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Laffrler Mrurstr Mschrichtrn

Nr. 175

Erster Jahrgang

U

Hinter der Scheibenlinie.

Eiage schlafenden Personen das geringste Ge­räusch gehört hatten, waren die Einbrecher durch das von ihnen eingedrückte Speisekam­merfenster eingedrungen.

Mit der Asche des Mannes auf Reisen.

Es gibt eine amerikanische Witwe, die ihrem Gatten auch übers Grab hinaus die Treue bewahrt: Wo sie wohnt und wellt, und auch auf Reisen führt sie seine Asche mit sich: um Mißverständnisse bezüglich des vieldeutt- gcn WortesAsche" zu verhüten, wollen wir gleich hinzufügen, daß die Leiche des Marines verbrannt worden ist. Nun ist aber der treuen Witwe ein Abenteuer vassiett, das von einem Berichterstatter derDaily Mail" folgender­maßen erzählt wird: Frau Martha White aus Chicago war für einige Tage zu einer be­freundeten Familie nach Plltsburg gereist und bat dort auf dem Bahnhof ihren Reisekoffer der Gepäck-Aufbewahrungsstelle übergeben. Zur selben Zett hatte ein Mechaniker, namens Robinson, der nach Newyork sahren wollte, itnt dort Arbeit zu suchen, einen ganz ähnlichen Koffer, der sein Handwerkszeug enthielt, zur Aufbewahrung übergeben. Robinson holte dann den Koffer wieder ab, nahm den, der ihm gegeben wurde, und reiste guter Dinge nach Newvork. Als er hier aber zu arbeiten begon­nen hatte, merkte er, daß der Koffer nicht sein Eigentum war und offenbar einer Dame ge­hörte. Zu seiner nicht geringen Ueberraschung fand er unter allerlei weiblichen Kleidungs­stücken eine kleine bronzene Urne, die fest ver­siegelt war und auf einer metallnen Platte die Inschrift trug:'Georg White, gestorben im Jahre 1910." Neben der Urne lag eine Kriegs- gedenkmünze mit dem Namen White. Inzwi­schen hatte der Stationschef von Chicago, wo Frau White wieder eingetroffen war, an alle Stationen der amerikanischen Eisenbahnlinien eine Zirkulardepesche folgenden Inhaltes ge­sandt:Verlören wurde von einer Dame ein Reisekoffer, der eine Urne mit dem Namen White enthält, die Dame ist in großer Aufre­gung." Die Koffer wurden daraufhin mit der größten Schnelligkeit ausgetauscht, und Frau White erklätte den Eisenbahnbeamten, daß sie sich habe nie entschließen können, die Asche ihres Mannes auf einem Friedhöfe beisetzen zu lasten: sie habe vielmehr das Bedürfnis, sie immer bei sich zu haben, und führe sie deshalb auch auf Reisen mit sich herum.

Ein Jahr später hatte Frau Magda Wester- chott ihre Vorbeteitungszrit in dem städtischen .-Lazarett der groben Garnisonstädt beendet.

Am aller Welt.

Rontignoso Memoiren.

(Von unserm Korrespondenten.)

Die Exkronprinzessi» von Sachsen hat (wie schon früher eimnal angekündigt ge­wesen) nunmehr in der Tat ihre eigene Lebensgeschichte geschrieben. Das vollständige Manuskript mit dem Rechte der Veröffentlichung in der ganzen Welt ist (wie aus London telegraphiert wird) von dem Londoner Verleger Eveling Nash er­worben worden, der auch vor einem Jahre die sensationelle Skandalgeschichte der Grä­fin Cardingham herausbrachte.

Das Werk führt den TitelMeine eigene

Onkel Solz" in Nimmersatt.-

Der Kultusminister von Trott zu Solz bereiste in der »origen Woche den Kreis Memel, um Kirchen und Schulen ,u besichti­gen. Wie überall, wurde er auch in Nimmersatt, wo er am Donnerstag eintraf, von der Bevölkerung herzlich empfangen. Als er nach der Besichtigung der neuen Kirche und der Schule den Gasthof von Karnowski aufsuchte, hatten die Schüler sich vor dem Hause ver­sammelt und brachten auf den Minister begei­sterte Hurras aus. Während des Frühstücks traten zwei kleine Mädchen in den Saal und überreichten ihm Blumensträuße, wobei sie fol­genden Vers vortrugen:

Herr Minister, wir grüßen dich, Es regnet heute fürchterlich. Doch fei nicht böse, sage ich dir. Wir können alle nichts dafür. Kommst du zum Kaiser nach Berlin. Dann, Onkel Solz, bestell' an ihn, Daß man int hohen Nimmersatt Auch noch ganz gut zu esten hat.

