Sonntag, II. Juni 1911.
Casseler Neueste Nachrichten.
158. — 1. Jahrgang.
lung von Einzelaufnahmen der neunzig aktiven I strophe, der der Dornerpflot Schendel unb der Mitgliedern, des Dirigenten und des Vereins- Mechaniker Voß rum Opfer gefallen find, ist
er gefördert werden. Erste Erfordernis I Mädchenstimmen werden hörbar, und durch die Schaffung von Verkehrsmög- die Stille des Abends klingt es an des Ein-
chkeitr« und die Errichtung von Gast-
stinnnt.
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ternommen.
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Auf dem Flugplatz Johannisthal, dem Schauplatz der beklagenswerten Kata-
Nach der Katastrophe.
(Ei g e n e D r a h t m e l d u n g.) S> Berlin, 10. Juni.
samen Ohr: O Heimat, wie bist du so schön. Der Blick wendet sich gen Himmel, von dem die volle Scheibe des Mondes ihren Glanz auf
die Stimmung der Aviatiker sehr gedrückt. Alle stehen noch unter dem furchtbaren Eindruck des grausigen Unglücks. Es fanden denn auch heute vormittag keine Aufstiege statt. Die Leichen der beiden Piloten sind inzwischen von Köpenick aus (wohin sie gestern gebracht worden waren) nach Johannisthal übergeführt worden, wo sie in einem Raum der Waffer- werke aufgebahrt worden sind. Samariter der Unfallstation hatten das traurige Amt übernommen, die Körper der beiden Toten von den Spuren, die der Todessturz hinterlassen hatte, soweit als möglich zu befreien. Wann di« Beiseüung stattsinden wird, ist noch nicht be-
ftttb der Säuglingssterblichkeit ein gutes Teil beitragen. Hessen sei ia das Land, das die geringste Säuglingssterblichkeit in ganz Deutschland, ja in ganz Europa, aufzuweisen habe. Redner empfahl dann noch die Gründung von Sanitätskolonnen, die außerordentlich segensreich wirken könnten. Beschlossen wurde sodann, den nächstjährigen Städtetag in Bad Wildungen abzuhalten. Oberbürgermeister Müller schloß hierauf die Beratungen mit Dankesworten an die Referenten und Erschienenen. Er danke besonders der Bürgerschaft von Gudensberg für ihre Gastfreundschaft und dem Bürgermeister Steint für die vorzüglichen Vorbereitungen. Heute nachmittag werden Ausflüge in die Umgebung un-
Letzte Zelenramme.
(Rach Schluß der Reduktion eingegangen.)
lokales des Jubelvereins angefertigt und im Schaufenster der Drogerie von Gebr. Braun in der Hohenzollernstraße ausgestellt. Das Bild erweckt das lebhafteste Interesse der Passanten und wird eine neue Zierde des Heims des festgebenden Vereins bilden.
A Freiwillige vor! Vom Kommando des dritten Seebataillons in Wilhelmshaven wird uns geschrieben: Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß im Oktober dieses Jahres die Einstellung von Dreijährig-Freiwilligen für das dritte Seebataillon in Tsingtau erfolgt. Die Ausreise nach Tsingtau erfolgt im Januar 1912, die Heimreise im Frühjahr 1913. Die Bedingungen sind: Mindestens 1,65 Meter groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1891 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwicklung). Es werden junge Leute aller Berufsarten eingestellt, Handwerker erhalten jedoch den Vorzug. In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt. Meldungen mit genauer Adresse sind unter Beifügung eines vom Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission ausgestellten Meldescheins zum freiwilligen Diensteintritt auf drei Jahre an das oben angegebene Kommando zu richten.
A Stiftungsfest ehemaliger Ostasiaten und Afrikaner. Der Verein ehemaliger Ostasiaten und Afrikaner feierte in dieser Woche im Tivoli-Restaurant sein sechstes Stiftungsfest in Form eines Sommerfestes. In fröhlicher Laune verbrachte man. bei gutem Konzert die Stunden in dem herrlichen, schattenfpendenden Garten. Preisschießen, Kegeln und Blumen- verlosung sorgten für weitere Unterhaltung, die sich bis in die frühen Morgenstunden ausdehnte.
