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Donnerstag, den 22. Juni 1911.

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Eisenacher Rendezvous.

Der Reichsverband ber Deutschen Presse.

Will's nun endlich Morgen werden im deut­schen Blätterwald, endlich, nach überlanger Rächt? Es dämmert wenigstens, und da wir im Hoffen nicht verwöhnt worden, freut uns schon der eine hellere Strahl im Osten. Zwar ist das Schmeichelwort vomkommandieren­den General* (einst hinter funkelnden Bechern gesprochen) immer noch amerikanisches Privi­leg, und wir gönnen auch den Yankees gern und neidlos den Rückblick auf die der Erinne­rung fast entfallene Stunde fürstlicher Prei­sung, die weder als Urteil der Geschichte noch als Ausfluß kultureller Wertung dauernde Geltung beanspruchen durfte. Wir neiden dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten wirklich nicht den rasch ernanntenKommandeur der öffentlichen Meinung*, mag er auch im Reich des Dollars weniger noch als anderwärts mit dem Feldherrnstab gerüstet sein: Hierzu­land (im Bannkreis der Vorstellung von entlaufnen Gymnasiasten") ist die Presse als Organ der öffentlichen Meinung immer noch Dasjenige, das sie stets war und immer sein soll: Der Pionier der Kultur, der Kämp­fe r für Wahrheit und Recht, der Prediger der Freiheit und der B a n n e r t r ä g e r deut­scher Ideale! Ohne prunkenden Ruhm, ohne billig' erhaschten Lorbeer und ohne Schmeichel- kiHel tut sie ihre Pflicht, wie sie es getan, seit Gutenbergs Werk Leben und Inhalt gewann, und dies Verdienst der deutschen Presse, das von keines Fürsten Huld und Groll vergrößert oder gemindert werden kann, dünkt uns wert voller als die Beglückung durch irgend eines Zufalls Gnaden-Laune.

In diesen Tagen war in Eisenach, der alten Wartburgstadt, derReichsverband der Deutschen Presse* versammelt, wurde zum erstenmal der Oeffentlichkeit erkennbar, daß die Presse deutscher Zunge endlich sich er­mannt, und in der aus eigner Kraft erzwung- nen Schaffung einer großen, reich-umspannen- den Organisation die Grundlage zu einer star­ken Machtstellung nicht nur im öffentlichen, son­dern auch im politischen und staatsrechtlichen Leben erkämpft hat. Was man vor wenig Jahren noch als undenkbar belächelt, ist heut überzeugende Wirklichkeit: Die deutsche Presse besitzt eine Standesorganisation, die, frei von allen trennenden Beschränkungen poli­tischer, parteilicher und rechtlicher Art, des Reichs Gesamtheit umschließt, und von der man hoffen darf, daß sie in nicht zu ferner Zeit alle diejenigen Kräfte in sich vereinigen wird, die im Dienst der Oeffentlic^eit sich betätigen, und ihre Arbeit deiy Werk der Volk-Erziehung und Volk-Bildung widme. Als vor ein paar Jahren (wie schon so oft) wieder einmal der Versuch gemacht wurde, die Presse zu organi­sieren, meinte ein alter Veteran der Feder re­signiert:Ach, was hilft das Trommeln; wir könnten ein Allmacht sein, und sind doch nur eine Fliege mit tausend Augen!* Das Wort war nicht unberechtigt, und die jahr­zehntelange Erfolglosigkeit aller durchgreifen­den Organisationsbestrebungen hat ja auch be­wiesen, daß dieFliege mit den tausend Augen* viel zu lange blind gewesen ist, und die Notwendigkeit nächstliegender Selbsthilfe erst sehr spät erkannt hat. Das ist nun anders geworden.

