Nr. 138. — 1. Jahrgang.
Mittwock. 17. Mai 1911
Caffeler Neueste Nachrichten
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Gemälden.
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des Betriebskapitals herausgewirtschaftet wer-
Ganz besonders kommt dies, was I oerden muß, in Kriegszeiten in I otnont Q'rtonSfrrffA tnÜThpn hi* f finc* r'
den könnte.
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kleinen trugen gleiche einmal meiner
die Indianer. Eine gastfreiere Aufnahme, als ihm bei den Rothäuten zuteil wurde, kann man sich, wie er meint, kaum denken. Sie bewirteten und bekleideten ihn aufs freigebigste, außerdem aber begleiteten sie ihn lange Strecken des Weges.
Aus Japan weiß Battelli ein recht drolli
ges Erlebnis zu berichten. In einer Stadt im Bftrncnlande (so erzählt er) Männer, Frauen und Kinder alle die Kleidung, nämlich gar nichts, nicht das herkömmliche Feigenblatt. Bei
zugegeben werden muß, .. ..
Betracht. Bei einem Kriegsfälle würden die
Sie Politik des Tages.
Tas Kaiserpaar in London. (Pri- vattelegramm.) Wie uns aus London berichtet wird, ist das Kaiserpaar gestern mittag wohlbehalten dort angekommen. Als der kaiserliche Extrazug zum Stillstand kam, stieg die Kaiserin zuerst aus und begrüßte den König Georg, gleich darauf umarmte sic die Königin Mary. Hieraus begrüßten sich die beiden Monarchen. Prinzessin Viktoria Luise, die in ihrer sicheren und graziösen Art sofort die Kerzen der Londoner eroberte, begrüßte das Königspaar mit liebevoller Wärme. Tie beiden Monarchen trugen Zivil. Nachmittags machte der Kaiser Besuche bei den Mitgliedern der königlichen Familie. Abends fand ein Diner im Buckinghampalast statt.
csP Vierzigtausend Arbeiter ausgesperrt. (P r i v a t t e l e g r a m m.) Depeschen aus Kopenhagen zufolge sind gestern die Vergleichsverhandlungen zwischen den Arbeitgeberverbänden und den Organisationen der Klempner als resultatlos abgebrochen worden und heute tritt die Aussperrung in Kraft. Diese wird sich jedoch nicht nur auf die Klempner, sondern auch auf die Organisationen der Maurer, Maler und Holzarbeiter erstrecken, so daß die Aussverrung über vierzigtausend Personen umfaßt. Gleichzeitig halten, die vereinigten Gewerkschaften Versammlungen ab, nm über Gegenmaßregeln gegen diese Aussperrung zu beraten.
cS3 Die Wolke im Osten. (Privatteletz r a m m.) Aus Petersburg wird uns depeschiert: Tic Blätter fahren fort, sehr beunruhigende Nachrichten aus dem fernen Osten zu bringen, namentlich aus Wladiwostok, wo man einen Krieg für unvermeidlich hält. So meldet der „Rußkoje Slowo", daß die Kriegsgerüchte durch die Reise des Kriegsministcrs nach Ostasien neue Nahrung erhalten hätten. Für den Monat Juli wird in Petersburg die Ankunft eines chinesischen Prinzen erwartet, dessen Aufgabe darin bestehen soll, den russisch-chinesischen Konflikt ein für alle Male beizulegen.
