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1. Jahr-;"' §

Nummer 140.

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Windstoß sich einstellt. Der durch den gestrigen Unfall entstandene Materialschaden ist beträcht­lich.

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sten nicht geschont, wenn es galt, Ziele zu er­reichen, deren Höhe meist nicht über die Gier einer Augenblick-Laune hinausreichte. Er war auch nie ein Mann der Tat; weder im Streben, noch im Kampf ein Held: Selbst auf der höch- sten Höhe der Macht ein mißtrauisch-ängstlicher Schwächling, der durch die Kunst der Jntrigue und das Beil der Grausamkeit zu ersetzen suchte, was ihm an natürlicher und sittlicher Kraft gebrach. Als das Reich Osmans aus knechtischer Duldung zur Ermannung erwachte, fegte der erste Sturm der neuen Zeit den Ty- s rannen wie ein welkes Blatt vom Thron, und

Abdul Hamids Kalifat verblich unterm Mor­genstrahl türkischen Völkerfrühlings wie ein Gespenst vorm Licht des Tags. Zwei 5>ahre K sind seitdem verflossen: Die junge Türkei er­starkt im fortschreitenden Werk innerer Konso- b lidation, das Sturmgesellentum jungtürkischer

Politik läutert sich zu nützlicher Staatsarbeit, und unterm Zepter Mahmuds reift das Land nach langen Jahren tyrannischer Unterdrückung einer gesunden, glücklicher» Zukunft entgegen.

An einem der letzten Tage, als vom Mina- rei der nahen Moschee der Muezzin zum abend­lichen Gebet rief, hat die Verzweiflung in der Seele des Einsamen Abdul Hamid bis zur Sünde am eignen Leben gefoltert: Der nun Achtundsechzigjährige versuchte, vom Fenster seines Gefängnisses aus sich in die Tiefe zu stürzen, um dem Leid langsamen Sterbens in endloser Qual zu entgehen. Wächterhände ver­eitelten auch diesen ersten Tatversuch im Da­sein des Entthronten, und die Flucht vorm Le­ben hat Abdul Hamid nicht Erlösung, sondern noch härtre Plage gebracht: Sein Wächterheer ist vermehrt worden, jede Regung seines siechen Körpers wird von argwöhnenden Augen be- späht, und wenn nicht der Tod den mit der Nacht des Geistes Ringenden bald aus des Schicksals Fesseln erlöst, wird der einstige Be­herrscher der Gläubigen noch lange für seines Kaiser-Daseins Sünden zu büßen haben. Auch im Leid kein Held, kein königlicher Dulder: Ein wider das Schicksal aeifernder Greis, dem die

Re Neue Zeame d'Arc.

Intimes von der mexikanischen Revolution.

(Von unserm Korrespondenten.)

Eine Abteilung der mexikanischen Revolu­tionäre im Staate Sonora wird von einer Jeanne d'Arc geführt. Die ersten Nach­richten über die neue Kriegsheldin bringt die Daily Mail" in einem Telegramm aus New- York: Die Rebellen des Staates Sonora (so liest man dort) sührt eine Frau, die schon so­viel Beweise von Tapferkeit gegeben und schon so viele Siege davongetragen hat, daß die ame­rikanischen Zeitungen sie dirJeanne d'Arc von Mexiko" getauft haben. Sie ist die Witwe eines Herrn Talamantes und ist gegen die Re­gierungstruppen ins Feld gezogen, weil diese ihr den Mann und zwei Söhne kriegsrechtlich erschossen haben. Das erbitterte sie derart, daß sie sich sofort vornahm, den Tod ihrer Lieben zu rächen und sich an die Spitze der Insurrek­tion zu stellen. Die Talamantes ist eine Frau von fünfundvierzig Jahren, eine noch immer elegante, stattliche Erscheinung,

