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Nummer 152

1. Layrgang.

Caflrler pdrndzntung

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Fttmsprecher 951 und 952.

Sonnabend, de« Z. Juni 1611. »> »»»

Lor der Kieler Woche.

Hinter den Kulisse« der Ministerbühne.

Alljährlich, wenn die (nicht nur sport­lich, sondern mehr noch politisch inhalt­reiche) Kieler Woche naht, taucht die Kunde von bevorstehenden Veränderungen in den hohen Regierungsstellen auf, und auS den politischen Ereignissen der jüng­sten Zeit werden alle Merkzeichen hervor gesucht, die auf den möglichenSatt" die­ser oder jener Exzellenz hindeuten. DaS ist auch in diesem Jahr wieder geschehen und es dürfte deshalb interessieren, Authentisches über den Stand der Dinge zu erfahren. Von politisch durch­aus zuverlässiger Seite wird uns geschrieben:

Irgendwer ist in dieser vorsommerlichen, politisch ertötend stillen Zeit auf den Gedan­ken gekommen, Herrn von Schorlemer- Li e s e r Rücktrittmöglichkeiten nachzusagen. Er hat dafür ein eiliges und sehr energisches Dementi einstecken müssen, und es ist erklärt worden, der Mann des Ackerbaus denke nicht im Traum an's Abschiednehmen. Man hat doch aberin parlamentarischen Kreisen" von dieser Möglichkeit gesprochen? Nun, diesepal' lamentarischen Kreise" haben ost ein eigentüm­liches Aussehen: Sie existieren weder in den Parlamenten, noch in den Vorhöfen der Rede­stuben, noch in den Wandelgängen des Reichs- vder Landtags; sie sind lediglich in der Phan­tasie gewisser Korrespondenzen-Schreiber und Berliner Bureaux" vorhanden, deren Gedan­ken» und Dorstellungsumkreis von keiner Tat- sachen-Hemmung beengt wird. ES sind bis­weilenAuch-Politiker" von jener Journali- sten-SpezieS, die in den Reichstaggängen mit Halbschuhen und Bändern daran promeniert, um an Ort und Stelle die Exterieurunterschiede zwischen Hehdebrand und Stadthagen mit gro­ßem Fleiß herauszutifteln. Dafür sind ihnen auf der andern Seite die Kompetenzen des Reichstags und des Abgeordnetenhauses unter Umständen so geläufig, daß sie sie nicht zu un­terscheiden vermögen. Dieselben Kreise sind es auch, die um den Potsdamer Platz herum auf den runden und eckigen Marmortischen mit Bleistift die Kabinettkrisenlösen", und die das Zivilkabinett natürlich im Schloß und nicht in der Wilhelmstraße suchen: Das sind die parlamentarischen Kreise" der Provinzblatt- Romanlik, deren politisches Kombinationsver­mögen unendlich ist wie der Horizont, der sich über der Metropole wölbt.

Herr von Schorlemer-Lieser bleibt also. Daß er gegangen zu werden ttn Begriff stand, hat ja eigentlich auch niemand (der etwas von der augenblicklichen Lage des Kabinetts wußte) je behauptet. Herr von Schorlemer-Lieser mutz überhaupt bleiben, den« es ist in Preu­ßen-Deutschland schlechterdings nicht Mode, Minister aus interimistischen Stellen aufs Altenteil ,u fetzen. DaS beweist fchon allein das dreifache Dementi, das hinter der so unschuldige Nachricht von seinem bevorstehen­den Rücktritt hergejagt ward. Herr von Schor­lemer-Lieser auf dem Posten der Landwirtschaft- Exzellen, als Jnterimisticum? Run ja; oder will jemand abstretten, daß er das ihm ziemlich fern liegende Amt alS Sprungbrett bc- nutzen soll, um sich nach der Mauserung aus früher« polttischen .Seitensprüngen" heraus für dasInnere" bereit zu halten? Und Herr von Dallwitz? In unterrichteten Kreisen heißt es,man" würde es nicht ungern sehen, wenn der Minister des Innern die in seinem jetzigen Amt gesammelten Kenntnisse und Er­fahrungen im Ressort für L a n d w i r t s ch a f i, Domänen und Forsten verwenden möchte. Nimmt man allen Ernstes Herrn von Schorle- mer-Lieser fürs Innere ins Auge, so hätte man auch den Schlüssel dafür, warum der Breslauer Polizeipräsident, Herr von Oppen, immer wieder als baldiger Nachfolger des Herrn von I a g o w genannt wird, denn Herr von Jagow hat auf die verschiedenenAnzapfungen" über seinen Rücktritt bei gegebner Zeit noch keine llare Antwort gefunden, trotzdem >r ja nicht nach den Zylinder zu greifen braucht, sondern nur in ein Präsidium einzurücken hat. Herr Von Oppen aber könnte als Berliner Polizei­präsident brillant unter einem Schorlemer-^ie- ser leben. _