Der Minister war über diese volkstümliche Begrüßung sehr erfreut und versprach, dies alles dem Kaiser vorzutragen. Auch auf der

werden. Daher dürfen die Sparkasten auch ihre Mittel wieder mit längeren Kündigungs­fristen festlegen, wie dies bei den Hypotheken geschieht. Aus diesem Grunde können aber auch die Sparkasten höhere Zinsen zahlen.

Dr. H. Z.

Geschichte". Die Veröffentlichung soll im September erfolgen. Das Werk wird mit einer Vorrede der Prinzessin eingeleitet. Aus der nunmehr erfolgten Ankündigung ist folgendes hervorzuheben:Man hat mich oft gedrungen, öffentlich die verschiedenen verkehrten Gerüchte, die seit fast zehn Jahren über mein Leben und meine Handlungen verbreitet worden sind, zu­rückzuweisen. Bis jetzt habe ich gezögert, weil ich es verschmähte, allen denen zu antworten, die mich verleumdeten. Ich wurde je­doch darauf aufmerksam gemacht, daß jetzt, wo meine beiden Söhne sich dem Alter nähern, in denen ihnen diese verleumderischen Behaup­tungen mitgeteilt werden könnten, es meine Pflicht als Mutter sei, die Tatsachen genau zu veröffentlichen, die zu meiner Flucht von Dresden führten. Das ist das Hauptmotiv für die Veröffentlichung meiner eigenen Dar­stellung der Tatsachen, und ich wünsche gleich­falls, daß zukünftige Geschichtsschreiber der habsburgischen und sächsischen Häuser kein.« Fehler begehen sollten, indem sie meine Le- bensaeschickte übel deuten; ferner wünsche ich der Behauptung entgegenzutreten, ich sei der Autor des WerkesBekenntnisse einer Prin­zessin". Jkh habe das Werk weder geschrieben, noch habe ich direkt oder indirekt irgend welche Beiträge dafür geliefert. Ich verstehe nicht, wie man von irgend einer anständigen Frau sagen kann, daß sie derartige Schilderungen ihrer Liebschaften geschrieben haben könnte..."

Kurischen Nehrung sand der Minister überall eine herzliche Aufnahme bei der kurischen (let­tischen) Bevölkerung. So überreichten in Äid- den zwei in ihre Volkstracht gekleidete junge Mädchen ihm bunte kuttsche Handschuhe und sagten Gedichte in ihrer Volkssprache auf. Hof­fentlich passen demOnkel Solz" die bunten kurischen Handschuhe ebenso gut wie die begei­sterten Hurras und Gedichte der Nimmersatter Schuljugend.

1. Beilage.

Sonnabend, 1. Juli 1911

Lehn Milliarden Spargelder!

Wie Preußen fpatt.

(Von unserem Sk-Mitarbeiter.) Soeben ist die Uebersicht über die preußi­schen Sparkassen veröffentlicht worden. Sie reicht bis zum Jahre 1909 und gibt ein Bild erfreulichen Wachstums der Sparkraft der Bevölkerung. Obwohl sich die Zahl der öffent­lichen und privaten Sparkassen im letzten Jah­re nicht besonders vermehrt hat, und immer noch der größte Teil der preußischen Gemein­den ohne Sparstelle ist, zeigt der Bestand an Spargeldern eine Zunahme um 7 50 Millio­nen Mark und am Schluß des Jahres 1909 einen absoluten Stand von 10,33 Milliarden Mark gegen 9,57 Milliarden am Anfänge des Jahres. Diese Zunahme ist bei weitem die stärkste in den letzten Jahren Überhaupt und steht in engstem Zusammenhang mit der

