Einzelbild herunterladen
 

Nummer 171.

1. Jahrgang.

Csflrkr flbrnÄzrttung hessische Abendzeitung

®t» .Lafskler Neueste Nachrichten» erscheinen wSchenMch sechsmal und zwar abends. Der «bonnementspreiS beträgt monatlich 60Pfg. bei freier Zu- Mmtfl ins Hau«. Druckerei, «erlag u. Redaliion: «chlachthofstratze 28/30. «erttner Vertretung; SW. Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV. 676.

Fernsprecher 951 «mb 952. Dienstag, den 27. Zuni 1911. Fernsprecher 951 und 952.

Xpgä {WTW 3nfertton«pretfe: Die sechSgespaltene Zeile für einheimische B-schüft« 15 «fg..

ATCfiSk Mei Jr für auswärtige Inserate 25 Pf. Rellame,eile für einheimische ®e-

6} t Ut. schäft« 40 Pf. für auswärtige 00 Pf. DeschästSstelle: «Slnifche Straße 5.

y. 5 Berliner Sertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

Mäkttzrer oder Ketzer?

Das Urteil gegen Pfarrer Jatho.

.. . Das Spruchkollegium für kirchliche Angelegenheiten stellt nach seiner freien, aus dem ganzen Inbegriff der Ver­handlungen und Beweise geschöpften Ueber- zeugung kraft Paragraph elf des Kirchenge­setzes betreffend das Verfahren bei Bean­standungen der Lehre von Geistlichen vom 16. März 1910 fest, daß eine weitere Wirk­samkeit des Pfarrers Jatho inner­halb der evangelischen Landeskirche der äl­teren Provinzen Preußens mit der Stel­lung, die er in seiner Lehre zum Bekennt­nis der Kirche einnimmt, unverein­bar ist."

Nach zwei Tagen eingehender, den Kern oer Dinge aber dennoch nicht ergründender Verhandlungen hat am letzten Sonnabend das Spruchkollegium evangelischer Schriftgelehrter als Recht erkannt, daß die fernere Wirksamkeit des Kölner Pfarrers Jatho als Prediger Im Dienst der evangelischen Landeskirche un­möglich sei und im Interesse der kirchlichen Ordnung und Disziplin nicht geduldet werden dürfe. Fällte den schroffen Spruch, trotzdem beredte Zungen für den »Ketzer am Rhein" stritten, trotz der Zwanzigtausend, die im deut­schen Land in Heller Begeisterung den uner­schrocknen Künder neuer Lehre feiern, und trotz der lautern Christlichkeit-Zeugnisse, die dem oor's Kollegium der Dreizehn Zitierten aus der Pfarrgemeinde am Rhein das Geleit zum Richtertisch gaben. Das Urteil der Dreizehn (von Kundigen als logische Notwendigkeit vor­ausgesehen) droht in der evangelischen Chri­stenheit zu verhängnisvollem Zwiespalt Anlaß zu geben, denn die Jaiho-Bewegung, die schon vor'm Spruch des kirchliche^ Gerichts im ganzen Reich zur hochflE schwoll, wird nun vermutlich zu einem neuen .Wahrheit-Kampf" im Schoß der evangelischen Landeskirche werden, zu einem jener Kämpfe, wie wir sie in den letzten Jahrzehnten leider viel zu oft über's Blachfeld friedlicher Gläu­bigkeit haben dahinbrausen sehen; niemals segenspendend, immer zerstörend, vernichtend und verderbend. DaS Ende ist nicht abzu­sehen; aber schon das, was b i s h e r an Aeuße- rungen der Maffenstimmung merkbar wurde, läßt ahnen, daß die Bewegung zur Herzens­und Gemütssache geworden ist und demgemäß auch ihre Wirkungen äußern wird.

