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1. Zayrgang

Nummer 153

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hessische pbendzeitung

Csflrirr Abendzeitung

Ferasprecher 951 und 952.

Sonntag, den 4. Juni 1911

Fernsprecher 951 «nd 952*

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trachten.

Sein neues Kaiserschloß!

hängnisvoll werden können.

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fein ewiger Liebe die Geschichte wechseloollen Schicksals eingegraben!

Was uns geblieben, ist das Produkt histo­rischer Entwicklung, die in der Zeiten Wechsel Sturm und Sonnenschein sah und bedingt war von den Richtlinien der K u l t u r, die das Ideal traumhafter Seligkeit dem Menscheuauge im Bild der Erkenntnis zwar näher brachte, es den Herzen aber entfremdete und die See­len einsam werden ließ. Wir denken deut, von der Kulturwarte des zwanzigsten Jahrhunderts herabblickend auf die Wildnis geistiger Ver­gangenheit, an das Pfingstgeist-Wuuber zu­rück wie an einen beseligenden Traum, d'sien Zauber in der Seelenstimmung zartesten Sai­ten wie eine ferne Melodie aus Engelmund noch leise nachklingt. Wjr erbauen uns an der Ennnrung froher Kindheittage, da des Gei­stes Schwingen, unberührt vom Hauch der Welt, sich zum beglückenden Flug ins Reich frommer Andacht und gläubigen Vertrauens entfaltenen und die Seele in keuscher Scheu und anbetender Bewundrung erschauerte. Das war des Herzens Reine, in die sich einst des Pfingstgeists Allgewalt ergab. mit ücer Straft

Der Kaiser, Wiesbaden und Wilhelmshöhe.

Durch die Presse ging dieser Tage die (auch von uns gebrachtes Nachricht, daß in der Wie sbadencr Gesellschaft der Plan bestehe, dem Deutschen Kaiser ein neues modernes und komfortables Schloß als Ge­schenk anzubieten. Es bestehe die Absicht, an Stelle deS bisherigen Paulinenschlößchens in Wiesbaden einen neuen Bau zu errichten, zu dem die Stadt den Platz hergeben werde, während die Baukosten von privater Seite auf­gebracht werden sollten. Inzwischen hat sich aber herausgestellt, daß die Meldung nicht zutrifft. Es wird uns darüber depeschiert:

Wiesbaden, 8. Juni.

Die durch einen Teil der Presse gegangene Meldung von der angeblichen Errichtung eines neuen Kaiserschloffes in Wiesbaden trifft nicht

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tteCasseler Neueste Nachrichten" erscheinen wichentlich sechsmal uni zwar abend». Der Sbonnementsprei» betrügt monatlich 50 Psg. bet freier Zu. stellung in» Hau». Druckerei, Verlag u. Redaktion: Schlachthoffiraße 28/30. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon-. Amt IV, 676.

geistrung-trunknen Stunden jener wunderbaren das Weltgebäude erfüllte und die Niedrigkeit Hoffnung-Erfüllung, da in der Menschen sterb- menschlicher Knechtschaft zu den höchsten Höhen liche Herzen der Geist himmlischer Kraft und idealer Verklärung emportrug. Wir ahnen göttlicher Glück-Erkenntnis ausgegossen warb. diesen Geist; Baum und Strauch, Blume und Zwei Jahrtausende haben in die ehernen Ta- Blüte künden ihn, Fels und Meer pr>bigen

ZnserttonSpreise; Di- sechSgespaltene Zeile für einheimische Teschüfte 15 Pfg., für auswärtig- Jnf-rat- 25 P! Rillamezeile für einheimilch- Ee. schäfte 40 Pf., für auswärtige 60 Pf. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 616.

