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Nummer 161

1. L«yrgang.

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Donnerstag, den 18. Juni 1911

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Warum geht Monis 1

(Eigene Drahtmeldung.)

Seit einigen Wochen spielt am Quah d'Or­say in Paris ein seltsamer Spuk: Im Kabi­nett Manis', das durch des Schicksals Un­glückshand schwer heimgesucht ward, machen sich hinter den Kulissen scharfe Divergenzen merkbar, und der Premierminister, von miß­lichem Geschick ans Krankenlager gefesselt, muß erkennen, daß es unmöglich ist, mit diesem Ka­binett, das der inner« Geschlossenheit völlig ermangelt, votts Parlament zu treten. Herr Monis ist (selbst die Gegner des Phlegmatikers auf dem Stuhl des Premiers rühmen's ihm nach) ein Mann des besten Willens und der redlichsten Absichten, aber seine Regierungs­kunst ist primitiv, sein Permittlungs- und Strategie-Talent ist nur schwach entwickelt, und gegenüber dem Mephistopheles Theophile Delcassee tritt seine Initiative völlig in den Hintergrund. Das wäre in friedlicher« Zeiten weniger bedenklich gewesen: Frankreich hat nicht nur diesen einen Premierminister gehabt, dessen Marschroute von der stärker« Energie dieses oder jenes überragenden Kopfs in seinem Kabinett bestimmt wurde, und der der Republik des modernen Frankreich dennoch achtbare Dienste leistete. Auch Herr Monis würde das vermutlich getan haben, denn er ist ein Mann unermüdlicher Arbeit, Patriot vom Scheitel bis zur Sohle und außerdem durch­drungen von der Sehnsucht, die fünf Buchsta­ben seines Namens mit der französischen Ge­schichte des zwanzigsten Jahrhunderts un­trennbar und für ewige Zeiten zu verknüpfen. Wer so ganz in einem, ihm durch Zufall ge- wordnrn Amt aufgeht, darf auch bei. bescheid­nem staatsmänniscbe« Vermöge« auf der Ar­beit Segen rechnen.

Aber über der Regierung des selbst auf dem Schmerzenslager noch unermüdlichen Herrn Monis waltet ein Unstern: Als man ihn an's Steuer rief, drängten vielmögende Chauvinisten ihm den Sturmgesellen Delcassee als Adjutanten und Manager auf, ungeachtet der Gefahren, die daraus naturnotwendig dem Kabinett biedrer Mittelmäßigkeit erwachsen mußten. Herr Delcassee wurde zwar ins neu­trale Marine-Reich verpflanzt, aber er hat's dennoch (zum zweitenmal kaum warm ge- worden auf dem Stuhl des Regierenden) ver-

SnferttonSpteife; Di- sechsgespaltene Z-u- für einheimische DeschLste 15 Pfg. für -nswärttg« Inserate 25 Pf, R-Namez-il« für einheimische ®e. 'chästk 40 Pf, für auswärtige 60 Pf. Geschäftsstelle: Kölnisch- Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt lV, 676.

rotto-Pläne sträubte: Delcassees Ungestüm ver­langte die Entsendung einer großen Truppen­macht zum Maurenland, damit Frankreich in die Lage komme, die Früchte jahrlanger Arbeit im Norden Afrikas endlich einzuernten, mochte darüber auch das Verlegenheitpapierchen des Algeciras-Vertrags in Fetzen gehen. Damals blieb Delcassee mit seinen Abenteurer-Plänen noch allein, und er fügte sich auch grollend der Mehrheit im Conseil. Inzwischen aber ist (ge­wissermaßen von selbst) sein Apriltraum den­noch Wirklichkeit geworden: Die Truppen der Republik biwakieren vor der Sultanstadt Me- kines und Frankreichs Herrschaft in MaroNo wird heut nur noch von Spaniens Argwohn bestritten. Das Ziel ist nah!