Und das ist das Verhängnisvolle:' Der »Fall Jatho" darf (wenn man der Sache ge­recht werden will) nicht vom Standpunkt des Empfindens aus, oder unter dem Gesichtswin­kel der Gemüts« oder Herzens-Stimmung be­trautet werden, sondern seine Beurteilung muß unter sorgfältiger und ausschließlicher Berücksichtigung der kirchlich- und allge­mein-rechtlichen Momente erfolgen. Be­trachtet man aber den Ursprung und die Ent­wicklung des Falles von d i e s e m Standpunkt aus. dann verliert das Bild des .Märtyrers" zunächst den finster-orthodoxen Hintergrund, und in der weitern logischen Erkenntnisfolge verblaßt auch das Schreckgespenst des .Ketzer­gerichts", das in den letztvergangnen Junitagen über den Bekenner von Köln zu Rate saß. Im März des Jahres neunzehnhundertzehn ist für den Bereich der preußischen Monarchie das so­genannteJrrlehren-Gesetz" von beiden Häu­sern des Landtags akzeptiert worden, und auf­grund dieses in Kraft befindlichen Gesetzes war die evangelische Kirchenbehörde nicht nur berechtigt, sondern gemäß landeskirchlicher Vor­schrift verpflichtet, dem gegen die Lehr­weife des in einer Kölner evangelischen Ge meinde wirkenden Psarrers Jatho erhabnen Protest stattzugeben und eine Untersuchung darüber einzuleiten, ob das Bekenntnis des von der Orthodoxie Verketzerten sich im Rah­men der landeskirchlich festgelegten Forschung- und Auffassung-Grenzen bewege, oder diese Grenzen überschreite. Tas Kollegium der Drei­zehn hat jetzt entschieden, daß Pfarrer Jatho die von der Kirchenobrigkcit vorgezeichneten Grenzen bewußt überschritten hat und daß demgemäß seine fernere Wirksamkeit als Pre­diger der Landeskirche unmöglich erscheine.

Auch hier muß man die sachlichen Mo­mente prüfen und *r-,e Stimmungen des Emp­findens zurückdrängen- Jatho erkennt außer­halb der sichtbaren Welt keine unsichtbare Gott­heit an, denn nach feiner Auffassung sind Gott und Welt eine untrennbare Einheit. Der Pre­diger der evangelischen Landeskirche bestreitet auch, daß die christliche Religion die höchste und vollkommenste Offenbarung Gottes fei; ihm er­scheint vielmehr die Fortentwicklung der Welt bis in unendgliche Ewigkeiten die logischste und natürlichste Wahrjchettckckkeit aller unscrm

Empfinden nicht erkennbaren Entwicklung. Der Diener des Gottesworts, der pflichtgemäß den zur Sünden-Erlösung Herbeieilenden das sakramentale Abendmahl reichte, verneint fer­ner die Notwendigkeit eines erlösenden Hei­lands, denn der Mensch s e l b st ist (nach Pathos Auffassung) zu allem Guten fähig und erlöst sich durch die Befreiung von den Nichtigkeiten irdischer Vergänglichkeit in sich selber. Endlich auch ist Jesus Christus in der Ueberzeugung Jathos nicht der einzige Erlöser der Menschheit gewesen: Schon vor ihm sah die lsiderfüllte Welt Jdealmenschen seiner Art, und auch die Nachwelt wird vom Erlösergeist er­füllt werden, denn auch sie wird Menschen er­stehen sehen, deren Seele in überwältigender Liebe der Welt Gesamtheit umfaßt. Rechnet man hinzu, daß Jatho auch Zimmer als Pre­diger im Dienst der evangelischen Lan­deskirche) die Unsterblichkeit der Seele in Zweifel gezogen, wenn auch nicht direkt verneint hat, dann wird man angesichts des Zwangs des Gefetzes vom März des Vor­jahrs der evangelischen Kirchenbehörde nicht das Recht bestreiten können, den Bekenner voM Rhein vor die Schwanken des geistlichen Ge­richts zu fordern.