A Drei Finger ab geschnitten. Malheur hatte gestern nachmittag der in der Weferstratze wohnende Tischlergeselle Müller. Der junge Mann kam mit der linken Hand in die Bandsäge, wobei ihm drei Fingerspitzen abgeschnitten wurden. Ein in der Nähe wohnender Arzt leistete ihm die erste Hilfe.
A Kleine Ursachen, große Wirkungen. Eine Blutvergiftung erlitt die erst seit kurzem verheiratete, in der Gartenstraße wohnende Frau Wagner. Die junge Frau stieß sich beim Treppenscheuern einn kleinen Holzschltt- ter in den Daumen der rechten Hand, beachtete die geringfügige Verletzung aber weiter nicht, bis gestern der ganze Arm bedenklich anschwoll nud sich furchtbare Schmerzen einstellten. Ein jetzt zu Rate gezogener Arzt stellte Blutvergiftung fest. Nach feiner Aussage ist wenig Hoffnung vorhanden, die Frau dem Leben zu erhalten.
△ Auö dem Reich der Poft. Im Bezirke der Kaiserlichen Oberpostdirettion Cassel sind folgende Personal-Veränderungen eingetreten: Verliehen wurde dem Ober-Post- assistenten Lübbars in Cassel und dem Postassistenten Reinhard in Homberg (Bezirk Cassel) der Titel Postsekretär. Uebertra- gen wurde die Verwaltung der Kassierstelle bei der Ober-Posttasse in Cassel dem Ober- Posttassenbuchhalter Wunderlich aus Erfurt. Etatmäßig angestellt wurde der Postassistent Burmeister in Cassel. Versetzt sind die Postassistenten Heinlein von Wabern nach Cassel und Lange von Gelsenkirchen nach Wabern. In den Ruhestand getreten ist der Postsekretär K e s p e r in Frankenberg (Hessen-Nassau) unter Verleihung des Königlichen Kronenordens vierter Klasse, und verstorben sind der Postsekretär Läger in Hanau und der Telegraphensekretär a. D. K l u ck in Cassel.
△ Hoftheater Cassel. Am morgigen Sonntag gelangt, wie bereits bekannt gegeben, die burleske Oper „Orpheus in der Unterwelt" zur Aufführung. Am Montag geht als Pensions-Benefiz die Oper „Hoffmanns Erzählungen in Szene. In den drei Partien, Olvmpia, Guilietta und Antonia gastiert die Königliche Sängerin Fräulein Fried st edt vom Königlichen Theater in Wiesbaden. Dienstag, den dreizehnten d. M. wird die Oper „Martha gegeben. Als „Lvonel" gastiert auf Engagement Herr Schütz aus Charlottenburg, der früher an den Stadttheatern in Erfurt und Riga engagiert war. Der Vorverkauf der Eintrittskarten für das am Sonntag den achtzehnten Juni stattsindende einmalige Gastspiel der javanischen Tragödin Hanako beginnt am nächsten Montag.
A Kleine Tageschronik. Wegen Vergehens gegen den Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches wurde gestern ein in der Gießbergstraße wohnender Schneider verhaftet. — Der Klub „Einigkeit Wesertor" feiert am morgigen Sonntag im Finkenherd-Jnfelrestaurant fein diesjähriges Gartenfest, das einen glänzenden Verlaus erhoffen läßt, da alle Vorbereitungen in umfassendster Weife getroffen worden sind. — Zu dem bereits angekündiaten Wettgeben des Tourenklubs „Wanderlust" - Cassel sind die Preise nunmehr im Zigarrengefchäft Anton Adams, Tränkepforte 1, ausgestellt. ■
△ Das Programm der Kaiserfäle. Morgen finden «wie man uns aus dem Theaterbureau schreibt) die letzten Sonntagsvorstel- Iitngen mit dem gegenwärtigen Programm statt. Die Nachmittags-Vorstellung wird bei kleinen Preisen gegeben, während die Abend- Vorstellung bei gewöhnlichen Eintrittspreisen stattfindet, auch haben zu dicfer Vorverkaufsund Dutzendkatten Gültigkeit.
A Tas Wetter am Sonntag. Der amtliche Wetterbericht sagt für den morgigen S o nn- t a g für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Meist wolkig, windig" sehr kübl. vielen Orts Negenfälle, doch meist leichterer Art.
Die Tat einer Mutter.
(EigeneDrahtmeldung.s
S3 23 erlitt, 10. Juni.
