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1. Jahrgang

Nummer 158.

COlerUmsle NiuhruIM

hessische pdenchritung

Casseler Mmchritung

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Sonntag, den 11. Juni 1911

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Die neueste Flug-Katastrophe

Der Dorner-Pilot Schendel mit Paffagier ab gestürzt; beide tot!

Ein

*s

deutschen Volktums !

Jahre hindurch ist der Hansabund an der Ar­beit gewesen, um die Grundlagen für die ge­waltige Manifestation zu schaffen. Sie wird nicht ungehört verhallen, und den Staatslen­kern neue Richtlinien für den Weg der politi­schen Entwicklung angeben. Aus der Not der -seit ist die alte Hansa von neuem erstanden: Nicht in rücksichtsloser Demagogie will der Handels- und Gewerbestand den andern Be- mfszweigen des Reichs seinen Willen diktieren

Der Bericht eines Augenzeugen* (Eigene Drahtmeldung.)

Aus Berlin wird uns depeschiert:

6ine Katastrophe aus dem Amur, (Privat-Telegramm.)

stehende Rechte. Kein Krämergeist, sondern ein großzügiges Schaffen möge den Hansatag er- ullen: Dann werden sich Handel und Gewerbe, Industrie und Staat in irischem und gedeih­lichem Frühlingweben berühren und durch­dringen, und es wird die Basis gemeinsamer Arbeitmöglichkeit geschaffen, auf der alle Kräfte sich voll entfalten und zum Besten der Gesamt­heit sich nutzbar erweisen können. Als die neue Hansa nach langen Wehen und mancherlei Enttäuschungen aus der Taufe gehoben wor­den, standen Argwohn und Peffimismus grol­lend am Weg, und es hat auch in den beiden ersten Lebensjahren des neuen Bundes nicht ap Bemühungen gefehlt, der jungen Hansa Wege zu versperren. Der Geist indessen, der dem deutschen Kausmannsgeist die Welt in des Erdrunds ganzer Fläche erschloß, hat auch aus dem Feld der Eigen-Organisation nicht ver­sagt: Kraftvoll und mächtig hat sich das Bäum­chen von einst zum stolzen Stamm entwickelt, dessen Aeste vom Osten zum Westen, vom Nor­den zum Süden des Vaterlands reichen, und an dessen knorriger Stärke der heulendste Sturm sich machtlos bricht. Die Junitagung der neuen Hansa wird zum Triumph deut­schen Kaufmannsgeists werden, zu ei­ner stolzen Heerschau der Kerntruppe

liche Körper: Schendel und sein Monteur Voß, beide tot und schrecklich verstümmelt. Ihre Gliedmaßen hatten sich bei dem Sturz aus der Höhe tief in das Erdreich eingebohrt und Aerzte konstatierten den s o f o r t i g en Tod beider infolge Wirbelsäulen- und Genickbruchs. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge drängte nach der Katastrophe zur Unglücksstelle und viele Frauen fielen angesichts der beiden Leichen in Ohnmacht.

und einfeitige Bevorzugung für sich in Anfpruch nehmen, fondern als ein gleichberechtigter Fak­tor im Staats- und Wirtschaftsleben will er seinenPlatz an der Sonne" erkämpfen. Und man darf wünschen, daß es ihm gelingen möge, das der neuen Hansa vorschwebende hohe Ziel zu erreichen.

Unsre Zeit, das .Jahrhundert der Energie und Kraft", verlangt das Rechnen mit realen Größen und das mannhafte Eintreten für ru-

Schendels Todessahrt*

(Telegraphifche Meldung.)