Aber auch die Nemesis naht: Im Land der Spaniolen ist über Nacht die Energie er­wacht, spanische Marokko-Bataillone stehen in Larrasch zum Vormarsch bereit und alle Maß­nahmen des Phrenäenreichs lasten darauf schließen, daß Herr Canalejas nicht gesonnen ist, sich vom französischen Partner das maurische Erbstück ohne weiteres aus der Hand reißen zu lassen. Die Möglichkeit eines Konflikts ist be­denklich nah gerückt, und in der Not des Mo­ments besinnt man sich in Madrid plötzlich auf die freundschaftlichen Vereinbarungen, die Spanien und Marokko in den Tagen Delcassee- chen Heldentums über Marokkos Zukunst- chicksal schlossen; Vereinbarungen, die die neue Aktion Frankreichs in Mauretanien in aller

st en Ende seiner Entwicklung an­gel ang.t betrachten. Die Kammern können nicht einmal mehr das Budget beschließen. Das ist die Herrschaft der Zufammenhanglo- sigleit. Die daraus resultierende Unord­nung führt zu allen möglichen Kundgebungen der Anarchie, zu Post- und Bahnstreiks, Win­zeraufruhr, zu Verwaltungs-Skandalen. Wir sterben am Mangel an Autorität und an fal­scher Demokratie. Die Anhänger des Plebis­zits appellieren darum an alle Franzosen zur Wiederherstellung einer nationalen Auto­rität an Stelle der parlamentarischen Miß­wirtschaft.

Prinz Napoleon anfein Bott"!

(Privat-Telegram m.)

macht, bereits in den Kindheittagen der Aera Monis die Fäden fein erklügelter Jntrigue zu spinnen und im Schoß des Kabinetts sich einen Einfluß zu sichern, der weit über den Bannkreis des Marine-Refforts hinausreicht. Und man muß auch (allen Schattenseiten zum- trotz) anerkennen: Herr Theophile Delcassee ist ein Mann der Initiative und der Tat, der pro­duktivste und hellste Kopf im Kabinett und ein Staatsmann ausgeprägt gallischen Typs. Kühn in der Bogenspannung seiner Pläne, ver­wegen in der Wahl der Mittel und kaltblütig in der Wertung des Zwecks: Ein Politiker, der jedem Gegner (weniger durch die Wucht und Größe seiner Art, als durch die lianenhaft glatte und gewundne Form seiner Manipula­tionen) gefährlich werden kann. Wäre Herr Delcassee einem Ministerpräsidenten vom Schlag Briands oder Rouviers attachiert gewesen: Er wäre, scharf gezügelt, in der Kandare ge­blieben und hätte vielleicht fruchtbringende Ar­beit geleistet. Dem Kabinett Monis' ist er zum Verhängnis geworden!

Schon vor Monden, als in Mauretanien die ersten Flammenzeichen nahen Unheils aus- leuchteten, dachte Delcassee an die Möglichkeit eines regelrechten Feldzugs in Marokko, und es scheint fast, als habe man den Stürmer und Dränger von einst (der vor Jahren auf die drohende Gebärde der Berliner Wilhrlmstrahe hin aus der Regierung ausgeschifst werden mußte) speziell für die Zwecke der franzö­sischen Marokko-Polittk in's Ministerium Mo­nis hineingedrängt. In den ersten Tagen der Aera Monis hatte Delcassee bereits eine er- regte Auseinandersetzung mit dem inzwischen vom Schicksal abberufnen Kriegsminister B e r- teaux, der sich gegen DeleaffeeS wilde Ma-

die dortigen Seeleute, vier Dampfer der Kö­niglichen Schiffahttsgesellschaft, die an dem Tage, an dem der Generalstreik wahrscheinlich vroklamiett wird, abfahren sollten, zu beman­nen. Ebenso weigetten sich die Matrosen an Bord des Dampfers .Königin Wilhelmina" zu gehen, der in der nächsten Woche zur Flöt- t e n s ch a u nach der Reede von Spithead in See gehen sollte.

*

Antwerpen, 14. Juni. (Telegramm um fers Korrespondenten.) In Schiff­fahrtskreisen sind die Ansichten über den nun­mehr ausgebrochenen Streik der Seeleute sehr geteilt. Selbst unter den Führern der s o - zialistischen Pattei, die bekanntlich die Ausständigen zu unterstützen beabf.. ,rigt, herrscht nicht völlige Einigkeit über die Tun­lichkeit des Ausstandes. Indessen scheint es als sicher, daß der Ausstand heute all­gemein werden wird. Es stehen für die Streikenden ausreichende Mittel bereit, um den Arbeitskampf Wochen hindurch führen zu können, und es gilt deshalb auch als ausge- schlossen, daß es gelingen wird, den Streik Vald durch gegenseitige Verständigung zu beenden. Man rechnet vielmehr mit der Wahrscheinlich- keit eines langen Kampfs, dessen Aus­gang indessen nach Lage der Sache ziemlich zweifelhaft erscheint. Der bekannte Arbetter- uhrer T o m M a n n ist in Liverpool angekom­men, um den Ausstand zu leiten. Das Mit­glied des internationalen Ausschusses, dotier, erklärte, wenn der Streit ausbreche, würden alle großen Paffagierdampfer der Uebersee- linien aufgehalten werden. Von der Streiklei­tung wird in Glasgow erklärt, daß der Gene­ralstreik der Seeleute bevorstehe.