zu. Es handelt sich bei der Nachricht lediglich um eine Idee, die seinerzeit austauchte, als bas neue Kurhaus fertiggestellt und das Pau- linenschlöhchen, das bis zu dieser Zeu als provisorisches Kurhaus diente, für eine anderweitige Verwertung frei wurde. Damals tauchten verschiedene Pläne auf, unter andern auch der, das Schlößchen dem Kaiser als Geschenk a n z u b i e t e n. Diese Idee blieb auch Jahre hindurch lebendig, ohne daß jedoch in den maßgebenden Kreisen der Stadt Wies­baden irgend welche Schritte zu ihrer Verwirk­lichung unternommen worden wären. Zudem würde der hohe Wert des Terrains ein sehr großes Hindernis bei allen ernsthaften Reali- siernngsversuchen bilden. Es ist infolgedessen gar nicht daran zu denken, daß der Plan in absehbarer Zeit einmal zur Verwirklichung ge­langen könnte. Zudem soll auch der Kaiser selbst, dem von der bestehenden Absicht Mit­teilung gemacht worden war, sich dagegen ausgesprochen haben. Der Kaiser bemerkte bei der Gelegenheit, daß er beabsichtige, zukünftig im Sommer den Aufenhalt in Wilhelmshöhe langer als es bisher üblich war, ouszudehnen, wodurch die Zeit seines Aufenthalts in Wies­baden sich ohnehin verringern iverbe; Diese Absicht des Kaisers machte den alten Plan der Wiesbadener, ein neues Kaiserschloß zu er­richten, plötzlich wiederaktuell", ohne daß in­dessen die Möglichkeiten der Verwirklichung sich verbessert haben. Man darf deshalb heute den Kaiserschloß-Plan als endgültig abgetan be­

fehle Wunderkraft, und wenn wir am Tug der Pfingsten sinnend wandern durch bin Garte» menschlicher Kultur, spüren wir sein Regen auch tief im eignen Herzen: In der Sehnsucht nach dem Unbewußten und Ungenannten, dem das Weltall untertan . . .! F. H.

Mecham Md Unterhaus.

Unstimmigkeiten" im preußischen Landtag?

Berlin, 3. Juni. (T e l e g r a m ni unsers Korrespondenten.) Dos preußische Herrenhaus wird am sech­zehnten Juni zusammentreten und etwa fünf Sitzungen abhaltcn, in denen eine Reihe kleinerer Vorlagen sowie das Gesetz über die Feuerbestattung und die Zweckverbandsgesetze zur Erle­digung kommen sollen. Gegen die Zwcck- verbandSgesetze macht sich in Herrenhaus- kreisen eine scharfe Opposition be- merkbar, und eS ist nicht ausgeschlossen, daß das Gesetzwcrk noch an dieser letzten Ecke" zum Scheitern kommen wird.

Unser parlamentarischer S> -Mit­

arbeiter schreibt uns dazu: Das preußische Herrenhaus muß stets etwas besonderes habe». Jetzt, da Reichstag und Abgeordnetenhaus in die Ferien gegangen sind, fängt es plötzlich an zu arbeiten. Noch bis unmittelbar vor Pfing­sten hgt die Zweckverbandkommisston des Her­renhauses getagt, und gleichsam um zu be­weisen. daß das Herrenhausauch noch da" ist, hat die Kommission die Vorlage des Abgeord­netenhauses so zerpflückt, daß sie sich damit den Unwillen des konservativen Abgeordneten von Pappenheim zugezogen hat. Sollte sich das Plenum des Herrenhauses den Beschlüssen der Kommission anschließen, so ist in der Tat noch nicht abzusehen, wann das Gesetz zustan- dekommen wird. Zunächst müßte die Vorlage dann wieder an das Abgeordnetenhaus zurück­gehen und ob dieses die Aenderungen des Herrenhauses gutheiße» würde, muß indessen recht zweifelhaft erscheinen^ Es liegt also die Gefahr nahe, daß sich zwischen Herrenhaus und Abgeordnetenhaus ein recht unterhaltsames Fangballspiel entspinnen kann, und es zeigt sich hier wieder einmal, wie Herrenhaus und Abgeordnetenhaus (obwohl beide eine ausge­sprochen konservative Grundtendenz ha­ben) in vieler Hinsicht doch starkdivergie- ren. Die Konservativen des Abgeordneten­hauses sind ein ganz anderer Schlag als di« des Herrenhauses, und der Einfluß, den sie auf­einander ausüben, ist nur sehr gering. Das zeigte sich ja auch schon im Vorjahr bei der Beratung der Wahlrechtsvorlage. Uebrigens kann man ähnliche Beobachtungen auch bezüg­lich der Reichstags- und Landtagssrattionen machen. Beispielsweise trägt die nationallibe­rale Reichstagsfraktion ein ganz anderes Ge­präge als die Frastion des Abgeordnetenhau­ses, und so offenbart sich der Unterschied des Wahlrechts auch in der politischen Stimmung der Gewählten. Nach Lage der Diitge besteht jedenfalls die Gefahr, daß den Zweckverband- gesetzen fund möglicherweise auch der Feuer­bestattung!) an derOberbaus-Ecke" noch ernste Schwierigkeiten drohen; Schwierigkeiten, die bei der eigentümlichen Konstellation der gesetzgebenden Faktoren in Preußen unter Um­ständen für das Schicksal der Gesetze bet«

