Nummer ib2.
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Casseler Abendzeitung
Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, den 16. Juni 1911
Fernsprecher 951 und 952.
seien, aus denen der Wein stammt. Damit hofft man, allen Interessenten nach Möglichkeit gerecht zu werden. In diplomatischen Kreisen spricht man viel von den unverkennbaren Ver» suchen Clemenceaus, an Moni-' Stelle zu treten. Er hat sein« geplant gewesene Mittelmeerreise aufgegeben und wird in der Frage der Aube-Departements-Unruhen e'nen Vorstoß zum Sturze Monis wagen, um dann als Anwärter auf die Mtnifterpräsident- schaft aufzutreten. Kommt nach dem gestrigen Kabinettsrat, der anscheinend die Ministerkri» siS eingeleitet hat, im Senat wirklich die Aussprache über die Winzerunruhen, so kann es leicht Eintreten, daß hierbei die ^reunde Clemenceaus einen energischen Vorstoß unternehmen, um das Kabinett zu Fall zu bringen. Die Lage des Ministeriums ist im Augenblick jedenfalls die allerkritischste. <
Sie deutschen Reeder.
(Privat-Telegram m.)
Wie uns aus Köln depeschiert wird, herrscht in dortigen Schrffahrtskreisen, die durch den Ausstand der Seeleute in Mitleidenschaft gezogen werden, eine o p t i m i st i s ch e Auffassung. Man weist darauf hin, daß der Ausstand von nicht sozialistisch organisierten Arbeitnehmern ausgeht, während sich die überwiegend sozialistisch organisierten Länder, wie Deutschland, Frankreich und Skandinavien, zurückhalten. Man glaubt, daß dir in den Ausstand getretenen Organisationen nicht stark genug sein werden, um ihre Forderungen durchzudrücken. Jedenfalls erachtet man hier eine direkte Gefahr im Augen-
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Paris, 15. Juni. (Telegramm unsers Korrespondenten.) Wenn auch die ..Agenee Havas" versichert, daß hinsichtlich der Abgrenzungslinien im Champagnergebiet keine Meinungsverschiedenheiten zwischen den Ministern bestehen, daß also Monis keinen Grund zum Rücktritt wegen dieser Sache habe, so erhält sich hier doch das Gerücht, daß Monis das Kabinett nur unter Vertröstung mit seinem spätem Rücktritt diesmal noch aus seine Seite gebracht hat. um die Champagne-Vorlage zu retten. Daß Monis am Ende seiner Tage steht, bezweifelt indessen niemand.
Monis' letzte Tags.
Die drohende Kabinettskrise in Frankreich.
Die gestern von uns in dem Leitartikel: „Sommer-Spuk?" erörterten Gerüchte über die drohende Kabinettskrise tn Frankreich werden zwar amtlicherseits immer noch als .falsch" bezeichnet, allein der .Figaro" behauptet heute nachdrücklich, daß sie trotzdem nicht der Begründung entbehrten. Er fügt hinzu, daß es weniger die Zustände im Champagnegebiet seien, als die Unstimmigkeiten mit Spanien .worüber das Kabinett stolpern werde. Die Hauptschuld daran trage Del- cass<r. der das Kabinett Monis in den »Sumpf der Verwirrung" hineingelockt habe. Hebet den Stand der Dinge wird uns berichtet:
$ Paris, 15. Juni.
(Eigene D ra h t m e ldun g.)
Der gestern spät abend beendete K a b i - nettsrat ergab keine Verständigung der Minister in der Angelegenheit der Zonen- Einteilung in der Champagne. Später fand im Krankenzimmer Monis' abermals ein Ministerrat statt. Die Krisis gilt für unvermeidlich. Im günstigsten Falle kann ein Aufschub der Ministerkrisis für kurze Zeit erfolgen, da die in Aussicht genommenen Nachfolger des Kabinetts Monis schon ungeduldig werden. Die Gesetzesvorlage, über die die Minister gestern spät abends nach zweistündiger Beratung prinzipiell einig geworden sind, enthält für die Departements Marne und Aub die Bestimmung, daß auf den Etiketts aller künftighin in Betrieb zu setzenden Gebinde u. Flaschen die Oertlickkeiten genau anzugeben
Amerika solidarisch?