Wel w< ^ladtbau
konsequent keinen Künstler oder Journalisten, der nicht einwandsfrei gläubig ist, in den Klub aufnehmen. Dagegen suchet er allerlei Gr- schäftelei und die gefährlichsten Hasardspiele in diesem Künstlerklub. Ta dem Präsidenten nickt beizukommen war, sind hundert Mitglieder des Klubs ausgetreten und andere bundcrt sind entschlossen die Sezession mitzumachen, sodaß der Präsident zum Schluß ohne Mitglieder da- stehcn wird. Nur einer ist mit den Zuständen zufrieden: Tas ist der Crupier der Baeearat- bank des „Föszek", der in einer ganz kurzen Zeit eine Galerie von mehreren hundert Gemälden der besten ungarischen Stünftler .. . „gesammelt" hat. Denn wie einst der Dichter Puschkin seine Kartenverluste mit seinen Versen beglich, so zahlen die ungarischen Maler ihre Spielschulden mangels baren Geldes mit
Ankunft aber flohen sie alle in ihre Häuser und ließen sich nicht sehen, bis ich aus den menschenleeren Straßen verschwunden war. Natürlich waren die Japaner vor einem Manne geflohen, der so schamlos war, Kleider zu tragen! In China hat Battelli mehrmals Todesgefahr aus- gestanden und mußte in mancherlei Verkleidungen fliehen, besonders machten ihm die Bettler zu schaffen, so bald er als Weißer erkannt war. In Peking kam er gerade an. als das Begräbnis der Kaiserin-Mutter stattsinden sollte, und er behauptet, trotz des Verbotes photographische Aufnahmen von dem Leichenzug gemacht zu haben. Das seltsamste, was Battelli erlebt haben will, ist Wohl folgendes: In Irkutsk sah er zwei Damen im . . . H o s e n r o ck, die sich anboten, ihn bis zum Ziele seiner Reise zu begleiten. Er versprach denn auch sie mitzunch- men, empfahl sich aber auf „französisch" und ist so dem Verhängnis entgangen. So erzählt Bai- tcüi, ein zweiter Urian, von feiner Reise um die Welt die merkmürdigstcn Geschichten. In Berlin haben seine Landsleute für ihn eine kleine Geldsammlung veranstaltet, so daß er die Reise nach Italien fortsetzen kann.
Dr. Sch.
Neuer, Professor Alfredo Battelli, Redakteur des „Bolleitino della Sera". Die vier Kämpen traten ihre Wanderung am siebenten Oktober 1908 von Newyork aus an. Uebcr Philadelphia und Baltimore gingen sie zunächst nach Washington, wo sie vom Präsidenten Roosevelt empfangen wurden. In Chicago trennten sie sich, und Battelli zog allein weiter. Einer seiner Gefährten gab dann in San Francisco den Marsch auf; die andern beiden hielten auch nicht lange aus. Battelli allein gelangte nach Kanada, schiffte sich nach Japan ein und war im September 1909 in Jo- kohama. In Tokio wurde er dem Fürsten Ito vorgestellt. Er pilgerte dann weiter nach Nagasaki. schiffte sich hier nach China ein, erreichte Sibirien, wo gerade die Pest herrschte, und kam über Irkutsk, Samara, Moskau nach Petersburg. In Petersburg erkrankte er infolge eines Schneesturmes ,der ihn auf dem Wege von der alten nach der neuen Zarenstadt überrascht batte. Er verlor das Gehör auf dem rechten Ohr, konnte nicht mehr weitergehen und fuhr per Eisenbahn »ach Berlin.
In Pennsylvanien, als Batelli noch mit feinen drei Gefährten beifammen war, wurden die vier Wanderer plötzlich von einer großen Schar Bewaffneter gefangen genommen und weggcschleppt. Aus den drohenden Ausrufen: Ta haben wir die verfluchten Räuber! war zu schließen, daß die vier harmlosen Fuß- wanderer Opfer einer Verwechselung geworden seien. Erst nach schwierigen Verhandlungen klärte sich die Sachlage auf, und als die vier Wanderer gar schriftlich nachweisen konnten, daß Roosevelt sie empfangen hatte, wurden sie außerordentlich ireundffch behandelt. Seltsame Elebnisse weiß Battelli vom Zusammentreffen mit den verschiedensten Völkern tu erzählen. In der Stadt Columbus in Nebraska zum Beispiel wäre er beinahe gelyncht worden. Er batte sein Gewehr, das er tum Lebensunterhalt durchaus brauchte, geschultert; in der Stadt aber kam ein Geistlicher, der die ganze Bevölkerung auf ihn hetzte. Man glaubte, er wollte zur Jagd gehen. In Columbus aber gilt das strenge Gesetz der Sabbathheiligung, und so wäre Battelli als Sabbaihschänder beinahe von der aufgeregten Menge umgebracht worden. Die liebenswürdigsten Menschen, die der Wan derer getroffen hat. sind feinem Urteile nach ...
