* Nr. 167. — 1. Jahrgang.__________________
•; △ Der Zug des Unglücks. Auf der Voigt'. Len Mühle flog einem Arbeiter heute Vor» iftjttag ein großer Stein auf den Körper, wo- fctnfi er einen Rtppenbruch davontrug. — Aus dem Tannenheckenweg waren gestern nach- mttag Telegraphenarbeiter mit dem Ziehen von Telegraphendrähten beschäftigt. Infolge -es SturmS brach nun von einem Baum ein Ast ab, der einem Arbeiter auf den Arm fiel, wodurch ein Bruch des Knochens hervor- fltntfe« wurde. — An der Ecke Enten- und Mttelgaffe fuhr ein Radfahrer mit einem Wa- gm zusammen. Der Radler kam zu Fall und verletzte sich im Gesicht. Nur dem Lenker des (Sagens, der sofort scharf bremste, ist eszu danken, daß größeres Unheil verhütet wurde.
A Haltet den Dieb . . . ! Gestern nachmittag wurde auf dem hiesigen Bahnhofe einem eben angekommenen Herrn von einem jungen Burschen die Uhr abgerissen. Der Dieb lief in der Richtung der Viktoriastraße davon, gefolgt von einigen Paffanten und Schutzleuten. In der Viktoriastraße vertrat ihm ein vorüberkommender Herr den Weg. Der Dieb änderte schnell seinen Kurs und bog in die Kölnische Allee ein. Hier wurde er aber schon bald von einem seiner Verfolger eingeholt und einem Schutzmann übergeben, der ihm seineBeute abnahm und ihn selbst nach »Nummer Sicher" brachte.
A Gehen wir besseren Zeiten entgegen? Nach dem neuesten Bericht über die Lage des Arbeitsmarktes in Hessen, Hessen-Nassau und Waldeck, den der Mitteldeutsche Arbeitsnachweisoerband veröffentlicht, geht in fast allen ßtociö£n des Geschäftslebens die Konjunktur weiter in die Höhe. In der ßigarxenindustrie ist der Geschäftsgang infolge der Tabaksteuer noch immer sehr schlecht. Das Baugewerbe ist nach fast allen Berichten gut beschäftigt, auch an kleinen Plätzen «Wetzlar). In Cassel bieten besonders Tiefbauten reichliche Beschäftigung. Auch die Vorarbeiten zur deutschen landwirtschaftlichen Jubiläumsausstellung bringen reichlich Arbeitsgelegenheit. Aus Bad Wildungen wird gemeldet, daß der Bau der Edertalsperre fortwährend viele Arbeitskräfte heranziehe. Auf dem landwirtschaftlichen Arbeits- m a r k t hätten nach dem Bericht aus Frankfurt mehr Stellen besetzt werden können, wenn die richtigen Leute zur Verfügung gestanden hätten.
A Die Ferienfondetzüge. Die Sommer-Ferien sind in größte Nähe gerückt, und die Pläne, wo man seine Ferien verbringen will, nehmen immer greifbarere Gestalt an. Die Königliche Eisenbahnverwaltung wird auch in diesem Jahre wieder Ferien-Sonderzüge nach Frankfurt-Basel, Hamburg. Bremen und München einlegen. Auf die im heutigen Anzeigenteil der »Casseler Neueste Nachrichten" enthaltene Bekanntmachung der Casseler Eisenbahndirektion sei besonders hingewiesen.
A Die Taxe für Kraftdroschken zur „Lac". Mit Rücksicht auf den regen Fremdenverkehr anläßlich der Landwirtschaftlichen Ausstellung sind neben den Kraftdroschken noch zwölf bis fünfzehn Kraftwagen in den öffentlichen Dienst gestellt worden, die durch blauweißr, mit dem Stempel der Polizeidirektion versehene Fähnchen kenntlich sind. Für Fahrten mit diesen Wagen sind folgende Sätze zu zahlen: Für jede Fahrt vom Bahnhof Cassel-O. zum Ausstellungsplatz oder umgekehrt: für 1 bis 2 Personen 2,20 Mark, für 3 bis 5 Personen 3 Mark. Für Fahrten im inneren Stadtgebiet: für 1 Stunde 10 Mark, für 5 Minuten 0,80 Mark, ohne Rücksicht auf die Personenzahl und ohne irgend welche Zuschläge. Für Fahrten auerhalb des inneren Stadtgebietes für 1 Stunde 15 Mark, für 5 Minuten 1,30 Mark, ohne Rücksicht auf die Personenzahl und ohne irgend welche Zuschläge.