kurzerhand seinen Abschied, der ihm auch unverzüglich bewilligt wurde. Daraufhin soll dann die Verstimmung offen zu Tage getreten sein mit dem Erfolg, daß Pttnz Max Karlsruher Kaisettagen gewissermaßen

Kaiser rmd Prim.

Dee Abschied des Prinzen Max von Baden.

Anläßlich des plötzlichen Rücktritts des Generalmajors Prinz Max von Baden aus seinem militärischen Dienstverhältnis sind in der Presse allerlei Gerüchte über eine angeb­lich bestehende Verstimmung zwischen dem Kaiser und dem Prinzen aufgetaucht, bei deren Erörterung auch auf die früher bestehen­den Unstimmigkeiten zwischen dem Berliner und dem Karlsruher Hofe zuttickgegttffen wor­den ist. Es scheint nun, daß die darüber im Umlauf befindlichen Gerüchte wenigstens ein Körnchen Wahrheit enthalten, wie aus fol­gendem Telegramm hervorgeht:

<? Karlsruhe, 14. Juni.

(Eigene Drahtmeldung.)

Das unerwartet plötzliche Ausscheiden des Prinzen Max von Baden aus dem Mili-

Depeschen aus Paris zufolge erklätte Prinz Viktor Napoleon, der bonapar- tiftische Prätendent, in einem Interview des Figaro, es fei vollkommen unrichtig, wenn man ihm einen Geist blinder, systematischer Oppo­sition gegen die heutige französische Regierung zuschreibe. Ich bin (sagte der Prinz» kein öffentlicher Ruhestörer, und werde mich nie mit jenen verbünden, die gegen das Jntereffe der Nation das Ansehen des Landes schwächen und die Regierung selbstsüchtig aus­zubeuten suchen. Frankreichs Wohl und Ruhe steht mir über allem. Dagegen sage ich nichts ReueS, wenn ich und viele andere Politiker de«P arlamentariSmuS als am äußer.

Wie uns aus Paris depeschiert wird, ist wahrscheinlich, daß als Grund des Rück­tritts des Kabinetts die Frage der Abgrenzung des Champagne-Gebietes angegeben wird. Sicher aber ist, daß auch die Ma- rokkoangelegenheiten dem Entschluß des Kabinett-Chefs zum Rücktritt nicht fern« fieben. Die friedliche Lösung des Konflikts mit Spanien steht zwar außer Zweifel, aber dieser Konflitt hat zum Erstaunen mehrerer Mitglieder des Kabinetts das Bestehen einer Anzahl Geheimverpflichtungen ent« Hüllt, die noch zahlreiche Komplika­tionen in der Marokkofrage in Aussicht stel­len Kurz und gut: Monis hat gestern keinen Hehl aus seiner tiefen Entmutigung gemacht, und in formeller Weife mitgeteilt, daß er sich zurückziehen will, und zwar noch b e- v o r eine Interpellation im Parlament an ihn gerichtet werden könne. Eine um drei Uhr nachts ausgegebene ofsiziöfe Mitteilung be­sagt zwar, das Gerückt der bevorstehenden Ka­binetts-Demission sei ungerechtfertigt, und zwischen Monis und den Mitgliedern des Kabinetts feien keinerlei Differenzen ausgebro- chen, aber in unterrichteten Kreisen ist man dennoch überzeugt, daß die Kabinettskrise und Monis Rückttttt unvermeidlich geworden sind.

RmMug Glosse«.

Die Schattenseiten der Rekordflüge.