Und Exzellenz Sydow? Hi-r ist aller­dings ein wunder Punkt int Kabinett und ... die Rechte weiß es! Eigentlich paßt Herr Sydow über die Matze« schlecht in die von dec ganzen rechten Seite ersttebte Zusammensetzung des Kabinetts. Er hat zuerst als Nachfolger StengrlS im Reichsschatzamt wider de« Stachel zu löken gewagt, und die ihn äußerst liberal-

verdächtig machende Nachlaßsteuer erfunden. Das Konzept wurde ihm aber damals so ver­dorben, daß er schon definitiv nach dem Zylin­der greifen wollte, als man ihn (weilman* eine Verdienste und Vorzüge durchaus nicht unterschätzte) wider den Willen der äußersten Rechten in den stillern Hafen des Handelsmi­nisteriums hinübersegeln ließ. Das Kriegsbeil gegen ihn war aber durchaus noch nicht begra­ben, und als Herr Sydow erneut liberale Schwächeanfälle bekam, mußte er die dreißig Minuten Religionsunterricht und die Neben­aufsicht des Herrn von Trott zu Solz in die Tasche stecken. Es entspricht durchaus der offnen und graben Art des Handelsministers, daß er dieser Tage ein Mißtrauensvotum gegen sich empfand, und wenn Herr von Beth- ntann Hollweg keine partielle Ministerkrise ha­ben will, so muß er sich beeilen, Herrn Svdow ebenso zur Seite zu treten, wie Herrn von Schorlemer-Lieser, wozu er in milder Form denn auch geneigt scheint, denn bei den Herbst- Versuchen der erneutenHomogenierung" wird Sydows Sessel ja schon sowieso fallen, weil die Exzellenz dann selbst nicht mehr mitmachen möchte. Herr Sydow sehnt sich nämlich nach Ruhe, und es ist schlechterdings nicht einzu- ehen, aus welchen Gründen man ihm den Feierabend mißgönnen lönn'e. Item: Tränen würden ihm nicht nachgeweint!

