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Casseler Neueste Nachrichten

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der Kir- den Weg

Schnäbel Sonnen«

dern stecken schlaftrunken wieder ihre unter die Flügel, wartend, daß der strahl rum Erwachen sie ermunt're.

Hell schlägt der melodische Klang chenawcken an mein C6r. Er findet

lassen, und zwar mit 166 gegen 120 Stimmen bet elf Enthaltungen. Nach weiterer Debatte wurde sodann auch der Rest des Gesetzes an­genommen. Am heutigen Mittwoch stehen klei­nere Vorlagen auf der Tagesordnung, nach de­ren Erledigung sich der Reichstag bis rum Herbst vertagen wird.

zn meinem trauten, träumerischen Plätzchen, alte, wehmütige Erinnerungen in der Tiefe meines Herzens weckend. Mir ist's, als neige die Trauerweide dort am Uferrand noch melancholischer ihre Aeste zur Erde, als streb­ten ihre Zweige noch schwermütiger dem Wasser entgegen. . . Der letzte Ton der Glocken ist verklungen. Der kurze, schwere Bann weicht von meiner Seele, und ick böre nur noch dos Jauchzen der Vogel, meine Au­gen schauen nur noch die Pracht, die mick> um­gibt. Langsam, das Herz voll Glück, wandre

nicht mehr erfüllen konnte, vertraute sie sich die­ser an. Die Freundin war vernünftig genug, die Polizei zu benachrichtigen, die die Verbre­cher beim Kartenspiel überraschte und festnahm. Das Verbrechertrio ist schon vielfach schwer vor­bestraft. Bet der ganzen Affäre scheint auch die Frau Meher zum mindesten eine etwas eigen­tümliche Rolle gespielt zu haben. Zu der Ver­handlung, für die drei Tage in Aussicht ge­kommen sind, hat die Staatsanwaltschaft gegen zwanzig Zeugen laden lassen, darunter verschie­dene Kriminalbeamte aus Berlin. Volles Licht über die dunkle Geschichte wird man wohl nicht erfahren, da aus Gründen der öffentlichen Sitt­lichkeit die Oeffentlichkeit während der ganzen Dauer der Verhandlung ausgeschlossen bleiben dürste.

Aus den Parlamenten.

Der Deuffche Reichstag

setzte gestern die dritte Lesung der Reichs- versicherungsordnung fort und nahm das dritte Buch (das von der Unfallversicherung handelt) fast durchweg in der Fassung der zwei­ten Lesung an; nur wurde die Bestimmung über die zivilrechtliche Haftung der Unterneh­mer autzerhalb dieses Gesetzes, die damals zu­gunsten der Versicherten abgeändert worden war, mit 203 gegen 97 Stimmen nach den Be­schlüssen der Kommission wiederhergestellt. Beim ersten BuchInvaliden- und Hinterblie­benenversicherung, wurde ein sozialdemokrati­scher Antrag, die Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre herabzusetzen, mit 170 ge­gen 119 Stimmen bei neun Enthaltungen ab­gelehnt, ebenso ein steisinniger Antrag, die Herabsetzung vom Jahre 1917 an eintreten zu

Das Abgeordneten haus erledigte gestern eine Reihe von Petitionen, die Wunsche verschiedener Beamtenkategorien be­trafen, ohne wesentliche Erörterung. Es folgte eine Reihe von Petitionen über die Erbauung neuer Eisenbahnstrecken und hieran schlotz sich die zweite Beratung des Eisenbahn-An- egesetzes. Die zweite und auch die dritte Lesung der Sekundärbahnvorlage wurde ziemlich schnell erledigt. Am Schlüsse der Sit­zung, als der Präsident' die Vertagung vor- sihlug, machte der Konservative von Pappen- betm noch einen kleinen Vorstoß gegen das Herrenhaus, dessen Dispositionen bei der Beratung der Zweckverbands-Vorlagen mcht seinen Beifall hatten. Das Haus ging dann in die Pfingstferien. Es wid erwartet, daß der Landtag spätestens am ersten Juli g e- s chl o s s e n werden wird. Im Herbst wird er wieder zusammentreten, um den Wasserge­setzentwurf zu beraten.

