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Nummer 170

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Sonntag, den 25. Juni 1911

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.$«f!tlrr ftaiefte Nachricht«" «rschetrren wichentlich sechsmal und zwar «»««»«. Der ALounemnitlpreir beträgt monaUtch 60 Psg. bet freier Zu- fieLong tnS Haa«. Druckerei, Verlag u. viedaltton: «chlachthofstrab- 28/30. verlvlir Vertretung! SW, yrtedrtchstrab, 16, Telephon: Amt IV, 676.

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ans Ohr dringt: .Kauft Margarethen!", eine heilige Pflicht für Jeden, der in der Seele das Bewußtsein edler Menschlichkeit und die Stimme des Gewissens spürt, die ihn mahnt, wohlzutun und der Armen Leid zu lindern! **

verbreitete sich auch dieser, als er erst einmal auf deutscher Erde die erste Wurzel geschlagen, rasch durch alle Gaue des Reichs. In Vielen Städten veranstaltete man Blumentage, zu­meist mit Margarethen und Kornblumen, und der schöne Erfolg, der ihnen beschieden war, spornte erst recht zur Nacheiferung an. Auch Eassel hat nun seinen Blumentag: Morgen, wenn die Glocken zum Kirchgang rufen, mah- nen sie nicht nur zum Gottesdienst in hoher Halle, rusen Alle auf zum Werk der Nächstenliebe, draußen in srischxr, freier Got­tesnatur! Hunderte von Frauen und Mädchen aller Kreise der Stadt haben sich ihrem Dienst geweiht für diesen Tag und bieten Blumen als das Symbol reiner Kindheit zum Kauf. Möge Jeder sein Scherflein beisteuern, die Not zu lin­dern. Unabweisbar ist die Pflicht, für die Aermsten der Armen zu sorgen, und es soll Wein kategorischer Jmpeativ sein, wenn sie Bitte

Lelcassee abermals der Täuber!

(Eigene Drshtmeldung.)

& Paris, 24. Juni.

Wie in politischen Kreisen versichert wird, ist es nicht unmöglich, .daß die Minister

Zatho vor feinen Richtern.

Die Vernehmung des Angeklagten.

Wie uns aus Berlin gemeldet wird, fand in der gestrigen Nachmittagssitzung des Jatboprozessesdie Vernehmung des An­geschuldigten statt, die volle drei Stunden in Anspruch nahm. Sicherem Vernehmen nach hielt der Angeschuldigte seinen religiösen Standpunkt vollkommen aufrecht und bezeichnete ihn als gleichberechtigt innerhalb der evangelischen Kirche. Nach Beendigung des Verhörs wiederholten die Verteidiger, Profes. for Dr. Baumgarten-Kiel und Wlarrer.

Traub-Dortmund, den Antrag auf Verneh­mung der bereits benannten Zeugen. Es wird uns dazu berichtet:

iS Berlin, 24. Juni.

(Eigene Drahtmeldung.)

Von den vier Zeuge«, deren Vernehmung die Verteidiger Jathos gestern beantragt hat­ten, ist nur einer, Direktor Hintzmann aus Elberfeld, vernommen worden, während die Zeugen aus Jathos eigener Gemeinde ab­gelehnt wurden. Direktor Hintzmann bekun- bete, nach seiner Meinung habe nicht der Psarrer Jatho den Frieden im Wuppertal ge­brochen, vielmehr sei der Unfriede hervorgeru­fen worden durch die fanatische Oppo­sition der Orthodoxen. Der Zeuge verneinte auch die Frage, ob sich Jatho in kir­chenpolitische Dinge hineingemischt habe und gab seiner Ueberzeugung dahin Ausdruck, daß an der Friedfertigkeit Jathos nicht gezweifelt werden könne. Die Verhand­lung währte bis acht Uhr abends. Heute vor­mittag um zehn Uhr begannen die Verhand­lungen aufs neue mit den Plaidoyers; da diese sich aber fehle ausführlich gestalten, ist zu er­warten, daß die Entscheidung des Spruchkol­legiums nicht früher als in der späten Nachmittags st unde fallen wird. Wie diese Entscheidung sich gestalten wird, läßt sich noch nicht Voraussagen, trotzdem die Zeugen­vernehmung für Jatho sehr günstig auSgefal- len ist.

Berlin, 24. Juni. (Prtvat-Tele» gramm.) Zu dem (von unS bereits mitge- teilten) Charlottenburger .Fall Jatho" wird jetzt bekannt: Das Konsistorium hat dem Pfar- rer Deveranne von der TrinitatiSgemeinde in Charlottenburg den Wortlaut des Protestes zugesandt, den der kirchlich-positive Verein der Gemeinde gegen ihn wegen angeblicher Irr­lehre erhoben hat. Der Pfarrer ist aufge- foroert worden, sich gegen die Begründung deS Protestes zu äußern.