die aus einer reichen und einflußreichen Fa­milie stammt. Als der Ausstand im Staate Sonora ausbrach, brachten Talamantes und seine beiden Söhne ein kleines Bataillon zu­sammen; dieses Bataillon wurde jedoch schon nach wenigen Tagen von dem Obersten Krap­pes, dem von der Regierung eingesetzten Kom­mandanten der Provinz, gefangen genommen. Der Oberst ließ ein Kriegsgericht zusammen- treten und die drei Offiziere des Bataillons ab­urteilen; sie wurden zum Tode verurteilt und an der Mauer ihres eignen Hauses erschos- s e n. Die Regierungstruppen hatten sick, aber kaum entfernt, als Frau Talamantes Hunderte von Landarbeitern, die in ihren Diensten stan­den, zu bewaffnen begann; sie selbst übernahm den Befehl über die Truppenabteilung und griff mit großer Zähigkeit alle Wachtposten und alle Streiswachen der Regierungstruppen an. Auf den Kopf des Obersten hat sie einen Preis von 40 000 Mark gesetzt: Sie will, wenn ie seiner habhaft werden kann, ihn

nachmittag viereinhalb Uhr in Zarskoje- Selo eingetroffen. Die Stadt war mit deut­schen und russischen Flaggen geschmückt. Die Begrüßung der fürstlichen Herrschaften war äußerst herzlich. Der Zar küßte den Kron­prinzen und die Kronprinzessin, dann begrüßte die Zarin Alexandra das Kronprinzen­paar und überreichte der Kronprinzessin ein wundervolles Rosenbukett. Auf dem ganzen Wege wurde das Kronprinzenpaar vom Pub­likum mit begeisterten Kundgebungen begrüßt. Auf Wunsch des Zarenpaares nimmt das Kron­prinzenpaar im Alexanderpalais Wohmmg. später traf auch die Kaiserin-Witwe in Zars- koje-Selo ein. Zum Galadiner um acht Uhr im großen Saale zu Zarskoje-Selo waren hundertzwanzig Personen geladen.

Zur Beruhigung gereicht es mir, nach den von mir persönlich gemachten Erhebungen er­klären zu können, daß auch bei dem jüngsten Mißgeschick, von dem das LuftschiffDeutsch­land" betroffen wurde, nicht nur niemand ein Verschulden trifft, sondern im Gegen­teil alle Beteiligten, an der Spitze der Fahr­leiter Dr. Eckener, für ihr entschlossenes, zweck­entsprechendes Handeln alles Lob verdie­nen; auch den Zuschauern, die auf Ansuchen der Leitung bereitwillig Hilfe leisteten, gebührt bester Dank. Glücklicherweise sind die Ursachen, die die Katastrophe herbeigeführt haben, ebenso sicher erkennbar als für die Zukunft leicht zu beheben. Die deutfche Luftschiffahrt-Aktien- gesellschaft glaubte, gestützt auf die an anderen Orten gemachten Erfahrungen, der Stadt Düf - feldorf Kosten ersparen und eine Halle mit nur einem Ausgang auch für hier genügend Sicherheit bietend erklären zu können. Das hat sich aber bald als Irrtum erwiesen, weil mit der Umgegend und der Bodengestaltung des sonst vorzüglich geeigneten Platzes zusammen­hängend das Umspringen und Wechseln in der Stärke des Windes besonders häufig vorkommt. Wenn aber ein auch nur fo fchwacher Wind, wie der gestrige Wind es war, das einem mächtigen Segel zu vergleichende Luftschiff von der Seite trifft, fo vermag keine anwendbare Gewalt fein Ausweichen aus einer bestimmten Lage ganz zu vermeiden. Es muß also, um ein Anstößen zu verhindern, genügend Raum für das unver­meidliche Ausweichen vorhanden sein. Da dies immer in der Richtung mit dem Wind ge­schieht, darf sich das Luftschiff auch nie aus der Windseite vor seiner Halle befinden. Wenn sich die Stadt'Düsseldorf entfchließt, die fest« Wand an der einen Längsfeite der Halle durch ein Tor zu ersetzen, sodaß das Luftschiff stets unter dem Wind aus-und einfahren kann, so darf mit großer Zuversicht angenommen wer­den. daß sich Zusammenstöße mit der Halle fürderhin kaum mehr ereignen. Die Fahrleitung würde dann auch nicht mehr ge­zwungen fein, die bisher geübte große Rücksicht auf die Windrichtung walten zu lassen, sondern in der Lage sein, fast bei jedem Wetter Aus­flüge vorzunehmen.

Abdul Hamid.

Die Tragödie des Entthronten.