Sie Politik des Soges.

-s> Reichskanzler und Reichsverband. (Pri- vattelegramm.) Durch feine Zustimmung zur elsaß-lothringischen Verfassungsreform (an der bekanntlich auch die Sozialdemokraten mitgewirkt haben) hat sich der Reichskanzler den Zorn des Reichsverband es gegen dre Sozialdemokratie zugezogen. Der erste Vorsitzende des Verbandes, General vo n Llebert, wendet sich in einer Zuschrift an ptePost voll Entrüstung gegen die Darstel- lung, daß sich ein Block von Siebert bis Lede- bour, eine Mehrheit für die reichsländische Ver- jassung gebildet habe.Ich muß auf das ent­schiedenste Protest dagegen erheben, daß ich für die Annahme der Verfassung gestimmt hätte. Der stenographifche Bericht erweist deutlich meine Abstimmung mitNein". Als alter Krie- aer von 187071 würde ich es mir nie verges­sen können, dieses politische Experiment mitge­macht zu haben. Ich überlasse die Verantwor­tung dafür Denjenigen, die die Mithilfe der So z i a l d e m o k r a t e n in Anspruch nahmen." Diese Anklage richtet sich gegen den Reichskanzler und den ganzen Bundesrat, und man darf gespannt fein, was darauf folgen wtrd.

Friede imZentrumsturm"? (Privatte­legramm.) Wie uns aus K ö l n berichtet wird, hat sich die Disharmonie in der Z e n t r u m s- 'raktion des Reichstages anläßlich der reichslandifchen Verfassungsfrage nach einer Mitteilung derKölnischen Volkszeitung" in Harmonie aufgelöst. Die Zentrumsfraktion des Retchsiags hielt nämlich am Montag ihre letzte Fraktionssitzung vor der großen Som- Ervertagung ab, die als schöner, erhebender Abschluß der arbeitsreichen Session in eine harmonische Kundgebung zur Einigung der Fraktion und Partei ausklingen konnte. Aus der Mitte der Versammlung heraus wurden Worte der Einigkeit gesprochen und der stell­vertretende Vorsitzende, Prälat Dr. Schädler, bekräftigte dies. Auch die seinerzeitigen Mei­nungsverschiedenheiten zwischen Dr. Heim und der Fraktion sind in harmonischer Weise aus­geglichen.

s> Das Paradies der Korruption. (Privat­telegramm.) Depeschen aus Paris zufolge sind aufgrund der in den verschiedenen mini­steriellen Departements angestellten Untersu- chungen scharfe Maßnahmen gegen eine An- zahl von Beamten verfügt worden, und zwar speziell gegen die staatlichen Aufseher von Rennplätzen. Diese erhielten als Staatsbeamte Gehälter bis zu 6000 Francs. Wie nunmehr erwiesen ist, waren die Aufseher zugleich Angestellte von Rennstall- desiHern und erbielken als solche Gehälter

ich zurück »um stillen Heim, und selbst zu Hause, im düfter'n Gemach, hält das Singen und Klingen in meiner Seele an.Das ist der ewig neue Zauber der Natur . . .!

Minny Jäger.

b's zu 8000 Francs. Dieser Mißbrauch soll künftig dadurch befestigt werden, daß den be­treffenden Beamten verboten wird, Stellunaen bei Rennstallbefitzern anzunehmen.