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Den Ausführungen der Denkschrift ist wohl darin beizupflichten, daß zur Unterbringung l der umfangreichen Summen von Kommunal- | papieren die Erhaltung der zahlreichen großen 1 und kleinen Kanäle erforderlich ist, durch bit j jetzt die Stadtanleihcn in die Reihen des Pri- 4 vatpublikums fließen. Die große Kommunal- I bank könnte der Mitwirkung der Bankiers mit V ihrer ausgedehnten Kundschaft wohl schwerlich j entbehren. Die Kommission befürchtet Schwic- W rigkeiten, daß eine angemessene Verzinsung der D der Kommunalbank anvertrauten Gelder und j
„Auf der Walze."
Aus dem Wanderbuch eines alten Caffelaners.
Man hat ibn schon vor Jahren in die kühle Erde gesenkt, den Besitzer des jetzt vor mir liegenden Wanderbuchs mit abgegriffenem Deckel und vergilbten Blättern. Die darin enthaltenen Aufzeichnungen sind nur kurz und amtlicher Natur, aber dennoch reden sie eine Sprache für sich, erzählen von den Wanderungen eines alten. knrhessischen Handwerksgefellen. der itt Cassel das Riemenhandwerk erlernt und von hier aus die Welt durchwandert hat, mit dem Ränzel auf dem Rücken und den Knotenstock in der Hand. Ein Hauch des Zunftwefens aus alter Zeit steigt beim Durchlesen der Zeilen vor den Augen auf, und man erkennt deutlich, wie stolz der Handwerker auf feine Tüchtigkeit und wie er von einem starken Selbstbewußtfein beherrscht war. So nur ist es zu erklären, daß die Handwerksmeister und die kurhessischen Zünfte mit Argusaugen darüber wachten, daß kein Unwürdiger eine Befcheinigung über das erlernte Handwerk erhielt. In der kurhessischen Zunftordnung, die in dem Wanderbuche im Auszüge abgedruckt ist, heißt es unter anderem: „Meister, welche untüchtigen Gefellen zum Behuf des Auswanderns oder zu einem andern Zwecke, vorteilhafte, mithin unrichtige Zeugnisse erteilen, werden mit einer Geldbuße von drei bis zehn Kammergulden, halb zur Zunst- und halb zur Handwerksfchul-Kaffe bestraft, welche Geldbuße in Wiederholungsfällen mit Gefängnis geschärft werden kann." Aus dieser Bestimmung geht auch hervor, daß zum Wandern ein gutes Zeugnis erforderlich war und daß jeder Handwerker ohne eine solche Bescheinigung von der Walze ausgeschlossen war.
meister glauben inzwischen klare Anschau. D ungen bezüglich der bisher recht Unflaten 1 terie gewonnen zu haben. Unter Hinzuzichun» I namhafter Vertreter größerer Banken und Hypothekenbanken führten die Beratungen in Z
Gemeinden, also die sonstigen regelmäßigen Kunden für die Aufnahme von Effekten, stark versagen. Man hält es für gefährlich, in normalen Zeiten die großen Kredit- und Hypothekenbanken von dem gesamten Geschäft mit den Gemeinden abzuschließen upb in schweren Zeiten dann gezwungen zu sein, sich wieder an sie zu wenden. Aus dem Deutschen Städtc- tag in Posen im Herbst dieses Jahres dürften die wichtigen Angelegenheiten eine weitere Klärung erfahren. Schon jetzt aber kann man mit der Erwartung rechnen, daß zum Nutzen aller Gemeinden, ob groß, ob klein, eine Gemeinsamkeit herbeigeführt werden wird, die der Eintracht im öffentlichen Finanzverkehr einen würdigen und passenden Rahmen vcr-
Wie uns aus Petersburg gemeldet wird, ist der Oberprokurator des heiligen Sv- nods Lukjanow infolge seines Ab'^icds- gcsuches seines Amtes enthoben und an seiner Stelle das Reichsratsmitglied S a b l e r ernannt worden.