Dar Fest der Geister.

Zwei Jahrtausende Pfingst-Bergangenheit.

Nach der Weihenacht der Liebe und den Ostern der Freude die Pfingsten des Geistes; nach der Hoffnung düstrer Wintertage und dem Jubelgruß des werdenden Lenzes der frohe Genuß voll erblühter Sommerpracht: Es liegt ein tiefet Sinn in dem fßfing ft gebauten deS FestS des Geistes, und der Zauber, her die Legendenpoesie der Pfingsten umwebt, birgt das Rätsel menschlichen Herzensehnens in feiner idealsten Erfüllung. Die Dankbaikeil der auf Erden Lebenden vorm unsichtbaren Schöpfer sprießender und blühenger Natur schuf einst der Pfingsten Jubelfest als Opfertag der Freude, als Danktribut menschlichen Stre­bens angesichts deS Segenspenders, der aus dem Keim winzigen Korns vielhundertfältig der Arbeit Lohn in goldnen Früchten gedeihen ließ und die Mühsal irdischen Schweißes mit der Freude glücklicher Ernte lohnte. Christ­liches Empfinden vergeistigte später das Sym­bol der Dankbarkeit durch den kirchlichen Voll­endungsgedanken, der in der Ausgießung des belebenden Geists auf der Jünger bartende Schar poetischen Ausdruck sand: Der Geist des

Todbezwingers, der Kreuz und Grab über­wunden, und im Aufstieg zur Höhe sich losge­löst vom Jammet dieser Erde, er erfüllte die Seelen der Verwaisten, entzündete in ihren Herzen den göttlichen Himmelsfunken unsterb- \ lichen Daseinbewußtseins und wandelte die Schwachheit menschlichen Zweifels zur todver- achtenden Heldentat gläubigen Vertrauens. Der Geist vollendete das Werk, das Selbstverleug­nung begonnen und Selbstopferung besiegelt hatte!

Hat in unfern Tagen, die von nüchternerer Daseinsauffaflung beherrscht sind, des Geistes ideale Kraft sich vermindert, sind wir begeiste­rungärmer, an Werten des Lebeninhalts dürs- tiger geworden? Der helle Geist pfingstlicher Freude flutet heut wie damals durch die Welt, umfunkelt von Sonnenglanz und Blüienvcacht, bejubelt von Vogelsang und Menschenhvmnen, und das Morgenrot, das in der Väter Tagen auf rosenrotem Flügel das Glück der Pfingsten durch die Lande trug, strahlt heut wie ehedem zauberhaft im Osten. Aber die pfingstliche Welt, die Gemeinschaft der Lebenden hat sich gewandelt: Der Idealismus, der einst die Menschheit aus den Banden knechtischer Ab­hängigkeit und vom Wahn brutaler Daseins­auffassung erlöste, ist unsrer Zeit fremd gewor­den, die harten Forderungen des Leben­kampfs gönnen dem auf der breiten Heerstraße der sozialen Gegenwart mühselig Pilgernden nur selten den flüchtigen Sonnenstrahl glück­lichen Sichselbstvergessens, lassen in der Mit- fagglut eines entnervenden und rastlosen Rin­gens um dc s Dasein kärgliche Güter die ideale

Freude am Zweck des Lebens kaum auflehnen und scheuchen den Frieden, des die Mensche» auf Erden teilhaftig werden sollte». Wohin das Auge schaut: Kampf und Leidenschaft, Groll und Hader, und im Tal des Lebens, von den Höhen hinabreichend bis zur Abgrundtiefe düstrer Niederungen, ächzt und stöhnt das Millionenheer der Sterblichen unter der brül­lenden Bürde der Sorge, von der Peitsche des Hungers immer wieder zu verzweifelter Kraft­anspannung getrieben. Ist hier der Geist noch wirksam, der einst in hoffende und vertrau­ende Seelen ausgegoflen ward?