Beim Eisenacher Rendezvous sind viel kluge und nützliche Worte gesprochen worden, und man war überrascht, zu sehen, wie ein­mütig und klar imgrunde die Gesamtheit der deutschen Presse den Fragen gegenübersteht, die ihr Dasein, ihr Wirken, ihre Ideale und ihre Ehre betreffen, trotzdem im Einzelnen die Wege doch weit auseinanderführen und die Interessen scharf sich schneiden. Es ist dankbar anzuerkennen und gereicht den Männern von Eisenach zur Ehre, daß die Frage derStan- d e s e h r e energisch in den Vordergrund der Erörterungen gerückt worden ist, und eine Be­handlung erfahren hat, die der Wichtigkeit und grundsätzlichen Bedeutung der Frage ziemte. Denn grade das: Die würdige und nachdrück­liche Geltendmachung des Einflusses und der Machtstellung der Presse, das stolze Standcs- bewußtsein und die Erkenntnis der kulturellen Mission der Presse waren es, die überlang an bleicher Schwäche gekrankt, unterm Druck der Verhältnisse gelitten und in der Zersplitterung aller Kräfte dir Ohnmacht der öffentlichen Mei­nung offenbart haben. In Eisenach sprach man die stolzen Worte:Es kann kein Zweifel dar­über bestehen, daß an Lauterkeit der Gesinnung, an Unbestechlichkeit und Ehrlichkeit der Ueber- zeugung und in der Aufrichtigkeit ihrer Bestre­

bungen die deuffche Presse von keiner andern Presse der Welt überragt wird!* Sprach's voll heiligen Eifers und mit tieferer Ueberzeu- gung, und sprach's mit Recht, denn in der deut­schen Presse sind geistige, sittliche und ethische Werte wirksam, wie sie keine andre Kultur­nation in lauterem Gehalt aufzuweisen hat. Aber man erkannte auch in Eisenach: Die Macht und der Einfluß der deutschen Press' beruhen vor allem auf der sittlichen Grundlage, und ihre Erhaltung und Ver­vollkommnung ist nur möglich, wenn der sitt­liche Untergrund der Arbeit im Dienst öffent­licher Meinung in unerschütterlicher Festigkeit und Stärke erhalten bleibt.

Das ist der Kernpunkt der Dinge und der Jdealgehalt allen Strebens: Die sittliche Grundlage! Wir dürfen von der deut­schen Presse mit Ueberzeugung sagen, daß ihre Arbeit gegründet ist auf das Prinzip strenger Selbstzucht, auf die Achtung vor den Geboten beruflicher Pflicht, und auf den Grundsatz der Wahrheit und Gerechtigkeit: Die deuffche Presse ist nicht der Trabant der Parteien (wie in Oesterreich), sie ist nicht angekränkelt von der politischen Korruption (wie in Frankreich), sie dient nicht der Clique (wie in England), und sie opfert nicht sklavisch dem Götzen Mam­mon (wie in Amerika, der Heimat derkom­mandierenden Generäle*); sie tut ihre Pflicht in ernster, gewissenhafter Arbeit, getragen vom Bewußtsein der Verantwortung gegenüber dem Gewissen der Oeffentlichkeit, und erfüllt damit eine hohe Mission, deren gelegentliche geringe Wertschätzung darauf zurückzuführen ist, daß es den Männern der Presse stets weniger dar­auf ankam, Gnade vor den Augen der Mächti­gen dieser Erde zu finden, als der Sache zu dienen und der Volkgemeinschaft durch ehrliche Arbeit zu nutzen. Das ist ja eben der Ruhm der deutschen Presse, daß sie nie nach äußerlichen Ehren gestrebt, sondern ihre Befrie­digung in der Erfüllung ihrer Pflicht und in der Wahrung ihrer Unabhängigkeit gesucht (und gefunden) hat. Wir erleben es noch heut, daß remde Reporter im deutschen Land von Hoch­mögenden wie Halbgötter umschmeichelt wer­den, während die eigne Presse selbst in der Kanzlistenstube nur demzugeknöpften Rock" begegnet: Krankheitsmerkmale der Volk- Psyche, die man mit Nachsicht übersehen darf, ohne darum den Wert deutscher Zritungsarbeit herabzumindern. Wenn die Tage von Eisenach die Früchte bringen werden, die man erhoffen darf, dann wird auch das sich wandeln, und vielleicht erleben wir noch den Tag, da auch in der deutschen Presse der erste Auserwählte vomentlaufnen Gymnasiasten" zum .. .kom­mandierenden General* avanciert! F. H.