Und Herr von Bethmann Hollweg elbft? Die berliner und andern Spatzen pfei- en es von den Dächern, daß er zwar Zukunft- 'orgen hat, dabei aber rn höchster Stellegra- tissima" ist. Die verbreitete Version, er werde angesichts seiner jüngsten VerdiensteGraf" werden (woraus er sich nichts Besonderes ma­chen soll), war denn auch nichts anderes, als eine Nachricht, die auf der Straße lag, und die weiterzugeben auch deshalb überflüssig war, weil kein Mensch (zum allerwenigsten ein Reichskanzler-Ministerpräsident) seinem Schick­sal entgehen kann. Vielleicht haben wir uns aber auch noch ein bißchen hiermit zu gedulden, denn in der Zeit der sauren Gurken und See­schlangen wurden die wenigsten Grafen und Fürsten geboren. Natürlich wird noch etwas Wasser den Rhein hinunterfließen, bis 'ittn im Jargon der Geheimratecke bei Dresse! zu spre­chen) der großeKladderadatsch" in Szene geht, was vor dem Herbst (bis zu dem sich noch manches von selbst ändern kann) kaum zu er­warten ist. Bis dahin werden auch die Beine einiger Geheimratsessel morsch gewor­den sein. Im Auswärtigen Amt zum Beispiel ist längst ein Sessel überfällig, und Herr von Kiderlen-Waechter ist nicht bet Mann, der überflüssige Kostgänger duldet. ES heißt denn auch, daß der Herr Staatssekretär einsehen gelernt habe, daß es nur die verbrauchten Kräfte einiger Untergebenen stnd, die ihn hindern, gemeinsam mit Denen, die seine Tätigkeit nicht unterschätzen, für da» Land zu arbeiten. Daß man Aenderungen in diesem Winkel der Eigenbrödler merkt, darauf deutet schon hin, daß die Ratten daS sinkende Schiff zu verlassen beginnen, um Anschluß bei den Personen zu suchen, die Bülow int Auge hatte, als er die Reformbedürftigkeit deS Auswärti­gen Amts erkannt hatte. Ob diese Leutevon ehedem" jetzt endlich ans Ruder kommen? Im Auswärtigen Amt gibt es da und dort noch altmodische Kachelöfen, und hinter diesen pfle­gen ja oft Knüppel zu liegen, die man einem andern zwischen die Beine werfen kann, wenn man ... zu treffen versteht. *

Das Abenteuer im LlhnH.

Noch keine Nachricht von Richter!

Das Schicksal des von griechischen Räubern entsühnen deutschen Ingenieur - Richter ist noch immer zweiselhast. Man weiß zwar, daß Richter lebt, aber wie sich seine Frei­lassung schließlich gestalten wird, steht noch da­hin. Bisher liegt keine weitere Nachricht von Richter vor und es bleibt abzuwanen, ob die weiteren Bemühungen der Behörden um die Besreiung auS der Gewalt der Räuber von Erfolg sein werden. Vom heutigen Tage liegt uns über die seltsame Affäre folgende Trahtmeldung vor:

$ Konstantinopel, 2. Juüi.

Ueber das Schicksal des Ingenieurs Rich­ter sind gestern hier keine neuen Nachrichten eingetroffen. Die ganze Umgebung des OrteS der Entführung istvonTruppenbesetzt, die in kleinen Kolonnen die Räuber zu be­schleichen suchen, um sie in ihrem Versteck zu überrumpeln und Richter zu befreien. Diese Operationen bedingen natürlich große Vorsicht und stnd nur äußerst langsam durch- iufüBren. Der Minister deS Innern. Ebalil,

bestätigt, daß man den Aufenthalt Rich- tersnochnichtkenne. Trotzdem man in hiesigen maßgebenden Kreisen die Abneigung der Regierung, mit den Räubern zu paktieren versteht, befürchtet man, daß diese durch irgend­einen Zwischenfall Kenntnis von der Verfol­gungsaktion erlangen und einen Gewaltakt begehen könnten, der natürlich für Richter ver­hängnisvoll werden könnte, da es ausgeschlossen erscheint, daß der Gefangene Ingenieur von den Räubern lebend freigegeben werden wird, wenn ein unvorsichtiger Vorstoß der Truppen die Räuber in ihrem Versteck über- rumpeln würde. Richters Schicksal hängt also immer noch zwischen Leben und Tod.

Das Managua-Drama.

Hundertfünfzig Menschenopfer.

Die gestern von uns bereits gemeldete Explosionskatastrophe in Managua in Nicaragua wird jetzt auch in einem Tele­gramm bestätigt, das beim Staatsdepartement in Washington eingegangen ist. Es wird da­rin mitgeteilt, daß bei der furchtbaren Ex- ilosion im RLgierungsarsenal gestern nachmit­tag Hundwtfünfzig Personen ge­tötet wurden. Man glaubt, daß die Explo- ion das Resultat einer gegen die Regierung gerichteten Verschwörung war. Einzelhei­ten über die Katastrophe fehlen noch. Zu der Affäre wird uns weiter telegraphisch be­richtet:

c§3 Berlin, 2. Juni.

(Eigene Drahtmeldung.)