Besserung der geschäftlichen Verhältnisse, die im Jahre 1909 allenthalben in Deutschland zu spüren gewesen war. In den Jahren 1907 und 1908 hatte die allgemeine - Wirtschaftskrise viele Arbeiter ohne Beschäftigung gelassen und den andern ihren Verdienst geschmälett. In solchen Zeiten wird in erster Linie der Ver­dienst zum Lebensunterhalt verwendet und für Rücklagen bleibt nicht mehr viel übrig. Die Zunahme der Einlagen im letzten Jahre ver­teilt sich auf das ganze Land ziemlich gleichmä­ßig. Auch zeigt sich keine Bevorzugung der öffentlichen oder der privaten Kassen. Im Hin­blick ans die Höhe der Einlagen steht

der Regierungsbezirk Wiesbaden obenan, der also neben den meisten Millionä­ren auch die meisten kleinen Sparer besitzt. Was dagegen die einzelnen Sparkassen anbe­trifft, fo steht der Höhe der Sparbestände nach bei weitem an der Spitze die Städtische Spar­kasse zu Berlin, bei der 339 Millionen Mark eingezahlt waren. Der Berliner Bezirk ist aber noch weiter vertreten. Nämlich die Kreisspar- iaffe Teltow verfügte über 89 Millionen Einla­ge, die städtischen Sparkassen zu Schöneberg und zu Charlottenburg über ungefähr je 50 Millionen Mark Einlagen. Hinter der städtt- scben Sparkasse der Reichshauptstadt kommt die Aachener Prämien- und Sparkasse mit einer Gesamtsumme der eingelegten Gelder von 154 Millionen Mark. Es folgt dann

die Nassauifche Sparkasse

in Wiesbaden mit 119 Millionen Mark und die Städtische Sparkasse in Köln mit 11-3 Millionen Mark, lieber 100 Millionen Mark Einlagen be­sitzen nur noch zwei Sparkassen, und zwar zwei private Anstalten, eine in Frankfurt am Main und eine in Alton a. So wichtig die Einlagen der Sparkassen für die Einleger, uyd durch sie wieder für die Volkswirtschaft sind, fo wichtig sind sie auch auf der andern Seite für den öffentlichen Kredit. Die Spargelder wer­den nämlich nicht nur von den Sparern bei den Kassen eingelegt, sondern von diesen auch wie­der ausgeliehen. In erster Linie erfolgt die Ausleihung an den Grundkredit. Mehr als zwei Drittel des gesamten Bestandes der

Sparkassen in Preußen waren im Jahre 1909 in Hypotheken angelegt, davon etwa 4 Millionen Mark in städtischen und 2 Millionen Mark in ländlichen Hypothe­ken. Es folgen dann der Höhe nach die Anla­gen in Jnhaberpapieren und die Ausleihungen an össentliche Körperschaften. Nur 80 Millio­nen Mark waren in Wechseln angelegt. Die Verteilung der Anlagen muß im Vergleich mit den Bänken als sehr illiquid bezeichnet werden. Doch darf man eben die Sparkassen nicht mit den Banken vergleichen. Die Spargelder sind durchweg nur in kleinen Beträgen sofort abhebbar, der überwiegende Teil der Einlagen kann nur nach längerer Kündigung ausgezahlt

Die zehn Minute« waren um. Unteroffi­zier Mariens vermutete feinen Vorgesetzten längst drüben in Pilz «ins in fixerer Deckung. Der schwarze Ball flog an der Stange empor. Und wenige Minuten später ertönten bei der dritten Kompagnie die Kommandos der Offi­ziere:Laden und sichern!"

Fritz Westerholt lag regungslos in dem weichen Grase, dicht an den Boden geschmiegt. Er hatte den schwarzen Ball hochsteigen sehen und wußte, was nun kommen würde. Aber sein Herzschlag blieb ruhig, und keine zitternde Hand führte jetzt wieder das Glas an die An- gen. Gefaßt blickte er den sich nähernden Stützen entgegen, die kaum noch 700 Meter entfernt waren ... dem Tode, der ihm aus den Gewehrmündungen drohte.

Mit angespannten Nerven wartete er. Das Ende mußte ja kommen, mußte ... Jeden Augenblick konnte der ersehnte Zufall ein- trefsen. Aber diese Sekunden wurden ihm zu Stunden, zu endlosen Zeiträumen. Immer schneller arbeitete sein Herz. Er fühlte die jagenden Schläge bis in den Hals hinauf, daß ihm fast der Atem verging. Und vor seinen Augen tanzten feurige Sonnen, zerstoben in einem roten Sternenregen. Verzerrte Gesichter sah er vor sich, die in nichts verschwammen und aus einer wallenden, rosigen Rebelflut noch häßlicher, noch phantastifcher Wieder auf­tauchten. Sein ganzer Körper bebte in fort­währenden Nervenzuckungen, seine Haut war feucht vor kaltem Schweiß. Und dann war er mit seiner Kraft zu Ende. In ihm schrie's plötzlich bei diesen Höllenqualen ans:Krieche zurück, rette dich! -Tenn dieses hier ist tausend­facher Tod..."