A Die Erhöhung des ortsüblichen Tagelohnes. Dieser Tage konnten wir über die Erhöhung des ortsühlichen Tagelohnes für den Stadtkreis Cassel berichten, heute können wir melden, daß auch für den Landkreis Cas- s e l eine Erhöhung der ortsüblichen Tagelohnsätze erfolgt ist und zwar ebenfalls mit Wirkung vom ersten Juli ab. Der Ortslohn ist sest- gesetzt für erwachsene männliche Arbeiter aus 2.50 Mark (seither 2 Mark), für erwachsene weibliche auf 1,70 Mark (seither 1,40 Mark), für jugendliche männliche auf 1,50 Mark (bisher 1,20 Mark), und für jugendliche weibliche auf 1,20 Mark (bisher 1 Mark). Auf die Invalidenmarkenhöhe üben diese Veränderungen nur in bezug auf die jugendlichen weiblichen Personen (Lehrmädchen), die keiner Orts-, Be- triehs- oder Innungskrankenkasse angehören, einen Einfluß aus. Bei den übrigen Personen bewegen sich die neuen Lohnsätze noch innerhalb der Tarifgrenzen, die für die bisherige Lobnfestsetzung maßgebend waren. Für die bezeichneten Lehrmädchen aber sind vom 1. Juli 1911 ab statt der bisherigen Marken zu 14 Psg. solche zu 20 Pfg. zu kleben.
A Gewerkschaftskartell und Arbeitersekretariat. Auch für das Jahr 1910 hat das Ar- beitersekretariat in Verbindung mit dem Gc- verkschaftskartell seinen Mitgliedern einen christlichen Bericht in Form einer fünfzig Sei- .en umfaßenden Broschüre erstattet. Aus ihr ist zu ersehen, daß die Inanspruchnahme der Auskunftsstelle eine sehr rege war. Sie wurde insgesamt 4311 Mal in Anspruch genommen. An das Schiedsgericht für Arbeiter- Versicherung wurden 118 Berufungen (Unfall- und Invalidensachen) eingelegt. Hiervon waren 51 von Erfolg gekrönt. 51 erfolglos, die übrigen sind noch unerledigt. Die politisch organisierten Gewerkschaftsmitglieder sind um L42. die der nur politisch organisierten um 19 gestiegen. Vor dem nur für den Bezirk der Residenzstadt Cassel errichteten Gewerbe- gericht wurden an 144 Termintagen 694 Klagen verhandelt. Von diesen Fällen wurden durch Vergleich 329, durch Än->'kenntnisurteil 7. durch Versäumnisurteil 53 und durch andere Endurteile 96 erledigt, während am Jahresschlüsse noch 21 unerledigt waren. Vor dem Kaufmannsgericht wurden an 91 Termint^gen 164 Klagen verhandelt. Vom Gewerkschasts- kartell eingereichte Eingaben um Ausdehnung des Gew erb egerichts auf den Landkreis Cassel wurden sowohl vom Magistrat als auch vom Landrgtsamt abschlägig befchieden.
Casseler Neueste Rachrichte«
Cassels Grüne Woche.
Am Borabend der Landwirtschaftlichen Ausstellung.
Cassel größer wird. Das Leben in den Straßen nimmt von Stunde zu Stunde zu und die Straßenbahnwagen nach der Ausstellung sind schon in den frühesten Morgenstunden stark besetzt- ,
Die Aufhebung der Polizeistunde.
In den Restaurationen der Mittelstadt machte sich gestern abend bereits ein lebhafter Verkehr bemerkbar. Bis spät nach Mitternacht saß man beim kühlenden Trunk. Wenn Cassel erst mitten im Ausstellungsbetriebe sei« wird, werden manche Lokale die Gäste kaum zu fassen vermögen, und in manchen wird man bis Tagesanbruch kneipen. Das bringen Ausstellungen so mit sich! Die P o liz eiv e rw a l- tung hat aus diesem Grunde für die hiesigen Gast- xnb S ch a nk w i rtsch a ft en die Polizeistunde für die Zeit vom 20. bis 28. Juni aufgehoben. Ausgeschlossen hiervon sind die Wirtschaften mit weiblicher Bedienung und die Branntweinausschankstellen. Zur Leitung des polizeilichen Aufflchts- dienstes in der Ausstellung ist Polizeikommissar Pape bestimmt worden, thm stehen ein Wachtmeister und acht Schutzleute für den Sicherheitsdienst zur Seite. Auch die Schutz- mannsposten in der Marktgaffe, Ärüder- straße und am Altmarkt sind verstärkt worden. Für La st fuhrwerke (nicht für Automobile) ist die Matttgafle für die Tagesstunden gesperrt worden. Die Automobile, die zur Ausstellung fahren, müssen die Fuldabrücke benutzen, die Rückfahrt zur Stadt darf nur über die Scharnhorststraße und Hafenbrücke erfolgen.