In einem Anfall von Schwermut versucht« die im Hause Fidiciestratze 16 wohnende Ehc- fra» des Oberpostschafsners Thiele in der vergangenen Nacht sich und ihre acht Kinder im Alter von dreizehn bis einem Jahr ums Leben zu bringen, indem sie den Gashahn öffnete und das Gas ausströmen ließ. Die Tat wurde durch eine Botenfrau entdeckt, die morgens die Zeitung brachte. Die Frau schlug Lärm und nun begaben sich die Mitbewohner des Hauses in die Wohnung, wo man das zweitjüngste Kind bereits tot, die Mittler mit dem jüngsten Kinde mit dem Tode ringend und die übrigen Kinder bewuß- los vorfand. Die Leiche des Kindes wurde nach dem Schauhause gebracht, während die Mutter und die übrigen Kinder Aufnahme im Krankenhause sanden.
Eine Tragödie am Hochzeitstag.
Köln, 10. Juni. (Privat - Telegramm.) Bei der Hochzeitstoilette schwer verunglückt ist ein Brautpaar durch die Explosion einer Spirituslampe. Ein junges Mädchen benutzte beim Ankleiden zur Trauung ein Spirituslämpchen: währenddessen kam eine jüngere Schwester der Braut dem Feuer mit einem Streichholz zu nahe. Es entstand eine Explosion, wodurch Braut und Bräutigam schwer verletzt wurden. Beide mußten nach dem Krankenhause gebracht werden, wo der Bräutigam den Verletzungen bereits erlegen ist, während die Braut in hoffnungslosem Zustande darniederliegt.
Ein Opfer seiner Pflicht.
Berlin, 10. Juni. (Privattele- gramm.) Heute mittag wurde am Oranienburger Tor ein Schutzmann, der einen Verbrecher fenstehmen wollte, von diesem erschossen. Der Attentäter, dessen Namen noch nicht ermittelt ist, jagte sich hierauf, ehe er festgenommen werden konnte, eine Kugel in der Kopf. Er blieb gleichaflls auf der Stelle tot
Das Unglück in der Grube.
B e u t h e n, 10. Juni. (Privat-Tele^ gramm.) In der Deutschland-Grube wur- den zwei Grubenhauer von Kohlenmas. fen verschüttet. Der eine wurde sofort getötet, fein Kamerad fchwer verletzt.
Die neueste Auto-Katastrophe.
Kopenhagen, 10. Juni. (Privat- Telegramm.) Auf der Eifenbahnstreckc Kopenhagen-Corsör wurde in der vergangenen Nacht in der Nähe von Ringstedt ein Automobil, das die Bahnschranke nicht bemerkt und überfahren hatte, von einem Güterzug erfaßt und vollständig zerttümmert. Die drei Insas fen des Automobils wurden sofort getötet uni schrecklich verstümmelt.
Eine unglückliche Pionier-Uebung.
Trient, 10. Juni. (Privat-Telegram m.) Bei militärischen Uebungen von Pionieren auf, der Etsch stießen zwei mit Soldaten besetzte Barken zusammen. Die Barken schlugen um und drei Soldaten ertranken im hochgehenden Flusse;die andern konnten gerettet werden.
Russische „Nemesis".
Petersburg, 10. Juni. (Privätte- I e g r a m m.) Großes Aufsehen verursacht hier die Ausstoßung von achthundert Studenten aus der Berg-Akademie. Der Grund ist, daß die Studenten ihre Semestergelder von fünfundzwanzig Rubel nicht bezahlt haben. Wegen dieser Bagatelle sind alle diese jungen Existen zen vernichtet worden.
Vom Schicksal ereilt!
Petersburg, 10. Juni. (Privatte- legramrn.) Aus Dünaburg wird berichtet, daß dort der Juwelen di eb Harrics R o t st e i n verhaftet worden ist. Der Chef der Bostoner Kriminalpolizei, Linch, traf in Petersburg ein und verfolgte mit dem Chef des Petersburger Geheim Polizei die Spur des Diebes. Rotstein hat allein in Boston für mehr als 150 000 Dollar Brillanten gestohlen. Petersburger Juweliere sind ebenfalls fchwer durch ihn geschädigt worden.
Mu neues Minister Unglück..
(Eigene Drahtmeldung.)
$ Paris, 10. Juni.