Zu spät! Fritz Westerholts Körper schnellte plötzlich in die Höhe, sank aber haltlos wieder herab, schwer, mit dumpfem Dröhnen auf die Erde niederschlagend. Roch einmal griffen die weit ausgestreckten Hände krallend in den Erd­boden, rissen Büschel beS kurzen Grases im letzten Krampf der Muskeln heraus.

Das war Fritz Westerholts Sterben.

geantwortet hatte ... seine Magda, mit der er in zweijähriger Ehe wie durch ein Wunder­land reinsten, nie getrübten Glückes Hand in Hand gewandert war. Und jetzt ... Was würde sie jetzt vorfinden, wenn sie ihm freudig in die Arme fliegen wollte ... einen siechen, verzweifelten Kranken!

Diese furchtbaren, peinvollen Gedanken hatte Wefterholt in der vergangenen Nacht immer wseder und wieder durch sein müdes, von grüblerischem Sinnen abgehetztes Hirn gejagt. An die Zukunft hatte et gedacht, die wie trostlose Dämmerung ohne jeden Hoff­nungsschimmer vor ihm lag. Und als der Morgen graute, da hatte dieses fieberhafte Denken ihm einen Entschluß eingegeben, bei de«en erstem blitzartigen Auftauchen er sich noch scheu, angstvoll gefragt hatte, ob es denn wirklich keinen anderen Ausweg aus diesem Höllenlabyrinth für ihn gäbe ...

Die Kompagnie war inzwischen auf der Linie der Schießstände für das gefechtsmäßige Scharfschießen angelangt.

Al? der Komvagnieführer jetzt die Gewehre zusammensetzen und die Mannschaften Weg­treten ließ, verabschiedete Westerholt sich kurz, gab seinem Roß die Sporen und jagte in ge­strecktem Galopp auf Pilz 2 zu. Dort ange­langt, sprang er vom Pferde und warf dem ihn erwartenden Unteroffizier die Zügel zu.

Martens," sagte er zu diesem,ich gebe nach Pilz eins hinüber. Rach zehn Minuten hissen Sie den Ball. Und daß mir keiner von den Bedienungsmannschaften die Deckung ver­läßt während des Schießens! Es sind schon häufig genug Unglücksfälle durch Unachtsam feit vorgekommen."

Fritz Westerholt bog schnellen Schrittes links in der Richtung auf Pilz eins ab und verschwand hinter den verkrüppelten Kiefern, die sich, bald dichter, bald weiter auseinander siebend, fast bis zu dem ersten der Erdhügel hinzogen. Hier, wo er nicht beobachtet werden konnte, ging er langsamer, suchte ängstlich hin­ter jedem Baum Deckung und kroch schließlich auf allen Pieren vorwärts, bis er ungefähr zwei Meter hinter der Linie der für die Kom­pagnie als Ziel ausgestellten Kopffallscheiben angelangt war. Dort blieb er liegen, verbor­gen durch einige tief herabhängende Kiefern­äste und dickte Heidekrautbüfckel. - -

Die Hutnadel als Waffe.

In Paris bewundert man gegenwärrig allgemein die Geistesgegenwart und den Mut einer jungen Engländerin, den diese bei einem nächtlichen Ueberfall bewiesen hat. Die junge Dame war bei Bekannten in Passv zu Besuch gewesen und fuhr um Mitternacht allein in einem geschlossenen Wagen nach Hanse. Als der Wagen über die Place de l'Etoile kam, stand dort ein junger Mann auf dem Trottoir, der dem Kuffcker ein Zeichen gab, zu halten. Der Kutscher glaubte, es sei ein Bekannter der Dame im Wagen, hielt an und ließ ihn an den Wagen herantteten. Aber der Fremde war ein Apache, der, sobald er den Wagenschlag ge­öffnet hatte, der Dame mit leiser Stimme be­fahl, ihm ihre Börse zu geben, widrigenfalls es ihr schlecht gehe. Die Dame ließ sich jedoch nicht einschüchtern, und so schnell, daß bet Apache es gar nicht gewahr wurde, hatte sie eine der langen Nadeln aus ihrem Hut gezo­gen und stieß sie ihm nun tief in feinen erho­benen Arm.Da haben Sie ein Andenken an mich!" rief sie, und war im Begriff, zum zwei­ten Male zuzustoßen, aber der Räuber hatte genug und sprang schnell vom Tritt herunter. Run aber war auch der Kutscher aufmerksam geworden, da er die letzten Worte verstanden hatte, er schlug auf sein Pferd los und fuhr eilig weiter.

