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162. L Fahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

3it öeutige Kummer umfott 126eiten.

Die Ehrung eines alten Caffeler Bürgers. Dem Geheimen Kommerzienrat Asch rott, der (wie wir gestern berichteten) der Stadt ein

Las Krankenhaus aus dem Rotenberg.

Im Stadtteil Rothenditmold läßt der St. Vinzenz-Orden in Fulda bekanntlich ein Krankenhaus erbauen, das in diesem Jahre noch unter Dach kommen wird. Der Neubau wird sich auf dem Rücken des Rotenber- fl e s erheben, und die späteren Insaffen werden von dort oben einen prächtigen Rundblick ha­ben. Das Gelände eignet sich für ein Kran­kenhaus wegen seiner vorzüglichen Lage aus­gezeichnet. In unmittelbarer Nähe steht auch die (vor etwa drei Jahren erbaute) neue ka­tholische Kirche, deren Bau sich stolz auf dem Gelände erheht. Da jene Gegend vom Roten­berg bis zur Strutbach durch Straßen aufge­schloffen ist, so beginnt eine rege Bautätigkeit, ein Haus entsteht neben dem andern.

Die Bauarbeiten für das Krankenhaus ha­ben seit einigen Wochen begonnen. Bei den Ausschachtungsarbeiten sind etwa sechstausend Kubikmeter Boden zu bewegen. Der Zeichnung nach verspricht der Bau, für den eine Bauzeit von annähernd zwei Jahren festgesetzt worden ist, sehr imposant zu werden. Mit wenigen Mitteln will man doch eine vorzügliche Ge- samtwirkung erreichen. Bei der Herstellung der Zeichnungen ist auf die bäuerliche und land­schaftliche Umgebung gebührend Rücksicht ge­nommen, sodaß sich das neue Krankenhaus dem gegebenen Rahmen trefflich einfügen wird.

Den Bauplatz für das Krankenhaus stif­tete Kommerzienrat Wegmann in hochher­ziger Weise. Mr die Baukosten allein muß der Vinzenz-Orden dann noch rund fünf» hunderttausend Mark aufbringen. Den Bau­entwurf fertigten die Architekten Gebrüder Langenberg, die Ausführung des Baues erhielt im Submiffionswege die Firma Robert M e e s in Caffel-Rothenditmold. Bei dem zuten Wetter lassen sich die Arbeiten fehr be­schleunigen, sodaß die Hoffnung besteht, den Pau in der festgesetzten Zeit vollenden zu kön­nen. Bei der Innenausstattung des neuen Krankenhauses sollen alle Neuerungen und praktischen Ersahrungen nutzbar gemacht wer­den.

A Die Verbesserung des Submiffionswesens. Unter Hinweis auf die vom Staate neu erlasse­nen allgemeinen Bestimmungen, betreffend die Vergebung von Leistungen und Lieferungen, hat der Deutfche Arbeitgeberbund !ür daS Baugewerbe neuerdings sämt- ichen Gemeindeverwaltungen in Preußen Vor- chläge zur Gefundung deS Submissionswefens unterbreitet. In der Hauptfache wünscht der Bund, daß die Arbeiten nicht ohne weiteres dem Mindestfordernden erteilt werden. Die

A CaffelS neuer Polizeiinspektor. Wir be­richteten bereits dieser Tage, daß zum Nach­folger des verstorbenen Polizeiinspektors, Polizeihauptman Funke, bei der hiesigen könig­lichen Polizei-Direktion der königliche Polizei- Inspektor von der Osten in Frankfurt am Main ausersehen sei. von der Osten hat heute feinen Dienst in Cassel angetreten und sich auf den einzelnen Revieren vorgestellt. Polizeiinspektor Hermann von der Osten ist am 5. April 1861 in Salzwedel geboren. Am SO. November 1891 wurde er zum Polizeikom- miffarn Magdeburg ernannt, in welcher Stel­lung er bis zum 1. Oktober 1907 verblieb. Dann wurde er Polizeiinspektor in Frankfurt am Main und hatte dort die zweite Polizeiinspek- torstelle inne. Wie unser Franksurter Korre­spondent meldet, erfreute sich von der Osten in Frankfurt wegen seiner Höflichkeit und seines zuvorkommenden Wesens der größten Beliebt-! fielt; seine Vorgesetzten schätzten ihn als ge­wissenhaften und pflichttreuen Beamten.