Frankfurts Freie Universität.

Die Unabhängigkeit ber Forschung gefährdet?" Wie uns aus Berlin berichtet wird, hat der Verein Deutscher Studenten ein- timmig eine Resolution beschlossen, die sich charf gegen den Plan der Errichtung einer Freien Universität* in Frankfurt am Main wendet, da dadurch (durch diefreie* Universität) die Unabhängigkeit der wissen- chaftlichen Forschung gefährdet werde. In der Resolution heißt es:

Der Plan, in Frankfurt a. M. eine freie Universität (so genannt im Gegensaü zu den bestehenden staatlichen Hochschulen) zu gründen, beschäftigt zur­zeit im stärkeren Maße die Oeffentlichkeit. Die Bedeutung dieser Frage berechtigt auch die deutsche Studentenschaft, ihre Bedenken geltend zn machen. Der Verein Deutscher Studenten zu Berlin ist über­zeugt, daß dadurch die Unabhängig­keit der wissenschaftlichen Forschung und Lehre, sowie der nationale Beruf der deutschen Universitäten in Frage gestellt und bedenklichen Einflüssen Tür und Tor geöffnet wird.

Der Einspruch desVereins Deuffcher Stu­denten* (mag er an sich auch noch so berech­tigt sein) erledigt sich dadurch, daß der Ausschuß der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, der das Universitätsprojekt durchberaten hat, diefreie" Universität bereits ausdrücklich ab­gelehnt hat. Dieser Entschluß wird auch vom Plenum des Kollegiums gebilligt, sodaß dieGefahr* der Freien Universität also als beseitigt gelten darf.

Jacob Schiff dementiert!

(Privat-Telegramm.)

Wie uns aus Berlin berichtet wird, er- ährt entgegen der Meldung, (die vor einigen Tagen durch die Presse ging), daß der bekannte Multimillionär Jacob Schiff eine

Stiftung zur Errichtung einer Universität zu Frankfurt a. M. gemacht und bereits mit dem Kultusministerium Besprechungen ge­pflogen haben soll, derReichskorrcspondent" von Herrn Schiff, daß er sich niemals mit Gründungsplänen für eine Universität in Frankfurt getragen habe, und daß er nicht im entferntesten daran denke, eine solche ober ähn­liche Stiftung zu machen. Herr Schiff bezeich­net das Gerücht alsvollkommen aus der Luft gegriffen". (Schade drum!)

SesterreWscher Mahl-Krieg.

Die Niederlage der Christlich-Sozialen.

Depeschen aus Wien berichten uns: Bei den gestrigen Stichwahlen für den Reichs­rat haben die Christlichfozialen in Wien eine vollständige Niederlage erlitten: Ihre fämtlichen Führer sind gefallen! Unter den durchgefallenen Kandidaten befinden sich: Minister Dr. Weißkirchner (der im neun­ten Bezirk zweimal kandidierte), der Bürger­meister Dr. N e u m a i e t, der Präsident des Abgeordnetenhauses, Dr. Pattey, Prinz Liechtenstein, der Vizebürgermeister Hier Hammer, ber ehemalige Minister von Witt eck und noch sechs andere chtistlichsoziale Abgeordnete, die bisher ein Wiener Mandat inne hatten. Ueber die Wirkung der Wahlen liegen uns noch folgende Meldungen vor:

S Wien, 21. Juni.

(Eigene D r ä h tm e ld un g.)