(Von Oberleutnant R. Feldsieper.f

Zwei Etappen des Deutschen Rund- flugs über die Riesenstrecke von neunzehn­hundert Kilometern sind nun überwunden, ein winzig Teilchen der gewaltigen Arbett ist be­endet und es ist berechtigt, nur aus den Ersah- rungen der beiden ersten Tage einige Schlüsse zu ziehen. Dieser Tage erst wurde der Zuver­lässigkeitsflug am Oberrhein beendigt mit dem Resultat, daß nur ein einziger der Kon­kurrenten am Ziel anlangte (nebenbei bemerkt auf einer Maschine österreichischer Konstruktion mit 65 PS. österreichischem Daimlermotor). Von den übrigen Teilnehmern sind mehrere an Ueberansttengung der Nerven erkrankt, dar­unter der bekannte Militärfluglehrer Brun- huber, der doch von seiner Lehrtätigkeit her gewöhnt ist, fast täglich längere Flüge zu ma­chen. Auch der Sieger Hitth war am Ziel vollständig erschöpft und erklärte, er sei froh, daß diese

Woche dauernder Nervenanspannung vorüber sei. Der Sieger des vor einigen Ta« gen stattgehabten Flugs Patts-Madrid, Ve- dttnes, war nach der Ankunft auf dem Flug­plätze Getafe bet Madrid mit feine« Nerve« vollständig fertig, ebenfo der Sieger des Fern- fluges Patts-Rom, Schiftsfähnttch Conneau. 8--! diesen Resultaten muß man zu dem Schluß kommen, daß den Fliegern vorläufig noch zu- v i e l z u g e m u t e t wird. Man stellt immer Höhere Anforderungen an sie, und, angelockt durch die hohen Preise, gehen sie darauf ei». Doch dient man sicher nicht der Entwicklung der Flugtechnik, wen« unsere wertvollste« Kräfte sich bei solche« übergroße« Anstrengungen ihre Gesundheit verderben. Beim Zuverlaffigkttts- flug am Oberrhein fehlte allen Teilnehmer« das gehörige Training, denn keiner hatte vor- her schon einen derartigen Wochenflug ausge­führt. Es ist unbedingt leichtsinnig,

ohne ein gründliches Training

Sommer-Spuk?

Ronis flieht vor'm Marokko-Gefpenst!

PattS, 14. Juni. (Eigene Draht- meldung.) Wie derFigaro" erfährt, °nzusehen, daß der Kabi­nettschef Monis heute, oder spätestens morgen nach dem Ministerrat, dem Präsi­denten der Republik feine Demission bc8 gesamten Kabi­netts überreichen wird. Monis, der noch für längere Wochen ans Krankenbett gefesselt fern wird, hat sich nunmehr über­zeugt, daß eS für den Leiter der Regierung femn^L°n4Ieit ift- vom Bett aus die Geschäfte zu führe«.

Nachrichten»«rfcheinenwöchentlich sechsmal undmar ttdtaa beträgt monatlich 50

mwrta?»0« knotetet, Berlag u. Redaktion: Schlachthofstraße 28/30 «erfttet «-rtretnng- sw. Friedrichstraße 16, $eS: ra."

tärbienft hat nicht ganz ohne Grund Anlaß zu allerlei Vermutungen und Anfchauungeu gegeben, bei denen auch das Nichtettcheinen des Prinzen zu dem kurzen Kaiferbesuch in Karlsruhe eine Rolle spielt. Der

Mieb bekanntlich während des Kaiser­befuchs auf feinem Schlosse Salem und hielt sich von den offiziellen Veranstaltungen fern. Hier erhält sich nun mit Hartnäckigkeit das Ge­rücht, daß die Unterlassung des Befuchs mit dem Entschluß des Prinzen, aus seinem Mili­tärverhältnis anszuscheiden, tatsächlich zu­sammenhänge. Es soll zu Meinungs­verschiedenheiten zwischen dem Kom­mandierenden General des vierzehn­ten Armeekorps und dem ihm als General­major und Brigadekommandeur unterstellten Prinzen gekommen fein. Der Kaiser hat daraufhin vermittelnd dem Prinzen (der mit einer welfifchen Prinzessin, einer Tochter des Herzogs von Cumberland vermählt ist) ein Kommando gleichen Ranges m Berlin, l mit Aussicht auf baldige Beförderung, ange­boten. Der Wohnsitz in Berlin wäre natürlich | unvereinbar gewesen mit dem Amt des Pttn- zen als Präsident der badischen Ersten Kam­mer, und da der Pttnz auch persönlich wenig Neigung für eine derartige Verfetzung hatte und in dieser Form der Lösung des Konflikts eine in der Form zwar milde, aber doch deut­lich erkennbare Patteinahme zu feinen Un­gun st e u glaubte erblicken zu müssen, lehnte er den Vorschlag des Kaisers ab und erbat

K« sozialer Mesenkamps.