Pfarrer Jatho hKt vor seinen Richtern das Bekenntnis seiner Ueberzeugung freimütig wie­derholt und damit zu erkennen gegeben, daß zwischen ihm und der G^mdlehre der evangeli­schen Landeskirche unüberbrückbare und bis in die tiefsten Diesen des Glaubens-Systems hinabreichende Gegensätze bestehen. Jathos Lehre und stolzer Bekennermut haben in bet evangelischen Christenheit ein lautes Echo ge­weckt, und wie in der Zweitage-Verhandlung vor dem Spruch-Kollegium durch glaubeus- eisrige Zeugen bekundet wurde, hat in der! ner Proiestamengemeinve, deren Seelsorge Jatho übertragen war, niemals ein so reges und echtes religiöses Leben geherrscht, als grade unter Jathos Priesterhand, die den Christenglauben zu starker Wirksamkeit er­weckte. Es ist auch unzweifelhaft manches in dem Bekenntnis Jathos enthalten, das mensch­lichem Empfinden näher kommt, wie der Geist starrer Dogmaten, der dem Herzen fremd und der menschlichen Erkenntnis ewig verschlossen bleibt; aber das alles kann (und darf) doch nicht über die Kernfrage des »Falles" Hinweg­täuschen: War der Prediger einer religiösen Ueberzeugung, wie sie Pfarrer Jatho als das Ergebnis langen Wahrheit-RingenS mit stolzem Freimut offenbart hat, noch als Priester einer Kirche denkbar, bereit Grundlehren zu seinem Bekenntnis in diametralem Gegensatz stehen? Diese Frage ist ohne weitere- zu vernei­nen, und das Urteil des Dreizehner-Kollegi­ums entspricht deshalb den logischen Konse­quenzen deS Falles und dem Willen des Ge­setzes, daS vor Jahresfrist zur Umhürdung der Landeskirche vor dem Einbruch irrender Lehre erfunden ward. Der Mensch und der C h r i st Jatho ist uns darum sicher nicht weniger sym­pathisch geworden, im Gegenteil: Sein Be­kennermut hat Begeisterung und lauten Wi­derhall in bett Herzen geweckt, und die Saat, die seine Hand ausstreute, wird Früchte tragen und nutzbar werden. Aber übet dem Rein- Menschlichen darf daS Prinzip deS gelten­den Rechts nicht vergessen werden, denn nicht die Gerechtigkeit an sich, sondern der Buch­stabe formalenRechts -st's, der bett Pfar­rer von Köln des PriestertalarS entkleidet. ..!

F. H.

gatho und feine Gemeinde.

(Privat-Telegram m.) n Köln, 26. Juni.

Bei einem hiesigen Bankhaus ist ein be­deutender Betrag von ungenannten Spendern deponiert worden, der bestimmt ist, Jatho eine weitere Tätigkeit in der evangeli­schen Gemeinde zu ermöglichen, und auch andre l i b e r a l e G e i st l i ch e, die wegen ihrer re­ligiösen Ueberzeuguna gemaßregelt wurden, zu unterstützen. An die Verwendung des Kapitals sind keinerlei Bedingungen geknüpft. Die libe­ralen Kreise Kölns werden sich vermutlich ohne Austritt aus der Landeskirche 'n einer freien Kirchen^emeinschaft zusammenschließen, in der Jatbo auf Grund des Reichsvereiusge- setzes als Seelforger tätig fein soll. Es darf als sicher gelten, daß Jathos Nachfolger eben­falls einliberalerPfarrer fein wird, da die Liberalen etwa eine Zweidrittel-MajoritSt besitzen. Gebessert wird im Sinne der Ortho- doxie durch die Amtsenthebung Jathos alfo nichts, da die bisherige Jatho-Pfattgcmeinde auch in Zukunft im Sinne Jathos verwaltet werden wird. Der V«vn der Freunde evan­

gelischer Freiheit im Rheinland veranstaltet übrigens gegen die Absetzung Jathos am kom­menden Mittwoch in Köln zwei große Pro- test Versammlungen, in denen Psarrer Jatbo selbst sprechen soll.

Fallende Blätter...?

Sydow, Trott zu Solz und Bcseler.

Don unserm politischen S>-Mit- arbeiter wird uns geschrieben: Die Erklä­rungen der offiziösen Norddeutschen Allgemei­nen Zeitung über die Kommissionsabstimmung beim Fortbildungsschulgesetz, durch die entgegen dem Regierungsentwurf der Handelsminister nicht Alleinausführer des Gesetzes sein soll, las­sen mit aller Deutlichkeit erkennen, daß die Lö­sung der Frage eines Rücktritts des Han­delsministers Sydow erst auf dem Prome­nadendeck der »Hohenzollern" in Kiel zwischen Kaiser und Ministerpräsident ausgetragen wer­den wird. Man weiß Wohl, daß ein Opfern des Handelsministers einen Teil der Parteien, die jetzt ostentativ gegen ihn arbeiten, veran­lassen könnte, sich den Wünschen der Regierung geneigter zu zeigen. Das kann aber noch kein Grund für die Regierung sein, dieses Opfer zu bringen. Jedenfalls besteht in unterrichteten Kreisen die Annahme, daß eher mit einem Rück­tritt des Kultusmini st ers von Trott zu Solz als mit einer Verabschiedung Sy- dows zu rechnen ist. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Meldung der rechts- nattonaMberalen »Magdeburgischen Zeitung", die die Krisengerüchte noch wei­ter ausdehnt. Es wird uns darüber berichtet:

£ Magdeburg, 26. Juni.