Einem Privattelegramm aus Pe- tcrsburg zufolge soll der Kuraufenthalt der Zarin in Deutschland in diesem Iahte wieder in Frage gestellt fein. Es verlautet neuerdings, der Zar und auch die Zarin hätten den Plan, ein ausländisches Bad zu besuchen, auf- gcgcben und würden in nächster Zeit nach Pe- tcrhof übersiedeln.
Nach einer Meldung aus Saloniki kommt aus Villa A l l a t i n i die Nachricht, daß das Befinden des ehemaligen Sultans sich verschlimmert habe. Es scheint eine Ner- vcnkrisc eingetreten zu sein. Der Sultan versuchte sich aus dem Fenster zu stützen, konnte aber im letzten Augenblick noch zurückgehalten werden. Es machen sich Zeichen von Delirium bemerkbar.
Wie ans Adis Abeba berichtet wird, ist der Sohn des Königs Menelik, Prinz L i d j I e a s s y, zum König von Abessinien und Kaiser von Aeihiopien ausgerufen worden, wodurch die Meldung vom Tod des Negus Menc- lik endlich ihre offizielle Bestätigung erfährt.
noch Paris reisende siebenjährige Söhnchen eines Obersten aus dem Eilzug während der vollen Fahrt. Aus das Notsignal hielt der Zug, und der verzweifelte Vater suckle mit dem Schaffner die Strecke ab. Etstaunlichcrweise wurde das Kind unverletzt in einem Graben gefunden.
Ein Opernsänger verschwunden. Das Mitglied der Kopenhagener Oper Harry H a u r o w i tz ist unter Hinterlassung von Verbindlichkeiten im Betrage von über hunderttausend Mark plötzlich verschwunden. Die Spur des Verschwundenen soll nach Deutschland beziehungsweise Berlin sühren.
™ Der Sumpf der Großstadt. In Jckateti- noslaw bat die Polizei einen verrufenen Salon aufgehoben, zu dessen Besuch minderjährige Töchter Petersburger Familien und Herren der besten Gesellschaftskreise gehörten.
Die Tragödie eines Vizekonsuls. Im Fieberdelirium stürzte sich gestern im Washingtoner Garfield-Hospital der Sohn des verstorbenen früheren amerikanischen Staatssekretärs Philipp Bayard aus dem Fenster seines Krankenzimmers; er starb wenige Stunden darauf an den erlittenen Verletzungen. Der Verunglückte war früher Vize- Generalkonsul in Marokko.
im Den Hauptmann erschossen. Aus dem Exerzierplatz bei Petersburg wurde am Samstag der die Hebungen leitende Hauptmann hinterrücks erschossen. Der Mörder, ein Gefreiter des Infanterie-Regiments Perm, warf das Gewehr von sich und lief in den nahe gelegenen Wald. Am Sonntag wurde er dort von Soldaten aufgegriffen und verhaftet.
Und nun wußte man auch, mit wem man es zu tun hatte. Vor drei Iahten etwa regten . amerikanische Zeitungen eine Weltreise z u Fuß an. Die Wettgeher sollten sämrlick dem Journalistcnstande angeboren. Es beteiligten sich: Ein Amerikaner, ein Deutscher, ein Franzose und der jetzt in Berlin eingetroffene Jta-
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Eins erksa- gflten,
Neuer vom Tage.
(Depeschen der Caffeler Neuesten Nachrichten.) «v Der Bierulk am Karlsruher Kaisertag.
