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1. Jahrgang

Nummer 168

WckrNeutstk lhd)rid]ten

Hessische pbrndzritung

Casseler pbrnchritung

Fernsprecher 951 unb 952,

Freitag, den 23. Juni 1911

Fernsprecher 951 und 952.

F. H.

heimbringen .. .?

DUCageler Neueste Nachrichten" erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der AbonnementSpreiS beträgt monatlich so Pfg. bet freier Zu- stellung ins Haus. Druckerei, Verlag u. Redaktion: Schlachthofstraße 28/30. Berliner Vertretung: SW. Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

genehmsten Sinne gedeutet und bereits heraus­gerechnet, daß eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich in der Marokko- frage die beste Dämpfung der über Nacht rie­sengroß emporgewachsnen spanischen Begehr­lichkeit sein, alle Sorgen wegen des üblen Partners Argwohn scheuchen und den Draht­ziehern in Madrid die Erkenntnis völliger Vereinsamung auf der tristen Flur törichter Hrarokkowünsche überzeugend zu Gemüte füh­ren würde. Mit einem Wort: Deutschland als Kühlschirm vorm überhitzten Marokko- Feuerchen!

Verhält's sich wirklich so, dann dürfte man den Schachzug Kiderlens als kluges Meister­stück gelten lassen; vorausgesetzt natürlich, daß das Aequivalent, das Herr Eambon beim Kis­singer Rendezvous dem Nachbar in Aussicht stellen durfte, die fromme Duldung lohnt. Un­bescheiden brauchen wir ja nicht zu sein: Wir haben am Marokkospiel (von derLohengrin- Fahrt' bis heut) mehr Leid als Freud erlebt und das würdige Schweigen der Wilhelm- straße in den letzten Wochen (das angesichts des Einzugs der Franzosen in Fez selbst fried­lich gesinnte Patrioten einigermaßen überrascht hat) läßt auch nicht darauf schließen, daß in Berlin sonderliche Neigung besteht, sich wegen des Marokko-Abenteuers und wegen der lästi­gen Algeciras-Reminiszenz in weitreichende Engagements einzulassen. Daß fiir uns bei dem nun doch einmal vexfahrnen Handel noch Lorbeer zu ernten wäre, hat längst kein Ernsthafter mehr zu behaupten gewagt, und um der schönen Augen spanischer Paradchelden willen pflegt sich kluge Politik auch nicht zu echaussieren. Was könnte also Besseres geschehen, als durch eine würdige, auf der Grundlage beiderseitigen Entgegenkommens vorbereitete Verständi- gung mit Frankreich uns der drückenden Sorge um das längst vergilbte Mgeciras-Pa- pierchen zu entheben, Frankreich die Ordnung der Dinge im Maurenland zu überlassen und den Frieden zwischen zwei großen Nachbarvöl­kern durch die Beseitigung der letzten Tren­nungschranken zu befestigen? Frankreich ist heut der Bittende, der Verlangende, und müßte uns für freundliches Entgegen­kommen einen Danktribut zollen, der sicher aufrichtiger sein würde als die schönste Depeschenphrase beim Empfang von Trauer­kränzen und Beilrid-Telegrammen. Wird Herr von Kiderlen aus Kissingen diesen Erfolg mit

(Telegraphische Meldung.)

Der Korrespondent desMatin' hält eS fiir unbedingt gewiß, daß Herr Villalta schon nicht mehr ganz gesund war, als er die alarmierenden Berichte für seine Regierung abfaßte, in der die Lage in und um El Ksar so dargestellt wurde, als würde es den dort hau­senden Spaniern jeden Augenblick an den Kra­gen gehen,ober sollte Herr Villalta vielleicht auf höheren Befehl den Narren mimen, um seinen Landsleuten erwünschte Gelegenheit zu geben, ihre Mannen aus El Ksar und Lar­rasch wieder heimwärts zu senden?' Dieser Annahme widerspricht allerdings einigermaßen eine andere Nachricht, der zufolge zwei spa­nische Offiziere beinahe einen Staaten­kampf heraufbeschworcn hätten, weil sie bei Verlesung der jüngsten Kundgebung des Sul­tans der Meinung waren, es handele sich um die Proklamierung desHeiligen Krieges'. Hier eingegangenen Depeschen aus Fez zu­folge wird General M o i n i e r demnächst auf­brechen. Da er nicht über die Streitkräfte ver­fügt, die notwendig sind, um den Gebirgsstock des mittleren Atlas zu durchfuchen, wohin sich die nichtunterworfenen Berber geflüchtet ha­ben, wird er sich darauf beschränken, in Sefru eine hinreichende Garnison zurückzulaffen, um die Ait Doussi im Schach zu halten, und Posten einrurickten. um die Verbinduna von Seiru

BeMmnwr Fest...?