(Privat-Telegramm.)

Di« sonst sehr gut unterrichtete »Magde- burgische Zeitung" erklärt die Behauptung, daß der Handelsminister Sydow infolge der Ab- Mmmung in der Kommisston über das Fortbil- dungsschulwesen seinen Abschied nehmen werde, für vollkommen unbegründet. Da­gegen sei Sydow als Kandidat für den Posten eines Staatssekretärs des ReichS- postamteS anstelle KrStkeS in Aussicht ge­nommen. Auch sei eS nicht unwahrscheinlich, daß der Justizminister Beseler ht der nächsten Zeit auf eignen Wunsch zurück tre­ten werde.

e

Also immer neue Rätsel! Wenn sich die Meldung des Magdeburger DlätteS bestätigt, würde Herr Sydow zwar aus dem Staats­dienst ausscheiden, aber al- Nachfolger Krät- keS im Reichs dienst Verwendung finden. Daß Herr Krätke amtSmüde fein soll, war bis­her allerdings noch nicht bekannt, obgleich die mancherlei Enttäuschungen, die er in jüngster Zeit auf parlamentarischem Boden erfahren hat, hinreichender Anlaß fein könnten, ht dem Staatssekretär deS ReichSpostamteS den Wunsch nach einem ruhigen Feierabend rege werden zu lassen. Herr Sydow war, bevor er als SSckel- minifter des Reich- berufen ward, alS Unter­staatssekretär im Reichspostamt tSttg, und eS wird ihm nachgerühmt, daß er als P o st m a n n mancherlei Erfreuliches geleistet habe. Daß auch Herr Beseler gehen will, kommt nicht über­raschend: Der Justizminister hat sich schon früher mit RücktrittSgedanken getragen, und wenn er nun jetzt diese Absicht zu verwirklichen gedenkt, entspricht er einer Annahme, deren Er­füllung in unterrichteten Kreifen schon lange nur noch als eine Frage der Zeit gatt.

Munck aus Reisen.

DieFranzSSlinge von Strastburg" protestieren!

Der wegen feiner französischen Umtriebe von der Straßburger Universität relegierte Elsässer Student Munck befindet sich zurzeit auf Gastspielreisen in Pari-, wo er in bombasti­schen Phrasen gegen das »deutsche Barbaren­tum" »oettert und die Franzosen zum Kampf mit den »Waffen des Geistes" gegen die »deut­sche Unkultur" aufforbert. Ueber Muncks ge­striges Debüt wird uns berichtet:

Paris, 26. Juni.

(Privat-Telegramm.)

In einer Ansprache, die der von der Straß­burger Universität relegierte Student Munck gestern in der Protestversammlung der Pariser Studenten hielt, führte er aus:Wir wohnen in diesem Augenblick dem Erwachen des Gewissens im Elsaß bei. Der Elsaß kennt seine Rechte und will, daß sie respektiert werden. Wir lassen uns von diesen deutschen Dummköp­fen nicht länger wie Schafe leiten . . !" Nach der Versammlung durchzogen die Sttidenten die Straßen der Stadt und wollten auf einem öffentlichen Platze eine Strohpuppe, die den Direktor der »Sttaßburger Post" darstellen sollte, verbrennen. Hieran wurden sie jedoch von der Polizei verhindert, die die

Menae auseinanderjagte. Auch aus Mar­seille wird eine Protestkundgebung der Stu­denten gegen den bekannten Artikel der »Straß­burger Post" gemeldet, die indessen ebenso tote die Versammlung in Nancy ruhig verlau­sen ist.

Die Katastrophe aus Fquique.

Zahlreiche Schisse schwer beschädigt!

Wie wir schon kurz berichtet haben, ist die Stadt Jquique und die Provinz gleichen Namens in Peru am letzten Freitag von einem schweren C Y k l o n heimgesucht worden, der überall große Verheerungen angerichtet und zahlreiche Unglücksfälle herbeigeführt hat. Na­mentlich die Schiffahrt ist schwer betroffen wor­den und man schätzt den durch den Cyklon ver­ursachten Materialschaden auf mindestens zwanzig Millionen Mark. Ueber die Kata­strophe liegen uns folgende nähere Meldungen vor:

v* London, 26. Juni.