Ueber die Todesfahtt Schendels werden von anderer Seite noch folgende Einzelhetten berichtet: Als Schendel eine Höhe von fünfhun­dert Metern erreicht hatte, fetzten plötzlich heftige Böen ein und man konnte deutlich erkennen, daß der Eindecker in bedenklicher Weife überlegte. Bald schwebte der Flie­ger tausend Meter hoch und verließ das Flug- seld. Rach fünf Minuten kehrte er zurück. Dar­auf stieg er etwa fechzehnhundert Meter hoch. Drei Minuten blieb er in den Wolken ver- fchwundrn. Dann sah man die Maschine wie­der austauchen. Sie neigte sich vornüber und in unglaublich steilem Weitflug ging sie au tausend Meter nieder. In dieser Höhe stellte sich die Maschine senkrecht und schoß noch etwa vierhundert Meter tief ab. Dann überschlug sie sich zweimal und sauste pfeilschnell zu Bo­den. Als man herbeieilte, war von dem Ein­decker nicht zu sehen als ein wüster Trüm­merhaufen. Unter ihm lagen zwei mensch-

Augenzeuge, der sich in feiner Laube in der Näh« der Unfallstelle befand, gewahrte das Abstürzen des Flugzeugs Schendels, als es sich in annähernd hundertfünfzig Meter Höhe befand. Der Motor arbeitete nicht mehr und die Insassen stießen Schreie aus. Die Leichen der Verunglückten bildeten blutige, formlose Massen; Arme und Beine sind gebro­chen. Das Flugzeug, das bei dem Sturz nicht vollständig zertrümmert wurde, steckte mit sei­nem Vorderende tief im Boden. Die Kata­strophe ereignete sich so schnell, daß die ange­sichts der Gefahr auf den Tod erschrockene Zu­schauermenge sich kaum vom ersten Schrecken erholt hatte, als das Unglück schon geschehen war. Der Augenzeuge erzählt, daß er wahr­genommen habe, wie der Flugapparat Schen­dels ein paar Sekunden in der Höhe förmlich stillgestanden, sich dann zweimal über­schlagen habe, und dann mit rasender Ge- ,schwindigkeit zur Erde niedergestürzt sei. Bei dem Ueberschlagen des Apparats wurden Schendel und Voß in großem Bogen von ihren Sitzen hinweggeschleudert und stürz­ten in die Tiefe. Als der Apparat im ersten Gleitflug niederging, bemerkte der Augenzeuge, wie die beiden Insassen sich verzweifelt an das Gestänge des Flugzeugs anklammerten, osfen- bar in der Erkenntnis der ihnen drohenden Gefahr. Es ist inzwischen festgestellt worden, daß das Unglück auf das Versagen des Motors zurückzuführen ist, der grade in dem Augenblick zu arbeiten aufhörte, als der Appa­rat von einem scharfen Windstoß erfaßt wurde.

*

Der verunglückte Aviatiker Georg Schendel war von Geburt Göttinger. Er wurde dort 1886 geboren und widmete sich dem technischen Beruf, in dem er es bis zum Schiffbau-In­genieur brachte. Im November vorigen Jah­res legte er fein Examen als Pilot ab und wirkte seitdem als Lehrer für die Dornerwerke. Er galt allgemein als einer der tüchtigsten und zugleich besonnensten Aviatiker und seine Fahr­ten waren stets auf das sorgfältigste vorhe- reitet . Der mtt Schendel verunglückte Mon­teur Voß stand im siebenundzwanzigsten Le­bensjahre und war Schendel als Flugzeug­monteur beigegeben. Er war verheiratet und hinterläßt außer der Witwe ein zweijähriges Kind.

Bilder vom StSdteta».

Der Hessische Städtrtag in Gudensberg. (Von unserm Spezial-Korrespondenten.)