A Der Caffeler Margaretentag. Wir be­richteten bereits darüber, daß auf dem Casseler Margaretentag für das Krüppelheim S ch ä- tz.ungsschetne ausgegeben werden, mit de-1

Nürnberg, der den Vertreter der Reichsregie­rung» Regierungsrat von Witzleben, Stadtrat Dr. Saran-Cassel, Dr. jur. And-

Eine Millionenstiftung für Frankfurt a. M.

Frankfurt a. M., 15. Juni. (Privat- Telegramm.) Der bekannte Newyorker Millionär Jacob Schiff, ein geborener Frankfurter, der kürzlich vom Kaiser empfangen wurde hat sich bereit erklärt, mehrere Millionen Mark für die Errichtung einer U n emLV 6* in Frankfurt zu stiften, falls gewisse Bedingungen, die wohl die Konfession der Universitätslehrer betreffen, erfüllt werden würden. Ueber diese Bedingungen soll Ober­bürgemeister Adickes mit dem preußischen Rui. tusminister bereits verhandeln.

Die Verhaftung eines Referendars.

Frankurt am Main, 15. Juni. (Tele- Zramm unsers Korrespondenten.) Vor einiger Zeit wurde berichtet, daß aus einem Nachlaß, über den der Konkurs ange< gemeldet werden mußte, ein wertvolles Brief. Markenalbum verschwunden war. Gestern ist nun der Sohn des Verstorbenen, der GerichtS- ttferendar Schloß, unter dem Verdacht, das Briefmarkenalbum beiseite geschafft zu haben, verhaftet worden.

Ein Sturz kn den Tod.

Berlin, 15. Juni. (Privat-Tele- gramm.) Vergangene Nacht stürzte der Sergeant Artner von der 7. Batterie des Garde-Fuß-Artillerie-Regiments in Spandau infolge Trunkenhett aus dem Fenster der Ka- seme. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er auf dem Transpott nach dem Garnison-La- zarett verschied.

Der neueste Spionage-Prozeß.

Leipzig, 15. Juni. (Privat-Tele- Aramm.) Vor dem ReichSgettcht begam, heute der Spionage-Prozeß gegen den Papier- warenhändler Remane aus Breslau und seine Schwester, die angeklagt sind, Spionage in großem Umfang getrieben zu haben.

Triest im Gewittersturm.

A Cassel legt sein Festkleid an. Daß unsere Residenzstadt in diesem Monat eine große Ausstellung beherbergt, wird nun auch äußer­lich bemerkbar. Heute morgen ist nämlich da­mit begonnen worden, die Kurfürsten- straße am Bahnhof mit Flaggenmasten zu schmücken. Außerdem soll noch die Fulda- brucke einen besonderen Flaggenschmuck erhal- !ten. Ob man am Bahnhof ein großes auf d>e Ausstellung verwerfendes Schild (wie man in anbent Ausstellungsstädten findet) zur Aufstellung bttngen wird, ist noch nicht ent­schieden.

, A Der Caffeler Sängergruß an Deutsch- lands ^andwitte. Es dürfte gewiß allgemein interessieren, daß der kurhessische Sängerbund, der bekanntlich am Begrüßungsabend der Jur Eröffnung der landwirtschaftlichen Ausstellung mitwirkt, am morgigen Freitag abend im Ätadtparksaal nochmals eine Probe abhalt. Die Generalprobe wird am kommen­den Montag in der Aue stattfinden. Den er­sten Teil der Chöre wird der erste Bundesdiri- aent. Musikdirektor Schwarz, den zweiten Teil Muiikdirektor Hallwachs leiten.

