Nummer 168.
1. Zahrgang.
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Casseler AbendzeLtun§
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hessische Abendzeitung
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Fernsprecher: 951 und 952» Dienstag, den 20. Juni 1911.
Fernsprecher 951 und 952.
9er Berliner Seihmgstrieg.
„Berlin ohne Zeitungen."
Man wird nun doch Wohl daran gehen müssen, der alten Rabbi Ben Akiba jahrtausendalten Erfahrungsatz, daß alles schon ein-
W MM M-MMW. ßuropöischer Rundflug und Deutscher Rnndflug.
mal dagewesen, mehr den Bedürsnissen des Jahrhunderts unbegrenztester Möglichkeiten anzupassen. In der Metropole des Deutschen Reichs ist seit einigen Tagen die öffentliche Meinung (oder das, was wir darunter zu verstehen uns gewöhnt haben: Die Presse) in aller Form ausgeschaltet,ihrer Daseinbedingungen beraubt und zur Untätigkeit verdammt. Rund zwei Millionen Leser haben demgemäß auf die ihnen zum Kulturbedürfnis gewordne Lektüre der Tageschronik verzichten müssen, und die Geltendmachung öffentlicher Meinung bleibt für die Dauer der Störung unterbrochen. Ein Fall der Art, wie er jetzt in Berlin unvermittelt und ohne irgendwie zwingenden Anlaß eingetreten ist, ein Ereignis von derartig weittragender kultureller, sozial-ethischer und wirtschaftlicher Bedeutung ist selbst im bunten Bild der modernen Arbeiterbewegung neu, und die Gefahren, die er offenbart hat, zwingen zu eingehendster Würdigung der Umstände und Wirkungen, die in diesem Kampf erkennbar geworden sind, und die (wenn man die Entwicklungslinien der sozialen Arbeitskämpfe auch nach der psychologischen Seite hin als die Norm natürlicher Wirkungen gelten lassen darf) wahrscheinlich nicht die einzigen ihrer Art bleiben werden.
Der Berliner Zeitungskrieg verdankt seine Entstehung der sträflichen und durch nichts gerechtfertigten Ueberspannung des Solidarität- Prinzips seitens der Arbeitergruppe, die den Streik vom Zaun gebrochen hat. Der Scherl- sche Zeitungsverlag hatte nach ordnungsmäßiger Kündigung zwei Maschinenmeister entlassen, und zwar aufgrund eines Urteils des von Prinzipalen und Gehilfen paritätisch besetzten Tarifamts der Deutschen Buchdrucker. Die Berechtigung dieser Entlassung wurde vom übrigen Maschinenmeister-Personal der Firma indessen bestritten, trotzdem das Tarifamturteil, das die Entlassung aussprach, von Arbeit- und Gewerkschaft-Kollegen der Entlassenen selbst als Gebot sozialer Rechtserkenntnis gefällt worden war. Das Maschinenmeister-Personal erklärte sich mit den Entlassenen solidarisch, proklamierte den Streik, und am selben Tag noch war in Berlin die gewohnte Form der öffentlichen Meinung zur Illusion geworden: Weil eine einzige Arbeitergruppe in einem der drei Berliner Zeitungs-Großbetriebe sich gegen einen Spruch des von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu gleichen Teilen besetzten Tarifamts auflehnte und mit zwei zu Recht gemaßregelten Arbeitskollegen gemeinsame Sache machte, stockte der Berliner Zeitungsbetrieb (in dem rund sechzigtausend Menschen) beschäftigt sind) in seinen Hauptteilen und zwei Millionen Lesern wurde es zur Unmöglichkeit gemacht, sich über die Vorgänge in der Welt zu orientieren.
