von Kriegsschiffen einen anderen Charakter geben könnte, als den eines Deutschland analogen Vorgehens. Bei ihrer bevorstehenden Entschließung lassen sich Frankreich und England (so behauptet man in Tangerer diplomatischen Kreisen) hauptsächlich von der Erwägung leiten, die Küstenbevölke- rung müsse rasch darüber aufgeklärt werden, daß Deutschland nicht über Nacht die marokkanische Vormachtzur See geworden sei.
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ffin Prediger in der Wüste.
(Telegraphische Meldung.)
Der ehemalige französische Marineminister L a n e s s a n schreibt int „Siöcle" zur Marokko- Frage: .Diejenigen Blätter, die seit einigen Fahren am lebhaftesten zur Besetzung von Marokko durch Frankreich gedrängt haben, tragen heute das größte Erstaunen und die größte Entrüstung über das Vorgehen Deutschlands, nach Agadir zu ziehen, zur Schau. Sie vergessen. daß wir Franzosen in Casablanca und im Schaujagebiet sitzen wie Leute, die keine Lust haben, fortzugehen. Unsere Diplomaten in ihrer Unwissenheit und ihrem Ehrgeiz schickten sich schon an, auf das Kapitol zu steigen, als Spanien sich Nordmarokkos bemächtigte. Nun, angesichts des Schauspiels, wie Deutschland Hand auf den Süden Marokkos legt, stürzt das ganze Kapitol zusammen. Das französische Volk wird die erforderliche Kaltblütigkeit und den Frieden bewahren. den die Ignoranz und der Ehrgeiz seiner Diplomaten so schwer gefährdet haben ..." In noch viel schärferer und rücksichtslos anklagender Form hat Jean Iaures, der Führer der Sozialisten, sieb in der .Humanits" zur Marokko-Frage geäußert.
Der Kreuzer BsrNu vor Agadir.
(Telegramm unfers Korrespondenten.)
□33 Kiel, 5. Juli.
Der Kreuzer „Berlin", der jetzt nach Agadir geht, hat bereits am vorletzten Junitag den Kieler KriegShafen verlassen. Der Kreuzer befindet sich wahrscheinlich heute schon in allernächster Nähe der marokkanischen Küste. In hiesigen Marinekreisen war man längst der Ansicht, daß, nachdem der Kreuzer „Berlin" Beseh! erhalten hatte, sich bereit zu halten, dieser nach Marokko gehen würde. Offiziös war angegeben worden, der Kreuzer sei „zur Vornahme funkentelegraphischer Uebungen nach der Nordsee abgegangen". Der Kreuzer „Berlin" hat die neuesten Apparate der Funkentelegravbie und
kann den Nachrichtendienst nach Deutschland besser vermitteln als der veraltete „Panther". Der Kreuzer hat auch in kriegstechnischer Beziehung die beste und modernste Ausrüstung.
Fatho und kein Ende!
Neue Protestversammlungen in Köln.
Ein Privattelegramm meldet uns aus Köln: Pastor I a t h o wollte (wie jetzt bekannt wird) vor einigen Tagen an einer Sitzung der Kölner Kreis-Synode teilnehmen. Das Koblenzer Konsistorium und der Ob'erkirchenrat in Berlin erklärten jedoch aus telegraphische Anfrage Jathos Amt für sofort erloschen und untersagten ihm die Teilnahme an der Synodal-Versammlung. Der Vorfall hat unter der Anhängerschaft Jathos große Erregung hervorgerufen. Weiter wird uns berichtet:
8 Köln, 5. Juli.
(Telegramm unseres Korrespondenten.)
Gestern abend fand hier wiederum eine überaus zahlreich besuchte Jatho-Ver- s a m m l u n g statt, in der Professor G e f f k e n unter großem Beifall in einstündiger Rede über das Thema „Was wir wollen" sprach und seiner Freude über die ungemein große Erstarkung der liberalen Bewegung Ausdruck gab. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der sie auf das tiefste die dem Widerspruch des protestantischen Jrrlchreversahrens mit dem Gedanken des Protestantismus zur Last zu legende Amtsentsetzung Jathos als s ch w e r e s Unrecht beklagt, nicht nnr an seiner Person, sondern auch an seiner Gemeinde und der gesamten evangelischen Christenheit. Die Versammlung hält es „für dringender als je geboten, daß in der Vollendung der Reformation des sechzehnten Jahrhunderts an die Seite der katholi^en Kirche der Autorität endlich die evangelische Kirche der Freiheit trete". An der Versammlung nahmen etwa achttausend Personen teil, die nach Schluß der Versammlung begeisterte Hochrufe aufJatho ausbrachten. d
„Dank und Freude eines Abgesetzten".