ä1 Skandale und kein Ende! (Privattele­gramm.) Aus Cherbourg (Frankreich) wird uns depeschiert: Wegen Lieferung un­brauchbaren Schiffsmaterials wurde gegen die Firma, die den Bau des Unterfeebootes Gustave Gueste" ausgeführt hat, Klage erho­ben. Die Schiffsplatten wurden feinerzeit als nicht gebrauchsfähig befunden und zurückge- wiefen. Die von der Firma gelieferten Ersatz- platten sind ebenfalls unbrauchbar. Wie es beißt, wird gegen die Firma eine strenge Stra­fe verfügt werden.

Sos Neueste aus Gaffel

Pfingftbrikuche in Hessen.

Das Fest der Sonne".

Die von altersher überkommenen Pfingft- gebräuche werden heute nur noch in ein­zelnen Gegenden gepflegt. Wohl kann man in vielen Ortschaften allerdings die Beobachtung machen, daß die Hausfrau das Haus mit Maien schmückt, die eigentlichen Pfingstge- bräuche dabei aber außer Acht läßt. Den Hessen haben sich die alten Gebräuche in reichlichem Maße erhalten. Allgemein wird hier das Haus mit dem frischen Grün der Sirte geziert, im Innern und außen. Unter klingen­dem Spiel (so berichtet Oberlehrer Grebe in der Hessischen Landes- und Volkskunde") zieht die Jugend hier und da im Parademarsch zum nahen Gemeindewald, um die Maibäume zu fällen und die Wohnstätten damit zu schmücken. Pfingsten ist allgemein das Fest der Freude. Hat doch der Beherrscher des Sommers endlich den vollen Sieg über den Winter davon ge-

dem Truppenübungsplatz zur selben Zeit Typhus ausgebrochen. Es wurden

Maßnahmen getroffen, um ein weiteres Ugt- ichgreifen der Seuche zu verhüten.

rr Erdbeben im Rheinland. Gestern abend nach achteinhalb Uhr wurden in A a ch e n meh-

sind die Ansichten der Spezialforscher bekannt­lich geteilt; Professor Klatsch glaubt eine Vorstufe des Neandertalmeuscheu zu erkennen, während andere Forscher den Schädel von ei- - item menschenähnlichen Affen herstammen las­sen.

t£ü Der Halle'sche Studenten-Krieg. Wie uns ein Privattelegramm aus Halle an der Saale meldet, hatte der Senat der dortigen Universität der Freien Studenten­schaft aufs Bestimmteste die Auflösung ange­droht, wenn sie sich nicht bis zum dreißigsten Mai bereit erklären werde, Mitgliederlisten aufzulegen. Trotz der Weigerung der freien 1 Studentenschaft ist die Auflösung indessen bis heute noch nicht erfolgt; gleichwohl beschloß die = Studentenschaft, einen Verband zu gründen und sich bei dem Kultusminister zu beschweren.

L Der Librettist desMikado". Sir Wil- : liam Gilbert, der Librettist desMikado" ist in London gestorben. Sir Gilbert ist in , l tragischer Weise ums Leben gekommen. In - seinem Landhaus in Grisdyk nahm der fünf- : undsiebzigjährige Greis ein Schwimmbad, und - wahrscheinlich ereilte ihn infolge eines Her;- J schlages der Tod im Wasser. Sir William Gil- 1! bert erfreute sich inEngland großerPopularität, 1 sowohl als Verfasser einer Art englischer Mar und Moritz-Balladen wie als Tertdichter Sul- 1 livans, für den er nicht nur denMikado", son­dern außerdem :och .-ine große Reihe Operetten­bücher geschrieben hat..

L Immer derselbe! Einer Nachricht auS Rom zufolge soll eine Verkäuferin in einem Mailänder Geschäft gegen Caruso eine Scha­denersatzklage in Höbe von 200 000 Mark we­gen Bruchs des Eheversprechens angestrengt haben. Caruso hatte dem Mädchen, das er auf einem Spaziergang kennen gelernt hatte, uni mit dem er bann ein Verhältnis anknüpfte, ver> ; sprachen, sie zn heiraten. Später, als derViel- ] geliebte" dann derzarten Bande" überdrüssig - geworden war, löste er das Verhältnis kurzer« » band auf und ließ die Enttäuschte sitzen, die 3 nun vor Gericht die ihrem Herzen geschlagen« 1 Wunde mit dem rechtschaffen hohen Preis von | 200 000 Mark bewertet.