(Eigene Drahtmeldung.)

Hier eingegangenen Depeschen aus New- York zufolge ist bei der Cyklon-Katastrophe in Peru am letzten Freitag ein Dünkirchener Han­delshaus, die Firma, Bordes, von der Kata-- strophe besonders schwer betroffen worden. In einem Telegramm, das die betreffende Firma aus Jquique erhielt, heißt eS, daß im Hafen zahlreiche Boote gelegen hätten, die teils unter­gegangen, teils schwer beschädigt worden seien. Bis jetzt konnte man nur etwas über das Miß­geschick erfahren, das die Schiffe der Firma Bordes getroffen hat. Der Viermaster »Made- Iahte" ist vollständig verloren, der Viermaster »MagelhaenS" ist aufs Schwerste beschädigt, und auch die Viermaster »Antoni", »Union" und »Almendral" sowie bet Dreimaster »Dicto- rine* haben schwer unter der Katastrophe gelit­ten. ES ist zu befürchten, daß auch zahlreiche Menschen bei dem Unwetter chr Leben ringe- büßt haben, jedoch ist darüber noch nichts ge­naues zu erfahren. Die Familien der aus den verunglückten Schiffen befindlichen Seeleute, die in Dünkirchen leben, sind in großer Angst um da- Schicksal ihrer Angehörigen. Bis heute früh lagen keinerlei Nachrichten über das end­gültige Schicksal der Schiffe vor und man be­fürchtet deshalb, daß außer dem Viermaster »Madelaine" auch die meisten übrigen Schiffe bei der schweren Wetterkatastrophe gesunken sind. Aus dem Küstengebiet wird da- Schei­tern zahlreicher kleinerer Fahrzeuge gemeldet, deren Besatzungen jedenfalls in dem Unwetter ausnahmslos umgekommen sind. Rach vorläu- figen Feststellungen schätzt man den Verlust an Menschenleben auf etwa fünfzig, doch scheint diese Zahl eher zu niedrig, al- zu hoch ge­griffen. ___________

ssaillaur kommender Wann?

DaS kommende Kabinett Caillaux.

(Privat-Telegramme.)

W Paris, 26. Junk.

Die Lösung der MinisterkrifiS wirb diesmal besondere Schwierigkeiten bereiten, denn nach der augenblicklichen Lage hat kaum einer der vorhandenen oder jetzt rasch propa­gierten Anwärter rechte Lust, ein Kabinett zu bilden. Der Anhang DelcasssS ist zwar ein ständig wachsender, der seitherige Marine­minister 'kann auch für sich einige Erfolge au8 der letzten Zett ht Anspruch nehmen, doch glaubt er selbst feine Zeit noch nicht gekommen, weil et dem neuen Kabinett selbst ein ungün­stiges Horoflov stellt und eS als eineUebet. gangs-Kabinett bezeichnen mochte. Der plötzliche Kabinettssturz ist auch Clemenceau sehr zur unrechten Zeit gekommen. Er. der ei­frig vorgearbeitet hatte, um MoniS Erbe an­zutreten, der schon für gewisse Fälle die Mehr­heit für ein Mißtrauensvotum gegen die Re­gierung sicher batte, sieht sich in einet wenig hoffnungsvollen Sage, denn alle Proportiona- listen sind geaen ibn, sodaß er. da die Wahlre­form im Vordergründe deS Interesses steht, kaum Über ein »Sommerkabinett' binauSkom- men dürfte. Dazu kommt, daß man ihn auf der andern Seite bei der augenblicklichen aus­wärtigen politischen Lage nicht gern alS Mi- nisterprästdenten sehen möchte. Am meisten Aussicht hat noch Caillaux, der bisherige Finanzministcr. Er hat sich in den schwebenden Fragen bisher noch nach keiner Sette gebun­den,' er bat die Fürsprache des scheidenden Mi­nisterpräsidenten für sich und wird von MoniS sicher an FalMres warm empfohlen werden: Caillaur hat auch bereits zugefagt. die Bildung des Kabinetts zu übernehmen, doch hat er es ganz energifdi abgelehnt, nur ein Portefeuille im neuen Kabinett zu erhalten. Trotzdem die Lage verworrener denn je ist. läßt sich doch nach der Ansicht der Parteiführer erkennen, daß Caillaux und DelcassS (in erster St-