Paris, 18. Mai. (Privattele­gramm.) Heute erfolgt hier die öffent­liche Versteigerung des dem Exfultan Ab­dul Hamid gehörigen Mobiliars, das einst­mals den prachtvollen Jildiz-Palast am Bosporus fchmückte. Bei der gestern er­folgten Besichtigung stellte sich ein großer Andrang des Publikums ein, da P* unter den zur Versteigerung gelangenden Objek­ten Stücke von größtem Wert befinden Die Versteigerung dürste Millionen von Mark erhringen, die dem türkischen Staat zufließen.

Ostwärts von Saloniki, dort, wo die letzten Gäßchen sich in der Weite der Landschaft ver­lieren, ragt düster ein einsames Haus zur Höhe, dessen graue Mauern seltsam mit dem Grün des nahen Waldes kontrastieren. Eng um- - schlossen von schützendem Gemäuer, gekrönt mit Zinnen und finstern Türmen, ähnelt die Villa Allatini mehr einem Festungswerk als einem für menschliche Bedürfnisse eingerichteten und berechneten Wohnhaus. Auf dem Vorhof patrouillieren Soldaten, den Eingang verwahrt eine starke Wache, und von Turm und Zinnen spähen scharfe Augen hinaus ins Land, damit kein Unberufner den Mauern nahe, hinter de­nen AbdulHamid seit dem Tag seiner Ent­thronung ein freudloses Dasein fristet, gefoltert von der peinigenden Erinnerung an das Einst, von der dumpfen Erkenntnis kraftloser Ohn­macht und gehetzt von tausend quälenden Aeng- sten um das Schicksal seines Lebens: Ein in allen seinen Hoffnungen enttäuschter, von der Schwere jähen Geschicks niedergerungner und am eignen Sein verzweifelnder Mann, der den Tod ersehnt und doch sein Rahen fürchtet, in ohnmächtiger Wut wild an den Ketten rasselst die sein Schicksal fesseln und doch im Bann der Verzweiflung selbst noch hoffst daß des Zufalls Laune einst seine Rot enden und verblichuen Glanz neu erstrahlen lassen werde: Die Tragö­die des Entthronten in ihrer ganzen düstern Größe!

Abdul Hamid hat sicher nicht Anlaß, mit dem Schicksal zu rechten: Seine ganze Regie­rungszeit war eine Kette von tyrannischen Un­gerechtigkeiten und brutalen Gewaltakten; Hunderte, Tausende fielen unterm Schwert sei­ner Schergen, die nichts weiter verbrochen hat­ten, als den finstern Plänen des Padischah stö­rend und hemmend im Weg zu stehen, und er hat selbst das Blut und Leben der ihm Näch-

mit eigener Hand töten, wie er ihren Mann und ihre Söhne getötet hat. Die von der Witwe Talamantes geführ­ten Streitkräfte haben jetzt im ganzen Staate Sonora die Oberhand gewonnen; denOber- ten hat die verwegene Frau» aber noch nicht in ihre Gewalt bekommen. Eine komische oder (wenn man will) tragikomische Episode aus der merikanischen Revolution schildert der Daily Telegraph" in einem vorn virrrebnten Mai datierten Bericht aus Juarez: Die Szene, die sich gestern in der Hauptstadt der mexikanischen Insurgenten abspielte, war einer komischen Oper würdig: Ein Gezänk zwischen M a d e r o und dem General O r o z c o wurde höchst amüsant, nachdem Orozco Madero mit dem Revolver bedroht und ihm feierlich erklärt hatte, daß er und feineMmisterkollegen" eine Bande gewisfenloser Schurken seien. Madero antwortete mit dem Stolze eines spa­nischen Hidalgo, sehr kühl und tuMn. obwohl er gänzlich unbewaffnet war, daß Orozco nicht zu wissen scheine, mit und von wem er spreche. Tann packte er seinen Gegner plötzlich beim Arm und führte ihn die Rathaustreppe hinauf; hier standen