Die Buchdruck-Gewerkschaften haben ihrerseits getan, was angesichts der Schwere des Falls zu tun war: Sie haben die Kontraktbrüchigen aus dem Verband der Deutschen Buchdrucker ausgeschlossen und damit bewiesen, daß sie den Schritt derStreikendeu nicht nur nicht bil- iigen, sondern ihn scharf verurteilen. In gewerkschaftlich-sozialer und rechtlicher Beziehung darf damit der Fall als erledigt gelten; in wirtschaftlicher, politischer und ethischer Hinsicht aber sind seine Wirkungen noch nicht abzuschätzen, denn es handelt sich um ein Ereignis, das man nicht im Rahmen normaler Arbeiterbewegung auf Ursachen und Endziel prüfen darf, sondern das als eine Art gewerkschaftlicher Revolution besondre Würdigung erfordert. Es ist nicht das erstemal, daß einzelne Arbeitergruppen den Anordnungen ihrer gewerkschaftlichen Organisationen widerstreben und auf eigne Faust Kampf führen, aber die Gefahr der Disziplinlosigkeit und Solidarität- Ueberspannung ist noch nie so scharf und dro- hend erkennbar geworden, wie grade in diesem Fall leichtfertigster Kampfansage. Der moderne Zeitungsbetrieb unterliegt schon ohnehin er- heblichen sozialen und sozial-organisatorischen Erschwerungen: Seine technische Leistungsfähigkeit und Arbeitmöglichkeit ist von der Ge-
(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.)
Brüssel, 19. Juni. (Privat - Telegramm.) Von den 41 Aviatikern, als Teilnehmer am EuropäischenRund- flug, die gestern früh Paris verlassen hatten, sind 26 in 91 c i m S angekommen. 15 haben den Weiterflug nach Lüttich gewagt. Von ihnen haben 7 bis Mittag ihr Ziel erreicht. Im Laufe des Nachmittags konnte in Lüttich keine neue Ankunft verzeichnet werden, obwohl 4 weitere Flieger von Reims nach Belgien aufgebrochen waren. Von diesen soll Provest in den belgischen Ardennen verunglückt sein. Einzelheiten fehlen noch.
Weitere Depeschen melden uns aus Paris: Unter einem bösen Stern hat gestern der Europäische Rundslug, der die Teilnehmer über Brüssel und London nach der französischen Hauptstadt zurückführen soll, »einen Anfang genommen. Während auf dem Flugfelde von Jffh les Moulineaux der Leutnant Princeteau, einer der Militärflieger, tätlich verunglückte, chatte sich am andern Ende von Paris (zu Vincennes) der Start des großen internationalen Lustrennens vollzogen, dessen erste Etappe über Reims nach Lüttich führt. Etwa 80 Flieger waren von etwa 6 Uhr morgens an aufgestiegen, als um 7>X Uhr der Bleriotflieger Lomarthin von dannen zog. Sein Eindecker kippte plötzlich vornüber und schoß vor einer Tribüne nieder zur Erde. Die Aerzte des hinzueilenden Ambulanzautomobils fanden Lomarthin schon sterbend vor. Die Schraube des Apparates hatte dem Unglücklichen den Schädel zertrümmert. Nachmittags verbreitete sich die Kunde von einem dritten schweren Unfall., der einen von Vincennes abgegangenen Militärflieger, den Leutnant G a u b e r t, betroffen hatte. Leutnant ©äußert war in der Nähe von Sotssons abgestürzt und wurde in sehr bedenklichem Zustand in das dortige Spital überführt. Der Flieger D a l g e r stürzte bei Vtllers-Cotterets ab und trug schwere Verletzungen am Kopse davon.
Sie Lpser des ersten Lags.
(Privat-Telegramm.)