Las Kabinett Mond gefönt!

Die neueste französische Ministerkrife.

(Telegraphische Meldungen.)

Paris, 24. Juni. (Telegramm.) Nach Beendigung der gestrigen Kammer- sitzung hat das Kabinett MoniS feine. Demission eingereicht. Die Demission er­folgte, weil die Kammer bei der Be- sprechung einer Interpellation über die Er- nennung eines Generalissimus dem Mini­sterium ein Mißtrauensvotum er- teilt hatte. Mit 248 gegen 224 Stimmen lehnte nämlich die Kammer die vom Justiz- Minister Perier namens der gesamten Re- gierung verlangte Vertrauenökundgebung ab und beschränkte sich auf die Annahme der einfachen Tagesordnung.

Wie uns auS Parts berichtet wird, hat­ten sich schon kurz nach Beginn der gestrigen Kammersitzung, in der die Interpellation über die Ernennung eines Generalissimus der Armee zur Erörterung stand» die Minister in das Ministerium des Innern begeben und mit dem Ministerpräsidenten Monis verhan­delt. Es wurde bei dieser Gelegenheit bereits die Demission des Kabinetts beschloflen. In den Wandelgängen der Kammer versicherte man, daß eine große Anzahl Radikaler, die am Donnerstag zur Minderheit in der Frage der Verhältniswahlen gehörte, gestern gegen die Regierung gestimmt habe. In jedem Falle wird die jetzige Ministerkrists eine endgültige sein, weil es sich gezeigt hat, daß mit der Mehrheit, die am Donnerstag für die Verhält­niswahlen gestimmt hat, keine Regierungs­mehrheit gebildet werden kann. In den Wan­delgängen der Kammer wurden gestern bereits die Männer genannt, die mit der Bildung des- neuen Kabinetts betraut werden sollen, In ersterLinie nennt man Elemenceau; je­doch scheint dieser weniger in Frage zu kom- men, als der gegenwärtige Finanzminister

Cailloux. In dem neuen Ministerium: dürften die' meisten Mitglieder der gegenwär­tigen Regierung Platz finden und nur jene ausscheiden, gegen die sich schon seit Wochen eine mehr oder minder scharfe Gegnerschaft selbst im ministeriellen Lager bemerkbar macht. Die unmittelbare Folge der Abstimmung wird fein, daß der Vizepräsident des obersten KriegS- rates. General Michel, der im Kriegssafe die Ost- und Nordostarmee zu kommandieren hätte, Rang und Titel eines Generalissi­mus erhält. Clemenceau verhält sich der ge­genwärtigen Situation gegenüber abwartend; er würde inbeffen einem Kabinett Caillour kein Hindernis bereiten. Die desinitive Entscheidung wird wohl erst am Montag fallen.

Irr Zag der Blumen.

Die Nächstenliebe im Dienst der Armen.

Wohltun ist Herzens-Zier und Nächstenliebe quillt aus des Gemütes tiefsten Tiefen. Sie haben in ihrer stillen, bescheidnen Art Jahr­tausende überdauert und das Gold ihrer Lau­terkeit funkelt heut so hell wie in den fernsten Erdentagen, als im Ringen der Menschenseele zum erstenmal warm und treu Nächsten­liebe, Mitleid und Barmherzigkeit zu jungem Leben sprossen. Auch unsre viel- und hartgescholtne Zeit mit ihrem Hasten und Jagen nach Erwerb und Gewinn, mit ihrem rücksichtlosen Amerikanismus, der zu Boden tritt, was seine Zirkel zu stören droht, die Zeit des Egoismus, in der Ethik und Poesie nicht Raum mehr haben sollen: Die Zeit des Kul­tur-Raffinements und der Herzenkälte ist besser als ihr Rus. Und wer da spricht, der Materia­lismus habe die Ideale ertötet, der hat nicht hineingesehen in die Seele des Volks, dort, wo sie am tiefsten, am lautersten ist. Die .Stim­men des Herzens" sind nicht erstorben, die Mahnung der Menschenliebe ging nicht ver­loren: Ihr silbern Geläut mag oft übertönt werden vom Lärm des Alltags, oft schwächer klingend durch die dicken Rebel arbeitreicher Wochen, aber es läutet fort und fort, und wem der Klang ans Ohr dringt, den ergreift es mit elementarer Gewalt und jäh entsinnt er sich des bessern Teiles seines Menschentums: Nicht nur Kämpfer will er sein, auch Genießer! Wel­cher Genuß aber wäre edler, als der, der aus der Betätigung der köstlichsten Eigenschaften sprießt, bU deS Menschen Herz zu seinem Besitz rechnen darf: Die Pflege edler Mitleid-Saat, daS Wohltun an allen Denen, die mühselig und beladen, alS Stirflinder eines blinden Schick­sals auf der Schattenseite deS Lebens vegetie­ren, die alS Enterbte deS Glücks nur durch einen schmalen Spalt in grüner Hecke schauen, was das Leben an Freuden zu spenden ver- mag, wenn das Geschick dem Sterblichen den Weg mit Blumen säumt!