Neues vom Soge.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.) ~ An der Brücke kollidiert. Bei einem Ausflug, den mehrere Schulklassen vonCöpe - nick bei Berlin gestern mit ihren Lehrern auf einem Dampfer nach Rüdersdorf unternah­men, kollidierte der Dampfer bei der Wolfers­dorfer Schlenfe mit der aufziehbaren Brücke, fodaß das Sonnenzelt vollständig zerstört wur­de. Dabei sollen mehrere Kinder teils schwere, teils weniger schwere Verletzungen erlitten ha­ben. Unter den Kleinen entstand eine Panik, und nur dem tatkräftigen und umsichtigen Ein­greifen des Schiffspersonals und der Lehrer gelang es schließlich, ein vielleicht unüberseh­bares Unglück zu verhüten.

iXX Abermals: Eine Torpetobootskatastro- Phe! Die TorpedobooteS 64" undS 65" kol­lidierten bei einer Uebung in der Kieler Außensöhrde.S 64" erhielt ein Leck und sank mit dem Vorderteil. Das Boot konnte sich mit dem Achterteil über Wasser halten und wurde vonS 66" nach Kiel geschleppt.

~ Das Unglück bei derKönigsbesichti- gung". Bei der Besichtigung des Feldartille­rie-Regiments Nummer 12 durch König Friedrich August erfolgte ein Unfall, als ein Stellungswechfel vorgenommen wurde. Vier Kanoniere wurden von einem Geschütz umgeworfen. Zwei erlitten Unterschenkelbrüche, einer Verrenkungen des rechten Ellbogens und einer eine Armquetschung. Alle vier mußten ins Garnisonslazarett gebracht werden.

- Der Neunjährige als Selbstmörder? In Hüls Weiler (Rheinprovinz) hat sich der neunjährige Sohn eines Bergmannes, der sich mit mehreren gleichalterigen Knaben eine Pi- tole gekauft hatte, durch einen Schuß in den Unterleib getötet.

' xr Das Unwetter im Taubertal. Das Un­wetter im Taubergebiet hat geradezu verhee­rend gewirkt. Auf weite Strecken ist die Ernte völlig vernichtet. Die in G r ü n f e l d ertrun« lenen Perfonen kamen beim Einsturz ihrer Häu­er um, die von den reißenden Wassermassen weggefchwemmt wurden. In Paimar, wo fünf­zehn Personen ihr Leben eingebüßt haben, sind auch zweihundert Stück Vieh den Fluten zum Opfer gefallen. - In G a m b u r g an der Sau­ber wurden eine Brücke und zweihundert Säu­me weggerissen. Im Taubertal wurde vor al­lem die Gegend rechts der Tauber heimgesucht. Der Schaden läßt sich auch nicht annähernd abschätzen.

~ Die Landwehr von Metz. Zu der Massen­vergiftung unter den M e tz e r Landwehrleuten wird gemeldet: Die Urfache der Vergiftung, an der hundettfünfzehn Leute nach einer Land- Wehrübung erkrankten und einer starb, lag, wie etzt festgestellt worden ist, in dem Genuß von verdorbener Wurst, die teils aus der Kantine, teils aus der Küche des Truppen­übungsplatzes stammte. In Bitfch ist auf

kleines Feuilleton.

e- Casseler Hoftheater. Am morgigen Donnerstag geht im HoftheaterPreciofa" in Szene. Wie bereits bekannt gegeben, ge­langt das TrauerfpielArasPas" von S. Moriton von Mellenthin am kommenden Frei­tag zur Uraufführung. Beschäftigt sind die Damen Jähnett, Scholz, Selchow und Sttewe, und die Herren Alberti, Verend, BohnSe, Eggenburg, Groß, Hellbach, Herzberg, Iürgen- fen, Pickert, Wollmann, Zfchokke. Das Trauer­fpiel wird von Oberregisseur Hertzer in Szene gesetzt.