Ueber die gestrigen Unfälle werden uns aus Paris noch folgende Einzelheiten berichtet: Um sieben Uhr früh war der Militärflieger Leutnant Princeteau auf seinem Bleriot- eindecker in Jffy les Moulineaux aufgestiegen. In vierzig Meter Höhe kippte der Apparat um und stürzte zur Erde. Dabei brach ein Benzinzuleitungsrohr und der Apparat geriet in Brand. Der Offizier, der sich an seinen Apparat festgeschnallt hatte, versuchte vergeblich, sich los zu machen. Für die Umstehenden war es unmöglich, Hilfe zu bringen. Nach wenigen Augenblicken explodierte der Benzinbehälter und übergoß den Offizier mit seinem brennenden Inhalt. Als es endlich gehm gen war. den Brand zu löschen, konnte man nur noch die bis zur Unkennllichkeit verkohlte Leiche des Offiziers unter den Trümmern her vorziehen. Der Flieger L r m a r t h i n, der gleichfalls einen Blerioteindecker benutzte, und kurze Zeit nach Princeteau aufgestiegen war, stürzte mit seinem Apparat aus siebzig Meter Höbe dickt vor den Tribünen zn Boden. Er wurde schwer verletzt nach dem Krankenhaus Antoine gebracht. Die Untersuchung er- gab einen Bruch der Schädelbasis, einen doppelten Bruch des rechten Beins und schwere innere Verletzungen. Das Gesicht war bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und mehrere Teile des Apparates waren ihm in den Schädel rin- gedrungen. Um zehn Uhr morgens starb Le- martbin. ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Ein weiteres Unglück ist durch den Präfekten von Soiffons telephonisch gemeldet worden: Ter Offizierflieger Leutnant Gaube r t ist in der Räbe des kleinen Ortes Pont- Long abgestürzt und hat beide Beine gebrochen. Sein Zustand gibt zu Besorgnis Anlaß. Der Flieger Morrison ist dreißig Kilometer von Lüttich bei dem kleinen Ort Gosbron aus großer Höhe abgestürzt, blieb aber wie durch ein Wunder unverletzt. Sein Apparat dagegen wurde vollständig zertrümmert. Der Todessturz des Leutnants Princeteau ereignete sich an derselben Stelle. nn der vor kurzer Zeit die beiden Flieger Lafont und Baula tätlich verunglückten. Rur zwanzig Meter entfernt davon liegt die Stelle, an der
der Kriegsminister Berteaux durch den Apparat des FliegersTrain seinen Tod fand.
Unglück Wer Nnplück.
(Eigene Drahtmeldung.)
Wie uns ferner aus Paris berichtet wird, haben sich außer den bereits gemeldeten Unfällen noch eine Reihe weiterer Unfälle beim gestrigen Etappenslug des Europäischen Rundsluges ereignet: Um halb sieben Uhr früh startete der Flieger L e n d r o n bei Chateau Thierrv. Der Benzinbehälter des Flugapparates explodierte. Der Apparat verbrannte und mit ihm der Pilot, dr auf der Stelle t o t war. Der Flieger Valentin stürzte bei Cheles und erlitt ebenfalls schwere Verletzungen. Lebhaft erörtert wird vor allem der tragische Tod des Leutnants Princeteau, der die parlamentarische Gruppe der Lustschiffer in gewaltige Aufregung versetzt hat. Die Gruppe wird heute zusammentreten, um die Ursache des Unglücks festzustellcn. General Roche erklärte, er verstehe nicht, wie dieser Unfall erfolgen konnte. Princeteau hatte seinen Apparat sorgfältig geprüft und er war ein sehr sorgfältiger Führer. Die unmittelbare Folge seines Unglücks ist, daß von nun an sportliche Flugversuche zu gleicher Zeit mit m i l i t ä r i sch e n Uebungen verboten werden. Uebrigens wird der Abgeordnete Milfort heute den Kriegsminister über den Unfall interpellieren. Der Absturz Princeteaus war schrecklich: Der Flieger machte kniend übermenschliche Anstrengungen, sich aus den Trümmern des brennenden Apparates zu befreien. Doch seine Kräfte versagten und er sank ohnmächtig in die Flammen, die eine Annäherung der Retter unmöglich machten. Princeteau war sechsunddreißig Jahre alt und stand als Leutnant beim siebenten Chaffeurregiment. Sein Bruder war Augenzeuge des Unfalles. In der heutigen Morgenausgabe des „Journal" war erst die Ernennung des tödlich verunglückten Fliegers Princeteau zum Kapitän und eine Würdigung seiner Verdienste um die Militärluftschiffahrt enthalten.
Ser deutsche Rundflug.
(Privat-Telegram m.)