Der Leiter des Krankenhauses, der die stille, sanfte, junge Witwe, die es so überaus ernst mit ihrer Pflicht nahm, vielleicht mehr, als für einen unverheirateten Chefarzt angängig, be­vorzugte (was sicherlich nicht allein ihren Lefftungen galt), sorgte dann auch - für ihre Anstellung als Operationsschwester. Damit hatte Fran Magda einen Wirkungskreis ge­funden, der ihr Leben vollständig ausfüllte. Und wieder nach einem halben Jahre standen an einem stürmischen Herbsttage zwei Peuschen unter den rauschenden Koniferen im Gatten des fiädttschen Lazaretts, während Windstöße das gelbe Laub wirbelnd über die Wege ttie- ben und an füllen Stellen zu kleinen, rascheln­den Bergen anhäuften.

Ihr Anttag ehtt mich sehr, Herr Profes­sor," sagte soeben Schwester Magda leise. Aber ich kann ihn nicht annehmen, kann nicht ... Ohne Liebe soll kein Weib in die Ehe gehen, falls sie ihren durch die Heirat über­nommenen Pflichten nicht nur äußerlich son­dern auch im Herzen gereckt werden will. Und Liebe, Herr Professor ... die kann ich Ihnen nickt geben. Mein ganzes Denken ist nur der Erinnerung an meinen verstorbenen Gatten gewidmet. In meiner Seele ist für nichts anderes mehr Platz!" Mit herzlichem Lächeln streckte sie ihm jetzt die Hand hin.Bleiben Sie trotzdem mein Freund, wie Sie es bisher waren. Und damit Sie meine Weigerung verstehen, will ich Ihnen zugleich anck als Be­weis meines vollsten Verttauens erzählen, wie mein Gatte starb, warum er starb."

Und sie sprach zuerst von ihrer Ehe, sprach zuletzt von jenem Briese, den Fritz Wesierholt am Morgen seines Todes an sie geschrieben hatte, wiederholte den Inhalt jenes Schrei­bens, das sie längst auswendig kannte, und in dem ihr Gatte tbr die volle Wahrheit über seine Absicht, den Tod zu suchen, und über die Qualen der letzten Wochen »eaeben hatte. Und als es nichts mehr von der Vergangenheit zu sagen gab, waren ihre Wangen längst feucht von den leise, unaufhaltsam rinnenden Tränen.

Da griff der Professor leise nach' Frau Magdas Hand und drückte einen langen Kuß auf die weiße, weiche Haut. Und die beiden sind auch Freunde geblieben ihr Leben lang.

E n be i ~

Novellettr von Walther Kabel.

liebet den mit kurzem Gras bestandenen Truppenübungsplatz Alrau zog an einem kla­ren Junimorgen eine Kompagnie Infanterie zum gefechtsmäßigen Sckarffchießen nach einem der entferntestliegenden Stände dahin.

An der Spitze der Truppe ritten zwei Offi­ziere. Hauptmann Fritz Westerholt wandte sich jetzt, bevor die Kompagnie in eine weite Mulde einbog, nochmals im Sattel um und überflog mtt einem letzten Blick das Rundge­mälde, in dem er in den zehn Wochen seines Hierseins jede Einzelheit, jede Schattierung der Farben so genau kennen gelernt hatte. Seine Gedanken waren weit weit weg. weilten in seiner alten Garnisonstadt, wo er sein junges, blühendes Weib allein zurücklaffen mußte, als er auf ärztliche Anordnung den Posten eines Zielbauoffiziers hier in Alrau in der Hoffnung übernommen hatte, der stete Aufenthalt in der frischen Luft bei leichtem, in keiner Weise an­strengendem Dienst würde ihm die heitzersehnte Genesung bringen... Die Hoffnung war trüge» risch gewesen. Die schwere Verletzung der Wirbelsäule, die er sich im Februar bei einem Sturz mit dem Pferde auf vereister Straße zugezogen hatte, und die ihn unausgesetzt mit schier unerträglichen Schmerzen peinigte, würde nie mehr ausheilen das hatte ihm der alte, trotz seiner poltrigen Att so herzensgute Stabsarzt gestern nach erneuter Untersuchung möglichst schonend beizubttnaen gesucht. Dieser Bescheid war ihm gar nicht so überraschend gekommen. Eigentlich hatte er ibn vorausge- seben. Denn darüber konnte er sich ja keiner Täuschung bingeben: Die Lähmungsersckei- nungen an seinen Füßen nahmen trotz aller Massage- und elektrischen Kuren von Tag zu Tag zu... Wie lange würde es noch dauern dann war er ein Krüppel, ein hilfloser, an einen Fahrstuhl gefesselter Mann. .