A Cassel als Kongreßstadt. Gestern vor­mittag fanden im Kasino die Beratungen der Dclegietten der Steinbruch s-B erufs- genossenschaft (Sektion V) statt. Den Vorsitz fühtte Kommerzienrat Weimann-

Handwerker und Beamte, Männlein und Leiblein: Alles hasttt dahin, der Arbeitsstätte entgegen! Wenige nur kennen sich von den Lausenden, die da achtlos aneinander vorüber eilen. Aber alle umschlingt ein großes, star­kes Band: Die Pflicht, die Sorge ums Brot, die Lust zu leben. Welch köstliche, lebensfrohe Gedanken werden wach an einem solchen sonnenhellen Großstadtmorgen! Alles ft ja so frisch, so fröhlich und so mutig. Tau­send lichtscheue Gedanken, düstere Gemütsan- Dandlungen, die noch gestern die Seele be­drückten, hat der junge Tag lachend davon­gejagt und die Herzen jubeln dem jungen Morgen entgegen. Di« Sonne breitet segnend ihre Arme über Menschen, Stadt und Welt: Seid stark und froh...! K. B.

*** I^n* Schein kostet 10 Pfennige) schreibt den mut* näßlichen Ertrag deS Blumen- . t a g e s ttt Zahlen aus die Vorderseite des Zet- ' ?"d übergibt ihn der Verkäufettn oder

vis abends 8 Uhr in das Zweigbureau des 1 Komitees (Neues Rathaus, Erdgeschoß, Ein- I gang Funfsensterstraße, Stadtkellerei). Auf den Zetteln müssen Namen und Wohnung deuüich 1 angegeben sein. Für die drei Angaben, die dem wirklichen Ergebnis zunächst kommen, sind drei Preise von 100 Mark, 50 Mark und 25 Matt ausgesetzt. Bei gleichrichtigen Lösun- gen werden die Preise unter die Betreffenden vetteUt Das Komitee hofft, daß diese Idee rechten Beifall findet und mit dazu beiträgt, den I Ertrag des Blumentages zum Wohle der armen Kranken recht günstig zu gestalten. Möchten deshalb viele Tausende neben einer Blume auch manchen Zettel kaufen.

LA Ein Fronleichnams - Jubiläum. Die katholische Christenheit begeht heute das Fron­leichnamsfest, das in Städten mit großer ka­tholischer Bevölkerung in einer Prozession sei­nen Höhepunkt erreicht. In diesem Jahre dürf­te das Fronleichnamsfest besonders feierlich aestaltet werden, dafechshundertJahre fett seiner Einsetzung zum katholischen Kirchen- fest durch Papst Klemens den Fünften verflos- fen sind. Die heilige Juliana von Corniüon, eine ftome Ordensschwester, gab bereits im Jahre 1246 zu dem Fronleichnamsfest die An- regung, aber erst auf dem Konzil zu Vienne im Jahre 1311 wurde es allgemein anettannt.

A Teure Zeiten. Die Königliche Regie­rung in Cassel läßt in ihrem Amtsblatt all­monatlich eine Uebersicht über den Durch­schnittspreis der wichtig st en Le­bens- und Verpflegungsmittel er­scheinen, in der die Normalmarktnoten des Re­gierungsbezirks aufgeführt sind. Aus der neuesten Statistik für den Monat M a i ergibt sich nun, daß die Durchschnittspreise einiger Lebensmittel gegenüber dem Vormonat etwas g e st i e gen sind. So wurden gezahlt: für Hülsen flüchte (im Großhandel je hun- bcrt Kilogramm) gelbe Erbsen zum Kochen 29.48 Mark gegen 30.21 Mark, weiße Speise- ^^e5L33-n Mark gegen 30.79 Mark, Linsen 20.18 Mark gegen 25.51 Mark; (im Kleinhandel ie em Kilogramm) gelbe Erbsen zum Ko- chen 40 Pfennig, weiße Speisebohnen 40 gegen 39 «Pfennig, Linsen 34 gegen 35 Pfennig. Alte Eßkartoffeln kosteten im Großhandel 8.07 Matt gegen 7.81 Matt; im Kleinhandel 11 ge-' gen 10 Pfennige. Der Durchschnittspreis für em Kilogramm Eßbutter betrug im Mai 2.60 Matt gegen 2.53 Mark im April, für ein Schock Eier 3.91 Mark gegen 3.93 Mark. Der Preis für Vollmilch ist der gleiche geblieben, er betrug im Durchschnitt 19 Pfennig; am billigsten war er in Fritzlar, wo nur 16 Pfen­nig für ein Liter gezahlt wurden.

