Stummer 169
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Fei-nsprecher 951 und 952.
Fernsprecher 951 und 952
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ersten Schlacken fielen .
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Sie Fugend brauset...!
$ Sofia, 23. Juni.
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(Eigene Drahtmeldung.)
Die gestrigen Szenen in der Großen So- branje übertreffen an stürmischer Kraft alles biLber Lier baaetoelene. 2« der Euar des
sind auch von anderen Korporationen an Präsidenten des Hansabundes ergangen.
»h.'^Td^S1<5?e Rauchten- erscheinen wSchenMch sechsmal und paar ^bonnementSpretS betrügt monatlich 60 Pfg. bei freier Zu- ESS? Druckerei,«erlag n.Redaktion:Tchlachth-ftiraß- 28/30. BerBneT Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt rv, 676.
Lindpaintner Erster in Lüneburg!
(Eigene Drahtmeldung.) A Lüneburg, 23. Juni.
Kurz nach sechs Uhr früh kam hier in schönem Flug ein Doppeldecker in Sicht; alsbald wurde darin Lindpaintner erkannt; kurz darauf kam der rote Aviatik-Doppeldecker Büchners in Sicht. Lindpainter landete nach einer großen Kreisfahrt um 6 Uhr 10 Minuten auf dem Flugplatz, Büchner um 6 Uhr 16 Minuten; beide Landungen vollzogen sich ganz glatt. Die Flieger erzählten über die Fahrt, daß die Fernsicht sehr schlecht gewesen sei. ES herrschte trübes Wetter und eine Weile fiel Regen. Bei der Zwischenlandung in Lübeck war Büchner an seinem Apparat ein Spanndraht . gerissen. Trotzdem dieser Schaden schnell behoben war, verlor er doch einige Zeit in Lübeck und so konnte Lindpaintner dort eher starten und als E r st e r in Lüneburg eintreffen. Um 6 Uhr 50 Minuten traf auch Bollmöller ein.
München, 23. Juni. (Privat-Tele- gramm.) Um den 50 000 Mark -Kathreiner-Flugpreis für einen Flug von München über Nürnberg, Leipzig nach Berlin, der bekcanntlich schon im vorigen Jabr ausgeschrieben war, hat sich der Oberingenieur Helmuth Hirth, der Sieger im Oberrheinischen Zuverlässigkeitsflug, von den Rumplerwerken in Berlin gemeldet. Der Königlich baperische Automobilflub hat die Meldung Hirihs angenommen. Der Flug wird in München-Puchheim beginnen und endigt in Berlin-Johannisthal. Hirth gedenkt die Fahrt bereits in der ersten Juliwoche anzutreten.
tativ sitzen. Es kam in der Kammer dann zu einem gewaltigen Tumult, sodaß der König die Verlesung der Thronrede kaum beendigen konnte. Es liegt uns darüber folgende Meldung vor:
Mann für Mann. Lasset uns unsere Zivili- sation, die ihren Neid erregt, gegen die Angriffe der Pangermanisten verteidigen. Vor- värts, französische Studenten, lassen wir uns nichts von den Barbaren gefallen und rächen wir unsere Strassburger Kameraden, die so grausam getroffen worden sind . !" (Furcht
bar: nun wird Europa wirklich zittern!)
B e r l in, 23. Juni. (Telegramm u n- sers ^-Korrespondenten.) Der Vorstand des Bundes der Industriellen richtete an den Hansabund anlässlich des Ausscheidens des Landrates a. D. Röttger eine Kundgebung, in der erneut die Notwendigkeit betont wird, daß die deutsche Industrie ge- sch l o s s e n an dem vom Hansabund erstrebten Zusammenwirken von Handel, Industrie und Gewerbe zur Erringung grösseren Einflusses auf die Gesetzgebung Teil nimmt, und worin ferner dem Präsidium des Hansabundes daS Vertrauen der im Bunde der Industriellen
Kiel-Lübeck Mnebmg.
Die heutige Etappenfahrt des Rundflugs.