Der gestrige Abend des Wahltages ist in Wien ruhig verlaufen, trotzdem man große Demonstrationen befürchtete und Militär in den Kasernen konsigniert hielt. In einigen Vororten fanden Umzüge der Arbeiter statt. Zahlreiche Häuser waren illuminiert. Gestern abend fand ein Mini st er rat statt, in dem der durchgefallene christlich-soziale Minister Dr. Weißkirchner seine Demission über­reichte. Paron Bienerth wird sich heute zum Kaffer begeben und diese Demission überbrin­gen. Nach den bisherigen Wahlrefultaten wird der Deutsch-nationale Verband wie­der die stärkste Partei im Abgeordnetenhaus sein. Er zählt bisher ohne die Wiener Abge­ordneten 93 Mitglieder. Die Sozialdemokraten, die im vorigen Abgeordnetenhaufe 87 Mann tark waren, haben bisher 78 Mandate errun­gen und hoffen, mit 100 Mann im Parlament zu erfcheinen. Dir Christlich-Sozialen haben chwere Verluste erlitten. Der offizielle Führer der Partei, Dr. G o ß m a n n, der in Ober- Hollabrunn in Nieder-Oesterreich kandidierte, ist gegen den deutsch-freiheitlichen Kandidaten Wedra unterlegen. Unter den Christlich-sozialen herrfcht tiefste Mißstimmung. Insge­samt wurden gestern nach den Wahlen bei klei­nen Zusammenrottungen und Ruhestörungen in Wien 187 Personen verhaftet. Ernstere Zwischenfälle haben sich indessen nicht ereignet.

Die Wahl Krawalle im Reich.

(Privat-Telegramme.)

Wie uns auS Tetschen (Böhmen dcpe- chicrt wird, kam eS dort gestern abend nach der Wahl (bei der der Deutsch-Freiheitliche über den Christlich-Sozialen siegte) zu großen natto- nalen Demonstrationen. Die Menge sang die Wacht am Rhein". Die Christlich-Sozialen veranstalteten hierauf Gegenkundgebungen und eS kam zu Zusammenstößen, sodaß Gendar­merie und Polizei einschreiten mutzten. Zahl­reiche Personen wurden verhaftet. Depeschen aus Lemberg berichten, daß im Spital in D r o h o b y rz (wo sich am Montag die schwe­ren Ausschreitungen ereigneten) fiebcnund- vierzig Schwerverletzte liegen, darunter drei Frauen. Außer den bereits genannten acht­zehn Personen, die sofort den Tod fanden, wurden angeblich noch weitere zehn Personen getötet. Es herrscht in der Stadt grobe Erre­gung, da angeblich konstatiert worden sein soll, daß entgegen der Dienstinstruktion die Schüsse des Militärs ohne vorherige Mahnung abge­geben worden seien.

Der Spaziergang durch Marokko.

Die Franzosen in derHeiligen Stadt".

Wie aus Paris berichtet wird, teilte in dem gestern im Glifce abgehaltenen Minister­rat Minister Cruvpi Depeschen des Generals Moinier mit, die bewiesen, daß das fran­zösische Pazifizierungswerk in Marokko einen guten Fortgang nehme. Präsident Fallisres unterzeichnete darauf ein Dekret, das die Ge­neräle Moinier und Tontet zu Divi- sionsgenerälen ernennt, lieber die militärischen Operationen Frankreichs in Marokko wird uns berichtet:

ys Tanger, 21. Juni.

(Privat-Telegram m.)

Dem französischen Oberbefehlshaber ist es möglich gewesen, ohne Schwertstreich feinen Einzug in einen durch uralte Volksüberlieje-

rungen geweihten Ort zu halten, den bisher noch kein Europäer je betreten hat. Die int Serbun-Gebirge, nördlich von Mekinez ge­legene heilige Stabt Mnlai Jdris würbe am zwölften Juni zum ersten Mal von Christen betreten. General Moinier mit allen Brigabiers nebst Stäben begab sich aus dem Lager ber vor ber Stabt haltenden Truppen in Begleitting ber weißgekleideten Sherffen nach der Stadt hinauf, die trotz ihrer fast unein­nehmbar natürlichen Lage nach den Erfolgen der französifchen Tntppen auf Widerstand verzichtet hatte und sich den Franzosen ohne weiteres ergab. In F e z haben Nachrich­ten von dem beabsichtigten Marsch ber Spa­nier nach Uezzan denSultan veranlaßt, eine Mahalla nach bem genannten Distrikt zu sen- ben, und zwar unter französischer Füh­rung.

Paris, 21. Juni. (Eigene Draht» m e l d u ng.) Pariser Blättermeldungen zu­folge hat sich ber spanische Botschafter in Paris Caballrco in einem Interview bitter über bie französische Kolonialpar­tei beklagt, die darauf ausgehe, Spanien völ­lig an die Wand zu brücken, felbft aus Kosten ber Unverletzlichkeit des Vertrages von Algeciras, den Frankreich offenbar völlig igno­riere.