mit Gewehren bewaffnete Soldaten, von denen die einen:Hoch Madero!", die an­dern:Hoch Orozco!" und noch andere: .Hoch Villa!" riefen. Villa ist jetzt gleichfallsGene­ral"; früher ist er eine Art Räuberhauptmann gewesen. Madero forderte mit einer theatrali­schen Handbewegung die lärmende Menge auf, für ein paar Augenblicke wenigstens den Mund zu halten und fprach dann mit weithinschal­lender Stimme:Mexikaner, ich bin der Wäch­ter der Wiege Eurer Freiheit gewesen. Wir sind zusammen aus der Finsternis der Sklave­rei zu der Morgendämmerung besserer Tage emporgetaucht. Wir haben zusammen ge­kämpft und viele Siege erfochten. Mein Leben hat keinen Wert, wenn ich es nicht aus dem Altar des Vaterlandes zum Opfer bringen kann. Wenn Ihr glaubst daß ich dem Lande nicht mehr nützlich sein kann, fo dürft Ihr biet auf der Stelle auf mich fchießen. Wenn Ihr mich jetzt aber nicht tötet, will ich auch weiter Euer Führer bleiben. Ich fordere Euch also auf zu erklären, wer befehlen foll,

Orozco oder Madero?

Von Maderos Beredsamkeit hingerissen (er hat schon mehr als einmal gezeigt, daß er ein ge­schickter Redner ist) riefen die Soldaten fast ein­stimmig:Madero, Madero, Madero!" Orozco beugte sich dieser bewaffneten öffentlichen Mei­nung, erhob den rechten Arm und schrie:Auch ich bin für Madero! Seien wir Brüder!" Un­ter stürmischen Beifallskundgebungen umarmte er kodann Madero. den er soeben noch batte

tzi«Parseval" verunglückt.

(T e l e g r a p h is ch e Meldung.)

Aus Bitterfeld wird berichtet: Tas im Besitz des Luftschifferbataillons befindliche LuftschiffP. 2", das auf der hiefigen Werst der Luftfahrzeug-Gesellschaft in Stand gesetzt worden war, erledigte gestern seine erste Probe­fahrt. Im Begriff zu landen, wurde es gegen die Halle getrieben; die Hülle stieß an die Halle und erhielt einen Riß, wodurch das Schiff aus einer Höhe von etwa zehn Metern a b st ü r z - ie. Drei Perfonen haben Verletzungen erlit­ten. Schwer verletzt wurde niemand. Die fortwährenden Unfälle an und in den Hallen scheinen darzutun, daß diese Bauwerke eine stete Gefahr für die Luftschiffe sind, sobald ein

Freitag, den 19. Mai 1911

Erkenntnis seiner Ohnmacht das Herz zer- leischt, den die Erinnrung an die Tage »er« blichner Herrlichkeit zu wilden Wutausbrüchen stachelt und der aus dem Bewußtsein einstiger Macht nur das eine Empfinden in die Niede­rungen des Geschicks gerettet hat, ein Märtyrer 'einer Pflicht und ein Opfer der Bosheit ge­worden zu fein.

Als et auf dem Thron der Väter faß, offen­barte Abdul Hamid eine Menschenver- achtung, die in ihren seltsamen Aeußerungen krankhaft schien; beut, als Gefallener, empfindet der Verächter des Menschlichen im Menschen jene Regung als Haß wider die Gesamtheit der Lebenden, und ein müder alter Mann, bei vom Schicksal nicht mehr Huld, nur noch Nach­sicht und Milde erhoffen kann, verzehrt sich in Gram und Groll, in Verzweiflung und Leiden- chaft gegenüber einem Akt weltgeschichtlicher Gerechtigkeit, der die Sünden des Tyrannen bart und unerbittlich sühnte. Daß fein im Frührot der Revolution verblichner Stern noch einmal aufleuchten wird, darf er angesichts des Werks der neuen Zeit nicht hoffen: Millionen von Islam-Hörigen schauen in dem Büßer von Villa Allatini des menschgewordne, endlich be- zwungne Verhängnis des Halbmond-Reichs dessen hagerer Arm mehr Unheil auf Land und Volk herabbeschwor, als vor ihm Generationen auf ivilligen Schultern getragen. Selbst die Alttürken-Partei, die Verkörperung muselma­nischer Reaktion und abstraktester Orthodoxie, die im ersten Aufflackern der Revolution ge­neigt war, in Abdul Hamid den starken Trager und hochgemuten Pionier ihrer Ideen zu sehen, hat sich von dem Einsamen abgewandt, dem in bet Gewalt der Gegner nicht einmal mehr die Macht blieb, einen Lakaien von der Schwelle scheuchen zu dürfen: Nemesis! Abdul Ha­mid ist ein lebendes Zeugnis für die Wandel­barkeit irdischen Geschicks, eine mitleidweckende Illustration des ErfahrnngssatzeS von der Vergänglichkeit weltlichen Glanzes und ein tragischer Beweis für die ausgleichende Gerech­tigkeit der Weltgeschichte, in deren Wagschalen Knecht und Cäsar nach ihren Werken gewertet werden. F- H-

Sie HohenzoKern-Fahrt."