Wie uns aus Kiel berichtet wird, erfolgte dort nach Beendigung der Kieler Flugwoche heute früh der Start für die Strecke Kiel- Lübeck-Lüneburg des Deutschen Rundslugs. Der Himmel war sehr trübe und hing voller Wolken. Jeden Augenblick drohte der Regen einzusetzen. In der Tat fielen auch, als Büchner mit Leutnant Steffen als Erster startete, die ersten Regentropfen. Büchner startete um 4 Uhr 2 Minuten, dann folgten Lind- paintncr 4 Uhr 9 Minuten, Vollmöller 4 Uhr 25 Minuten. Thelen 4 Uhr 13 Minuten, Rei- chardt 4 Uhr 10 Minuten, Schauenburg 4 Uhr 15 Minuten und König 5 Uhr 14 Minuten, lieber die Ergebnisse der heutigen Fahrt liegen uns folgende Meldungen vor:
W Lübeck, 23. Juni.
(Eigene Drahtmeldung.)
Auf der Fahrt von Kiel sind heute früh hier eingetroffen und haben die vorschriftsmäßige Zwischenlandung vorgenommen: Büchner 4 Uhr 57 Minuten. Er ist 5 Uhr 21 Minuten in der Richtung nach Lüneburg weitergeflogen. Lindpaintner ist um 5 Uhr gelandet und um 5 Uhr 15 Minuten nach Lüneburg weitergeflogen. Vollmöller traf 5 Uhr 25 Minuten in Lübeck ein und setzte 5 Uhr 52 Minuten die Fahrt fort. Vollmöller hatte übrigens als Passagier den Oberleutnant zur See, Bertram, auf seinem Apparat. Thelen ist 5 Uhr 48 Minuten in Lübeck glatt gelandet. Von seinem Weiterflug ist noch nichts bekannt. Reichardt ist bisher in Lübeck noch nicht eingetroffen, Schauenburg ist wegen Schwierigkeiten an seinem Motor, 23 Kilometer von Kiel entfernt, gelandet, ohne Schaden zu erleiden. Von König liegt bisher noch keine Nachricht vor.
Das Quartier latin gegen die „Barbaren". (Eigene Drahtmeldung.)
Aus Paris wird uns depeschiert: Die „Straßburger Post" (ein Sckwesterblatt der „Kölnischen Zeitung") hatte dieser Tage anläßlich der Auflösung des Straßburger Cercle des £tudiants alsaci ens-lorrains einen Artikel gegen die angebliche Unsittlichkeit der französischen Studenten gebracht, der im Pariser Studentenviertel ungeheure Aufregung verursacht bat. Gestern abend hat die Pariser Studentenschaft einen gegen das Straßburger Blatt gerichteten Mauer-Anschlag anheften lassen, in dem sie gegen den von der genannten Zeitung gemachten Vorwurf der moralischen Minderwertigkeit protestiert. In dem Anschlag heißt es: „Es ist dies dieselbe Zeitung, die die Ausforderung ergehen ließ, auf unsere die Grenze passierenden Aeroplane zu schießen. Genug jetzt der Herausforderungen. schöne Moralpredigerin! Nach dem skan- dalösen Berliner Prozeß, der Europa nicht verheimlicht werden konnte, ist es an der Zeit, ihre Lügen und groben Beleidigungen aufzudecken. Wenn es sich um die nationale Ehre handelt, so steht die französische Jugend
Sie Spitzen der Herzogin
Die Geschichte eines Sensations-Prozesses.
(Von unserm ^-Korrespondenten.)
