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Fevnfprecher: 951 nnb 952*

Mittwoch, den 28. Juni 1911.

Fernsprecher 951 «ad 952.

»enden Straßen besetzt hielten. Ein berittenes

Pfarrer Fathos Heimkehr.

Der Empfang des Verurteilten.

Schutzmannsaufgebot mußte für freie Passage sorgen, so daß es Jatho endlich, eskortiert von vier berittenen Schutzleuten, gelang, einen Wagen zu besteigen, nm nach Hause zu gelangen, nachdem man mehrfach ver­sucht batte, ihm die Pferde auszuspannen. Auch vor seinem Hause hatten sich große Menschen- massen angesammelt, die dem heimgekchrtcn Seelsorger zujubelten und ihn baten, der Sache treu zu bleiben. Die Ovationen vor der Woh­nung Jathos dauerten bis nach Mitternacht.

Verzweiflung Gefrierpunkt stand, und man hat I ihn unter der Last überschwerer Bürde stöhnen lassen, ohne Verständnis für sein Klagen zu haben. Nun endlich scheint die Erlösung nah: Herr K r ä t k e, dem das Tempo der Verkehr- Entwicklung längst über's greise Haupt hinaus­gewachsen, hat (spät genug) erkannt, daß die Reichspostverwaltung nicht wie ein gebremster Wagen auf holprigem Weg zu Tal gefahren, sondern zur Höhe moderner Entwickliytg em­porgerungen werden mutz. Und da es dem in langer Jahre Last Ergreisten widerstrebt, noch an des Daseins Abend das System zu wechseln, so hat man in der Wilhelmstraße mit aufrich­tiger Befriedigung die Kunde vernommen, daß für des Neichspostamts Leitung jüngere und beweglichere Hände erbeten werden: Herr Sy- dow kehrt nach langer Irrfahrt zurück an die Stätte, an der er seines Daseins schönste (und erfolgreichste) Jahre verlebte.

Ist die Lösung des seit Wochen in asten Variationen beplauderten Rätsels in dieser überraschend einfachen Form geplant: Man würde es loben dürfen. Man hat Herrn Shdow am meisten geschätzt, als er im Reich der Post emsig dem Sammelsport oblag und daneben als Unterstaats-Sekretär nützliche I und intensive Arbeit leistete. Er würde sicher auch Herrn Krätke glücklich abzulösen vermö­gen, ohne daß im Postbetrieb irgend eine Lücke entstände, denn Herr Krätke war der Welt mo- I deiner Entwicklung schon längst fremd und gram geworden, ehe in seiner Brust das erste Regen der Feierabend-Sehnsucht sich offen­barte. Für das Amt des Handelsministers steht Herr von Schorlemcr schon bereit, der längst nach höher» Lorbeeren langt, als das Ministerium des Ackerbaus sie zu bieten ver­mag, und der imgrunde ja auch nur in der Stille der Landwirtschaft uutergebracht wurde, um ihm die Pein der Wartezeit erträglich zu! machen. Schließlich soll noch im Justiz-Mini-1 sterium das Bedürfnis nach Ruhe fühlbar ge­worden sein: Herr Beseler, der nun schon manches Jahr als Hohepriester preußischer Ge­rechtigkeit seines Amtes waltet, hat des Mini-j sterseins Freud und Leid bis zur Neige ge­kostet, ist dabei alt und grau geworden und sehnt sich nun nach dem Feierabend, den ihm, billige Rücksichtnahme auf die lange Zahl ehrenvoll durchkämpster Dienstjahre sicher auch nicht weigern wird. Anch fein Scheiden würde keine Lücke ins Gefüge des Kabinetts reißen: Die Zahl der Anwärter ist nicht winzig, und da Herr Beseler schon früher vom Abschiednehmen gesprochen, hätte man auch Zeit, den Erben zu küren. Insgesamt also: Vom Gespenst des Valentini-Spuks bleibt nickt viel mehr, als daS Bild eines Personenwechsels, der, wenn er zur Tatsache wird, niemand überraschen, sondern als logische Folge natürlicher Entwicklung nur daS Interesse eines selbstverständlichen und in I seinen Motiven klar erkennbaren Schauspiels I wecken kann. So daß die von manchen Seelen bänglich durchzitterte Kieler Woche diesmal also wirklich ohne den sonst gewohnten .Sommerspuk" vorübergegangen wäre ...!