Im Anschluß an den Streckenflug Hamburg-Kiel des Deutschen Rundsluges begann am Sonnabend in Kiel unter dem Protektorat des Prinzen Heinrich von Preußen das mit reichlichen Geld- und Ehrenpreisen ausgestattete Nationale Wettfliegen, das am ersten Tag einen glänzenden Verlauf nahm und rpehrere wohlgelungene Flüge brackte, die glatt vonstatten gingen. Auf dem Flugplatz hatte sich eine große Zuschauermenge eingefunden. Auch Prinz Heinrich war wieder erschienen. Das Wetter war aber den Flugvorführungen nickt besonders günstig. Der Wind war ziemlich heftig und sehr böig; trotzdem nahmen die Flüge einen guten Verlauf. Auch der gestrige zweite Tag des Wettfliegens brachte sehr erfreuliche Resultate. Zeitweise schwebten neun Flieger gleichzeitig in der Luft. Der Rundflugteilnehmer Laitsch ist (wie wir schon mitgeteilt haben) auf der Etappenfahrt Hamburg-Kiel verunglückt. Er mußte bei Elmshorn eine Zwischenlandung vornehmen. Beim Wiederauffteigen geriet er in einen kleinen Graben, den er vorder im hohen Grase nickt bemerkt hatte, und dabei ist der Propellergebrochen; das Fahrgestell und daS Höhensteuer wurden f<*toer beschädigt. Leutnant Hammel telephonierte um Hilfe, worauf ein Auto der Luftverkehrsgesellschaft bald an die Unfallstelle kam. Laitsch bat sich den rechten Fuß sckwer verletzt, während sein Passagier unverletzt geblieben ist.
Roch eine Flug Katastrophe.
(Telegraphische Meldung.)
AuS Budapest wird uns berichtet: Bei einem am Sonnabend nachmitto- hier durch den Apotheker P rod an cuS ^iume vorgenommenen P r o b e f l u g mir einem Eindecker flog der Apparat, über den Prodau die Gewalt verlor, in die Zuschauermenge, wobei einem jungen Mädchen der Kopf vom Rumpfe getrennt und mehrere m-rfonen schwer verletzt wurden. Prodan wurde bewußtlos nach dem Spital gebracht. Es scheint, daß ein Versagen der Steuerung das Unglück herbeigefü^t hat.
walt der Gewerkschaftsorganisationen in einem Maße abhängig, wie kein andrer Jndustrie- iinb Gewerbezweig, und der Unternehmer und Arbeitgeber unterliegt in seinen wichtigsten and nebensächlichsten Maßnahmen der Kontrolle der Arbeiterverbände, die sich mit der Prinzipalität in die Ausübung der gewerblich-
sozialen Gerichtsbarkeit teilen. Wenn nun seitens der Arbeiterschaft die von ihr selbst mit eingesetzten Kontroll- und Gerichtsinstanzen ignoriert und die im Interesse des Einvernehmens zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gegebnen Anweisungen direkt bekämpft werden,
dann wird die Arbeiter-Organisation naturgemäß zur Anarchie und zur sozialen und wirtschaftlichen Gefahr.