** Gudensberg, 10. Juni.

Auch die kleinsten Städte wollen einmal (wenn auch nur für zwei Tage) den Ruf als Kongreßstadt genießen. Freudig nahm der Hessische Städtetag im vorigen Jahre die Einladung der Stadt Gudensberg an und man freute sich, in der kleinen, schmucken Stadt am Fuße des Wodans-Berges, die in ihrer prächtigen Sommertoilette und bestrahlt von hellem Sonnenschein einen überaus sreund- lichen Anblick gewährt, einige Tage weilen zu können. Freilich schien man damals nicht an zweierlei gedacht zu haben: An die Fahrge­legenheit nach dem kleinen Städtchen und . . . an die Beherbergung der Häupter so vie­ler Gemeinwesen des Bezirks Cassel. Ein ge­gebenes Wort verpflichtet aber, und so mußte man also kommen. Die Reise nach Gudensberg gäbe Stoff, eine eigene Plauderei zu fchreiben. Ist man dem schnell dahineilenden Dampf­wagen der königlich-preußischen Eisenbahn in Grifte entstiegen, so muß man sich den klei­nen Wagen der Nebenbahn anvertrauen, die inmitten eines langen Güterwagenzuges etn- rangiert, von einer, im Verhältnis zur Länge des Zuges, unbedeutend erscheinenden Loko­motive gezogen werden. Und nun geht die Fahrt los: Durch eine grüne HügeUandschaft und über fruchttragende Felder, auf denen die Saat ihrer Reife entgegengeht. Zwifchen den Halmen des Getteides hindurch blinken die tiefroten Köpfe des Mohns und die blauen Kornblumen, zwifchen den kurzen Halmen des Hafers und Weizens wiederum schauen hell­gelbe Blümchen hervor, die teilweise ganze Felder bedecken. Man hat Mutze, sich alles ge­nau anzusehen, denn der Zug mutz einen Berg erklimmen und fährt fo langfam, daß man in Verfuchung kommen könnte, auszusteigen und . . . nebenher zu gehen. Kleinbahn-Idyllen möchte man manchmal in das Reich der Fabel verweisen: Hier aber erfährt man, daß sie (immer noch) der Wirklichkeit angehören!

Ueber den ersten Teil der Tagung des Hes- fischen Städtetags ist gestern schon berichtet worden. Der zweite Teil hätte angcfügt werden können, wenn. . . die Kaiserliche R e i ch s p o st in Gudensberg die Absicht Ihres Korrespondenten nicht durchkreuzt hätte: Die Post ist nämlich in den Mittagsstunden ge­schlossen, fest verschlossen! Darum sei heute der letzte Teil der Beratungen des ersten Verhandlungstages nachgetragen Tr. Holtmeyers Vortrag, aus dem immer wie­der die Mahnung zur Erhaltung historischer Baudenkmäler erklang, löste einen großen Bei­fall bei der Verfammlung aus. Der Redner* der feinen Vortrag durch viele Lichtbilder illu- striette und mit dem alten Gelnhausener Rat­haus begann, stellte folgenden Le.itf atz auf: Zweierlei kann man aus der Verunstaltung des Rathauses von Gelnhausen lernen; ein­mal, daß Denkmäler von außerordentlichem kunstgeschichtlichem Wett am besten ganz u n - berührt bleiben, zum andern, daß in Fäl­len, wo die Restautterung unvermeidlich er­scheint, es nicht Aufgabe der Nestauratton sein kann, Urformen zu schaffen, die um Jahrhun­derte zurückliegen, die nur äußerlich erfaßt scheinen, nach wenigen Jahren aber als un- pettönlich und unkünstlcrisch empfunden wer­den. die dem Original eine unettreuliche Kon-

Ser Lag der Hansa.

Rach zwei Jahren Hansabund-Arbeit.

