vrummer 157. 1. Jahrgang.
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Fernsprecher 951 ttnb 952.
Sonnabend, den 10. Juni 1911.
Fernsprecher 951 und 952.
Liebenberger gdtzlle.
„St. Durchlaucht Befinden unverändert!"
Durch die Presse ging dieser Tage die Nachricht, daß in dem noch immer schwebenden Meineid-Prozessverfahren gegen den Fürsten Eulenberg die Staatsanwaltschaft eine erneute Untersuchung des Angellagten auf seinen Gesundheitszustand angeordnet habe, über deren Resultat aber noch nichts bekannt geworden sei. -Von einem genauen Kenner der Liebenberger Verhältnisse, der „Land und Leute" zu beurteilen versteht, wird uns dazu geschrieben:
Das Befinden Seiner Durchlaucht nach wie vor unverändert! So lautet die stereotype Antwort an jeden Wandrer, der Liebenberg berührt, seinen Blick über den herrlichen Liebenberger See streifen läßt, und so nebenbei Erkundigungen nach dem Bescher aller dieser landschaftlichen Schönheiten, nach dem Fürsten Philipp Eulenburg, hinsichtlich seines Befindens einzieht. Und doch kann man diesen verschmitzten Märkern mit dem pfiffigen Gesicht von der Stirn ablesen, dass sie für ihren Schloßherrn (von dem sie zu fünfundneunzig Prozent wirtschaftlich direkt abhängig sind) zur Notlüge greifen. Liebenberg: Abseits von allem Perkehr, zwischen herrlichem Laubwald gebettet, liegt es in der Mark. Eine volle Meile hat man von der Bahnstaffon Loewe- ' ’tg zu gehen, ehe man dorthin gelangt. Eine Meile lang hat man die Chaussee zu benutzen; und noch ehe der Wandrer fünf Minuten gegangen ist, weiß es im Schloß jede maßgebende Stelle sicherlich: Es kommt ein Fremder! Und ein Fremder ist in Liebenberg nicht nur stets in hohem Maße verdächtig, er hat auch kein Recht auf Gastfreundschaft, er ist ein Eindringling, «in Spion! An rede». Straßenkreuzung tritt ihm eine Warnungstafel der Gutsverwaltung in den Weg, und am Eingang zum Schloßpark, der früher jedem Ausflügler zur Verfügung stand, wird diese Antipathie gegen „Uneingeweihte- noch deutlicher, denn schwarz auf weiß prangt es dem Wandrer in fetten Lettern entgegen: „Der Eintritt in den Schloßpark ist nur Personen aus der Nachbarschaft gestattet)-
Seine Durchlaucht, der Fürst zu Eulenburg und Hertefeld, ist andauernd so krank, daß er nicht vernehmungsfähig ist, und er ist toffter- benskrank, wenn die Untersuchungskommission kommt, um zu ergründen, ob es für ihn keine Möglichkeit gibt, sich von furchtbarem Verdacht zu reinigen; er will sogar (wie es in großen Annoncen der Berliner Blätter zu lesen ist) durch einen Makler seine Besitzung von neunhundert Morgen (in Wirklichkeit sind es viel mehr) verkaufen, um irgendwo unter ärztlicher Obhut das Ende seiner Tage zu erwarten. TotsterbenSkrank: Die Pächter von Grüneberg, die an schönen Sommersonntagen in altväter- lichen Karossen einen Ausflug nach Liebenberg unternehmen, um dort im „Roten Hirsch- ein kleines Rachmittagkränzchen zu veranstalten, wissen es besser. Die Gebildeteren unter ihnen meinen, der ganze Verkauf sei ein Bluff, andre wieder (und das sind die offnen) winken mit der Hand und brummen etwas in den Bart, ein Wort, das eine gute Uebersetzung von Bluff ins Deuffche ist. Die noch besser Orientierten aber ziehen den Neugierigen beiseite und erklären ihm, datz trotz aller Annoncen Liebenberg überhaupt nicht verkauft werden darf, daß die angebliche hypothekarische Ueberlastung, die früher Schwierigkeiten gemacht haben soll, als der Füfft eine halbe Million Mark Kaution für das Gericht brauchte, nichts als ein Manöver war; daß schließlich Rothschild für Eulenburg immer noch da sei, und für Liebenberg stets Geld zur Verfügung haben werde, wie er es schon gehabt hat. Mehr aber will man nicht wissen.