Im Berliner Zeitungskrieg haben (wie seitens der beteiligten gewerkschaftlichen Jn- tzanzen offiziell bekanntgegeben worden ist)
stundenlange Verhandlungen zur Anbahnung einer Verständigung stattgefunden und die'in Mitleidenschaft gezogne Verlagsfirma hat im Interesse des Friedens ihr Entgegenkommen bis zur äußersten Grenze gegebner Möglichkeiten ausgedehnt: An der unverständlichen und durch nichts gerechtfertigten Ueberspannung des (so oft schon mißbrauchten) Solidaritätprinzips sind aber alle Bemühungen, den Konslikt zu vermeiden, gescheitert. Man ist nicht berechtigt, der Arbeiter-Organisation als solcher die Verantwortung für diese Sünde wider Recht und Pflicht aufzubiirden; wohl aber trifft sie der Vorwurf indirekter Mitschuld insoweit, als sie (auch in diesem Fall) nicht in der Lage gewesen ist, dem Urteilspruch gewerkschaftlich anerkannter Rechtsinstanzen Achtung und Geltung zu verschaffen. Das Autorität- Prinzip ist für die moderne Arbeiterbewegung mehr wie für jede andre soziale Strömung die Basis und die Voraussetzung aller praktischen Erfolge, und wenn die Autorität (wie es im Berliner Zeitungskrieg leichtfertig und ohne berechtigten Anlaß geschehen) einfach beiseitegestellt und der ihr ziemenden Achtung beraubt wird, dann hat man ein Recht zu der Frage: Befindet sich die moderne Arbeiterbewegung in ihrem Kampf um ideale und materielle Güter überhaupt noch auf dem Boden rechtlich e r und ethischer Fundamental-Prin- zipien? Anarchie und Willkürherrschaft können nicht das Ziel der Arbeiterbewegung sein; ebensowenig, wie die Organisation der Buchdrucker es billigen kann, wenn einzelne Kampfhähne leichtfertig einen Streik provozieren,.der das wichtigste Instrument des öflentlichen Lebens, die Presse, lahmlegt und den vermittelnden Faktor der menschlichen Kulturgemeinschaft zum Stillstand bringt. Der Berliner Zeitungskrieg ist für dieArbeiterbewegung sowohl wie für das deutsche Wirtschaftsleben ein eindringliches Mene tekel, und er wird (trotz aller Schäden) nicht ganz nutzlos gewesen sein, wenn er die Gefahren sozialer Anarchie allen Denkenden überzeugend vor's Auge gerückt hat! F. H.
Friede in Eicht?
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
Aus Berlin wird uns berichtet: In einet gestern stattgehabten Versammlung des Buchdruckerpersonals der Firmen Mosse, Scherl und Ullstein wurde nach teilweise sehr lebhafter Debatte auf Vorschlag des Gauleiters Massini und der Vorsitzenden der Organisationen mit allen gegen wenige Stimmen beschlossen, daß die Arbeit bei den Firmen Mosse und Ullstein sofort wieder ausgenommen wird. Die nicht entlassenen Arbeiter der Firma Scherl nehmen Montag die Arbeit wieder auf. Die entlassenen neununddreißig Arbeiter der Firma Scherl wählen eine aus drei Personen bestehende Deputation, die heute mit der Geschäftsleitung des Verlags Scherl zu verhandeln suchen soll. Sollte dieser Versuch scheitern, so sollen sich die Entlassenen sofort an die Organisation wenden, die bann di« Angelegenheit in die Hand nehmen wird.
Versöhnung...?
Friedrich Augusts Besuch in München.
König Friedrich August von Sachsen ist gestern früh zum Besuch des Prinzregenten Luitpold in München eingetroffen. Zum Empfange hatten sich auf dem Bahnhofe eingesunden: Prinz Ludwig, der sächsische Gesandte, der Oberzeremonienmeister, die Herren des Ehrendienstes und der sächsische Generalkonsul. Der König fuhr mit dem Prinzen Ludwig im offenen Wagen in die Residenz, wo der Prinzregent seinen Gast begrüßte, und wo eine Unterredung zwischen den beiden Fürsten statt, fand. Es wird uns darüber berichtet:
h* München, 19. Juni.
(Eigene Drahtmeldung.)
Die gestrige Unterhaltung des Königs vo« Sachsen mit dem Prinzregenten hat z i e m l i ch lange gedauert. Daß der Besuch des sächsischen Königs nicht lediglich ein HöflichkeAsakt war, darf man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, da infolge des hohen Alters des Prin- zen noch in der letzten Zeit wiederholt fürstliche Besuche abgesagt wurden. Daß der Prinzregcnt den König von Sachsen trotzdem empfing, wird seine guten Gründe haben. Daß der König am Montag zum Besuch naher Verwandter seiner früheren Gattin, der Gräfin Montignoso, nach Lindau fährt, mag vielleicht im Zusammenhang die Gründe der jetzigen Reise offenbar werden lassen. Der König hat nachmittags eine Fahrt auf dem Starnberger See unternommen und hat heute früh um acht Uhr die Reise nach Lindau angetreten. Die Reise hängt wohl mit der Absicht der früheren Kronprinzessin von Sachsen zusammen. sich von totem gegenwärtigen Gatten