Kiderlen-Wächter und Eambon im Bade.

Herr von Kiderlen-Wächter (den man vor nicht überlanger Zeit noch als den Herrn mit der gelben Weste' bespöttelte, und dessen Bukarester Junggesellen-Passionen will- kommncn Anlaß zum Tantenklatsch boten) steigt sichtlich im Wertmaß zeitgenössischer Kritik: Ten Marokko-Lärm geflissentlich überhörend, weilt der Herr Staatsfekretär des auswärti­gen Reichsgeschästs seit Wochen in der vor­nehm-ruhigen Sphäre der Kissinger Saison, kostet in vollen Zügen die stärkende Lust des Nadelholzwalds und erfreut sich des Genusses froher Ferien, die man dem Vielgeplagten auch austichtig gönnt. Kiderlens Bewundrer deu­ten die Vorliebe der rasch zur Höhe emporge- stiegnen Exzellenz für Kissingens grüne Reize als ein weiteres Zeichen bismärck'scher Geist­verwandtschaft, das sich dem wuchtigen Lapi- dar-Stil und der starknervigen Art Kiderlen- scher Geschäftsführung als überzeugendes Cha­rakteristikum mählig sich entwickelnder Größe geselle. Vielleicht ist auch die fromme Legende nicht ganz ohne innern Kern, und möglicher­weise wächst der Mann, der in der kurzen Zeit seines Wilhelmstraßen-Daseins das verworrne Erbe Wilhelm von Schoens leidlich zu ordnen verstand, wirklich einmal über die Höhen­linie zünftiger Diplomatie hinaus, obgleich Notenstil und kluge Bäderwahl noch nicht den großen Staatsmann machen. Aber auch in einer andern (und offenbar wichtiger») k Eigenart neigt Herr von Kiderlen zur bis- märck'schen Tradition: Er liebt diePolitik im 99 abe', pflegt auf bem Gang zum Brun- ) nett diplomatisches Geplauder, und hat jetzt eben in Kissingen eine Aktion begonnen, die Hx man jenseits der Vogesenfelsen gleich verständ- ,,4. nisvoll gewürdigt har.

: Der Zufall (oder auch die Hand weiser Re­

gie?) hat's nämlich gefügt, daß just zu der Zeit, da der deutsche Auslandminister sich an Kissingens Heilkraft labte, auch Herr Jules Eambon, Frankreichs Botschafter in Berlin, das Bedürfnis empfand, dem grünen Tisch zu entfliehen und im Kissinger dolce far niente Erholung von langer Wochen Plage zu suchen. Bereits am Bahnsteig tauschten die beiden Diplomaten Gruß und Handschlag: Herr von Kiderlen empfing den Geschäftsträger der Re- publik beim Verlassen des V-Zugs, und an die Begrüßung in der Bahnhofhalle schloß sich später eine ausgedehnte Unterhaltung über die aktuellen Fragen des politischen Geschäfts, von der Hellhörige behaupten, daß sie aus­schließlich der neuesten Wendung im Marokko- Abenteuer gegolten und Herrn Cambon offen­bar sehr befriedigt habe, denn er sei später (trotz langer Eisenbahnfahrt) bei sprudelnder Laune gewesen und habe im intimen Kreis die gepfeffertsten Abenteuer aus seinerDach­senzeit' erzählt. Im deutschen Blätterwald ist die Kunde in lakonischer Kürze vermerkt wor­den (wie alles, was mit Marokko zusammen­hängt, seit uns gesagt worden, daß für Deutsch­land kein Anlaß bestehe, dem westlichen Nach­bar seine afrikanische Passion mißgönnend zu verleiben); umso lebhafter hat bie Pariser Presse bas Ereignis kommentiert: Französische |? Blätter erzählten gestern ganz ernsthaft, auf der Kissinger Kurpromenade sei in bett letzten Frtthlingtagen bie d e u t s ch - f r a n z ö s i -