Residenz-Theater Cassel. Am Freitag beginnen die Vorstellungen auf der Freilicht­bühne mitElektra" von Hofftnannsthal. Dieses epochemachende Wett wird am ersten Psingstseiertage wiederholt. Auf eine wirk­same Beleuchtung der Szene ist besondere Sorgfalt verwandt worden. Die Lichtguellen werden auf dem Dache des großen Stadtvatt- saales montiert. Die Preise für das Freilicht­theater hat die Direktton ebenfalls herabge­setzt. Set ungünstiger Witterung finden die Vorstellungen im großen Stadtparksaale statt.

Der Fund in der Teufelshöhle. Man schreibt uns aus Schlüchtern: Der Schä­delfund in der Steinaner Teufels­höhle erregt das Interesse der wissenschaft­lichen Welt in sehr hohem Grade. Das anato- inische Institut der Göttinger Universität ent­sandte alsbald nach Bekanntwerden des Fun­des zwei Professoren an Ort und Stelle, um den Sckädel zu beftchttgen und die Fundum­stände festzustellen; ebenso bemübt sich Pro­fessor Klatsch-Breslau um die wissenschaft­liche Bearbeitung des Fundes. Vorerst hat das Königliche Museum in Cassel über den Fund iu verfügen. Ueber den Schädel selbst

Blendendweiß der Schneeballen. Mächtige Eichen, Buchen und Lärchen streben zum Him­mel, und daneben erfreut die Rot- ober Blut­buche mit ihren feinen rotgeäderten Blättern das Auge, mit ihrer roten Pracht weit hinaus über das saftige Grün ihrer Schwestern sich er­hebend. Da bedeckt roter Klee den Rasen; seine kleinen, niedlichen, weißgeränderten Blättchen wirken entzückend in ihrer Einfach­heit und Schlichtheit, und dicht daneben neigt schüchtern das Gänseblümchen fein beschcid'- nes Köpfchen. An manchen Stellen, wo des Schnitters grausame Hand den Rasen bereits des duft'gen Kranzes beraubt, recken schon neue Hälmchen verwegen und keck ihre Köpf­chen zum Licht.

Vor mir hüpft vergnügt eine Goldammer, ein allerliebstes und niedliches Tierchen, über den Weg, und in den Lüften herrscht eitel Jubel und Jauchzen. Der Specht klopft und hämmert an den Stämmen, und die Amfel lockt und ruft . . . Am Bassin angenommen, grüßt mir das mit frischem, saftigem Grün bedeckte Inselchen mit seinem allerliebsten Pa­villon entgegen. Eine Bank am Ufer, unter dem üppigen Laubdach dreier knorttger Bu­chen, lockt zu idyllischer Ruhe, zu Sinnen und Träumen in lauschigem Schatten. Ein Schwan steuert zu mir ans Ufer heran, mich klug mit seinen Aeuglein musternd; die an-

___________________Donnerstag, j, Juni 19ii. | rere heftige Erdstöße verspürt, wodurch «j» I genstände in den Wohnungen ins Schwanke» j gerieten. Teilweise fielen Gegenstände von de» 1 Wänden.

xx Die Tragödie eines Einjährigen. I» l Straubing (Bayern) hat sich der Einjäh. * rig-Freiwillige Arnold Weißbarth vom 7 1 Chevaurleger-Regiment aus Furcht vor Sira- I fe erschossen.