Der internationale Seemannsstreik proklamiett.

So ist eS nun doch Wirklichkeit geworden, was seit Wochen und Monaten wie ein Ge- venst über dem internationalen Verkehrsleben chwebie: Der internationale Streik der Seeleute ist proklamiett, und es hat ein Riesenkampf begonnen, dessen Ende nicht abzufehen ist und dessen wirtfchaftliche Ge­fahren und Wirkungen sick in ihrer ganzen Tragweite nickt abfchätzen lassen. Ein Tele­gramm meldet uns über den Ausbruch des Streiks:

G? Brüssel, 14. Juni.

(Eigene Drahtmeldung.)

In Antwerpen ist gestern abend der In­ternationale Seemannsstreik er klärt worden. Wie eine statistische Aufnahme der gegenwärtig im Antwerpener Hafen lie­genden Dampfer ergibt, werden insbeson- bere englische und belgische Schifte von dem Ausstand betroffen. Die bc«t« fchen Seeleute werden an dem Stteik nicht teilnehmen. Auch die Dänen haben mit den Reedcrei-Gefellfchaften längere Ver­trage, die sie noch auf Jahre hinaus bindet. Die Holländer dagegen werden sich dem Streik anfchlietzen.

Form in Fesseln schlagen und der französischen Regierung Verpflichtungen auferlegen, deren politische Endwirkungen zurzeit nicht abzu­fehen sind. Das alles ist umso bedenklicher, als durch des Schicksals Tücke die Regierung Frankreichs zurzeit in ihrer Bewegungs- und Aktionsfreiheit stark bebinfcert ist: Das Kakn< nttt, üt wichtigen Posten eben erst ergänzt, ermangelt der inner« Geschlossenheit, wird von tarken Gegenströmungen durchfurcht und in fei­nen Entschließungen gefährdet, und der Pre­mierminister ist, ein allmählich erst wieder zur Vollkraft des Lebens Genesender, durch den Zwang des Unglücks ans Bett des Rekonva­leszenten gefesselt. In diesen Tagen wirbeln­der Ereignisse, Ueberraschungen und Sorgen mag Herr Monis klar erlernten, daß fein Arm nicht ausreicht, das Staatsschiff sicher durchs Klippengewirr zu steuern. Und er will ge­hen: Ein müder, kranker und resignietter Mann! Wer nach ihm kommen wird? Wer weiß? Viellttcht erleben wir einen Tri­umph Delcafsees. Und ... einen Wen­depunkt in Frankreichs Schicksal! F. H.

solche Strapazen auf sich zu nehmen, unb matt hatte die gesundheitlichen Folgen eigentlich voraussehen können. Nun ist der große Deut- sche Rundflug mit seiner Riefeuanspanuung aller Kräfte gekommen und es steht zu befiirch- wieder derselbe Fehler gemacht wird. Die Teilnehmer hatten nur die' Absol­vierung eines Stundenfluges nachzuweisen, um zugelaffen zu werden, doch find nicht weni­ger als dreizehn Tagesstrecken mit einer Flugdauer von etwa je drei Stunden zu- ttickzusegen Obendrein ist die letzte TageS- k^'L^rstadt Berlin, die längste mit zwei- bunbertbret Kilometern. Von den Fliegern, die sich angerneldtt haben, fehlt es dem größ- ttn Teil an dem nötigen Training. Mehrer« von ihnen haben bis heute noch nicht de« Rundanflug gemacht. Wie sollen diese Leute, die volle drei Wochen (vom elften Juni bis Zum siebenten Juli) dauernd unausgesetzte

Körper- und Nervenanstrengung aushalten? Es ist zwar in dem Programm rmeAnzahl Ruhetage verzeichnet, dock? Ruhe gibt s ba für den Flieger nicht: Die Maschinen sind nachzusehen und örtliche Schau- und

.! Wie uns ein weiteres Telegramm ans ußer. Amsterdam meldet, weigert« sich gestern