tun« unb es kam zu lebhaften prinzipiellen Auseinanbersetzungen. Sämtliche Stadthäup­ter machten gegen das Gesetz Front. Man will keinen Zwang, nur sakultative Zweckverbände; aber man hatte mit den Anträgen kein Glück, denn sie wurden mit wenigen unbedeutenden Ausnahmen samt und sonders a b g e l e h n t und schließlich wurde das Gesetz in namentli­cher Abstimmung mit neunundfünfzig gegen sünfundvierzig Stimmen angenommen. Mit den Bürgermeistern stimmte bemerkenswerter Weise auch GrafPosadowskv gegen das Gesetz. Er steht bekanntlich auf dem Stand­punkt, daß durch die Schaffung von Zwangs­und Zweckverbänden die Interessen der kom­munalen Selbstverwaltung nicht gefördert werden,' vielmehr Rcibungsflächen entstehen müssen, die sich in der Praxis der Kommunal­verwaltung sehr unangenehm bemerkbar ma­chen würden. Daß das Gesetz schließlich den­noch mit einer verhältnismäßig starken Mehr­heit angenommen wurde, ist barauf zurückzu­führen. baß in den letzten Tagen regie­rungsseitig eifrig daraushingearbeitet worden war. die Schwierigkeiten, die der An­nahme des Gesetzes im Herrenhaus entgegen­standen, zu beseitigen. Wie die gestrige Abstim­mung erwiesen hat: Mit Erfolg. In seiner hetltigcn Sitzung hat sich das Herrenhaus noch mit einigen kleineren Vorlagen zu beschäftigen.

*

Hinter den Kulissen.

(Privat-Telegram m.)

Wie gestern in den Wandelgängen des Ab­geordnetenhauses erzählt wurde, hat der preu­ßische Handelsmini st er Sydow keinen Zweifel darüber bestehen lassen, daß er ent­schlossen sei, von seinem Posten zurückzu­treten, falls die Einführung des Reli­gionsunterrichts in den Fortbil­dungsschulen definitiv beschlossen werden sollte. Infolge dieser entschiedenen Haltung des H/mdelsministers sahen sich diejenigen Per­sönlichkeiten, die vor und hinter den Kulissen am eifrigsten für die Einführung des Reli­gionsunterrichts gewirkt haben (in erster Linie der Kultusminister von Trott zu Solz) genö­tigt, ihre Forderungen einzuschränken, und das Resultat war, daß nun in der Kommission auch die Konservativen die Forderung fallen ließen und nur noch das Zentrum dafür ein« trat. ES ist übrigens zweifelhaft, ob das Ge­setz über bie Pflichtfortbilbungsschulen noch in biefer Tagung zur Verabschiebung gelangen wirb, da nach bett augenblicklichen Dispositio­nen der Landtag bereits Ende der nächsten Woche geschlossen werden soll. Es scheint also, daß man versuchen will, etwaigen Kompli­kationen (Drott zu Solz gegen Sydow!) aus dem Weg zu gehen.

Neue Marokko-sensationen.

Der geisteskranke Konsul.

s ch e Versöhnung um einen ansehnlichen Schritt dem Ziel näher gekommen, und es bereite sich zwischen den beiden Mächten eine Verständi­gung über alle npch schwebenden Fragen vor, von der man hoffen dürfe, daß sie beide Teile befriedigen werde.

Erstaunlich, tote rasch das alles gewor­den: Dieser Tage noch konnte man in den Kontoren der Wilhelmstraße vernehmen, Frank­reichs Operationen im Reiche Muleys verlang­ten fortgesetzt die geschärfteste Aufmerksamkeit ber Algeciras-Consortialen, und das plötzliche Erwachen Spaniens zu spätem Heldentum sei geeignet, die Situation bedenklich zu kmnpli- tieren. Bis nun unter dem wärntenden strahl ber Kissinger Badesonne bie Herren Cambon und Kiderlen plötzlich entdeckt haben, daß der Himmel in strahlendem Glanze blaut und daß weder im Land der Mauren noch anderwärts auf dem Erdrund Unheil lauert. Und während man im Bereich der dreisarbnen Grenzpfähle nicht einmal weiß, was die beiden Staatsmän­ner auf der politischen Promenadebank sich eigentlich erzählt haben, wiegt man in Paris bereits emsig das Fazit aller Möglichkeiten, die an Gutem und Bösem aus diesem Rendez­vous herauswachsen könnten. Sanguinisch, wie nun einmal ihr Temperament, hat bie franzv- siscbe Boulevard-Politik das Ereignis im an«

SnferttonSpretfe: Die sechSgefpalteue Ze»« für elnheimtfchi SeWäfte 16 Pfg.. für auswärtig« Inserate 25 Pf, Reklame,eile für -inh-imifche Oe- schüft- 40 Pf. für auswärtige 60 Pf. Eeschüftsstelle: Kölnische Straße 6. Berliner Vertretung: SW. Friedrichstraße 16. Telephon: Amt IV. 6 <6.