(Privat-Telegram m.)
^L-epefchen aus Rewyork zufolge sind auch die dortigen Seeleute zum Streik bereif Sie wollen selbständig streiken, falls bis Ende der Woche nicht der Ruf von London kommt Die Dampferlinien erklären, daß sie die umfassendsten Maßregeln getroffen hätten. Die ausländischen Seeleute der in Newvork liegenden Schiffe kämen im Streikfall mit den Auswanderungsbehörden in Konflikt, und es werden deshalb in der Eile Vorkehrungen getroffen, um im Fall des Streikausbruchs genügend Ersatzkräfte zur Hand zu haben. Unter, den Seeleuten besteht übrigens eine starke Neigung, sich mit den Streikenden in England, Holland und Belgien solidarisch zu er- klarcu ' Geschieht das, dann erscheint der f?dPfUb<ertefir auf dem Atlantic stark gefährdet. Bestimmte Entschlüsse werden erst für heute abend erwartet.
Plötzlich sprangen zahlreiche Anhänger des Gegenkandidaten in den Saal, in dem das Diner abgehalten wurde. Die Eindringlinge warfen mit Flaschen und Gläsern nach den im Saal Anwesenden, und es "entspann sich eine große Schlägerei, wobei einem Abgeordneten der Schädel eingeschlagen wurde. Der Präsident des festgebenden Klubs Daniel Palfy, wurde in den Saal geworfen und mißhandelt. Der Polizei gelang e3 nur sehr schwer, die Ruhe wieder herzustellen. In der Stadt herrscht große Aufregung. Für die heutige Wahl wird Militär in Bereitschaft gehalten, da man eine Wiederholung der Unruhen befürchtet.
Kanzlerfahtt zym Mein.
Bethmann Hollweg und Bismarcks Denkmal.
Das Eine läßt sich nicht bestreiten: Herr von Bethmann Hollweg ist nicht nur ein Philosoph, er ist auch ein pietätvoller Verehrer des großen Vorgängers im Amt, der als Erster auf dem Stuhl des Kanzlers saß. In den nächsten Tagen wird Herr von Bethmann Wiesbaden einen Besuch abstatten und sich von dort aus zur Elisenhöhe am Rhein begeben, wo bekanntlich das viel angefeindete Nationaldenkmal für Bismarck errichtet werden soll. Ein Telegramm berichtet uns darüber:
Berlin, 15. Juni.
(Eigene Drahtmeldung.)
Reichskanzler von Bethmann Hollweg trifft (wie aus Wiesbaden gemeldet wird) am Sonntag dort zum Kurgebrauch ein. Mit der Reise des Kanzlers hängt aber noch ein andrer Plan zusammen, der anscheinend auch der Hauptzweck der Kanzlerfahrt ist: Offiziös wird nämlich bekannt gegeben: „Die Reife des Reichskanzlers am Sonntag nach Wiesbaden erfolgt lediglich zur Besichtigung der Modelle für das D i s m a r ck d e n k m a l bei Bingerbrück. Der Reichskanzler wird von Wiesbaden aus in Begleitung des Oberpräsidenten Freiherrn von Rheinbaben nach Elifen- h ö h e fahren und am Montag wieder in Berlin eintreffen.* Das beißt mit anderen Worten: Der Kanzler wird (offenbar in Höhen« Auftrag und auf speziellen Wunsch) die Stelle besichtigen, die für das Bismarck-National- denkmal in Aussicht genommen ist. Gegen den Plan, Bismarcks Riefendenkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück aufzustellen, hat sich im Rheinland bekanntlich eine starkeOppo- sition erhoben, da man den Platz auf der Elisenhöhe „als des großen Kanzlers nicht würdig" erachtet. Es ist auch gelungen, den Kaiser für diese Bemühungen zu interessieren, und man geht deshalb wohl nicht fehl in der Annahme, daß der Kanzler beauftragt worden ist, den für das Denkmal in Aussicht genommenen Platz selbst zu besichtigen, um die dagegen laut gewordenen Einwendungen auf ihre Berechtigung hin zu prüfen. Möglicherweise treten nach der Kanzlerfahrt noch Aenderungen in den Dispositionen ein und die Rheinländer erhalten ihr Bismarck- Denkmal an einer andern, glücklichem Stelle aufgebaut.