Der Studentenulk vor dem Karlsruher Residenzschloß, den einige Studenten während der Anwesenheit des Kaiserpaares ausführten, bat jetzt die akademische Bestrafung der Teilnehmer im Gefolge gehabt. Der Senat der Karlsruher Technischen Hockschule hat die freie Verbindung „A l a n i a" für das Sommerfemestet 1911 suspendiert. Mitglieder dieser Verbindung waren cs, die während des Ansenthalts des Kaisetpaares in einer Droschke, in der sie Bier aus einem Fatz tränten, vor dem Schlosse auf und ab fuhren und nur mit Mühe fortgewiesen werden konnten.
™ Maffenvergiftungen in der Kaserne. Hun- dettfünfzig Mann des Infanterieregiments Nr. 90 in Görlitz sind an Vergistungsetschei- nungen erkrankt. Ob eine Fleisch- oder Bleivergiftung vorliegt, ist noch ungewiß. Lebensgefahr besteht nicht.
«r Dämon Alkohol. In einer Wirtschaft bei Kohlscheid gerieten Bergarbeiter und Knechte in Streit. Die Knechte flüchteten. Einer von ihnen wurde eingeholt und von den Bergarbeitern derart mit Messern bearbeitet, ?aß er nach kurzer Zeit st a r b. Tic Bergleute lüchteten darauf über die holländische Grenze, doch konnte einer bereits verhaftet werden.
s Uttterfeebot und Aeroplan. Auf Vor- chlag des Marineleutnants Conneanr und seines Schwagers, des Marinrlentnants Maße, Befehlshabers des Unterseebootes Monge, werden demnächst in Toulon interessante Manöver zwischen einem Flugapparat und einem Unterseeboot stattsinden. Es handelt sich darum, estzustellen, ob ein Flieger in dec Lage ist, ein unter Wasser befindliches Unterseeboot in entdecken und hierdurch einen Angriff zu verhindern.
“ Politik mit Säbeln Infolge persönlicher Reibereien fand gestern zwischen dem Abgeordneten C a i l l a u r und dem Journalisten l c G r a nd in Paris ein D ee n d n e l l statt, das bis zur Kampsunfähigkeit führen folltc. Nach dem neunten Gang hatte Caillaux sieben Wunden und le Grand vier, woraus die Sekundanten das Duell trotz des Widerspruchs der Kämpfenden für beendet erklärten. Die Gegner chieden unversöhnt.
iS Des Kindes Schutzengel. Am Sonntag stürzte das mit seinen Eltern von Marseille
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erster Linie zu dem Ergebnis, daß der qsiart -M ist. ’c der Errichtung einer besonderen Komm,,-
seiner Kunst begeisterte. Er ist inzwischen gereister, abgeklärter geworden und sein künstlerisches Talent präsentiert sich als geschlossenes Ganzes. Im Hoslheater sah man gestern abend kein Eckchen unbesetzt; das ganze geräumige Haus glich einer erwartungfroben Vollversammlung, in die die hellen Toiletten der Damenwelt den stärksten Effekt hineintrugen: Vom zarten Backfischchen mit Gretchen,opf und bunter Schleife bis zur würdigen Matrone im Festgewand war unsere Damenwelt vertreten, um dem gefeierten Gast eine Huldigung darzubringen, wie sie im- pofanter und innerlich- aufrichtiger kaum einen Künstler erfreuen kann. Schon beim ersten Schritt auf die Bühne fcholl Kothe der Jubel- grutz feiner dankbaren Gemeinde entgegen und die Ovationen steigerten sich mit jedem neuen Glanzstück, das der Gast als Leutnant von Berndt in Mosers .Veilchenfresser" ans dem Gefüge der Handlung herauszukristallisieren wußte. Als scklietzlich überm vierten Ast der Vorhang siel, durchbrauste das Haus nichtendenwollender Beifall, und der Gast, von einer Mauer duftender Blumengrüße gebannt, mußte unzähligemale immer wieder stürmisch einsetzenden Hervorrufen