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Auf dem Airsstellungsplatz.
Außer den bereits mitgeteiltcn Veranstaltungen seien noch solgende erwähnt: Das Concurs hippique im großen Ring, das am Donnerstag und Freitag nachmittag 3 Uhr stattfinden wird, bringt Hoch-, Jagd- und Gehorsamssprungkonkurrenzen , Dressur - und Qualitätsprüfungen für Reitpferde, Damenreiten und anderes mehr. In der Trauben- weinko st Halle werden am Freitag, Sonnabend und Montag in den Mittagstunden von 11 bis 1 Uhr fachmännische Weinproben abgehalten, die von jedermann besucht werden können. Im königlichen Orangerieschlotz werden an allen Tagen Militärkonzerte abgehalten und Feuerwerk soll abgebrannt werden. Für den 27. Juni ist ein großes Sommernachtsfest vorgesehen. Die Schüler der gewerblichen Fortbildungsschule I werden vom 22. bis 24. Juni, jedesmal vormittags von 9 bis 12 und nachmittags von 5 bis 8 Uhr unter Führung ihrer Klassenlehrer zu dem ermä- ßigten Preise von dreißig Psg. die Ausstellung besuche«. *
Sie Tätigkeit der $. L. G
Dem Jahresbericht der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft für 1910, den die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft soeben anläßlich der Casseler Ausstellun,g herausgibt, ist zu entnehmen, daß im Laufe des Jahres 1910 1482 neue Mitglieder beigetreten sind, sodaß der Mitgliederbestand Ende des Jahres rund 18089 betrug. Die Einnahmen der Gesellschaft bettugen rund 1709000 Mark, davon 340000 Mark an Mitgliederbeiträgen und rund 1200000 Mark an Gebühren und Erträgnissen der geschäftlichen und technischen Abteilungen, während die eigentlichen wissenschaftlichen Abteilungen regelmäßig erhebliche Zuschüsse erfordern. Die Ausgaben betrugen rund 1650000 Mark, sodaß den Reserven rund 59000 Mark zugeschrieben werden konnten, ein Ergebnis, das nur durch den günstigen Abschluß der Hamburger Ausstellung, die einen Ueberschuß von rund 55000 Mark brachte, zu erzielen war. Die neu gegründete K o l o - nialabteilung hat den Grund zu einer umfangreichen kolonialen Betätigung gelegt. Fand doch auch im Jahre 1910 die große Kolonialausstellung zu Hamburg in Verbindung mit der D. L. G.-AussteMing statt, die jetzt durch die Casseler Kolonial-Aus- stellung fortgesetzt wird. Der Geschäftsführer machte eine Studienreise nach Ostafrika. An den Düngungsversuchen in den Kolonien beteiligten sich 22 Versuchsansteller.
In der historisch bedeutsamen Residenz- und Hauptstadt Cassel werden in diesen Tagen vieltausend Fremde, insbesondere aber deutsche Landwirte Einzug halten und gastfreundlich von der gesamten Bürgerschaft empfangen werden. Seit Monden regen sich eifrig der Hände viele, diejenigen Vorkehrungen zu treffen, die geeignet sind, den Gästen den Aufenthalt in Cassels Mauern so ange- nehm wie möglich und unvergeßlich zu machen. Cassel, das wegen seiner herrlichen Lage, umsäumt von grünen Bergen, einen weithin bekannten Ruf genießt, wird nun einen neuen Ruhmeskranz in seine Lokalgeschichte flechten können und fortan auch als Ausstellungs- und Kongreßstadt im Kranz der Städte genannt werden. Als eine besondere Ehre darf es sich die Stadt Cassel anrechnen, daß die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft gerade ihre fünf- undzwanzigste, ihre Jubiläums-Ausstellung, in der kurhesstschen Residenz abhält. Lag doch eigentlich der Gedanke für die D. L. G. nahe, die Jubiläums-Ausstellung in Frankfurt am Main, also an dem Orte abzuhalten, wo die erste Ausstellung der Gesellschaft das Licht der Welt erblickte. Den eifrigen Bemühungen unserer Stadtverwaltung ist es aber zu danken, daß die D. L. G. die Residenz Cassel als Ausstel- lnngsstadt erkor. Und gerade diese Jubiläums- Ausstellung wird als bedeutendste und größte aller bisherigen Landwirtschafts-Ausstellungen verzeichnet werden.