F. H.

einem schönen Bart auch ein stark entwickeltes Eigenwert-Gefühl besitzt, gestaltete sich das In­termezzo in seinem oratorischen Nachhall ver-1 rühmlicher, als die Bedeutung des Falles es zur Rot erfordert hätte. Jedenfalls hat dar­unter aber die .Homogenität des Kabinetts" nickt gelitten und nur Gespensterfurcht konnte wähnen, Herr von Bethmann rüste zur Kiel- Fahrt, um für Sydow oder Trott obcrstherrli- chen Urteilsspruch zu erbitten.

Wahr ist nur, daß Herr Doktor Reinhold Shdow Luftveränderung wünscht. Sie schon er­bat, als Schorlemer und Dallwitz längst morsch gewordne Sänken erneuerten, und in jüngster! Zeit dem Kabinettschcf das dringende Et-' suchen unterbreitet hat, für die Handels-Regie­rung passenden Ersatz zu schassen. Herr Sydow ist als Minister stets die .Exzellenz des ver­fehlten Ressorts" gewesen: Man zwang ihn, mitten aus dem friedlichen Idyll der Postver­waltung heraus, in die Folterkammer der Reichsfinanzsorgen, in der er recht und schlecht mit dem Dämon Defizit gerungen hat: man beorderte ihn zum Handelsgeschäft, als er im Labyrinth des Stenael-Erbes grade auf der

Sar große Rätselraten.

Die Geheimnisse der Wilhelmstraße.

Berlin, 27. Juni. (Telegramm unserss-KorresPondenten.)Jn unterrichteten Kreisen erhält sich das Ge rücht, daß nach der Nordlandfahrt des Kai­sers in den hohen Staats- und Reichsäm­tern Veränderungen tüt treten werden. Staatssekretär Krätke und Justizminister Beseler wollen von ihren Aemtern zu­rücktrete«. AIS Krätkes Nachfolger ist seit langer Zeit Handelsminister Sydow aus- erfehem und ins Justizministerium soll ein zurzett in den östlichen Provinzen wirken­der OberlandcSgerichtspräsi- d e n t berufen werden.

Die Kieler Woche, der sonst zur Sommerzeit das Ministersterben als politisches Des­sert zu folgen pflegte, ist diesmal ohne sicht­bares Unheil vorübergegangen. Aber wäh­rend die Seelen der Aengstlichen bereits von schwerem Bann erlöst sich wähnten, rauscht durch den Blätterwald ein seltsam-düstres RauneN: Die Rede vom nahen Ministersterben kommt (trotz Kirsis glimpflicher Ueberwin- dung) nicht zum Schweigen, und selbst wenn man daS Geplauder der politischen Domestilen­stube abrechnet, bleibt noch genügend Anlaß, um ein paar Exzellenzen besorgt zu fein, von denen auch ernste Leute behaupten, daß des Herbstes fallend Laub sie nicht mehr im Amt- stuhl schrecken werde. Daß wir Jahr um Jahr diese sommerliche Krisen-Zeit Durchbeben müs­sen. und noch immer zur Hundstag-Premiere den Spuk des blauen Briefes sahen, hat unsre Nerven ein wenig abgestumpft, und wir er­schrecken schon nicht mehr, wenn fettgedruckte Gazetten-Spalten uns heut dieses und morgen jenes Ministers nahe Schicksalstunde künden. Mr haben uns an den bescheidnen Nervenkitzel dieses fröhlichen Rätselratens mit der Zeit ge­wöhnt, wie man sich an die Maul- und Klauen­seuche oder an die Reblaus hat gewöhnen müs­sen, und wir würden sicher etwas vermissen, was sonst unser sommerliches Wohlbefinden zu | regulieren pflegte, wenn die gute und wohltä-1 ttge Norddeutsche Allgemeine Zeitung eines Tags verkünden würde: »Die polittsche Enten-1 zücht ist, von unverantwortlichen Personen be­trieben, grober Unfug. Wir warnen Leicht­sinnige ...!"