(P riv at-T e leg ramm.)
Das offizielle Organ des Kölner Vereins für evangelische Freiheit bringt einen Brief Jathos mit obiger Ueberschrift. Es heißt darin: „Ihr lieben Freunde habt mich mit so viel Liebe und Anhänglichkeit überschüttet, so geborgen fühlte ich mich bei Euch, so warm habt Ihr mich gemacht, daß icheinemTräu- meuden gleich unter Euch weilen konnte. Die Tage in Berlin rissen mich heraus aus diesem schönen Garten, gern reicht Ihr mir die Hand und mir wird's warm ums Herz. Es siegt die Freiheit und es siegt die Liebe. Wir danken unfern Gegnern, die uns auseinanderreißen wollten, und wir haben uns nm so fester zusammengeschmiedet. Die Treue ist kein leerer Wahn und die Freiheit hat noch nicht aufgebört auf Erden. Niemand wird mehr jubeln, als wir, und wir wissen und rufen aus: Es wird Frühling werden! Mit starken Waffen gewinnt er sich die Welt, Geist und Wahrheit entsteigen lang verschlossenen Kräften. Ein neues Hoffen drängt stch uns auf, Dank und Freude rufe ich Euch zu . . .!"
Der Protest der Masten.
Massen Versammlungen in Groß-Berlin.
(Eigen eDrahtmeldu ng.)
Wie uns aus Berlin berichtet wird, fan- den dort gestern abend einunddreitzig politische Versammlungen statt, die von der sozialdemokratischen Patteileitung einberusen worden waren. Die Tagesordnung der Protestversammlungen lautete überall: „Wahlrechtskomödie im Landtag." Die Versammlungen hatten einen Massenbesuch aufzuweisen und einige Lokale mußten schon vor der angesetzten Zeit wegen Ueberfüllung geschlossen werden. Die Polizei batte auch diesmal wieder den sozialdemokratischen Ordnern die Regelung und Aufsicht während der Versammlungen überlassen. Es kam nirgends zu Zwischenfällen und die Massen entfernten sich auf die Mahnung der Redner hin ruhig aus den Sälen. In allen Versammlungen wurde eine gleichlautende Resolution angenommen, in der es heißt, daß das Volk von der Verwerfung des allgemeinen gleichen direkten und geheimen Wahlrechts im Landtag mit Entrüstung Kenntnis genommen habe. Als geeignetes Mittel zum Kampf um das allgemeine und gleiche Wahlrecht sei den Wählern der ttchtige Gebrauch des Reichstagswahlrechts in die eigne Hand gegeben.
Berkin, 5. Juli. (Privat-Telegramm.) Der „Vorwätts" meldet aus Stuttgart: Die sozialdemokratische Frattion der jetzt ta- aendeu wütttembeiLffchen Kammer wird nicht
unterlassen, die Regierung sofort über die neue Marokko-Krise zu interpellieren und ferner mit allem Nachdruck die Forderung der sofottigen Einberufung des Deutschen Reichstags anläßlich der jüngsten politischen Vorgänge erheben.
Zer @n6n seiner Vaters.
Segantini junior als Bilderfälscher.
(Von unserm Korrespondenten.)