A Fünfundzwanzig Jahre Jnnungötättg* leit. Der hessische Bezirksverband des Bun­des deutscher Barbiere, Friseur- und Per- rückenmacher-Jnnungen hielt kürzlich in Cassel feine Jubiläumstagung ab. Aus diesem An­laß hat jetzt der Bezittsvorsitzeude Albin Jahn einen Rückblick über die Tätigkeit des Verbandes verfaßt, aus dem folgende bemer­kenswerte Daten entnommen seien: Der hessische Bezirksverband ist am 20. Juni 1887 in Cassel von den Vertretern der Innungen von Cassel und Hanau gegründet worden. Auf dem zweiten Bezirkstag in Hanau hielt der ver­storbene Oberbürgermeister Westerburg von Cassel eine bedeutsame Rede, die heute noch als Richtschnur für Innungen und deren Verbände dienen kann. Beschlossen wurde, Prämien zu den alljährlich auf den Bundes­tagen stattfindenden Fachausstellungen von Haararbeften zu stiften, um den Nachwuchs zu guten Leistungen anzuspornen. Der dritte Be­zirkstag, in Marburg abgehalten, hatte das er­freuliche Ergebnis, daß dort die Marburger Innung gegründet wurde. Auch auf der vier­ten Tagung in Fulda wurde die Gründung einer Innung für den dortigen Bezirk und die Einrichtung eines Bezirksnachweisbureaus mit dem Sitz in Cassel beschlossen. Aus der achten Tagung im Mai 1894 in Marburg fand ein Anftag der dortigen Innung Annahme, den Bezirksvorstand zu beauftragen, den hessi­schen Bezirk mit dem Großherzogtum Hessen und dem Bezitt Nassau zu einem Bezirk zu bereinigen, auch die Grenzen der Bezirke nach denen der Armeekorps zu legen. Aus den weiteren Beschlüssen wäre noch erwähnenswert die Gründung einer Einkaufsgenossenschaft für den Bezitt in die Wege zu leiten, ferner eine Resolution, laut der das Gewerbe nur der­jenige betreiben dürfe, der es ordnungsmäßig erlernt und es bei der Behörde erwerbsmäßig angemeldet habe.

A.Lehrerprüfung und Lehrettonferenz. An der hiesigen Kunstgewerbefchnle findet in der Zeit vom 19. bis 24. Juni die Prüfung für Zeichenlehrer und Zeichenlehre­rinnen statt. Den Vorsitz in der Prüfung ühtt der Direktor der genannten Anstalt, Pro- effor Schick. Am 1. Juli findet die erste nesjährige amtliche Konferenz für Lehrer und Lehrerinnen an bett hiesigen Bür­gerschulen statt. Lehrer Scheuch von ber Luisenschule wird einen Vortrag über die ge­genwärtigen Forderungen und Ziele des Ge- angunterrichtes halten.

A Die Hebung der Krankenträger. Beim hiesigen Trainbataillon wird in der Zeit vom 29. Juni bis 14. Juli eine große Krankenttä- ger-Uebung abgehalten werden. Hierzu wer­den von jedem Infanterie- und Jäger-Ba­taillon je ein Unteroffizier und acht Mann, zusammen zweihundertfünszig Mann, und die unbedingt abkömmlichen Sanitätsoffiziere und Sanitäts-Unteroffiziere kommandiert.