Depeschen aus Tanger zufolge ist ber spanische Vizekonsul Villalta von El Ksar plötzlich g e ist e s k r a n k geworben unb nachts nach Larrasch gebracht worben, um von bort nach Spanien zurücktransportiert zu werben. Die von bei spanischen Regierung jüngst ver­öffentlichte Denkschrift über die angeblichen Unruhen in der Gegend von El Ksar beruhten auf dem Bericht von Villalta und man fürchtet daß das Madrider Kabinett irregeführt worden sei. Es liegen dazu noch folgende Wei­tere Meldungen vor:

Paris, 22. Juni.

Äiffingen, 22. Juni. (Eigene Draht­meldung.) Gestern mittag unternahm ber seit einigen Wochen hier zur Kur- weilende Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Herr von Kiderlen-Wächter, mit dem am Dienstag hier eingetroffenen französischen Boffchafter Cambon einen cinstündigen Spaziergang und geleitete dann Cambon zum Bahnhof, von wo aus der Botschafter mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug direkt nach Paris abfuhr. Herr von Kiderlen-Wächter hat seine Kissinger Kur geftent ebenfalls beendet und wird heute nach Berlin zurückkehren. Es darf als feststehend erachtet werden, daß die wieder- bolten eingehenden Besprechungen Kiderlen- Wächters mit Cambon ber Marokkofrage gegolten haben.

Die Preußen Parlamente.

Sommerarbeit im Landtag.

Sommers Anfang! Die parlamentsfeinb- liche Zeit ist ba, und es handelt sich in der Hauptsache jetzt nur noch um das Aufatbei- t e n ber Reste. Im Abgeordnetenhaus wurden denn auch gestern eine Reihe kleinerer Vorlagen ziemlich schnell erledigt, darunter die Novelle zur westfälischen Provinzialoidnung. die Be­schulung blinder und taubstummer Kinder und die Aussührungsordnung zum Reichsvtehseu- chengesetz. Eine längerer Debatte entstand dann über das Einführungsgesetz zur RetchS- toertzuwachssteuer. wobei es an prin­zipiellen Auseinandersetzungen nicht fern« So gab es wieder den Antrag über die Aufhebung der l a n d e s f ü r st l i ch e n St e u e r f rei­he i t. der indessen auch diesmal abgelehnt wurde, ebenso wie die sonstigen Abänberungs- anträge. Tas Gesetz wurde in zweiter und dann auch in dritter Lesung angenommen. Zum Schluß noch eine Geschäftsordnungsde­batte: Ter Konservative, Herr von Branden­stein. nahm für die Reform der Geschästsord- nuna die Priorität gegenüber bett Initiativ­anträgen in Anspruch, währenb ber national- liberale Führer Friebberg den Wahlrcchtsan- traa für viel wichtiger erklärte. Der Krieg blieb leider unenffchicden. Heute stehen das Zweckverbandsgefetz für Groß-Berlin und klei­nere Vorlagen auf ber Tagesorbnung.

Im Herrenhaus war gestern toleber ber Tag ber Bürgermeister': Das allgemeine Zweckverbanbsaefeti stand zur Bera-

nach Mekines zu sichern. Moinier wirb al» dann Fez räumen, indessen außer den Ab­teilungen Mangin und Bremond eine verstärkt« Truppenmacht zurücklassen. Sämtliche Trup­pen sollen im Sommer nach Mekines gehen wo ihre Einquartierung den Stillstand der aktiven Operationen bedeutet.

Sezession im -Mssbmd?

Landrat Rötger's Austritt aus dem Bund.

(P r i v a t - T e l e g r a m m e.)