Die Wohltätigkeit hat in unsrer Zett viel von dem freundlichen Nimbus eingebüßt, der sie ehedem umstrahlte: Unsre Zeit ist ihr nicht Mehr günstig, und in ihrem Materialismus ist sie dem Sentiment fremder geworden. Vor allem aber ist (und das ist das Ersteuliche an diesem Wandel der Dinge) unser soziales Gewissen erwacht und hat dem Einzelnen ein gut Stück früherer Liebestätigkeit abgenom­men. So menschlich schön daS Gefühl deS Mit­leids an sich auch ist: Eine fortschreitende Kul­tur muß ihre Aufgabe darin erblicken, es über- flüssig zu machen. Wir haben erkannt, daß es unser aller Schuld ist, daß daS Elend durch die Lande geht, und aus dieser Erkenntnis ha- den wir den Schluß.gezogen, daß es die PflichtderGesamtheitist, jenem Nebel zu steuern. So hat der Staat, hat seine Gesetz- gebung es übernommen, im Großen zu tun, was des Einzelnen guter Wille immer nur im Kleinen erwirken konnte. Jene sozialen Ein­richtungen, die man als Wohlfahrtpflege be­zeichnet, sind an die Stelle der Wohltätigkeit getreten und mit Erfolg bat sich die Forderung nach einem Recht auf Arbeit und einem Recht auf ein auskömmliches Dasein durchgesetzt. Es kam hinzu, daß die Formen, in denen Wohl­tätigkeit sich zu äußern pflegte, nicht immer so waren, daß man sie um des guten Zwecks wil­len gutheitzen konnte: Auch hier, auf dem Feld der Nächstenliebe, war menschliches Irren wirk­sam, und das Werk des Mitleids geriet in Bah­nen, die sich mit dem ethischen Charakter des Zwecks nicht immer vereinigen ließen. Indes­sen: Helfen und Wobltun ist eine Kunst, die ge­lernt sein will, und die bei der Jugend bei ge­samten modernen Wohlsahrtspslege noch nicht restlos gelernt sein kann. Das soll aber nie­mand stören, seine Dienste dem großen Gedan­ken werktätiger Nächstenliebe zu weihen, denn auch unsre Welt ist am Ende im Einzelnen un­zulänglich. lind trotzdem: Wer atmete nicht gerne im rosigen Licht, wer möchte die süße Gewohnheit des Daseins, das Leben, missen auf dieser .besten aller Welten" ? So mag füg- lich auch das Wohltun betrachtet werden, in seiner Gesamtheit, in den Folgen und ... im Erfolg!

Das .soziale Gewissen" Pocht ttt unfern Tagen wieder stärker an die Herzen, und eine Frucht dieser Mahnung sind die B l u m e n - tage, die Stunden werktätiger Nächstenliebe im Dienst der Armen und der Kleinen. Vom Norden her kam uns das Licht, denn in der Dänenhauptstadt ist der Kinderhilfstag seit lan­gem eine ständige Einrichtung. Wie es nun mit guten Gedanken häufig zu gehen vfleat, jo

Sornmergian; durchstrahlt dir Welt,

Lunte Llumrnbeete prangen;

Sonnnrrblüten, duftgrschwellt,

Sind im Garten aufgegangen,

And im Wald und auf der flur,

Wo sich such dir Schritte wenden,

Spendet Llurnen dir Matur

Aeberal! aus vollen Händen.

Als ob Lern wunderhold

heute sich ln Lasse! regen,

Wandelt in des Mitleids Sold

Junge Anmut auf den Wegen;

In der Hand Len satten Strauß,

Auf der Wang' ein hold' Lrröten,

Wandern sie von Haus m Haus:

kauft, sch kaufet Margarethen!

Mahnt der lichte Mumrnstern

Sich nicht selbst schon ;um Lrbarmen?

Last Sich schmücken! Vpfre gern

für die Kinder unsrer Armen!

Sagt, wo wäre jene haud

Sir auch heut geschlossen bliebe?

froh erklingt es wett durch s Land!

Weihet Luch der Mächstrnuebe!