Man hat's deshalb auch nicht sonderlich tra­gisch genommen, als in diesen Tagen hier und da vom Exodus des £>cftn Sydow aus dem Tempel des preußischen Merkur so ernsthaft die Rede war. wie wenn der Herr Handelsmtm- ster bereits den Möbelwagen zum nächstmög­lichen Termin bestellt hätte. Die Skepttker lä­chelten: Herr von Trott zu Solz gegen Rein­hold Sydow, der im Kabinett Bethmann Holl- weg nie ein Wässerchen trübte, und der vom Tag seiner Erhebung zur Exzellenz im Reichs­schatzamt bis heut immer nur den einen Wunsch hatte, des Nächsten Frieden nicht zu stören; wie reimte sich das? Herr Sydow hat in der Frage der Konfessionalisierung der Fortbil­dungsschule eine vielerorts beifällig vermertte Energie offenbart, hat (zum ersten Mal fett dem Tag feiner Ministerwerdung) sich in der Rolle des .starken Mannes" gefallen und dem erstaunten Parlament in einer Frage Achtung abgerungen, die sonst zu herzerfreuenden Taten kaum Anlaß bot. Die Gegensätze zwischen dem Minister des Handels und der Exzellenz des Geistes ergaben sich indessen als s a ck l i ch e Konsequenzen aus der Natur der Dinge von selbst, und da Herr von Trott zu Solz außer

wurde. Pfarrer Jatho wurde bei seinem Er­scheinen mit Hochrufen und Tücherschwenken empfangen. Die Bahnhofspolizei hatte bei der Unterstützung der königlichen Polizei große Mühe, einen Weg für den gefeierten Seelsorger zu bahnen. Unaufhörliche Hochrufe begleiteten Jatho bis zum Vorplatz des Bahnhofs, wo wiederum Tausende von Menschen die angren-

6in neues österreichisches Kabinett!

(Telegraphische Meldungen.)

Wie uns aus Wien berichtet wird, ist der österreichische Ministerpräsident Freiherr von Bienerth von seinem Posten zurückgetreten, um nach dem Ausfall der Wahlen die Konsoli­dierung der parlamentarischen Verhältnisse zu erleichtern und dem ReichSrat in seiner neuen Zusammensetzung bi» schnelle Orientierung durch Aussprache mit den beide» auS dem Kabinett ausgeschiedenen großen Parteigrup-

9 5 In, 27. Juni. (Telegramm nn- sers Korrespondenten.) Bei Pfarrer Jatho treffen unausgesetzt Zustimmungskund­gebungen aus allen Teilen des Reiches ein. Für heute abend sind zwei Protestkundgebungen der Evangelischen in Köln anberaumt, in denen etwa fünfzehn Redner auftreten werden. Die »olksHrckliche Vereinigung in Mannheim hat einstimmig in einer Resolution Protest gegen die Verurteilung Jathos eingelegt. Ter aka- dentische Freibund München veranstaltet in der nächsten Woche eins große Protestversammlung gegen das Urteil im Falle Jatho. Als Redner wurde Jathos Mitkämpfer, Pfarrer Graue- Berlin, gewonnen.

gewoben, die nicht sehr schmeichelhaft für die Vereinigten Staaten sind, und das lange Zö­gern der Washingtoner Regierung, die Hebung des Schiffes vorzunebmen, läßt vermuten, daß die Amerikaner die Sagen nicht ganz leicht nehmen.

Es handelt fich (wie aus R e w q o r k berichtet wird) um nicht mehr und nicht we­niger, als um die Behauptung, daß das SchlachtschiffMaine" nicht durch eine äußere Gewalt, eine Mine, sondern durch Ex­plosion im Innern berichtet wor­densei. Die letztere Annahme hat viel wahrscheinliches an sich, denn der Hafen von Havanna ist nicht groß und vom Meere aus nur durch einen, noch dazu von detachierten Forts gedeckten, Kana! erreichbar. Da wäre es doch geradezu widersinnig, in dem ge­schützten, engen Hafen selbst Minen zu legen. Außerdem ist heute festgestellt, daß die Maine" seinerzeit zu einem in verdächtiger Weise den Spaniern aufgedrungenen Besuche und vor der einladenden Antwortnote im Hafen erschien. DieserFlottenbefuch" war durch den privaten harmlosen Depeschenver­kehr eines amerikanischen Zeitungskorrespon­denten hervorgerusen worden.