Daß im Schloß Liebenberg keine Ent- halffamkeit geübt wird, daß man dort anscheinend mehr zu tun hat, als einen Toffterbens- kranken zu pflegen: Davon kann sich jeder mit offnem Blick Begabte leicht einen Begriff machen, sofern er sich in Liebenberg längere Zeit aufhält. Durch das offne Schloßportal (natürlich prangt auch hier das Schild für die „Unbefugten-) strömt ein nicht gerade kleiner Wa- genverkehr. Gutsequipagen fahren von und nach Liebenberg, zwischen Bahnhof Loewenberg und dem Schloß, und ein besonderer Wagen, der ohne Insassen die Chaussee einhersaust, scheint nur Kurierdiensten gewidmet zu fein: Ob „auch die Lust rein ist-! Im Schloßhof steht man sommerlich gekleidete Schlohgäste »wisch«« Blume« ttnb gepflegten Anlage« lust
wandeln, und unwillkürlich denkt man dabei an die Berliner Anschlagsäulen mit den fetten Lettern des „ Metropoltheaters-: „Hoheit amüsiert sich!- Seit der Zei, zu der die Liebenberger Tafelrunde zu den hochpoliischsten Stellen des Reichs gehörte, die mit Hilfe devoter und „inspirierender- Geheimräte der Wilhelmstraße über das Schicksal der efften Beamten des Reichs gleichsam aus dem Handgelenk (vide Bülow) disponierte, hat sich draußen in der Mark allerdings verschiedenes geändert. Leider muß man in gleichem Atemzuge mit verschiedenen Personen aus dieser für Deutschland ost sehr gefährlichen Clique den Kronprinzen nennen, der einer der ersten war, der hier für Remedur eintrat. Und es ist bezeichnend für unsere Zeit, daß verschiedne der Ränkespinner von damals in der alten Uebung fortfahren, dem Kaiser einen Floh ins Ohr zu setzen, oder aber durch „Inspirationen- wenigstens setzen zu lassen.
Daß hierbei der Kaiser gegen den Kronprinzen ausgespielt wird, ist leider Tatsache, weil diese Manipulation vielleicht der einzige morsche Balken ist, an dem sich die wenigen Mithelfer der Liebenberger Tafelrunde vor dem Untergang noch klammern. Diesmal kann der Kronprinz nicht dazwischen fassen; umsomehr ist es aber Pflicht der ernsten Publizistik, darüber zu wachen, daß der jetzt beteiligte Kronprinz gegen die Chamäleonspolitik einer zusammengeschrumpften Clique in Schutz genommen wird. In der Umgebung des Kaisers befinden sich einige sehr gerade und ehrliche Ratgeber, denen es ein Leichtes sein müßte, den Kaiser darüber aufzuklären, datz manches, was man ihm jetzt ins Ohr flüstert, auch ohne Mithilfe Eulenburgs doch nichts als nur ... „Eulenburgiana- ist. Ist es auch dem Rechtsempfinden wenig entsprechend, daß man Nicht' noch einen Versuch unternimmt, die Eulenburg- affäre zu Ende zu führen, so wäre ein neuer Prozeß unserm Ansehen im Ausland doch wenig förderlich. Begnügen wir uns deshalb mit der Feststellung, daß neben dem „toffter- benskranken, geplagten und zu Unrecht Verdächtigten- ein Leben herrscht, das viel weniger Verdächtige zu Königen des Glücks machen könnte. Begnügen wir uns ferner mit der Erkenntnis der Tatsache, daß die „Uckermärker Hydra- noch lange nicht tot, sondern so lebendig ist, wie nur je in sonnigem Tagen. Vielleicht erleben wir's noch, daß die Merkmale ihrer Tätigkeit eines Tags den Zeitgenossen überraschend deutlich offenbar werden ...!