~ Maffenvergiftung durch Brunnenwasser. | Unter schweren Vergiftungserscheinungen sind 1 in G ro ß - So ltfeld im Kreise Flensburg 4 die acht Mitglieder der Familie des Landman- Z nes Jessen erkrankt. Zwei Kinder sind bereits 3 gestorben. Die übrigen Personen wurden in 1 das Diakonissenspital nach Flensburg gebracht. 1 Ihr Zustand ist sehr ernst. Die Ursache der 1 Erkrankung wurde in einem verseuchten 1 Brunnen gefunden.

x Ein seltenes Familienfest. In St. Ung< 1 konnte heute ein Gärtner die Taufe seines drei. 1 higsten Kindes feiern. Sein jüngster Spröß- 1 lmg stammt von feiner dritten Frau, nachdem I die beiden vorhergehenden zeitig gestorben sind 4 Von siebzehn Jungen und dreizehn Mädchen, 3 die der Gärtner bisher sein Eigen nennen i durste, sind zweiundzwanzig am Leben ge- 3 blieben. Der kinderreiche Vater hofft, daß der 1 dreißigste Sprößling nicht der letzte fei- I nes Namens gewesen ist.

~ Die neueste Eisenbahn-Katastrophe. Auf I einer Sekundärbahn stieß gestern bei C 0 m> | balyts (Frankreich) ein Pilgerzug, in 1 dem sich zahlreiche Mädchen befanden, mit ei- | nem anderen Zug zusammen. Drei Mädchen 1 wurden getötet und fünfzehn schwer verletzt. 1

~ Opfer der Flammen. In Ryckeversel | (Belgien) wurden gestern durch eine Feuers- j brunft fünf Farmen zerstört. Viel Vieh ist in I den Flammen umgekommen, drei Perfonen ha- 1 bett bei den Rettungsarbeiten ihren Tob ge- 1 funben.

XX Wo der Rubel rollt. Auf Veranlassung 1 se§ rebibierenben Senators Mobem fanben ge- 1 ftern in Petersburg in bett Fabriken und i bei ben Lieferanten, bie beim Bau ber sibi- rifchen Bahn beteiligt waren, Haussuchun- s gen statt. Darunter befanben sich bie bekannten - «roßen Puhilow-Werke unb die Verwaltung und die Fabrikräume ber AMen-Gefellschast 1 Siemens unb Halske. Die drei Direktoren der - hiesigen Niederlassung mußten der Hausfu- chung beiwohnen, während ein starkes Polizei- 1 aufgebot das Haus umstellt hielt. Bei der Durchfuchung auf den Puhilow-Werken wurden eine Menge von Gefchastsbüchern und Doku­menten befchlagnahmt und auf das Be- : zirksgericht geschafft.

Die schwarzen Blattern auf Korfu. Aus Korfu wird ein Fall von schwarzen Blattern gemeldet. Die Behörden haben sofort alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Der Erkrankte wurde isoliett.

Nr. 150. 1. Jahrgang.___________

ten den Paragraphen hundettfünfundsiebzig des Strafgesetzhuches.

Das Opfer ber Verbrecher

war bie fiebenuubfünfzig Jahre alte Frau Rentier Meyer aus Breslau, ber bie An- fleHaflien im Saitfe ber Jahre gegen vierzehn­tausend Mark abgelockt haben. Sie hatten da­von Kenntnis erhalten, daß der Neffe ber Frau, ber Schauspieler unb Mitangeklagte Haus Meyer auf einem Wechsel bie Unter« färtft seiner Tante gefälscht hatte, um sich Gelb zu verschaffen. Trotzbem ber Wechsel von ber Frau später eingelöst worben war, verstau­ben es die brei Erpresser, bie Rentiere so ein« zuschuchtern, daß sie ihnen fortgesetzt Geldmit­tel zur Verfügung stellte. Es liegt der Verdacht vor, daß der Nesfe dabei