Die Telegramme wurden falsch de - ch i f friert und die Regierung der Vereinig­ten Staaten las heraus, daß das Leben ihres kubanischen Generalkonsuls gefährdet sei. Diese Irrungen und die brüske Art, wie man Spa­nien die Schuld an der Explosion ohne Be- weismittel zuschob, lassen der sicheren Vermu- tung Raum, daß die Republik einen Krieg mit Spanien um jeden Preis vom Zaun brechen wollte. Durch die Hebung des Wracks könnte dies zu einem Teil bewiesen werden. Seit dem vorigen Jahr sind nun endlich 1,2 Millionen Mark für die Hebung des Wracks bewilligt und die Arbeiten sind jetzt tüchtig im Gange. In den Vereinigten Staa­ten sieht man indessen dem Ergebnis mft ge­mischten Gefühlen entgeg- man fürchtet, daß das Wrack die republikanische Diplomatie ä r g bloß stellen werde.

Zm Zeichen der Krise.

Mfiristerkrisen in Frankreich und Oesterreich.

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Paris: Wie der regierungsoffiziöse .Tesnps" mitteilt, hat Caillaux die Absicht, ein Konzentrattonsministerium zu bilden, aus dem alle Gruppen der Linken, außer den geei­nigten Sozialisten, Vertrieben werden sollen. Ans eine Anfrage Caillaux' lehnte Löon Bourgeois die Uebernahme des Ministeri­ums des Aeußern wegen Krankheit ab. Poin- ears wird heute antworten. Eventuell wird M Caillaux an den Seinepräfekten Selves wenden. Die übrigen Portefeuilles werden wahrscheinlich folgendermaßen verteilt werden:

Caillaux Präfibium und Inneres, Justiz Doumergue ober Cruppi, Finanzen Klotz, Krieg Etienne ober Messimy, Marine Deleassö, Unterricht Steeg, öffentliche Arbeiten Augagnenx, Handel Chaumot, Ackerbau PamS, Kolonien Messimy oder Lebrun, Arbeiten und soziale Fürsorge Renault.

Zuverlässigen Jnformattonen zufolge sucht Cailleaux aus dem Grunde einen neuen Mini­ster des Aeußern sür das von ihm zu bildende Kabinett, weil er der Meinung ist, daß Cruppi bei den Verhandlungen ftn Parla­ment und in den Beratungen des Ministerrates nicht den Eindruck hinterlassen habe, Über die feste Entschlossenheit zu verfügen, die die Leitung der auswürtigen Politik erfordere. Herr Caillaux sucht einen »kompetenteren Mann", und man spricht ernstlich von MiHe­ra n d , der nach der Ablehnung Bourgeois' an erster Stelle in Frage kommt.

morganai . , gen, bekannt. Erz!

sich am ersten Juli . -.... --- - .

Chotek von Chvtowka und Wognin vermählt, die an ihrem Hochzeitstage vom Kaiser Fran, Josef in den Fürstenstand erhoben wurde, wo­bei sie neben dem Namen der einen Gemahlin Rudolfs von Habsburg zugleich ben Anspruch auf den Titel .Fürstliche Gnaden" erhielt. Dem alten Sraifer tft seinerzeit der Entschluß,

(Eigene Drahtmeldung.)

Pfarrer Jatho ist gestern abend aus Berlin wieder in Köln eingetroffen. . Die evangelische 1 $

Gemeinde bereitete ihm auf demBahnhof einen j MMAk V.kMMÜlS.

außerordentlich stürmischen Empfang. Der kubanische Krieg provoziert? Eine nach tiefen Tausenden zählende Menschen- G§ war am fünfzehnten Februar 18SS, als menge hatte sich in und vor dem Bahnhof po-Idas amerikanische Schlachtschiff .Marne stiert, sodaß der Straßenbahnverkehr gestört nach einer furchtbaren EMEon im Hafen von - ' - - - ' «------> Havanna ;apk und damit den Anlaß zu dem

kubanischen Kriege zwischen den Ver­einigten Staaten und Spanien bildete, der mit der .Unabhängigkeit" des Freistaats Kuba en­digte Das Wrack der .Maine", rn dessen Rumpfe viele Seeleute begraben sind, liegt heute noch' auf der Unglücksstelle, und fein Mast ratzt aus den Wellen empor, denn der Hafen von Havanna hat nur geringe Tiefe. Um das Schicksal des Schiffes habe« sich Saarn