Die vierte Strafkammer des Berliner Landgerichts I verurteilte gestern den sechsundzwanzigjährigen Maler Marco Sega n tt n i, den Sohn des berühmten Malers Segantini, wegen zahlreicher Bil- derfälschungen zu neun Monaten Gefängnis, unter Anrechnung von vier Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Der AngeNagte war in der Hauptsache geständig. Aus der Verhandlung werden uns folgende Einzelheiten berichtet:
Der Angeklagte ist ein kleiner, schmächtiger, junger Mensch mit einem charakteristisch ttalir- nischen Gesicht, das an das Profil Sommer- storffs lebhaft erinnert. Ein dunkelbrauner Haarschopf fällt in die breite Stirn; um den etwas eingekniffenen Mund sotelt ein liebenswürdiges Lächeln. Auf die Anfrage des Vorsitzenden gibt Segantini an, daß er im März 1885 in Mailand geboren und noch nicht vorbestraft fei Er habe keine Schule besucht, sondern sei bis zu seinem vierzehnten Jahr in seinem väterlichen Hause in der Schweiz unterrichtet worden. Mit vierzehn Jahren ssi er dann nach Mailand an die Akademie gekommen, wo er zwei Monate zeichnete, später nach Wien, wo er etwa 3 Monate die Akademie besuchte. Er hat in Wien nur gemalt und modelliert, aber sein Vater durfte von seinen künstlerischen Neigungen nichts wissen, weil er dagegen war, daß
einer feiner Söhne Künstler würde. Dann ging er wieder nach der Schweiz und nach Italien, dann nach Amettka, wo er Landwirtschaft lernte. iSeit Anfang vorigen Jahres hat Seganttni sich in Berlin aufgehalten. Anfangs war er hier bei Kasse, weil er ein Rennpserd für tausend Matt verkauft hatte. Dann seien ihm aber die Mittel ausgegangen, und er habe ein Bobemienleben geführt, manchmal nichts zu efsen gehabt und habe auch häufig im Tiergar. ten genächtigt, weil er eine Wohnung nicht bezahlen konnte. Die Anklage toirft ihm vor, eine Anzahl Zeichnungen angefertigt zu haben, die er mit der Chiffre seines Va- ters oder G. S. oder mit dem ganzen Ra- men oder auch nur Segantini bezeichnet habe. Er gibt zu, die Fälschungen begangen zu haben, aber er wollte
daraus keine BermSgenSvotteile ziehen, sondern er habe nur prüfen wollen, ob die Kunsthändler Kunstverständnis für echte Bilder hätten. Er hahe häufig gesehen, daß echte Bilder seines Vaters zu lächerlichen Prei- fen verkauft, andere dagegen abgewiesen wurden mit dem Bemerken, sie feien „gefälscht". Es fei ihm gelungen, eine ganze Anzahl dieser Bilder teils bei Gurlitt, bei Goldschmidt in Frankfurt a. M., bei Saenger, Potsdamerstraße und bei Schulte, anzubringen. Er habe überall angegeben, daß dies echte Bilder seines Vaters seien. In dem Falle Saenger ist der Kunsthändler später entschädigt worden, sonst aber hat Mario Segantin keinem daS gezahlte Geld wiedergegeben. Er begründet die Nichtentschä- dignng damit, daß er kurz vor der Auktion von Werken seines Vaters gesianden habe, und das Ansehen dieser Auktion nicht dadurch habe schädigen wollen, daß seine Fälschungen
in die Oefsentlichkeit drangen.
Es kommt im Laufe der Vernehmung des Angeklagten ferner zur Sprache, daß er eigentlich nickt in Not geraten sei, da er von dem Mailänder KunsthändlerRovigi ein monaili-
esGehali bekam, das ihn hätte über Wasser halten können, da er mit Rovigi denselben Vettrag batte wie sein Vater, dahinlautend, daß Rovigi ihm jedes Blatt adnahm. Hierauf wird der Komponist Hugo Rasch vernommen, der mit Mario Segantini sieben ">hre lang befreundet war. Er stellt dem Charakter des Angeklagten ein sehr gutes Zeugnis aus und betont auch, daß dieser ihm lange, bevor die Fälschungen bekannt geworden waren. hiervon Mitteilung gemacht habe. Er habe ihm gesagt, er bezwecke mit dem Verkauf der gefälschten Bilder einen Schlag gegen die Kunsthändler und Kritiker auszufübren und später die Sache
in der Presse z« veröffentlichen.
Der zweite Zeuge, Kunsthändler Säen» g e r, gibt Auskunft über die Art und Weise, auf die er Mario Segantin kennen gelernt habe, und wie dieser Ktttiker ihm die Fälschungen alS echte Bilder keines Vater- borge«