Als gestern der I u st i z m i n i st e r in Begleitung feines Sekretärs im Automobil sich auf dem Wege von der Kammer nach seiner Wohnung befand, stieß der Kraftwagen beä Ministers mit einer Automobildroschke zusammen. Der Zusammenstoß war sehr heftig, und beide Kraftfahrzeuge wurden stark beschädigt. Der Justizminister erltt am rechten Arm nicht unbedeutende Verletzungen, während sein Sekretär mit einigen leichtern Wunden davonkam. Man brachte den Justizminister in seine Wohnung, wo ihm der erste Verband angelegt wurde. Dadurch, daß nunmehr außer dem Ministerpräsidenten auch der stellvertretendk Ministerpräsident an das Bett gefesselt ist, ist die politische Lage etwas eigentümlich geworden.
$as Neueste am Kassel.
6rin Abend an der Fulda.
Rotglühend hängt der Sonnenball am westlichen Horizont. Der Strahlen Wärme ist gebrochen und ein erfrischender Abendwmd fächelt leis über der Erde. Draußen vor der Stadt auf dem Fulda-Tamm läßt sich's um diese Zeit gar schön lustwandeln. Dort hat man den freien Blick bis zu den Bergen, zu deren Füßen die kleinen Siedelungen arbeit« iamer Menschen liegen. Der Häuser Dächer lugen aus dem Grün des Laubes hervor, und sie wirken jetzt am Abend, wo der Dämmerung Schatten die genauen Umrisse verwischt, wie ein roter Klex auf dunklem Grunde. Manchmal blitzt es drüben kupfrig-aold auf, wenn ein verspäteter Sonnenstrahl über irgend ein Fenster huscht, und der Mensch schaut geblendet hinweg. Er senkt den Kopf zu Boden und sucht den vor seinen Auaen tanzenden leuchtenden Punkt zu verwischen. Auf dem Wasser der Fulda gleiten langsam einige Boote dahin. Der jungen Burschen kräftige Arme senken die Riemen in die Flut und ziehen das Boot in raschen Schlägen vorwärts. Manchmal sitzt auch eine Maid mit funkelnden Augen darin und lächelt beseligt, daß sie dem so nahe fein darf, dem ihr ganzes Sehnen gilt.
An den vielen Badeanstalten, wo feh- nige Gestalten in kühlende Fluten tauchen, fährt matt schneller vorbei, um den freien Laus der Fulda zu erreichen. Vorn Ufer erschallt ein lustig „Ahoi" zu den Booten hinüber und wird von oen Insassen mit einem lauten Juchzer beantwortet. Schmale, flinke Rennboote schießen dahin und sind bald aus dem Gesichtskreis entschwunden. Im hohen Gras läßt man sich zur kurzen Rast nieder, wohin der leichte Abendwind den erfrischenden Geruch des Wassers trägt. Wohltuend wirken dort draußen solche Minuten der Ruhe. Von fern her tönen die Glockenschläge einer Turmuhr, die die neunte Stunde verkünden. Helle
In manchen Orte« Kurheffens
das Gasthvfgewerbe noch viel zu wünschen Jibria und daraus erkläre es sich Wohl auch, Saß der Fremdenvettehr in unserer Gegend eine zu geringe Bedeutung habe. Die größten Verdienste um die Hebung des Gastwirtsge- werbes habe sich der Niederhessische Touri st enverein erworben. Dsx Wunsch des Redners ging dahin, daß die Vertreter der Städte nicht nur für die Schaffung feiner 23er» fthrsgeleaenheiten und die Verbesserung der UnterkunftsverhAtnisse eintreten, fandern daß üe auch dahin wirken möchten, alle Organisa- tionen zur Hebung des Fremdenverkehrs zu einem großen Verbände für Kurhessen und Waldeck zufammenzuschließen. Rechtsanwalt Wenning-Cassel hielt den -weiten Vorttag über „Die Förderung per Schülerherbergen", indem er zunächst darauf hinwies, daß die Schülerwande- rungen immerhin an Ausdehnung gewännen und wegen ihrer vielerlei Bedeutung weitestgehende Unterstützung verdiente. Letzthin sei auch