Sroßes Gelände für eine Festhalle geschenkt at, wurde gestern anläßlich feines fünfund­achtzigsten Geburtstages eine Anzahl großer Ehren zuteil. Im Grand-Hotel in Wilhelms- Höhe, wo Geheimrat Afchrott zur Zeit wellt, erfchien zunächst eine städtische Deputa­tion, bestehend aus Oberbürgermeister Mül­ler, Stadtältesten Seidler, dem stellvettreteii- ; den Stadtverordneten-Vorsteher Justizrat Dr.

Schier, Stadttat Wagner und Stadtverord­neten Kommerzienrat Rosenzweig. Der Ober­bürgermeister hielt eine Ansprache, in der er Geheimrat Aschrott unter Anerkennung seiner großen Leistungen für die Stadt Cassel zu­gleich mit warmem Glückwunsch den Dank für das der Stadt Cassel gemachte großberzige , Geschenk aussprach. Die Handelskam­mer, sowie viele Korporationen und Vereine hatten warmgehaltene Glückwunschschreiben und Telegramme gesandt.

Arbeiten sollten nur an Handwerker vergeben werden, die berechtigt sind, den Meistertitel zu führen, insbesondere nur an solche, die dem für den Ott bestehenden allgemeinen Tarifverträge offiziell beigetreten sind, und ihren Verpflich­tungen gegen Korporationen und Berufsge­nossenschaften pünktlich nachkommen. Bei Ver­gebung von Arbeiten durch Behörden fallen zur Feststellung der angemessenen Preise Sach- vetttändige. Handwerksmeister und Gewerbe­treibende, hinzugezogen werden, ganz beson­ders aber sollen, soweit als irgend möglich, die ortsansässigen Handwettsmeister und Ge­werbetreibenden herangezogen und die Arbei­ten in Losen getrennt vergeben werden. End- lich werden die Gemeindeverwaltungen gebe­ten, sich mit der Aufnahme der fogenanntcn Streikklausel in die Ban- und Llefe- rungsvetträge einverstanden zu erklären, nach ber bie Frist für bie Erfüllung des übernomme­nen Werkvettrages um die Dauer einer Ar­beitsniederlegung oder Aussperrung ber!fingert wird. Die Streikklausel habe bereits für an­dere große Industriezweige Gülttgkeit und kön­ne daraus nicht zu einer willkürlichen Waffe gegen die Arbeiter benutzt werden.

A Kleine Tageschronik. In der Kasernen- sttaße berfergte gestern die Bremse eines schnell dahinfahrenden Wagens, der infolgedessen ge­gen eine Hausecke fuhr und in Trümmer ging. Der Lenker des Fuhrwetts kam ohne Verlet­zungen dabon. Heute vormittag platzte einer Bauersfrau R. ans dem Heckershäuser Weg eine Hauvtader am rechten Bein. Infolge großen Blutberlustes siel sie ohnmächtig zu Boden. Die Frau wurde von einem Mit- gliebe der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz verbunden und mittels Droschke nach Hause gebracht. Die Klassen der hiesigen Königli­chen Baugewerkschnle unternehmen in diesen Tagen verschiedene wiffenschaftliche Exkursio­nen an den Rhein, nach Thüttngen und Süd- deufichland. Gestern wurden die Pferde ei­nes Hufaren-Fuhrwerks am Proviantamt fcheu und rasten über die Hafenbrücke und Hafen- straße nach der Fuldabrücke. Erft dadurch, daß ein Pferd stürzte, konnten die aufgeregten Tiere mm Stehen gebracht werden. Es ist als ein Wunder zu bezeichnen, daß in den fehr belebten Straßen kein größeres Unglück entstanden ist. m A Das Wetter am Freitag. Der amtliche Wetterbericht fagt für den morgigen Frei- t a g für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Wolkig, nur zeitweise ausheiternd, kühl, einzelne, meist leichte Regenfälle.

Letzte Telenramme.

lRach Schluß der Redaktion eingegangeu.)

bin Unfall des Kronprinzen.