Die Residenzstadt Cassel und ihre Bürgerschaft sind sich der Ehrung w,ll bewußt, und sie haben deshalb alles daran gesetzt, um einen würdigen Verlauf der Ausstellung zu garantieren. Wehende Fahnen und grüne Girlanden schmücken die Straßen der Stadt und schaffen einen äußerlichen festlichen Rahmen. Auf allen öffentlichen und vielen privaten Gebäuden sind die Flaggen auf den Flaggenstock gezogen, wodurch kundgetan werden soll, daß man auch von jenen Stellen aus den vielen Gästen ein herzliches Willkommen entbietet. Festfrohe Gesichter allüberall und freundliches Entgegenkommen. Wohin man schaut, sieht man Zeichen der „großen Ausstellungstage". In allen Schichten der Bevölkerung ist man gerüstet, damit den Fremden die Tage in Cassel im Fluge vergehen und sie der Ausstellungsstadt ein freudig Erinnern bewahren. Konzerte, Feuerwerks- und andere festliche Veranstaltungen sind zu Ehren der Ausstel- lnngsbcsucher vorgesehen, und die Theater haben ein besonderes Festprogramm aufgestellt. Hoffentlich ist ein herlich Wetter den nächsten Taaen befchieden. damit der Sonne Gold das Festbild krönend überstrahle. Allen Gästen aber ein herzlich
Willkommen in Casselik
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Noch isi die Ausstellung auf dem Forst nicht eröffnet, aber schon macken sick alle Vor- anzeicken bemerkbar, die mit solch großen Ver- anstaltunaen in Zusammenhang stehen. Der enorme Andrang von Menschen (man schätzt bekanntlich die Zahl der Fremden während der sechs Ausstellunastage auf über Zw rihun- derttausend) bedingt in erster Linie einen enormen Verbrauch von Nahrungs- und Genußmitteln. Die natürliche Folge ist ein schnelles Aufschnellen der Preise, hesonders der wichtigsten Lebensmittel. Höchst erstaunt waren die Hausfrauen bereits vor einigen Tagen, als ihnen die Lieferanten diese Ankündigung mackten. Da die Nachfrage nach Fleisch und Wurst groß sein wird, hat man genügende Vorkehrungen getroffen, und ganz erhebliche Mengen von Vieh geschlachtet. Wie weit der verfügbare Bestand allerdings zur Deckung des Bedürfnisses ausreichrn wird, muß erst die Zukunft lehren. In Posen soll der Ansturm gelegentlich der Landwirtschafts- Ausstellung im Jahre 1900 so groß gewesen sein, daß man am dritten Tage bereits in N o t geriet. Cassel wird in dieser Beziehung hoffentlich besser abschneiden. Nach und nach merkt man nun, wie der Fremdenzufluß in
A Aus dem Reiche des Flügelrads. Dem Eisenbahnassistenten Clement (vorn Verkehrsamt 1 in Cassel) ist die Amtsbezeichnung Zugrevisor beigelegt Versetzt wurden die Lberbabnassistenten Bock von Cassel nach Einbeck, Dippel von Göttinaen nach Cassel; Eisenbahnassistent Bork von Münchehof nach Cassel, Fischer von Kirchhain nach Cassel. Die Prüfung zum Eisenbahnlandmeffer bestand Landmesser Weinreben in Cassel, zum Zugführer Schaffner Möller in Cassel. Gestorben ist Zugführer Schaefer, hier.