MMomn-Streil.
Der Beginn des Seemann-Streiks.
London, 15. Juli. (Telegramm ntlfers Korrefpondenten.) Der Seemann-Streik ist bisher in Liverpool, Southampton und Souihfhilds erklärt worden. Ein Mitglied des internattonalen Ausfchuffes der Vereinigung der Seeleute erklärte, der Ausstand werde sich auf das vereinigte Königreich, auf Belgien und Holland befchränken. Der Ausstand in England werde die gefamte seemännische Bevölkerung des Landes, etwa hundertfünfzigtaufend Mann, umfassen. Heute früh hier eingegangene Depeschen berichten allerdings auch von einer Streikgefahr in Amerika.
Noch ist die Gefahr nicht in ihrer ganzen Ausdehnung zu erkennen, die dem internationalen Verkehrsleben durch den gestern ausge- brochnen Streik der Seeleute droht; noch weiß man nicht, ob es gelingen wird, den Streik auf die drei nächstbeteiligten Länder England, Holland und Belgien zu beschränken, oder ob der Kampf wirklich zum internationalen Ringen und damit zur wirtschafüichen Weltgefahr werden wird; soviel aber steht fest: Kommt der Seemann-Streik auf der ganzen sozialen Kampflinie zum Ausbruch, dann sind ungezählte Millionen an wirtschaftlichen Gütern aufs Ernstlichste gefährdet, und es entbrennt ein sozialer Riesenkampf, wie ihn in dieser gewaltigen Ausdehnung die moderne Arbeiterbewegung bisher nicht erlebte. In den seemännischen Sozial-Organisationen sputt der Kampf schon seit Monden, und es scheint auch, daß die Reedereien (trotz der beruhigenden Wotte, die gestern noch aus diesen Kreisen über die mögliche Ausdehnung der Gefahr zu hören waren) seit langer Zeit mit der Wahrscheinlichkeit des Stteiks gerechnet und ihre Vorbereitungen getroffen haben. Ob diese Maßnahmen allerdings ausreichen werden, den internationalen Seeverkehr vor bedenklichen Störungen und Stockungen zu bewahren, erscheint zum mindesten zweifelhaft, und die Ankündigung eines Führers der englischen Seemann-Organisation, daß im Fall des Streikausbruchs alle Schiffe der internationalen Seeverkehr-Linien würden angehalten werden, gibt ebenfalls ernstlich zu denken und läßt erkennen, daß die Streikenden mit der Notwendigkeit schärfster Waffenführung in dem nun tatsächlich ausgebrochnen Kamps rechnen. Wird der Seemann-Streist wirklich (wie es den Anschein hat) zum internationalen Riosenkampf, dann stehen wirtschaftliche Werte von Mil- liardenbedeutung auf dem Spiel (ein einziger Tag der Stockung im internationalen Schiffverkehr bedeutet einen Schaden von mindestens zwei Millionen Mark) und angesichts dieser Gefahren wird die Dringlichkeit begreiflich, mit der von allen Seiten der Internationalisierung des Streiks entgegenzuarbeiten versucht wird. Der Schiffverkehr im Güter- und Personentransport ist in unsrer Zeit des Welthandels und des Völkerverkehrs wirtschaftlich fast noch wichtiger wie der Bettieb der Eisenbahnen und die geordnete Abwicklung des BinnAiland-Verkehrs, und eine Erschwerung oder zeitweilige Stockung der Seetransporte würde Industrie und Handel verhängnisvoll belasten, ganz abgesehen von den sozialen Schäden, die sich naturnotwendig aus einem derartigen Riesenkampf ergeben müßten. Es bleibt deshalb nur der Wunsch, daß es gelingen möge, eine Verständigung zwischen den Parteien herbeizuführen, und einen Kampf zu verhüten, dessen Endwirkungen selbst im Fall günstigsten Ausgangs für das internationale Verkehrsleben eine schwere Gefahr bedeuten würden.
fh.