seine Hand im Spiele hatte Itnb dem Verbrechertrio selbst die Angaben über bte gefälschte Unterschrift gmacht hat. Später erzählten sie ber eingeschüchterten Frau, daß ihr Neffe, den die alte Dame trotz allem zärtlich liebte, ein Verhältnis mit einem Mädchen un­terhalten habe, das nicht ohne Folgen geblie­ben sei; für das Kind müßten nun Alimente «ezahlt werden. Auch für diesen vorgeblichen Zweck opferte die Frau verschiedene Tausend Matt. Schließlich versuchte einer der Ange­klagten sogar mit der alten Frau ein Liebes- ?.eäl t n i 8 anzuknüpfen, um sie vollstän­dig tn die Gewalt zu bekommen. Als sie vor den Verbrechern aus Breslau

nach Zoppot flüchtete, reisten ihr die Burschen dorthin nach und mie­teten sich ihrer Wohnung gegenüber ein Zim­mer, indem sie sich die Zeit mit Kartenspielen vertrieben, um sie bei ihren Ausgängen beo­bachten zu können. Schließlich wurden die An­geklagten so frech, daß sie von der Frau mit vorgeh al tenem Revolver Geld ver­langten. Die Frau befand sich fo fehr in der Botmäßigkeit der Burschen, daß sie sich sogar einmal dazu entschloß, mit ihnen zusammen auf ber Ober eine Kahnpattie zu machen. Wäh- renb ber Kahnfahrt brohten bie Angeklagten, das Boot zum K e n t e r n zu bringen, wenn sie ihnen nicht bas gefamte bare Gelb aushänbige, was bie Frau auch tat. In Zoppot hatte bie Frau eine Freundin, itnb als sie schließlich bie immer maßloser toerbenben

Forderungen ber Angeklagten

6otmtog=®lorgen.

Ein Stimmungsbild aus der Aue.

Der Regen, ber stunbenlang eintönig an Mein Fenster geschlagen, ließ etwas nach, unb ich ging eilenden Schttttes, meine Behausung hinter mir lassend, durch die Tischbeinstraße der Aue zu. Noch fällt Tropfen um Tropfen zur Erde, aber es wirkt eigenartig beruhigend auf die Nerven, die von der Schemaarbeit der Woche müde und abgespannt, ber Erfrischung unb Erholung bedürfen. Das Auge labt sich an dem fastigen Grün, an den Blättern unb Blüten, bie mit taufenb Regentröpfchen besät, mir im Zauber keuscher, unberührter Frische entgegenlachen. Ich gehe über bie Brücke am Küchengraben, links erhebt sich malerisch bas Orangetteschloß, ganz umhüllt vom Grün ber Bäume, rechts schimmert burch Gebüsch unb Strauch fteunblich hell bas weiße Gemäuer ber Akademie. Am Auerestaurant vorbei, schlage ich einen Keinen, lauschig versteckten Fußpfad ein. Kein Mensch ist zu sehen weit unb breit!

Da . . . bort taucht ein griinumränbettes Parapluie auf: Eine alte Dame kommt mir entgegen, mit ber Linken krampfhaft, wie ein Kleinob, bas Gesangbuch umfbannt, mit ber Rechten ben Schirm haltenb. Ich sehe in ein altes, runzliges Gesicht: langsam, bedächtig schreitet sie näher.Guten Morgen!" ruf ich ihr herzlich zu. Sie ertoibert freundlich lächelnd meinen Gruß, unb als sich unsere Blicke begegnen, ba ist's mir. als glimme in ben müden, halberloschnen Augen ein Funke jugenblichen Feuers aus, als fliege ein Strahl sonniger, inniger Wärme über ihre Züge. Da klang ein Wort, bas ich unlängst in einem hübschen Buche las, in meinem Herzen wie­der:Der Mensch wirb alt, bie Seel' bleibt ewig jung . . .!"

Ich bin jetzt in ber Nähe des Bassins an­gelangt. Die Maien-Blütenpracht ist halb verrauscht: doch glitzern da unb dort noch, an weniger sonnigen Stellen, vereinzelt kleine Buiche von Goldregen, unb das Rot der Kastanien wechselt wohltuend ab mit dem