Fromme Legende umzaubert den Geist der Pfingsten mit dem Strahlenkranz göttlicher Hoffnung-Erfüllung, in der sich Kraft und Frei­heit zum idealen Bunde einten. Die zagenden Seelen der Schwachen erhoben sich zum stolzen Bekennermut der Apostelsreudigkeit, überwan­den des Zweifels Anfechtungen in der uner­schütterlichen Zuversicht auf den Sieg des ver­klärten Ideals und wurden durch die Kraft m- nern Lebens zu Helden unvergeßlicher und un­vergänglicher Tat. Die Jahrhunderte, die w'i vom Sonnenland jener wunderbaren Zauber­tage trennen, sind auch am Ideal vergeistigter Menschenliebe nicht spurlos vorüber,gegangen: Manches Kleinod frommen Christenglaubens ward gedunkelt von der Wandelbarkeit irdi­schen Schicksals, der auch des Herzensehnens Traum und Inhalt untertan sind; die alles be­seligende Liebe, aus der der Born des Geistes guoll, dessen Urgewalt das Erdrund bezwang, hat manchen Wermuttropfen in sich aufnehmen, manchen Schwertschlag erdulden müssen, und das Idealbild weltverbrüdernder Menschenein­tracht, das wie ein ferner Siern üben» Erden- Tempel der Christenheit thront, ist unfern Ta­gen immer noch io unerreichbar, wie den be-

PrSfidenterrwechfel in Sicht?

(Telegramm unsers Korrespondenten.) Aus Berlin wid uns depeschiert: Dee Pründent des preußischen Abgeordnetenhauses,

Mngst-Lsuver

Das frührot küßt die Täler wach flus leisem Schlaf am Pfingsttagmargen And scheucht die Sehe!, die verdorgen Poch unter dichtem Llätterüach Der Dämm'rung letzte Schatten weben. Wie Geister vor des Meisters Zorn Lntflieh'n sie, während schon im Korn Lichtfrah des Mohnes Kelche beben.

And was entsproß der Lrde Schoß, freut sich der goldnen Strahlenspitzen, Sie schon durch wirre Wiuselritzen Warm überglüljn Gestein und Moos, jpnn weckt auch aus den jjlugeldecken Lin Strahl de» Suchsink, der im Pest Sioch festhockt und sich träumen Iaht, Wie gut nun bald die Kirschen schmecken!

Dort lugt vertraut zum blauen Leit Lin Lutsch' und lacht dem Licht entgegen, LH' er verliebt, und drum verwegen. Den Maibaum für sein Mädchen fällt. Vor ihrem Muster so» er prangen, Wie sie so wonnig, hold und schlanb: Sag', Sonne, wird zu süßem Dank M weicher Arm mich heut' umfangen?

Jetzt mahnt Len Glöckner auch ein Strahl And holt ihn fort zu seinen Glocken, halb schläfrig noch, doch voll frohlocken, Summt drauf ihr erster Ton ins Tal. And reicher tönt aus er,nein Munde Lald überall das pfingstgeläiit And ruft die Herzen, fromm betreut, Zu dankerfüllter feirrstunde.

Denn ahnungsfroh an diesem Tag Beschwingt ein heilig Zukunftshoffen, Lin ferner Lus, der sie getroffen, Der Herzen lauen Glelchmutschlag, Der Zwietracht Wogen, sie vrrbranden, And Trösterbotschaft, gottrntstammt, hat hell der Liebe Geist entflammt 5» allen Seelen, allen Landen...!

Alwin Römer

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