(Eigene Drahtmeldung.)

S> Berlin, 15. Juli.

Hamand und seine Liebe.

(Eigene Drahtmeldung.)

$ Paris, 15. Juul.

Millionen-Defraudant Hamond, der frühere Direktor im Ministerium deS Aeuße- ren, und feine Geliebte Gabriel wurden gestern vor dem UntettuchungSttchter Dricur konfronttert. Hamond hat angegeben, daß er bie gesamte von ihm unterschlagene Summe von rund einer Million Francs ausschließlich für feine Geliebte verwendet habe.Jchbe- baute dies nicht," sagte er,ich liebe Fräulein Gabriel und hatte ihr auch Millionen gegeben, wenn ich sie besessen hätte." Fräulein Gabriel war über diese Erklärung tief gerührt und »rach in Tranen aus, faßte sich aber rasch und sagte:Eine Million nicht, soviel haben Sie für mich nicht ausgegeben." Hamond konnte ttdoch nachweisen, daß er tatsächlich rund eine Million Francsfür seine Liebe" aufgewen. der hat.

grüßte. _ Der Vorsitzende sprach zunächst über das Gesamtergebnis der Sozialreform. Gene­raldirektor Hoffmann-Oppeln gab den Bericht über die JahreSrechnung und Stadt­rat Rosenstein-Bochum sprach über die Notwendigkeit ber Errichtung eines eigenen Heimes. Nach der Tagung versammelten sich bie Delegierten mit ihren Damen zu einem Frühstücke im Ratskeller. Daran schloß sich ein Ausflug nach Wilhelms- höhe.

A Cassel und die Ausstellungszeitung. Heute ist das dritte Heft der Landwirtschaft- llchen Ausstellungs-Zeitung herausgekommen, bas wieder außerordentlich interessant ist. Es enthält eine Reihe prächtig illustrierter Artikel aus der Feder von Paul Heidelbach, Ver- kehrslnspektor Weber und königlichen Gar­tenbaudirektor Junge in Cassel. Die Auf­machung der Ausstellungszeitung ist berart, daß bie Hefte einen bleibenden Wert haben werden.

A Unter den Rädern der elekttischen Stta- ßenbahn. Das fünfjährige Töchterchen der Familie Gundlach, Grüner Weg, kam heute vormittag beim Ueberfdfreiten ber Straße un­ter einen Wagen der elektrischen Straßenbahn und trug erhebliche Verletzungen am Kopf und an den Seinen davon. Mitglieder ber Sanitätskolonne brachten das Kind zu­nächst ins Landkrankenhaus, wo bie sofortige Behatiblung erfolgte.

Triest, 15. Juni. (Telegramm) Gestern abend entstand hier ein Gewitter, das nachts in einen orkanartigen Sturm ausartete. Viele Schifte im Hasen und auf der Reede wurden stark beschädigt. Eine Fischer- batte ist untergegangen und die aus zwöl, M °nn bestehende Besatzung ist umg elo m. men. Ebenso ist der DampferAndromeda« ^rgegangen. Die Mannfchaft ist gerettet 3« 2nefl find bisher zwanzig Leichen ^borgen. Bei Santa Crucia befanden sich vierzig Fischer auf dem offenen Meer. Man vennutet, daß auch fie im Ottan nmgekommer find.

Die Opfer eines Blitzschlags.

Paris, 15. Juni. (Priva11elegramm.> Jn Balenciennes fuhr der Blitz in eine Arbeitergruppe und traf sechs Leute, von denen einer sofort getötet wurde Seine Kleider waren zerfetzt, seine Uhr geschmolzen. D,e übrigen Getroffenen, die zu Boden ge* chlcudett wurden, haben mehr oder minder chwere Verletzungen davongettagen.

Ein Drama im Süden.