Wie aus der Wiener Hofburg verlautet, soll der österreichisch-ungarische Thronfol­ger gegen England verstimmt sein, weil seiner Gemahlin bei einem eventuellen Besuch am englischen Hofe der Rang hinter den anwesen- den Prinzessinnen angewiesen worden wäre. Die Meldung klingt nicht unwahrscheinlich, tft doch der Ehrgeiz der Herzogin vo« Ho- h e n b e r g, die staatsrechtliche« Folgen der itffchen Ehe des Erzherzogs zu beseitt- ntnL Erzherzog Franz Ferdinand hat Juli 1900 mit der Gräfin

Lesteneichr künftige Kaiserin

Die Gattin Fran, Ferdinands.

(Von unferm Korrespondenten.) V Wien, 26. Juni.

Trotzdem die leitenden kirchlich-liberale« Kreise Kölns die Ankunftszeit des von Berlin. znrückkehrenden Pfarrer Jatho sorgsam Pen zu ermöglichen. Der Kaiser ernannte verschwiegen hatte sich, nachdem ein Lokalblatt gestern den Freiherrn von Gautsch zum Mi- die Stunde der Ankunft mitgeteilt, eine nach nisterpräsidenten, der versuche« Wird, mit einem Tausenden zählende Menschenmenge auf dem Kabinett in feiner bisherigen Zusammen- Bahnhof eingefunden, die beim Einlaufen des I setzung eine Majorität für daS zukünftige Ar- Znges dem beliebten Prediger eine derartige hettsprogramm des HaufeS jn bilden. Die Gin» Huldigung darbrachte, daß er, sowie ferne «a- berufmtg be§ Reichsrats ftn Juli hängt vom mitte und seine ihn beglettenden Freunde, voll @ang ber Verhandlungen mit ben Parteifüh- Zuhtung iiberwalttg^. nutzt fähig waren, «toi b{£ ^.^herr von Gautsch heute ein«

ffmbfrtn«ern^h «ns berietet 9 leiten wird. Das neue Kabinett Gautsch wird

Empfang wird uns berichtet wahrscheinlich aus Deuffch - Freiheitlichen,

g Rain, 27. -surrr. Christlich-Sozialen, Polen, Tschechen und Süd­slaven bestehen.

in eine

morganatische Ehe feines Reffen

zu willigen, nicht leicht geworden. Nach beut österreichischen Hausgesetz kann eine nicht dem hohen Adel angehörende Gattin des Thronfol- gers dereinst die Würden und Rechte einer künf- tigen Kaiserin nicht beanspruchen, während zu­gleich alle aus einer solchen Ehe hervorgegan­genen Kinder des Thronfolgerechts verlustig gehen. Unerschütterlich hielt der Erzherzog aber an seinem Entschluß fest. Es gelang ihm auch, seinen kaiserlichen Oheim schneller zu versöh­nen, als er, solange die kaiserliche Zustimmung zu seiner Heirat noch fehlte, dem damaligen Minister des Auswärtigen und Minister des Kafferlichen Hauses, GoluchowSki, die feierliche Zusage machte, er werde sich vor der Erlangung der kaiserlichen Santtion unter keinen Umstän­den vermählen. Für die Lösung der ganzen Frage war, wie bereits erwähnt,

baS österreichische Hausgesetz maßgebend, das übrigens bezeichnenderweiss niemals veröffentlicht worden ist. Von kundiger Seite wird allerdings behauptet, daß dieses Hausgesetz nicht ganz ttar fei und daß in wiederholten Fällen der Brauch in deut­schen Fürstenhäusern zu seiner Auslegung her­angezogen worden sei. Im besondern habe dabei der Fall Friedrich Wilhelms des Dritten von Preußen eine Rolle gespielt, ber nach dem Tode der Königin Luise bekanntlich die Gräfin H a r r a ch heiratete, die später zur Fürstin von Liegnitz erhoben wurde. Rach dem österreichi­schen Hausgesetz und dem Brauch in deutsche« Fürstenhäusern ist also die Gemahlin deS Thronfolgers ebenso wie ihre Kinder von allen Anrechten auf den Thron ausgeschlossen. Das Erbrecht geht somit nach dem Ableben deS Thronfolgers auf feinen iünaeren Bruder, Sri»