ein Erlaß des Kaisers bekannt geworden, durch den eilte besondere Pflege der Jugend empfohlen werde. Dazu gehöre auch das W a n d e r n der Jugend, durch das die jungen Leute nicht nur ihren Körper stählen, sondern auch ihren Blick und ihre Heimatskenntnis erweitern würden. Mit den bisher gegründeten Schülerherbergen habe man gute Erfahrungen gemacht, und die Bedenken, die dagegen geäußert würden, feien nicht stichhaltig. In Niederhessen beständen acht Schülerherbergen, von denen die in Schwarzenborn die größte fei. Es bestehe jetzt die Absicht, die Herberge zu erweitern und die Zahl der Herbergen überhaupt zu vermehren. Da hierzu erhebliche Kosten notwendig seien, fei im Hinblick auf den kaiserlichen Erlaß der Wunsch angebracht, daß auch die Städte den Schülerherbergen ihr Wohlwollen entgegenbringen möchten. Oberbüraermeister Müller gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Anregungen der beiden "Vortragenden gute Früchte tragen möchten. An die Vorträge schloß sich eine kurze Debatte,
in der die Förderung der Schülerherberaen nochmals warm empfohlen wurde. Ueber die Krankenpflege auf dem Lande in ihrer allgemeinen hygienischen und volkswirtschaftlichen Bedeutung sprach sodann Geheimer Medizinalrat Dr. H e i n em a n n - C a f f e l. Er führte aus. daß die Abnahme der Sterblichkeit auf dem Lande und in der Stadt im letzten Jahrzehnt erheblich fortgeschritten fei. Aus dem Lande aber lasse die rechtzeitige Heranziehung des Arztes infolge weiter Weae viel zu wünschen übrig; daher sei hie Ausbildung von freiwilligem ländlichem Vfle- geperfonal dringend erforderlich. In unserer engeren Heimat schenke man dieser Aus- bilbung von Pflegepersonal feit einiger Zeit auch erfreulicherweise besondere Aufmerksamkeit. Außer im Roten Kreuz-Krankenhaus würden zurzeit im Diakonissenhaus dreiundachtzig Pflegerinnen ausgebildet. Diese freiwilligen Krankenvfleaerinnen auf dem Lande 'önnten besonders bei der
Bekämpfung der Tuberkulofe
die Erde herabsendet, und an dem ein Sternlein nach dem andern sich neu entzündet. Ruhig liegt jetzt die Welt da. Noch einmal sucht das Auge den Horizont, wo sich die Konturen der Berge von dem Haren Nacht- Himmel scharf abheben. Wie schön ist's doch im Bannfteis dieser Berge! Denn hier ist meine Heimat! -ss-
A Im Zeichen der Landwirffchaftlichen Ausstellung. Um den Verkehr in der Zeit der Landwirffchaftlichen Ausstellung bewältigen zu können, hat die Eisenbahnverwaltung den oberen Teil der Halle des Nordflügels zu einem Gepäckraum eingerichtet. In die offenen Bogenfenster sind Bogen eingesetzt worden und das Innere des Raumes ist mit Gestellen für die Gepäckstücke versehen worden. Auf dein Gelände der landwirtschaftlichen Ausstellung haben bereits im Vorführungsring in vergangener Woche die Vorführungen der Militärpferde stattgefunden. Zwei sechsspännige Geschütze unter Aussicht eines Offiziers setzten sich in Galopp und durcheilten mehrmals die Bahn des Vorführungsrings vor der Tribüne. — Die Sicherheit des Ausstellnngsgeländes soll durch Polizeihunde gewährt werden. Vergangene Woche fand die Prüfung der Hunde durch zwei Kriminalbeamte statt, die sich fehr interessant gestaltete. Markiert wurde die Verfolgung von Dieben und Verbrechern, das Nehmen von Hindernissen, Erklettern von Bretterwänden und die Ergreifung und das Festhalten mit den Zähnen. Auch an den Gehorsam auf Kommando wurden die Hunde gewöhnt.
A Abgekühlte Hitzkövse. Ein paar junge Burschen gerieten diese Nacht auf dem Steinweg aneinander und inszenierten eine Schlägerei. Ein Schutzmann spielte den Friedensstifter und brachte die Hitzköpfe in Nummero Sicher.
A Ein Fahrkartenautomat auf Station Kragenhof. Der auf der Station Kragen- b o f an Sonn- und Festtagen immer ein großer Verkehr herrscht, hat sich die Eisenbahnverwaltung entschlossen, einen Fahrkattenautomat dort aufzustellen, der bereits am Sonntag, den 11. Juni in Betrieb genommen wird. Gegen Einwurf eines 5-Pfeünig-Stückes erhält man eilte Fahrkarte 3. Klasse nach Ihringshausen. Diese Einrichtung der Eifenbahnverwaltung bedeutet eine Erleichterung im Touristenverkehr.