***
Rouvier und der Kaiser.
„Einer unsrer erbittertsten Gegner!"
Depeschen aus Paris zufolge hatte die Witwe des vefftorbenen frühern Ministerpräsidenten Rouvter den Wunsch ausgesprochen, daß ihr Gatte ein kirchliches Leichenbegängnis erhalten möge. Der Pariser Erzbischof lehnte es indessen ab, dem Wunsche zu enffprechen, weil das Parlament gerade unter dem Minitterpräsidenten Rouvier das Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat beraten und angenommen habe. Dieser.Umstand mache es der Kirche unmöglich, dem Toten ein kirchliches Leichenbegängnis zu gewähren. Zum Tode Rouviers wird uns noch geschrieben:
8 Parts, 8. Juni.
(Von unserm Korrespondenten.)
Mit dem Tode Rouviers, des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten und Ministers des Auswärtigen, ist eine Person dahingegan- gen, die (wenn es auch in der Oeffentlichkeit weniger bekannt war) zu den Bewunderern Kaiser Wilhelms gehörte. Obzwar Rouvier überzeugter Republikaner war, beschäftigte er sich doch sehr mit den Handlungen des Deutschen Kaisers. Er sammelte mit besonderem Eifer die Redendes Kaisers und hielt sie (trotzdem er selbst gern als Redner galt, der er auch war) für sehr eindrucksvoll, wenn man Deutschland dabei im Auge habe. Dies und der Mut, den er dem Kaiser in erster Linie nachsagte, mögen auch wohl die Triebfeder gewesen fein, daß Rouvier Deutschland gegenüber mehr eine versöhnliche Haltung cinnahm, weil er „einstweilen mit diesem Land lieber auf sreundnachbarlichem Fuße, nicht aber über die Schwertschneide hinweg verkehren möchte-. Deshalb glaubten auch alle Anhänger einer ehrenvollen Versöhnungs- Politik nach dem Sturz Delcassps sofort an eine Wendung zum Guten, schon weil Rouvier versuchte, die damaligen Marokkodifferenzen auf dem Wege der Konzessionen und Verträge aus der Welt zu schaffen. Als dies nichts nutzte, als die Sprache Deutschlands immer ernster wurde, und man in Berlin aus die Äl- geciraskonferenz drängte, glaubte Rouvier nur in dem Kaiser die Triebfeder m dieser
Handlung zu sehen. Ließ sich auch Rouvier tot Senat und auf dem Ministersessel nie in diesem Sinne offen aus, so beschäftigte er sich doch außerhalb dieser Umgebung umso intensiver mit der Person des Deuffchen Kaisers. Er mag so eine Art Alpdrücken für ihn gewesen sein, denn trotz der Isolierung Deutschlands, die (hauptsächlich durch Rouviers Wirken) nach der Konferenz unleugbar eintrat, bot ihm der Kaiser unausgesetzt Ursache zum Studium. Er verschaffte sich sogar in einer Pariser Buchhandlung das ganz unscheinbare Merkchen über den Kaiser als Privatmann, und zm Berteaur (der ihm kürzlich int Tode voranging) äußerte er noch im vorigen Jahre: „Rein, dieser Kaiser, ein Mensch und auch eine Maschine, unser Freund und auch einer unsrer erbittertsten Gegner . . .!" -rob-
Hoftichter im Gefängnis.
In vier Wochen drei Selbstmordversuche!
Aus Wien meldet uns ein Privattelegramm: Wie das Wiener „Extrablatt- zu berichten weiß, bat der ehemalige Oberleutnant Hofrichter in den letzten vier Wochen drei Selb st Mordversuche unternommen. Er wird deshalb auf Strengste überwacht und muß in seiner Zelle immer mit dem Gesicht nach der Türe zugekehrt liegen, damit der Tag und Nacht vor der Zelle stehende Bosten Hofrichters Tun und Lassen genau überwachen kann. Wir neben im Anschluß hieran eine Schilderung des Lebens Hofrichters im Gefängnis, die von autheuttscher Seite stammt:
St Budapest, 8. Juni.