A Bor den Schranken des Oberkrieasge- richts. Der Sergeant W. von der ersten Kompagnie des Infanterie-Regiments 94 in Weimar hatte sich der unvorschriftsmäßigen Behandlung Untergebener fchuldig gemacht, indem er eine Anzahl Leute nach einer Felddienstübung die Strohsäcke ausschütten, und neu stopfen und zum andern mit Turn- und Fechtgeräten längere Zeit die Treppen auf- und absteigen ließ. Dieserhalb war er vom Kriegsgericht im Februar zu zehn Tagen Mittelarrest verurteilt worden. Von der Anklage der Mißhandlung wurde er freigesvrochcn. Gegen dieses Urteil legen sowohl der Gerichtsherr wie der Angeklagte Berufung ein. Auf die Berufung des Angeklagten hob das Oberkriegsge-icht das vorinstanzliche Urteil auf und setzte die Strafe auf fünf Tage Mittelarrest fest. Die Berufung des Gerichtsherrn wurde verworfen.
A Hoftheater und „L.A.C." Am morgigen Donnerstag geht im Hoftheater die burleske Oper „Orpheus in der Unterwelt" von Iagues Offenbach in
Szene. Während der Landwirtschaftlichen Ausstellung ist die Kaffe jedesmal fchon eine Stunde vor der Vorstellung (also von sieben Uhr ab) geöffnet. Der Verkauf findet abends an z w e i Kaffen statt und zwar an der Kasse Eingang vom Friedrichsplatz rechts für alle Plätze im Parkettraum sowie im ersten Rang: an der Kasse Eingang Friedrichsplatz links sür den zweiten und dritten Rang.
A Das Wetter am Donnerstag. Der amtliche Wetterbericht sagt für den morgigen Donnerstag für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Zeitweise wolkig, ziemlich kühl, strichweise geringer Regen-
Letzte Telegramme.
(Rach Schluß der Redaktion eiugegangen.)
Der Kaiser «nd der „Hammer Gottes".
(Telegraphische Meldung.)
** Hamburg, 21. Juni.
Bei dem gestrigen Festmahl zu Ehren des Kaisers erwiderte Kaiser Wilhelm auf die Rede des Bürgermeisters Burchardt, er fei tief bewegt von dem Dank Hamburgs. Zu der Entwicklung, die das Baterland genommen, fei der Hammer Gottes nötig gewefen, um den Stahlblock deutfcher Kraft zu fchmieden. Er freue sich, daß er auch Hamburg und der deutschen Schiflahrt mit der Aufrechterhaltung des Friedens habe von Nutzen fein können. Was die Hansa wollte, habe erst
Donnerstag, 22. Juni 1911.
durchgesetzt werden können, nachdem des neuen Reiches Schutzwehr hinter Handel und Seefahrt stehe, und vor allem eine gut respektierte deutsche Kriegsflotte. Er danke den Herren allen, besonders auch dem Leiter der Hamburg- Amerika-Linie, für ihre Tattraft, mit der fit unfer Baterland zu der Stellung gebracht hätten, die es jetzt der Welt gegenüber einnehme Der Kaser schloß mit einem dreifachen Hoch au! die Hamburger Schiffahrt und die Bürgerschaft.
DaS Verhängnis eines JungenstßreichS.
Berlin, 21. Juni. (Privattele- gramm.) In Lünow in der Mark hatte ein Junge die Erdbeeren mit Schweinfurter Grün bestreut. Alle Perfonen (darunter die Familie eines Gastwirts) find an B e r- giftungöerfcheinungen erkrankt, und nur dem Umstand, daß nur eine kleine Menge Erdbeeren genossen und sofort Gegenmittel benutzt wurden, ist eS zuzuschreiben, daß ernstliche Folgen bisher vermieden wurden. Die Staatsanwalffchaft hat eine Untersuchung eingeleitet.
Unglückliche Liebe . . .!
Berlin, 21. Juni. (Privat-Telegram m.) In Rixdors stürzte sich gestern abend ein junger Arbeiter aus dem Fenster des vierten Stockwerks in dem Hause, in dem er seine Wohnung hatte, aufs Stratzenpflaster herab. Sterbend wurde er zum Krankenhaus ■ gebracht. Unglückliche Liebe hatte den Lebensmüden zu der verzweifelten Tat getrie- ben.
Die Armada der Union.
Kiel, 21. Juni. (Privat-Tele- gramm.) Heute früh stnd die vier Schlachtfchisse des amerikanifchen Atlan- tikgeschwaderS aus ihrer Europafahrt im Kieler Hasen eingetroffen. Um zwei Uhr nachmittags traf die „Hohenzollern" mtt dem Kaiser an Bord hier ein. Es ist möglich, daß nachmittags bei günstigem Wetter mehrere Flieger über dem Hafen kreuzen werden.