A Eisenwaren gefällig . . .? Auf dem Bahnbofe machte sich heute morgen ein Mann bemerkbar, der einen ganzen Koffer voll Eisenwaren, wie Zangen. Schraubenzieher und Zollstöcke zu Spottpreisen zum Verkauf anbot. Da man ihm nitbt recht traute wurde er verhaftet. In feinem Besitz befanden sich noch drei Koffer mit kleinen Werkzeugen, über deren Erwerb der Mann sich nicht auszuweisen vermochte.
A Der Streit zweier Droschkenkutscher. Am Bahnhof sagten sich heute morgen zwei Droschkenkutscher die Meinung und bekräftigten ihre gegenseitigen Ansichten in einer Schlägerei. Bei dem Verkehr, der auf dem Platz vor dem Bahnhof herrscht, war es natürlich. daß sich rasch eine größere Menschenmenge ansammelte. Einem Schutzmann gelang es jedoch schließlich, die beiden Rosselenker zur 23emunft zu bringen und zu arretieren.
A Mehr Licht. Gestern hat das städtische Gaswerk damit begonnen, der Hohenzollernstraße eine bessere Beleuchtung zu geben. Die seitherigen Stehglühstrumpf-Laternen wurden. bis zur Ecke der Karthäuser Straße vorläufig, durch breiflammige Graetzin-Lampen ersetzt, die von ganz außerordentlicher Leuchtkraft sind.
A Bezirksag der Barbiere, Friseure und Perückenmacher. Am nächsten Montag findet der 25iährige Bezirkstag des Hessischen Be- zirsverbandes des Bundes Deutscher Barbier-, Friseur- und Perückenmacherinnungen im Pa- lais-Restaurant in Cassel stattek. Die Delegier- ten-Versarnlung nimmt um 10 Uhr vormittags ihren Anfang.
A Arbeiter-Entlassungen bei der Eisenbahn. Durch Ministerialerlaß ist soeben vorgeschrieben worden, daß Eisenbahnarbeitern, die eine Dienstzeit von mindestens zehn Jahren haben, in Zukunft nur noch durch die vorgesetzten Aem- ter nach vorheriger Genehmigung der Königlichen Eisenbabndirektion gekündigt werden kann. Auch zur Auflösung des Dienstverhältnisses der noch nicht so lange tätigen Arbeiter haben die Dienststellen fortan stets die Genehmigung des vorgesetzten Amtes einzubolen, wenn die Kündigung ans disziplinären Gründen erfolgt. Bei der Dienstzeit wird die Militärzeit mitgerechnet, ebenso etwaige vorherige Tätigkeit bei der Eisenbahn.
A Im Zeichen der Svarsamkeit. Beim diesjährigen Pfingstfeste ist in ganz Preußen zum --rstenmal eine Beschränkung der Schützenfeste durchgeführt worden. Eine ministerielle Verfügung hatte vor längerer Zett darauf hingewiesen, daß es im Interesse der Sittlichkeit und Enthaltsamkeit von Vorteil wäre, wenn die Volizeibehörden, namentlich bei den Schützenfesten ein wachsames Auge hätten und den Rummel etwas einschränkten. Auf Grund dieser Anweisung haben nun zahlreiche Polizeiverwaltungen die Aufstellung von Buden während der Schützenfeste beschränkt und teilweise sogar ganz untersagt. Gegen diese Maßnahme wird allenthalben energisch Protest erhoben. Man betrachtet diese Beschränkung als einen Eingriff in die Abhaltung althergebrachter Feste, welche ganz besonders geeignet wären, die Pflege der Familienbeziehungen und der gutnachbarlichen Verhältnisse zu fördern. Es soll deshalb an den Minister eine Eingabe um Aufhebung der Verfügung gerichtet werden.
A Ein Jubiläumsbild der Wahlershäuse- ner Sänger. Anläßlich des fünfzigjährigen Bestehens des Männergesangvereins Wahlershausen hat das hiesige Atelier des Hofpbotogravhen Carl Eberth in geschmackvoller Weise eine in den Maßen 1,5 :2 0 Meter In Heller Eiche gerahmte Zufammenstel-