Kn Ioppelmord nur Rot?

Die Langwaffer-Tragödie vorn Schwurgericht. (Bericht unsers Korrespondenten.) Hirschberg i. Schl., 21. Juni. (P r i - vattelegramm.) Das hiesige Schwur­gericht verurteilte gestern abend wegen des Doppelmordes in Langwasser den Schnei­der M a a tz zweimal zum Tode. Seine Schwägerin Albine Maatz wurde Wege« Beihilfe zum schweren Raub zu sechs Jah­ren Zuchthaus verurteilt. Beide Verurteilt« nahmen das Urteil ruhig und gefaßt ent­gegen. Maatz will ein Gnadengesuch ein- reichen.

Vor dem Schwurgericht in Hirfchberg in Schlesien begann gestern vormittag bie Ver­handlung in dem Prozeß gegen das Doppel- mörderpaar Schneider Johann Maatz aus Birngrütz und dessen mit ihm zusammenlebende Schwägerin Alwine Maatz wegen Ermordung und Beraubung zweier alter Frauen. Der An­klage liegt folgender Tatbestand zugrunde: Am Morgen des neunten Februar fand der Han­delsmann Siebeneicher, ein in den siebziger Jahren stehender, fast tauber Greis, als et von einem im oberen Stockwerk gelegenen Schlaf- gemach in bas Parterrelokal bes Hauses, das er allein mit den beiden emorbeten Frauen in Langwafler bewohnte, herunterkam, vor bem Ofen bie unverehelichte Rosine Menzel mit ein» geschlagenem Schädel

tot am Boden liegen.

Der Mann rief bie Nachbarn zu Hilfe, die hn Verein mit zwei Straßenwättern zunächst nach ber Fran Siebeneicher suchten, die nach einiger Zeit in einem Brunnen, mtt Bettstücken und Schnee verdeckt auf dem Kopfe stehend tot auf­gefunden wurde. Beide Frauen befanden sich bereits im 76. bezw. 64. Lebensjahre. Der alt« Siebeneicher, der infolge der Aufregung über bett Tob seiner Frau mnd ber Verwandten bald nach der Mordtat verstorben ist, hatte von den Vorgängen während der Rächt nicht- ver­nommen. Er gab an, von seiner Frau am Abend des Mordtages darauf aufmerksam ge­macht worden zu sein, baß sich zwei Männer etwa gegen halb acht Uhr abenbs um baS Haus herumschlichen, bie anscheinenb stehlen wollten. Siebeneicher legte ber Sache jedoch seine Bedeutung bei.

Der Verdacht der Täterschaft lenkte sich alsbald auf einen Reffen der Er* mordeten, bett Schneider Maatz und dessen Schwägerin. Maatz war schon sehr oft vorbe­straft und genoß, ebenso wie seine Schwägerin, einen schlechten Rus. Seit dem Morbtag wat bas Paar verschwunden; nach vierzehn Tagen aber wurden beide in Trebbin bei Berlin ver­haftet und in das Untersuchungsgefängnis ein- geliefert. Maatz unternahm einen Ausbruchs­versuch, ber aber nicht glückte. Hierauf legten beibe ein teilweises Gestünbnis ab. Nach bet Angabe bes Maatz hat er bie Fran Sieben* eichet, die ihm die Haustür öffnete, allein er­schlagen. Als et dann mit feiner Schwägerin in die Stube ging, begegneten sie der Menzel, die er auf die Aufforderung feiner Schwägerin hin ebenfalls effchlug, worauf sie die Leiche in dem Zimmer liegen ließen.

Die Leiche der Frau Siebeneicher schleppten sie nach dem auf dem Hofe stehenden Brunnen und warfen sie dort hinein. Sodann durchwühlten beide alle Behältnisse im Hause, erbeuteten aber nur fünfzig Mark; ein Spar- kassenbuch über fünfzehnhundert Mark, das im .Schlafaemach des Siebeneichet verwahrt war.