Aus Berlin wird uns berichtet: Land- rat R ö t g e r, der Direktor des Zcntral- verbandes deutscher Industrieller, hat feine Aemter im Präsidium des Hansabundes niedergelegt unb ist aus btefem aus­getreten. Rötger betont in einem Briefe an feinen Freund, den Geheimrat Riester, dast er im Einverständnis mit feinen Freunden vom Zentralverband der Industriellen feine Demission gebe. Mik Rötger werden auch mehrere Großindu­strielle aus Rheinland und Wefffalen auS dem Hansabund ausschciden.

Der Austritt Rötgers aus dem Hansabund ist offenbar eine Folge der jüngsten Ta­gung des Bundes, in der sich der Präsident der Vereinigung. Geheimrat Rießer, bekanntlich fchars gegen die von den rechtsste­henden Parteien betriebene Agitation gegen den Hansabund wandte. Dies geht auch aus dem Schreiben Rötgers an Geheimrat Rießer hervor, in dem er die Gründe seines Rücktritts ans dem Bunde darlegt. Gleichzeitig erklärt Landrat Rötger im Auftrage des Direktoriums des Zentralverbandes deutscher Industrieller (den er bisher im Vorstand des Hansabundes vertreten hatte), daß auch dieser auf eine weitere Vertretung kein Gewicht mehr lege. Der Schritt Rötgers hat demnach nicht nur eine perfönliche Bedeutung, sondern bekundet gleich­zeitig auch bett Bruch des in bei Schwerin­dustrie führenden Zentralverbandes beut« scher Industrieller mit bem Hansabund. Das Schreiben Rötgers an Geheimrat Rießer er« regt in bet politischen Welt große- Auf­sehen, denn eS ist klar, daß ber Schritt bes frühem Mitglieds des Hansabunb-PräsidiumS nickt ohne politische Nachwirkungen bleiben wirb. Es verlautet denn auch bereits, daß zahlreiche Repräsentanten der rheinisch-westfä­lischen Großinbustrie den Entschluß gefaßt ha- ben, ebenfalls aus bem Hansabunb auszutre­ten unb bie Beziehungen ihrer wirtschaftlichen Vereinigung zu bet BundeSorganifation zu lösen.

Landrat Rötgers Abschiedsbries.

(Eigene Drahtmelbung.)

Berlin, 22. Juni.

In bem von Landrat Rötger an Geheim­rat Riesser gerichteten Abschi ed sschr ei­ben heißt es unter anbernt:Meine beutlichen Hinweise barauf, daß ich nicht gewillt bin, bte Verantwortung für Ihre von Ihnen als per­sönliche Bemerkung bezeichneten hochpoli­tischen Schlußbarlegungen auf bem ersten allgemeinen Hansaiag mit zu überneh­men, haben zu meiner Ueberraschung nicht ver­hindert, daß ein wesentlicher TeU ihrer Ans- fühmngen ohne vorherige Besprechung im Präsidium des Hansabundes in die Form eines Ausrufs zur Werbung neuer Mitgtzeder geklei­det worden ist. Es kann jetzt nur noch darauf ankommen, daß der von Ihnen persönlich

ohne Botwiffen Ihrer Kollegen im Präsidium geforderte politische Kampf gegen Rechts als satzungsmäßi- ges Ziel des Hansabundes, nun auch (wieder­um ohne vorherige Beratung) zur Losung des Hansabundes gemacht wird. Das wider- spricht aber nach meiner pflichtmäßigen Ueber- zeugnng, wie ich wiederholt zu erkennen ge­geben habe, dem Geist der Satzungen unb der Richtlinie des Hansabundes unb meiner Stellung als Vorsitzender des Zenttalverban- des Deutscher Industriellen, eines wirtschaft­lichen Verbandes, in dem alle politischen Par­teien, sowohl links- wie rechtsstehende, vertre­ten sind. Nach längerer reiflicher Ueberlegung finde ich

für eine Verständigung keinen Weg. Unter diesen Umständen sehe ich mich genötigt, auf die Mitarbeit im Hansabund zu verzichten. ' Ich lege demgemäß und in Uebereinstimmung i mit ben Anschauungen des heute versammelten : Direktoriums des Zentralverbandes mein . Mandat als Mitglied des Direktoriums unb i PräsibiumS zum Hansabunde nieder. Ich tue ! dies in dem Bewußtsein, alles daran gesetzt zu i haben, um an einer ben Savunaen unb Richt«