Zur ersten großen Heerschau feit dem Tag der Gründung versammeln sich am kommenden Montag die Führer und Anhänger des Han- sabundes in der Reichshauptstadt. Wenn dem Rus zur großen Tagung in dem Umfang Folge geleistet wird, wie es der Bedeutung der Sache entspttcht, und wie es zu ermatten steht, so Wird selbst der Riefenraum des Berliner Spottpalasts nicht ausreichen, die Legion der Teilnehmer zu beherbergen. Eine beispiellose Kundgebung des freien Kaufmanns- und Ge- werbestands steht bevor, und die polittsche Tragweite der Veranstaltung wird sich nicht nur bei den kommenden Reichstagwahlen, fon­dern auch bei der künftigen Gesetzgebung nachdrücklich geltend 'machen. Der deutsche Sandel- und Gewerbetreibende ist (wenn man Ausnahmen abrechnet) weder dem Not- noch Hurrageschrei zugetan: In seiner vetttändigen Und nüchternen Lebensauffassung widmet er sich ganz und gar feinem Beruf und felbst um das politifche Leben kümmett er sich nur bei den allerwichttgsten Anlässen. Ein hervorra­gender Literarhistoriker, Julian Schmidt, ein Freund Guftav Frehtags, hat ein bezeichnen­des Wott geprägt und es feiner wettvollsten Schttst, dem Hohelied des deutschen Kauf­manns, voraufgestellt. Dieses Wort lautet: .Um das deutsche Voll in seiner ganzen Tätig­keit zu finden, muß man es bei der Arbeit aufsuchen!" Wer den deutschen Kaufmann, den deutschen Gewerbetreibenden und den deut­schen Mittelstand bei der Arbeit sieht, wird ihren Volks- und Kulturwett zu schätzen wis­sen, und es ist als ein glückliches Zeichen der Zeit zu deuten, daß gerade aus dem Jnter- eflenkreis dieser Erwerbstände die neue deutsche Hansa emporgewachsen und gedie­hen ist.

Die frühere Zurückhaltung vom staatlichen und össenllichen Getriebe hat den Angehörigen des Handels- und Gewerbestands mancherlei Nachteile gebracht: Andre Berufsarten haben sich hervorgedrängt und in ihrem Interesse Einfluß aus Staatsleitung und Gesetzgebung gewonnen. So konnte es auch geschehen, daß bis in die jüngste Zeit hinein im Reich und in den Bundesstaaten viele einschneidende Be­schlüsse ohne den Kaufmann und Jndustttel- len, ja sogar direkt gegen ihn und seine vitalsten Interessen gefaßt wurden. Bei dem Abschluß von HandelSvetträgen mit europä­ischen und überseeischen Ländern ist das Deut­sche Reich immer inS Hintertreffen geraten, selbst wenn es sich um ohnmächtige Staaten handelte. Es fehlte bet der Regierung von vornherein am rechten VetttändniS für die gro­ßen Wirtfchastsfragen, der Kaufmann und In- dustttelle mit weitem Blick und hellem Auge wurden (und werden leider noch immer!) aus der Diplomatie ferngehalten, und gelangt wirklich einmal ein prattifcher Mann mit kauf­männischem, gewerbetätigem Geist in das Mi- ntstettum, so wird er nur zu bald wieder von der Militär- und Juttstenkaste hinauskompli- mentiett. Und doch kann in der heutigen Wellwittschast nur der Erwerbgeist, also der kaufmännische Geist, die treibende Kraft und der Mehrer des Volkvermögens sein, denn er allein verbindet die Interessen internationaler Vollswirtschast mit der Förderung nationaler Entwicklung, mtt der Pflege kulturellen Fott- fchtttts und der Pionierarbeit zivilisatottfcher Wettverbesserung in allen Teilen der Welt. Der Kaufmann ist draußen, wo der dreifarbene Grenzpfahl des Germanen-Reichs nicht mehr sichtbar ist, der geachtete und voll gewettete Träger des deutschen Reichsgedankens, und ihm danken wir's auch in der Hauptsache, daß deuttche Energie und deutsche Kraft den Weg in ferne Zonen fanden.