(Von unserm Korrespondenten.) lieber die jüngst gemeldeten Selbstmordversuche H o f r i ch t e r s hat ein ungarischer Journalist den Major Nawratil. den Di- rck.ch der MZllersdorfer Anstalt, interviewt, in der bekanntlich Hofrichter seine Strafe ab- büßt. Der Major hat sich bei der Gelegenheit folgendermmaßen geäußert: Hofrichter ist völlig gesund; seit der Zeit, wo er hier ist, nahm er kein einziges Mal unseren Arzt in Anspruch. Hofrichter bewohnt eine Offiziers zelle des Parterres im Gebäude O. Dieser Raum ist beiläufig so groß wie ein größeres Kabinett. Hofrichter war int Anfang sehr verbittert, später aber Hat ihn die Langeweile schier wahnsinnig gemacht. Er bat mich, ich möge ihn in der Anstaltskanzlei be° schäfttgen. Ich konnte dies nickt tun. ließ ihm aber einen Schreibtisch und Schreibrequisiten in seine Zelle schaffen. Meine Güte mißbrauchte er aber: Er korrespondierte mit seinen Angehörigen und arbeitete einen großzügigen Fluchtplan au«, der mir jedoch zur Kenntnis kam. Die Folgen hiervon waren, daß ick ihm fünf Tage Dunkelarrest geben mußte. Im Lause eines Monats verübte Hofrichter zwei Selbstmordversuche. Zwei Wochen nach dem Fluchtplane bat er mich um die Erlaubnis, dar Netzbinden erlernen zu dürfen. Er schmuggelte nun täglich einige Faden Baumwolle in seine Zelle. Einmal, gegen elf Uhr nachts, vernahm ich Lärm und eilende Schritte. Böses ahnend, kleidete ich mich rasch an. Die Tür der Zelle HofrichterS stand offen, und aus der Zelle hörte ich die Stimme des Gefängnisarztes, der sich um Hofrichter bemühte. Er lag totenbleich auf seinem Lager, und eine breite rote Strangulierungsfurche deutete auf den Selbstmordversuch hin. Für diese Tat erhielt Hofrichter zehn Tage Dunkelzellenhaft. Kaum vier Wochen danach versuchte er sich mit einem Handtuch auf dem Kleiderstock zu erhängen, wurde aber gerettet. Hierfür erhielt er wieder eine Strafe. Vor einigen Tagen gestattete ich zum ersten Male, daß Hofrichter den Besuch seiner S ch w e st e r empfange. Datz Wiedersehen war erschütternd, und Hofrichter schluchzte herzbrechend. Nach diesem Besuch wollte er lange keine Nahrung zu sich nehmen. Ununterbrochen tobte und weinte er. Er ist ganz gebrochen, mager und bleich, und die Aerzte fürchten, daß er die Strafe nicht lange mehr erttagen wird.
khampaguer und Revolution.
Täglich eine halbe Million Kosten.
Wie aus Bar für Aube berichtet wird, sind gestern einige Gruppen Weinbauern, die die Schüsse manövrierender Truppen für Signale hielten, gegen die Stadt marschiert, wur- den aber unterwegs von Gendarmen und Truppen angehalten und zum Rückzug gezwungen. Unter den Geschäftsleuten von Bar tot Aube herrscht lebhafte Mitzstimmung gegen die Gendarmen und Soldaten, Zahlreiche
Kaufleute der Lebensmittelbranche . weigern sich, den Gendarmen und Truppen Lebensmittel zu verkaufen. Die Behörden haben sofort Maßregeln gegen diesen Boykott verfügt, lieber die augenblickliche Lage gehen uns folgende telegraphische Meldungen zu:
$ Paris, 9. Juni.
(Eigene Drahtmeldung.)