Folge geben. Als im Tempel der Kunst bereits die Lichter verlo- fchen, drängte sich vor dem Thcatergebäude noch eine nach Hunderten zählende, begeisterte Menge,und es war nur schade, daß Herr Kothe im Auto vorn Abend seines Triumphs heim- suhr: Wäre er im Wagen gefahren, hätten die dankbar-beglückten Casselaner ihm sicher die Pferde ausgespannt! Einen Abend, der f o von stürmifcher Begeisterung bewegt wurde, wie die gestrige Huldigung für Georg Kothe, hat das Hostheater noch nicht gesehen. Die Aufführung an sich gestaltete sich außerordentlich glanzvoll: Neben dem gefeierten Gast erntete Herr Strial als Referendar von Feldt reichen und wohlverdienten Beifall, Herr Hellbach spielte den Oberst von Rcmoack mit temperamentvollem Schneid und als Witwe von Wildenheim entzückte Frau B a y r h am - m e r durch prächtig ausgearbeitete Charakterisierung. Auch die Träger der übrigen Rollen (besonders die Damen G r o a und Sticwe) gaben ihr Bestes, und die Aufführung gestaltete sick infolgedessen, glanzvoll inszeniert, zu einem vollwertigen, künstlerischen Erfolg, -an
Georg Käthes Trrunwh.
Der „Veilchenfreffer" im Hostheater.
Cassel begrüßte gestern abend tm Hoftheater einen lieben Landsmann und Bekannten, den die Huld der Kunst anS den Mauern der Vaterstadt hinaus- tntg auf die höchsten Höhen des Künstlerruhms: Georg Koth.e vom Leipziger Stadttheater, der einst, in den Jahren des Werdens und Reifens. Cassels Theatersrennde im alten Musentemvel durch den natürlichen Reiz
der Errichtung einer besonderen Kommu-U nalbank ausgeschieden wurde. Die An, | sicht gewann Oberhand, daß für die größeren Gemeinden ein Bedürfnis zu einer derartigem i Gründung nicht vorliege und daß das Fein- .1 bleiben der Großstädte von einem Zcntraldar- I -eschen lehnsinstitute das unbedingt erforderliche Vcr- 3 trauen der öffentlichen Meinung beeinträchti- ■
' Ä T Sie wir Kaiser $ aus der res den r" s s i s i :König sollen zu Näßere finden, werden.
.. ’△ D- ueber i Solls sch ’n t n i ft Ichulkolle Zeichnen hegten <
»Me ob (andern oder ein Sander der Vcr heute if gut tote • braucht i seine >u s sicktskrei ibn nack deren N
Jas Neueste ms Kassel.
LLugfrtstige kommunale Darlehen.
Die Konzentration des Kommunalkredits.
Von einem finanzpolitischen Mitarbeiter wird uns geschrieben: Die letzthin erschienene Denffchrist des Vorstandes des Deutschen Städtetags läßt erkennen, daß auf dem Gebiete des gesamten kommunalen Finanzwesens des Reiches erfreuliche Verbcs- erungen zu erwarten sind. Der Beschluß, daß auch kleineren Gemeinden die in Düsseldorf eingerichtete Vermittlungsstelle für kommunale Darlehen geöffnet werden oll, bedeutet unbedingt einen wichtigen Fort- chritt zur Lösung der brennenden Frage. Fast noch wichtiger ist es, daß die Vermittlungstätigkeit auch auf die Gewährung lang- ristiger Darlehen ausgedehnt werden soll, >a zur Zeit nur kurzfristiger Kredit für die- cnigen Städte über 80 000 Einwohner be- chafft wird, die die Zentralstelle in Anspruch nehmen. Die segensreiche Einrichtung, die damit für viele Verwaltungsverbände geschaffen wird (und dazu gehört die Mehrzahl der Gemeinden, weil sic der kulturellen Entwicklung bienert), wird den Vorläufer für die große Konzentration des Kommunalkredits bilden, die uns vorläufig noch immer als das erstrebenswerte Ziel aller Haushaltung spläne der starken und der im Aufblühen begriffenen Gemeinden vorschwebt.