Daß diese Ueberzeugung allmählich auch in den regierenden Kreisen des Reichs Wurzel faßt, hat der Reichskanzler erst jüngst beim Heidelberger Jubiläum des Deutschen Handelstags in seiner Weise ausgesprochen, als er das Wott hörbar werden ließ:Kein pttvates Erwerbgeschäst ist heutzutage noch reines Geschäft, es ist in gewissem Sinne zu­gleich auch Amt." Der höchste Begriff in der deutschen Bürokräfte besteht eben in dem ver­liehenen .Amt", und als der Kanzler dem Kaufmannstand die größte Ehre erweisen wollte, sprach er von dessen .Amt". .In Pro­kura der Allgemeinheit" will der Hansatag nun­mehr auch se i n Amt als vornehmster Förderer der deuftchen Volkswirtschaft antreten. Zwei

Depeschen aus Petersburg zufolge ist in der Nähe von Blago-Weschtfchensk der große AmurdampferMurawjew Amurfki" in Brand geraten. Als das Feuer ausbrach, wurde der Dampfer, der viele koreanische Ar­beiter mit sich führte. an Strand gesetzt, ist aber trotzdem mit allen Dokumenten verbrannt. Da auch die elettrische Beleuchtung erlosch, war der wilde Schrecken der Passagiere umso größer. Biele sprangen in die Fluten. Die Zahl der Ertrunkenen soll sehr groß sein, da es den mei­sten Passagieren in der allgemeinen Verwir­rung nicht gelang, sich ans User zu retten. Die letzten Depeschen berichten von siebzig Er­trunkenen und zweiunddreißig Verletzten, die schwere Brandwunden er­litten haben. Der Kapitän des Dampfers er- schoß sich aus Verzweiflung über das Un­glück.

Flugplatz Johannisthal, 10.

Juni, (Privat-Telegram m.) Der Dorner-Pilot Georg Schendel stieg, an­läßlich der Rationalen Flugwoche, gestern abend 8.20 Uhr mit einem Passagier auf, um den H ö h e n r e k o r d, der am sechsten Juni mit 2010 Metern aufgestellt worden war, zu drücken. Nachdem der Aviatiker 2000 Meter Höhe erreicht hatte, flog er im Gleitfluge ab. Man sah, daß der Apparat in Höhe von 1500 Metern urnkippte und zur Erde niedersauste. Schendel sowohl wie sein Paffagier Voß stürzten mit dem Kopf voran zur Erde nieder und waren fo f o r t tot.

Unser Berliner s-Korrespondent berichtet uns über die Katastrophe folgende Einzelheiten: In der Nähe des Flugplatzes Johannisthal, auf der Gemarkung zwischen Adlershof und Cöpenick hat sich gestern abend halb neun Uhr ein entsetzliches Aeroplan-Unglück zugetragen. Der vierundzwanzig Jahre alte Flieger Georg Schendel, der erft in den letzten drei Tagen durch seine kühnen Sturmflüge auf einer Dor- nermafchine die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich gezogen hatte, war kurz nach acht Uhr abends mit dem Monteur Voß von der Domer-Gefellschaft in der Absicht aufgesfte- gen, den von dem Aviatiker Hitth aufgestellten Höhenrekord mit einem Passagier zu brechen. Nach einem geraden Start machte Schendel zu­nächst einige Runden über den Flugplatz selbst und entfernte sich dann von Johannisthal in der Richtung nach Cöpenick. Er erreichte bald eine so große Höhe, daß er in den Wolken verschwand. Nach der Registrierung des Höhenmessers hat er eine Höhe von mehr als fechzehnhundert Metern erreicht. Gegen halb neun Uhr wollte Schendel in einem Gleitfluge nach dem Flugplatz zurückkehren. Der Wind war aber so stark geworden, daß der Appa­rat kaum gegen ihn ankämpfen kann- te. Als Schendel bis auf fünshundett Meter herabgestiegen war, versagte plötzlich derMotor, wie es heißt, infolge Benzin­mangel. Der Motor fetzte fchließlich ganz aus. Der Apparat neigte sich daraufhin zur Sette, um im nächsten Augenblick in fenk- rechter Richtung zu Boden zu stür- z en. Die beiden Flieger wurden während des Absturzes aus dem Apparat hinausge- schleudert, wobei fie laut um Hilfe riefen. Durch den Sturz auf den Ackerboden wurden beide auf der Stelle gelötet. Der Apparat felbst bohtte sich über einen hal­ben Meter tief in das Erdreich hinein.