Nach Inseraten • der Berliner Tagespresse sollte am letzten M woch, nachmittags 4 Uhr, in der Pfandkammer in der Neuen Schönhau- serstraße die Versteigerung eines Pfandobjekts stattfinden, das in bezug auf seine Vorgeschichte wie das sich wahrscheinlich daran schließende gerichtliche Nachspiel die öffentliche Aufmerksamkeit in weitestgehendem Maße in Anspruch nehmen dürfte. Es handelt sich bei dem Pfandobjekt um ein Kunstw erk russischer Spitzenklöppelarbeit und Filetstickerei, dessen Wert auf sünfundzwanzigtau- send Mark angegeben wird. Es besteht aus zwei Ueberwürfen für ein fürstliches Schlafboudoir nebst Baldachin und zwei Seffelüber- würfen. Diese Toiletteeinrichtung wurde gelegentlich eines Nizzaer Kuraufenthaltes von der verwitweten
Herzogin Marie von Koburg-Gotha, Großfürstin von Rußland, bei einer in Berfin lebenden Baronin Brisken bestellt, die sich berufsmäßig mit dem Vertrieb der Erzeugnisse russischer Kunstgewerbeanstalten beschäftigt. Die Toilette sollte als Hochzeitsgeschenk für die Tochter der Herzogin, die Prinz es- f in Beatrice von Bourbon-Orleans, dienen. die vor zwei Jahren bekanntlich einen Jn- fanten von Spanien heiratete. Als das wertvolle Hochzeitsgeschenk ankam, entstanden zwischen Bestellerin und Lieferantin Differenzen wegen des hohen Preises. Man suchte die Baronin Blinken auszuschalten und verhandelte direkt mit der Vorsteherin der russischen Kunstanstalt, einer
Fra« Edith von Avinofl,
die in zweiter Linie die Bestellung vermittelt batte. Der Vertreter der Baronin Blinken in Berlin. Justizrat Hoffmann, strengte nun gegen die Herzogin die Zivilklage an. während diese die Baronin Blinken wegen Erpressung bei der Staatsanwaltschaft in Koburg anzeigte. Die Beschlußkammer lehnte aber die Eröffnung der Hauptverhandlung ab. In der am Landgericht Gotha verhandelten erstinstanzlichen ZiviMage wurde die Herzogin Marie durch Teilurtell zur Zahlung von 3400 Mark verurteilt. Als durch Berufung der Herzogin gegen dieses Urteil die Sache zur Verhandlung an das Oberlandesgericht Jena gelangte, hat der Vertreter der Baronin Blinken in Jena, Rechtsanwalt Hensell, einen Vergleich dahin abgeschlossen, daß die Baronin
die Toilette zurücknttnmt
und die außergerichtlichen Kosten geteilt werden Baronin Brircken behauptete nun, daß dieser Vergleich auftragswidrig erfolgt sei und focht ihn im Zwischenstreite an. In diesem Zwischenstreit bekundete Rechtsanwalt Hensell unter Eid, Auftrag zu dem Vergleichsabschluß erhalten zu haben, worauf das Oberlandesge- rickt Jena den ganzen Rechtsstreit für erledigt erklärte. In einem weiteren Zwischenstreit« der Frau von Avinoff ist die strittige Toilette gepfändet worden. Baronin Drinken erstattete bei der Staatsanwaltschaft Weimar gegen ihren Vertreter Hensell Anzeige wegen Handlung im Einverständnis mit der Gegenpartei, wegen Meineids und Urkundenvernichtung, wurde mit der Anzeige aber abgewiesen. Baronin Blinken wandte sich nun an den aus einem Beleidigungsprozeß der letzten Zeit bekannten
Schriftsteller Dr. Wernsdorf
in Jena, der im Auftrag seiner Mandantin an den Vertreter der Herzogin Marie, den B a - ron Mengden in Koburg, das Ersuchen richtete, in der Richtung einer fiiedlichen Beilegung tätig sein zu wollen, da andererseits ein öffentlicher Eklat unvermeidlich wär«, auf Grund d'eses Schreibens wurde ae-
vereinigten Industrie ausgesprochen und die jetzt erfolgte Störung der notwendigen Einig- bedauert wird. Aehnliche Kundgebun-
Landwirte war: Für diesen nämlich existiert die sozialdemokratische Frage nicht, denn die Sozialdemokraten sind auch wirtschaftspolitisch seine Gegner. Ganz anders liegt die Sache dagegen beim Hansabund: Es besteht nun einmal die Tatsache, daß (unbeschadet ihres Endziels) in der praktischen Poli tik der nächsten Jahre die Sozialdemokratie ähnliche wirtschaftspolitische Ziele verfolgen muß, wie der Hansabund. Wenn daher der Hansabund, über den politischen Parteien stehend, lediglich für seine wirtschaftlichen Interessen eintreten will, so müßte er einem Sozialdemokraten vor einem ausgc- sprochnen Anhänger des extremen Konservativismus (welcher Parteischattierung er immer auch angehören möge) den Vorzug geben. Aus begreiflichen Gründen scheut man sich indessen, diese letzte Konsequenz der politischen Neutralität zu ziehen. Daran wird auch dadurch nicht viel geändert, daß man es abgelehnt hat, die Bekämpfung der Sozialdemokratie in den Vordergrund zu stellen.
Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß bezüglich der Stellung zur Sozialdemokratie im Hansabund tiefgehende Meinungsverschiedenheiten bestehen, und diese Differenzen schwächen die Stoßkraft des Bundes beträchtlich, da die beiden widerstreitenden Teile sich naturgemäß zum großen Teil neutralisieren werden. Wie die Krise (die tatsächlich besteht) sich schließlich lösen lassen wird, läßt sich zurzeit noch nicht absehen; daß aber eine Lösung erfolgen muß, sehen alle diejenigen ein, die den Kernpunkt der Dinge nach seinem tatsächlichen Gehalt bewerten. Es zeigt sich eben, daß zwischen der idealen Theorie des Bundes und der brutalen politischen Wirklichkeit, den hohen Zielen der Bürger-Hansa und den riesenhaft, sich, auftürmenden Schwierigkeiten der Verwirklichung Unterschiede bestehen, die nach menschlichem Ermessen nicht allein mit Worten überbrückt werden können, die vielmehr durch entschlossene Taten beseitigt (oder doch gemindert) werden müssen. Seit dem Tag ihrer Gründung hat sich im Bund der Hansa schon manches gewandelt, ist aus der Krone der Ideale schon manch funkelndes Juwel von der rauhen Hand der Wirklichkeit herausgebrochen worden, und diese Entwicklung zur praktischen Nüchternheit, zur einfachen T a t - Erst r e b u n g auf dem Boden gegebner Möglichkeiten wird auch nicht aufgehalten werden dürfen, wenn die neue Hansa dem deutschen Bürgertum das werden soll, das sie zu fein, ihm einst versprach. Und deshalb war's nützlich, daß durch die frühe „Sezession" im jungen Bund schon in den Kindheit-Tagen die
Bei der gestrigen Eröfsnung der bulgarischen Sobranje (Landesparlament) ist es zu stürmischen Zwischenfällen gekommen. Beim Betreten des Saales wurde der König von den Abgeordneten der Regierungspartei stürmisch begrüßt; nur die Bauernbündler,die Sozialisten und die radikalen Demokraten blieben osten-
Ferdinaud und sein Parlament.
Sturmszenen in der Sobranje.
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Saales entwickelte sich etn Orkan von vierhun
dert schreienden und brüllenden S
men, dir
zum Teil protestierten, zum Teil Hu ca schrieen.
Die Königin, Prinz Cyrill und die
Diplomaten standen erschrocken von ihren Sitzey
auf. König Ferdinand allein verlor, obwohl
er sichtlich blaß wurde, nicht die Selbstbeherr
schung. Am größten Schreier, dem Bauernführer Stambolinski, vorhergehend, fixierte er ihn durch sein Augenglas, fragte nach seinem Namen und äußerte, als er von dem Premier- Minister Geschow Abschied nahm: „Schade, daß ich mit dem Mann nicht bekannt bin, ich hätte ihm sonst zum Dank dafür die Hand gedrückt, daß er die Absicht hatte, mich von der schweren Last der Zeremonie zu befreien." Einer anderen Version zufolge soll der König gesagt haben: „Ich hätte ihm gedankt dafür, daß er mir Gelegenheit gab, mich zu überzeugen, wie fest die Ration um den Thron geeinigt dasteht." Die Erregung in parlamentarischen Kreisen über die gestrigen Vorgänge ist so groß, daß man für heute eine Wiederholung der stürmischen Szenen fürchtet.
Sonnabend, den
24. Zunr 1911
Slmsa-öerefsiou.
Röttgers Abmarsch aus dem Hansabund.
Auf die Austrtttserklärung des Landrats Röttger aus dem Hansabund hat der Hansabund Präsident Geheimrat Riester geantwortet, er habe vom Präsidium die ausdrückliche Vollmacht zu derartigen Wahl- und Werbeaufrufen erbalten, er fordere ja auch nur den Kampf gegen die „Ueberagrarier", also den Bund der Landwirte, den Herr Röttger selbst ebenfalls mit Entschiedenheit stets bekämpft wissen wollte. Der Austritt Röttgers könne daher nur aus Gründen politifcherTak- t i t erfolgt fein.