Rom, 15. Juni. (Privattelegram m3 gestern ein furchtbarer Gcwlttersturm gehaust und großen Scha­den angerichtet. Das Dach einer großen Spin bcr mehrere hundert Arbeiterinnen beschäftigt waren, wurde abgedeckt. Es ent= tanb eine entsetzliche Panik unter den grauen, die in wilder Hast dem Ausgange zn- trebten. x, t e i Frauen wurden in dem Gedränge e »drückt, vierzehn Arbeiterinnen wurden schwer verletzt, während eine große Anzahl anderer Arbeiterinnen mit leichteren Verletzungen davonkam.

Der Kronprinz hat heute vormittag auf der Fahrt von Döberitz nach Berlin einen Unfall erlitten, der indeffen glücklicherweise ohne schlimme Folgen geblieben ist. Als daS Auto des Kronprinzen an den Reichskanzler­platz fuhr, ruftchte daS Auto bei einer Kurve _ 4 , h .mk cm.. ;-- I aus und schleuderte mtt dem rechten Hinterrad

witzkv»Cassel und Gewerberat Wedel Be»I aeaen die Bordschwelle. DaS Hinter-

____Freitag, 16. Juni 1911.

red brach auS und derKronprinzwurde ans dos Trottoir hcrausgeschleu- bert Er blieb indeffen unverletzt und begab fich zu Fuß nach dem Kaiserdamm. Auch der Chauffeur deS kronpttnzlichen Autos hat keine Verletzungen erlitten. Ein Augenzeuge gab über den Unfall des Kronprinzen folgende Er­klärung: In dem Augenblick, als der Wagen des Kronprinzen die Kurve um den Reichs- ^ölerplatz nehmen wollte, sah ich, wie ft* plötzlich das Hinterrad ganz nach außen bog, und schließlich völlig wegrutschte. Der Kron­prinz, der daS Auto steuette, blieb auf dem Wagen sitzen, und sprang erst in dem Augen- blich als sich das Rad völlig löste, hinab. Er kam ohne jede Verletzung davon. Beide Chans- senre, die auf den Hintern Plätzen deS Autos saßen, wurden herausgeschleudert. Der eine schlug gegen einen Laternenpfahl und hat an­scheinend schwere Verletzungen davongettagen. Als er ausgehoben wurde, fragte ihn der Ätowrtuj, ob er schwer zu Schaden gekommen sei. Der Chauffeur, der äußerlich keine Ber- letzungen aufwies, wurde von ffinem Kollegen, ber gänzlich unverletzt davonkam, in das stark demolierte kroupriuzliche Auto gesetzt, um spä­ter in einer Autodroschke fottgebracht zu wer­den. Der Kronprinz fuhr mit einer vorbeifah­renden Droschke zum Kaiserdamm herunter und bestieg dann später eine Autodroschke, die ihn nach dem Reichskanzlerpalais brachte.

schöne Macht setneSjMgenLebenS. Hier und I »en es folgende Bewandtnis hat: Der Käufer I SSL ll-d-,

«n oder älteren Hausfrau ober auch deS k-itnstmäbchens lugt heraus, um bann, befrie­digt von dem fchönen Wetter, wieder zu der- ,'chwinben. Roch eine Weile ist es ruhig. Tann aber tönen aus dem Innern der Fa- zriken bie monotonen Geräusche der Maschi- en: Sirenenpfeifen rufen die Arbeiter herbei. Und nun füllen fich die Sttaßen rasch und stmnermehr. Die arbeitende Bevölkerung eilt zu den Arbeitsstätten. Die ersten Elekttischen fahren ans ihren Schuppen. Langsam nur können sie fahren, denn das Getriebe und Hasten in den Sttaßen wird von Minute zu Minute stärker und bewegter.

Der Zeiger auf der Turmuhr rückt der ,W zu. DaS größte Treiben beginnt. Wie I flutet das dahin! Pausbäckige Klein-Leben, sie noch den Rest ihrer Stulle im Gehen ver­zehren, pilgern zur Schule. Größere Schüler und Schülerinnen, lässig die Mappe unter dem Arm, folgen ihnen. Junge Kaufleute und