Tragödien der Liebe.
Chemnitz, 21. Juni. (Privattele- gram m.) In Clausnitz bei Burgfiedt wurde in der letzten Nacht die fünfzehn Jahre alte Fabrikarbeiterin Schönherr von ihrem Geliebten, einem jungen Bäckergesellen, erschossen. DaS Liebespaar wollte gemeinsam aus dem Leben scheiden, der Mörder fand aber nid) den Mut, die Waffe gegen sich selbst zu richten. Er flüchtete, stellte sich aber heute morgen der Polizei.
Das Fazit des österreichischen Wahlkampfs.
Wien, 21. Juni. (Privattelegramm.) Es liegen bisher von insgesamt 516 Wahlen die Resultate auS 446 Bezirken vor. Gewählt sind: 104 Deutsch-Freiheitliche, 80 Sozialdemokraten, 82 bürgerlische Tschechen, 76 Christlich-Soziale, 5 Bukowina-Rnthenen, 5 Rumänen, 4 Alldeutsche, 1 Jude, 6 Wilde, 15 Italiener, 32 Polen, 34 Südslawen und 3 galizische Ruthenen. Die Niederlage der Christlich-Sozialen ist eine vollständige. (S. auch: Eiste Seite.)
Bersöhnungs-Rendezvous?
Paris, 21. Juni. (Privat-Tele- gramm.) Die Pariser Morgenblätter meffen der gestrigen Unterredung deS deuffchen Staatssekretärs des Auswärtigen, von Ki- derlen-Wächter, mit Botschafter Cam- bon in Kissingen große Bedeutung bei und sprechen die Erwartung auS, daß die zwischen Frankreich und Spanien bestehenden Differen- zen durch eine mögliche Verständigung Deutschlands und Frankreichs in gewissen schwebenden MaroNofragen an Stärke verlieren würden, weil „Spanien sich dadurch seiner Isolierung immer mehr bewußt werde".
Der Präsident der Pyrenäen-Republik.
Paris, 21. Juni. (Privat-Tele- gramm.) Der hiesige portugiesische Gesandte, Chagas, wurde aus Lissabon vom Minister des Auswärtigen» Machado, dahin verständigt, daß nach der Stimmung in der konstituierende« Versammlung zu schließen, Chagas dir größte Aussicht habe, Präsident der Republil , zu werden.
Die Rache des Verschmähten-.
Paris, 21. Juni. (Privat - Tele- g r am m.) Ein blutiges Drama spielte sich gestern nachmittag in der Rue de Flandre ab. Der Architekt Grelot erstach die Mutter seiner bisherigen Geliebten und verwundete ihre Tochter durch zwölf Stiche lebensgefährlich. Grelot wollte sich an seiner Geliebten rächen, weil diese daS Verhältnis mit ihm gelöst hatte. Der Mörder stellte sich selbst der Polizei.
Ein Drama tot Schnellzug.
Mailand, 21. Juni. (Privat - Teleara m m.) Ein in den besten Jahren stehender Passagier zweiter Klaffe deS Schnellzuges Berlin-Mailand versuchte sich mtt Strich- nto zu vergiften. Er saß in dem Abteil ganz allein. Als in Belina noch ein Passagier einstieg, fiel es biefem auf, daß sein Gegenübet stumm und starr dafaß. In Lugano wurde der noch Lebenszeichen von sich gebende Reisende herausgetragen und dem Hospital überführt, wo die Aerzte Vergiftung durch Strich- nin feststellten. Obgleich Gegenmittel angewandt wurden, ist es zweifelhaft, ob der Reisende, der keine Papiere bei sich trug, gerettet werden kann.
Der Schmuck der Zarin verschwunden?
London, 21. Juni. (Pripat-Tele- gramm.) Die gewöhnlich in London wellenden russischen Polizeiagenten Alexander Ro- zoff und Ivan Arwak befinden sich in einer mysteriöfen Mission in Amerika. Es soll bet Zarin ein äußerst wertvoller Perlenschmuck, ber zu ben prächtigsten Kleinodien des Hauses Romanow gehört, abhanden gekommen sein und seinen Weg über London nach Rcwyorl gefunden haben. Die Newyorker Polizeibehörden haben ihren russischen Kollegen einen Wink gegeben, der sie nach New-Orleans geführt hat. Jnzwifchen fahndet auch die Londoner Geheimpolizei fleißig nach dem Schmuck und den Dieben.
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