Russische Stohttiöter.
Ei« kommunaler Niesenskandal in Sicht. (Von unferm Korrespondenten.)
Aus Petersburg wird uns geschrieben : Die Haupt- und Residenzstadt des heiligen Rußland ist eine der am schlechte st enver- matteten Städte der Welt. Je weiter man sich von dem prächtigen Kem entfernt, umfo mehr schwindet der Kulturlack: Man gelangt in Bezirke, die der typischen mssischen Gonver- nementsstadt gleichen, dann kommt man in eine noch weniger gepflegte Kreisstadt, und schließlich ist man in einer undefinierbaren Kloake, wo jeder Hauch von Kultur hoffnungslos verdampft ist. In einer Stunde kann man in Stadtteile gelangen, wie sie dem Westeuropäer ganz unbekannt sind, hier gibt es weder Kanalisation, noch Wasserleitung, noch werden die Straßen gereinigt; vielfach sind sie auch nnge- pflastett. Doch auch das Zenttum läßt
in kultureller Beziehung vieles, wenn nicht alles zu wünschen übrig. Wird man beispielsweise glauben wollen, daß Petersburg keine ordentliche Kanalisatton hat, daß alle Abfallstoffe der Stadt in die Fluß- laufe geleitet werden? Für die Wasserversorgung besitzen wir wohl Filieranlagen, in denen das Newawasser gereinigt werden soll: Aber die Zahl der Filter ist zu gering, und ihre Leistungsfähigkeit ist so ungenügend, daß zu dem filtrierten Wasser zwei Drittel unftltrier- tes hinzugemifcht werden, wodurch die Fil- tiation natürlich ganz illusorisch wird. Infolge des Mangels an gutem Trinkwaffer und
blick nicht als bestehend, wenn auch nicht bei» kannt wird, daß eine Ausdehnung des Streiks den Seeverkehr ernstlich gefährden würde. 1 y
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Sie Forderungen der Seeleute.
(Privat-Telegramm.)
Nach einer uns aus London zugehenden Drahtmeldung stellen die streikenden Seeleute folgende neun Forderungen arft, von deren Erfüllung sie die Wiederaufnahme der Arbeit abhängig machen:
Gründung eines Schiedsgerichtsbureaus, Festlegung der MLndest- löhne, Neuerung entsprechend dem Tonnengehalt der Dampfer, Beseitigung der ärztlichen Untersuchung durch die Vertrau- ensarzte des Reederverbandes, Abschaffung des bisherigen Brauchs, die Mannschaften in den Lokalitäten der Reedergesell- f(haften anzuheuern, Auszahlung eines Lohnakkords während der Reise und nicht erst nach Beendigung der Fahrt, Berechtigung der Seeleute, bei der Unterzeichnung des Lohnkontrakts einen Arbeiterdele- gierten heranzuziehen, Festsetzung der Arbeitszeit nach Stunden und Regelung des Ueberstundenwesens, und Verbesserung der Schlafstellen.
Auch in Amsterdam haben gestern die Seeleute den Generalstreik proklamiert. Ein Teil der Seeleute ist bereits ausständig und hat es abgelehnt, ein neues Abkommen mit den Reedern zu unterzeick-nen. In Schiflahrtskrei- fen glaubt man indessen nicht-, daß die Bewegung zu einem Erfolg führen wird.
eine Million Francs
zur »Vorbereitung von Trambahnbauten in Petersburg", das heißt: zu Schmterzwek-
Liverpool und Southampton.