Es ist auch dem Hansabund nicht erspart geblieben, daß der Pessimismus ihm ein ungünstiges Horoskop stellte, und zwar nicht nur in den Kreisen seiner Gegner (bei denen ja der Wunsch der Vater des Gedankens war), sondern auch im Kreis der eignen Freunde: Möge er auch über noch so große finanzielle Hilfsquellen verfügen, es fehle ihm die Geschlossenheit, wie sie fein Gegenstück, der Bund der Landwirte, aufweise, doch zu fehr, als daß er bei den Wahlen große Erfolge werde erringen können. Das Eine trifft ja auch zu: Der Bund der Landwirte stellt im Großen und Ganzen in feinen wirtschaftlichen, politischen, religiösen Anschauungen eine kompakte Masse dar, wenn er auch nicht auf eine bestimmte Fraktion eingeschworen ist. Der Hansabund dagegen hat den Ehrgeiz, über allem Parteigetrieb zu stehen. Er verfolgt nach feinem Programm nur wirtschaftspolitische Ziele, und auch diese Jntereffenpolittk hat man so wacker verklausuliert, daß sich selbst ausge- sprochne Agrarier zum Hansabund bekennen können, wenn sie an der idealen Theorie Genüge finden. Es ist sicher auch eine fchöne Sache um die Theorie, daß man nur Wirt- fchastspolitik treiben will. In der Praxis dagegen sieht das Bild fchon ganz anders aus. Da findet man, daß die wirtschaftspolitischen Ziele des Hansabunds von ganz bestimmten politischen Parteien gefördert, von anderen bekämpft werden, und cs kann unter diesen Umständen natürlich nicht ausbleiben, daß der Hansabund (wenn er die Erwartungen erfüllen will, die bei seiner Gründung das Bürgertum in ihn gesetzt hat) ganz von selbst mit gewissen politischen Parteien in eine Kampflinie gedrängt wird, genau wie der Bund der Landwirte.
Soweit bei diesem Turnier nur die beiden liberalen Parteien als Kampfgenossen in Betracht kommen, liegt die Sache verhältnismäßig einfach, denn es hat wohl ernstlich niemand daran gezweifelt, daß der Hansabund bei den Wahlen vorwiegend liberale Kandidaten unterstützen werde, und wenn gleichwohl auch agrarisch-konservative Streife (so vor allem der Zentralverband Deutscher Industrieller) dem Hansabund beitraten, so geschah das eben nur, um wenigstens einen Versuch zu machen, den Linksabmarsch der neuen Hansa aufzuhalten: Man wollte den Hanfabund nicht nur in eine scharfe Kampfstellung gegen die Sozialdemokratie, fondern auch möglichst in einen Gegensatz zu dem Linksliberalismus drängen. Nachdem indessen der Verlaus des ersten allgemeinen Hansatags gezeigt hat, daß beide Versuche vergeblich waren, geben die aus der Rechten wirksamen Mächte das Rennen auf. Ter Vorsitzende des Bundes Deutscher Industrieller, der konservative Landrat Röttger, hat unter Hinweis aus den Appell des Hansa-Präsidenten Geheimrat Dr. Rießer an das Bürgertum seinen Austritt aus dem Präsidium erklärt und ist alsdann auch aus dem Hansabund überhaupt ausgetreten. Seinem Beispiel dürsten andere folgen, und vermutlich wird es voraussichtlich die Schwer-Jndustrie im Reichswesten fein, die geschlossen zum Abmarsch aus der bürgerlichen Hansa antreten wird. Es ist also berechtigt, wenn von einer Sezession, von einer Läuterung, oder (wenn man will) von der „ersten Feuerprobe" der neuen Hansa gesprochen wird, die in einem Moment erfolgt, der den Hansabund an einem Kreuzweg seiner Zukunfts-Schicksale sieht: Rechts oder Links?
Die Sezession bedeutet indessen keine Schwächung, sondern eher eine Stärkung des Bundes. Hätte sich die Hansa von ihrem eigentlichen Ziel, der Bekämpfung egoistischer Jnteressenpolitik, abbringen und in eine Hilfstruppe des einseitigen Kampfs gegen Links verwandeln lassen, so wäre das für sie der Anfang vom Ende gewesen. Gleichwohl ist auch nach dieser reinlichen Scheidung die Situation der Hansa noch immer schwierig, weit schwieriger. als sie es jemals für den Bund der