Der gestrige Abend und die Nacht sind in Var für Aube und dem ganzen Winzergebiet ohne Zwischenfälle verlaufen. Als die Truppen abends in die Kasernen zurückkehren wollten, traf allerdings ein.Meldereiter ein mit der Nachricht, daß die Bevölkerung in Co- lombci sich unter Absingung der Internationale zufammengerottet und ein großes Feuer am Eingang der Ortschaft angezündet habe. Zwei kurz darauf eintreffende Reiter bekundeten, daß auch die Weinbauern von Vo i g n y sich zufammengerottet und mit den Bewohnern von Colombei zusammen in Marsch gesetzt hätten. Auch aus anderen Ortschaften kamen gleiche Meldungen, doch scheinen die Kundgeber ihre Absicht, nach Bar für Aube zu ziehen, wieder geändert zu haben, denn sie kehrten später ruhig in ihre Ortschaften zurück. Dem „Petit Journal- zufolge belaufen sich die Kosten der durch die Winzerunruhen erforderlichen militärischen Besetzung des Champagnergebiets auf täglich rund eine halbe Million Francs. Die bisherigen Gesamtkosten betragen bereits dreiundzwanzig Millionen Francs. In der Deputiertenkammer wurde gestern die von der Regierung gebilligte einfache Tagesordnung in der Angelegenheit der Winzcrvorlage mit erheblicher Mehrheit angenommen. Die Regierung hat sich bereit erklärt, in Zukunft keine w eiteren Abgrenzungen im Champagner-Gebiet vorzunehmen.
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Paris, 9. Juni. (Telegraphische Meldung.) In St. Deuys entstand in der vergangenen Nacht zwischen mehreren sozialistisch-revolutionären jungen Leuten, die an einer Versammlung teilge- nommen hatten und einem Gemüsehändler NamenS Mutal ein Streit. Mutal verwundete einen Sozialisten lebensgefährlich durch Messerstiche, worauf der Sozialist ihn durch einen Revolverfchuß tötete. Der Täter wurde verhaftet.
SaMnettsItife in Belgien.
DaS Ende der Aera Schollaert.
(Telegraphische Meldungen.)
Das belgische Kabinett Schollaert hat nun, nach einigem Schwanken, gestern doch seine Entlassung gegeben und der König hat die Demission angenommen. Eine andere Lösung der Krise, die durch die Berattmg des Schulgesetzentwurfs ausgebrochen war, war nicht mehr möglich, nachdem am Donnerstag nachmittag ht der Kammer der Führer der Altklerikalen das Ministerium im Stich gelassen hatte, indem er sich g e g e n eine Durchberatung des Gesetzentwurfs in einer Spezialkommission erklärte. Der Entschluß zum Rücktritt wurde nach einer Konferenz gefaßt, die der KabinettSchef gestern mittag mit dem König hatte, lieber die Ausnahme der Demission wird uns telegraphisch berichtet:
8 Brüssel, 9. Juni..
(Privat-Telegramm.)
Der KabinettSchef Schollaert verlas die ministerielle Erklärung über die Demission gestern nachmittag bet Begin« der Kammersitzung. Sie wurde seitens bet Rechten teilweise mit Hochrufen auf Schollaert, teilweise mit Entrüstungskundgebun- gen ausgenommen. Einige katholische Abgeordnete drangen mit geballten F äuste n gegen die Rednertribüne vor. Die Linke (besonders die Sozialisten) brachte Hochrufe auf das allgemeine, gleiche Stimmrecht aus, während die Liberalen Pereatrufe gegen die Klöster ausstießen. Auf der Linken herrschte große Befriedigung, da es ihr zum efften Mal gelungen ist, den Sturz eines Kabinetts herbeizuführen. Der König hat (wie verlautet) bereits verschiedene Peffönlich- teiten empfangen und mit ihnen wegen der Neubildung des Kabinetts konferiert. Das neue Kabinett wird allem Anscheine nach unter Vorsitz des jetzigen Kammerpräsidenten Cootemans zustandekommen. Die Demission des Kabinetts wurde in der Stadt mittels Extraausgaben verschiedener Blätter bekannt und von der liberalen Bevölkerung auf das freudigste begrüßt. Zahlreiche Liberalen beflaggten ihre Häuser, und die liberale Presse bffngt Atttkel, in denen der Sieg bet Opposition gefeiert wird.