Im hiesigen ausivärtigen Amt ist in der vergangenen Nacht eine amtliche Nach­richt über die Explosion in Managua, bet Hauptstadt von Nicaragua, eingegangen. Nach bet amtlichen Meldung handelt es sich nicht (»le es von anderer Seite heißt) um ein Fort, das in die Lust geflogen ist, sondern daS Arsenal flog plötzlich in die Luft, und hundertfünfzig Personen wurden dabei getötet. In den Regietungskreisen in Nicaragua vermutet man, daß die Explosion durch Verschwöret angezettelt wor­den ist, die sich gegen daS augenblicklich herr­schende Regime erhoben haben. Die Regierung soll, wie es heißt, von den Umtrieben dieser Verschwörung auch Kenntnis erhalten, eS aber unterlassen haben, rechtzeitig entschiedene Maß­regeln zu ergreifen. Wie ein weiteres Tele­gramm meldet, gehörten zu den Verschwörern auch die Beamten des Arsenals und die Wache, die in die Pläne bet Attentäter ein- geweiht waren und sich, als der Anschlag be- vorstand, rechtzeitig in Sicherheit brachten. Die Explosion wat von furchtbarer Wir» k u n g : Die Mauern deS großen Atsenal-Ge- bäudeS wurden vom Erdboden weagefegt und mächttg« Steinquadern flogen kilometerweit durch die Luft. Der Platz, auf dem daS Ge­bäude stand, ist ein einziger Trümmer- Haufen, und von der gesamten Anlage ist nichts mehr vorhanden als ein wüste- EhaoS von Steinen und zerbrochenen Eisenträgern, die durch di« furchtbare Gewalt der Explosion wie Zündhölzer geknickt wurden. Die große Zahl der Menschenopfer erklärt sich daraus, daß in bet Nähe des Arsenals sich die dichtbevölkerten Wohnviertel bet ärmeren Bevölkerung befanben, deren Häuser ebensallS völlig zerstört wurden. Von den im Arsenal beschäfttgten Personen sind nur we­nige umgekommen, da die meisten sich als Teil­nehmer an bet Verschwörung rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatten. Die Regierung hat eine Anzahl von Personen, die im Ver­dacht stehen, an dem Anschlag beteiligt zu sein, verhaften lassen. Von anderer Seite wird berichtet, daß die Katastrophe auf die Un­vorsichtigkeit eines Atsenalarbei- terS zutückzufühten sei und nicht mit einem revolutionäre« Anschlag in Zusammenhang stehe, doch findet diese Nachricht wenig Glau­ben, weil alle Begleitumstände bei Katastrophe darauf hindeuten, daß da- Unglück plan­mäßig herbeigeführt worden ist.

Wettertatastropheu überall!

Die Unwetter der letzten Tage.

Die letzten Tage haben (wie wir fchon be­richteten) in einem großen Teil Europas schwere Unwetter gebracht, bi: stellen­weise furchtbare Verheerungen und einen nach Millionen zu berechnenden Schaden anrichte­ten. Allein im badischen Taubergebiet beläuft sich der durch die Wetterkatastropben der letzten Tage verursachte Schaden nach Mitteilungen von amtlicher Stelle auf mindestens acht Millionen Wlart Zur wetteren Hilelei- ftung sinh jvrwifchrn Pioniere aus Kebl ehtae-

troffen. Der Grobherzog von Baden weilte ge» lern in dem vom Unwetter heimgesuchten Ge­biet. Wie es heißt, soll für die schwer Geschä­digten eine staatliche Hilfsaktion ein» geleitet werden. Ueber die Wirkungen des Un­wetters in den andern heimgesuchten Gegenden berieten uns heute folgende

Privat-Telegramme

Metz, 2. Juni.

Hagelschläge, wie man sie seit Menschenge- denken nicht erlebt hat, gingen in den letzten Tagen über Lothringen nieder. In der S a a r- burger Gegend ist die ganze Ernte ver­nichtet. Jn Garsch schlug der Blitz in ein Haus und brannte es nebst Scheune nieder. Das Kind eines Eifenbahnbeamten erlitt dabei chwere Brandwunden. Die Felder von Königsmachern sind völlig verwüstet. Ge­tern herrschte starker Sturm, der ebenfalls gro­ßen Schaden angerichtet hat.