Und morgen sollte nun sein Weib zu kurzem Besuch hier, in Alrau eintreffen, seine Magda, die ihm auf seine hoffnungsfreudigen Briefe ... denn die Wahrheit, diese entsetzliche Wahr­heit ihr einrugestehen, dazu fand er nicht den Mut ... stets mit Zeilen wildester Sehnsucht

Der gepfändete Kriegerdenkmal-Sockel.

In Schramberg (Württemberg) voll- itzsi sich dieser Tage eine Pfändung, die wohl ewÄ noch nicht vorgekommen ist. Kam da mor­gens von Tennenbronn, die Berneckstraße ent­lang, ein vierspänniger Wagen, auf welchem sich ein etwa 120 Zentner schwerer Granit­block befand, der als Sockel für das Krieger­denkmal eines benachbarten Ortes bestimmt war. Der riesige Stein erregte Aussehen und wurde von vielen bewundert. Auch die An­wohner des Schramberger Postplahes sahen den Koloß daher kommen, waren aber nickt we­nig erstaunt, als der Gerichtsvollzieher mit sei­ner Mappe erschien, dem Fuhrmann Halt ge­bot und das ominöse blau-weiße Wappen auf den Stein klebte! Der Lieferant des Sockels, ein italienischer Steinhauer in Tennenbronn, war einem dortigen Händler einen Geldbetrag schuldig, und um zu seinem Gelde zu gelangen, ließ dieser kurzerhand den Stein psänden. Der Vorfall zog selbstredend eine größere Zuschau­ermenge an, und fehlte es nicht an guten und schlechten Witzen. So meinte einer, er hätte nicht geglaubt, daß das Pfand-Wappen so schwer sei, daß es nicht einmal vier Pferde vom Platze brächten. Nach einiger Zeit hatte der Steinhauer einen Bürgen aufgetrieben, fein Gläubiger war befriedigt und der Stein konnte seine Reise weiter fortsetzen.

*

DaS Bankett der Einbrecher.

Eine wenig angenehme Ueberraschung be­reiteten Einbrecher einer Familie Prince in ihrem Landhaus West Mqjns bei Ascot (Eng­land). Am Abend vor dem letzten großen Rennen hatten die Dienstboten die umfassend­sten Vorbereitungen für die Bewirtung ihrer Herrschaft und deren Logiergäste vollendet und legten sich zur Ruhe. Wie gryß aber war ihr Entsetzen, als sie am anderen Morgen auch nicht eine Spur von Lebensmit­teln in Keller und Speisekammer vorfanden. Die kalten traten, die Aspiks und Salate waren mit allen anderen Speisen und Vor­räten verschwunden. In dem erst spät abends peinlich gesäuberten Eßzimmer sanden die be­stürzten Leute eine weitere Ueberraschung. Der große Eßtisch war auf das sorgfältigste gedeckt worden mit allem, was die unbekannten nächtlichen Besucher an Geschirr und Bestecken finden konnten. Sogar Tamasttafeltikch und Servietten hatten sie hervorgeholt. Das Menu bestand aus folgenden Delikatessen: Sechs Pfund Lachs, zwei Enten, eine Ochserckeule, Flesickkonferven usw. Grünen Salat hatten Och die Mitternachtsgäste mtt den erforder­lichen Zutaten -urechtaemacht, wie man an den Resten erkannte. Sie bewiesen dabei be­wundernswerten Ordnungssinn, da sie die un­brauchbaren Blätter in den Müllbehälter getan hatten. Die ganze vorhandene Milch war ver­braucht worden, und zwar jedenfalls zu dem Tee, den sich die Eindttnglinge in aller Seelen- ruhe auf besonders dazu entzündetem Herd­feuer in der Küche bereitet haben müssen. Zum Andenken hatten die ungebetenen Herr­schaften eine beträchtliche Anzahl von Schüben und anderen Gegenständen mitgenommen, da­runter verschiedene Bücher, auch ein Kochbuch, Seife. Handtücher und die Schreibmappe eines Dienstboten. Ohne daß die in der oberen