Daß der Vorstand des Städtetags wacker an der ihm gestellten Aufgabe arbeitet, ersehen wir aus allen Einzelheiten der Denffchrist. Nachdem die kommunale Finanzentwickelung auf dem jüngsten Münchener Städtetage im Jahre 1908 eine gründliche Erörterung erahnen hat, sind verschiedene Pläne entstanden, umfassende Reformen zu schaffen. Es blieb zunächst noch zweifelhaft, welche Städte sich an der gemeinsamen Sache beteiligen würden, welche Rechtsform (Aktiengesellschaft oder Verein) zu wählen sei. und ob die Finanzan- talt überhaupt lebensfähig sein werde. Die fünf in die Kommission gewählten Bürger-
zu Fuß um die Welt.
Die Abenteuer eines Weltrcifenden.
(Von unferm Korrespondenten.)
Aus Berlin wird uns geschrieben: In einem Berliner italienischen Restau- rant ereignete sich dieser Tage eine seltsame Szene. Der Wirt ist Florentiner, die Gäste sind Kosmopoliten. Eine russische Studentin, ein amerikanischer Handlungsreisender, zwei österreichische alte Jungfern und viele Berliner; von Italienern sind außer dem Wirt nur noch ein Gast und ein Kellner da. Aber alle essen Maccaroni nach neapolitanischer Art und trinken Chianti, echten Chianti! Ein ganz fetter, blonder Herr raucht sogar eine Toscanaer Zi- garje . . . Ta faust plötzlick wie eine Bombe ein Mann in den Saal, pflanzt sich mit gekreuzten Armen im Zimmer auf und mustert alle Gäste der Reihe nach. Nationalität: Ungewiß. Es kann ein Russe, es kann aber auch ein Bologneser fein. Nach kurzer Pause stürzt sich der seltsame Eindringling auf den ersten Kellner, der mit einer Schüssel dampfender Maccaroni vorübergeht, reißt ihm das leckere Gericht aus der Hand, setzt sich rasch an einen Tisch und hat in einem Nu die ganzen Maccaroni hinuntergescklugen. Kein Mensch lackt: In Berlin wird alles, was originell ist, mit Sympathie, beinahe mit Enthusiasmus ausgenommen. Aber das hier ist nickt Originalität: Es ist .. Hunger! Ter Mann sagt es selbst, indem -er vor Scham errötet: „Ich habe Hunger, meine Herren. Ich bin krank. .<*•■ komme von Petersburg. Ich habe die Reise um die Welt zu Fuß gemacht. Ick konnte nickt weiter. Seit drei Jahren strebe ich verzweifelt einem Ziele zu. Und ich besitze keinen Pfennig. Heute früh bin ich nach Berlin gekommen; ich habe vergeblich nach einem Landsmann geforscht. Ich verstehe kein Wort Deutsch; zufällig sah ick dieses Restaurant; ich trat ein; die Maccaroni . . ."
Politische Chronik.
Der Landtagsabgeordnete für Gießen, Geheimer Justizrat Dr. G u t f l e i s ch, hat aus Gesundheitsrücksichten sein Mandat niederge- Icgt. Dadurch ist die Stadt Gießen unerwartet vor eine neue Landtagswahl gestellt worden, die jedenfalls in Kürze stattsinden wird. Der Wahlkreis ist sicherer freisinniger Besitz.
Ein Privattelegramm meldet uns aus Straßburg: In der Wählerversammlung seines Wahlkreises gab der Reichstagsabgeordnete D e l s o r gestern bekannt, daß ihn die Verhandlungen in der elsaß-lothringischen Verfassungskommission so angewidert hätten, daß er seine Demission als Mitglied der Verfassungskommission nach Berlin geschickt habe.