Deutschland, England und Rußland.

(Eigene Drahtmeldungen.)

Vom Aufenthalt des Kais er paar es in England wird uns aus London berichtet. Nach seiner Gewohnheit war der Kaiser ge« tern morgen bereits vor sechs Uhr auf und chlenderte eine Stunde lang tm schloßgarten umher. Als König Georg spater zu sei­nem gewohnten Morgenspaziergangtm HYde- park das Schloß verlassen hatte, hofften die zahlreichen Neugierigen, auch den Kaiser zu Gesicht zu bekommen. Der Kaiser ritt aber nicht mit. Als Grund hierfür fuhren die eng- lifchen Zeitungen an, daß der Kaiser kein eignes Pferd rnitgebiacht habe, fremde Pferde aber reite er grundsätzlich nichts Das Frühstück nahm das Kaiserpaar beim deut­schen Botschafter ein. Erne Reihe von Vertretern der Körperschaften hatte, dre,e Ge­legenbeit benutzt, um dem Kaiser eine Adresse zu überreichen. Der Kaiser fand aber keine Gelegenheit, sie in Empfang zu nehmen; und ordnete an, daß sie in bet deutschen 5Botjcf>aft abgegeben werben solle. Die beiden Prin­zessinnen Viktoria Luise und Mary be­sichtigten im Laufe des Tages die Londoner Sehenswürdigkeiten. Abends sand im Bucking- hampalast ein Familiendiner statt. Um bald neun Uhr begab sich der König und die Köni­gin mit den kaiserlichen Gästen und den übri­gen Mitgliedern der königlichen Familie zur Vorstellung im Drurv-Lane-Theater. Eine enorme Menschenmenge brachte vor dem Theater donnernde Hochs auf die kaiserlichen Gäste aus. Im Innern des Hauses, das bis auf den letzten Platz gefüllt war. darrte eine glänzende Versammlung der kaiserlichen und königlichen Herrschaften. Als diese die Königs- loge betraten, erhob sich das ganze Haus und die Kapelle stimmte die Nationalhymne an Dem Kaiser wurden besonders beaeisterte Ova­tionen bargebracht, für die der Kaiser beson­ders herzlich dankte. Die kaiserlichen Gäste folgten dem dramatisch oberflächlichen aber hi­storisch interessantem Stück mit großer Auf­merksamkeit. Am Sonntag abend trifft das Kaiserpaar auf der Heimreise von England in Vlissingen ein, von wo aus am nächsten Vor­mittag die Weiterreise nach Deutschland erfolgt

Ker Kronprinz in zarskoje Selo.

(Ptivat - Telegramm.)

Aus Petersburg wird uns teleara- phifch gemeldet: Das deutsche Kronprin- zenvaar ist bei herrlichstem Wetter gestern

Sie Deutschland-Katastrophe.

Ein Brief des Grafen Zeppelin (Eigene Drahtmeldungen.)

Wie uns aus Düffeldorf depeschiert wird, sind die noch verwendbaren Teile des verunglückten LuftschiffesDeutschland" heute in der Halle geborgen worden, so die Ka­bine, die Motore und die Gondeln. Von dem Aluminiumgestänge ist nur noch ein Schutthau­en vorhanden, der in kurzer Zeit vollständig weggeräumt seiif dürste. Vor dem Parkhotel, in dem Graf Zeppelin Wohnung genommen hat, sammelten sich gestern nachmittag zahlreiche Personen an, die wiederholt Hochrufe auf den Grafen ausbrachten und damit ihr nncr- chütterliches Vertrauen zu dem Werke Zeppe­lins aufs neue bekundeten. Graf Zeppelin hat gestern an den Oberbürgermeister Dr. Oehler einen Brief gerichtet, in dem es heißt:

S- Düsseldorf, 17. Mai.