(Privat-Telegram m.)
In Liverpool und Southampton owre in einigen anderen Häfen hat der See- mannsstreik gestern begonnen. Am Vorabend fand in Southampton ein großes Meeting statt, in dem der Geistliche Hopkins die anwesenden Seeleute ermahnte, ich innerhalb der gesetzlichen Grenzen zu hal- ten. Der Führer der ganzen Beweaung. das Mitglied des Unterhauses und Präsident der Heizerunion, Havelock Wilson, hielt eine mit großem Enthusiasmus aufgenommene Rede, in der er erklärte, daß feine Bemühungen, die Differenzen mit den Reedern einer friedlichen Lösung entgegenzuführen, an dem Wider- ta nb b e r Reeder gefebeitert feien. Es bleibe fomit nichts anderes übrig, als in den Ausstand zu treten. Er richtete an alle Arbeiterklassen des Seemannsgewerbes die Aufforderung, sich dem Streik anzuschließen.
Sie gefährdete „Krönnngssahrt".
(Privat-Telegramm.)
Wie uns aus London depesckiett wird, Md die zunächst von dem Streik betroffenen Schiffahrtsgesellschaften die Cunardlinie, die White Starlinie und die Allard- l i n i e. Die Streikenden wollen versuchen, die Ausfahrt der großen Ozeandampfer „Lust- tama" und „Manretania", die Tausende und Abettausende von Amerikanern zu den Kr ö - nungsfestlichkeiten nach London brin- gen sollen, zu verhindern. Auch in den iordlichen Häsen Englands ist die Situation ebr Mttfd». In Glasgow sowie in Edinburg mußten gestern einige Schiffe mangels Bemannung liegen bleiben. In B a r r v sind geftem "-"b Zwei Schiffe unter polizeilichem Schutz mtt Chinefen bemannt worden. In Cardiff wurde das Signal zum Ausstand mit Begeistemng ausgenommen.
An Tag in Szegedin.
(Privat-Telegramm.)
<? Szeged in, 15. Juni.
Anläßlich der Wahlen zum österreichischen R e i ch S r a t fand hier gestern abend ein gro« ßes Diner der Deutfchfortfchrittlichen statt.
an Kanalisation ist Petersburg eine der ungesundesten Städte der Welt. Die gastrischen . , Krankheiten hören hier nicht auf, sie
fordern ungeheure Opfer;
die Cholera hält fürchterliche Musterung und man ist fest davon überzeugt, daß sie auch in diesem Jahre wieder aufflackern wird. Diese traurigen Zustände fallen im wefent- lichen der Stadtverwaltung zur Last, die sich zumeist aus unkultivierten Siemen« ten zufammensetzt, weil das noch von Plehwe eingefühtte Wahlgesetz diese im Hinblick auf die „politische Zuverlässigkeit" bevorzugt und ihnen die Majorität gesichert hat. Diese künst- liche Lahmlegung des fortschrittlichen Elements hat nicht nur einen Stillstand in der kulturellen Entwicklung Petersburgs, sondern auch zu ungeheuren Mißbräuchen geführt, die feit Jahren von den
Säulen der Petersburger Stadtduma betrieben worden sind, ohne daß bisher eingegriffen worden wäre. Seit Jahren „enthüllte*- die liberale Presse Petersburg- und man genierte sich keineswegs, die Dinge beim rech- ten Namen zu nennen. Man wußte, daß die Stadttäte für die Vergebung großer Anlagen sich enorme „Kommissionsgelder" zahlen ließen; man wußte von Bestechungen und Durchstechereien aller Art, doch könnt» alles ungestraft geschehen. Bei Brückenbauten, Anlage von Krankenhäusern, beim Bau der elektrischen Straßenbahnen ist städtische- Geld mit einer Schamlosigkeit ohnegleichen gestohlen, verschleudert und unterschla, gen worden. Eine Brüsseler Großfirma verschenkte allein n