Junsbrnck, 2. Juni.

In Buers in Vorarlberg ist gestern ein chwerer Wolkenbruch niedergegangen; die Schesa durchriß die Dämme und richtete auf den Feldern arge Verwüstungen an. Das Wildschönau-Gebiet bei Kufftein wurd« von einem Hagelfchlag heimgesucht. Die Bäche md übergetreten und haben Wege und Brücke« zerstört. Ein großer Teil der Ernte ist total vernichtet und auf den Feldern ist die Acker­erde vom Wolkenbruch glatt sortgefchwemmt worden. Man berechnet den Schaden, der durch die Wetterkatastrophe angerichtet worden ist, aitf zwei Millionen Franxs.

Brüssel, 2. Juni.

Ein furchtbares Gewitter mit Hagelschlag hat die Gegend von V i r t o n heimgefucht und die gesamte Ernte vernichtet. Die Hagelkörner waren von außerordentlicher Grö- ße. Bei Halansi wurde ein vom Felde kom­mender Bauer durch den Blitz erschlagen. Auch hat der Blitz verschiedentlich gezündet und meh- tere Gehöfte sind in Flammen aufgegangen. DaS Unwetter dauerte von fünf Uhr nachmit­tags bis elf Uhr abends ununterbrochen an und eS war um fünf Uhr schon völlig dunkel. Auch auS bett übrigen Teilen des Landes werden ähnliche Wetterkatastrophen gemeldet, die gro­ßen Schaden angerichtet haben.

*

London, 2. Juni.

DaS gestrige Gewitter war das furchtbarste, daS feit Menschengedenken in London zu ver­zeichnen war. Zwanzig bis dreißig Entladun- gen wurden in der Minute gezählt. Sie waren begleitet von einem unaufhörlichen, batteric- feuerähnlichen Donnern. Unbeschreibli­ch e Szenen spielten sich itr Epsom ab, wo daS Gewitter unmittelbar nach dem Rennen au-brach. Die Straßen "zur Bahnstation wa­ren überflutet. Man mußte durch seeartige La­chen zu den Zügen waten. Soweit bis jetzt bekannt, sind acht Personen durch Blitzschlag getötet worden.

Ballon Ruttzenberg tm Sturm.

(Eigene Drahtmeldung.)

Hu8 Crefeld wirb uns depeschiert: Der auf der Crefelder Gewerbe-, Industrie und Kunstausstellung stationierte LcnkballonR u - thenberg" unternahm gestern abend gegen neun Uhr seine erste Probesahrt. Unweit von S.. TöniS, etwa zehn Kilometer von Cre- selb, wurde daS Luftschiff in einer Höhe von dreihundert Metern von einer Böe erfaßt. Die Steuer versagten, sodaß das Luftschiff vom Winde willkürlich getrieben wurde. Hierbei brach der HaupttrSger zwischen Gondel und Hülle. DaS Luftschiff wurde in der Mitte völ­lig geknickt, sodaß die beiden Ballonenden in schräger Richtung zum Himmel ragten. ES landete schließlich in schneller Fahrt inmitten eines Roggenfeldes,. Die Insassen, der Führer und ein Ingenieur blieben unver­letzt. Das Luftschiff mutz völlig abmontiert werden, da es durch den gestrigen Unfall ge- brauchsunfShig geworden ist.

Des Kaisers Dank.

Mein lieber von Bethmann Hollweg!"

Keine Grafenkrone (die er selbst nicht moch­te), aber ein Kaiserbild In Oel und in goldfunkelndem Rahmen hat der Reichskanzler von Bethmann Hollweg als Preis des Siegs im jüngsten ParlamentStournier erhalten: Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung verösfentlicht jetzt die anläßlich der Vollendung der elsatz- lotbrinaischen Verfaffunareform und bet